Indiana Tribüne, Volume 27, Number 102, Indianapolis, Marion County, 19 December 1903 — Page 7

Jndiana Tribüne, IS. Dezember 1903

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Z. JL . Der f iehsohn M fr M 44 4:. 5? 5? (Fortseung.) Eines Tages brachte man ihn mit gebrochenem Genick in's Haus. Im Rausche, war er einen Berg heruntergefahren; hatte das Einhemmen vergessen; die Pferde kamen in's Durchgehen; der Wagen zerschellte an einer Felsenecke; sein Lenker wurde den Steilhang hinabgeschleudert. Das war also das lnde eines ebensabschnittes, der so schön begann, und der so unglücklich verlief! Die resolute Natur der jungen Frau ließ es nicht zu, daß sie sich von diesem Ausgange mit zerschmettern ließ. Ihre Liebe war ja schon längst todt, und nur die Pflicht und der Zwang der Umstände hatten sie vermocht, bis jetzt auszuhalten. Energisch machte sie sich an die Arbeit, die aus dem Geleise gerathenen Dinge auf dem Hofe wieder einzurenken. Weil sich zu ihrem starken Willen auch das nöthige Verstandniß gesellte, so hatte sie Glück damit, und bald brach eine Zeit an, von der aus sie mit Ruhe der Zukunft entgegenblicken konnte. Sie war ja noch so jung gewesen, als sie heirathete, kaum achtzehn Jahre, was in bäuerischen Verhältnissen etwas ganz Außergewöhnliches ist. Jetzt zählte sie siebenundzwanzig und war ein Weib in der vollsten Blüthe der Jahre; üppig, mit blitzenden Braunaugen, weißen, glänzenden Zahnreihen, Grübchen im Kinne, einem Haarschmuck, der aufgelöst bis zu den Knieen reichte und einer hohen, ebenmäßigen, elastischen Gestalt. Was Wunder, daß die reichsten Burschen der Gegend sich alle möglichen Anstrengungen kosten ließen, die junge Wittwe ein zweitesmal zu einem Ehebund zu bewegen. Aber gebrannte Kinder scheuen das Feuer, und keiner konnte sich rühmen, auch nur die geringste Aufmunterung erfahren zu haben. Im Gegentheil, bei solchen Anlassen konnte sie so derb zurückweisend werden, daß die Freier von selbst nachgaben und fortblieben. Die Liebe zum Manne schien in ihr vollständig ausgebrannt zu sein, und so kam es, daß die junge Frau auf dem großen Hofe ein ganz einsames Leben führte, allen Lustbarkeiten fern blieb und sich einzig und allein nur mit der Erziehung der Kinder und den Sorgen der Bewirthschaftung ihres Eigenthums befaßte. Aus den Wochen, die Loisl auf dem Vilshof zubringen follte, wurden Monate, aus den Monaten Jahre. Das hatte sich alles wie von selbst gegeben. Nach vielleicht sechs Wochen hiell Frau Maria' Umschau, allein es fand sich nichts passendes für den Buben. Das wiederholte sich ein-, zweimal. Allein während der Zeit hatte sich der kleine Kerl so in das Herz der Bäuerin geschmeichelt, daß diese eigentlich erschrocken wäre, wenn Jemand von ihr verlang! hätte, sie solle den Buben wieder weggeben. Er war so weich und anschmiegend, der Loisl; so gar nicht wie der wild:, kleine Haussohn, der jedesmal sich ungeberdig anstellte, so oft seine Mutter freundlich mit ihm that. In der jungen Frau war das Bedürfniß, den Ueberschuß der in ihrem Herzen aufgestapelten Liebe auf irgend eine ihr . nahestehende, sympathische Persönlichkeit ausströmen lassen zu können, so mächtig, daß sich ihre Freundschaftsund Mitleidsempfindungen gegen Loisl in ein Gefühl umwandelten, das der Mutterliebe nächstverwandt war. Bald dachte die Bäuerin gar nicht mehr daran, den Buben wegzugeben. Die Kinder wuchsen gesund und frohlich nebeneinander auf; aus dem Staserl ward nach und nach eine Stasi, die versprach, wenn möglich, noch schöner zu werden als ihre Mutter, der sie jedoch im Aeußeren und Temperamente nur wenig glich, denn-Stasi war helblond, hatte schwarze Augen, eine zarte Farbe in dem weichen Oval ihres Gesichtchens und zeigte schon als Kind ein tiefes, weiches Gemüth, das aber 3ii Zeiten recht energische Ausbrüche fehen lassen konnte. Der Sepp war gutmüthig; nicht gerade besonders geistig hell, auch jähzornig und unbändig, wie sein früh verstorbener Vater, dem er auch im Aeußeren ähnelte. Besonders im Zorne, in den späteren Jugendjahren, zeigte sich diese Aehnlichkeit stärker, .und Frau Maria schauderte, wenn sie bei heftigen Auftritten durch den S?hn so unmittelbar an dessen Vater erinnert wurde, der ihr so viel Leid angethan hatte. Dann kamen Zeiten 'für sie, in denen sie sich nach folchen Vorgängen, tage, und wochenlang geradezu zwingen mußte, den Buben freundlich zu behandeln. ' Ihre tiefverwundete Seele kämpfte dabei einen harten Kampf gegen die , Pflichten der Mutter, aus dem sie je- ' doch stets siegreich hervorging, so schwer es ihr auch manchmal wurde. Unwillkürlich fühlte sie sich mehr und mehr zu dem sanften, sinnieren Loisl binae, zogen, oer lyr ein ungleich größeres Verständniß entgegentrug. Das war häufig aber auch die Ursache, daß die Bäuerin sich heftige Vorwürfe darüber

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cti 0 Hoülandsroman : ,?. 6 von o M dUoss XI tt 55 machte, dem Ziehsohne innerlich näher zu stehen, als dem eigenen Kinde. Sie zwang sich zur Kälte und Zurückhaltung. Wenn aber in solchen Zeiten die weichblickenden braunen Augen des Loisl wehmüthig mit der stummen Frage auf ihr ruhten: Was hab ich Dir gethan, daß Du so aanz anders als sonst zu mir bist?" Dann schlang sie oft plötzlich ihre Arme um diesen und weinte bitterlich. Loisl hatte zwar keine Ahnung davon, was dies zu bedeuten hatte, aber er tröstete sie in seiner kindlichen Art und war dann doppelt bemüht, seiner Ziehmutter alles zu thun, was er ihr an den Augen absehen konnte. Wenn sie. wie es Frauenart ist. von ihren häuslichen Sorgen und Schmerzen zu den Kindern sprach, wurde das dem Sepp immer sehr bald zuwider und langwellig. Das Gepens (klagen) und Gejammer kann i' net aussteh'n," rief er und machte sich eilig aus dem Staube. Nur Loisl und die Stasi hörten geduldig zu, und ersterer ließ es an begütigender und vermittelnder Einsprache nicht fehlen. Die Stasi war noch zu jung, um viel davon zu verstehen, doch hörte sie aufmerksam zu. und das genügt meist in solchen Fällen. Loisl und der Sepp fühlten eine feste, aber sehr eigenthümliche Freundschaft gegen einander. Der Haussohn war, trotzdem er zwei Jahre weniger zählte, stärker und wilder und hatte deshalb nach diesen Richtungen das Uebergewicht. Wenn es aber darauf ankam, etwas auszudenken, war Loisl der Tonangebende. Ging es nicht gar zu heftig her, so that Stasi mit und wurde von Beiden gut behandelt. Das dauerte aber gewöhnlich nicht zu lange; doch stundenlang konnte sie mit Loisl spielen, wenn Sepp nicht dabei war. Was aus dem Letztgenannten zu machen war. stand außer Zweifel, und dafür zeigte er auch ausgesprochene Neigung, während Loisl zu allen Arteilen in Wald und Feld sich ungeschickt stellte und viel lieber hinter seinen Büchern saß. Es kam eben bei ihm die Abstammung gerade so zum Vorschein, wie bei dem Anderen; und als es sich eines Tages um einen endgiltigen Entschluß handelte, bestand Loisl mit Bestimmtheit darauf, Lehrer werden zu wollen. Mit einer gewissen Angst hatte Frau Maria diesem Kommenden entgegengesehen, denn damit war verbunden, daß der Knabe außer Haus mußte. Das Opfer, das sie dabei an Geld brachte, sah sie nicht an; t hatte sich bereits so daran gewöhnt, Loisl als eigenes Kind anzusehen, für dessen Weiterkommen sie sorgen müsse, daß ein solches Bedenken in ihr nicht aufstieg. Aber mindestens vier bis fünf Jabre den Knaben in das weit entfernte Lehrerseminar zu geben, und dann denselben unt.er Umständen ganz ihr verloren zu sehen, kostete ihrem Herzen ein großes Opfer. Schließlich aber sagte sie sich, daß es wohl am besten für dessen Zukunft sei, wenn sie seinem Drängen nachgebe; denn auf dem Hofe hätte sie ihn nur als Knecht behalten können, und unter fremden Leuten mochte sie sich den weichen, etwas schwächlichen Buben gar nicht denken. Der Loisl kam also, nachdem er in Partenkirchen mchts mehr lernen konnte, in's Seminar, und gehörte dort zu den fleißigsten Schülern. Zu den Ferienzelten kehrte er nach dem Vilshof zurück und holte sich von dort wieder frische Wangenfarbe, denn das Studiren in den überfüllten Schulsälen macht bleich. Immer war es ein Gegenstand größter Sorge für Frau Maria, den Loisl wieder anständig herauszufüttern, und hatte sie es erreicht, so mußte der Bub' wieder abreisen. Je älter der Heimkehrende wurde, desto mehr lösten sich die intimen BeZiehungen -zum Sepp. Nicht sowohl ihre Charaktere waren ungleich, son dern die verschiedene Lebensführung erzeugte von selbst anderes Denken und andere Beurtheilungen. Wenn Menschen in derartigem Verhältnisse stehen, so haben ?.t sich dann entweder sehr wenig zu sagen oder sie streiten mit einander. Bei Loisl und Sepp kam es zum Erstgenannten. War die wirklich auf richtige Freude des Wiedersehens nach einer längeren Trennung vorüber, so ging Jeder alsbald seine eigenen Wege, was von selbst dazu führte, daß der kleine Seminarist sich enger an die Ziehschwester anschloß. Bei dieser fand er wenigstens ein äußerliches Verständniß, wenn er bie Erlebnisse der Schule erzählte oder Pläne machte, wie er es seiner Zeit dahin bringen wolle, Oberlehrer in der Stadt zu werden. Oft schilderte er ihr lebhaft das .Treiben in der großen Stadt, die er bei seinen Hm- und Herfahrten beruh ren mußte; die Schönheiten und MerkWürdigkeiten dortselbst; lächelte überlegen, wenn die schüchterne Stasi, di: noch nicht weiter als bis Garmisch aekommcn war. davon Mack), daß es

doch sehr arg 'sein müsse, dort einen ganzen Tag zwischen den vielen, hohen Häusern herumzulaufen, ohne daß man einem Bekannten begegnet. Das würde sie sich in ihrem ganzen Leben nicht getrauen. Dann mun ick kialt tvt Ander,

yciralyen als :cy," entgegnen oer oa mals vierzehnjährige Loisl, denn Du wirst einsehen, daß ich meine Frau nicht den ganzen Tag an der Hand führen kann." Die Stasi hatte bei dieser Antwort geweint, und das ging dem Loisl so zu Herzen, daß er einlenkte und ihr versicherte, so sie vernünftia wäre, wolle er es probiren wenn es aber nicht ginge, könnten sie sich ja wieder scheiden lassen. Das Madel Nickte eifrig dazu. wischte sich die Thränen aus den Augen und entgegnete, daß sie fest glaube, es werde sich schon machen. Nur die ersten vierzehn Tage werde er viel Arbeit mit ihr haben. Für das Scheiden sei sie nicht, denn dann wäre ja auch die ganze Arbeit, die man mit der Aussteuer gehabt hatte, umsonst gewesen. Spater sprachen die Zwei me mehr vom Heirathen, allein an die Stelle dieser greifbarenZukunftsträume trat jene sanfte, schwärmerische Huldigung, wie man sie so häufig zwischen heranwachsenden Knaben und Madchen oeobachten kann, wenngleich sich dieselbe, nach den veränderten Lebenslagen, oft ganz verschieden äußert. Frau Maria sah dem allen lächelnd zu. Der Gedanke, daß Loisl und Stasi dereinst ein Paar werden könnten, hatte weder etwas Fremdes, noch Ungewöhnliches für sie, und so ließ sie die Dinge ihren Gang gehen. Je älter der Seminarist wurde, desto mehr mußte die Ziehmutter zu ihm aufsehen, da sich bei ihm die Ueberlegenheit seiner besseren Bildung geltend machte. Nun vergrößerte sich der Zuhörerkreis bei seinen Erklärungen und Erzählungen noch um Frau Maria, was ihn in erhöhten Eifer versetzte. Loisl bestand das Schlußexamen glänzend und wurde sofort zur AusHilfe in einem Dorf der oberbayerischen Hochebene verwendet. Sein Abgang dahin hatte so rasch zu geschehen, daß er keine Zeit übrig behielt, die für die damalige Zeit verhältnißmäßig weite Reise nach den heimathlichen Bergen zu unternehmen. Darob entstand auf dem Vilshofe viel Jammer und Sehnsucht, über die nur die ausführlichen Briefe hinweghelfen konnten, die der junge Lehrer nach Hause schrieb. Die Antworten, die er von dort erhielt, waren zwar meist kurz und in etwas krausen Buchstaben von Frau Maria verfaßt und mühsam hingemalt, desto gewichtiger waren aber die Beigaben einer jeden solchen Epistel, so daß Loisls Speisekammer sich sehen lassen konnte und in hohem Ansehen bei den allezeit hungrigen Jungen des erkrankten Lehrers stand, welchen er vertrag 2. K a p i t e l. 5 in volles Jahr mußte Loisl auf ,m r cnn . , ucui luijuicuycu '4uicu uu halten, e:warb sich aber damit ein so uneingeschränktes Lob und Wohlwollen seiner Vorgesetzten, daß man nicht zögerte, als er um die unvermuthet freigewordene Hilfslehrerstelle in Partenkirchen bat. ihm auch diese zu übertragen. So war er also jetzt ein Mann in Amt und Würden, dessen ZukunfsPläne nach und nach Fundament gewannen. Der Ernst des Berufes war ihm gleich bei seiner ersten Verwendung nahe getreten und hatte über sein gar. zes Wesen einen Hauch der Gereiftheit gegossen, ohne ihm die frische Jugendlichkeit zu nehmen. Wie bei Mädchen zwischen sechzehn und siebzehn Jahren erfolgt oft bei jungen Männern zwischen zwanzig und zweiundzwanzig Jahren eine körperliche und geistige Ausreife, die geradezu überraschend wirkt. Unser junger Freund befand sich in diesem Falle: Ein feines Bärtchen sproßte um die frischrothen Lippen; die Gesichtslinien hatten sich harmonisch gefestigt; die vordem etwas überschlanke, hohe Gestalt sich verbreitert und ausgefüllt. Dazu kam ein schwärmerischer, weicher Blick der großen, braunen Augen und ein gewinnendes Lächeln, das wie Sonnenschein das sonst ernste Antlitz überflog. Alles in allem, der Loisl hatte sich zu einem jungen Mann ausgewachsen, der geeignet war, weibliche Augen zu fesseln. Davon wußte und merkte er jedoch nichts; er war eben so bescheiden und anspruchslos geblieben, wie seiner Zeit als Knabe. Die Nachricht seiner Berufung nach Partenkirchen wurde naturgemäß von allen Bewohnern des Vilshofes mit großer Freude und Stolz begrüßt. Frau Maria konnte in verzeihlicher Regung einer kleinen Eitelkeit kaum den Tag erwarten, an welchem sie sich mit ihrem Ziehsohne im Marktflecken sehen und bewundern lassen konnte. Es war ja doch ihr eigenstes Verdienst, dem armen vater- und mutterlosen Buben zu dem verholfen zu haben, was er heute war. Reichlich fühlte sie sich dadurch für jede Mühe und Aufopferung entschädigt, und ihr Herz schlug dem Erwarteten in mütterlicher Liebe und Zärtlichkeit entgegen. Nachdem ein neues Schulhaus sich eben im Bau befand, war es für sie zweifellos, daß der junge Lehrer einstweilen auf den Vilshof ziehen müsse. Die Viertelstunde, die er von dort in den Marktflecken hatte, kam nicht in Anschlag für diesen; ja, sie war sogar bei der sitzenden Lebensweise nur ge-sundheitsfördernd.

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Also wurde die gute Stube im Oberstock für ihn eingerichtet, und Mutter und Tochter wetteiferten, diese so anheimelnd als möglich zu gestalten. D?r Sepp fand zwr. daß wegen dem Schulmeister" zu viele Umstände gemacht würden, allein auch er fand sich endlich mit dein Gedanken ab. daß es wohl so sein müsse. Der für die Ankunft festgesetzte Tag kam heran; die Weibsleute auf dem Ailshose entwickelien eine emsige Thätigkeit im Kranzund Guirlandenwindcn; über der Hausthür prangte ein vom Ortsschreiner in eckigen Buchstaben gemaltes, mit Blumen umwundenes Willkommen sei Dein Einzug!" in der Küche briet und kochte es in großen und kleinen Töpfen und Pfannen, als wenn man eine hungrige Kompagnie sättigen wollte, und Sepp polirte und lackirte nach Leibeskräften am leichten Wäaelchen, sowie an den Feiertagsgeschirren der zwei kräftigen Braunen, die der Knecht im Stalle mit Bürste und Striegel bearbeitete. Loisl kam, von der langen Fahrt tüchtig durchgerüttelt, rechtzeitig mit dem Eilwagen an. Der Sepp erwartete ihn bereits mit dem Fuhrwerke und hätte in dem aussteigenden jungen Herrn in modischer Kleidung den Zieh-

bruder kaum erkannt, wenn dieser nicht auf ihn zugeeilt' und dem erstaunt Blickenden beide Hände zum Gruße hingestreckt hätte. Etwas wie Scheu und Verlegenheit malte sich auf seinem Gesichte, das erst wich, als Beide nebeneinander auf dem Wagen saßen und er genug zu thun hatte, um die vielen Fragen auch nur einigermaßen zu beantworten, die aus dem Munde des freudig Erregten sprudelten. Oben auf dem Vilshof hatten sie vom Oberstock aus den Wagen wahrnehmen können, wie er sich über die Thalbreite her in rascher Fahrt bewegte, bis er in den Büschen des Hügelfußes zu verschwand. In Frau Maria entbrannte eine solche Ungeduld, daß sie nach einem raschen Blicke auf die getroffenen Vorvereitungen ihre Tochter rief, vm dem Ankommenden ein Stück entgegenzugehen. Ihre Pulse schlugen, und sie konnte kaum erwarten, bis sich der Wagen an der letzten Wcgbiegung zeigte; am liebsten würde sie gelaufen und gesprunqen sein vor Freude, aber da fiel ihr noch gerade zu rechter Zeit ihre mütterliche Würde ein, und sie setzte sich deshalb unter eine große Fichte, die am Wege stand. Dabei hatte sie ganz auf Stasi vergessen. die ihr langsam nachgekommen war. Die innerliche Erregung hatte das Mädchen bleich gemacht; nur zögernd und stockenden Schrittes kam sie der lebhasten Mutter naher. Sie konnte sich keine Rechenschaft über das Warum?" geben es war, als wenn sich ihr das Herz zusammenschnüre in banger Erwartung des Kommenden. Und doch war dies ein freudiges Ereigniß! Mehr als ein Jahr lag daZwischen, seitdem sie den Loisl das letzte Mal sah, und nun kam er zurück, ein seliger Mann, der es bereits zu einem Berufe und einer Anstellung gebracht hatte. In diesem Jahre hatte sich in ihrem Innern viel verändert, denn mehr und mehr war sie zu der Erkenntniß gekommen, daß sie den Ziehbrud?r mit anderen Augen anschaue, als a'üe Burschen des Marktfleckens und der Umgebung. Sein Bild stand weit über ihnen; ihr: Vorstellungen hatten den Jugendgespiclen mit Gaben und Fähigkeiten ausgestattet, die keinen Vergleich zuließen. Wie würde sich dieser nun zu ihr, dem unbedeutenden, unwissenden Landmädchen stellen? Er muß auf sie herabschauen. Vielleicht war er freundlich wie ehemals, als sie noch als Kinder miteinander spielten und tollten? Das ges6)ieht dann aus Nachsicht und Mitleid und aus alter Gewohnheit. Aber dagegen bäumte sich ihr Stolz auf. Lieber mag er sie behandeln, wie eine der Hofmägde oder auch gar nichts mit ihr reden sie will ihm schon aus dem Wege gehen! Daß es aber die Liebe war, die in ihr gährte und kochte, davon batte dieses Naturkind keine Ahnung; sie vernahm zwar das Frühlingsbrausen ihrer unberührten Seele, verstand es aber noch nicht. Pustend und schnaubend zogen die Pferde den Wagen über den steilabfallenden Weg herauf und wurden für die Wartenden sichtbar. Da konnte sich Frau Maria nicht mehr halten, sie sprang auf und ging dem Gefährt eilenden Schrittes entgegen. Loisl hatte seine Ziehmutter sofort erblickt; mit einem Satze war er aus dem Wagen heraus, lief ihr mit ausgebreiteten Armen entgegen, umschlang und küßte sie herzlich und brach dann in ein fröhliches Lachen aus, weil er in deren hochgeröthetem Gesicht: ein so unverhohlenes Erstaunen wahrnahm, daß ihm dies fast komisch dünkte. .Ja, was hast denn. Mutterle, warum schaust denn so?" rief er. Sie aber hielt ihn mit weitausgestreckten Armen von sich. Ist's denn möglich? Ist's denn möglich?" rief sie, noch im Banne ihres Erstaunens. Ist's denn möglich, daß Du Dich gar so gut hast auswachs'n können?" Freilich! Natürlich! Ich hab gethan, was ich hab können, daß aus mir auch einmal ein Mannsbild wird, das man anschauen kann. Viel essen und trinken hab ich müssen," scherzte er. und nickt zum Wenigsten irnd die gro

ßen Kisten'und Packete vom Vilshof schuld, daß aus dem langen Laban so etwas ähnliches wie ein gut üusgefülltcs Mannsbild 'worden ist. Aber Du lieb's Mutterl. Du siehst vorzüg, lich aus! Wirst ja immer jünger! Kaum dreißig gibt man Dir. wenn man Dich anschaut." Geh! Hör' auf mit solchen Red'n! Ich bin eine alte Frau mit große, ausgewachsene Söhn'" Was? Du alt! Jetzt hör' auf, sonst sag' ich völlig die Wahrheit und die müßte heißen: daß man weit und breit suchen darf, bis man wieder so eine schöne und stattliche Bäuerin findet, wie Du bist; Du lieb's Mutterl. Du lieb's." (Fortsetzung folgt.) Ein Lialcndkrstücklcitt.

Zu Anfang des 19. Jahrhunderts erschien jedes Jahr ein prophetischer Kalender, verfaßt von dem Buchhändler Mathieu Laensberg in Lüttich, der damals durch diesen Kalender eine Berühmtheit geworden war. Im Jahre 1811 hatte er seinen Kalender für das folgende Jahr bereits im Oktober an den Generaldirektor und Büchercensor in Paris geschickt, von dem er aber keine Antwort erhielt. Die Zeit drängte, der 1. Januar kam immer näher und Mathieu Laensberg machte sich also von Lüttich auf nach Paris, um selbst mit dem Censor zu sprechen. Acht Tage lang wurde er nicht vorgelassen, und als er endlich Zutritt bei dem mächtigen Manne erhielt, fuhr ihn dieser mit den Worten an: Sie sind sehr kühn, bei mir persönlich zu erscheinen!" Mein Kalender liegt Ihnen bereits seit drei Monaten vor und ich .glaubte " Ich habe ihn gelesen und kann ihm meine Genehmigung nicht geben." Darf ich fragen warum?" Warum? Das will ich Ihnen fagen. Weil Sie wagen, eine Pest in Paris zu prophezeien. In Paris! Sind Sie von Sinnen? In der Hauptstadt des Reiches, der kaiserlichen Residenz?" Wenn nur dieser Umstand Sie veranlaßt, meinem Kalender die Druckgenehmigung zu versagen, so kann ich im Nothfalle meine Pest auch nach Madrid versetzen." Nach Madrid, wo ein Bruder des Kaisers regiert?" Vielleicht nach Mailand?" Mailand ist eine kaiserliche Stadt, die Hauptstadt des Königreichs Italien! Wo denken Sie hin!" Nun. so mag die Pest in Rom erscheinen!" . Unglücklicher, das wäre noch weit schlimmer. Vergessen Sie, daß Rom einen König hat, und daß dieser König der Sohn des Kaisers ist?" Aber wo soll ich meine Pest unterbringen? Einen Ort muß ich für sie finden, mein Kalender kann sie durchaus nicht entbehren." Er muß sie entbehren. Sie müßten denn Ihr? Pest nach England schicken, dem wir sie von Herzen gönn?n." Dabei blieb der Herr; die Pest wurde nach England verwiesen, und so erschien der Kalender. Glücklicherweise theilte die Prophezeiung das Schicksal der meisten sie ging nicht in Erfüllung. Gräßliches Familient r a m a. Als letzthin der Bahnarbeiter Eichler in Falkenau an der böh-misch-sächsischen Grenze Abends heimkehrte, sah er seinen sechsjährigen Sohn Hugo in einer Blutlache am Boden. Die Kehle des Knaben war durchschnitten, und auch das acht Wochen alte Töchterchen Eichlers lag mit durchschnitten Kehle todt im Bette. Neben der Leiche lag ein blutbeflecktes Rasirmesser. Auf dem Tische lag, von der Hand der Gattin Eichlers geschrieben, ein Brief folgenden Inhaltes: Hugo und das Mädel haben mich geärgert. Nur der Kurt ist brav gewesen; der ist mein Liebling; der darf am Leben bleiben. Er ist im Keller. In fünf Minuten müssen beide den Hals durchschnitten haben. Meinen Liebling müßt Ihr aus dem Keller herauslassen." Die Nachbarn eilten herbei und durchsuchten, nachdem sie den Brief der offenbar geistesgestörten Frau gelesen hatten, den Keller. In der That fanden sie den vierjährigen Kurt am ganzen Leibe zitternd, jedoch unversehrt vor. Fast zur gleichen Zeit, als Eichler die grausige That entdeckte, wurde seine Gattin aus dem Teiche des Elektrizitätswerkes als Leiche herausgezogen. Sie war unmittelbar nach dem Morde an ihren beiden Kindern davongeeilt und hatte sich in den Teich gestürzt. Arbeiter sahen die Frau, kamen jedoch schon zu spät, um sie an ihrem Vorhaben zu hindern. Aus Verzweiflung über die That feiner Fau hat sich der Gatte erschossen. Der Kongo st aat, das unter dem Protektorate Belgiens siehende europäische Besitzthum in Afrika, umfaßt, eine Fläche von 961.000 Quadratmeilen. D e r internationale elektrische Kongreß wird in der Zeit vom 12. bis 17. September 1904 in St. Louis abgehalten werden. Der erste Kongreß dieser Art tagt1893 in Chicago; damals führte Her. mann v. Helmholtz die deutsche Abordnung; der zweite fand 1900 in Paristatt. Man erwartet in St. Louis gegen 200 Teilnehmer aus den Kreisen der elektrischen Wissenschaft und Praxis sowie Vertretungen der großen wissenschaftlichen und industriellen G:-sellschaften.

Feuer - Signale.

I Pennsvlv und Market 1 English't Opern Haul t SastundNloZ)ort 7 Noble und Nichigan 8 N. Jerjey u. Mag St Pine und North .0 Market und Pine 11 Vermont nahe Sast '2 7.0,. 8 Cvritzenhau Mass. Ave nahe Noble 13 Delaware und Walnut 14 .JerscvuEentralA. 5 Aass undSornellAve a Lsy ui ii. trabe 7 Park Vv und 12 Str . Columbia nd Hillsid 'S Highland Ave u. Pratt r.l JllinoiZ und Ct. Jo i3 Pennsylv. und Pratt ?!c?idisn uno 11. Crr is SK.SCprihentzauS tö. nahe Jllino,, Senate Ave u. CtCla n JllinoiS und Michigan Pesyivania und 14. a Senate Lve. und 1Z. ZI No. 1 Cpritznhau4 JnoAvenaheMichiga ' Meridian und Walnut t4 California u Vermont Zö lake und New Aork ZS Ind. Sv. u. Et. Hat r, Sit? Hospital A Blake und Norty i Michigan und Sgne i No. 6 Spritzenhaus .. Washington liahe West t Gsendorf u Wash. 41 Missouri u New Fort 4 Meridian u Wash Jllmoii und Obw 47 Eapitol Vv. u Wash Äinga' Porkhau 49 Ctraßmbahn CUNe W. Washington Ctt II No. 10 Epridenhau MnoiSuerrill 63 Jllwnii u touislano 63 West und Svurh il West nd WcEartv M ecnftte Ave. u Henry 67 Meridian und kay No. 4 Cpritz?nhau MadisonAv.uMor-. 69 Madiion Lv. u Tunlop 1 No Haken Leiterhau South nahe Telawar 3 Penn, u Merrill Te'swar n McSartH M astmdVrty New Jersey .Rerrm 7 virg. Zlv. u Bradsha S Sast und Prospekt Bicking und High 71 No. 11 Cpritzenhau Lir Ave. nahe Hur, 75 East und Seorgia 73 Eeda, und Ctai 74 Davidson u Seorgt ff English Av. u Pine 78 Chelöy und Bares 75 No. 3 Cpritzenhau Prospect nahe Shelby f Fletcher Av. u Ebelhy 9t Market u. New Zersey 62 Delaware und Wash. 83 East u Washington s4 New Do?k u.Davidsoe 85 Taubstummen Anstalt 36 er. Staaten Arsenal 7 Oriental und Wasb. g Frauen-Neformat. SI Ns. 13 Spritzenhaus Marhland nah Mer. 2 Meridian U. Gcorqra 03 Meridian und South 4 Pen,:syüi u. Louisiana Z5. Birgim Ave u. Llab. 6 HalHtquartier. 7 Grand Hotel. 33 C rpital Ave und Dfc 23 No. 16 Spritzenhaus 16. und Ash. 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Washington 427 Oliver und Birch 23 O7lv und OSgood 429 Nordvke und Fort 421 Hadley Av u. Morri! 432 River Ave u. Morris t'A River Ave und Rah 25 Hardwg u. Big 4 R ? 426 Hardwg und Olwet 457 No. 19 Spritzenha-z Morris und Lardint4. 4 anCÖC3 499 tckyr 451 Reisner und ZlAZp 452 Howard und ec 453 Roms und ttctftH 453 Lambert und vekFnt 457 Nordhke Ave . Vtan num Works 612 West und Ras 613 entucky Ave u. Merr 14 Meridian und Morrtzl öl Illinois und ansas 17 Morris und Dakota 18 Morris und Church 19 Capital A. tt McCaix. 621 Meridian und Pal 23 Pin, uns Lord 24 Madisor. Ave u Lincol 426 Meridian und Belt R? 27 Carlos und Ra 28 Meridian und An? 529 Meridian. Nay'ond 31 Meridian u. M:5aw 32 No. 17 Spritzens-us Morris nahe West 612 McKat-.und Douy, 613 Caft u. Lincoln m 614 East und Oeecher 615 Wright und Sander 817 McCarty und L?aty 18 New Jersey u 712 Spruce und Prospekt 713 English Ave. u. Laurek 714 State Ave u. Bett R S 715 Ehelby und Bcha 716 State Ave und Dtamt 718 Orange und Laurel 719 Chelby u.Cl..iaae Z 721 Lexington A. fistfc 723 Fletcher Ave. Grw 724 Etate AvtU.PKasa'' 7iS Prospekt und leasax 726 Orange und Hart 728 Liberty und Mm 729 No!li und South I No. 1 Spritzenhmt Ost Washington 815 Market und Noble 14 Ohio tt. Highland X 815 Wütigan u. Highla 816 Market u Arsenal 20h 817 Ost . Clair und Union Bahn Geleise. , bSl tzan Handle Shops 823 Vermont und Walcou 824 Wash. und State Atz, Bti Madden'koungFb. 828 Tuck und Tors 827 Wash. und evill Av, 29 No. 1 Spritzenhaus edille nahe Michiga, 8,1 Suthrfter 9U und Woodside. 831 Wash. und Dearbn, 8 Sotheaftn n Srsenckl Ares. 835 New Fort nd Tnnpk 12 Illinois nd Waryl. ,iJIinoiund 8tt!& 14 Bm. nb & 9is Delaware und V? SpezialSiznale. Srstea , Schlage, zweit Alarm, iveiten 2 Schlage, dritter lar. Dritten 2 Schlüge, vierter Alarm. !--!, Feuer aus und Schlauch aufgerolt. 3 Schlag, Ldasserdruck ab. 12 Schlage, 12 Uhr Mittags. Die V bezeichnete Signale werden ur dom khur wacht angegeben da an den betrissend EtraK kreuzung feine Llarmv, ansebncht stud. ...Etwas Neues... Wir habm beschlossen. Alle welche künstliches Gas gebrauchen, mit Vorauszahlungs-Zetern u venehen, ohne ein Teposit zu verlangen. Wir stellen die Verbindung mit der HauptLeitungsröhre her, ebenso setzen wir einen Z?!eter auf und liefern das Gas für einen Dollar per Tausend. Die einzige Berechnung die wir machen, ist für die Verdindungsröhre von der Grundeigenthums Grenze bis zur Stelle des Meters. Wir garantiren, daß dieselben Zusriedenheit geben. Für Näheres spreche man in der Office vor. INDIANAPOLIS GAS CO.

LAKE EsllE ü VESTEii;! sl. l!. ....Fahrzeit der Züge.... Absah nkuust Xoltlo, (Chicago und Michigan trjrefit 7.15 tiojt Xoltdo. Detroit uud hicago Lim 12.20 f 8.2S Vichiga City, Stattete u.2afa9tttt6)lt 7.25 situ Mich t anl;tncnr:ta Curati;!.