Indiana Tribüne, Volume 27, Number 97, Indianapolis, Marion County, 14 December 1903 — Page 5

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Verlorene Liebesmühe.

Humoreske von Fritz Ernst. In einer Hausthür stand ein Mann, unbekümmert um den Regen, der ihm ins Gesicht peitschte, und man sah den gespannten Zügen, der vorgebeugten Haltung an, daß er angestrengt in das Abenddunkel hinauslauschte. Hin und wieder gab es näher oder serner einen dumpfen Knall, unmittelbar gefolgt von einem scharfen Klirren, und jedesmal rieb sich der Mann in der Hausthür vergnügt die Hände. Es war der Glasermeister, der sich freute, dak der Sturm heute in seiner Nachbarschaft so viele Fenster zerbrach. Man mußte allerdings schon Glaser sein, um sich über dieses Herbstwetter zu freuen, das da den einzigen Straßenpassanten vor sich hertrieb. Eng an die Häuser gedrückt, die Hände in den' Taschen des fest zugeknöpften Rockes und den Kragen hochgeschlagen so schlich eine lange Gestalt von der Corpulenz eines Blitzableiters die schmale. unanfehnlicheStraße entlang. bis er endlich stehen blieb und einen schwachen Lichtschein, der aus einem Fenster des vierten Stockes im gegenüberliegenden Hause bemerkbar wurde, ins Auge faßte. Gott sei Stont, daß er zu Hause ist. Neim Styx! Wäre ein verdammt zweifelhafleZ Vergnügen gewesen, die qanze Nacht spazieren zu gehen." Damit schritt er über die Straße hinweg und kletterte die schlecht beleuchtete. schmale, steile Treppe empor. Nicht qerade schüchtern klopfte er an eine Thür, und von jenseits klang eine ängstliche Stimme: Wer ist da?" ..Mach nur auf, mein liebes Müschen. Dein theurer Freund Franz heißt die Kanaille will dich änzstliches Gemüth mit seinem Besuch beglücken." Drinnen wurde ein Riegel zurückgeschoben, dann öffnete sich zunächst ein schmaler Spalt und schließlich die qanze Thür. Ein junger Mann von etwa dreißig J,hren erschien in der Oesfnung und rief: Franz?! Wo kommst du her, bei diesem Wetter und in diesem Aufzug-?!" Gestatte zunächst, daß ich die Thüre von innen zumache, auf eurem Treppenflur herrscht ein ganz unterern: wortlicher Zugwind. So einen Stuhl ich bin nämlich niederträchiig müde. Hast du vielleicht einen trockenen Rock? Ah schön. Wo ich herkomme? Nun, irgendwo im deutschen Vaterlande ist es uns sehr schlecht gegangen. Die Einnahmen waren knapp, und da unser liebweriher Direktor die sichere Ahnung hatte, daß wir Mimen trotzdem unsere Gagen fordern würde., haute er als klu- ' -ger Mann vor und verduftete mit allem, was noch nicht gepfändet und leicht zu transportiren war. Von dem Wirthe wundermild, der bisher, wenn auch doppelt, so doch immerhin gekreidet hatte, wurden wir Kunstjllnger, deren Zahlungsfähigkeit über jedenZweifel erhaben war, prompt vor die Thüre gesetzt, bis auf unsere Liebhaberin, die in dem Grand Hotel des Guten Anfiellung als Stubenmädchen fand. Mir selbst trug der Biedere den Posten eines Hausknechts an, ich bat um einige Stunden Bedenkzeit, machte schnell noch eine tüchtige Zeche und sagte dann nein". Unsere Garderobe hatte der Wirth natürlich einbehalten. Unsere komische Alte entpuppte sich als achtes und weitaus größtes Weltwunder, denn sie verfügte über Ersparnisse, gab jedem College einen Thaler und setzte sich stolz in die vierte Klasse der Eisenbahn, während wir anderen per pedes apostolorum in die Welt hineinmarschirten. Ich kam hierher, um bei Direktor Posemann nachzufragen, ob er mich als jugendlichen Liebhaber, Heldenvater, Komiker oder Intriganten gebrauchen kann. Als wir das letzte Mal auseinandergingen, habe ich ih.: . zwar den hervorragendsten Gauner der alten und neuen Weltgenannt, worüber er mit einer ähnlichen, sicher aufrichtig gemeinten Bemerkung quittirte, aber ich weiß, daß er als Mann von Welterfahrung Schmeicheleien nicht ernst nimmt und keinem Menschen etwas nachträgt, als einzig die Sünde, contractbrllchig zu werden, wenn man noch im Vorschuß ist, und dagegen sichert er sich dadurch, daß er keineVorschüsse gibt. Nun ist mir leider das Malheur passirt, daß Direktor Posemann mit seinem Ensemble auf drei Tage in N. spielt, ich besitze keinen Pfennig mehr und so wird dir wohl weiter nichts übrig bleiben, lieberMus, als mich bis übermorgen zu beherbergen." Aber selbstverständlich, lieber Franz, so lange du willst! Und nun wirst du Hunger haben?" Hm, außer einem mächtigen Topf Milch und einem riesigen Stück Schwarzbrot, das eine sehr mitleidige und sehr dicke Bäuerin mir heute früh nebst einem größeren Baarbetrag in Höhe von drei Pfennigen reichte, weiß mein Leichnam nichts von irgendwelchen Nahrungsmitteln." Aber das ist ja schrecklich! Da Will ich nur schnell etwas besorgen, ehe die Läden geschlossen werden, und auch etwas Warmes zum trinken. Ziehst du Warmbier vor oder Grog?" Grog wäre mir lieber, Müschn, aber du mußt dich bei der Zubereitung vorsehen; der Arzt hat mir nämlich alle aufregenden Getränke streng verboten, und Grog kann mich furchtbar

aufregen wenn zuviel Wasser darin ist." Hieronymus Säuslich, von seinem Freunde Franz Sckireyer der Kürze wegen Mus" oder Müschen" genannt, eilte kopfschüttelnd davon, um noch vor Thorschluß die nöthigen Lebensmittel euizukausen. Der verunglückte Schauspieler sah sich inzwischen im Zimmer um, fand, daß alles noch genau so aussah wie früher, nickte befriedigt, nickte wieder und nickte schließlich ein. Hieronymus kehrte zurück, deckte vorsichtig eine Decke über den schlafenden Freund. machteButterbrode zurecht und entzündete dieFlamme des Spirituskoches, um Grogwasser heiß zu machen. Als alles bereit war, und der Duft des Getränkes das Zimmer durchzog, hob der Schläfer schnüffelnd dieNase, gähnte und schlug dann die Augen auf, die befriedigt glänzten, als sie auf die Herrlichkeiten des Tisches fielen. Dann begannen seine Kinnbacken im Tempo einer flott getretenen Nähmaschine zu arbeiten, aber es dauerte doch eine ganze Weile, bis sie ihre Bewegung einstellten. Dann zündete er sich eine Cigarre an und legte sich behaglich in den Stuhl zurück. Nun sage mal, altesHcms," begann Schreyer, nachdem er Hieronymus Säuslich eine Weile scharf beobachtet hatte, was fehlt dir denn eigentlich? Talent zum Leichenbitter hast du ja immer gezeigt, aber jetzt, lieber Mus, sieht dein Gesicht ganz so aus wie das des sprichwörtlichen Lohgerbers. Nun rede dir mal das butterweiche Herz leicht." Ach. Franz. ich möcht' am liebsten sterben, dann wär's auf einmal still!" seufzte Säuslich weltschmerzlich, und Schafskopf!" antwortete der Freund mit Ueberzeugung. Franz, ich bitte dich, sei doch nicht so brutal!" Quatsch soll ich vielleicht auch noch mit wimmern? Das hält ja die alte Baracke hier gar nicht aus. Du solltest nach dem Mond auswandern, der hat so etwas an sich, das zu dir paßt. Doch nun mal ernsthaft: Was quält dich, Freundchen?" Statt aller Antwort seufzte Hieronymus nur wiederholt und tief, und Schreyer meinte schließlich, schlau mit den Augen zwinkernd: Also cherchez la femme! Was hat dir denn die Heze gethan?" Franz, ich bitte dich inständig, sprich nicht so von dem Engel! Was Agathe mir gethan hat? Alles! Sie hat mich beseligt durch ihren Anblick und mich doch ins tiefste Elend gestürzt, denn ach ich werde sie nie nie besitzen." Stopp, stopp, mein Junge! Wer ist denn die Holde?" Die Nichte meines Chefs, er brachte sie neulich mit ins Comptoir." Und woher weißt du, daß sie ein Engel ist? Ich sage dir. nichts täuscht mehr als e?n schönes Weib. Hast du mit ihr gesprochen?" O ja, ich hatte schon Gelegenheit." Und was war das?" Sie ging im Stadtpark spazieren, ich begegnete ihr zufällig, sie ließ den Pompadour fallen, ich hob ihn auf und sagte: Bitte sehr, gnädiges Fräulein"; sie nahm das Täschchen und erwiderte: Ich danke sehr, mein Herr." Hm, eine sehr eingehende Unterhaltung. Und daraus hast du die Ueberzeugung gewonnen, daß sie eine ganz besondere Perle ist?" Ja, Franz. O, du hast ja diese Stimme nicht gehört, hast ja den himmlischen Blick ihrer Augen nicht gesehen! Ach das kann nicht täuschen!" - Sachte, sachte! Mein Vater hatte einen Gaul, der schaute so fromm drein wie nie ein Pferd, und doch war es der ärgste Schläger und Beißer, den ich je kennen gelernt habe." Aber Franz, wie kannst du nur Agathe mit einem Pferd vergleichen!" Was willst du? Pferde und Weiber haben sehr viel Aehnlichkeit. Beide sind ein theures Vergnügen, mit beiden wird man meist betrogen, bei beiden wird betreffs des Alters ungeheuer viel gelogen, beide muß man kurz im Zaume halten, sollen sie nicht über die Stränge schlagen na und so weiter." Du bist herzlos. Franz." Leider nicht. Ich vermag nur nicht einzusehen, wie ein Mensch wie du so hinter einem Weibe herseufzen kann, um sie par distance" anzuschmachten. Wenn das Mädel zu deiner Glückseligkeit absolut nothwendig ist, dann Heirathe es doch einfach." Das ist's, was mich zur Verzweislung treibt! Meinst du, man wird mir armem Teufel die Nichte des reichen Schmidt geben?!" Der Zweifel hat bei näherer Betrachtung allerdings einige Verechtigung. Aber da ließe sich doch etwas arrangiren, das die Familie dir verPflichtet." Ach Gott, das ist ja ausgeschlof,en!" Durchaus nicht, liebes Müschen, will mir die Sache mal überlegen. Sage mal, wo begegnest du denn deiner Angebeteten so ganz zufällig?" Zwischen fünf und sechs promenirt sie in der Allee hinter dem ' großen Teich." So. so, dahin verirrt sich selten ein Mensch, und um diese Zeit ist es dort auch schon ziemlich dämmerig." Schreyer entwickelte nun dem Freunde feinen Plan, aber Hieronymus protestirte ganz entsetzt. Um Gotteswillen!

Agathe würde den Tod haben vor Schreck." .Sein Widerstand half ihm aber nicht, und endlich gab er dem Freunde nach. ' Der nächste Tag brachte das kzkrrlichste Wetter. Hieronymus hatte ijeute mit größter Ungeduld und klopfendem Herzen auf dem Drehstuhl vor dem Pult gesessen, und die langen Zahlenreihen tanzten bedenklich vor - seinen Augen. Er hatte dem Freunde zugestimmt, er wollte das Abenteuer wagen, aber er ging gewissermaßen mit verbundenen Äugen darauf los. Mochte daraus werden, was da wollte. Endlich zeigte die Uhr die fünfteStunde, Hieronymus klappte schnell sein Buch ZU, so daß ihn ein verwunderter Blick des ersten Buchhalters traf, dann schlüpfte er in seinen Ueberock und eilte davon, dem Stadtpark zu. Am großen Teich traf er auf ein sehr verdächtiges Individuum, das er im Bogen umgehen wollte. Der Fremde trat aber auf ihn zu und sagte: Nun, Müschen, ich gefalle dir wohl nicht?" Hieronymus prallte zurück. Franz, du bist's?!" Nun ja. man muß sich doch zu dem Karnevalsscherz ein bißchen maskire. Doch nun komme hier in den Seitenweg, wir dürfen nicht zusammen gesehen werden." Es mochte eine Viertelstunde später sein, als durch die Allee nahe dem Teiche eine Dame langsam dahergeschritten kam. Sie achtete nicht aus ihre Umgebung, denn die Augen waren auf ein Buch gerichtete, in dem sie in langsamem Dahinschlendern las. Plötzlich stand, wie aus der Erde gewachsen, ein Strolch vor ihr. der in der Rechten einen gewaltigen Knüttel wiegte, wäh rend die Linke mit dem Griff eines Messers spielte. Die junge Dame trat erschrocken zurück und wollte dem unheimlichen Gesellen ausweichen, aber dieser drängte sich dicht an sie heran und raunte ihr zu: KeinenLaut, mein schönes Täubchen, oder es kostet dir das Leben. Und nun schnell das Geld und die Werthsachen her, ich habe gerade Verwendung dasür!" Die Ueberfallene lehnte zitternd an einem Baum, sie brachte keinen Laut hervor. Nun wird's bald? Ich habe keine Zeit und werde ein bißchen helfen!" Er machte Miene, sie zu berühren, aber sie streckte abwehrend eineHand aus, währcnd sie mit der anderen ihre Börse hervorzog. Ehe aber der Räuber darnach greifen konnte, erschien an der nur wenigeSchritte entfernten Wegbiegung Hieronymus Säuslich und eilte auf die Beiden zu. Ha Schurke!" Mit diesem sehr wirkungsvoll hervorgestoßenen Ausruf schwang er sein dünnes Spazierstöckchen gegen den Strolch, der mit einem lästerlichen Fluche schnell im Gebüsch verschwand. Hieronymus schickte sich an, ihm zu folgen, kehrte aber schon nach wenigen Schritten wieder um. Es ist doch wohl besser, ich bleibe in Ihrer Nähe, mein gnädiges Fräulein, denn wer weiß, ob hier in dem Gebüsch nicht noch mehr von dem Gesindel versteckt ist. O, was müssen Sie ausgestanden haben! Es ist Ihnen doch nichts geschehen?!" Agathe lehnte noch immer fassungs--los an dem Baume, aber jetzt trat ein Lächeln auf das verstörte Gesichtchen, und aus den dunklen Augen traf den muthigen Retter ein Blick,, der ihm durch Mark und Pfennig Unsinn! durch Mark und Bein ging. Gott sei Dank, Sie kommen zu rechter Zeit, mein Herr; aber wer weiß, was geschehen wäre, wenn Sie nicht zur Stel le waren. O wie soll ich Ihnen nur danken?!" Nichts davon, gnädiges Fräulein. Vor allem gestatten Sie mir jetzt, Sie nach Hause zu geleiten, denn ohne Schutz können Sie unmöglich gehen." Ich würde Ihnen sehr, sehr dankbar sein, mein Herr es sind auch nur wenige Minuten." Zehn Minuten später stand Hieronymus mit der heimlich Geliebten vor der Villa seines , Chefs und machte Miene, sich zu verabschieden. Davon wollte aber Agathe nichts wissen. Nein, nein, mein Herr, nun muß Sie auch mein Onkel kennen lernen und Ihnen danken." Nun, so ganz unbekannt bin ich dem Herrn Commerzienrath nicht," antwortete Säuslich, gab aber seinen Protest auf und folgte Agathe ins Haus; ich bin nämlich schon seit drei Jahren in seinem Bureau thätig." Agathe fand jetzt keine Zeit, ihre Verwunderung über dieses Zusammentreffen auszudrücken, denn der Commerzienrath erschien, und als er unseren Hieronymus erblickte, fragte er erstaunt: Nun, mein lieber Säuslich. was verschafft mir denn die Ehre Ihres Besuches?" Hieronymus wollte antworten, aber Agathe schnitt ihm das Wort ab: Denke, dir nur, lieber Onkel, welches Abenteuer mir begegnet.ist. EinStrolch überfiel mich im Stadtpark, wollte mich ausrauben und bedrohte mich mit einem Messer und einem Knüttel. Wer weiß, ob ich jetzt gesund vor dir stände, wenn nicht in dem Augenblick, wo der Mensch Hand an mich legen wollte, dieser Herr dazu gekommen wäre und den Räuber in die Flucht geschlagen hätte." Wie? Das haben Sie gethan, Säuslich?! O. dann sind wir Ihnen ja zu unendlichem Dank verpflichteil Kommen Sie, lieber Freund, das müssen Sie mir ausführlich erzählen." Damit schob er Hieronymus einenSessel hin, sich selbst in einen zweiten niV

verlassend. Erst stockend, denn sein Gewissen sträubte sich doch immer noch etwas gegen die auf Anstiften seines Freundes aufgeführte Räuberkomödie, dann aber immer fließender erzählte Säuslich den Hergang des Abenteuers. Mein Gott, was hätte daraus entstehen können!" rief der Commerzien rath, als der Bericht beendet war. Nochmals vielen, vielen Dank, mein lieber Säuslich und Dank auch im Namen des Gatten meiner Nichte!" Des Ga Gatten Ihrer Nichte?! Die die Dame i ist verheirathet?!" rief Hieronymus erstarrt. Allerdings wußten Sie das nicht?" Nein nein, das wußte ich nicht," murmelte der junge Mann. Der Commerzienrath sah ihn höchst verwundert an. Als er aber den ersterbenden Blick gewahrte, den Säuslich zu Agathe hinübersandte, die in einer Ecke der Tante den Ueberfall berichtete, da begriff der alte Herr, was im Herzen seines Angestellten vorging. Der junge Mann that ihm leid. Er war deshalb froh, als ihm ein bequeme? Ausweg einfiel, und schnell be gann er: Uebrigens, HerrSäuslich, ich woll te morgen mit Ihnen sprechen, aber nun können wir es ja gleich erledigen. Die Leitung unserer Filiale in X. ist neu zu besetzen; der Posten ist angcnehm, vollkommen selbstständig und doppelt so hoch dotirt als Ihre, jetzige Stellung. Sie würden mir persönlich einen Gefallen thun, wenn Sie nach T. gehen wollten." Hieronymus war zwar noch halb betäubt von dem furchtbaren Schlage. aber er begriff doch schließlich, was man von ihm wollte und warum man es wollte. Er sagte zu, stotterte seinen Dank und zog sich zurück, sobald es anging. Wie er nach Hause gekommen war. wußte er nachher nicht mehr zu sagen, und noch weniger, wie er später ins Bett gelangte. Seltsame Predigten. Die Geistlichen predigen in England manchmal über seltsame Dinge. Jüngst sprach ein Geistlicher in Bristol über die neuesten Moden. Es war gerade Erntedankfest, und so benutzte er die Gelegenheit, um zunächst seiner Gemeinde auseinanderzusetzen,, , daß, wenn einmal ein Seekrieg ausbrechen würde, die Ernte dem Lande auch nichts nützen würde, denn in drei Tagen werde man dem Hungertode in's Auge sehen, daher müsse man sparen. ÜPenn man aber sparen wolle, dürfe man sich nicht nach der neuesten Mode Heiden, besonders nicht nach der ausindischen Mode, die ungeheuer theuer sei. Außerdem müsse man soviel eigenen Stolz haben, sich nicht so wie andere Völker zu kleiden, er schlage daher vor, daß man ein echt englisches" Kleid erfinden und tragen solle. Dann ging er auf weitere Einzelheiten denketzten Mode ein. - Zunächst zog er gegen die Gewöhnheit zu Felde, die Hüte mit ausgestopften Vogelbälgen zu schmücken. Wenn auch die seltenen Vögel, die man da manchmal zu sehen bekomme, sagte er. gewöhnlich nur gefärbte Spatzen seien, so sei doch diese Mode sehr vcrwerslich. Dann ging er auf die Aermelfrage ein und meinte, auf seinen Talar zeigend, die Damen trügen jetzt auch so unnütz weite Aermel. sie sollten das überflüssige Zeug anstatt für die Aermel lieber für die Jacken verwendcn. die neuerdings immer so ausgewachsen aussähen. Recht hat der Mann, aber gegen Modethorheiten nützen selbst Predigten von der Kanzel nichts! Mommsen'Erittnerungen.

Als Professor war der kürzlich verstorbene Prof. Mommsen nicht ganz frei von der sprichwörtlich gewordenen Zerstreutheit; wird ihm doch nachgesagt, daß er einst ein weinendes Kind auf der Straße getroffen und nach dem Grunde seiner Thränen gefragt habe. Das Kind aber, dessen Kum-' mer den seelensguten Mann so mitnahm, daß er es im Augenblick , nicht wiedererkannte allerdings erfreute .sich der Gelehrte eines sehr starken 'Kinderreichthums war sein eigenes. Jetzt sind längst alle erwachsen. Der eine Sohn ist Bankdirektor und als Berliner Stadtverordneter Führer der Freien Fraktion", seit vorigem Jahre auch Mitglied des Reichstags für Danzig, ein anderer Sohn ist Arzt. Eine Tochter ist an den berühmten klassifchen Philologen, Professor v. Wilamowitz - Moellendorff verheirathet; eine andere starb im Jahre 1879, in demselben Jahre, in welchem ihn der Schicksalsschlag, die Zerstörung seiner kostbaren Bibliothek durch Brandschaden, traf, als blühendes junges Mädchen. Für Mommsens Humor charakteristisch ist folgende verbürgte Thatsache. Bekanntlich lud in Napoleon III. nach Paris, um ihn bei seinem Werke über Cäsar um Rath zu fragen; er leistete dieser Aufforderung Folge. Als das mißlungene Werk erschienen war, bestand seine einzige Kritik darin, daß er einem Vater auf die Frage, ob er das Buch für seinen Sohn kau fen sollte, antwortete: Wie alt ist denn Ihr Sohn?" 14 Jahre!" Dann ja, in einem Jahre wäre er dtm Buche entwachsen gewesen."

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