Indiana Tribüne, Volume 27, Number 91, Indianapolis, Marion County, 7 December 1903 — Page 5

Jndiana Tribüne, 7. Dezember 1903.

Die Botschaft.

Tie Äztschcift des Präsidenten ist dem KongreK zugestellt worden und enthält folgende Hauptpunkte: Sowohl in der äußeren als auch in der inneren Pzlitik hat das Land beinerkenswerth: Erfolge während des vergangenen Jahres zu verzeichnen. Wie im Privatleben sind auch im Leben einer Nation die Dinge des Haushalts die wichtigsten; wir dürfen uns darum besonders zu dem beglückwünschen. w7.s wir in Sachen der Aufsicht über die großen Korporationen und die im zwlschenstaatlichen Handel engagirtcn Kombinationen von Korporationen erreicht haben. Der Kongreß hat das Handels- und Arbeitsdepartement geschaffen, wovon das Korporationenbureau ein Theil ist; dieses hat zum ersten Mal das Recht, diejenige Publizität über die Vorgänge in den großen Korporationen zu sichern, die das Publikum zu kennen berechtigt ist. Die Durchführung von Prozessen zur AufrechterHaltung des Vundes-Antitrustgesetzes wurde vorgesehen und ein anderes Gesetz sichert allen Produzenten gleiche Behandlung in der Beförderung ihrer Waare: ein entscheidender Schritt zu wirksamer Arbeit der zwischenstaatlichen Handelskommission. Korporationenbüreau. Die vorbereitende Arbeit des Korporationenbüreaus hat seine Ezistenzberechtigung bereits dargethan. Die geschlaffem Publizität wird mit der Unwissenheit aufräumen und wird Thatfachen liefern, an deren Hand eine vernünftige Aktion möglich ist. Die ehrlich organisirte Korporation hat nichts von der Aufsicht zu befürchten. Dieses Büreau will nicht das legitime Geschäft chikaniren, sondern es will helfen, eine bessere industrielle Lage zu schaffen, in welcher dem Gesetze Gehorsam geleistet und Rücksicht auf die Allgemeinheit von allen Korporationen, ob groß oder klein, als nöthig anerkannt wird. Das Handels- und Arbeitsdepartement wird nicht nur das Clearinghouse für JnforMarionen der Geschäststransaktionen der Nation sein, sondern es wird auch die Negierung fördern in der Kräftigung unserer einheimischen und auswärtigen Märkte, in der Bervollkommnung unsere? Transportfazilitäten, im Ausbau unserer Handelsmarine, in der Verhinderung nicht Wünschenswerther Einwanderung, in der Verbesserung unserer kommerziellen und gewerblichen Bedingungen und in der Annäherung jener beiden., nothwendigen industriellen .Partner, des Kapitals und der Arbeit, auf gemeinsame Basis. .. K a p.i t a l u n d Ar b e i t. ' 'Es 'ist die stete Politik der Bundesregierung, nach Kräften der Gewissenlosigkeit zu steuern, bei Arbeitsgeber wie bei Arbeitsnehmer; aber sie weigert sich, individuell? Initiative zu schwächen oder die industrielle Entwicklung ies Landes zu hemmen. Wir leben in einer Aera dr Verbündung, in welcher große kapitalistische Korporationen und Ar- . beiter-Unions in allen IndustrieZentren zu gewaltigen Faktoren angewachsen sind. Aufrichtige Anerkennung wird der weitreichenden wohlthätigen Arbeit zu Theil, die von den Korporationen sowohl als von den Unions vollbracht wurde. Die Grenzlinie, die zwischen den verschiedenen Korporaticnen und den verschiedenen Unions gezogen wird, ist die gleiche, die zwischen verschiedenen Individuen gezogen wird; es ist eine Linie der Führung; beide, organisirtes Kapital und organisirte Arbeit, erfahren die gleiche BeHandlung; verlangt wird nur, daß das Einzelinterene mit dem Interesse der Allge meinheit in Einklang gebracht, und daß die Führung eines Jeden sich den . Grundregeln des Gehorsams gegen das ' Gesetz, der individuellen Freiheit, der Gerechtigkeit und der Billigkeit gegen Alle anpasse. Wo immer die Bundesregierung Jurisdiktion hat, wird sie zu? Einstellung von Mißständen schreiten, gegen Korporationen, Unions ode? Individuen, ohne die geringste Rücksicht - i ' i v v;. trn . i v aus Die leuung ooer vie njcacui ccr Korporation, der Union oder des Indiriduums; aber nur in dem einen Punkt, wo es sich nämlich darum han delt, ob die Führung des Individuums oder des Aggregats von Individuen in Uebereinstimmung mit dem Landesge setz ist. Einnahmen. Ausgaben. Von allen Quellen, mit Ausnahme oes Postdienstes. betrugen die Umnah men der Bundesreaieruna im verwiche nen Fiskaljahre 5560.396.674; die Ausaaben benefen sich m derselben enode auf $506.099,007. Anzeichen deuten darauf hin, daß der Ueberschuß im gegenwärtigen Fiskalmyre ern jeyr kleiner sein wird, wenn überhaupt ein solche? zum Vorschein kommt. Vom uli bis November waren die Einnahmen aus den sollen annähernd um 59.000.000 geringer, als in der gleichen Zeit des Vorjahres, sollte vie !iv nahmt der Solleinnahmen in dem bisherigen Maße durch das ganze Fiskaljähr andauern, so wird sich der Ueberschuß um circa $30.000.000 verringern. 'Sollte noch eine viel größere Verringerung der Zolleinkünfte eintreten so wird der Ueberschuß verschwinden. Ein großer Ueberschuß ist sicherTiA nickt wünschenswert!,. Vor zwei . ofrm wurden die Kriegs steuern mit der bestimmten Absicht aufgehoben, die Regierunas-mnaymen uno -'uLga-ben auf ein gleiches Niveau zu bringen;

f.i-t- i v . n . r. r?j - tt !

:iicgisoeiioiDcnmcr ergav ncq im ciiien Jahre nach der Verfügung jener Steucrentlasiung einUeberschuß; jetzt scheint es, als co eine wirkliche Gleichheit im Einnahme- und Ausgabeetat entstehe. Im Hinblick auf diese Thatsache ist es angebracht, bei Bewilligungen borg fält und Sparsamkeit obwalten zu lassen und irqend einen Wechsel in umerem fiskalischen Nevenue-System einer scharfen Prüfung zu unterziehen. Die Nothwendigkeit strikter Sparsamkeit in unseren Ausgaben erhalt noch Gewicht durch die Thatsache, daß wir nicht kargen dürzen, wenn es sich um Bewilligungen um unsere nationale Wohlfahrt handelt. Unser Finanzsystem. Die Integrität unserer Umlaufsmittcl ist außer Frage und unter den gegenwärtigen Umständen wäre es unnöthig und unwelZe, eine Rekonstruktion unseres Munzsystems zu veranlassen. Dem Schatzamtssekretär sollte es überlassen sein, die Einnahmen aus den Zollgebühren in derselben Weise zu depornren, wie die Einnahmen aus anderen Quellen. Der Präsident lenkt im Uebrigen die Aufmerksamkeit des Kongresses neuerdings auf seine in dieser Richtung in der Botschaft vom Vorjähre gemachten Empfehlungen. Handelsmarine. Eine Mehrheit unseres Volkes wünscht, daß Schritte im Interesse der amerikanischen Schifffahrt gethan werden, um unsere frühere Position unter den seefahrenden Handelsvolkern zurückzugewinnen. Leider differiren die Meinungen über die Mittel zur Herbei, führung dieses Endzweckes so sehr, daß es unmöglich erscheint, hiefur ein bestimmtes Schema auszustellen. Der Präsident empfiehlt, der Kongreß möge eme Kommlsston, bestehend aus dem Marinesekretär, dem Generalpostmeister und dem Handelssekretär und einer bestimmten Anzahl von Mitgliedern des Senats und des Repräsentantenhauses, beauftragen, in der nächsten Kongreßsession nach reiflicher Berathung Vorfchläge zu erstatten, durch welche gesetzllche Maßnahmen eine Stärkung der amerikanischen Handelsmarine und unseres Handels im Allgemeinen und die Einrichtung, emes nationalen OzeanPostdienstes auf hiezu geeigneten Hilfskreuzern und Schiffen der Marmcreserve herbeiführbar. Letztere Maßnähme erscheint besonders dringend im Hinblick auf den Ablauf unseres Kontraktes zur Beförderung der transatlantischen Post mit der American Line" im Jahre 1903. Die Einrichtung neuer Schifffahrtsverbindungen zur Beförderung von Fracht nach Südamerlka, Asien und anderen Landern läge sehr im Interesse des gesammten amerikanischen Handels. . Einwanderung. Während wir Einwanderer von der guten Sorte gar nicht genug erhalten können, müssen wir andererseits die nicht wünschenswerthe Immigration mit allen Mitteln z:i beschranken su chen. Es erscheint daher die Schaffung n i . .n. o .;i! V-a emes oenimmien ynems noimg, oas schlechten Elementen unser Land voll ständig verschließt, während es wün schenswerthen Immigranten die Ein Wanderung ohne, unnütze Scherereien ermöglicht. Zur Zeit sind einzelne Ti strikte, die Einwanderer nöthig hätten, ohne solchen Bevölkerungszuwachs, während andere Gebiete von Jmmi granten in einer Zahl überschwemmt werken, daß die Lebensbedingungen der bereits ansässigen Bevölkerung darun ter leiden. In den letzten zwei Jahren wurde der Einwanderungsdienst im Hafen von New Nork wesentlich ver bessert und die früher dort herrschende Korruption und Unfähigkeit wurde ausgerottet. Der dortige Einwände rungsdienst wurde vor Kurzem von einem aus repräsentativen Bürgern bestehenden Komite untersucht und dessen Empfehlungen zur werteren Verve erung des Dienstes in administrativer und legislativer Hinsicht hat der Handelssekretär zur Zeit unter Erwägung. Naturalisations-Betrü-g e r e : e n. Die unter Leitung des Generalan walts eingeleitete Untersuchung über vorgekommene Fälschungen von Naturalisationspapieren enthüllte Zustände, welche die besondere Aufmerksamkeit des Kongresses auf sich lenken sollten. Im ganzen Lande sind m dieser Bez hung Fälschungen und Betrügereien ganz schamlosen Charakters vorgekom men und es ist außer Zweifel, daß sich zahlreiche Individuen des Titels und der Vorrechte emes amenkanischenBur aers erfreuen, die darauf nicht den leifesten Anspruch haben. Es darf nicht vergessen werden, daß, wie die Supreme Court der Ver. Staaten sich letzthin ausdrückte, der Vürgertitel ein unschätzbares Gut bildet, ob er nun durch Geburt oder durch Naturalisation erworden wurde. Wir vergiften die reinen Quellen unseres nationalen Charakters und unserer Stärke, wenn dieses Privilegium unberechtigt, durch Fälschungen und korrupte Mittel erlangt werden kann. Ausdehnung der Bewilligungen für denGeneralanwalt. Der Präsident bezieht sich auf seine Empfehlungen in der letzten Jahresbotschaft. um eine strengere Durchführung des Anti-Trust-Gesetzes gegen der Ocffentlichkeit gefährliche KapitalskombiNationen zu ermöglichen. Zu diesem Zwecke bewilligte der Kongreß eine Summe von $500.000. welche unter Aufsicht des Generalanwalts zur Ver-

folgung von Ucbertrewngen der Anti-

Trust- und zwischenstaatlichen HandelLgesetze verwendet werden sollte. Der Präsident empfiehlt nun als ein: Ang:leaenheit von höchster Bedeutung, eme Ausdehnung des Zweckes dieser BewilItgunq, um es dem Generalanwalt zu ermöglichen, die Summe, wenn nöthig. ur Verfolgung und Ueoerfuhru.g von G:se2Übe?trclern im Allgemeinen. ganz bcscndcrs aber zur Untersuchung der Betrügereien beim Verkaufe cssentlicher Ländercien, den Schwindeleien mit Naturalisationspapieren und den im Postdiensie vorgekommenen Skandalen zu verwenden. Kürzlich angestellte Untersuchunaen haben auf di:'.en Gebieten einen trostlosenZustand off:nbart. Tausende Acker von öffentlichen Ländcreien wurden auf unrcdllem Wege erworben. Diese, dem Volke der er. Staaten gestohlenen Ländereien müssen wiedererlangt und die Betrüger ihrer Strafe zugeführt werden. Eb:uso wurden im Postdienste Betrügereien der schlimmsten Art aufgedeat, die :m hoainen Grade geeignet erscheinen, das öfsentlichc Interesse zu gefährden. Um -ine durchgreifende Untersuchung in allen Theilen des Landes und die rucksichtslose Verfolgung aller Ueblthäter zu ermöglichen, erscheint es dringend geboten, die Benützung der angeführten vorjährigen Bewilligung für diese Zwecke auszudehnen. Au slieferungsvertrag. Bom Staats-Tepartcment sind Schritte unternommen worden. Bestechungen den Verbrechen anzureihen, deren Urheber von fremden Staaten ausgeliefert werden. Das Bedürfniß wirksamerer. dieses Verbrechen deckender Verträge ist offenbar. Die Vloslegungen und Untersuchungen von Beamtenkorruption in St. Louis. Mo., und anderen Städten und Staaten haben eine Anzahl von nach dem Auslande geflüchteten Gebern und Empfängern von Bestechungen ermittelt. Vestechungm waren bisher in den Auslieferungsverträgen nicht eingeschlossen, da eine Nothwendigkeit hierfür nicht vorlag. Die Alaska-Grenze. Nach den vergeblichen Versuchen, durch die Vereinigte Hochkommission ein Einverständnis hinsichtlich der Regelang der Alaskagrenze zu erzielen, wurde nach längeren, von frcundscyaftlichem Geiste beseelten Verhandlungen am 24. Januar 1903 von den Ver. Staaten und Großbritannien ein Abkommen unterzeichnet, das eine.Prüfung des Gegenstandes durch ein gemischtes Tribunal von sechs Vertretern, drei von der Union und drei von Großbritannien, mit dem Zwecke der endlichen Erledigung der Streitfrage vorsah. Die Ratifikationen des Uebereinkommens wurden am 3. März gegmseitig ausgetauscht, worauf die beiderseitigen Regierungen ihre Repräsentanten.' sur das Tribunal ernannten. Letzteres trat am 3. September unter dem Vorsitze Lord Alverstones in London zusammen. Am 20. Oktober hatte die Majorität des Tribunals über alle die in den oben erwähnten Abkommen siipulirten Punkte em Elnverstandrnß er reicht und unterzeichnet. Durch den Schiedsspruch wird das Recht der Ver. Staaten zur Kontrolle eines ununterbrochenen Streifens der Küste des Hauptlandes mit allen von den Gezei ten berührten Wassereinbuchtungen und Kustenausbuchtungen bestätigt. Der Präsident rekapitulirt hier die Details des Jmbroglios zwischen den europäischen Mächten und Venezuela und die Ueberweisung einzelner Punkte der Kontroverse an das Haages Schiedsgericht durch den Einfluß der Ver. Staaten. Er nennt dies einen Sieg der amerikanischen Diplomatie und einen Tnumph für das Prmzip der tn ternationalcn Arbitration. Er empfiehlt ferner eine Ausdehnung des in ternationalcn Gesetzes, um alles Privateigcnthum zur See vor Kaperung oder Zerstörung zu schützen. Im Anschluß daran macht der Präsident dar auf aufmerksam, daß die interparlamentarische Union für internationale Arbitration zu ihrem nächsten Kongreß im Jahre 1904 m St. Loms zusam mentritt. Beziehungen zur Türkei Anfangs Juli empfing der Präsident die glückliche? Weise urthumllche Nach richt von der Ermordung des Viz:konsuls der Ver. Staaten in Beirut. Der Präsident beorderte telegraphisch ein kleines Geschwader nach diesem Hafen. um dort solche Diensie zu leisten, die sich nach der Ankunft als nothwendig erweisen sollten. Wenn auch der Anschlag auf das Leben des Vizekonsuls erfolglos war. so erforderten doch die durch die That aufgedeckten Zustände der Unruhe und des Aufruhrs sofortige Beachtung. -Das Erscheinen unserer Kriegsschiffe vor Beirut war von glück lichster Wirkung. Ein Gefühl der Si cherheit griff Platz und unsere Offiziere wurden von den fremden Konsuln und den leitende-'. Kaufleuten mit Freude begrüßt. Das Ministerium des Sultans schenkte bereitwillig den Vorsiellungen unseres Gesandten Gehör und der Zwischensall wurde m befriedigen der Weise erledigt. Unsere Beziehungen zur Türkei bleiben nach wie vor freundschaftlich und unsere Ansprüche, die auf ungerechter Behandlung einiger unserer Schulen und Missionsanstalten basiren, dürften in ruhiger Weise ausgeglichen werden. Beziehungen zu China. Die Unterzeichnung des neuen Handelsvertrags mit China in Shanghai am 8. Oktober gibt uns gleichfalls Grund zur Zufriedenheit. Dieser Akt,

das Resultat langwieriger Unterhandlungen und Diskussionen, bringt unsere kommerziellen Beziehungen zu dem gro-

ßen orientalischen 5Zalserreich auf eme weitaus günstigere Basis, als dies jemals vorher der Fall war. Er garantirt nicht nur die gebräuchlichen Rechte und Privilegien unserer diplomatischen Vertreter und Konsuln, sondern sichert uns auch eine bedeutende Ausdehnung unseres Handels durch erweiterte Fazilltaten des Zugangs zu chinesischen Häfen und beseitigt gleichzeitig einige bedeutende Hindernisse, mit denen unser Handel in China bisher zu kämpfen hatte. Ausstellungen. Der Präsident gibt der Hoffnung Ausdruck, daß der Kongreß fortfahren werde, die St. Louiser Weltausstellung mit allen Kräften zu fordern. Die Ausstellung wird bekanntlich zur Erinnerung an den Ankauf des LouisianaGebiets veranstaltet, welcher der erste Schritt auf dem Wege der ExpansionsPolitik war und unser Land zu einer kontinentalen Nation machte. Die Expedition von Lcwis und Clark über den Kontinent folgte und bezeichne!? den Beginn des Prozesses der Erforschung und Kolonisation, wodurch unsere Grenzen gegen den pazifischen Ozean hin vorgedrängt wurden. Die Erwerbung des Oregon-Landes, das die heutigen Staaten Oregon und Washington umfaßt, war von größter Bedeutung für unsere Geschichte. Sie gab uns unseren Platz an der Küste des Stillen Ozeans und machte uns den Weg frei, um unseren Einfluß in dem Handel des größten Meeres zu gewinnen. Das 100jährige Jubiläum unserer Etablirung an der Westküste des nordamerikanischen Kontinents durch die Expedition von Lewis und Clark wird im Sommer 1905 durch eine Ausstellung in Portland, Ore., gefeiert werden. Ter Präsident empfiehlt dieses Unternehmen dem Kongresse zur Beachtung und Unterstützung. Fortschritte Alaskas. Besondere Aufmerksamkeit lenkt der Präsident auf das Territorium von Alaska. Dieses Gebiet entwickelt sich ungemein rasch und hat eine gesicherte Zukunft. Der Mineralreichthum ist groß und feine Ausbeutung wurde bisher kaum in Angriff genommen. Die Fischerei, sofern sie vernünftig und unter nationaler Kontrolle geyandhabt wird, bildet ein permanentes Geschäft und ist für die Bevölkerung von höchster Bedeutung. Die Forsten, nach richtigen Prinzipien verwaltet, werden eine andere Quelle des Wohlstandes bilden. Auch für Landwirthschaft und Viehzucht eignen sich einzelne Theile des Territoriums, wenn auch diese Betriebe den besonderen Konditionen dieses Lancs angepaßt werden müssen. Strenge Bodengesetze sollten erlassen und mit der Vermessung der öffentlichen Ländereien sollte sofort begonnen werden. Für die Kohlenländereien sollten eigene Gesetze erlassen werden, damit diesemgen. welche sich dort festsetzen wollen, Platz und Gerechtsame unter ähnlichen Bedingungen erwerben können, wie solche'für die Heimstätten und Mineralländereien vorgeschrieben sind. Lachszüchtereien sollten unter Bundeskontrolle etablirt werden. Das Kabel sollte von Sitka aus gegen Westen hin verlängert werden. Ferners sollten Straßen und Wege gebaut und die Errichtung von Eisenbahnen mit allen legitimen Mitteln gefördert werden. Ebenso erscheint die Errichtung von Leuchtthllrmen der Küste entlang als empfehlIwcrth. Den Bedürfnissen der Indianer in Alaska sollte alle Aufmerksamkeit gewidmet werden. Es würde sich empfehlen, einen Beamten mit mehreren Untergebenen nach Alaska zu senden. um die Wünsche und Bedürfnisse der indianischen Bevölkerung kennen zu lernen und ihr behilflich zu sein, sich in die veränderten Verhältnisse zu finden. H a w a i. Der Präsident empfiehlt eine Bewilligunz. um Leuchtthürme in Hawai zu erbauen und die bereits bestehenden Leuchtthürme in Besitz zu nehmen. Alle Auslagen, die diesem Territorium aus der Errichtung von Leuchtthürmen bisher erwuchsen, sollten vergütet werden. Der Gouverneur sollte ermächtigt werden. irgend einen, von ihm ernannten Beamten vom Dienste zu suspendiren oder zu entlassen, ohne die Sache vorerst der Legislatur unterbreiten zu müssen. Philippinen und Porto Rico. Hinsichtlich unserer insularen Besitzungen, de? Philippinen und Porto Rico, ist ein erfreulich stetiger Fortschritt zu konstatiren, so daß es unnöthig erscheint, viel Zeit auf die Diskutirung dieses Gegenstandes zu vcrwenden. Der Kongreß sollte jedoch stets der auf uns ruhenden besonderen Verpflichtung eingedenk sein, die Wohlfahrt jener Gemeinwesen in jeder Weise zu fördern. Die Philippinen sollien uns durch Tarif-Arrangements .enger verbunden werden. Es würde natürlich unmöglich sein, die Bewohner jener Insein plötzlich auf die Höhe der indusiriellen Prosperität und Regierungsbrauchbarkeit zu heben, zu der sie Schritt für Schritt gelangen werden. Die bei der Förderung der Jnselbewohner beobachtete Vorsicht und Mäßigung waren eine der Hauptursachen dafür, daß diese Entwicklung anher so glatt verlaufen ist. Aeußerste Sorgfält ist bei der Wahl der Regierungsbeamten auf den Inseln gewährt, und d;e Parteipolitik ist vollständig eliminirt worden. Die Verhältnisse der

Inselbewohner in materieller Hinsicht

sind besser als ie zuvor, wahrend ihre Forlschritte in Bezug auf Regierungsbrai:azbarkeit. intellektuelle Bildung und Moralität gleichen Schriit mit ihrem finanziellen Vorwärtskommen gehalten hat. Erhaltung der Wälder. Die Verbesserung der Trockenländereien im Westen schreitet unier den Gesetzbestimmungen,we!che den Erlös aus verkauftem öffentlichen Land bei Seiie stellen, stetig und in befriedigender Weise fort. Das Studium benützter Gelegenheiten zur Verbesserung von Land in der ausgedehnten trockenen Zone, sei sie nun von Individuen, Korporationen oder dem Staate vorgenommen worden, zeigt, daß die Quellen zur Wasserlieferung wirksam geschützt und die Reservoire durch Erhaltung der Wälder an der Quelle oder dem Oberlaufe derFlüsse sorgsam behütet werden müssen. Die Nothwendigkeit der Fortdauer unserer Waldquellen, seien diese nun in öffentlichem oder privatem Besitz, wird jetzt in einem Maße anerkannt, wie nie zuvor. Die Staaten, in welchen Baumwolle angebaut wird, sind in neuerer Zeit v:n einem Baumwoll-Weevil heimgesucht worden, welcher großen Schaden angerichtet hat und die ganze BaumwollIndustrie bedroht. Dem Kongresse wird deshalb die Suggestion gemacht, solche dem Uebel abhelfende Gesetzgebung zu inauguriren, wie es sein Urtheil für gerecht befindet. Keine andere Klasse unserer Bürger hat sich solche Verdienste erworben, wie diejenige, der die Nation ihren eigen!lichen Bestand verdankt, die Veteranen des Bürgerkrieges. Spezielle Aufmerksamkeit wird daher für die ausgezeichneie Arbeit des Pensionsbureaus in der Abfertigung und Erledigung von P:nsionsansprüchen erbeten. Während des am 1. Juli 1903 geendeten Fiskaljahres hat das Bureau 251.982 Ansprüche erledigt oder durchschnittlich 825 an jedem Tage. Die Zahl der täglichen Anspruchsentscheidungen seit dem 1. Juli 1903 hat diejenige des Vorjahres noch überstiegen; sie belief sich auf nahezu 1000. Es wird angenommen, daß die Arbeiten des Bureaus am Ende des jetzigen Fiskaljahres die regelmäßigen sein werden. '. Civildien st - Regeln. In dem am 30. Juni zu Ende gegangenen Jahre wurden 25,566 Personen infolge von Wettbewerb-Prüfun-gen, die sie unter den Regeln des Civildienstgcsctzes ablegten, angestellt. Es waren dies 12.672 Personen mehr als im Vorjahre und 40 Prozent derjenigen, welche die Prüfungen bestanden. , Diese bc'ö:utende Zunahme hatte, zum großen Theile ihren Grund in der Ausdehnung , der Klassifikation - auf , den freien Posibeförderungsdienst in den Landdistrikten und der Einstellung von über 9000 Landbriefträgern. Am 15. April 1903 traten revidirte CivildienstRegulationen in Kraft, und diese haben das System wesentlich verbessert. Armee und Marine. Die Wirkung der Gesetze, durch die ein Generalstab in's Leben gerufen und die Verwendbarkeit der Nationalgarde erhöht wurde, ist eine ausgezeichnete geWesen. Die Wirksamkeit und Leittungsialziqielt unierer Ärmce i in den letzten Jahren sehr gesteigert worden. Die Schulen zu Fort Leavenworth. Fort Riley und anderen Orten, sowie die eingeführten Herbstmanover haben hochbefriedigende Resultate gezeitigt. Die gute Wirkung diese: Manöver auf die Nationalgarde ist bezeichnend, und genügende Bewilligungen sollten gemacht werden, damit die An gehörigen der Nationalgarde in den verschiedenen Staaten Antheil an dem Nutzen erlangen, den die Manöver bieten. Die Regierung sollte sich sobald als möglich in den verschiedenen Theilen des Landes passendes Areal zur Errichtung permanenter Militärlager für Manöver sichern. Bon Herzen ist dem Kongresse zu dem stetigen Fortschritte im Aufbau der amerikanischen Marine zu gratuliren. Wir können in diesem großen Werke nicht nachlassen. Stillstand bedeutet Rückgang. In der Vermehrung der einzelnen Kampfglieder unserer Flotte sollte keine Unterbrechung eintreten. Unterweilen sorgen das Marine-De-partement und die Marine-Offiziere für konstanten Seedienst, unter Bedingungen ähnlich denen des wirklichen Krieges. Unsere Marine-Offiziere und -Mannschaften lernen die Führung und Handhabung von Schlachtschiffen, Kreuzern und Torpedobooten in Flot-ten-und Geschwaderformation, und der Standard der Treffsicherheit wird stetig erhöht. Die beste Arbeit an der Küste ist unerläßlich, aber die höchste Obliegenheit des Marine-Offiziers ist die Ausführung des Kommandos zur See. Die Etablirung eines MarineAdmiralstabs ist in eminenter Weise wünschenswerth. Der Jsthmus-Kanal. Durch den Akt vom 23. Juni 1902 autorisirte der Kongreß den Präsidenten, wegen des Baues des Kanals durch den Isthmus von Panama mit Colombia in Verhandlung zu treten, unter der Bedingung, daß im Falle der UnMöglichkeit, eine Vereinbarung in absehbarer Zeit herbeizuführen, auf das Nicaragua-Projekt zurückzugehen wäre. Diese Alternative brauchte.nicht in Erwägung gezogen zu werden,da der Präsident in der Lagerist, dem Senat einen Vertrag für den Bau des Kanals durch den Isthmus von Panama zu imter-

breiten. Es ist dies die Route, welche sich selbst dem bedächtigen Urtheile des Kongresses empfahl und wir können nun vertragsweise das Recht erwerben, den Kanal entlang dieser Route zu bauen. Die Frage ist also nicht mehr, welche Route für den Jsthmus-Kanal gewählt werden soll, da dies bereits entschieden ist. Heute ist die Frage einfach, ob wir überhaupt einen IsthmusKanal haben sollen oder nicht. Als der Kongreß verfügte, daß wir zum Bau des Kanals die PanamaRoute unter Zugrundelegung eines Vertrags mit Colombia wählen sollten, kam es selbstverständlich in der Hauptsache nicht auf die Regierung, welche diese Route kontrollirte, sondern auf die Route selber an, auf das Territorium, durch das die Route führt, nicht auf den Namen, den dieses Territorium für den Augenblick auf der Landkarte trägt. Der Zweck des Gesetzes war, den Präsidenten zu autorisiren, mit der Macht, welche die thatsächliche Kontrolle über den Isthmus von Panama hat, einen Vertrag abzuschließen. Dieser Zweck wurde erreiat. Verwerfung des Vertrags durch Colombia. Im letzten Frühjahre ratifizirte der Senat einen Vertrag zwischen den Repräsentanten von Colombia und unserer Regierung. Darin war von unserer Seite dem Volke und der Regierung von Colombia jede mögliche KonZession gemacht. Unsere Generosität ging so weit, daß wir uns fragen mußten, ob unser Entgegenkommen gegen den schwächeren Nachbar nicht schon zu groß war. um eine Schädigung unserer eigenen Interessen zu verhindern. Trotzdem repudiirte die colombische Regierung den Vertrag in einer Weise, die uns nicht die leiseste Hoffnung ließ, jemals zu einem befriedigenden Abkommen mit dem Kongreß von Colombia zu kommen. Revolution in Panama. Die Bevölkerung Panamas war schon lange mit der Republik Colombia unzufrieden und war nur durch die Aussicht auf den Abschluß des KanalVertrags, der für sie eine Lebensfrage bildete, in Ruhe gehalten worden. Als es offenbar wurde, daß der Vertrag hoffnungslos in die Brüche ging, erhob sich das Volk von Panama buchstäblich wie ein Mann. Kein Schuß wurde auf dem Isthmus im Interesse der colombianischen Regierung abgefeuert; kein Menschenleben ging beim Vollzug der Revolution verloren. Die auf dem Isthmus stationirten colombianischen Truppen, die seit Langem keinen Sold erhalten hatten, machten mit der Bevölkerung von Panama gemeinsame Sache und mit erstaunlicher Einhelligkeit wurde die neue Republik gegründet. Die, Pflicht der Ver. Staaten unter diesen Voraussetzungen war klar. In strikter Uebereinstimmung mit den durch die Sekretäre Caß und Seward niedergelegten Prinzipien gaben die Ver. Staaten kund, daß sie keiner Expedition, deren Ankunft Chaos und Zerstörung entlang derPanama-Eisen-bahn und dem geplanten Kanal bedeuten und eine Unterbrechung des Transits zur unvermeidlichen Folge haben würde, die Landung gestatten würden. Die de facto Regierung Panamas wurde anerkannt. Es wäre Narrheit und Schwäche, ja ein Verbrechen gegen die Nation gewesen, hätten die Ver. Staaten unter solchen Umständen anders gehandelt. Dieses große Unternehmen der Erbauung eines interozeanischen Kanals kann nicht aufgehalten werden, um Launen zu respektiren, oder eine gouvernementale Impotenz oder gar häßlichere politische Eigenthümlichkeiten von Leuten, die aus weiter Ferne gegen den Wunsch der eigentlichen Bewohner des Isthmus, eine unreelle Suprematie über das Gebiet beanspruchen. Der Besitz eines Gebiets wie des Isthmus bringt Verbindlichkeiten gegen die Menschheit mit sich. Der Gang der Ereignisse hat gezeigt, daß dieser Kanal nicht durch private Unternehmer oder eine andere Nation als die unsere gebaut werden kann; deshalb muß er von den Ver. Staaten gebaut werden. Neuer Vertrag mit Pan a m a. ; Die Regierung der Ver. Staaten war mit allen Mitteln bestrebt, Colombia zu verhindern, einen Kurs einzuschlagen, der nicht nur für unsere Interessen und die der ganzen Welt, sondern für die Interessen Colombias selber gefährlich war. Diese Anstrengungen waren vergeblich und Colombia hat uns gezwungen, im Hinblick auf unsere nationale Ehre und unsere Wohlfahrt, wie im Interesse der Bewohner des Isthmus von Panama und der civilisirten Länder der Welt Schritte zu thun, um dieser unmöglichen Situation ein Ende zu machen. Die neue Republik von Panama erbot sich sofort, einen Vertrag mit uns abzuschließen. In dem selben sind unsere Interessen besser geschützt, als in dem Vertrage mit Colombia, den der Senat in seiner letzten Session ratifizirte. Er ist auch vortheilhafter, als die uns offerirten Verträge der Republiken von Nicaragua und Costa Rica. Panama hat seinen Theil gethan, um die Inangriffnahme, des gewaltigen Werks zu ermöglichen. Es liegt nunmehr nur noch an dem amerikanischen Kongresse, das seine zu thun, und unsere Republik kann an die Ausführung eines Projektes gehen, riesenhaft in seiner Größe und von schier unberechenbaren Möglichkeiten für die Wohlfahrt dieses Landes und aller Nationen der Erde.