Indiana Tribüne, Volume 27, Number 90, Indianapolis, Marion County, 5 December 1903 — Page 4
Indiana Tribüne. HerauSzeaebrn von der Suttnderg Indianapolis, Ind.
Harry O. Thudinm ... Präsident. Geschäfts local: No. 31 Süd Delaware Straße. TELEPHONE 269. rrnered at the Post Office of Indianapolis as second dass matter. Naheliegende Vergleiche. Die Parallele spielt in der Politik eine mächtige Rolle. Vergleiche heran zuziehen, verschiedene Aeußerungen aus einer und derselben Quelle zu citiren und daraus die UnHaltbarkeit der origi nellen Stellung zu behaupten, ist ein beliebtes Kampfmittel. Uno Mancher ist schon damit abgeführt worden. Mancher auch nicht, wo der Nachweis der Jnconsequenz auf schwachen Füßen stand. Zur Panama-Politik unserer Administration, deren Metboden nicht. deren Resultate aber die Billigung der Mehrheit des amerikanischen Vol kes finden, weil damit seinem Jingo Ehrgeiz geschmeichelt wird, bringt die New Orleanser Picayune einen dergleichenden Beitrag. Sie nimmt einige Erklärungen des colombanischen Ge nerals Reyes auf, in denen er die Frage stellt, wie Ver. Staaten stch an deren südamerikanischen Sezessionen gegenüber gestellt haben würden. Zum Beispiel: da ist in Brasilien der Staat Rio Grande do Sul, überwiegend von Deutschen besiedelt und von deren Nachkommen bewohnt. Die Bevölkerung ist seit Langem unzufrieden mit der brasilianischen Regierung. Sie mag zu irgend einer Zeit zu dem Entschluß kommen, die Zusammen gehörigkeit mit Brasilien aufzugeben und ein unabhängiges Staatswesen zu begründen. Was würden die Ver. Staaten dazu sagen, wenn Deutschland den neuen Staat prompt anerkennen und mit stiller Pression Brasilien verhindern wollte, eine Armee zur Unterdrückung des Aufstandes zu entsenden ? Es wäre dasselbe, was die Ver. Staa ten in Eolombia gethan haben. j Der Vergleich ist nicht schlecht ge wählt, läßt freilich die Monroe-Doktrin außer Acht, sowie die Thatsache, daß in diesem Falle Deutschland zu Rio Grande do Sul doch in anderem Verhältniß steht, als die Ver. Staaten zu Panama. Denn von ausländischer Bevormundung, Beeinflussung könnte in der deutsch'l.rasilianischen Republik keine Rede sein, während die neue Republik Panama durch nur durch das dominirende Machtgebot der Vereinigten Staaten besteht. Eine deutschbrasilianische Republik, die aus eigener Kraft ersteht, ist nicht auf gleiche Stufe zu stellen mit einer Republik von Onkel Sams Gnaden. Und daß dieselbe nicht unter reichsdeutschem Einfluß stehen kwürde, ist selbstverständlich. Hiezu bemerkt Pioneer Preß": Die Vereinigten Staaten würden eine deutsche Republik in Süd-Amerika gutheißen. TieMfahr ist nicht groß, daß die Bevölkerung einer Republik, deren größter Theil aus Deutschland ausgewandert ist, um den unerträgli chen Anforderungen des Militarismus zu entgehen, seine Zukunft an die des Deutschen Reiches binden würde. Es ist eher zu erwarten, daß sie den Kern einer mächtigenlNation bilden würde, die, an Stelle einer schwachen zu treten hat, d?e bisher, trotz ihrer Rückständig, keit, die Vorherrschast im größeren Theile von Süd-Amerika ausübt. Vor allen anderen ist die deutsche Rasse diejenige, welche unserem anglo-sächsischen Blute am nächsten . steht. Von monarchischer Herrschaft befreit, zeigen die Deutschen in Brasilien die selbe Fähigkeit zur Selbstregierung. die den Amerikaner kennzeichnet. Daß sie ihre Möglichkeiten ausnützen, würde der Monroe Doktrin keinen Schaden thun oder sonst irgend einer Aspiration des amerikanischen Volles." Das ist vernünftig gesprochen, viel gescheuter als das Geschwätz der Jin gos, die in den Kundgebungen des deutsck'drasilianischen Unabhängigkeit gefühls heimtückische Anschläge deutsch ländischer Eolonialpolitik witterten. Herr Bryan hielt bei einem Diner des Nat. Liberalen Clubs in London eine Ansprache, in welcher er seine Erfahrungen in England beleuchtete. Da die Mehrzahl der Anwesenden aus irländischen und liberalen Elementen bestand, so klang seine Aeußerung, der Stölz eine? Volkes solle nicht auf Stärke an Heer und ElrifrMbern
auf die Güte der Regierung gerichtet sein," zwar nicbt wie eine Ironie, aber doch etwas seltsam. Denn was das Regieren anbetrifft, so können E.'gland's Minnisterien, ob Liberal oder
Konservativ, doch längst nicht mehr anderen Ländern als Muster empfohlen werden. Herr Bryan soll die Lobes Hudelei auf England'S Institutionen getrost dem Botschafter Choate allein überlassen. Herr Singer ist also nicht erster Vice-Präsident des Reichstags gewor den und den Höflingen somit das Ver gnügen entzogen, den auf dem glatten Parkette durchaus nicht Unl.ewander ten auch bei einem Hofbesuche bewun dern zu können. Was Bebel und die siegreiche Mehr heit bewogen hat, den faktischen Einl gungen der Revisionisten nachzugeben und Singer's Candidatur zu gestatten. ist vorerst nicht bekannt. ES war aber natürlich vorher schon bekannt, daß keine der übrigen Parteien für Singer eintreten werde, womit die Frage ihre praktische Bedeutung verlor. Die Aufstellung deS Socialisten bedeutete somit nichts weiter als die Betonung des Rechtes auf die Vice-Präsideutschaft. Wie die Dinge liegrn, werden die Regierung und die Bebel'sche Richtung gleich froh sein, daß die Frage auf diese Weise erledigt wurde; denn daß ein überzeugungstreuerSccialdemokrat nicht in die Rolle eines den Herrscher Begrü ßenden paßt, darüber können uns alle Sophismen nicht hinwegtäuschen. In einer New Yorker Kirche hat gestern ein hoher Geistlicher einen lei denschastlichen Protest gegen die kom mende Aufführung von Wagner's Parsifal" erhoben. Er bezeichnete das Unternehmen als Blasphemie", aber die von ihm angeführten Gründe sind gerade vom kirchlichen Standpunkte aus sehr schwach. Es kann diesem Gegner Wagner's doch schwerlich unbekannt sein, daß das ganze Mittelalter hindurch in den Kirchen Schauspiele aufgeführt wurden, deren Stoffe gleichfalls der Bibel und selbstredend der Passions Geschichte mit Vorliebe entnommen waren. Und zwar waren Geistliche die Akteure, nicht weltliche Schauspieler, was also den Frevel in den Angen des New Z)orkerS wesentlich erhöht haben muß. Es ist aber keinem der strenggläubigen Christen des MittelalterS eingefallen, in diesen Produktionen, die sich als eine mächtige Förderung für die Kirche erwiesen, etwas Vecabscheuungswürdiqes zu erblicken. trotzdem diese großentheils an sittlicher Tiefe weit unter Parcifal standen. Ein erhabenes und reines Kunstwerk kann in der That niemals als Blasphemie wirken und die Consequenzen eines derart engherzigen Standpunkts sind geradezu absurd. Im goldnen Ehren-Kranze. Im Kreise ihrer Familien - Angehörigen und intimer Freunde feierten gestern Abend s)tzi August F. Ziegler und seine getreue Lebensgefährtin Frau Louise Ziegler in ihrem kofigen Heime, No. 223 Kansas Straße, ihr goldneS Hochzeits-Jubiläum. Gleichzeitig be ging der Jubilar sein 75. Wiegenfest. Ein genauerer Bericht über die schöne Doppelfeier wird im morgigen Spott Vogel" zu finden sein. Grundeigenthums' Uebertragungen. Mary A. Spink an Lena Vogel, Lot 7, Sanders Straße Addition, $1.700. Lella A. Rossetter u. A. an Sarah W. Rossetter u. A., Lot 19, Minturn's Nord Add.. $1,500. Ralph A. Young. Commisiioner, an Charles S. Dargitz u. A., Lot 2, OSgood'S 1. Central Ave. Add., $2,500. John E. Vilet an Samuel D. Piersan, Lot 16, Block 12, Lincoln Park Add., $4,500. Paul Niemann an John Tacoma u. A., Theil Lot 11, Jngallston Manufacturing Company's Subbivision, $2,800. Indianapolis Wire Weaving Co. an Brinkmeyer, Kühn & Co., Theil süoöstl. Viertel, Sec. 27, Township 16, Raugc 3, $15,000. William I. Kasberg an Edward H. Walsman, Lot 19. McKernan u. A. Subdivision, Theil von Outlot 100, $2.500. Milton S. Myers an Samuel H. Burford u. A., Lot 23, 1. Sec. Rosemont und Lots 55 und 56, Parker, u. A., Sub., Oak Hill, $1,800.
Taö G .Kirnnifc öcö Qzcanö. Dieser Tage ist in London ein Prozeß behandelt worden, der nicht bloß deshalb interessant ist, weil der lhm zu Grunde liegende Thatbestand an romantischen Verwicklungen mit den populären Dramen des Adelphitheaters wetteifert, sondern auch weil seine, den ganzen Erdball umspannende geographische Basis charakteristisch ist für den großartigen Zug, den die Zugehörigkeit zu einem Reiche, in dem die Sonne nicht untergeht, außer den politischen Aspirationen auch dem bürgerlichen Leben seiner Angehörigen mittheilt. Ein Engländer Mr. Thomas Kerry. kaufte vor drei Jahren in Cowes auf der Insel Wight die Schoner-Yacht Ariadne" für 2000 Pfund Sterl. Die Ariadne" war ein besonders schönes, schnelles Schiff mit 230 Tonnen De-
placement, der Preis also sehr billig, und als der neue Eigenthümer bald darauf theils zu seinem Vergnügen, theils zu Forschungszwecken, eine Segeltour nach der Südsee antrat, versicherte er die Facht mit der fünffachen Summe. In Sydney wurde er durch Geschäfte zurückgehalten, und die An adne" ging ohne ihn im März 1901 weiter nach Neuseeland, jedoch nur um dort an einsamer Felsenküste an der Mündung des Waitaki zu scheitern und als irreparables Wrack zurückzubleiben. Die ganze Besatzung aber konnte sich retten, und der Kapitän Mumford wurde wegen Nachlässigkeit mit Entziehung der Lizenz bestraft. Bald darauf produzirte er ein Schriftstück, worin ihm von dem Eigenthümer eine Belohnung von 400 Pfd. St. für den Fall zugesichert wurde, daß er die Ariadne" zu Grunde gehen ließe. Mr. Thomas Kerry wurde alsbald unter dringendem Verdacht, zwecks betrügerischer Erlangung der Versicherungssumme seinen Kapitän zur dolosen Preisgabe des Schiffes angestiftet zu haben, in Wellington, der Hauptstadt von Neuseeland, verhaftet, jedoch wieder freigelassen .da sich die inkriminirte Klausel des von Mumford beigebrachten Dokumentes unter dem Mikroskop als eine Fälschung erwies. Die durch den Verlust des Schiffes geschädigte Gesellschaft jedoch beruhigte sich dabei nicht. Sie verweigerte zwei Jabre bindurch die Auszahlung der hohen Versicherungssumme und suchte, als Mr. Kerrr, diese schließlich vor dem Londoner Obergericht einklagte, denNachweis zu führen daß trotz der Mumfordschen Fälschung der Untergang derAciadne" eine zwischen dem Eigenthümer und dem Kapitän abgekartete Sache geWesen sei. Zu diesem Zwecke waren Zeugen aus allen fünf Welttheilen aufgeboten worden, von denen allerdings auf einen verzichtet werden mußte, da er kürzlich in Neu-Guinea von.Kannibalen aufgefressen worden wär und also als ausreichend entschuldigt gelten konnte. Es half aber alles nichts. Die widerstrebende Gesellschaft mußte soaar, ohne es zum Urtheil kommen' zu lassen, in der Hauptverhandlung durch den Mund ihres leitenden Anwaltes shre Unfähigkeit, die Bezichtigung gegen Kerry zu erh'ärtcn. bekennen und sich zur Zahlung nebst Zinseszinsen'kequemen. Never VZommsen. Mommsen trug seiner ganzen Jndividualität nach nicht das Verlangen, durch sarkastische Bemerkungen öffentlich zu überraschen und zu blenden, er ging vielmehr in seinen Alterthumsund Geschlchtssorschunaen o voll ständig auf. daß er es gern andern überließ, den geistreichen und schzagsertigen Mann zu spielen. Wenn der Zufall aber den Anstoß dazu gab, verstand er auch nach dieser Richtung durch glänzende Geistesblitze zu impoNieren. In seiner Sturm- und DrangPeriode (Anno 1848) war er eine Zeitlang Redakteur der Schleswig-Hol-steinn chenZeituna in Rendsburg. Das Blatt hatte die falsche Nachricht gebracht, daß ein bekannter dänischer Agitator Selbstmord durch Erhängen geübt habe. Der Mann ersmen m hestigster Erregung Abends nach Schluß der Redaktion in, der Privatwohnung Mommsens, der gerade emsig mit den Ergebnissen semer in den vorhergehen den Jahren durch Frankreich und Jtalien unternommenen wissenschaftlichen Reisen beschäftigt war, und stieß eine Fluth von groben Vorwürfen aus. Mommsen hörte .ihn gelassen an und erwiderte, als jener endlich schwieg, mit größter Seelenruhe: Ich werde morgen die Berichtigung bringen, die Redaktion habe sich durch Ihr lautes Schimpfen davon überzeugt, daß Sie sich dieKehle noch nicht zugeschnürt haden. Da wurde das dänische Rauhbein mit einem Male höflich und bat um eine anders gefaßte Richtigstellung. DerVurenführer Jouber! hat nach der D.-Ostafr.-Zta." den Plan einer Auswanderung nach Deutsch-Ostasrika noch rnchj aufgegeben. Er will vielmehr wahrscheinlich im Juni nächsten Jahres mit zwölf änderen Buren wiederkommen, um über Mombassa Kissumu Schirati Jkoma nach dein Hochfelde zu ziehen und sichdort niederzulassen. Uinc nronc Summe aus England eingctroffenen neugeprägten maurischen Geldes ist auf dem Zollamt m Tanaer anaekialten worden, weil die maiiriscfc Negierung es versäumte, die säumen Abschlags zahlungen an die englische Münze zu strickten. Die das Geld, geprägt hat.
Dtckcns als Spieler. Der- berühmte Romandichter mußte in seinen Jugendjahren viel Noth und Elend ausstehen. Sein Vater, ein unpraktischer, leichtsinniger Geschäftsmann, saß meist im Schuldgefängniß. und iiat Mutter vermochte ihn und seine Geschwister nickt zu ernähren. Schon als kleiner Knabe mußte er also durch seiner Hände Arbeit zum Lebensunterhalt der Familie beitragen. Er wurde in eine Wichsfabrik geschickt, wo er zahllose Wichstöpfchen zubinden mußte und täglich einen Shilling verdiente. In dieser Fabrik lernte er einen anderen Knaben kennen Namens Robert Fargin. der neben ihm arbeitete. Doch di?se bittere Leidenszeit ging endlich für Dickens vorbei, und er durfte wieder eine Schule besuchen. Dann arbeitete er als Berichterstatter für Zeitungen, verfaßte später seine .Londoner Skizzen" und veröffentlichte im Jahre 1836 den höchst erfolgreichen komischen Roman Die Pickwickier," durch welchen er mit einem Schlage einer der gelesensten und gefeiertsten Schriftsteller Englands wurde. Damals war in der St. JameSstraße zu London der prachtvolle Palast des sogenannten Crockfordklubs erbaut worden, eine Spielhölle der allervornehmsten Art, benannt nach ihrem Gründer Crockford, einem ehemaligen reichen Fischhändler. Zu Studienzwecken wünschte Dickens einmal diesen Spielllub zu besuchen. Es war ihm nicht schwer, sich eine Einführungskarte in den Klub zu verschaffen, und so ging er denn eines Abends dorthin. Im glänzend erleuchteten Vestibül des Spielpalasies empfing ihn ein reichge-
kleldeter Portier. Was sehe ich. Du bist's. Bob!" rief der Romandichter erstaunt, als er den ehemaligen Arbeitskameraden aus der Wlchsfabrik erkannte. . Jawohl. Charley. ich bin hier als Portier angestellt. Und es geht Dir gut?" Sehr gut. Aber tvas willst Tu denn hier?" Ich möchte mir dies Leben und Treiben etwas näher ansehen." Höre." flüsterte vertraulich Bob Fargin, indem er sich vorsichtig umschaute, tbu's lieber nicht! Gehe nicht hinein! Lasse Dich von mir warnen. nimm Deine Beine in die Hand und mach, daß Du weiterkommst! Es ist ja freilich gegen das Interesse meines Herrn, wenn ich so zu Dir spreche, aber Du bist rncrn Jugendfreund aus der Wichsfabrik, und deshalb halte ich es für meine Pflicht. Dich zu warnen. Ich sage Dir. Du wirst drinnen gerupft. daß es eine Art hat." Besten Dank für Deine wohlge meinte Warnung. Job." sprach lächelnd Dickens. Doch kann ich Deinen guten Rath nicht befolgen. Ich muß dies merkwürdige Etablissement genau ansehen und zwar aus besonderen Gründen. Schlimm kann's nicht werden; ich habe nur zehn Pfund zu mir gesteckt. Wenn ich die verliere, ist nicht viel daran gelegen, denn ich Hab's nicht mehr so knapp wie wir Beide damals in der Wichsfabrik." t Es befanden sich in den Spielsälen viele elegante Herren. Einige davon kannten den jungen Romanschriftsteller und nickten ihm flüchtig zu, jedoch ohne durch sein Erscheinen sich in ihrem Spiel stören zu lassen. Der Leiter ds Ganzen, nämlich der alte grauhaarige Mr. Crockfbrd. der aussah wie ein vollendeter Biedermann, war selbst anwesend. Er wechselte einige Blicke mit den Croupiers. Dickens beobachtete ein Weilchen das Leben und Treiben; dann versuchte er sein Glück und setzte fünf Pfund auf eine Karte. Er gewann, ließ den G?winn stehen und gewann abermals, dann noch einmal. Als er gehen wollte, traf er an der Thür wieder seinen Jugendfreund. Nun," sagte leise der in die GeHeimnisse er Spielhölle eingeweihte Bob Fargin, da bist Du also wieder. Natürlich gänzlich ausgebeutelt he?" Im Gegentheil ich habe gewonnen." Du hast gewonnen?" Reichlich sechshundert Pfund." Das kann unmöglich mit rechten Dingen zugegangen sein. Man hat wohl Deine spitze Feder gefürchtet. Tu schreibst doch für den .Morning Chronicle' und andere Zeitungen?" Jawohl." Da hat man also vermuthet, daß Du einige Artikel über den Crockfordklub zu schreiben gedenkst, und deshalb Dich einen hübschen Gewinn einstecken lassen, damit Deine Schreiberei nicht allzu gefährlich werden möge." Dickens lachte. Nun, dann hat man sich einigermaßen geirrt." sagte er dann. Ich will keinen speziellen Artikel über den Crockfordklub schreiben. Nu? um zu studircn, kam ich her. Ich arbeite nämlich an einem neuen Roman. und in einem Kapitel desselben gedenke ich das Treiben in einer fashionablen Spielhölle zu schildern. Das war der eigentliche Zweck meines Besuchs." Jedenfalls thust Du besser. Du bleibst künftig davon," rief ihm sein ehemaliger Kamerad noch nach. Einmal und nicht wieder!" dachte vermuthlich auch der geistreiche Romandichter. Er besuchte den prächtigen Spielpalast in der St. Jamesstraße nicht zum zweiten Male.
Zigeuner in Sachsen.
Interessante Wersüguugen jn ihrer Vertreib bung auS dem Lande. Behufs Bekämpfung der Zigeunerplage in Sachsen hat das Ministerium des Innern unlängst eine Verordnung erlassen, der zufolge man die Zigeuner des Oefteren auf das Führen von Waffen untersuchen, nach Befinden deshalb bestrafen, die etwa itx Landespolizeibehörde überwiesenen in Korrcktionsanstalten unterbringen und ihnen für vorkommende Gesetzwidrigkeiten empfindliche Geldstrafen auferlegen soll. Die Zigeuner haben von jeher in Sachsen recht häufig Ursache zum Erlaß von Verfügungen zu ihrer Vertreibung aus dem Lande gegeben. Nach Müllers Annalen erschienen die Zigeuner zum ersten Male im. Jahre 1418 in Sachsen, und zwar als ein loses, diebisch, verrätherisch und untreues Volk." Im Lause der nächsten U Jahrhunderte hören wir über Zigeuner in Sachsen nichts weiter, als daß Kurfürst August im Jahre 1556 einige wider das Verbot" in's Land gekommene Zigeuner aufgreifen und von der Dresdner Brücke aus in die Elbe werfen ließ. Im Jahre 1579 erließ Kurfürst August ein Mandat wider die Zigäuner." das auf frühere kaiserliche Erlasse Bezug nimmt, die den Zigeunern den Aufenthalt im Reiche Teutscher Nation" untersagen, weil man befunden, da? sie Ausspäher, Erfahre?, Kundschafter und Verräther der Christen, gegen dem Erbfeind Christlichcs Namens (die Türken) wären, zugeschweige, was sie sonsten vor viel Übels, und Unfugs, hin und wieder im Reich zu stifften und anzurichten stch unterstünden." Das Mandat besagt dann weiter: Der Kurfürst erfahre wieder, wie sich ein Verzweifelt los Gesindlein jetziger Zeit wiederumb hin und wieder Hauffenweis unter diesem Nahmen finden lassen," daß sich die Zigeuner bey den armen Leuten einlagern, allerley abscheuliche Gotteslästerung und Zauberei) üben, auch ein frech, wüstes gottloses Leben treiben, den armen Leuten das ihre an Hünern, Gänsen und andern, eins theils mit Gewalt, zum Theil auch mit Betrügerey abhändig machen." Dann folgt die Anweisung, keine Zigeuner im Lande zu dulden; diese sollten mit Haab, Euth, Leib und Leben, ungeachtet ob gleich einer oder mehr offene passewart fürzulegen hätten, preiß seyn." und Niemand, der stch an ihnen vergriffe, sollte hierinne Unrecht gethan, gefrevelt oder etwas verschuldet haben." Noch bis über die Mitte des 17. Jahrhunderts findet man die Ansicht vertreten, daß- die Zigeuner Kundschafter'der Türken seien, zuletzt in Johann Georgs II. Policey-Ordnung" vom Jahre 1661. Diese Polizeiordnung I führt außerdem an, daß stch verlauffene Soldaten" zu den Zigeunern schlugen, und daß diese besonders als Wilderer lästig fielen, die stch gelüsten lassen, unterschiedene Koppel-, Jagt- und etliche Stricke Wind-Hunde bey sich zu führen, mit felbigen in Fluhren und Feldern ungescheuet zu jagen und zu hetzen, , auch solcher gestalt sich an Unsere (des Kurfürsten) und Unserer Brudere L. L. L. Wild-Bahnen unverantwortlich zu vergreifen." Aus einem aus dem Jahre 1720 stammenden Befehle erfährt man. daß damals an denen Thüringischen und anderer benachbarten Herrschafften Gräntzen" eine Postirung" von Militär zu Vertreibung derer Bettler, auch Diebs-, Zigäuner- und Räuber-Rotten" stattfand, und einen Beweis dafür, daß man gefangene Zigeuner auch unter die Festungsbaugefangencn einreihte, liefert ein 1714 erlassenes Reskript, das auf eine Beschwerde des Bautzner Ober - Amts - Hauptmanns" darüber entscheidet, den auf dem Schlosse zu Budisstn standen und auf allhiestgen (Dresdner) Festungs-Vau zu liefern anbefohlenen Zigeuners Sohn, an denen Amts-Gräntzen anzunehmen." Das Alter dcö Papiers. Die Entdeckungsreisen des berühm ten schwedischen Forschers Sven Hedin haben auch zu wichtigen Funden für die Geschichte des Papiers geführt. Bekanntlich ist die Papierbereitung aus Lumpen oder Zeug eine chinesische Erfindung, welche die Araber bei der Eroberuna der Stadt Samarkand im Jahre 704 kennen lernten. Mohammedanlsche Fabriken bestanden dann besonders in Damaskus, weshalb das Papier im Mittelalter oft cliarta Darnasccna genannt wird. Erst durch griechische Händler gelangte Papier nach Deutschland, wo es etwa seit 1190 eingeführt ist. Nach chinesischen Quellen soll nun die Herstellung des Paviers bis 2000 ?labre v. Chr. zurückreichen, und diese oft bezweifelte Nachricht hat durch die neuesten Entdeckungen von Sven Hedm in gewisser Welje eine Stütze funden. Er fand nämlich im Lande der Wüste Gobi chinesisches Bavler. das durch die aus ihm stehenden Texte auf das Jahr 250 n. Cbr. danrt wird, ferner sielen ihm in den Ruinen der Stadt, die er am Nordrande des Sees Lop Nor entdeckte. eine aanze Anzahl von chme nschen Sandschriften in die Hände, die etwa aus derselben Zeit stammen. Rennthiere hat ckan neuerdings in der Umgebung des Telezkojtsees in Sibirien beobachtet. Dieser See liegt ziemlich genau auf demselben Breitengrade wie Paris, und so weit sudlich waren bisher Rennthiere noch niemals gesehen worden.
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