Indiana Tribüne, Volume 27, Number 90, Indianapolis, Marion County, 5 December 1903 — Page 3
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Jüdinn Tribüne, S. Dezember 1903.
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BerUvickte Lage. 4 Die Vcrtaglmgs-Frage der Eztra-Scssion im . Congrcß. Präsident und anna. Elende Erpressung. Programm des parry-verbands. Dowie.
Congreß. Haus. Washington, 4. Dez. Das Haus tagte heute nur 5 Minuten und vertagte sich dann bis morgen. Abg. Livernash von Californien brachte den Antrag ein die Absichten der Ver. Staaten in Rücksicht auf den Jsthmu) von Panama zu definiren". Es wird verlangt, daß die Ver. Staa. en jede Absicht auf Schädigung der Souveränität Colombias oder Unterstützung Panamas gegen Colombia in Abrede stellen sollen. Senat. Der Senat war nur eine Viertel stunde in Sitzung und vertagte sich dann auf morgen. Wahrlcheinlich wird morgen ein Antrag auf Vertagung der Extra-Session eingebracht. Falls die beiden Häuser sich nicht vor Montag Mittag, dem Beginn der regelmäßlgen Session, auf Vertagung einigen und die Spezial'Session durch Zeitablauf endigt, wodurch der Präsi dent an der Einsendung noch ausstehender Ernennungen gehindert wird, fo erlöschen alle diese Ernennungen mit dem Zusammentritt der regelmäßigen Session. Diese Erwägungen führten heute zu einer Reihe von Conferenzen, um eine Vertagung am Montag oder selbst morgen zu erzielen. Besonders in eressirt sind die Freunde des Generals Wood, um eine Vertagung durch gemeinsamen Beschluß zu Stande zu bringen. Andernfalls würde Wood zum Rang eines Brigade-Generals zurückversetzt. mit ähnlicher Wirkung auf die Er Nennungen von 167 ArmeeOffizieren, die in Folge Wood'Z Beförderung avancirten. Auch im Kriegs-Departement machen sich diese Bedenken sehr unbehaglich fühlbar. Das Senats-Comite für militärische Angelegenheiten tritt Montag 11 Uhr zur Wood-Untersuchung zusammen. Falls die Vernehmungen bis eine Minute nach 12 Uhr fortdauern, so befin d et sich die Commission in der seltsamen Lage, eine Angelegenheit zu unter suchen, die dem Senate gar nicht vorliegt. iti Präsident und Hanna in Eonferenz. Washington, 4. Dez. Im Weißen Hause fand heute Abend eine wichtige Eonferenz zwischen dem Präsi denten und Senator Hanna statt. Die Besprechung ging auf Anregung von Hanna aus und verlief für beide Bethei ligte durchaus befriedigend. Der Se nator kam um 10 und blieb bis 11 Uhr. Nach der Eonferenz wurde angekündigt, daß die Gerüchte über einen Bruch der angenehmen Beziehungen zwischen dem Präsidenten und Hanna nichts seien als eine verspätete Absurdität". Die Eonferenz befaßte sich mit der bevorstehenden Congreß-Gesetzgebung, besonders hinsichtlich deS Canals und mit den allgemeinen politischen Ver hältnissen. Auch der Fall Wood wurde gestreikt; trotz der Meinungsverfchieden heit hierüber können nach der Ansicht von Freunden die Beziehungen des Präsidenten und Hanna's nicht gestört werden. Nicht zur Besprechung stand der Vorsitz im rep. National-Comite. Dynamit-Funde. Chicago, 4. Dez. Hilfs-Polizei-Chef Schüttle? fand beute im Nord Westen der Stadt große Quantitäten Dynamit versteckt. Die Personen, welche die Explosiv-Stoffe versteckt hatten, sol len mit den in Jndiana verhafteten Bbt:en in Verbindung stehen. Einer dieser Banditen, Neidermeier, versuchte heute einen Wächter im County Gefängniß unter dem Angebot von $25.000 zu bestehen, ihm zur Flucht zu verhelfen. Der Wächter fragte ihn, wober er dann das Geld erhalten wolle und erhielt die Antwort Ich werde es schon bekommen." Der Polizeiches erhielt heule von der Straßenbahngesellschaft $5,000 für die Wittwen der Polizisten, welche bei der Verfolgung der Banditen um's Leben kamen.
Hervorragender demokr. Politiker f. Washington, 4. Dez. Der ehemalige Senator Wm. M. Springer aus Illinois, im 45. und 53. Congreß ein hervorragender demokratischer Haussührer und seinerzeit Vorsitzender des Comite'S für Mittel und Wege, ist heute im Alter von 64 Jahren einer Lungenentzündung erlegen. Seit seinem Rücktritt vom Congreß war der Verstorbene hier als Anwalt thätig, namentlich vertrat er IndianerAnsprüche vor dem Departement des Innern und den Gerichten. Schmachvolle Erpressung. Chicago, 4. Dezbr. John I. Brown, ein Angestellter im Bureau des Uity.Clerks, wurde heute zum Rücktritt aufgefordert. Er erfüllte das Verlangen sofort. Brown war früher Sekretär der polizeilichen Pensions-Behörde und der Rücktritt ist die Folge der Untersuchung, welche das stadträthliche Graft"-Comite betreffs ErpressungsVerbrechen gegen Wittwen, die um Pensionen einkamen, angestellt hatte. Das Programm der Citi. zens Ind. Assoc. D a y t o n, O., 4. Decbr. Das Executiv-Comite der Citizens Jndustr. Assoc. faßte heute Beschlüsse gegen Mitglieder, welche das Union-Label auf ihre Fabrikwaaren setzen. Ferner wur-
den Beschlüsse gegen die dem Congreß vorliegende 3 Stunden-Vorlage ange nommen. )ie Bildung eines Ardetts-Jnformations-BureauS für die Mit glieder ist in Aussicht genommen. Die Platform, als offener Brief an das Publikum angenommen, beginnt mit einem Hinweis auf die beklagenswerthen industriellen Zustände, die Folge der Methoden und Ansprüche der organisirten Arbeit. Es sei die Zeit gekommen, daß die Aroeitgeber und guten Bürger unvorzügliche und wirksame Maßregeln ergreifen, um die Fundemental-Principien der amer. Regierung, welche den freien Wettbewerb garantiren, wieder herzustellen. Der Aufruf betont zum Schlüsse, daß der Verband den gesetzlich geleiteten Arbeiter'Organisationen nicht feind lich gegenüberstehe. Frau schießt auf irrsi nn i g e n G a t t e n. Des Moineö, Ja., 4. Dez. Bei einem Versuche ihren geschiedenen, aus einem Jrrenasyl entsprungenen Gatten zu verhaften, gab heute Frau Nettie Regenbiel 5 Schüsse aus ihn ab. Einer der Schüsse ist vielleicht lebensgefähr lich. Der Mann wurde auf die Pcli zeistation gebracht; die Frau handelte ihrer Aussage nach in Nothwehr. Unterseeboote in Sicher heit. Norfolk, Va., 4. Dezbr. Der Marine-Schlepper Peoria" traf mit dem Unterfee-Torpedobot Adder" hier ein. Die Adder" wurde durch den Heroismus des Hochboolsmannes Derry gerettet, der dem Ruf nach Freiwilligen entsprechend von dem Schlepper 100 Fuß weit mit einem Cabel nach der Adder" schwamm. Der Mocassin liegt bei Curturrick und scheint nur leicht beschädigt. Die Adder" hat ein be trächtliches Leck. SelbstmordeinesBankiers. Des M o i n e S, 4. Dez. Gcorge Wood, Präsident der Bank in Colfax. jazte sich heute eine Kugel durch den Kopf, augenblicklichen Tod herbeiführend. Er war 43 und heirathete im vorigen Jahre eine Pflegerin, die feine erste Frau in ihrer letzten Krankheit behan delt hatte. Grund der That ist häus licheS Unglück. Ermordet. New York, 4. Dezbr. Nach einem Berichte aus Baltimore, Md., wurde von der Chesapeake Bay die Leiche eines augenscheinlich Ermordeten angeschwemmt, die mit M. I. Fitz Patrick von hier identisch ist. Er ver ließ New York am 25. Okt. und seit hcr hat man nichts mehr von ihm ge hört. Der Jnqueft in Baltimore stellte als Todesursache Mord fest. Ein Bruder des Todten hat sich zu einer Untersuchung nach Maryland begeben.
Der weiße Schrecken.
Gouaerneur verkündet das Stand recht in tripple Creek. Denver, Col., 4. Dez. Gouverneur Peabody erließ heute eine Proclamation, welche das Standrecht über Cripple Creek verhängt und die Einrei chung von Habens Corpus Gesuchen suspendirt. Er erklärt, die GrubenDistrikte befinden sich in einem Zustande des Aufruhrs und der Unbotmäßigkeit und die Civilbehörden seien machtlos. Zur Begründung seines Vorgehens ührt der Gouverneur die Sprengung eines Theiles der Vindicator-Grube und andere anarchische Handlungen an. Unter Mordanklage. Criple Creek, Col., 4. Dez. S. G. Kennison, Sh. Parker und W. F. Davis. das Executiv.Comite des Westlichen Grubenarbeiter - Verbandes n diesem Distrikte, befinden sich jetzt unter der Anklage des Mordes und der Verschwörung im County-Gefängnisse. Die Bürgschaft ist auf je S15,000 angesetzt. Die Angeklagten wünschen eingehende Untersuchung und erklären, die Anklagen gegen sie seien nur angestrengt, um sie aus dem Wege zu schaffen. Eine Erklärung der Gewerkschaft 10 besagt, daß die Angeklagten an den Verbrechen des Mordes und der Verschwörung schuldlos seien, die Gerechtigkeit in dieser.. Distrikt sei nichts als eine Farce, ein Schandmal für ein civilisirtes Gemeinwesen und Willkür." John M i t ch e l I. Walsenberg. Col., 4. Dezbr. John Mitchell traf heute Nachmittag ein und wurde von 1500 Kohlengräbern und Bürgern empfangen, die 2 Stunden im Schnee auf seine Ankunft gewartet hatten. Er fuhr später nach Denver, wo er morgen Gast der Denver Handelskammer ist. Wollen keine Lohn-Her-a b s e tz u n g. Chicago, 4. Dez. Ein lange erwarteter Kampf ist in dem Fox River Thal, Nord Illinois, ausgebrochen. Fabrikanten in Batavia, Aurora, El gin, St. Charles und Geneva haben sich organisirt und beschlossen, die Arbeitöstunden von 9 aus 10 Stunden zu erhöhen. In Batavia gingen sofort 350 Maschinisten an den Streik. Die Lohnarbeiter sind vereinigt und werden sich diesem Versuche, die ArbeitsStunden ohne Lohnerhöhung htnaufzudrücken, widersetzen. In den betreffenden Industrien sollen 10,000 Arbeiter be. schäftigt sein. Der Dowie-Bankerott. Chicago, 4. Dez. Die erste Oppositions Ankündigung bei dem Bankerott - Verfahren gegen I. A. Dowie erfolgte heute im Bundes districts-Gericht durch den Anwalt einer Indianapolis Grocery Gesellschaft, Gläubiger Dowies. Der Anwalt reichte für die Firma eine Forderung auf S3500 ein und stellte in Aussicht, er er werde im Laufe deS Verfahrens seine Anträge gegen die Bankerott-Petition anderer Gläubiger einbringen. Auch Vertreter anderer bedeutender Gläubiger wollen sich an dem Rechtsstreit betheiligen, der aus Beseitigung der Concursverwalter abzielt unter der Begründung, Dowie sei zahlungsfähig und die Gläubiger würden bei Ver längerung des eingeleiteten Verfahrens weniger erhalten. NachmitiagS reichten 7 Gläubiger Ansprüche ein über S10.000 bei Richter Kohlsaat ein und verlangten sofortige Untersuchung von Dowie's Zahlungsfähigkeit. Zugleich wollen die Anwälte von S. Stevenson, dem Schwager Dowie's, morgen beantragen, daß die ursprünglichen Petenten zur Stel lung einer Sicherheitsbürgschaft von S200.000 veranlaßt werden. Ebenso werden Dowie's Vertreter verlangen, daß die Concursverwalter zum Verlassen der Vorhang-Fabri! in Zion City beordert werden. Das Unternehmen gehört einer Cor poration und da Dowie nicht alleiniger Aktionär ist. wird geltend gemacht, daß es nicht vom Bankerottsgerichtshof ge leitet werden dürfe. Neuerung der amerikanischen Linie. New York, 4. Dec. Die amerikanische Linie kündigt an, daß von Januar 1904 ab ihre Dampfer New Vork Southampton in Plymouth und Chcrbourg anlaufen, um Post und Passagiere für London und Paris zu landen. Die Post trifft dadurch 12 Stunden früher in Parts ein und meh rere Stunder früher in London.
verltn als Wiege ver deutschen Marine. Daß die Neichshauptstadt. nicht die 'stieetüste die Wiege der deutschen Marine gewesen ist, dürfte unbekannt ein. Und doch ist dem so. Der Uransang ist nicht auf die 40er Jahre zurückzuführen. Er liegt jetzt genau acht Jahrzehnte zurück. 1823 wurde bei Berlin das erste Marine-Detache-ment. die sogenannten Gardemariners. formirt. Damals erschien auf 'er Spree das erste preußische Kriegs,'ahrzeug, das Ruderkanonenboot Thorn", dessen Führung und Beachung dem neuen Marinetruppen:y?il übertragen wurde. Das Detachement zählte einen Unteroffizier und zwei Mann und genügte nicht zur vollen Besetzung der Thorn". Sobald das Fahrzeug im aktiven Dienst Verwendung fand, ergänzte sich die Besatzung aus Gardcpionieren. Die .,Thorn" kreuzte zwischen Berlin und Potsdam und betheiligte sich an den Uebungen des Gardekorps, dem das
Manne-Detachement ursprünglich zugetheilt war. Diese drelkovfige Mannetruvpe bestand n aleicaer Starke neun Jahre. Da schenkte der englische SToma Wilhelm IV. dem König Frie drich, Wilhelm IN. die nach dem Muiter einer britischen Fregatte erbaute Lustjacht Noyal Luise", die viele Jahre hindurch den Mitgliedern der königlichen Familie zu Fahrten auf den Havelseen diente. 1832 wurde deshalb das Marine-Dctachement vervierfacht; es bestand aus zwei Unter osflzieren und zehn Matrosen. Diese zwölf Mann besetzten die Noyal Luise" und die Thorn". Die 40er Jahre brachten durchgreifende Aenderungen. 1842 wurde aus den Gardemariners die Marinesektion gebildet. die nicht mehr dem Gardekorps unterstand, sondern mit dem rn Stralsund errichteten Marinedepot, zu dem zwei neuerbaute Kanonenjollen gehörten, eine selbständige Formation ' bildete. die direkt der Militärverwaltung unterstellt wurde. Das waren die Ansänge preußisch'deutscher Seemacht. Deutsches äilgcrvundesfest in rcslan. Das 7. Deutsche Sängerbundesfest, das nach den b'.öherigen Beschlüssen im Jahre 1906 inBreslau gefeiert werden sollte, wird auf Veranlassung des Gesammtausschusses des Deutschen Sängerbundes, der am 2. Oktober in Kassel zusammentrat, auf das Jahr 1907 verschoben. Begründet ist die Verschiebung des Termines mit dem Wunsche, die deutscheSängerschaft, die durch die Feste ihrer Einzelbünde und Vereine gesanglich, finanziell und durch die Opfer an Zelt stark in Anspruch genommen wird, erst einmal zur Ruhe kommen, dann aber ihr hinreichend Zeit zu lassen, alle nöthigen Vorbereitungen, nicht zum wenigsten nach der finanzieilen Seite hin. für ein fo großes Fest zu treffen. Denn nur so ist eine für das allseitige Gelingen des Festes nothwendige allgemeine Theilnahme der deutschen Sänger zu erwarten. Tie Breslauer Ausschüsse sind damit vollkommen einverstanden. Die Verschiebung des Festes könnte vielleicht auch eine andere Entscheidung der Platzfrage herbeiführen. Visher war man mehr für die Wahl eines Platzes bei Kleinbürg. Das Festbureau des Zentralaus'schusses aber erwartet, daß bis 1907 die geplante Margarethenbrücke gebaut sein wird ,so ist man jetzt nicht mehr abgeneigt, auch Scheitnig in Betracht zu ziehen. Der Ausschuß hat sogar einen dringenden Antrag auf Beschleunigung des Baues der Brücke an den Magistrat gerichtet. Unter dem Vorsitze des Stadtbaurathes Plüddemann hat der Bauausschuß nach Verhandlungen mitdemGesammtausschuh des Deutschen Sängerbundes, insbesondere mit Professor Kremser in Wien, die Ausarbeitung der Pläne der Festhalle usw. in Angriff genommen und nahezu vollendet. Der Prenausschuft wurde gleich zu Beginn seiner Tbätiakeit durch den unerwarteten-Tod seines Vorsitzenden, des Bürgermeisters Jaenicke. auf das Schmerzlichste getroffen. Scrvet'Tcnkmal. In Genf ist am 1. November das von einem protestantischen Comite errichtete Denkmal zum Andenken an den Tod Michel Servet's. der c.Uf Befehl Calvins am 27. Oktober 1553 verbrannt wurde, eingeweiht worden. Auf dem Denkmal ist eine lange Inschrift zu lesen. Es heißt da unter anderem: Als dankbare Söhne Calvins, linseres großen Reformators, haben wir, indem wir einen Irrthum seines Jahr Hunderts verdammen, dieses Sühnedenkmal errichtet, und bleiben dabei treu der Gewissensfreiheit und den wahren Prinzipien der Reformation und des Evangeliums." Die reformirten Kirchen Frankreichs, dc7en Behörden und viele Kirchen der Schweiz waren offiziell vertreten. Nachher fand eine religiöse Feier statt. Alle Redner betonten ,daß die Errichtung dieses Dnkmals für alle Protestanten der Richtung Calvins von großer Bedeutung sei, daß sie damit ihr Gewissen erleichtern und vor aller Welt kund geben, daß sie. die Söhne der Reformation, auch die Fehler ihrer Gründer bekennen, bedauern und verdammen. Die Feier machte auf alle Theilnehmer einen tiefen Eindruck. Stilblüthe. Der Erfinder hatte mit seinem neuen Unterseeboot hochflieaende Vläne.
tue Helvtn. In der ganzen Bretagne spricht man von der Heldenthat der Rose Here. einer muthigen Brctonin die das Leben von 14 Leuten des Dampfers Vesper" rettete. der an der gefährlichen Küste von Quessant scheiterte. Rose Here ist eine , Fischersfrau. Morgens gegen 8 Uhr sammelte sie Schellfische auf dem Felsen in der Nähe der Pyramide du Nunion", als sie aus dem Nebel, der sich gerade zu erheben begann, verzweifeltes Rufen hörte. Als sie seewärts
blickte, sah sie ein Boot mit 14 Mann, das in rasender Eile hülflos in der starken Strömung zwischen einer Menge gefährlicher Riffe trieb. Jeden Augenblick prallte von Neuem die Brandung daran, die das gebrechliche Fahrzeug in Stücke zu schmettern drohte. Die halbnackten Insassen des Bootes. die sich nicht in die See zu werfen wagten, arbeiteten mit dem Muthe der Verzweiflung an den Rudern und schrieen mit äußerster Anstrengung lhrer Stimmen um Hülfe. Rose gab ihnen sofort ein Zeichen mit den Armen, daß sie ihnen zu Hülfe kommen würde, und die Schiffbrüchigen rüderten, als sie verstanden, mit aller Kraft nach dem Ufer. Rose rannte zum Fuße der Klippen hinab und warf sich, ohne einen Augenblick zu zögern, in Kleidern in die tobende Brandung und schwamm zu dem Boote. Sie kletterte an Bord und ermuthigte die Matrosen, so gut sie konnte, denn sie spricht wenig franzosisch: dann nahm sie ihren Platz am Steuer und steuerte das Voot mit wunderbarer Geschicklichkeit durch zahllose gefährliche Klippen nach Pen-ar-Roch. das mit dem Ruderboot ungefähr zwei Stunden von der Pyramide du Runion" entfernt ist. Als die Geretteten an Land waren, führte Rose Here sie in's Dorf, wo sie den Kapitän Viel und die übrige Mannschaft trafen die schon alle glaubten, daß die vierzehn Leute im Boot umgekommen seien. Der Kapitän Viel dankte warm der heldenhaften Frau, die leider nicht zu belohnen vermochte, da all sein Geld mit der Vesper" untergegangen war. Er hat indessen einen Bericht über ihr tapferes Verhalten den Eigenthümern seines Schiffes gesandt und sie aufgefordert, ihr eine Belohnung zu schicken, da sie in ärmlichen Verhältnissen lebt; ferner hat er dem Gemeinderath der Insel Quessant einen Bericht gesandt, und dieser wird dem Marine - Minister Mittheilung machen. Nach Erledigung ihrer Aufgabe kehrte Rose Here zu ihren gewohnten Beschäftigungen zurück. Es wird berichtet, daß sie schon viele andere Schiffbrüchige unter ähnlichen Umständen gerettet hat. Tolstoi als Friedensrichter. Einen interessanten Beitrag zur Tolstoi-Viographie .hat der russische Schriftsteller D. Uspenski auf Grund don Archivmaterialien veröffentlicht. Es handelt sich um die Zelt, als wahrend der Bauernbefreiung Tolstoi aus eigenem Antrieb sich zum FriedensVermittler" ernennen ließ, um an der Schlichtung der Streitigkeiten zwischen Grundbesitzern und Lelbelgenen theilzunehmen. Wie Uspenski aus Grund zahlreicher Aktenstücke beleuchtet, hat sich der Jurist Tolstoi auf Schritt und Tritt Blößen gegeben, rief fortwährend Proteststürme und Protestbittschriften der Grundherren hervor, denen dann von den höheren Instanzen Folge geleistet wurde, da Tolstoi Verstöße gegen das formale Recht zu begehen pflegte, indem er sich von den Sympathien für die Landleute hinreißen ließ. Nach fünf Wochen mühevoller und fruchtloser Thätigkeit sah sich endlichTolstoi veranlaßt, zu demissioniren. Der regierende Staat leistete seinem Gesuch Folge und entließ den Friedensrichter, Artillericlcutnant Grafen Leo Tolstoi" in Frieden. Zum ffallc Trcyfus. Die neue Untersuchung in der Dreyfus'Sachc. die vom französischen Kriegsministerium angeordnet wurde und nunmehr beendet ist, ergab einige neue Fakten. Es sind dies Vccinflus sung des Kriegsgerichts von NenncS durch das annotirte Vordereau, die Erklärung Esterhazy's in einem erst jüngst bekannt gewordenen Briefe an Maitre Cabanes, wonach das Origi nalbordereau niemals cm Schwarz koppen gelangte, sondern unzerrissen dem französiscken G-encralstab über mittelt wurde, ein Brief Graf Münster an Reinach. betrefs-nd Schwartz' koppcns Erklärungen, und ein Brief General Pelienx' an den Kriegsmi nislcr Eavaignac, worin Pellieux das Verhalten seiner Vorgesetzten der schärfsten Kritik unterzieht. Der jetzige Kriegsminister wartet noch ein juristisches Gutachten darüber ab. ob der Kassationshof ohne Verweisung ein Kriegsgericht kassiren kann, um dann dem Justizminister die Akten zu übergeben. Wie nachträglich festgest e l l t i st, waren die drei Armenier, welche den Anschlag auf den General gouverneur des Kaukasus, Fürsten Golizyn, verübten, nicht russisckic Un terthanen, sondern geHorten der Ter roristenpautei cm. Wie aus Helsingfors ge meldet wird, ist der abgesetzte Bür germeister und jetzige Advokat A.Hal lonblod in Sordavala verhaftet und unter strengster Jsoliruvg.naäz Ruß land transk?rtirt'worden.
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