Indiana Tribüne, Volume 27, Number 89, Indianapolis, Marion County, 4 December 1903 — Page 5
Jndiana Tribune, ti. Dezember 19G3
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KontrollvcrZammlllng. Humoreske von Karl Pauli. Ach, wie ist's möglich dann, Daß man so ausseh'n kann. Mit diesem Verse, frei nach Dach,' trat der Baumeister Körner an den Stammtisch der Valdenius'schea Weinhandlung in der Brückenstraße, hinter sich zog er, wie man ein Kalb am Strick führt, Ferdinand Zippenziller her. t Ferdinand Zippenziller war etwa einen Kopf größer wie der norddeutsche Normalmensch und etwa dreimal so dick. Am Stammtisch hieß er der Abt von St. Gallen, von welchem bekanntlich Bürger sagt: Wie Vollmond glänzte sein feistes Gesicht, drei Manner umspannten den Schmerbauch ihm nicht." Im bürgerlichen Leben war Zippenzeller der Inhaber einer großen Dampfbäckerei, dabei verstockter Hausbesitze? mit Gas- und Wasserleitung beides, Bäckerei und Haus, hatte er von seinem Vater geerbt. Freilich mußte er, um die Bäckerei übernehmen zu können, das Studium der Astronomie, dem er sich gewidmet hatte, aufgeben. Er war auch verheirathet, hatte eine liebenswürdige Frau und drei reizende Kinder; er war überHaupt ein vom Glück bevorzugter Mesch, aber er sah das nicht ein. im Gegentheil, r hielt sich für einen PechVogel, und 'sein drittes Wort war: Das kann nur mir passiren." Mit diesem Ausruf: Das kann nur mir passiren", sank er auch jetzt, uachd.m ihn der Baumeister Körner vorgezerrt, auf einen Stuhl am Stammtisch nieder. Zippenziller ließ sich nicht lange nöthigen. Es sind etwa vier oder fünf Tage her, da schlage ich eines Morgens, es mochte so gegen einhalb acht Uhr sein, meine lachenden Kinderaugen Vulgo Schweisritzen!" ergänzte einer. Lachenden Kmderaugen auf!" wiederholte Zippenziller mit Nachdruck. Eben will ich sie wieder zumachen, denn ich war am Abend vorher mit Schulzen von Becker Söhne zusammen und es war ein bischen spät geworden. Da tritt meine Frau an mein Bett und sagt: Aber Ferdinand, du hast ja Controllversammlung!" Na, der Schreck! ich gleich raus aus dem Bett, rinn in die Kleider, kaum gewaschen, ohne Frühstück in 'ne Droschke gepackt und nu fort, was haste, was kannste. Ja Kuchen als ich hinkam, war alles vorbei, nur eine Wolke, anzusehen wie eine große schreckliche Nase, schwebte über dem Platze, das war die, die mir drohte. Ach, wenn es dabei geblieben wäre. Na, was war zu machen? Ich wieder rinn in meine Droschke , und auf's Bureau, auf's Landwehrbezirksbure'l. mache 'ne recht klägliche Miene und sage: Ach, Herr Feldwebel. Niemandem kann die Sache unangenehmer sein wie mir. aber es ist doch nur aus Versehen, es ist ja doch kein böser Wille dabei: sehen Sie. mir wär's lieber, wenn ich dieses Zwanzigmarkstück verloren, als daß mir das passirt wäre." Dabei lege ich eine Doppelkrone, die ich mir schon unterwegs zurechtgesteckt hatte, auf die Barriere, die den Raum in zwei Hälften theilt. Aber, da sollt ich was erleben, heiliges Kanonenrohr, hat mich der Feldwebel angeschrieen, so was hab ich doch mein Lebtag nicht gehört. Sie Mensch. Sie!" schrie er. Sie ausgepustetes Gerippe wollen einen preußischen Feldwebel bestechen! Na. warten Sie, das soll Ihnen theuer zu stehen kommen. Bäcker sind Sie. na. das können Sie glauben, so'n Teig wie heute haben Sie sich noch nie eingerührt! Nehmen Sie den Schund da weg!" schrie er plötzlich vor Wuth in den höchsten Fistelton gerathend. Eben wollte ich ein Wort der Entschuldigung stammeln, da öffnete sich plötzlich die Thür und ein Major trat in's Zimmer. Was ist denn das hier für'n Skandal?" rief er. Ach. der Mann hier." entgegnete der Feldwebel, hat die Eontrollversammlung versäumt und gibt als Entschuldigung an, er habe sie verschlafen." Also, waium schreien Sie dann so?" fragt der Major, der Mann kriegt drei Tage, da kann er sich b.'liebig ausschlafen! Die Bummelei hab' ich jetzt bald satt!" sprachs und verschwand, die Thür hinter sich zuschmetternd. Ueber das Gesicht des Feldwebels glitt ein mitleidiger Zug. Ja, da ist nichts zu machen", sagte er. sparen Sie sich jedes weitere Wort, Sie müssen rinn!" Unterwegs überlegte ich mir, ob ich meiner Frau die Wahrheit sagen sollte oder nicht, und entschloß mich, damit sie sich nicht so sehr ängstigen sollte, eine Reise vorzuschützen. Menschenslinder, wenn ich euch einen Rath geben kann, sagt immer die Wahrheit! Was habe ich zusammenlügen müssen, um nicht die Wahrheit zu sagen. Wohin ich reise und warum ich reise, und wie lange ich fortbliebe und was das Billet kostet und mit welchem Zuge ich fahre, Personenzug, Schnellzug, DZug? Den ganzen Tag ging das Gefrage. Den nächsten Tag sollte ich die Strafe antreten. An den Tag werde ich denken. Das erste war. daß meine Frau mich durchaus auf die Bahn brinaen wollte, die Kinder sollten auch
mit, wenigstens die beiden Mädel, die sie wie zwei Opferlämmer aufgeputzt hatte. Vergebens sträubte ich mich, ich könne solche Abschiedsscenen nicht leiden sie bestand darauf, ich bat sie sie blieb erst recht dabei ich werde
, ärgerlich große Scene mit gerungenen zganoen, zum zimmei geriieien Blicken, schmerzlich ausgestoßenen: Ferdinand, Ferdinand!" und Thränen. Endlich riß ich aus ohne Abschied; passiren, hoffte ich, würde mir nichts ich ging ja in Nummer Sicher!" In der Maikäferkaserne hatte ich mich einzufinden, ich kam gerade noch zurecht, um mit meinen Schicksalsgenossen den Schreckensweg anzutreten da standen sie, wartend ohne Seitengewehr. die Dienstmütze auf dem Kopf, das in ein rothes Taschentuch eingeknüpfte Kommißbrot in derHand. Und dazu gehörte ich! Ich trat auf den Unteroffizier zu und fragte, ob er mir gestatte, eine Droschke zu nehmen. Die Antwort lautete: ja, wenn ich für die ganze Gesellschaft Droschken nehmen wollte, also drei Stück. Ich hätte mit Vergnügen dreißig genommen trotz meiner Bereitwilligkeit wurde doch nichts aus der Sache; es hätte in jedem Wagen einer der Bewachungsmannschaften mitfahren müssen und wir brauchten mehr Wagen als wir Bewachungsmannschaften hatten. So entschied der führende Unteroffizier einfach. Alle laufen!" ß war vor Schreck bald umgefallen, aber ich hatte keine Zeit dazu, denn schon hieß es: Stillgestanden!" Regimenter, fesselt das starre Commando!" Und nun ging's los, die Chausseestraße hinunter, die Chausseestraße, wo meine meisten Kunden wohnen, ich mit dem Filzhut in der Mitte, von neun Soldaten in der schlechtesten Montur und einem Civilisten, der Mann hatte auch die Controllversammlung versäumt, sah aber aus, als hätte er minbestens drei Raubmorde ausgeführt. Zur Jllustrirung des erhebenden Anblicks rechts und links feldmarschmäßige Infanteristen mit aufgepflanztem Seitengewehr. Und o die ganze Chausseestraße, die Friedrichstraße bis zur Weidendammer Brücke, die Charlottenstraße, über die Linden, über die Leipzigerstraße alle drei Schritte glaubte ich vor Scham in die Erde zu sinken. Endlich waren wir da wie das Ziel aller Sehnsucht begrüßte ich das rothe Gebäude hier glaubte ich mich von allen Qualen erlöst die drei Tage, na, die geh'n vorüber!" so dachte ich so denkt jeder ja, Kuchen. Also rinn in die Bucht", wie der technische Ausdruck lautet Na ja, nu biste ja drinne fünf Schritte lang viere breit. Dunkel ne ja, dunkel ist es nicht, aber hell ist es auch nicht. Da sitzt man nun dadrin mit seinen sogenannten Gedanken. Die Soldaten, die sollen die ersten vierundzwanzig schlafen und die zweiten vierundzwanzig Stunden nicht ganz munter werden aber das kann doch unsereiner nicht, man ist doch ausgeruht, und dann die harte Holzpritsche. Jetzt denkt man, ich hole alle meine astronomischen Erinnerungen heraus aber da will man doch rechnen, zum Rechnen gehört Feder und Tinte. Dann denkt man was anderes jetzt schläft man wirklich eine Stunde, nun wacht man auf wie lange hat man geschlafen es dämmert ist das der kommende Regen? Ist das der sinkende Tag zum Fenster hinaussehen ganz unmöglich, höchstens wenn man sich auf den Kopf stellte. Jetzt bekommt man auch Essen das Abendbrot natürlich nein, es ist das Mittagessen etwa drei Stunden hat man hinter sich dabei bildet man sich ein. wenigstens die reichliche Hälfte der Strafe abgebüßt zu haben. Nun wird's aber wirklich dunkel Nacht! die erste Nacht im Gefängnis, wenn es auch nur ein Militärgefängniß ist. Kochend vor Aerger und Aufregung sieht man dem Morgen entgegen, und der Morgen, wenn er endlich kommt, steigert die Qual durch die Gewißheit, daß man zwei solche Nächte vor sich hat. Und nun fangen die Stunden wieder an zu schleichen, die Minuten werden immer langer und die Zelle immer enger. Erst glaubt man, nur der enge Raum wäre einem früher weiter vorgekommen, aber die Stunde kommt, wo man mit unbedingter Sicherheit darauf schwören möchte, die Wände rückten von Viertelstunde zu Viertelstunde näher zusammen und die Zeit sei nahe, wo sie einen zwischen sich zerdrücken, zermalmen, zerquetschen müßten. Erst noch weist man den Gedanken als Wahnsinn zurück, dann aber faßt er einen so mächtig. daß man vor Angst aufschreit und mit beiden Fäusten an die Zellenthür haut und um jeden Preis Freiheit verlangt und so lange Skandal macht und randalirt, bis Jemand kommt, ich konnt's nicht aushalten, der Schlag hätte mich gerührt, ich machte so lange Radau, bis sie mich wieder losließen. Die Zellenthür mußte aufbleiben, ich ruhte nicht. Und weiß Gott, ich Hab's auch durchgesetzt, sie mochten wohl, da ich so groß und dick bin, selber fürchten, daß mir was passiren könnte. Aber raus kam ich erst nach vollen dreimal vierundzwanzig Stunden. Kinder, Kinder, das ist ein Gefühl, so aus Kerkernacht in Gottes freie Luft zu treten! Nu gleich nach Hause, wo ich mit offenen Armen denke empfangen zu werden. ia Kucken meine Frau saat mir
uff'n Kopp zu, ich hätte mit unsere? früheren Kassirerin eine Vergnügungspartie in die sächsische Schweiz macht und trotzdem ich ihr die Wabrheit sage, ihr schriftliche Beweise bringe, daß ich drei Tage bei Vater. Philippen war, sie glaubt mir nicht. Tann schickt mir ein Bekannter ein illustrirtes Journal, da ist ein Bild drin: Transport nach dem Militärarrest", nach einer Photographie. Da bin ich auch dabei täglich geht ein solcher Transport nach der Lindenstrafe, dreihundert mindestens im ayr und gerade den müssen ste adphotographiren, wo ich dabei bin, damit ich vor der ganzen Welt blamirt bin, und außerdem hat mir meine gesammte militärische Kundschaft die Lieferungen gekündigt und mein Lehrjunge den Dienst aufgesagt, weil er bei einem militärisch abgestraften Meister nichts Gutes lernen könne. Na, nun sagen Sie, meine Herren, schloß er seinen Sermon, das alles ist ja zuletzt zu ertragen, aber hab' ich nicht recht? so etwas kann nu? mir passiren!"
!lntcr Zrcmzoscn. Von Wilhelm Schmidt. Der coloniale Feldzug gegen die Hovas aus Madagaskar, welcher Frankreich nicht viel weniger als 100 Millionen Franken kostete, hatte begönnen. Die Märsche durch das Betsiboka - Thal auf der Riesen - Insel hatten ihre ersten Opfer an Fieber und Ruhr unter den Truppen gefordert, und schon waren die ersten KrankenTransporte noch Europa unterwegs. Fast als einziger Deutscher gelangte ich auf einen dieserDampfer der Messageries Maritimes", welche noch niemals so voll besetzt die lange Strecke an der ostafrikanischen Küste entlang der Heimath zustrebten. Um mich herum wimmelte es von Typen der französischen Colonialarmee, zum Theil recht hohlwangigen Gesellen, aus deren Munterkeit man indessen die Zufriedenheit entnehmen konnte, die weiteren Strapazen der Expedition hier in allen Ehren mit dem thatenlosen Dasein einer vierwöchigen Seereise vertauschen zu können. Die Herren Officiere sowie ein paar hohe Beamte Damen waren nicht an Bord waren ernst und zurückhaltend, denn immerhin war von einer Eroberung noch nicht die Rede, wie sie später in vollem Maße glückte, und man hatte zunächst keinen Grund, an Bord gerade sehr gehobener Stimmung zu sein. Eine Möglichkeit, mit den Herren bekannt zu werden, schien nicht zu bestehen. Ganz im Gegensatz zu meinen sonstigen im Auslande gemachten französischen Bekanntschaften nur angenehmer und geselliger Natur machte .hier offensichtlich der Geist des Militarismus, noch dazu im Dienst, eine menschliche Annäherung von seiten eines Preußen nicht wünschenswerth. In solchem Falle konnte so widersinnig es klingt nur die eisigste Kälte manchmal eine etwas wärmere Temperatur erzielen, und so ging ich demnach jeder Möglichkeit einer UnterHaltung zunächst mit einem geradezu staunenswerthen Hochmuth aus dem Wege. Hon joiir bon soir merci fertig erledigt! Mopsen wir' uns, aber machen wir dem Vaterland keine Schande. Doch ehe ich es vergebe, mein Tischnachbar, ein alter Marseille?, weit gereist und jedenChauvinismus als kindliche Schrulle belächelnd, machte eine Ausnahme und sah etwas spöttisch auf die Herren der Armee herab. Wir näherten uns Aden, die Mannschaften waren fast alle gesund und freuten sich auf dem großen Vorderdeck ihres Daseins. Nur der kleine Gaston, ein Kerlchen von etwa fünf Iahren, lag noch immer krank in einer der Kabinen, unermüdlich gepflegt von seinen jungen Eltern, die wohl mit Rücksicht auf den Kleinen wieder nach Europa gingen. Unruhig warf sich der kleine Bursche hin und her. und immer packte es ihn und ließ ihn theilnahmlos daliegen, während seine Mutter angstvoll nicht aus der kleinen Koje wich. Von oben tönt Gelächter und ew'lges Schurren und Stoßen in die Stille dieses engen Krankengemachs. Ein Dampfer der Linie begegnet uns, nachdem wir sechs Tage nichts als Wasser und Luft gesehen haben. So nahe wie möglich fahren die Schiffe im letzten Verglühen der Abendsonne an einan der vorüber, mit drängender Hast sucht jeder ein Plätzchen zum Sehen und saugt das Bild des nun majestätisch in voller Größe an uns vorüberziehenden Kolosses förmlich in sich auf. Wer lange auf See war, weiß, was solch' ein Anblick für das Auge bedeutet! Die Dämmerung fällt, und die Leute sitzen schwatzend und rauchend umher, im gelben Schein einer Laterne wohl auch bei einer Partie Domino oder Puff. Dann passirt etwas Seltsames. Schon seit Tagen umschleicht mich vorn ein Kerl, der angeblich infolge einesSonnenstichs etwas blödsinnig sein soll, aber von den Kameraden trotz strengen Verbots dauernd gehänselt wird. Mit stets gesenkten Augen,' etwas dumm lächelnd, die Hände in den Taschen der weiten leinenenBeinkleii'er steht er plötzlich ziemlich dicht neken mir, murmelt etwas und verschwindet wieder. Das wiederholt sich, und ich sebe es aleickmütbia mit an. Dak ab,.r
geraoe Dtccr Vevauernsweilize vom Schicksal dazu bestimmt ist. mich seinen steifleinenen Vorgesetzten und ihrer Umgebung sehr nahe zu bringen, ahnten weder er noch ich. Eines Morgens will ich nach unten gehen, als ich im Heruntersteigen meinen Mann wie besessen das Deck entlang rennen sehe. Mit lautem Fluch an der Treppe anlangend, sucht er mich mit wuchtigemFußtritt von hinten herunterzustoßen, während ich, obgleich ich nur ganz leicht gestreift bin, zunächst das Geländer umklammere, und der unten gerade durchgehende Steward vor Schreck sein gesummtes Geschirr fallen läßt. Mein Angreifer aber ist wie der Blitz verschwunden. Sofort wieder an Deck, sehe ich schon einen der Offiziere auf mich zukommen. sichtlich erregte? als ich, eine 5?lutb von Entlckuldiaunaen sä! hinten hat man jcyon den. Missethäter, kurz darauf der Commandant, man will den Mann in Eisen legen, allgemeine Erregung, Versicherungen, daß bisher nie etwas vorgekommen, allseitiges AI, c'est fort, inonsicur!" dann meine Bitte, von zu strengen Maßregeln abzusehen, und schließlich den Attentäter", der halb gestoßen erscheint, um demüthig um Entschuldigung zu bitten, aber selbst in seiner Blödheit noch mit echt französischem Applomb Soyons aniis seien wir Freunde!" hinzufügt, bis er von den beiden Handfesten Kameraden an seiner Seite mit einem Kameel Du!!" wieder abgeschoden wird, wo man ihn nun strenger als bisher überwacht. Aber der Bann ist gebrochen, dielleicht schämt man sich auch etwas, daß gerade bei mir die Sache vorkommen muß. Man thaut auf, und die starrkrampfartige Zurückhaltung löst sich in geschmeidiges Entgegenkommen. Im Rothen Meer, bei heißem, stillem Wetter, wird beschlossen, ein großes Genesungsfest zu feiern. Denn es ist nicht ein einziges Mal, wie bei den vorigen Transporten so oft, vorgekommen, daß die Maschine stoppte und einer nach kurzem Gebet der salzigen Fluth übergeben wurde, das Brett mit einem Stück Eisen beschwert, damit er den Grund rasch erreicht. Man plant eine Verstellung. Wer irgend kann, soll von den Mannschaften heimathliche Lieder aller Provinzen vortragen, eine tadellose improvisirte Bühne wird mit Flaggen abgesteckt, das Klavier an Deck geschafft und , ja nun ist keiner da, der festliche Weisen spielt, denn die Trümmer der musikalischen Kenntnisse des einen oder anderen Herrn reichen hier nicht aus. Aber schließlich verräth mein Marseille? Freund, haß er. mich in der zweiten Klasse schon am Klabier ertappt hätte, und zwar shne Noten. und nun hilft es nichts, der Oberst selbst lächelt huldvoll und bittet um meine Mitwirkung, ich bin geliefert. Der Abend naht, der hohe Generalstab sitzt auf zahlreichen Korbsesseln im Halbkreis vor der Bühne, dahinter tcrrassenförmig die gesammte Besatzung. Aber grotesk bleibt es doch, daß sie sich zu der nun folgendenJntroduktion mit schwungvoller Anfügung der Marseillaise ausgerechnet einen Berliner aussuchen mußten. Das war meine Rache, wie ich hoffe, eine edle Rache! Lange saßen wir dann noch bei deutschen und französischen Liedern zusammen, nachdem die Leute nach zwei Ctur.ien zu Bett beordert waren, und vergessen waren alle Gegensätze. Möchten doch so dachte ich mit etwas ironischem Lächeln über alle diese im Grunde so gutmüthigen, leichtherzigen Naturen alle Mitglieder der Nationen öfter so menschlich nahe gebracht werden, dann hätte Europa wirklich Ruhe. Und dazu will ich auch gern weiter aufspielen. In angeregtester Stimmung, den Hut im Nacken, stieg ich im Morgengrauen als einer der letzten zu meiner Kabine hinunter. Unten war es dunkel. nur aus der Kabine des kleinen Gaston fiel Licht durch die fast ganz offene Thür. Leise blieb ich stehen und warf einen Blick hinein. Dann nahm ich langsam den Hut vom Kopf, in fassungslosem Schmerz weinte die Mutter in die Kissen hinein, der kleine Gaston war todt. Während wir oben lachten und scherzten, war es geschehen, das Fieber war Sieger geblieben. Der Morgen kam herauf, und einer nach dem anderen schlich herbei, um den Kleinen noch einmal zu sehen. Und wer fühlte nicht die Angst einer Mutter mit. daß sie nach der harten Vorschrift ihren Liebling ins Meer senken sollte, trotzdem Suez schon am nächsten Tage erreicht werden mußte. Bis endlich, endlich am Mittag der Bescheid vom Commandanten kam, daß wir Nachts ankämen und sie ihren Knaben mit an Land nehmen könnten. Mir selber war's, als ob sich ein eiserner Reifen von meiner Brust löste. Spät Abends, als wir vor Anker lagen, holte dann ein Boot die Eltern mit der kleinen Leiche, und keiner war da, der nicht traurig Abschied winkte. Dann tönt auf der Brücke oben wieder das Kling-Kling der elektrischen Commandosignale der RiesenScheinwerfer flammt vorne auf und langsam gleitet das Schiff in den Suezcanal vorbei
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