Indiana Tribüne, Volume 27, Number 85, Indianapolis, Marion County, 30 November 1903 — Page 6

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Jttdiana Tribüne, 30. November 1903.

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Europäische Nachrichten. 'F'rovilrz 3rcittöettl3itrfl. Berlin. Nach kurzer Krankheit verstarb hier der vortragende Rath,

Geheime Oberjustizrath Thomas Przewloka. Der Verstorbene war in erheblichem Maße an den Arbeiten des Justizministeriums betheiligt. Geheimer Hofrath Barbe im Auswärtigen Amt fccging sein 50jährigesDienstjubiläum. Barbe, einer der verdienstvollsten Beamten des Auswärtigen Amts, hat eine besondere Vertrauensstellung insofern inne, als ihm diePrufung der zu? Registiajurlaufbahn zugelassenen Anwärter untersteht. Der verstorbene Richard Rösicke hat in seinem Testament die Bestimmung getroffen, daß an die zur Zeit seines Todes in seinen privaten Diensten angestellten Personen, .die fünf Jahre für ihn thätig gewesen sind, und an sämmtliche zur Zeit seines Todes in den Betrieben der Schultheißbrauerei beschäftigten Arbeiter, die zehn Jahre lang in dem .Unternehmen beschäftigt gewesen sind, die Summe von 100,000 Mark zu gleichen Theilen zur Vertheilung gelangen soll. Durch Einbruch wurden aus der Kaiser Friedrich Gedächtnißkirche im Thiergarten werthvolle Abendmahlsgeräthschaften gestohlen, nämlich zwei große Kannen, zwei Kelche, ein Ciborium, eine Patena und ein Teller mit kleinen Löffeln. Dem Direktor des städtischcnKrankenhauses m Moabit, Geheimen Medizinalrath Prof. Dr. Sonnenburg, ist bei einer Automobilfahrt, die er mit seiner Familie auf der Chaussee von Langensalza nach Merxleben unternahm, ein schwerer Unfall zugestoßen. Das Automobil überfuhr ein 4Zähriges Mädchen und fuhr in dem Bestreben auszuweichen, gegen einen Prellstein an. wobei es umfiel. Die Jnsassen erlitten zum Theil schwere Verletzungen. Einige von ihnen mußten in das Krankenhaus von Langensalza überqeführt werden. Nach dem Ge nuß von Gänsefleisch in einem Restaurant in der Pallisadenstraße erkrankten die Angestellten der Breithaupt'schen Weißbierbrauerei Korut, Kluge und Damotat unter schweren Vergiftunaserscheinunaen. Korut starb nach qualvollen Leiden, und Kluge's Zustand ist sehr bedenklich. Der dritte Erkrankte liegt ebenfalls noch krank in seiner Wohnung Lichtenbergerstraße 7 darnieder. Sanitätsrath Dr. Felix Meyer ist nach langen Leiden hier gestorben. Dr. Meyer, der einer alten hiesigen Familie entstammte, übte sei! 1868 hier die Praxis aus. Er war zumeist im Westen thätig und atte erne längere Reihe von Jahren hindurch eine Bahnarztstelle inne. Potsdam. In der Villa JacicraNee 5, die von den Gräfinnen v. F!nlenstein und v. d. Gr'n bewohnr wird, fand infolge einer llndichtigkeit des Gasrohres eine Gasexplosion statt, die das ganze Innere des Hauses beschädigte. Der Portier, der durch Umhergehen mit einem brennenden Licht die Explosion verursachte, wurde derart verletzt, daß er ins Krankenhaus gebracht werden mußte. Aranvendurq a. H. Sem kleines Kind verbunaern lassen bat hier der Militärinvalide Oskar Eiserbeck, ein dem Trunk eraebener Mensch, der sich, nachdem seine Frau verreist war, aus seiner Wohnung entfernte und seine beiden Kinder im Alter von einem Monat u. zwei Jahren einschloß. Eiserbeck kehrte nicht in die Wohnung zurück, bis er schwer betrunken festgenommen wurde, weil er Lärm gemach! yatte. Als ein Polizeibeamter nun in seine Wohnung eilte, fand er dort das längste Kind an Entkräftigung gestorren, wahrend das zweijährige ganz erschöpft nach demKrankenhause gebracht wurde. Charlottenburq. Der 32 Jahre alte Arbeiter Max Kranz wurde auf der Stadtbahn zwischen Savignyplatz und Bahnhof Charlottenburg überfahren. Man fand seine Leiche auf den Schienen vor. Mariendorf (Berlin). Der emeritirte Prediger Dr. Ferdinand Richter ist hier im 82. Lebensjahre g:starben. Er war ein offener und ruft:ger Vertreter des kirchlichen Liberalismus und einer der angesehensten Führer gegen die Orthodoxen in den Synoden. Auch Mitglied des Abgeordnetenhauses ist er einige Zeit gewesen. P a n k o w. Auf dem hiesigen Rangierbahnhof hantirte der Eisenbahnarbeiter Fritz Wucherfuß an der Bremse eines Güterwagens. Infolge eines heftigen Anpralles auf einen leerstehenden zweiten Wagen stürzte der Bremser plötzlich ab und kam unter den Wagen zu liegen. Mit schweren inneren Verletzungen wurde er einem Berliner Krankenhause zugeführt. Wilmersdcrf. Infolge des Bruches eines Schutzbrettes kam in der Uhlandstraße der Maurer Richter ums Leben. Er wollte auf dem Neubau von einem Fenster zum anderen hinübergehen, als ein leichtesBrett am Rüstzeug, das er benutzte, brach, so daß er aus dem dritten Stock in die Tiefe stürzte. Er war sofort todt. Provinz Hstprcußen. Königsberg. In der Gerberschen Privatklinik hier, erlag derHauptmann Hoffmann vom Jnfanterieregkmenl Ro. 147 in Lyck seinen schweren Verletzungen. Hoffmann, der-bis vor Kurzem dem Generalstab des 1. Armeecorps angehörte, toar im Manöver-

gelände beiAllenstein durch einenSturz mit dem Pferde schwer verunglückt und zunächst in das Garnisonlazareth nach Allenstein,' dann aber hierher gebracht worden. Domnau. Auf dem Rittergut Saussiemen stürzte beim Einfahren von Stroh der aus der Leiter eines leeren Strohwagens sitzende Scharwerker Schumacher durch einen plötzlichen Anruck des Wagens so unglücklich zur Erde, daß er sich das Genick brach. Der 5lob trat auf der Stelle ein. E i ch t h a l. In dem hiesigen Dorfe wüthete ein Großfeuer, das die ganze Ortschaft mit Ausnahme von zwei BeAtzungen in Asche legte. Während die !:sigen Feuerspritzen nach der Brand statte eilten, brach in dem etwa eine Meile entfernten Orte Neuhof gleichfalls Feuer aus. Drei Besitzungen wurden eingeäschert. G i l g e n b u r g. Das Opfer eines groben Spaßes ist der Fleischermeister Grzesch aus Tannenberg geworden. Als er auf dem letzten Jahrmarkt hier Stiefel anpassen wollte, half ihm sein Freund beim Ausziehen der Stiefel und hob im Scherze das Bein so hoch, daß Grzesch sich überschlug und hinfiel. Beim Fall muß er innerliche Verletzungen erlitten haben; auf dem Rückwege vom Arzte starb er in der Nähe der Stadt. K o w a h l t n. Die Feier der goldenen Hochzeit begingen das Tischlermeister und Altsitzer Lappck'sche Ehe-

paar. Nareythen. Bei dem Besitzer Marchlowitz entstand in einem Holzstall Feuer. Da der Wind die Flammen dem Dorfe zutrug und das Feuer bei dem trockenen Wetter mit rasender Geschwindigkeit um sich griff, so standen in kurzer Zeit die Besitzungen der Wirthe Marchlowitz, Biernath, Opalka. Re?a und der Wirthswittwe Kerstan in Flammen. S o l d a u. In Rybinek spielten die 6- und 6i.jährigen Kinder des Streckenarbeiters Sikorski und des Besitzers Wieczorek am See und bestiegen einen nicht angeketteten schadhasten Kahn. Dieker wurde von den Wellen in den See getrieben und füllte sich mit Wasser. Auf das Gesckrei der Kinder eilte iZteczorek herbei und stürzte sich in den See. um die Kinder zu retten, mußte aber umkehren, da er sofort bis an den Hals versank. Nun kam der 21 Jahre alte und als guter Schwimmer bekannte Kubinski herbei, und es gelang ihm auch, den Kahn zu erreichen. Als er sich jedoch dem Kahn genähert hatte, sprangen die geängstigten Kinder eins auf seinen Rucken, das andere um seinen Hals und rissen ihn mit auf den Grund. Gewaltsam mußte sie Kubinski nun abschütteln, da er sonst mitertrunken wäre. Beide Kinder ertranken. Wr?ri,?z WestproittzoiL. D a n z i g. Der Dirigent des seit 3? Jahren bestehenden MännergesangVereins Sangerkreis , Rektor Gebauc:, welcher dieses Amt seit 39 Jahren verwaltete, hat mit Rücksicht auf sein hohes Alter den Dirigentenstab niedergelegt. An seiner Stelle hat der Verein Lehrer Bntz zum Dirigenten gewäklt. Die goldene Hochzeit feierte Rentier van Nissen; er erhielt die Ehejubiläums - Medaille. "Appelwerder. Die unrerehelichte Gennrich wurde auf dem GutsHofe beim Dreschen von der Wellenklaue erfaßt und so arg zugerichtet, daß sie nach kurzer Zeit starb. D i r s ch a u. Auf der Strecke Dirschau-Schneidemühl fiel der Bremser eines Güterzuges Michael Saworsly von hier aus dem Bremshäuschen auf das Geleise und wurde überfahren. Saworsky war sofort todt. Er hinterläßt Frau und fünf Kinder. Kurzebrack. Die etwa 50 Jahre alte Ehefrau des auf einem Dampfer thätigen Maschinenmeisters Neikowski hat sich in der Weichsel ertränkt. Ihre Leiche wurde geborgen. Ein schweres körperliches Leiden dürfte die Ursache des Selbstmordes sein. Graudenz. Ein schwerer Unglücksfall hat die Familie des Arbeiters Bark in tiefe Trauer versetzt. Das 10zahrige Töchterchen Mactha hatte sich auf einige Augenblicke aus der hart am Ufer der Trinke liegenden elterlichen Wohnung C7ifnU und muß beim Spitten in den Trinkecanal gefallen sein. Das Kind wurde als Leiche aus dem Wasser gezogen. Kosli ka. In dem hiesigen Dorfe brach auf noch nicht aufgeklärte Weise Feuer aus, welches bei der Herrschenden Windrichtung und da die meisien Häuser und Scheunen noch mit Stroh gedeckt waren, 18 Gebäude zerstörte. N e u m a r k. In der Cementdachplatten - Fabrik des Dachdeckermeisters Zytur an der Lonker Straße brach Feuer aus und äscherte das Gebäude in kurzer Zeit ein. Wie das Feuer entstanden, ist nicht aufgeklärt. Preußisch-Friedland. Ein plötzlicher Tod ereilte den 64jährigen Altsitzer Franz Dobek von hier. Dobek hatte sich in letzter Zeit dem AlkoHolgenusse stark hingegeben und ging angetrunken zur Stadt, um seinen Durst erneut zu löschen. Auf dem Heimwege stürzte er von einer steilen steinernen Treppe so unglücklich, daß der Schädel vollständig eingedrückt wurde, wodurch auf der Stelle der Tod eintrat. Froviz sommern. Stettin. Die Feier der silbernen Hzchzeit beging Postdirektor Härte! hier mit seiner Gattin. Die Oberbe-

amten des Postamts I nahmen Anlaß, ihrem Chef unter Ueberreichung von Geschenken ihre Glückwünsche darzubringen. Auch die Postunterbeamten ließen es nicht an Kundgebungen fehlen. Vargendorf. Die Vesitzerfrau Hamann, die schon seit längerer Zeit Spuren von Irrsinn zeigte, wurde von ihrem Manne, der in der Wirthschaft veschästigt gewesen war, im Schlafzimmer mit durchschnittenem Halse todt aufgefunden. Neben ihr lagen ihre beiden Kinder, ein Knabe im Alter von Jahren und ein Mädchm, 4 Jahre alt., ebenfalls todt. Auch den Kindern war der Hals durchschnitten. Ein kleines Mädchen im Alter von 6 Jahren war entflohen und hatte den Vater herbeigerufen, als die Mutter die schreckliche That beging. Nach Aussage des Mädchens hat die Mutter dabei ein Rasirmesser gebraucht. Flackenheide. Ein verheerendes Feuer wüthete in dem Dorfe hier, wodurch 12 Gebäude in Asche gelegt wurden. Das Feuer entstand bei dem Eigenthümer Albert Schubring und zerstörte dessen Wohnhaus. Ferner sind niedergebrannt die Wohnhäuser der Eigenthümer Pätzke und Giese, 4 Gebäude des Bauern Radmann, 2 Gebäude des Eigenthümers Karl Schön, Scheune und Stall des Büdners Friedrich Schubring und 3 Gebäude des Büdners Friedrich Knop. Neu ward. In dem Hause des Fischers Joh. Julke II. brach Feuer aus und legte das Wohnhaus in kurzer Zeit vollständig in Asche. Putbus a. R. Im hiesigen Schwanenteiche ertränkte sich ein jüngerer Mann mit Namen Heinrich Lindcnberg. a g a r d a. R. Der Sohn des Arbeiters Peetz , Polchow fiel b:im Bootfahren über Bord und ertrank. Die gleich angestellten Wiederbelebungsversuche hatten keinen Erfolg. W a l l a ch s e e. Der 8jäh?ig: Sohn des Arbeiters Lüdtke sprang von einem Baume und erlitt dabei innere Verletzungen, so daß er nach kurzer Zeit starb. W o l g a st. Der seit einiger Zeit verschwundene SchlächtermeisterFranz Morgenstern wurde in der Nähe der städtischen Badeanstalt als Leiche geborgen. Abgeführt.

Der in Regensburg erscheinende Bayerische Volksbote" veröffentlicht folgendes Eingesandt: Erklärung. Der Regensburger Anzeiger" findet sich bemüßigt, in seiner Polemik mit dem Volksboten" den Ausdruck, zu gebrauchen: Schimpfen kann jeder Sackträger". Der unterzeichnete Verein findet hierin eine Beleidigung seiner Mitglieder und weist deshalb diese Namens dersben hiermit energisch zurück. Wenn der Herr Doktorredakteur sich bei einem Geräufe mit dem Gegner mit nichts anderem helfen kann, als ehrliche Arbeiter zu beleidigen, so thut er uns herzlich leid. Im Uebrigen laden wir den Herrn Doktorredakteur zum Verkehr in unserenKreisen ein und hoffen bei Annahme unserer Einladung, ihm baldigst andere Ausdrücke anzugewöhnen. NegcnZbürg, den 8. October 1903. Verein rer Hasen- und Speicherarbeiter. 1. Vorstand: Lischinger. JnNewJersehgiebtes eine große Fabrik, welche - Puppen aus Stahlblech herstellt. Dieselben sind leicht von Gewicht, aber stark, so stark, daß sie nicht einmal brechen, wenn Jemand darauftritt, und die Glasur, mit der sie überzogen sind, läßt sich nicht abkratzen. Natürlich hat man es mit Gliederpuppen zu thun, welche dem kindlichen Geschmack nach jeder Richtung hin Rechnung tragen. Die Hände lassen sich mit Handschuhen überzie hen und die Augen entfernen, je nachdem ein kleines Mädchen braune oder blaue Augen vorzieht. Auch das Haar kann man abnehmen und durch eines von anderer Farbe ersetzen. Sogar die Gabe der Sprache ist dem Püppchen eigen, sofern man die Auslagen nicht scheut, einen kleinen Phonographen dazu zu kaufen. EininteressanterVersuch zur Lösung der schwierigen Frage der vorübergehenden Unterbringung Betrunkener ist in Kiew gemacht worden. Dort hat nämlich vor einiger Zeit der Mäßigkeiisverein bei den einzelnen Polizeicommissariaten besondere Hallen eingerichtet, wohin die auf den Straßen aufgelesenen Betrunkenen gebracht werden, um ihren Rausch auszuschlafen und ihre Ernüchterung ab zuwarten. Jede dieser Hallen steht unter der Aufsicht eines Arztes und ist durch ein dichtes Drahtgitter in zwei Abtheilungen geschieden, von denen die eine für Männer und die andere für Frauen bestimmt ist. Nach einer von dem Kiewer Mäßigkeitsverein veröffentlichten. Statistik kommen auf jede Ernllchterungshalle monatlich 180 bis 200 Betrunkene, von denen die Mehrzahl den besseren Ständen angehört und sich namentlich aus Beamten und Sttudenten zusammensetzt. Die meisten Betrunkenen brauchen nur wenige Stunden, um ihre Selbstbeherrschung wiederzuerlangen, doch kommen gelegentlich auch Zustände vor, bei denen 15 bis 20 Stunden vergehen, bis die Betrunkenen soweit ernüchtert sind, daß man sie aus den Hallen entlassen kann.

'SottchcnsZjallptmann. Humoreske von Max Wundtke. Aha..eine Liebesgefchichte! Und eine militärische noch dazu! Nein, weit gefthlt! Lottchen ist langst verheirathet, und der Hauptmann ist gar kein Hauptmann. Die Sache ist and:rs. Nämlich so: Lottcyen war vor ihrer Berheiratbung eine echte, unverfälschte höhere Tochter". Sonst zwar ein herziges Ding, aber vollgepfropft mit lausend kraujen Ideen, Ueberschwänglichkeit und allerliebsten Thorheiten. Wie üblich, hatte sie schrecklich viel gelesen und schwärmte riesig für die Kunst. Natürlich speziell für die neue Kunst. Namentlich die moderne Literatur hatte es ihr angethan. Von Zola bis zum kleinsten Äeristen - Trottel war ih: Alles bekannt. Ach, sie wäre aus dem besten Wege gewesen, sich zu einem leibhaftigen Ueberweib zu entwickeln, wenn ja, wenn sie ihr Franz nicht geheirathet hätte, und das war eigentlich gut so. Aber aber daß r gerade Mehlhändler sein mußte, sage und schreibe Mehlhändler Engros das war eigentlich ein böser Streich des Schicksals. Trotz alledem hatte sie ihren Franz ganz unsagbar lieb. Und er liebte sein Lottchen ebenso abgöttisch wieder, und so war die Sache eigentlich recht gut in Ordnung. Wenn er nur nicht Mehlhändler gewesen wäre! Und so ein Barbar! Alle die Haupt- und Sudermänner waren ihm vollständig mit Respekt zu sagen Wurst; er hätte wohl schwerlich zu sagen gewußt, wer Tolstoi oder Maxim Gorkij seien. Er hielt auch nichts von dem ganzen Schwindel", wie er die schönen Künste nannte; aber er ließ sein kleines Frauchen gewähren und sah ihr diesen niedlichen Sport" gern nach. Lottchen. war ja am Anfang furchtbar unglücklich, gewöhnte sich aber bald an das viel idealere Glück ihrer jungen Ehe und theilte ihre Liebe zwischen ihrem Franz und den Literaturgrößen, womit Franz, da ihm der bcr Weitem größte und schönste Theil zufiel, vollständig zufrieden war. Das kleine bischen platonische Schwärmerei konr.te er ihr schon durchgehen lassen. Gab es ihm doch Spaß genug, und er konnte sie manchmal auf seine gutmüthige Weise verspotten. Frau Lottchen hatte, den Gebräuchci. ästhetischer Damen folgend, ihre literarischen Donnerstage eingeführt, die ja, da in einem kleinen Nest die ganze Kunstpflege fast ausschließlich in den Händen der Damen zu liegen pflegt, allerdings nur von Frauen und Jungfrauen besucht waren. Desto lebhafter ging es dort zu. Ganze Literaturschlachten wurden dort geschlagen, und manche verblüffende Behauptung über Schoppenhauer und Nietzsche erblickte hier das Licht der Welt. ' Der größte Triumph war es für Frau Lottchen, irgend eins Handschrift oder einen Brief einer ganzen oder einer halben Literaturgröße vorlegen zu können oder gar mit einer persönlichen Bekanntschaft zu renommiren. Eines schönen Tages, beim Frühstückstlsch, stieß Lottchen mit einem Male einen Freudenschrei aus. Ihr Gatte schaute verwundert auf und iah sie triumphlrend das Zeitungsblatt gleich einer eroberten Fahne schwenten. Nanu? Was gibt's denn, Maus?" fragte er. Ach. Franzel. welche Freude! Genk Dir nur, Gehard Hauptmann ist in unserer Stadt angekommen!" Gerhard Hauptmann? Ist das ein Kunde von mir? Ich kann mich gar nicht besinnen " Aber, Franzel, Barbar! Das ist doch der große Hauptmann, der die Weber", Hannele", Die versunkene Glocke" geschrieben hat." Ach so, der? Aber was geht uns der an?" Herrgott Deutschlands größter Dramatiker das weißt Du nicht? Nein, welche Ehre für unsere Stadt!" So, so." Er lächelte schon wieder o verschmitzt. Ja, da steht's in der täglichen Frcmdenliste: G. Hauptmann aus Schreiberhau, Rheinischer Hof". Weißt Du, Männchen, wir machen ihm unsere Aufwartung, nicht wahr? Da werden sich aber meine Freundinnen ärgern " Kind, mich laß aus damit. Wenn Du Dir das große Thier anschauen willst, hab' ich nichts dagegen. Ich geh' nicht mit." Nun gut, so geh' ich allein. Und dann, weißt Du, ich lad' ihn für heute oder morgen zu Tisch bei uns ein; der große Gerhard Hauptmann muß bei uns speisen; die ganze Stadt soll davon reden." Du, er, wird kaum wollen," wandte er ein. Er muß, und wenn ich ihn persönlich abholen soll!" erklärte die literarische Frau bestimmt. Nun gut, mir soll's recht sein," entgcanetc er; man hat ja schon mit vielc:I Leuten an einem Tisch essen müssen, warum also nicht auch 'mal mit einem deutschen Dichter?" Lottchen wollte erst böse sein über diesen schlimmen Scherz, war aber doch zu vergnügt, um grollen zu können. Flugs setzte sie sich hin und schrieb folgendes Billet: Großer Meister! Eine Familie, die Ihre herrlichen Schöpfungen bewundert, würde sich glücklich schätzen, wenn Se ihr anläß-

lich Ihres HierseinL die Ehre geben wellten, den Hervocvringer o jcuoner Werke heute als Gast an ihrem vescheidcnen Mittagstisch begrüßen zu dürfen." Dazu Namen und Zeitbestimmung, und dann steckte sie den Brief für alle Fälle zu sich. Dann ging sie nach dem Rheinischen Hof". Unten stand der würdevolle Portier, mit einem Gesicht, als wäre ihm di Wahrung der heiligsten Güter üoertragen worden. Gerhard Hauptmann? Er mußte erst einmal nachsehen. Ja, ganz recht. Da steht's gestern eingetroffen. G.Hauptmann aus Schreiberthau. Frau Lottchen war einigermaßen empört darüber, daß der gute Mann so gar nicht wußte, welche Ehre ihm zu Theil geworden, und ließ etwas wie ...Weber" fallen. Der Hüter des Hause war vollständig orientirt. Bedaure der Herr Hauptmann ist schon frühzeitig ausgegangen." Das ist schade. Aber geben Sie ihm nur dieses Briefchen. Hier, mein Friund " und dabei ließ sie ein Geldstück in seine Hand gleiten. Noch im Laufe des Vormittags kam Nachricht. Herr Hauptmann würde so f:u sein Nun aber ging es an ein Vorbereiten, als ob der Kaiser von China einzuziehen beabsichtige. Dreimal rannte Lottchen nach ihrem Photographie-Al-bum, um ihrem Gatten das Portrait Gerhard Hauptmanns zu zeigen und ihm eine ausführliche Jnstruktionsred: über des Dichters Leben und Werke zu halten. Endlich kam die Stunde. Dtt Klingel wurde gezogen und ein großer, bär. tigcr Mann trat ein. Aha," dachte Lottchen, eine Neuigkci: für unseren Donnerstagscirkel. E: hat sich einen Vollbart stehen lassen wie reizend!" Nach den üblichen Complimenten sitzte man sich zu Tisch. Lottchen war unermüdlich, ihren Gast literarisch zu unterhalten; er aber war recht einsilbiz dabei. Er mochte wohl nicht gern fachsimpeln. Allmählich fing sie an, dem Meister versteckte Huldigungen über seine Schöpfungen darzubringen; aber auch das lehnte er bescheiden ab. Schließlich konnte die Begeisterte sich nicht länger beherrschen und brach in die Worte aus: Ach, Meister, wenn Sie wüßten, wie ich für Ihre Weber" schwärme!" Für meine Weber? Nun ja, ich danke, ich kann mit ihnen zufrieden sein. Sie machen ein schönes Stück Arbeit." O, Meister, die gute Arbeit ist Ihr ÜZerk. Nein, die armen, armen Leute, wie die mich dauern!" Ach, gnädige Frau, kümmern Si: nicht um die Leute. Auf Nosen sind ste ja freilich nicht gebettet. Wenn Ihnen nur die Arbeit gefällt." Sie haben ja recht; die Kunst hat es nur mit dieser zu thun; aber sagen Sie. ist es wirklich so schlimm, wie Sie ti geschildert haben?" Ich geschildert habe ? Ach so, Sie meinen Sie haben wohl in der Zeitung davon gelesen? Na. es kommt ja vor, daß man 'mal ein bischen mehr linier die Binde gießt und dann etwas schwärzer malt, als unbedingt nöthig ist. Ich habe ja auch dafür drei Tage in's Loch spazieren müssen. Gott, Dummheiten macht ja Jeder 'mal " Was? Eingesperrt sind Sie worden? Das wußte ich noch gar nicht! Das ist ja " reizend wollte sie sagen, besann sich aber noch rechtzeitig und sagte empörend!" Eigentlich war sie doch recht betroffen über die Nichtachtung, mit der er von sich und seinen Werken sprach. Sie ließ aber nicht locker und fuhr fort: Und Ihr Hannele". Meister ?" Was? Mein Hannele kennen Sie auch?" Aber Meister! Ich werde doch Ihr Hannele" kennen!" Nee," sagte der Gast bewundernd, was Sie Alles wissen. Aber dann, wenn Sie so großen Antheil nehmen und Ihnen meine Erzeugnisse so ont gefallen, Harf ich auch hoffen, da Sie mich heute mit einem recht großen Auftrage beehren werden." Auftrage beehren? Ich verstehe Sie nicht " Wundervoll gewebte Handtücher, Tafelleinen, prachtvolle Bettzeuge, gutes schlesisches Hemdenleinen " Aber Meister !" Es kam wie ein empörender Schmerzcnsschrei von ihren Lippen. Ganz recht Webermeister Hauptmann aus Schreiberhau im Riesengebilge. Ich bin auf der Geschäftstour " Und von den Webern sprechen Sie?" Na, von welchen denn sonst?" Und Ihr Hannele ?" Meine Tochter!" Jetzt aber war der Moment des Amüsements für Lottchens Gatten gekommen. Mit einem dröhnenden Gelächter warf er sich auf's Kanapee und bearbeitete in wahrhaft beängstigender Weise seine Knie mit der flachen Hand. Es dauerte lange, ehe er zum Reden kam; unterdessen hatte sich der große Meister empfohlen, da er schließlich doch gemerkt haben mochte, daß der Fasan eigentlich einem anderen Hauptmann zugedacht war. Lottchen aber sprach von nun an überhaupt nicht mehr über Literatur.