Indiana Tribüne, Volume 27, Number 85, Indianapolis, Marion County, 30 November 1903 — Page 5
Jndiana Tribüne, 3N. November 1903.
Der DlZizabllitcr. Manöverskizze von Theodor Feldern. Hier hier sind wir!" rief der Knabe, indem er fröhlich mit denBeinchen strampelte. Pst, Fritzchen sagteElli und preßte dem Kleinen die Hand auf die Lippen. Der junge Officiec hatte den Ruf bereits vernommen. Ein freudiger Schreck schien ihn stufen zu machen. Sein hübsches, von der Sonne tief gebräuntes Gesicht wurde noch um einen Ton dunkler. Ritterlich grüßend, trat er hinzu. Ein allerliebstes Plätzchen, mein gnädiges Fräulein, daß Sie sich da ausgesucht haben! Eine natürliche Laube, an der man ahnungslos vorübergeht, wenn man nicht weiß, daß hier ein so lauschiges Nestchen ist." Wo man sich übrigens besonders wohlgeborgen fühlt, wenn, wie eben jetzt, ein Unwetter bevorsteht," versetzte Elli. Wir kehren gerade von der Oberförsterei nach Hause zurück, Fritzchen und ich; es ist wohl gerathener, nicht weiter zu gehen, sondern den ersten Regenschauer erst vorüber zu lasen." Meinen Sie in der That?" fragte der Husarenofficier, nach dem Himmel emporschauend, soweit dieser nicht durch das Gezweig der Waldesbäume verdeckt wurde. ' Es regnet ja schon!" rief Fritzchen, indem er auf einen Tropfen wies, der eben an einem Riedgrashalm des Wegrains perlte. Wirklich," sagte Günther. Dann würde ich Sie freilich um die Erlaubniß bitten, gleich Ihnen das Unwetter unter diesem schützenden Laubdach abwarten zu dürfen." Ja, kommen Sie nur her," meinte Fritzchen. Wir haben alle drei auf der Bank Platz!" ' Zugleich zeigte er mit dem Händchen auf die Stelle, die neben Elli frei war. Diese aber rückte schleunigst auf -das äußerste Ende, so daß der junge Officier wohl oder übel an der Seite des Knaben zu sitzen kam. Die Tropfen fielen immer dichter, und in der Ferne rollte der Donner in den ersten Accorden. Ein Gewitter zu so später Sommerszeit ist eigentlich ziemlich selten," nahm Günther das Wort. Freilich die letzten Tage waren heiß genug, und da kann solche Luftreinigung nur gut thun. Vor allem werden wir nicht so vom Staube zu leiden haben. Sie wien wohl bereits, mein gnädiges Fräulein, daß wir morgen früh ausrücken?" Sie nickte stumm. Sie waren eigentlich recht' gütig zu 'mir 'Ihr Herr VaterV'Jhre Frau Mama und und Sie alle! Da würde es mich freuen, wenn Si sich meiner, auch wenn ich bereits fern bin. hin und wieder ein wenig erinnertcn." Er sprach es weich, leise, mit beinahe zittriger Stimme. Gewiß," erwiderte Fritzchen gewichtig und mit den Beinen schlenkernd. Aber dann müssen Sie mir auch einen Säbel schenken und eine Husarenmlltze. Alles echt und im October ist mein Geburtstag!" Fritzchen!" mahnte die Schwester, indem sie ihn an sich zog und ihm einen Kuß auf die Wange gab. Das sollst du haben," versprach Günther. Du bist ja ein ganz prächtiges Kerlchen! ... Sag' mal, soll ich dir auch einen Kuß geben?" Der Knabe schnitt ein Grimasse., Auh. das sticht ja!" rief er aus, nachdem ihn Günther geküßt. Wer wird so wehleidig sein," mahnte Elli. Dabei küßte sie ihn nochmals wahrscheinlich, um den Schmerz vergessen zu machen, den der Schnurrbart des jungen Marssohnes hervorgerufen hatte. Jawohl!" versicherte der junge Officier. Einem so großen Jungen, wie du es bist, darf niemals etwas weh thun! .... Denk' mal, wenn du erst Soldat und im Kriege bist! ... Man muß sich abhärten!" So erhielt Fritzchen noch einen Kuß. Elli erröthete von Neuem bis hinauf zu den Schläfen. Sie sah nämlich ganz deutlich, daß Günther eben die Stelle gesucht, die auch sie vorhin mit den Lippen berührt hatte. Nu ist's aber genug," maulte der Knabe. Ich glaube, der Regen läßt nach." meinte Elli, die wohl demGespräch eine andere Wendung geben wollte. Im Gegentheil: das Gewitter zieht erst herauf." Der Donner rollte wirklich mit stärkerem Getöse, begleitet vom Zickzack des Blitzes. Das junge Madchen, zusammenfahrend. schmiegte sich dicht an den Bruder. , Rück' nur zu mir heran, wenn du ängstlich bist, mein Junge," sagte der Officier. ' - Ich habe- aber keine Furcht," jammerte Fritzchen, der sich plötzlich von beiden Seiten wie eingekeilt fühlte. Puh! Ihr drückt mich ja zu Tode!" Er saß wirklich kaum noch auf der Bank. Er schwebte in der Luft, gewissermaßen, rudernd mit den herabbaumelnden B:inchen. Es ist so herrlich hier, daß man niemals scheiden möchte. Das Grün so satt.' das Laub, so frisch. 'Man merkt kaum, daß der Herbst immer nä-
her kommt. Nur die rothen Dolden der Eberesche drüben weisen auf ihn hin, der stets dunkler werdende Farbenton der Eriken, die allmählich verblühen und die Manöver, die nun vorüber!" Wieder tlana. seine Stimme weich, fast flüsternd, und flackerte dabei hin und her. Kehren Sie dann sofort in dieGarnison zurück?" warf Elli ein. Vorläufig allerdings! Aber dann nehme ich Urlaub. . . Ich gedenke mein Mütterchen aufzusuchen." Ach so! Ich erinnere mich, daß Sie uns schon wiederholt von ihr erzählt. . . Sie haben wohl rechte Sehnsucht nach Ihrer Frau'Mama?" Sie nach mir und ich nach ihr. . . . Wir haben ja beide sonst nichts auf der Welt, was eigentlich mit festen Banden zu uns gehört. Denn ich war zu Hause immer der einzige, und Papa ist jetzt schon etliche Jahre todt. Nun bewirthschaftet sie das Gut, bis ich selber die Zügel einst in die Hand nehme. Es ist vorzüglich im Stande, mit fruchtbaren Aeckern und vielem Waldbestand. Das Schloß selber liegt dicht an der See, an hochragender Stelle und mit weitem Ausblick auf die unendlichen, smaragdenen Fluthen, die ich so sehr liebe und nach denen ich eigentlich stets Heimweh empfinde!" Oh. dort muß es herrlich sein," murmelte Ell! wie träumend. Ich kann auch kaum den Augenblick erwarten, wo ich dort sein werde. Und Mütterchen gleichfalls. Wir haben uns so viel zu erzählen. Vor allem harrt sie einer Kunde, die ich ihr, wenn auch erst matt umdämmert, in Aussicht stellen zu dürfen glaubte. Ach, Fräulein Elli...." Nun bin ick schon wieder so eingezwängt," stöhnte Fritzchen in diesem Moment los. Es ist nicht zum Aushalten!" Sei still, mein Kerlchen," bat Elli, indem sie dem Bruder das purpurne ZNäulchen mit den eigenen Lippen schloß. Wenn ich dir weh gethan," fuhr Günther fort, so soll's gewiß nicht wieder geschehen!" Und weg hatte das Mäulchen noch einen Kuß. Fritzchen rieb sich die Lippen sehr energisch mit der Rückenfläche seines kleinen Patschhändchens. Jetzt geht auch das Küssen wieder los," sagte er weinend. Elli küßte ihm die Thränen von den Wimpern. Aber du wirst doch nicht weinen! Du weißt ja, daß ich dich so sehr lieb habe!" Und ich," versicherte der junge Officier ich habe dich genau ebenso lieb!" Nochmals ein Kuß: und wieder auf eben die Wimpern, die Elli kurz zuvor mit ihren Lippen berührt hatte. .Uff!" Der Knabe war aufgesprungen und mit einem Satz hinaus aus der Btlau bung geeilt. Aber Fritzchen," bat Elli erschreckt, komm zurück. Du wirst ja ganz naß!" Ja, mein Kerlchen," schloß sich ihr Günther an; es regnet noch immer sehr tüchtig." Oh." entgegnete der Knabe, aus dem Regen mache ich mir gar nichts! Das ist mir viel lieber, als Euer Geküsse! ... Uebrigens hat Klaus, der Großkxecht, erst neulich gesagt, wer wachsen will, muß sich tüchtig durchregnen lassen!" Dann mit gespreizten Beinchen sich vor die beiden stellend, aber gleichwohl noch in so ansehnlicher Entfernung, daß er nicht so leicht erhascht werden konnte, fuhr er fort: Wenn ihr durchaus küssen wollt, so könnt ihr's ja gegenseitig thun. Ich will mir's nicht gefallen lassen! Oder werdet doch ein Brautpaar, wie Grete Torgelow und der Forstadjunkt. Die küssen sich in einem fort, und es sagt kein Mensch was dazu!" Günther lachte hell und herzhaft'auf. Da hast du eigentlich recht, mein Junge! Das ist eine ganz famose Jd:e! Liebe, theure Elli willst du darf ich ? Sie erwiderte nichts .... Leise weinend vor Glück barg sie das Haupt an seiner Brust Er bog das Antlitz leicht zurück, so daß ihre Blicke einander trafen. . . . Und nun nun küßten sie sich wirklich. . . . Es hat so lange gedauert," sagte Fritzchen bald darauf zur Mutter und da bin ich davongelaufen!" Die Amtsräthin drehte den kleinen Kerl, der bis auf die Haut durchnäßt war, nach allen Seiten herum. Sie werden schon kommen," meinte der Amtsrath, indem er behaglich schmunzelte. Der Regen läßt bereits nach, und daß sie nicht auch naß werden wollen, kann man ihnen nicht verdenken! ... Daß es übrigens so kommen würde, Frauchen, lag auf der Hand. Wer Augen im Kopfe hatte, mußte ja sehen, wie sie beide bis über die Ohren in einander verliebt sind. . . . Ich denke, wir sagen zu Allem, was geschehen ist. Ja und Amen. Einen desseren Schwiegersohn können wir uns gar nicht wünschen!" Wenn du meinst, Alterchen! .... Mir solls gewiß recht sein!" Währenddessen hatte die Ämtsräthin trockene Sachen herbeigeholt und war eben dabei, diese Fritzchen anzuziehen. Mein armer Junge! ... Wirklich: eine beneidenswerthe Rolle ' hast du nicht gespielt!... Wie sie dir zugesetzt haben mögen!... Denn das steht fest:
all die Zärtlichkeiten, mit denen sie dich überschütteten, die waren im Grunde gar nicht für dich bestimmt!... Von ihnen wars einManöver, und du warst recht und schlecht nichts weiter als der Blitzableiter!"
ZZohcm c. . Novellctte von Max Thielcrt. Gemüse?" donnerte der Schriftsteller gegen die Atelierthür. Zur Bekräftiguna warf er einen mächtig zerrissenen Stiefel hinterher. Es wurde zusehends ersichtlicher, was er mit dem Räthselwort gemeint hat. Drinnen wurden ein paar Sprungschritte hörbar, die Verbindung der beiden Räume wurde mit äußerster Vehemenz durch Oeffnung hergestellt und zugleich flog ein Oellappen ganz respektablen Umfanges an dem Kopf des Schreibenden vorbei und llatsehend gegen die Wand. Man sieht, die Formen des Morgengrußes sind auch unter Gebildeten einigermaßen verschieden. Gemüse", sagte der Schriftsteller unbewegt, setz 'dich daher. Ich bin nunmehr bei einer Stelle meines Werkes angelangt, zu der ich nothgedrungen folgende Stimmung haben muß: Es ist Abend. Wir haben Krebse gegessen und die rothen Schalen leuchten in dem von grünen Blättern gebrochenen elektrischen Licht von den weißen Schüsseln und Tellern und dem Damast des Tischtuches. Der feine Krebsgeschmack liegt wie ein feiner Hauch noch in unseren Nasen und goldener Rheinwein funkelt in geschliffenen Gläsern. Die Musik fast nur Geigen und Cello spielt den Fackeltanz von Meyerbeer. Erbarm' dich", sagte der Maler. Neben mir", fuhr der andere unbcwegt fort, sitzt, nein schmiegt sich in einen der Korbsessel, wie sie auf dem Vrunnenhof des Könighotels in den grünen Lauben stehen, eine stilvolle, schlanke Schönheit in einem halbhellen Gewand. Sie sieht mich träumerisch an und wenn der letzte Bogenstrich verklungen ist, nehme ich ihre weiße Hand, küsse sie langsam, sage Gute Nacht" und gehe schweigend davon." Gehe schweigend davon", wiederholte der Maler fassungslos und stand auf. Du bist ja verrückt, Teutoboy. Wir walzen hier höchst mangelhaft bekleidet umeinander herum und können nicht ausgehen, weil wir jeden halbwegs anständigen Anzug zur Erzielung der täglichen Nahrung versetzt haben; Frau Haberklau, die wackere, verschafft uns mit wachsender Mühe Abends,' denn am Tage traut sie sich wegen Kreditunwürdigkeit nicht auf die Straße, unseren Wonnefraß, Zwiebeln, Weißkäse und Brot, und du redest von Krebsen, Rheinwein und schönen Freuen! Schreibe ein kleines Feuilleton " Will ich nicht, kann ich nicht", lehnte Teutoboy entschieden ab. Ich schaffe jetzt , aus dem Vollen, in's Großartige, habe keine Zeit zu neckischen Kleinigkeiten, wie sie die Welt liebt. Diesmal bist du dran. Höre, Gemüse, was ich dir vorschlagen werde: Du begibst dich in deine Klecksbude " Ich begebe mich", sagte der Maler. Und schaffst Ordnung unter deinen Baufälligkeiten", fuhr der andere fort. Sodann gruppirst du dich in deinem anständigen Gewand, Gemüse, unauffällig, aber selbstbewußt, dazwischen. Das andere besorge ich!" Frau Haberklau: Guten Morgen, Gnädigste. Sie werden sich recht niedlich machen, denn durch den Brief, den Sie gestern zur Post brachten, häbe ich den Kunsthändler Baumann hercitirt, der sich die Gemllseschöpfungen hier ansehen soll. Weiße Schürze, möglichst Schuhe und keine Latschen und. so. Ich rechne auf Ihre angenehme Erscheinung." . Er ist meschugge, Frau Haberklau", sagte der Maler, aber komplett. Der Baumann und zu mir kommen! Das ist wieder so einer von seinen Husarenstudentenstreichen." Ru he!" donnerte der Schriftsteller. An Eure Verrichtungen, wenn ich bitten darf. Wo war ich siehen geblieben in meinem unsterblichen Werk: Wenn aber" Er schrieb weiter und sah auch kaum auf, als nach einer Weile hinter der festlich gekleideten Frau Haberklau ein älterer, graubärtiger Herr ,der seinen dunllen Gehrockanzug mit sehr viel Würde trug, und eine junge, schlanke Dame erschienen und nach dem Maler Fritz Weißkohl fragten. Das Gemüse, der ' Künstler". verbesserte er sich, immer dabei weiter schreibend, schafft nebenan." Und er deutete mit dem Mundstück der Pfeife in der Richtung des zerrissenen Stiefels. Der Künstler", wiederholte er höher, als man seiner etwas verwunderlichen Erscheinung wegen zögerte, hat sein Heim nebenan." In seinem Gemüth aber erstaunte er baß über die Schönheit und vornehme Eleganz der Begleiterin, die er trotz seiner unhöflichen Nichtachtung wohl bemerkt hatte. Da habe ich ja etwas sehr Niedliches hercitirt", dachte er und laut: Lassen Sie um Gottes willen den Stiefel liegen, Frau Haberklau, er wirkt dort malerisch und stimmungsvoll." '
Nebenan blieb es ziemlich still. Der Schriftsteller sprang plötzlich auf, Lffnete die Thür zum Heim des schaffenden Künstlers und mit den Worten: Das habe ich mir gleich gesagt, das Gemüse weiß nichts mit Ihnen anzufangen!" langte er aus einem versteckten Winkel ein paaOelskizzen hervor und stellte sie auf ein: Staffelei und eine andere Baufälligkeit. Hier ist Talent", sprach er mit dem Brustton der Ueberzeugung dazu, alles übrige können Sie in anderen Kramläden auch kaufen. Aber hier in diesem feingezeichneten Kopf liegt Kraft, Originalität und moderner Farbensinn und Sinn für die Großartigkeit und Einsamkeit der Wüstenlandschaft und der Heide, aber ich werde Ihnen die Stelle meiner Kritik der Kunstausstellung vorlesen, wo diese Dinger unbeachtet gehangen haben " Um Gottes willen", sagte das Gemüse, während Teutoboy forteilte, um seine männermordende Kritik zu holen, verbieten Sie ihm das. gnädiges Fräulein. Alles Ernsthafte, und nun gar die Kritik ist seine schwache Seiie. er hat nur ein Feld, den Humor, aber darin leistet er etwas. Sie erleben den heutigen Abend nicht mehr, wenn Sie ihn anhören." Sie haben Recht", meinte die junge Dame zu dem Zurückkehrenden, Herr ?" Schwertleiter", ergänzte dröhnend der Schriftsteller. Sie nickte dem alten Herrn zu, der sie fragend ansah. Meine Tochter", sagte der KunstHändler, "hat mich schon zur Zeit der Ausstellung auf diese beiden Skizzen aufmerksam gemacht. Sie hat oft mehr Verständniß für das Neue, als ich grauer Mann. Darum sind wir Ihrer liebenswürdigen Einladung so schnell gefolgt. Ich biete Ihnen", damit zog er seine dicke Brieftasche, sechshundert Mark für die Skizzen " Gemüse", flüsterte Teutoboy. du siehst auf einmal so seltsam blaß!? Muth!" Sie sind noch unbekannt", fuhr Herr Baumann fort. Wir nehmen es an", sprach der Schriftsteller nicht ohne Würde. Ich ,bin nämlich", fügte er erklärend hinzu, so eine Art Impresario dieses etwas schüchternen Genies. Wir machen unsere Finanzoperationen in 'Weißkäse und Zwiebeln zusammen." Nimm doch diese Papierchen, lieber Freund", redete er zu. Dürfen wir Sie", fuhr er artig fort, indem er zum ersten Male die zerdrückte Manövermütze von seinem Haupte entfernte, zu einem kleinen Jmbiß einladen? Nicht immer und unter allen Umständen sind wir so formlos und sehen so gewissermaßen heruntergekommen aus. das hängt mit einem gewissen Aktenstück zusammen. Jndessen.'ich spreche wohl in Räthseln " . Wir baben leider heute Vormittag
! .wenig' Zeit",' lehnte die junge Dame r'.'t i. t.ilt i rr: i : vp ao, oie jcirjarn mietqiii in im schnurrbärtige und zerhauene Gesicht des Hünen blickte, indem sie sich ihrem Vater zuwandte. . Aber wenn wir Sie beide", ergänzte der Kunsthändler, heute Abend um acht Uhr im Hotel KönigsHof zu einem Abendessen erwarten dürfen " Krebse, rothe Schalen, Rheinwein, Fackeltanz!" rief Teutoboy begeistert. Was habe ich dir gesagt. Gemüse, Kohl, ich muß diese Stimmung haben und sie kommt. KleingläubigerZwerg, du, häß licher! Entschuldigung, wir erklären das alles heute Abend, wir nehmen selbstverständlich mit Dank an." Wir sind, gespannt", sagte die junge Dame lächelnd und reichte dem Schriftsteller die schmale Hand zum Abschied. Dabei sah sie ihn mit einem Blick an, der dem braven Teutoboy so in's Herz fuhr, daß er hinterher in sei nem Schreibgemach sieben Mal über den zerrissenen Stiefel lief und dabei neun Mal erklärte, er würde Hedwig Baumann wegen dieses Blickes vom Fleck weg heirathen. Vom Fleck weg!" schwor er, besinnungslos, denn sie hat Stil, Zwerg, sie hat Stil, und das ist für mich das Wesentlichste." , Außerdem hat sie Geld, viel Geld", sagte der Maler. Und sie ist schön und eine vornehme Natur. Ich glaube. sie wäre eine rechte Künstlerfrau. Gib' dir keine Mühe, Teutoboy ". Ruhe im Gemüsegarten!" verkün-, dete der Schriftsteller. Frau Haberklau, hier ist das Aktenstück Goldberger und der zurEinlösung unserer sahrenden Habe benöthigte Hundertmarkschein, den du gütigst erlaubst. Der Bestand der gemeinsamen Wirthschaft ist durch Teutoboy Schwertleiter wieder in die Wege geleitet. Trocknen Sie Ihre Freudenzähnen, Haberklauchen, der Himmel wird weiterhelfen." Wunderliche Leute, diese talentvollen und armen Künstler", sagte Herr Baumann im Hinuntergehen. Aber immer voller Humor und selten verzagt, wenn ihnen die Sonne auch selten scheint. Und es wäre ihnen doch oft so nothwendig, nur ein wenig Sonne. Dieser Teutoboy, ein Prachtmensch, wenn er Geld hätte " Das könnte man ihm ja verschaffen", sagte Hedwig Baumann nachhrjicklich, und ein feines Lächeln flog um ihren rothen Mund, als wüßte sie schon, wie das möglich wäre.
V u r cq eigene iinvor sichtigkeit verunglückt sind zwölf Angestellte einer si?benbüraiscben Holzigdustrie - Gesellschaft. Als sie sich zur Arbeit in den Wald begaben, fanden sie auf den Geleisen einer Feldbahn mehrere leere Loren, die sie bestiegen und in Bewegung setzten, um schneller an ihr Ziel zu gelangen. Auf der sehr abschüssigen Strecke sausten die Wagen mit rasender Geschwindigkeit dahin, so daß jede Möglichkeit zu bremsen ausgeschlossen war. Nach kurzer Fahrt sprangen die oi;n aus den Schienen und zerschellten an einem Felsen. Von den zwMf Insassen wurde einer getödtet, dir übrigen trugen fast ausnahmslos schwere Verletzungen davon. Jedermann, der in Ost asien gewesen ist, kennt die kleinen zweiräderigen, einsitzigen, von Kulis gezogenen Wagen, Die KaiserinWittwe hat jetzt zwei dieser Gefährte in Schanghai für sich und den Kaiser anfertigen lassen. Sie sind in gelber Farbe gehalten, reichlich vergoldet und mit dem kaiserlichen Drachen geschmückt. Ein Palastmandarin kam eigens von Peking nach Shanghai, um darüber zu wachen, daß dieHerstellung genau nach Wünschen der KaiserinWittwe geschähe. Merkwürdig ist dabei, daß sie nicht schon viel eher auf den Gedanken gekommen ist, sich solche Mannkraftwagen anzuschaffen. Dies ist die wörtliche Uebersetzung v?n Jin rickscha (japanisch jinrikischa). DasLandhausdes Lord Verulam in der Nähe von St. Albans in England, wurde dieser Tage in der frechsten Weise von Dieben ausgeplündert, die mit großem Kunstverständniß vorgingen, da sie vorzugsweise Sachen mitnahmen, die für Sammler Werth haben, wie zum Beispiel Kunstmetallwerke, alte Uhren, geschnittene Steine und eine Sammlung alter Goldmünzen. Die Diebe hatten solche Kunstsachen, die sie nicht mitzuschleppen termochten, wie beispielsweise werthvolle alte Möbel und Teppiche, in roher Weise zerstört. Merkwürdigerweise geschah das alles auf dem Landsitze während der Anwesenheit des Lords und der Lady Verulam sammt der gesammten Dienerschaft. Die Köchin behauptet sogar, daß die Diebe sich mehrere Tage in dem großen Gebäude versteckt gehalten haben müßten, denn die Dienerschaft habe sich davon tu zählt, daß man merkwürdige Gestalten in der Nacht auf den Fluren umherschleichen sehe. DieDirektionder französischen Nordbahn in Paris hat kürzlich bekannt gemacht, daß zwischen ihr. den preußischen und den russischen Direktionen Vereinbarungen getroffen wären, wonach vom März '1904 täglich ein direkter und zweimal wöchentlich ein Expreßzug nach Peking abzehen wird. Di? direkten Züge führen nur zweite und dritte Klasse; derFahrpreis beträgt 490 und 340 Francs. Im Ezpreßzug kostet die erste Klasse 1013, die zweite 706 Francs. Rückfahrkarten werden nicht verausgabt, wohl aber Kinderbillette. Am BaikalSee wird nicht mehr umgestiegen, weil die Bahn am Südufer des Sees dann fertig sein wird. Dagegen wird der Liokhe - Fluß auf dem Weg nach Peking vorläufig noch in Booten übersetzt. Um von der russischen nach der englischen Linie zu gelangen, müssen die Passagiere für Wladiwostok in der Station Jrkutsk den Zug wechseln. . Die Turiner pflegen das Fest der Krönung der schönsten Dame des Marktes nachzuahmen. Unter großem Andränge des Publikum wurde dieser Tage die neue Königin proklamirt, deren Krönung sich auf folgende Weise vollzog: Ein phantastischer Zug, an dessen Spitze sich eine mit Blumen geschmückte Karosse befand, in welcher die bisheriae Königin Margherita Rosso. in weißen Atlas gekleidet, mit zwei Pagen saß, hielt unter dem Donner von Kanonen seinen Einzug in den Königlichen Garten. Hinter der Equipage folgten die Prachtwagen der verschiedenen Gewerke. Unter Fanfaren hielt der Zug vor dem mit einem Baldachin überdeckten Thron, auf welchem die neu erwählte Königin Palma inmitten eines großen und phantastisch kostümirten Gefolges bereits Platz genommen hatte. Sie trug ein reich mit Spitzen besetztes, himmelblaues Atlaskostüm mit langer, goldgestickter Schleppe) ihre Damen waren in weiße Seide gekleidet. Unter den Klängen einer eigens componirten Königinnenhymne, die von der Stadtkapelle gemeinsam mit einem Chor von 200 Stimmen vorgetragen wurde, verließ die Exkönigin ihre Equipage und setzte ihrer Nachfolgerin die Krone auf. Darauf folgte eine Anzahl Reden. Königin Palma besteig den Krönungswagen und hielt unter dem frenetischen Jubel einer zahllosen Menge ihren Umzug durch die Stadt. Sie ist nun Königin des Marktes für ein Jahr und gibt b" Zepter und Krone . an die iiX Schöne ab. die durch den Willens Marktes" als solche proklamirt wird. I n Jnsterburg wurde ein Dienstmädchen wegen MordeS zum Tode verurtheilt. Die Angeklagte hatte ihr neugeborenes Kind auf grausame Weise getödtet. Sie verscharrte es lebendig im Grabe ihrer Mutter. Als sie das Kind aus tarn Grabe schreien hörte, stampfte sie die Erde fester, dann verließ sie das Grab und ging davon.
Die mexikanische Ratio nal-Bahn beabsichtigt angeblich inVerbindung mit den von Harriman controllirten Linien einen neuen Verkehrsweg zwischen der Hauptstadt Mexiko und St. Louis herzustellen. Die Züge der National-Vahn würden demnach nicht mehr in Laredo Anschluß an die Jnternationcl - Bahn machen, sondern direkt nach Alice, Texas, und von dort über die Aransaß Baß - Bahn und andere Linien nach Shreveport, La., laufen. Hier nimmt die Kansas City Southern Bahn den Zug aus und bringt ihn nach Fort Smith, von wo aus er über die Geleise der Frisco-Bahn nach St. . Louis führt. Die American Federation of Labor" verfügt, dem Jahresbericht des Präsidenten Gompcrs zufolge, gegenwärtig über die stattliche Mitgliederzahl von 1,700,000; die durchschnittliche Mitgliederzahl, für welche während des Berichtsjahres Kopfsteuer bezahlt wurde, ist mit 1.465,800 angegeben. Im Gegensatz zu diesen enormen Zahlen steht die nur 56.000 betragende Summe welche für Streikzwecke ausgegeben wurde; damit ist jedenfalls bewiesen, daß die Federation nicht zur Ermuthigung für Streiker wirkt, fondern zur Verhinderung von Ausständen, so weit dies irgend möglich ist. Darauf weist auch der Gomper'sche Bericht hin. ..In einer der WZerkstätten der amerikanischen Fensterglasfabrik in Jeanette, Pa., wurden 1000 Arbeiter durch die Aufstellung einer neuen Maschine ihres Verdienstes beraubt, und nur die Hälfte war im Stande, wieder Arbeit zu finden. Eine Anzahl dieser Arbeiter hat sich jetzt entschlössen, eine Fabrik zu gründen, welche nach dem Cooperakivplane betrieben werden soll. Die Kosten der Errichtung der Fabrik sollen sich auf 5100.000 belaufen. Greensburg und Jeanette, Pa., bewerben sich um die Anlage. Ein Theil der entlassenen Arbeiter hat in den Cooperativgenossenschaften des westlichen Ohio und Pennsylvania wieder Arbeit gefunden. Ueber eine Vergiftung durch kupferhaltige Austern wird aus Newark, N. I., berichtet: Stadtchemiker Herbert E. Baldwin hat die Gesundheitsbehörde darauf aufmerksam gemacht, daß sich Austern, welche Kupfer enthalten, im Handel befinden. Ein Dienstbote Baldwin's erkrankte an dem Genuß roher Austern und als Baldwin einige derselben untersuchte, fand er, daß sie Kupfer bis zu 1-3 Gran enthielten. Der Händler, der die Austern verkauft hatte, erklärte, dieselben kämen von Keyport. Das Kupfer rührt wahrscheinlich von den zahlreichen Fabriken in der dortigen Gegend her. Die Austern hatten gelbliche Flecken und schmeckten stark nach Metall. WieausDesMoines, I a.,, berichtet wird, ist Fräu Harin R. Van Horn von dort plötzlich eine der acht Erben des $10.000,000 Nachlasses don James Schallcnberger, einem Orcgoner Kapitalisten, geworden. Schallenberger starb kürzlich, ohne ein Testament zu hinterlassen. Die Nachlaßverwalter erließen einen Aufruf an etwaige Erben und ein junger Mann erschien, um die Millionen für sich zu beanspruchen. Frau Van Horn und mehrere ihrer Verwandten, die in der Nachbarschaft von Galesburg. Jll.. groß 'gezogen worden waren, hörten von Schallenbergers Ableben und war es ihnen eine Kleinigkeit, ihre Rechte für den Nachlaß festzustellen und zu beweisen. Der deutsche Club in Saloniti. dessen Haus vor einigen Monaten bei den Bombenattentaten mit der Banque Ottomane in die Luft gesprengt worden war, hat nunmehr neues Terrain im dortigen fränkischen Viertel erworben. Mit dem Bau eines Vereinshauses wird in nächster Zeit begonnen werden. 25,000 Francs sind durch Anteilscheine geze chnet. Der Club soll von nun an deutschem Sckuk unterstellt werden. Ein in seiner Ar t wohl einzig dastehender Eonsumverein ist auf der Station Buchatu der Ostchinesischen Bahn auf Anregung des Stationschefs von den Beamten und Agenten der Eisenbahn gegründet worden. Von den verschiedenen Methoden, die zur Erlangung von Waaren angewandt werden, soll besonders eine angeführt werden, die sich ausnehmender Beliebtheit erfreut. Kommt ein Güterzug an, so commandirt der Stationschef Fünf Kisten mit Eiern sind für den Eonsumverein abzuladen!" Der Befehl wird erfüllt, und die Eier werden unter die Mitglieder des Vereines vertheilt. Fehlt es an Fischen, so ertheilt der Stationschef den Befehl, von dem nächsten Zuge sieben Kisten mit Fischen abzuladen, und dem Mangel ist abgeholfen. In besonders dringenden Fällen scheut sich der Verein auch nicht, ganze Waggons für seine Bedürfnisse loskuppeln zu lassen. So
n?urde z. B. am 30. Juni auf Befehl des Gehttsen des Stationschefs ein von Charbin nach Hailar bestimmter Waggon mit Zucker zurückbehalten und der Zucker gleich an Ort und Stelle an einen Kaufmann verkauft. Diese Art, über fremdes Eigenthum zu verfügen, war zu eigenartig, um nicht die Aufmerksamkeit der Obrigkeit zu erregen. Sie griff ein, beschlagnahmte den verkauften Zucker und traf Anordnungen, um ähnlich Operationen für die ZuI kunft unmöglich zu machen.
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