Indiana Tribüne, Volume 27, Number 84, Indianapolis, Marion County, 28 November 1903 — Page 4

Jttdmna Tribüne, 28. November 1903.

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Zndiana Tribüne HkrauZgeAtbrn von der utderg ? Indianapolis, Ind.

Kany O. Thudium t Präsident. GeschöftSlocal: No. 31 Süd Delaware Straße. TELEPHONE 269. n ered at the Post Office of Indianapolis as second dass matter. Cuva und der Bnndessenat. Zur Ratisication des neuen Necipro citätsvertrageS mit Cuba mar die Ex trafession des llongreffeS einberufen worden. Nahezu einstimmig hatte das Revräsentantenhaus kurz nach seinem Zusammentritt die Vortage angenommen; nur 21 Stimmen waren dagegen abgegeben worden, 11 republikanische und 10 demokratilche. Somit schien die Angelegenheit un mittelbar vor ihrem Abschluß zu stehen. Da hat sich aber wieder der Bundes senat vorgenommen, sich die Angelegenheit noch einmal gründlich zu über. legen; er will in der Extrasession nichts weiter in der Angelegenheit thun und erst am 12. December, in der regel. mäßigen Session, über die Vorlage abstimmen. Wozu aber diese neue VerzögerungTaktik ? Soll die Vorlage als Mittel dienen, um dnrch sie die Annahme anderer Maßregeln zu erzwingen ? Oder will der Senat nur wieder einmal beweisen, daß seine Wege so unberechen bar sind, wie des Schicksals ? Im demokratischen CaucuS hatten verschiedene Senatoren verlangt, daß die cu banische Vorlage dem Finanzcomite als Tarifbill zugestellt werden müsse. Sollten sie sich mit Hintergedanken tragen und die Abstimmung über die Vorläge nur deshalb bis zur Extrasession verschleppt haben, um diese Wünsche im Senat geltend zu machen ? Allem Anschein nach würden sie damit wenig Erfolg haben, da auch der demokratische (5aucus von diesen Vorschlägen nichts wissen wollte. - Voraussichtlich wird die Verschleppung der Vorlage deren Annahme nicht verhindern können. Das wird dann ein bedeutender Sieg der Roosevelt'schen Administration sein, die beständig einen zähen Kampf gegen die Feinde dieser Vorlage in beiden Häusern deS Eon gresseS zu kämpfen hatte. Der ZuckerTrust hatte eine ungewöhnlich starke Lobby nach Washington geschickt, durch welche die Opposition gegen den Ver trag mit Cuba immer von Neuem gekräftigt wurde. Der starken Politik deS Präsidenten und seinen ernsten Mahnungen scheint eS wirklich gelungen zu sein, die Anschläge der Gegner der Vorläge zu durchkreuzen. Die Demotraten kamen zu der Einsicht, daß eS ihnen in der nationalen Wahlcampagne des nächsten Jahres vorgeworfen werden würde, wenn sie den Einflüsterungen der Vertreter deS Zucker-Trusts überhaupt Gehör schenkten. Diese nämlichen Gründe werden Voraussichtlich in der regulären Session die endgültige Annahme des RatificationSverträges bewirken. Jetzt, da der Handel mit Cuba wahrscheinlich bald eine bedeutende Belebung erfahren wird, ist eS von erhöhtem Interesse, einen Blick auf die commerciellen Verhältnisse des Insel zu werfen. Ihr auswärtiger Handel im Jahre 1896-97 belief sich aus 550,000,000. Im Jahre 1902 auf 8125,000,000; im Kalenderjahre 1903 wird er auf S150.000.000 geschätzt. Im Fiscaljahre 1902 führte Cuba 439,000 Tonnen Zucker nach den Ver. Staaten aus. Im Fiscaljahre 1903 für mehr als 813,000,000. Der ExPort von Ananas hat sich ln einem Jahre verdoppelt, die Ausfuhr von Erz und Holz nimmt gleichfalls in rascher Weise zu. Seit 1889 bis 1903 ist Cuba's Zuckerexport von S19.000.000 auf 530,000,000 gestiegen. Tabak von 521.000,000 auf S25,000.000. Eisenerze, Asphalt u. f. w. von $500, 000 auf S2.000.000. Früchte von 5800,000 auf S1.900.000. Alle Pro dukte von 55,000,000 auf $65,000,. 000 im Jahre 1902, mit einer höheren Zisser für dieses Jahr. Der Handel mit Großbritannien vermehrte sich in der nämlichen Zeit um 100, der mit Deutschland um 150 Prozent. Allem Anschein nach wird Cuba nach Abschluß des Vertrages ein guter Markt für unsern Ausfuhrhandel werden. Man muß eS anerkennen, daß die Insel seit ihrer UnabhängigkeitS'Erklä

rung die Probe gut bestanden hat. Allenthalben herrschen geordnete Zustände; die Ruhe ist nicht gestört wor den. Die neue Administration tntfaltet ein gutes Verwaltungstalent; sie hat auch nach außen nirgends Anstoß erregt und die Bevölkerung ist zufric den. Durch den neuen Vertrag wer den augenscheinlich alle wirthschaftlichen Interessen der Insel sehr innig mit unseren eigenen verknüpft werden. Man sollte nicht vergessen, bei Zeiten die Theaterkarten für nächsten Montag zu belegen. Um 11 Uhr Feierabend so wollenS die Mucker und die Administration ist fein folgsam. Diesmal sollten die freunde der Theaterbewegung alle Hebel ansetzen, um am nächsten Montag Abend das English Opera House bis zum letzten Plotz zu füllen. Die St. ouiser Scbausplelertruppe, welche' am nächsten Montag

Abend hier spielt, sollte von jedem Deutschen gesehen werden. Sie besteht aus echten Künstlern. ' Wie der Hanna'Boom der Nepublikaner macht sich ein Boom der Demokraten für Hearst bemerkbar. Hearst wäre gar kein übler Candidat und jedenfalls ein ernster Gegner der jetzigen Cliquen. Das örgednik der Wahlen zum preußischen Abgeordnetenhause liegt jetzt erst vollständig vor. Aus der Wahlurne sind hervorgegangen: Con servative 148 (gegen 144 in der letzten Legislatur - Periode); Freiconservative 54 (58); Centrum 97 (100); National, liberale 79 '(75); Freisinnige VolksPartei 23 (20); Freisinnige Vereinigung 8 (10); Polen 13 (13); Dänen 2; Bund der Landwirthe 2; Antisemiten 2; Fractionslose 5. Es sind demnach äußerst geringe Veränderungen gegen früher vorgekommen und Ueberraschungen hat die Wahl eigentlich überhaupt nicht gezeitigt. Interessant ist es, daß die Socialdemokratie gänzlich leer ausgegangen ist. In mehreren Wahlkreisen, in wel chen die Entscheidung zwischen den Liberalen u. den Conservativen schwankte. unterstützten die Socialisten die conser vativen Candidaten, worüber die live ralen Blätter natürlich höchst wüthend sind. Die Socialisten zwangen den Freisinn, den Kampf nach zwei Fronten zu führen, wodurch die Kräfte der Volks Partei und der Vereinigung zerspittert wurden. In zahlreichen Bezirken trieben die Socialisten Ovstructionspolitik. Sie wollten das Zustandekommen des Wahlactes verhindern und verhöhnten und peinigten die Wähler der bürger lichen Parteien. Das; gerade jetzt General Leonard Wood sich in die glückliche Lage versetzt findet, einen großen Sieg Über die Mo roZ zu melden, sieht doch etwas gar zu verdächtig aus. Die Moros sind schon verschiedene Male unterworfen worden, auf friedlichem und kriegerischem Wege, daß man kaum verstehen kann, wie abermals fünftägige heftige Kämpfe vorhergehen konnten. Auch sind die Kabelberichte naturgemäß viel zu knapp bemessen, um anzudeuten,- wie groß eventuell der persönliche Antheil des famosen Generals an den erzie'ten Er folgen war. Aber wir wollen las Beste hoffen und jetzt wenigstens annehmen, daß er sich seu.e Tapferkeits-Medaille vor dem Feind wirklich verdient hat. Damit ist eine interessante kleine Geschichte verknüpft. An der Verfolgung deS Apachenhäuptlings Geronimo nahm auch ein junger Militärarzt Namens Leonard Wood Theil und kurze Zeit lang hatte er freiwillig da? Kommando einer Jnfanterieabtbeilung übernommen. da es an Offizieren mangelte. In seinem Bericht wollte ihn der Kom mandeur der Expedition dafür beloh nen uno hob rühmend den Eifer her vor. den der jnnge Doktor bei jener Gelegenheit, wo stündlich ein Znsammenstoß mit dem Feinde zu erwarten war, dargelegt habe. Fast ein Menschen alter später erhielt der inzwischen General gewordene Dr. Wood die TapferkeitSmedaille, die nur wegen vor dem Feind bewiesener Bravour verliehen werden soll, obwohl er thatsächlich an keinem Gefecht theilgenommen hatte; man mußte bis auf jene Periode zurückgreifen, um einen Vorwand zu finden, da derpanifche Krieg beim besten Wil len keine Gelegenheit zur Verleihung der Auszeichnung gegeben hatte. Hof fen wir also, daß jetzt wenigstens uns die Post melden wird, der Herr General habe sich noch nachträglich die Me daille verdient. Freilich ist unsere Hoff nung nicht sehr groß Wenn sich der außerordentlich geschickte Rellamegene ral wirklich persönlich ausgezeichnet hätte, wüßten wir das längst. N. Y. Staatszeituug.

Behörde für öffentliche Werke.

Mehr Licht! Die Behörde für öffentliche Werke beschloß gestern, die Sun Vapor Light Co. in Canton, O.. welche bekanntlich die Straßen-Vaporlichter in unserer Stadt liefert, schriftlich aufzufordern. ihr BeleuchtungS'System zu ändern. Denn zahlreich sind die Klagen, die täglich üöer diese Lichter aber auch über die electrischen einlaufen. Allgemein herrscht die Anficht vor, daß die Lichter die ganze Nacht hindurch brennen sollten, allein da jedes Licht nur ein bestimmtes Quantum GaS per Tag erhält und da es bisher Brauch gewesen ist, die meisten Lichter schon Nachmit tags um 2 oder 3 Uhr anzuzünden, sind dieselben in den Nachtstunden nach 1 oder 2 Uhr bereits erloschen. Die Behörde verlangt, daß dieser Uebel stand beseitigt werde. Gleichzeitig möchte fie von der Compagnie eine genaue Liste aller Lichter haben, damit bessere Controlle über dieselben geführt werden kann. An den Ingenieur verwiesen wurde ein neuer Kick bezüglich der Verdesserung der 32. Straße durch den Con tractor Geo. Keßler. Ferner wurde auf Antrag des Ingenieurs der Con tractor John E. Sullivan, der bei, der Verbesserung der Hoyt Avenue, von State bis Shelby Straße, nicht allen Contract-Bedingungen gerecht gewor den war, aufgefordert, außer seiner regulären Bürgschaft noch eine $150 Garantie für die gründliche Besserung der Fehler zu stellen. Der StraßenCommissär berichtete, daß die Steinstufen am Süd Illinois Str.-Tunnel derart ausgetreten find, daß sie bei Schnee oder Eis nur unter LebenSgefahr benutzt werden können. Er wurde beauftragt, fie zu repariren. Endgültigbestätigt wurde die Resolution betreffend Oeffnung der DorcaS Str. bis zu einem Punkte 70 Fuß westlich der Plum Str. Ferner die Asseßment Umlagen für: Cementirung der S. und Rinnsieine an der Dunlop Str., von East bis Madison Ave. ; Backpeinpfl. der 2. Alley östlich der Caft Str , von New York bis Miami; Kiespfl. der 1. Alley nördlich der' New York Str., von Oriental bis zur 1. Alley östlich; sowie die corrigirte Asseßment Umlage für Cementirung der Sw. und Rinnsteine an der 36. Straße, von Illinois bis Pennsylvania. Vice-Prüs. DaviS von der JndplS. Water Co. beschwerte fich darüber, daß städt. Straßen Arbeiter infclge von Gleichgültigkeit oder Rücksichtslosiezj eine Anzahl von Hydranten der Co. zerstört hätten. Die Beschwerde wurde an den Straßen'Commissär verwiesen. DiealteKlage. Ex-Stadtrathsmitglied Wm. Knight stattete der Behörde einen Besuch ab, um nachzufragen, ob die Jnterurban Cars, welch: - über die Shelby Str.Linie laufen, nicht gezwungen werden können, innerhalb der Sradt zur Auf nähme etc. von Passagieren anzuhalten. AuS jener Gegend sind zahlreiche Klagen über diesen Uebelstand laut gewor den und die Behörde wird sich in allernächster Zukunft mit dieser Angelegen heit befassen. Grundeigenthums Uebertragungen. Anna E. Smith an Mary C. Frost, LotS 279, 280, 441 und 442 in Light Bellevue Add. S3,000. Julia H. Glidden u. A. an AmoS P. Keeport u. A., Lot 53 in Wiley & Martin'S Subd. von Outlot 10 u. A. S1.300. John Kiefer an John W. Miller, Lot 479 in Spann & CoZ. 2. Woodlawn Add. Sl,700. Cdmond P. Ervin an Albert C. Kimberlin, Lot 10 in Bruce'S Subd. in Theil von Bruce's Add. S1.000. Die beste 5 Cent Cigarre in der Stadt, Mucho'S Longfellow-. Mehr Wirthschaften geschlossen. Der unermüdliche städt. Licensen-Jn-spector Maurice schloß gestern John Heinlein's Wirthschaft an der Mich!, gan Road und Canal, Bellevue", da der Besitzer keine städt. LicenS vorweifen konnte; ferner eine in Verbindung mit Pfister'S Grocery an der Süd Meridian Str. südlich von der Gürtelbahn, betriebene Wirthschaft. Gotttied Leukhardt. .Die gemüthliche Ecke," Ecke Noble und Market Str

9 todte Meer Australiens. Die geographische Forschung hat sich in Australien während der letzten Jähre eingehend mit dem seinem Umfang nach gewaltigen Eyre - See beschäftigt und festgestellt, daß diese Wasserfläche vcm Standpunkt der geologischen Geschichte als geographischer Mittelpunkt des Erdtheils betrachtet werden muß. Kann sie jetzt als ein todtes Meer bezeichnet werden, so war sie ehemals nicht nur der AusgangsPunkt der Vcrtheilung des ganzen australischen Flußnetzes, sondern stand auch in Verbindung mit den vier Hauptgebieten Jnneraustraliens: dem großen artesischen Becken von Queensland, dem alten Plateau von Westzustralien, dem großen Tiefland des südlichen Australiens und der Seenplatte, die sich östlich bis zum Darling erstreckt. Die V:deutung deS EyreSees ist keine geringe in Rücksicht auf bie Thier-. Pflanzen- und Bolkerkunde. da seine ganze Umgebung ehemals außerordentlich bewaldet und bevölkert gewesen sein muß. Professor Gregory, der bedeutende Geologe, ver seinerzeit zum Leiter der englischen Südpolarerpedition bestimmt war. zum allgcmeinen Bedauern der Fachkreise aber zurücktrat, hat das Becken des EyreSees in voller Ausdehnung bereist und nennt es das todte Herz Australiens". Es ist ein echtes todtes Meer mit stagnirenden Gewässern ohne Strömungen und mit völlig öden, unfruchtbaren Ufern. Dk Gründe des Wechsels, der sich hier im Lauf der geologischen und klimatischenGeschichte Australiens vollzogen hat. müssen in den BodenverSchiebungen gesucht werden, von denen die Oberfläche des Erdtheils betroffen wurde. Das ganze Flußsystem. das früher von diesem Gebiet ausging und die Wasserfläche des Eyre-Sees mit einer reichen, lebensvollen Umgebung versah, wurde dadurch gestört, daß sich der Boden des Beckens senkte, bis er nur zwölf Meter über dem Meeresspiegel gelegen war. Dadurch wurde dem Gewässer die Möglichkeit derschlössen, nach außen hin einen Abfluß zu behalten. Außerdem sind die ehemals reichlichen Regenfälle so viel selteuer geworden, daß die früher üppige Vegetation der angrenzenden Landstriche vollkommen verschwunden ist. Känguruhs und andere Veutelthiere. Krokodile und Fische, kurz: alles, was dort lebte, einschließlich des Menschen, ist zu Grunde gegangen oder ausgewandert. Die außerordentlich starke Verdunstung, der die Wasserfläche unter der Wirkung des Sonnenbrandes ausgcskkt ist. überwiegt die Zufuhr des frischen'Wassers durch die Niederschläge durchaus, so dzß sich die früher im Wasser kam merkliche Salze bedeutend angehäuft haben. D.s träge, schlammig Salzwasser, das sich, kür das Auge endlos über eine Fläche von fast 10,000 Quadratkilometern ausdehnt, gewährt von seinen öden Ufern aus den Anblick der trostlosesten Wüste, während der kundige Forscher noch heute überall Spuren einer ehemals üppigen Lebewelt entdeckt.

Die Kölner Blumcnspiclc des Iah rco um. Die Literarische Gesellschaft in Köln ladet wiederum die deutschen Dichter und Dichterinnen ein, sich an dem am 1. Mai 1904 in Köln stattfindenden poetischen Turniere zu betheiligen. Die Einsendungen sind bis zum 15. Januar an Hofrath Dr. Fastenrath in Köln zu richten. Jede Einsendung muß ein Kennwort haben, das auch auf einem den Namen und Wohnort des Verfassers enthaltenen verschlossenen Briestimschlag anzubringen ist. Die fünf Stiftungspieise sind: natürlich? Blumen mit gestickter Schleife und daZ Nccht. die Blumenkönigin zu wählen, für den Dichter des besten Liebesgedich. teS; ein goldenes Veilchen für das best: religiöse Ccdicht; eine goldene Sternblume für das beste Vaterlandsgedicht; eine goldene wilde Rose für die best: Novellette in Vers oder Prosa, die den Raum eines Feuilletons nicht üb?rschreiten darf; eine goldene Nelke für ein humoristisches Gedicht in kölnische? Mundart. Dr. Ernst Henrici-Balti-more hat einen Becher für das beste singbare deutsche Lied im Volkston gestiftet. Voraussichtlich werden noch der König von Spanien einen Preis für das beste deutsche Naturgedicht und die Stadt Kö'n wieder einen si'bernen Ehrenpokal dem Verfasser des besten Gedichtes über einen Stoff aus der Köinisch.'n Geschichte oder Legende spenden. Ueber den Brand des Alpenorte? Basött im Taminerthale wird noch folgendes berichtet: Das Dorf, das aus ärmlichen Holzhäusern bestand, ist dem Boden gleich, nur von der Kirche stehen die Mauern. In zwei Stunden war alles eingeäschert; die Bewohner konnten nur das nackte Leben retten. Sechzehn Wohnhäuser und achtzehn Scheuzen verbrannten; viele Familien sind obdachlos. Gerettet wurde so gut wie nichts; zum Theil mußten die Vewohner halbbekleidet flüchten. An ein Löschen war nicht zu denken. Zu dem Brunnen mitten im Ort zu gelangen, war der Hitze wegen unmöglich; Hydranten fehlten in dem Dörfchen, das abseits jedes Verkehrs liegt. Der Anblick kurz nach der Katastrophe war furchtbar; rauchende Trümmer und verkohlte Thierleichen allerorten, überall Leute, die vor ihren Heimwesen weinend standen ' .

Zehn Jahre russischer Wirth schaftopolitik. Seit der politischen Kalistellung des früheren allmächtigen Finanzministers Witte mehren sich auch in Rußland die Stil'.'.men. welche dessen WirthschaftsPolitik schärf verurteilen. Nachdem kürzlich die Russkija Wiedomosti" die 'crcängnißvllm Folgen des russischen rotektionssystems geschildert haben, dringt jetzt die angesehene russische Zeitschrift Wjestnik Jewropy" (Europäischer Bote") einen Artikel, in welchem die Resultate der Finanzwirthschaft Rußlands während der letzten zehn Jahre einer scharfen, aber sachlichenKritik unterzogen werdcn.Für uns sind die Ausführungen des russischen Autors um so interessanter, als sie vollauf bestätigen, daß die russische Finanzwirthschast nach außtn sehr ersolgrcich erscheine, daß aber dieser Nimbus auf Kosten der russischen Produktivstände erreicht werde. Wir citiren aus bcm2D3jestmt Jewropy" was folgt: Unter dem Finanzminister Bunge wuchsen unsere Ausgaben, infolge unaufschiebbarer Erfordernisse, schneller als die Einnahmen, während bei den beiden folgenden Ministern die umgekehrte Erscheinung zutage trat und in der Verwaltungsperiode Wyschnegradskis eine Zunahme der ordentlichen taatsausgaben beinahe aufhörte. Im Jahre 1892 begann S. I. Witte seine Thätigkeit damit, daß er eine Reihe neuer Steuern projektirte und die alten erhöhte. Mit dem Jahre 1893 wurde die Gewerbe- und Jmmobilicnsieuer erhöht, die Spiritusakzise Ver-brauch-abgabe (um 75 Kop. pro Wedro), die Bierakzise, die Naphtaakzise (um 20 Kop. pro Pud) und die Zündholzakzise ; es wurde eine Ergänzungssteuer von 2 Rubel pro Pud Tabak eingeführt und die Patentsteuer der Tabakshandlungen um 50 Prozent erhöht. Mit dem Ende des Jahres 1893 wurde schließlich die Zuckerakzise auf Raffinade um 40 Kop. pro Pud erhöht. Im folgenden Jahre traten eine weitere Erhöhung ver Zuckerakzise um 35 Kop. pro Pud ein und wurde die Wohnungssteuer verwirklicht; mit dem Jahre 1895 wurde mit der Verwirklichung des Branntweinmonopols begonnen, und 1898 erfolgte eine Reform und Erhöhung der Handels- und Gewerbesteuer. Im Jahre 1900 wurde zur Deckung der Ausgaben für den chinesischen Krieg die Spiritusakzise um 1 Rubel pro Wedro .und die Branntweinakzise gleichfalls um 1 Rbl. pro Wedro erhöht, die Maischsteuer um 10 Kop. pro Wedro gesteigert und der Preis für Banderolen an Schnapsflaschen verdoppelt; die Tabaksakzise wurde um 2 Rbl. pro Pud erhöht; außerdem wurden die Zölle auf' hundert verschiedene Artikel, darunter auf so wichtige Gebräuchsgegenstände wie Baumwolle und Kaffee, um 10 bis 50 Prozent erhöht. Obwohl die chinesischen Wirren längst vorüber sind, wird an eine Aufhebung dieser temporären" Erhöhungen nicht gedacht. Dank vem fortwährenden Anziehen der Steuerschraube hat das FinanzMinisterium es erreicht, daß das ordentliche Budget mit großen Ueberschüssen abgeschlossen werden konnte. BeiWyschnegradski betrugen die Ueberschüsse der ordentlichen Einnahmen über dieAusgaben durchschnittlich etwa 60 Millionen jährlich; unter der Aegide S. I. Wittes stiegen diese Ueberschüsse auf 160 Millionen. Ungeachtet der vorsichtigen" Aufstellung des Budgts für die Ausgaben der Ministerien (mit Ausnahme des Budgets des Ministeriums des Innern und des Finanzministeriums) wurde die Hälfte dieser Ueberschüsse durch die Eisenbahnen verschlungen, deren Bau gerade zui Beseitigung des Defizits mit einer fieberhaften Eile betrieben wurde. Die Fortsetzung der früheren Eisenbahnpolitik erscheint aber für die Zukunft insofern unmöglich, als nach Angabe des früheren Finanzministers die Besteucrung der Bevölkerung ihren höchsten Standpunkt erreicht hat. der sich nicht gut überschreiten läßt. Die Steuerlast ist derart schwer geworden, daß sich der Bauer ihr nicht mehr gewachsen zeigt. Dafür legen die enormen Steuerrückstände der früheren Gutsbauern das beste Zeuaniß ab. die vom Jahre 1880 von 26 Millionen Rubel auf 40 Millionen Rubel im Jahre 1901 gestiegen sind. In einem noch viel traurigeren Zustande befinden sich die Loskaufszahlungen, so daß in den letzter. Jahren die Frage betreffs einer völligen Aufhebung derselben ernstlich ventilirt worden ist. D.iß dieser Gedanke auch in Regierungskreisen erörtert worden ist. zeugt davon, daß man zur Erkenntniß gelangt zu sein scheint, daß .er russisch? Bauer keinerlei direkte Steuer mehr tragen kann."

Der französische Dichter und Komponist Maurice Vollinat ist aestorben. In der Kongreßbibliot h e k befinden sich etwa 2200 Bücher, die von farbigen Personen geschrieben sind. Die meisten Autoren sind Mulatten. Die richtigen Neger haben so weit eigentlich nichts fertiggebracht. entsetzliches Gewerbe. Gegen 1000 Kinder getödtet hat eine Engelmacherin zu Tarutino in der rufsischen Provinz Kaluga. Es handelt sich um eine Bäuerin Namens Murakina. Seit vielen Jahren wurden ihr Kinder in Pflege gegeben, die regelmäßig starben. Die Mörderin ver brannte die Kinder.

Erenzel iros., No. 1 W. Washington Str (Merchanr National Bank.)

Ein europäisches Depattment. Wechsel, Creditbriefe und Postanweisungen auf alle Städte Europas. Schiffsscheine "Ä" An und verkauf ausländischen Geldes. .Die.. Ini!ana Trut Company Capital.. 81,000,000.00 Ukberschuk... 200,000.00 Das Spar Departement Wenn mehr Leute wüßten wie die ersten zniei oder drei Eintrage in einem Spar-öuch den Eigenthümer anregen mehr zu machen, bis die Gewohnheit regulärer Ersparnisse ein Vergnügen und ebenso eine Klugheit sind, weniger Leute würden ohne Dach sein, wenn der unerwartete Regentag" eintritt. !essnet ein Conto heute. Office: Jndiana Trust Gebäude, Ecke Washington Str. und Virginia Ave. Ncdcblüthcn. Unlängst gaben sich zahlreiche Vür germeister Oesterreichs indem kärntnerischen Städtchen Villach ein Stelldichein zum zweiten österreichischen Städtetag. Wie bei vielen Versammlungen großeren Stils, so trieb auch diesmal der Schalk sein Unwesen. Unter anderem leistete sich ein Bürgermeister aus Deutschböhmen folgenden Satz: Meine Herren, wenn die Zeit kommt, wo die Schüler Tinte und Feder wegwerfen" Ein Abgeordneter meinte wieder, daß man in dieser Frage der Regierung klipp und klar auf die Zehen treten müsse," wogegen ein Bürgermeister Niederösterreichs der Ansicht war, daß diese Angelegenheit der springende Punkt sei, den man annageln müsse, damit er herabfalle von den Höhen, in denen ihn die . Regierung festgeheftet habe." Ein Gcmeindeoberhaupt aus Tirol hielt die Verhandlungen des Städtetages nicht für sehr werthvoll; er behauptete, er werde sich recht kurz fassen, da die Herren ja ohnehin das Referat und die ganze Sauce in Händen haben. Blutiges Familiendrama. Die 19jährige Bäuerin Katharina Jurczyk in dem russischpolnischen Dorfe Losien ermordete jüngst durch Veilhiebe ihren Ehemann, der krank im Bett lag. Die Leiche schleppte sie alsdann in den Pferdestall, weil sie' den Anschein erwecken wollte, ihr Mann sei von den Pferdehufen erschlagen worden. In dem Stalle hatte an demselben Tage noch der Bruder des Ermordeten zu thun und entdeckte das Verbrechen. Die Jurczyk war vor, zwei Jahren, entgegen ihrem Willen, an Jurczyk verheirathet worden, der bedeutend älter als sie und von abschreckender Häßlichkeit war. Er galt für reich," weil er ganze sechs Morgen Land besaß. Rachdreimonatiger Ehe war die Jurczyk ihrem Manne entflohen und nach Sosnowitz in Dienst gegangen. Als er sie von dort zurückholte, drohte sie ihm, sie würde sich mit Gewalt von ihm befreien, falls er sie nicht freigeben würde. Er blieb aber taub gegen jede Drohung, und so führte sie ihren schlimmen Plan aus. Krumme Praktiken. Unsaubere Dinge bei der Vergebung städtischer Arbeiten sind in Potsdam entdeckt worden. Es handelte sich um Legung einer Rohrleitung in der Berliner Vorstadt, die an den Mindestfordernden vergeben werden sollte. Unter den Bewerbern befand sich nun der Inhaber einer Firma, dessen Vater lange Jahre Stadtverordneter war. Dieser stellte sieben Mitbewerbern Wechsel über je 500 Mark aus, die er ihnen zahlen wollte, wenn er die Arbeit bekäme und sie ihm durch Herabdrückung des Preises nicht das Geschäft illusorisch machten. Die städtischen Arbeiten wurden indessen an einen anderen Unternehmer vergeben, der Stadtverordneter ist, und die enttäuschten Wechselempfänger hielten nun nicht mehr reinen Mund, so daß die Sache auch der städtischen Verwaltung bekannt wurde. Diese hat nunmehr den Beschluß gefaßt, in Zukunft den betreffenden Unternehmer bei der Vergebung städtischer Arbeiten auszuschließen.

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