Indiana Tribüne, Volume 27, Number 80, Indianapolis, Marion County, 24 November 1903 — Page 5
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Die beiden Ztratymänncr. Humoreske von Frhrn. v. Schlicht. Oberst von Klugmann trat in daZ Negimcnisbureau, in dem der Adjutant schon fleißig über den Akten saß: Guten Morgen, Baumbach." Guten Morgen, Herr Oberst." Der Commandeur vertauschte den guten Ueberrock mit einem solchen minderer Garnitur, zündete sich seine Cigarre an, setzte sich auf seinen Platz und sah mit Schrecken auf den großen Haufen Briefe, die dort aufgestapelt lagen. Um Gottes willen, Baumbach, muß ich die alle lesen?" Der. Adjutant schüttelte den Kopf. Ungefähr nur ein Drittel, Herr Oberst. Was irgendwie von Bedeutunz ist, liegt hier links, den Inhalt der anderen Schreiben habe ich hier auf diesem Zettel zusammengefaßt." Das Militärkabinett lohne es Jhuen," meinte der Oberst, ich kann es Ihnen nur danken. Weiß der Himmel, da werden jahraus, jahrein endlose Ukasse über die Vereinfachung des Schriftverfahrens losgelassen, und trotzdem werden wegen jeder Bagatelle endlose Bogen vollgeschmiert, na, ich kann's auch nicht ändern." Nach einer guten halben Stunde legte er endlich den letzten Brief mit einem Seufzer der Erleichterung bei Seite: Gott sei Dank Schluß. Was gibt's sonst Neues?" Außer der Rettung desKindeslrnrch einen der beidenStrathmänner nichts." Der Oberst sah seinen Adjutanien mit großen Augen an. Wer hat ein Kind gerettet? Davon weiß ich ja gar nichts!" Haben der Herr Oberst die Morgenzeitung nicht gelesen?" erkundigte sich der Adjutant. Die Sache ist sogar fett gedruckt." Fettgedrucktes lese ich prinzipiell nicht," meinte der Oberst. Durch besonderen Druck hervorgehoben werden nach meiner zwanzigjährigen Ersahriing als Zeitungsleser nur solche Noiizen, die am nächsten Tag widerrufen werden. Na, und was soll man sich da erst über eine Sache aufregen, wenn man sich vierundzwanzig Stunden später wieder abregen muß, das ist mehr als Zeitvergeudung. Aber bitte, was ist das für eine Geschichte, die Sie mir da andeuteten. Wo ist die Zeitung?" Der Adjutant legte das Morgenblatt vor den Commandeur hin, und dieser las die blau angestrichene Stelle: Vom sicheren Tode des Ertrinkens gerettet wurde gestern Nachmittag ein neunjähriger Knabe, der beim Spielen in den gerade um diese Zeit stark angeschwollenen alten Vurggraben gefallen war. Der Knabe, der schon zweimal untergetaucht war, wäre rettungslos verloren gewesen, wenn nicht im letzten Augenblick ein des Weges kommender Osficier ohne sich zu besinnen in voller Uniform dem Knaben nachgesprungen und diesen mit eigener Lebensgefahr gerettet hätte. Der Name des Heldenmüthigen Officiers ist Leutnant Strat'hmann; welcher der beiden Brllder es ist, vermögen wir leider nicht anzugeben." Und so 'was erfahre ich erst jetzt, Vaumbach. wie ist das möglich?" Der Adjutant zuckte die Achseln: Ich weiß auch nur, was hier in der Zeitung steht und habe es auch erst Heute Morgen erfahren. Meine Erkund!gungen, die ich sofort einziehen ließ, ergaben, daß die Notiz auf voller Wahrheit beruht." Der Oberst nahm die Zeitung noch einmal zur Hand, dann sagte: Wi,en Sie, Baumbach, der Strathmann hat sich da tadellos benommen, selbstverständlich müssen wir den Mann eingeden, er verdient die Rettungsmedaille. Der alte Festungsgraben mit seiner verhältnißmäßig starken Strömung und seinem schlammigen Grund ist ein ganz niederträchtiges Wasser; wenn es einer wagt, da auf gut Glück hineinzuspringen, so ist das eine Heldenthat, die die höchste Belohnung verdient. Und sie soll ihm werden, an meiner wärmsten Befürwortung soll es nicht
fehlen. Welcher Strathmann ist es ge-, r rv ........ S. "-;i,'?' iützn, luilz uuzi tfiigs Ich weiß es nicht. Herr Oberst." Der Oberst traute seinen Ohren nicht. Was? Das wissen Sie nicht? Ich denke. Sie haben sich erkundigt?" Das schon." erwiderte der Adjuiant. Ich bin vorhin auf dem Kasernenhof gewesen und habe die beiden Brüder gefragt. Der Fritz sagte, Franz wäre es gewesen, und Franz sagte, es wäre Fritz gewesen." Da hört sich denn doch alles auf," schalt der Oberst. Wenn's nicht beide waren, und einer war es doch nur, dann kann es doch auch nur einer gewesen sein." Der Adjutant war derselben Ansicht. und er hielt damit nicht hinter dem Berge. Einer ist es natürlich nur gewesen, aber ich glaube, es wird schwer sein, wenn nicht geradezu unmöglich, herauszubekommen, welcher von beiden es war." Das werden wir ja sehen," schalt der Oberst. Das wäre ja noch besser." Es macht auf mich den Eindruck, als wenn die beiden Brüder sich ihr Wort gegeben hätten, über den ganzen Vorfall zu schweigen." Aber was sollte denn das für einen Zweck haben?" fuhr der Oberst auf. Dieser That braucht sich doch weiß Gott der Betreffende nicht zu schämen, und der andere kann doch sehr stolz darauf sein, einen solchen Zwillingsbruder zu haben."
Das schon," meinte der Adjutant, aber dem einen, mag er nun Fritz oder Franz heißen, wird es vor dem Brüder peinlich sein, die Nettung vollbracht zu haben, er wird sich sagen, wenn die Sache bekannt wird, so wird über mich gesprochen, und der andere stebt zurück. Und erst wenn ich aar delorirr werce.
und der andere nicht! Ich will nichts hröen, was ich mit dem Bruder nicht theilen kann, ihm zu Liebe will ich darauf verzichten. Und aus dieser Gesinnung heraus wird der eine Bruder den anderen Bruder gebeten haben, nicht zu sagen, daß er der Retter ist, und der andere Bruder wird dem einen Bruder sein Wort gegeben haben, darüber zu schweigen." Das ist ja Unsinn." fuhr derOberst auf. Ich meine natürlich nicht, was Sie da eben sagten, im Gegentheil, das hat sehr viel für sich, das sieht den beiden Brüdern sogar sehr ähnlich, aber herausbekommen werde ich es doch, wer es war. Ich will natürlich die Brüder nicht zwingen, wortbrüchig zu werden, aber es gibt ein sehr einfaches Mittel, den Netter zu finden Und das wäre?" fragte der Adjutant neugierig. Wir lassen einfach den Knaben holen und stellen ihn den beiden gegenüber. Der wird schon sagen: Der da ist es"." Verzeihung, Herr Oberst," entgeg nete der Adjutant, der Herr Oberst vergessen, daß die beidenZwillingsbrüder sich so ähnlich sehen " daß ich schon oft mit dem einen grob geworden bin, wenn ich den andern meinte. Ja, ja, ich weiß." Der Commandeur kratzte sich nachdenklich hinter den Ohren: Wissen Sie Baumbach, es ist ja ein unendlich liebenswürdiger Zug unseres obersten KriegsHerrn, daß er die Einstellung der Zwillingsbrüder, die ihm schon im Corps aufgefallen wärest, in ein und dasselbe Regiment befahl. Aber unpraktisch ist es, scheußlich unpraktisch, wenigstens für Vorgesetzte, man kann die beiden thatsächlich nicht auseinandsr halten, so was von niederträchtiger Aehnlichkeit ist überhaupt noch nicht dagewesen." Der Oberst hatte recht, die Aehnlichkeit der Zwillingsbrüger, die im Regiment kurzweg die beiden Strathmänner" genannt wurden, war einfach lächerlich. An Größe, Gestalt. GesiHlsform, Farbe der Augen und Haare, in der ganzen Haltung, kurz in allem glichen sich die beiden Brüder so vollständig, daß man bei ihrem Anblick dersucht war, den alten Lehrsatz: Es gibt nicht zwei Dinge auf der Welt, die sich vollständig gleichen," anzuzweifeln. Und wie sie sich in ihrem Aeußern glichen, so auch in ihrem Wesen, in ihrem Charakter, sie hatten dieselbenGewohnheiten, dieselben Tugenden und dieselben Fehler. Sehr häufig wirkte das belustigend, zuweilen aber auch sehr langweilig für die Kameraden, denn wenn Strathmann Franz keine Lust hatte, einen Skat zu spielen, hatte Strathmann Fritz auch keine, und wenn man vergebens den Versuch gemacht hatte, Strathmann Fritz anzuborgen, konnte man mit tödtlicher Sicherheit darauf schwören, daß Strathmann Franz auch kein Geld hatte. Natürlich waren die beiden Brüder unzertrennlich. sie wohnten zusammen, sie waren sich gegenseitig die besten Freunde, und jeder war jeder Zeit bereit, für den andern alles zu thun, nie gab es eine Spannung oder ein Zerwürfniß zwischen ihnen Der Oberst hatte mit dem Zeitungsblatt in der Hand lange nachdenklich dagesessen, nun schlug er plötzlich mit der Faust auf den Tisch: Und ich krieg' es voch heraus, wer es war! Ich befehle den beiden einfach, die Wahrheit zu sagen, und mache sie darauf aufmerksam, daß Belügen eines Vorgesetzten auf Befragen in dienstlichen Angelegenheiten streng bestraft wird." Verzeihung, Herr Oberst, erlaubte sich der Adjutant zu bemerken. Der Herr Oberst äußerten vorhin, die beiden Brüder nicht zwingen zu wollen, wortbrüchig zu werden." Ach so ja. richtig," und ärgerlich biß sich der Commandeur auf die Lippen. Na, da muß ich es auf eine andere Art und Weise herausbringen. Bitte, veranlassen Sie das Weitere, ich wünsche heute Mittag zwölf Uhr die Herren Officiere in beliebigem Anzug im Kasernenhof zu sprechen."Und um 12 Uhr waren die Herren zur Stelle. Alle hatten die Zeitungsnotiz gelesen, alle umringten die beiden Brüder, um zu erfahren, wer von ihnen es gewesen sei, die aber hatten sich, genau wie der Adjutgnt es vorausgesagt hatte, gegenseitig ihr Wort gegeben. zu schweigen, und aus ihnen war nichts herauszubekommen: Franz sagte Fritz" undFritz sagte Franz", und dabei blieben sie. Da erschien der Commandeur und alle warfen den beiden einen Blick zu. der da deutlich sagte: Nun paßt mal auf. der wird schon Licht in die Sache bringen, dem gegenüber hilft euch eure Bescheidenheit doch nichts. Meine Herren," begann der Oberst, ich habe Sie zu mir gebeten, um mit Ihnen eine Sache zu besprechen, die Ihnen wohl .schon aus der Zeitung bekannt sein dürfte, trotzdem gestatte ich mir. Ihnen die Notiz noch einmal vorlesen zu lassen. Bitte, Baumbach, lesen Sie." Und Baumbach las. Meine Herren," fuhr der Oberst fort, ich brauche es wohl nicht erst zu betonen, dafc diese Tbat eines wackeren
Officiers nicht nur diesen selbst.sondern das ganze Officierccrps ehrt, das Regiment ist zu einem solchen Osficier zu beglückwünschen, er ist ein leuchtendes Vorbild nicht nur für die Kameraden, sondern auch für die Unterofficiere und Mannschaften, die mit Bewunderung und Stolz auf ihn blicken und sich geloben, in ähnlichem Falle dem Beispiel ::. o m r.j.i. i. ... 5?
u)izä üotgqcijicn nauuuiiicu. Wahrend der Oberst n diesem Sin ne weitersprach, beobachtete er scharf die beiden Strathmänner. Die standen beide da n strammer Haltung, die Augen fest auf den Commandeur gerichtet, aber wenn dieser geglaubt hatte. in den Zügen des Betreffenden zu lesen, daß er der Retter sei, dann hatte er sich geirrt. Beide wurden nicht nur gleichzeitig, sondern auch gleichmäßig roth und verlegen, der eine für sich selbst, der andere für den Bruder, keiner verrieth: Ich bin es, und keiner verrieth: Ich bin es nicht. Und nun, meine Herren," schloß der Oberst, sagen Sie mir, wer von Ihnen hat die wackere That vollbracht?" Wer zuerst den Namen des andern nennt, will damit das Verdienst von sich selbst abwälzen, und wer zuerst spricht, ist es ohne Zweifel gewesen," calculirte derOberst schlauerweise, aber so schlau, die Gedanken des' Oberst zu errathen, waren die Brüder auch und so schwiegen sie unisono. Der Oberst wurde nachdenklich, aber herausbekommen wollte er es schon, so hielt er den beiden eine lange Rede, in der er dem einen vorwarf, zu bescheiden zu sein, dem andern aber den Vorwurf machte, trotz aller Bruderliebe doch nicht brüderlich zu handeln, wenn er den Bruder nicht namhaft mache, damit diesem die verdiente Belohnung zutheil würde. Aber da der Oberst in diesem Falle nicht wußte, wer d:r eine", und wer der andere" war, so ging die Rede nicht recht zu Herzen und der gewünschte Erfolg blieb aus. Wieder versank der Oberst in tiefes Nachdenken, da sollte der Kuckuck einen Ausweg finden. Aber mit einem Male glättete sich seine Stirn, und eitelSon nenschein flog über sein Gesicht: Ich hab's, ich hab's," rief er, nun werden wir gleich wiss wer es war. Meine Herren, die Sache ist so lächerlich einfach, daß ich selbst nicht begreife, wie ich erst jetzt darauf komme." Er wandte sich an den Adjutanten: Bitte, Vaumbach, nehmen Sie sich einen Mann mit und gehen Sie in die Wohnung der Herren Leutnants und sehen Sie bitte in beiden Schlafzimmern genau nach. Sie werden dort den Rock und die Beinkleider finden, die derHerr gestern trug. Sie können noch nicht wieder ganz trocken sein, und selbst wenn sie es sind, so werden doch irgend welche Spuren des Wassers zurückgeblieben sein. Na, und haben wir erst die Uniform, dann ermitteln wir auch sehr schnell den Besitzer derselben." - Das leuchtete allen sehr ein, und der Adjutant machte sich auf den Weg. DieStrathmänner wohnten nur wenige Minuten von der Kaserne, entfernt, in einer kleinen Viertelstunde konnte der Adjutant bequem zurück sein, aber diese kurze Frist deuchte allen wie eine Ewigkeit, jeden Augenblick sahen die Herren erregt nach der Uhr, und der Oberst trippelte, sich nervös die Hände reibend, auf und ab. Die einzigen, die ihre Ruhe nicht einen Augenblick verloren, waren die beiden Brüder, sie sahen sich nur mit einem leisen Lächeln an, das da deutlich sagte: Wer uns aushorchen will, der muß das viel schlauer anfangen. Und endlich kam der Adjutant zurück, aber die Ordonnanz, die er sich mitgenommen hatte, folgte mit leeren Händen. Wo ist die Uniform?" fuhr der Oberst ihn erregt an. Haben Sie sie nicht gefunden?" Das schon, Herr Oberst." Herrr, warum haben Sie sie dann nicht mitgebracht?!" Ich hielt es für zwecklos, Herr Oberst." Mit starren Augen blickte der Commandeur seinen Adjutanten an: Ich verstehe Sie nicht, bitte, erklären Sie sich deutlicher." Und unter feierlicher Stille sagte der Adjutant: Es hingen zwei Anzüge zum Trocknen vor dem Ofen." Bezeichnend. Eine Menge Irrenärzte wohnen hier in der Gegend!" Ja ja, es kommt je einer auf drei Klaviere!" Frech. Richter: Ich verstehe nicht, wie Sie diesen gutmüthigen Menschen so übers Ohr hauen konnten!" Gauner: Na, Probiren Sie's doch einmal bei 'nein Gerisseneren!" E i n O P t i m i st. Student (in seine Stammkneipe tretend, wo eine Schaar Studenten versammelt ist): Wer von euch kann mir zwei Mark pumpen, aber schreit nicht azt so durcheinander." EinVerschwender. Chef (zum Schreiber): Was? Sie wollen auf drei Wochen in die Sommerfrische gehen? So 'n Luxus! Wo Sie doch alle Tage umsonst in den Stadtgarten heruntersehen können." Unverfroren. Ich bedauere, mein Herr, aber Ihr Einkommen kann in keiner Weise hinreichen, meiner Tochter eine standesgemäße Position zu schaffen." Wie glücklich bin ich. daß Sie zu dieser Erkenntniß gelangt sind ich bin derselben Meinuna, deswegen bin ja eben hier."
Galante Hallunken.
Die Schönheit der Frauen Schanghai's ist sprichwörtlich, so schreibt die Schanghai Preß", und ein neuer Beweis dafür wird durch die Macht, die sie über zwei europäische Einbrecher ausübte, geliefert. Eine junge Dame fand um Mitternacht in ihrem Anklei dezimmer zwei Einbrecher. Sie wurde aber weder ohnmächtig noch schrie sie. Sie qina ruhia in das Zimmer, sprach friedlich mit den Männern und fragte, was sie wünschten. Die Antwort lautete, daß sie die feste Absicht hätten. daS Haus auszurauben. Darauf sagte sie den Männern, Stehlen wäre ein Unrecht und fragte weiter, ob sie, die Männer, durch Hunger gezwungen worden wären, einzubrechen und zu rauben. Ohne die Antwort abzuwarten, gebot sie ihnen, zu bleiben, wo sie wären, damit sie etwas zum Essen holen könne. Die Dame verließ darauf das Zimmer, ging in die Speisekam mer und kam mit kaltem Geflügel und je wirter Flasche Bier für jeden Gast zurück. Während sie aßen und tranken, plauderte sie ruhig mit ihnen. Als dann jedoch der Bruder der Dame heimkam, wollte er die Polizei holen; aber die Schwester, die nie vorher Einbrechcr bewirthet hatte, hielt es für grausam, so nette Menschen einzusperren. Sie durften also frei fortgehen, und die Dame fand ihre Belohnung darin, daß einer der Männer, nachdem ör sich höflich verbeugt hatte, sagte: Wir danken Ihnen, Fräulein! Wir hätten nicht fliehen können, wenn wir auch gewollt hätten wir waren durch Ihre unvergleichliche Schönheit gefesselt; als Sie das Zimmer betraten, erstrahlte alles wie von Diamanten . . . ." Von anderen galanten Spitzbuben lesen wir zwei artige Stücklein in einer Wiener . Zeitung: Eine vielgelesene Pariser Tageszeitung enthielt dieser Tage ein Inserat: Fräulein , die im Vestibül des Palais Royal-Thea-ter einen Türquisenring verloren hat, wurde durch die Rückstellung der drei wcrthvollen Brillanten erfreut, aber der Ring selbst ist in den Händen des Finders zurückgeblieben, dessen Signalement man kennt, und der gebeten wird, ihn gegen Entschädigung gleichfalls abzugeben. Zwei Tage später brachte ein Pariser Sportblatt eine Annonce: Sonntag wurde in Long champ eine Brieftasche aus Krokodilleder, Papiere und Geld enthaltend, verloren. Der Finder möge die Banknoten behalten und gegen eine Belohnung von 200 Franken Tasche und Dokumente beim Portier des Hotels abgeben. Mair wird keine weitere Frage an ihn richten." Die Verlustträgerin des Ringes erhielt statt des .Werthgegenstandes ein Poem, in welchem der Finder oder Dieb 'in schwungvollen Versen ausdrückt, daß er eine viel zu große Verehrung für Fräulein , die große Künstlerin, tm pfinde, um einen Ring, den sie getragen, wieder herzugeben. Er würde sich von dem Ring nur in dem Falle tren.nen. wenn die in Aussicht gestellte Entschädlgung seiner Wahl überlassen bliebe. Der andere Verlustträger erhielt einen Brief des Inhalts: Geehrter Herr! Ich kann der Verlockung nicht widerstehen, auf Ihr liebenswürdiges Anerbieten einzugehen. Sie haben ein Portefeuille verloren, ich habe es gefunden ich liebe die delikaten Umschreibungen sonst könnte ich sagen: Ich habe es in Ihrer Tasche gefunden! Ich empfand sofort die Befriedigung zu erkennen, daß Sie ein Mann von Welt und ein reicher Mann sind. Nebenbei: Wir haben zusammen in einem und demselben Restaurant soupirt. Ick, von Ihrem Gelde natürlich. In Ihrer Brieftasche fand ich aber noch zwei Briefe von Madame M. W. A. Ich habe das Monogramm und das Parfüm des bläulichen BriefPapieres erkannt. Ich habe den Inhalt gelesen und könnte Ihnen als Grapholog Auskünfte geben, aber das will ich mir nicht herausnehmen. Ah. welcher Stil, welche Noblesse des Ausdruckes! Wie sie Sie liebt und wie Sie sie lieben dürfen! O. wer so glücklich wäre wie Sie! Was die Belohnung von 200 Franken betrifft, so erlauben Sie mir wohl darauf zu verzichten. Das wäre so viel wie Bettel. Ich bin arm, weil mein theurer Vater mir nichts hinterließ, aber Brot, wie das angebotene, esse ich nicht! Lieben Sie jenes Weib, machen Sie es glücklich!" Man sieht wenn man nicht sehr ungläubig ist daß Paris die Stadt ist. in der es wirklich Spitzbub?n von Welt giebt. Er schnitt nicht tief genug. Verfehlter Selbstmord-Versuch Bert. Mayfield's. Wegen häuslichen Trubels, d. h. weil er sich mit seiner Frau gezankt etc. hatte, versuchte gestern Nachmittag der im Hinterhause von No. 719 Chadwick Str. wohnhafte 26-jährige Bert. Mayfield. sich mit einem Rasirmesser den Hals 'abzuschneiden. Allein er erreickte seinen Zweck nicht. Wohl brachte er sich eine klaffende Wunde am Halse bei, schnitt auch eine Pulsader an, doch brachte er sich keine unbedingt tödtliche Wunde bei. Er fand Pflege im städt. Hospitale.
Durch einen Vergleich erledigt. Vor einiger Zeit veklagte Bertha Young' die Straßenbahn-Gesellschaft und die Indpls. Union Bahn Co. auf Zahlung von 515.000. Am 2si. Nov. v. I. war sie allein an Bord einer StraßenbahN'Car, als dieselbe an der Southeastern Ave. da Geleise der Gürtelbahn Passiren wollte. In dem-
selben Augenblick wurde die Car sowohl an der östlichen wie an der westlichen Seite von Rangir.Locomotiven ge troffen. Der Conducteur der Car und einer von den Bremsern wurden auf der Stelle getödtet, während Frl. Voung erheblich verletzt wurde. Ihre Klage sollte var Richter Leathers zur Verhandlung gelangen, wurde jedoch an das Kreisgericht von Johnson County, welchem Richter Buckingham präsidirt, transferirt. Sein GerichtskreiS umfaßt auch Brown County, und er setzte die VerHandlung auf einen Tag an, in wel chem er dort und zwar in Nashville Gericht abhalten würde. Brown County besitzt nicht nur keine Eisenbahn, sondern ist auch im ganzen Staate wegen der Beschaffung seiner Landstraßen verpönt. Den Anwälten der beiden Corpo rationell standen förmlich die Haare zu Berge, als sie hörten, daß der Fall in Nasbville verhandelt werden sollte. Sie steckten die Köpfe zusammen und kamen zu dem Beschlusse, daß es besser wäre, einen Vergleich abzuschließen, als sich den Gefahren der Landstraße von BroDn County auszusetzen. Nach einer Auseinandersetzung mit dem Ver treter der Klägerin kam es hierauf zu einem Vergleiche, indem die beiden Ge sellschaften sich, bereit erklärten, derfelben $3000 zu zahlen. Gestern wurde die Klage in Richter Leather's Tribunal, an welche? dieselbe zurückverwiesen worden war, in diesem Sinne erledigt. tS" Versucht BarkeeperS Friend Metall-Putzpomade. Bei Apotbekern. Ein Liebesroman, dervor ungefähr dreißig Jahren' zwischen einem Weißen und einer Indianerin begann, ist jetzt durch eine Heirath zum Abschluß gebracht worden. Er ist 60 Jahre alt und sie 55. Vor Kurzem beerdigte er eine Frau, sie hat jedoch schon vier Gatten zur letzten Ruhe bestattet. Zuletzt, hieß die Frau. Elisabeth Doztater, sie war eine geborene Cornelius, und stammte aus einer der angesehensten Häuptlingsfamilien der Oneidas. Sie war nacheinander verheiraihet mit Skenandoah, Doxtater. Abrams und Doxtater und lebte in Tepecs" auf der zwanzig Meilen von Appleton. Wis.. entfernten OneidaNeservation. George Allen, jetzt ein angeschener Farmer in Freedom, Outagamie County, Wis., war der Sohn eines typischen Iankees. der aus dem Osten in Wisconsin eingewandert war. um sich in der Wildniß als Pionier ein neues Heim zu gründen. Vor dreißig Jahren verliebten sich Allen und die Indianerin, aber er durfte sie nicht heirathen, weil sein Vater drohte, er werde ihm die Farm von 160 Acres nicht geben, wenn er seinem Willen entgegen die kleine Rothhaut zu seinem Weibe mache, und gehorsam dem Besehle des Vaters, verband er sich mit einer Frau aus Massachusetts. Vor einem Jahre starb dieselbe kinderlos. Die indianische Prinzessin heirathete auch gezwungen den Indianer, der ih rem Vater die meisten Ponies und Decken brachte und führte dessen Haushalt, wie sie später noch die drei anderen Indianer versorgte. Auch ihre Ehen blieben kinderlos. Als der letzte Gatte der Indianerin gestorben war und Allen dies erfuhr, setzte er sich mit seiner alten Liebe in Verbindung und das Resultat war die Abschließunz des Ehebündnisses. Ein internationaler Abenteurer, der ehemalige Mühlenbauer Heinrich Albert Günsch, ein wegen Betruges, Diebstahls und Landstreichens vielfach vorbestrafterMensch, ist nach Verübung unzähliger Betrügereien in Bern festgenommen worden, nachdem es ihm gelungen war, seit mehreren Jahren Deutschland, Holland, Frankreich, Serbien. Bulgarien und Rußland mit seinen Schwindeleien heimzusuchen. Bald im phantastischeu Aufzuge eines angeblichen ehemaligen Burenofficiers grüne Jaadjoppe mit Patronengürtel über ver Brust, Burenhut und die nie fehlende Büchse über der Schulter, bald im Gesellschaftsanzuge auftretend verstand Günsch es, sich in bessere Kreise einzudrängen und durch Vorträge über die heldenmüthigen Kämpfe des Vurenvolkes das Mitleid seiner Zuhörer für die Nothlage der Besiegten zu erregen. Die ihm zur Weitergabe an das zur Unterstützung der nothleidenden Buren ins Leben gerufene Comite reichlich zufließenden Beiträge fanden in ihm einen stets willigen Abnehmer, und stets schied Günsch von seinem Wirkungsfelde mit dem Bewußtsein, seine Schuldigkeit gethan zu haben, und ließ auch seine begeisterten Zuhorer mit dem gleichen Bewußtsein zu-rück.
Kurze Depeschen. 23. Novbr. Inland. O s sin i ng. N. Y G. Garmari wurde im Sing Sing.sesänaniß wegen eines Mordes durch Elektricität hingerichtet. Du n b a r , Pa. Mit einem wei. teren Gestorbenen ist die Verlustliste bei der Grudenexplosion am Samstag auf zwölf gestiegen. Washington. Nach Nach, richt an's Staatsdepartement traf in San Dontingo ein italien. Kriegsschiff ein, ein deutsches trifft aus St. ThomaS ein. SaltLakeCity. Gouv. Wells beschloß Abends die gesammte Miliz von Utah in den Kohlen-Distrikt von Carbon County zu senden, wo ein Streik herrscht. E m p o r i a . Pa. Bei einer Ni tro-Glycerin-Cxplosion in der Keyftone-
Fabrik, eine Meile von hier, kamen 2 Personen um's Leben und 15 wurden ernstlich verletzt. -4 GrundeigenthumS Nedutragungen. Silas E. SimmonS an Louis D. Singer, Lot 8 in Sboemaker & Lipptncott's Brookside dd. 51.500. Jndiana Insurance Co. an Fannie I. Cune. Lot 19 in Dickson Place Add. 82,500. John F. Wild an Jesse I. Privett, Lot 6 in Block 5 in Lincoln Park. 83,500. Josevh Miller an Gatten W. Miller, Lots 129 bis 144 und 147 bis 162 in Merritt's Place Add. $5,200. Barbara Lenker an George L. Hoelzer, Lot 10 in PickenS & Loftin'S East Washington Str. Add. 52,000. Jas. N. Munro an Fred. T. Rose. Lots 4, 5 und 8 in Munro's Add. uns Theil von Lot 16 in Block 31 in Nord Indianapolis. 81.200. Oliver Q. Barrett an John W. Heston u. A.. Lot 71 in Long & Harlan's Cottage Home Add. 83,000. James C. Parker au William R. Seitz, Lot 17 in Robson & Voorhee's Add 81,000. Antoine Wirker an Emanuel Hilton, Lot 25 und Theil, von 24 inBlöck 9 in Hubbard's Park Height'S 'Addition. 82,000. Caroline M. Malott u. A. an Lake Erie & Western R. R. Co., Theil von Ouilot 83 angrenzend an Maryland und Liberty Str. 86.000. Connecticut Mutual Life Insurance Co. an Charles L. Free, Lots 25, 26 und 27 in Block 6; Lots 6. 7 und 8 in Block 7; Lots 1, 2, 6. 7. 22. 23. 24, 25. 26 und 27 in Block 8; Lots 5, 6, 7, 8. 18, 19, 20, 21, 22, 26, 27, 39, 40. 41, 42, 43 und 44 in Block 9; Lots 12, 13, 14. 24, 25, 26, 27, 36, 37, 33 und 39 in Block 10, Lots 9, 10, 20, 21, 22, 31, 32,33, und 34 in Block 12; Lots 15, 16. 17, 18, 19, 26, 23, 30, 31, 32, 43, 41, 45 und 46 in Block 13; Lots 19. 20, 23. 29. 30 und 31 in Block 14; Lot3 5. 6, 7 und 8 in Block 15; Lots 7, 8. 9, 10, 11, 32, 33.34 und 35 in Block 16; Lots 9, 10, 11 und 12 in Block 17 in North Indianapolis. 83,000. Charles M. Clark an Martin A. Shepherd, Lot 101 in William I. Elder'S Eastern Heights Add. 82.500. Patrick F. Hebron an Mary Ring, Lot 52 in E. T. Fletcher'S Subd. in E. T. und S. K. Fletcher'S Addition. 81.750. Joseph R. Hegland u. A., an So phia Schaefer, Lot 15 inHerman Minter'S Subd. in Seidensticker & Nali ner'ö Subd. 81,200. Pennsylvania Bahnen. Danksagungstag Raten. Am 25 und 26. November werden Excursions - Fahrkarten verkauft nach allen Stationen an den Pennsylvania Bahnen, innerhalb 150 Meilen des Verkausspunktes, limitirt zur Rückfahrt bis 30. November. Ebenso Fahrkarten zum ermäßigten Preis für Studenten und Lehrer von Schulen, Universitäten und Seminaren bei Vorzeigung der gehörigen Certisikate. Manspreche-bei den Agenten vor. Vandalia Bahnen. Danksagungstag Raten. Am 25. und 26. November werden ExcursionS - Fahrkarten verkauft nach alleu Stationen an den PennsylvaniaBahnen, innerhalb 160 Meilen des Vcrkaufspunktes, limitirt zur Rückfahrt bis 30. November. Ebenso Fahrkarten zum ermäßigten Preis für Studenten und Lehrer von Schulen, Universitäten und Seminaren bei Vorzeigung der gehörigen Certisikate. Man spreche bei denAgentcn vcr.
