Indiana Tribüne, Volume 27, Number 79, Indianapolis, Marion County, 23 November 1903 — Page 7
Indianer Tribüne, 23. November 1903
Wm
Clandinc
3ommt von I d a V o h - E d k-O-O-O-OO-Ci (Fortsetzung.) lLr würde niemals um mich werden, weil er so vieles an mir einfach gräßlich findet. Er, der auf der hohen Warte steht, der ruhig und leidenschaftslos in das Getümmel der Z?it sieht, er kann es offenbar nicht fassen, daß ich mich zur Leidenschaft darüber erhitze und mit Onlel Hans streite, wobei Onkel Hans immer schnell meiner Ansicht wird, was mehr schmeichelhaft für meine Beredtsamkeit. als für Onkel Hans' politische Selbstständigkeit ist. Hier sieht es nämlich traurig aus. Bald sind sechs Wochen verflossen, an welchem Tein Albrecht uns blutend in's Haus fiel. Und schon liegt eine Atmosphäre über der Stadt, über dem ganzen pclitischen Leben! Wie nenn' ich sie doch? Ich finde nur das schlimmste aller Worte: die der Langeweile, die der Erschlaffung. Nach der Zeit der Schreier ist die der Schreiber gekommen. Ein Schrei nach Thaten ging durch die Lande, und es ist bei dem Schrei geblieden. Tie That ist nicht geschehen. Wenn ich das Wort .Parlament' lese, wird mir übel. Ich sagte neulich: wäre ich doch ein Mann! Da maß Bernhard Claudius mein sZigürchen lächelnd und guckte mir in d!e Augen ich hatte meine schärfste Brille auf und sagte: ,Sie wären gar nicht militärbrauchbar.' Mein Gott, ich bin nun einmal nicht für das Strümpfestricken. Uebrigens soll eine Maschine erfunden sein, sie zu weben, was ich als ein persönliches Glück betrachten würde. Zu einer Pastorenfrau eigne ich mich sicher nicht! Weder möchte ich für arme Leute Suppen kochen, noch sie hintragen, denn arme Leute riechen schlecht, und ich kann den Schmutz nicht leiden. Ich finde, frische Wäsche, viel Wäsche sind mit der Moral eng verwandt. Und ich kann nie ein Mißtrauen überwinden, daß solches Volk betet, um sich vom Herrn Pastor Nutzen zu schaffen. Ist denn nicht selbst Mamas Frömmigkeit ein wenig zum Mindesten in der Intensität ihrer Aeußerungen von dem Wunsch diktirt, Claudius zu gefallen? Ich werde nächstens Claudius weismachen, ich glaube an nichts und sei eine komplette Heidin, nur um ihm einmal die Auffrischung durch einen Zweifel zu vergönnen. Daß ich also mit reger Theilnahme verfolge, was um mich her vorgeht, ist ihm offenbar ein Greuel. Nun, wenn es der Wille meines Schöpfers gewesen wäre, daß ich nur unter Blumen träumen sollte, dann hätte er mich als Hindumädchen neben einem Lotosstengel geboren werden lassen, aber nicht in Berlin, nicht häßlich, mit dem Spürchen Intelligenz tm Hirn, das ich doch pfle gen muß, weil es mein einziges Gut ist. Ich kann meine Augen nicht zumachen. und ich will sie gar nicht zumachen. Darin bin ich wie in so vielem, widerborstig. Ich wiU mich erhitzen für mein Vaterland, denn ich bin eine Teutsche. Nicht nur Männer sollen sich begeistern. Frauen, die Mutter sind, sollen ihre Begeisterung auf ihre Sohne uberpflan zen. Und obzwar ich nur eine alte Jungfer werden werde, will ich mir nichts verkümmern lassen von der Kraft, zu empfinden. Das habe ich ihm neulich scharf, klar, ich fürchte sogar, schnöde, gesagt, als er Onkel Hans gegenüber bemerkte: ich hätte den kämpferischen Geist der Ahlefeld geerbt. Nachher sagte er denn, ich fane iegllche seiner Bemerkungen als provokatorische auf. Er habe mich doch nicht kranken wollen. Er schenkte mir am andernTag einen Band Gedichte. Sie sind erst im vorigen Jahr herausgekommen und von einem jungen Grafen Strachwltz. Lie beslieder, politische Gedichte, alles sehr schon, wenn auch zuweilen mit etwas zu sichtbarem Willen zur Kraft vorge tragen, an die man nicht glauben mag, weil sie so betont ist. Er hatte mir eine Stelle angestrichen: ,2??mt der gordisch? Knoten fertig ist. Schickt ctt den Alexander.' Ack, Claudine Nach dieser Zwischenbemerkung in der bequemen Sprache der Gedanken striche, noch etwas: Also ich bedankte mich schön für da Buch und den Allerweltstrost in der angestrichenen Stelle und machte mich an die Lektüre. .Sie mit ihrer Lesewuth,' sagte Claudius lachend zu Mama, .vergißt uns sofort, wenn sie etwas frisch Eedrucktes sieht. Es wäre egoistischer, ihr keine Bücher zu schenken.' 5nfe Dir. ick äraerte mich nickt einmal. In diesem Augenvlicl ichanie xq ihn beinah aerma. Ader ich veraatz oas sofort, denn mir fiel ein wunderbares Gedicht auf. Hier aus dem Gedächtniß die drei Strophen, die ich in jenem unseligen Auaenblick auch laut vorlas Natürlick mit Pathos. Das Wesen des Pathos ist ja wohl das Uebertrieben?, d. h. das über die gewöhnliche Grenze Emporgetriebene. Das kann sehr schön sein, aber auch ic-fer lacherlich wirken Kurz und gut, ich trug ihnen, d. h. der Mama und ihm, dies vor:
Ans den Knieen bete. bete. Taß der rr dich nicht zertrete, Bor dem ifarcu Ter Tartzren r dich inöctc treu bewahren, Tcuu Sibirien ist gar nah. Sieh dich um, (Ivnnar.ia! Taiz sich üist iiud 2cll vertraue. Tir lein faff das ficht verdaue, Tasz fein i'iarat XtC.) verführe llr.b dich dziül uptombristre, Temi die I'iarat? sind schon da, iabre dich, Crernicuüa! Taf; dich (ott in Gnaden Iiüte $ev5Matt du der '?lkeiiblülhe, iHÜfivnu'ljre, 2tiiii der E!?re, Xafj d:: strahlst von iW'cr ;:t Meere UiiD dein ii.;cvt sei fern und nah Und dein Sciüverl. Germania !
Mir war ganz heiß in der Arust, Du i?eiht, wenn mia) etwas .sazon erregt und völlig hinreißt, ist mir's.als brenne ein großer trockener Fleck aus der Brust unter dem Halse. Merkwürdig ucerHaupt, daß seelische Erregungen sich sofort körperlich äußern. Und als ich nun die Mama und ihn ansah, ob sie uicht auch von den mannhaften Versen und ihrem edlen Stolz begeistert seien, da sah ich Mein Gott, was kann man alles in einer Sekunde denken? Hast Du das schon einmal erprobt? Mit Blitzesschnelle ziehen Dutzende von Vorstellungen und Erkenntnissen durch die erschreckte Seele. Genua, ich tan, daß Claudius und Mama einen lächelnden Blick Wechselten. Sie mokirten sich über mich. Der künftige Stiefvater deutete sein nachsichtiges Wohlwollen an, das er mit den Schwächen dcrStieftochter haben werde. Oder der treue Freund wollte sagen: Du siehst, ich kann nicht um Dich wcrben, solange diese überspannte Tochter im Hause ist. Alles konnte rn diesem lächelnden über mich gewechselten Blick liegen. Und ich legte alles hinein. Ein wahnsinniger 3orn faßte mich. Ich schämte mich. Ich mußte irgend eine Tollheit begehen. Ich weiß nicht, vielleicht fiten ich irgend einen Schrei aus, irgend einen Wuthlaut. Ich schleuderte das Buch, das von ihm geschenkte Buch von mir. Warf es hin, ihm vor die Füße Dann brach ich in Thränen aus. Meine Füße trugen mich nicht. Ich wäre sonst davon gelaufen. Es entstand eine große Stille im Zimmer. Und ovschon sie nur zwei Minuten gedauert haben mag, kam sie mir wie eine Ewigkeit vor, und in ihr hatte ich Zeit, zur Besinnung zu kommen über das. was ich gethan. Ich hatte wie ein unartiges, albernes Kind gehandelt. Ich hatte mir eine ganz furchtbare Bloße gegeben. Und vor allen Dingen: meine Beunnungs losigkeit mußte ihm ganz unverständlich sem. Er konnte nicht ahnen, daß eine Eifersucht mich überfallen hatte, so plötzlich, so wild, daß etwas Tödtliches in ihr war. Ich entsetze mich noch in diesem Augenblick vor ihrer zerstörenoen Kraft. Vielleicht haben sie in der schrecklichen Stille mein Herz schlagen hören. Mir war wenigstens so, als ob man es ganz laut hören mune. Und ich wartete, was nun geschehen möge. Ich betete vor Mich hin: Lieber Gott gib, daß Mama schweigt. Einen Tadel von ihr hätte ich nicht ertragen. Aber noch viel weniger, wenn sie, die Gute, die Vornehme, mich vor Claudius hätte entschuldigen wollen. Kinder so!len immer kindlich bleiben. Aber er wachsene Kinder kommen doch manchmal in innerenKonflikt mit ihrer Kindlichkeit. In diesem Augenblick war meine Seele zu wund; sie wollte nicht daran erinnert sein, daß sie einer Mutter Unterthan sei. Aber Mama schwieg. Wahrscheinlich war sie so erstaunt, eine unlogische Handlung von mir zu sehen. Du weißt, sie hat emmal gesagt: Lena ist anders als ich, aber obschon ich fast immer anders handeln und sprechen würde als Lena, versteht man stets vollkommen, was sie thut und warum ste es thut. Nun, hier verstand mich Mama ganz gewiß nicht. Also ich wartete, was geschehen würde. Vielleicht haben Verbrecher ein ähnliches Gefühl, die auf ihr Urtheil warten. Da neigte er sich, Bernhard Claudius; mit einer seiner ruhevollen, beherrschten Bewegungen die mich jetzt mehr demüthigten als je nahm er das Buch auf. Er kam auf mich zu. Er hielt mir das Buch hin. Ich getraute mich nicht, aufzublicken. Da sagte er: Lena! Wenn ich Dir doch dies ,Lena' schreiben könnte. Kein Vorwurf, keine Frage, nicht einmal Erstaunen war in seinem Ton. Sondern etwas, das ich noch in keiner Mcnschenstimme gehört, wenn sie zu mir sprach. Claudine. lach' mich aus! Sage mir, oalz tcn erne Thörin mit. AVer ich glaube es war Zärtlichkeit. Nein, nicht wahr, es ist ganz unmoglich? Es kann keine Zärtlichkeit gewesm sein? Oder doch vielleicht väterliche Z'ärtlichkeit. Vielleicht hat mein Ohr das Gedächtniß für Papas Ton verloren, und es war eben so ein Ton. Aber er zwang mich aufzusehen, die- , ser Ton. Und wie ich da das kluge, edle Männergesicht über mir sah, da that ich den zweiten Wahnsinn. Ich küßte die Hand, die mir dasLuch
gab, und lief davon, gehetzt, in schreck-
llchen Aengsien. Das war aestern. Ick traue mich nicht, ihm ftitter unter die Augm zu kommen. Denn ich bm so klein geworden, so namenlos lieh. Was Hai mir nun meine .Intelligenz' genützt? Fcrl war ste. Dumm bin ich gewejen, im; ein Schulkind, das noch nicht lesen kann. Dumm wird mir im Kopf, wenn ich nun an jene Augenblicke denke. Ich schäme mich! Was das für ein Seelenzustand ist. kannst Tu ni: begreifen. Ein schmachvoller, ein elender, feiger. Und ich Hasse meine Bucher und die Politik und alles. Vor acht Tagen Hab' ich mich noch mit dem Professor Burgmeier auf Tod und Leben über den Preßkrieg gestritten, den die VirchPfeiffer und der Auerbach über .Dorf und Stadt' Haen. wobei Burgmeier das geistige Eigenthumsrecht Auerbachs m Schutz nahm und ich behauptete, da durch die Dramatistrung durch die Birch-Pfeiffer die Novelle populärer geworden und alio der Autor nicht benachtheiligt ist. Es ist mir ganz egal. Vor ein paar Tagen sagte der Prastdent von Betzow zu Mama mit einem Seitenblick auf mich: Damen mit einem Stich in's Demokratische seien unweiblich; wenn eine Frau sich schon für Politik interesstre. müsse sie konservativ sein. Worauf ich ihm bewies, daß das, was zu gewissen Zeitläuften für konservativ gilt, als es entstand, auch einen revolutionären Charakter hatte, und selbst wenn ein Kurfürst sich aus eigener Machtvollkommenheit zum König mache, sei das eine That, die Bestehendes umstoße und manchem treuenBrandenburger seiner Zeit mißfallen habe, als zu umstürzlerisch. Ach, es ist mir ganz egal. Ob es nun eine stockpechrabenschwarze Reaktion gibt, oder nicht, es ist mir ganz egal. Nur' e r soll wieder etwas besser von mir denken. Ich werde mich nie mehraus meiner Kleinheit vor ihm erheben können! Arme Lena! Wein' ihr eine stille Thräne nach, liebe Dina! Sie hat sich manchmal über Dich und Andere überhoben, weil sie ein bischen Helligkeit in ihrem Kopf zu l?aben glaubte. Sie ist bestrast, es ist aus und vorbei mit ihr. Sie liegt im Staube. So, nun habe ich Tir nichts mehr zu sagen. Mein Brief ist aus. Aber Tu möchtest wohl hören, wie alles sonst frier geht und steht? Hältst Du auf Details? Tann laß es mich wissen, und ich schreibe Dir ein andermal, mit wem sich Alice von Betzow einem dumpfen Gerücht zufolge beinah neulich verlobt haben sollte; ich schreibe Dir, was Frau Professor Burgmeier und ihre vier Töchter auf unserer lehten Theegesellschaft anhatten, was gesprachen wurde; ich schreibe Dir jeden tlemen Klatsch. Und alle Bonmots, die der König gemacht hat, und was Humboldt thut und alle unsere anderen großen Leute. Ich, die ich nicht viel von Details halte, kann Dir nur sagen. die große Contour ist immer dieselbe; es ist die der Korrektheit, und sie umschließt unglaublich viel Gefühlchen und Gedankchen. Von zwei Menschen aber wirst Du noch etwas hören wollen. Vom alten Jakob und vom Onkel Hans. Der alte Jakob zahlt die Tage bis zu Eurer Heimkehr. Er ist es nicht gewohnt geWesen, auch nur einen Tag seines Lebens von Dir und mir entfernt zu sein, und seit Du fort bist, hat er die Schranke des Respekts ein wenig durchbrochen und ist zutraulich geworden. Ich klatsche manchmal ein bischen mit ihm. Warum soll ich nicht auf seine Interessen eingehen und mich nicht mit ihm empören, daß Pröhles Hausdiener mit der Jungfer der Frau Geheimrath von Liebetreu nebenan von Liebe spricht, seit er weiß, daß sie die Jungfer etwas von einem Onkel geerbt hat? Warum nicht mit ihm darüber sprechen, daß der Tabak immer theurer und schlechter wird? Das sind nun Jakobs Sorgen. Jedem die seinen. Ich weiß wie es ist, keine Theilnahme finden für das, was einem selbst wichtig scheint. Uebrigens hat Deine Abreise ihn erst begreifen lassen, daß wir n-cht seine Herr schaft, sondern ganz einfach sein Leben sind. Dazu hat er neuerlich etwas Rheumatismus im rechten Arm, und ich hab' ihm denselben voll Pflaster geklebt. Onkel Hans läßt Dir sagen, er schriebe Tir bald einen ganz langen Brief. Und ich sage Dir, Du wirst diesen Brief nie erhalten. Onkel Hans ist noch aus den Zeiten, wo man mehr darauf h-elt, den jungen Kriegern eine elegante Teqenfuhrung als eine elegante Federführung beizubringen. Ich urchte, ich furchte, er und die One; graphie sind Todfeinde. Onkel Hans befindet sich vortrefflich. Er bildet sich ein, durch die Rolle, welche er bei Teiner Heirath gespielt hat oder gespielt zu haben alaubt. endlick in Mamas Augen eine Autorität geworden zu sein. Dies bereitet ihm ein riesiges Behagen. Uebrigens: welche kluge Oekonomie, mit seiner Anerkennung sparsam zu sein! Mama äußert sich so selten lobend Claudius und wir sind ausgenommen über einen Menschen, daß ein wohlwollender Blick von ihr schon genügt. Jemand stolz zu machen. Es war ja etwas leichter, als wir unserer zwei zum Zuhören waren bei Onkel Hans' Erzählungen. Indessen mit ihm habe ich immer Geduld! Er ist eben unser einziger, herrlicher, drolliger, unvergleichlicher Onkel Hans!
Und am Ende jetzt nock der' einzige
Mensch, vor dem ich nicht klein bin. Man braucht eben doch sein Publikum. Onkel Hans ist mein Publikum, ich bin das seine. Wenn Mama sich mit Herrn Pastor Bernhard Claudius verheirathct, dann ziehe ich mit Onkel Hans zusammen! Adieu, Clauoine! Deine Lena." Das war nun so ganz Lena. Auf zahllosen Bogen hatte sie ihre Gedanken im Zickzackflug spazieren gehen lassen, um zum Schluß jäh. trocken, bitter abzubrechen. Wenn Mama Herrn Pastor Bernhard Claudius heirathet " Es war Elaudinen, als raune ihr eine innere, prophetische Stimme zu, daß dies niemals geschehen werde. Ein langer Brief." sagte Albrecht und sah all die vielen, dünnen weißen Bogen an. die sich neben Claudinen auf dem Fensterbrett gehäuft hatten. Ob sie mir Nichts von dem Inhalt des Briefes sagen wird?" dachte er. Sie' aber schwieg und verfiel m ein tiefes Nachdenken, welches den -Nest des Tages vorhielt. Den Schluß von Lenas Brief, iyre Bemerkungen über die Burgmeier und die Betzow. sowie den Bericht über Onkel Hans hatte sie ganz vergessen. Es trat so zurück vor dem Inhalt der ersten Briefbogen. Lenas Leidenschaft für Claudius erschütterte sie tief. Wie sie die Schwesier kannte, war das ein lebenbeherrschendes, nie zu überwindendes Gefühl. Sie siebte in ihrem Gedächtniß alle Stunden durch, die sie mit Lena und Claudius verlebt, um etwas zu sinden, irgend einen Anhaltspunkt, an den sich ihr weiblicher Spürsinn klammern konnte, um zu ergründen, ob der Mann ihre Schwester, ihre Mutter oder keine von Beiden liebe. Umsonst. Claudine fühlte, daß sie ehemals zu harmlos gewesen war, um eine gute Beobachterin zu sein. Ein tiefes Mitleiden mit Lena ergriff sie. Sie konnte es nicht fassen, wie man so verschieden voneinander sein kann, wenn man doch aus einem Nest geflogen ist. Lena konnte das Freudigste erfahren, sie würde immer irgendeinen Tropfen Bitterkeit herauszuprejjen verstehen. Und sie selbst Claudine konnte das Härteste ertragen müen, sie würde immer noch einen Schimmer von Milde und Schönheit spüren. Claudine versuchte sich in Lenas Lage zu versetzen und fühlte sicher, daß sie in derselben weder unglücklich, noch ungeberdig, noch herbe sein würde. Lena wußte doch immer eines für gewiß: wenn Bernhard Claudius sie auch nicht mit der Liebe des Mannes umfing, mit einer väterlichen oder brüderlichen Liebe doch gewiß. Und war das nicht schön, "'cht entschädigend, nicht beglückend? Claudine wurde so zu einer Erkenntniß förmlich gedrängt. Es ist offenbar." sagte sie sich. ..es kommt gar nicht auf das Schicksal an, das uns trifft, nicht darauf, wie düster es ist, sondern nur darauf, wie wir es ansehen." Von der Leidenschaft ihrer Schwesier zu ihrem Gatten zu sprechen, verbot ihr ein keusches Gefühl. Keine Falte ihrer eigenen Seele hätte sie dem geliebten Mann verberaen Und ste ahnte nicht, daß ihr Schweigen dem Manne zur Qual ward. Seine Phantasie, seit Wochen immer bereit, nur Schrecken zu sehen, schuf sich ein Bild von dem Inhalt des Briefes Lenas. Sicher, dafür kannte er Claudine, sie hat nicht geklagt. Aber ihr selbst unbewußt mochte in ihren Briefen nach Hause ein Ton geherrscht haben, den die Schwester mit ihrem scharfen Verstand und dem eisersüchtigen Herzen sogleich herausgefunden und verstanden hatte. Und nun tröstete Lena die arme junge Frau. Plauderte 'ihr in ihrer kapriziösen Art allerlei bunte Geschichten vor, um sie zu zerstreuen, und Claudine wieder, nicht minder fein als die Schwester, begriff, daß man ste trösten wolle. Es wäre doch zu natürlich gewesen, daß Claudine ihm den Brief gab, ihn vorlas, wenn er heiter und amüsant war. Daß sie ihn für sich behielt, ihn so völlig beschwieg, schien zu beweisen, daß Dinge darin standen, die Alöreml kränken mußten. Vielleicht lief in Berlin gar ein Gerücht um über seinen Vater, über seine eigne Flucht aus dem Kampf. So grübelte Albrecht weiter und weiter und gerieth im Laufe des Abends in eine unfreundliche Laune. In dieser geschah es, daß er Claudine heftig anfuhr. Albrecht!" rief der ältere Brandow, der vor Schreck Herzklopfen bekam. Auch Claudine erschrak, eine Sekünde lang stieg es bitter und schmerz voll in ihr auf und ihr wurden Hände und Füße bleigewichtig. Aber eben nur eine Sekunde lang. Dann stand sie auf, ging nahe an Albrecht heran, nahm seinen Kopf an ihre Brust und drückt einen sanften Kuß auf sein dunkles Haar. Mein armer Albrecht." sagte sie leise. Er zitterte vor Beschämung und Unglück. Was lag nicht alles in ihrem Ton! Er besagte: Wie krank mußt Du sein, daß Du Dein Weib so anfährst!" Er nahm ihre beiden Hände und küßte sie wieder und wieder in leiden schaftlicber. stummer Abbitte.
In der Nacht lag er schlaflos und dachte über sich nach. War er nicht früher ein lebensfrischer, heiterer Mensch gewesen? Vielleicht gar ein liebenswürdiger? Jedenfalls einer, dem männlicher Frohmuth aus den Augen geleuchtet. (Fortsetzung folgt.) S st l in i st k: g c i st. Borsicht in Ha'.iösbral!:, ekotin Zxälle von '.Zmmoiliakcrgiktung. Die wässrige Lösung des Ammoniakgases, die beim Volke den Namen Salmiakgeist trägt, ist bei starkem Gehalt nicht ganz ungefährlich. Trotzdem wird sie für Bäder oder als Fleckenrei-
nigungsmittel Jedermann verkauft. Es ist gegen die Anwendung des Salmiakgeistes in geringen Mengen nichts zu sagen, namentlich wirken einige Tropfen davon, in's Badewasser gemischt, kräftigend und reinigend. Man darf aber doch auch nicht vergessen, daß Ammoniak ein Gift ist und daß starke Ammoniakdämpfe sowohl auf das thierische wie auf das pflanzliche Leben zerstörend wirken. Di Fälle von Ammoniakvergiftung sind uch gar nicht so überaus selten, obgleich doch stets das Ergebniß eines Zufalls, denn für einen Selbstmord ist das Gas, vermuthlich wegen seines unangenehmen Geruchs, nicht beliebt. Zu erwähnen ist noch im Besonderen die Thatsache, daß man eine Flasche mit Salmiakgeist nicht selten dazu verwendet, um Ohnmächtige oder Epileptische zur Besinnung zurückzurufen. Diese Benutzung ist zu iadeln, denn es ist vorgekommen, daß ein Epileptischer gestorben ist, weil ihm eine solche Flas'e zu lange unter die Nase gehalten wurde. Unglücksfölle durch Ammoniak '.eschehen am häufigsten dadurch, daß eine Flasche mit Ammoniakgeist zerbricht und sich nun das Gas aus der vergossenen Flüssigkeit plötzlich im Zimmer entwickelt.' Wenn derartiges im Badezimmer während dessen Benutzung vorkommt, so kann laicht ein Unglück eintreten. Es ist daher eine größere Vorsicht bei der BeNutzung und Aufbewahrung von Flaschen mit Ammoniak anzuraihen, als sie bisher gewöhnlich geübt wird. Uebrigens sollte auch jede Flasche mit solchem Inhalt eine deutliche Etikette tragen, auf der zu vermerken wäre, daß der Dampf der Flüssigkeit in größeren Mengen gi'tig ist. Gleichfalls soll'dem Verkaufe starker Lösungen von Ammoniak mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden als bisher. In Massachusetts gibt es nach statistischen Ausweisen 3459 Advokaten, 5497 Aerzte und 3737 Geistliche Spazier st öcke werden in einzelnen Ländern aus Haififchflossen hergestellt. Aus der Haut des Thier?s gewinnt mal', ein Lede.-, aus dem Schwertgriffe und andere Gegenstände hergestellt werden. An der Küste von Nicaragua sind Haifische im Ueberflusse vorhanden, und Herr Gottschalk, der Ver. Staatcn-Konsul in San Juan del Norte, glaubt, daß die Flossen. das Rückgrat und die Haut des Haifisches mit Erfolg für industrielle Zwecke in den Ver. Staaten eingeführt werden könnten. Von e:ner ireschmas ch i n e g e t ö d t e t. In Wells. Minn.. war ein junger Mann Namens Stalloch als Separator-Mann an einer Dreschmaschine beschäftigt. Er lief oben auf der Maschine herum, als er aus Versehen auf eine kleine Fallthüre trat, die nachgab, und er mit einem Bein in den Cylinder fiel. Die Maschine wurde sofort angehalten, jedoch war das Bein bereits fast ganz vom Körper getrennt. Der Tod erlöste Stalloch kurze Zeit nach dem Unfall von seinen Qualen. Die unrichtige Leiche. Als in Siour City, Ja., an dem Sarge, in welchem die Leiche von William Rogers liegen sollte, eine Todtenfeier abgehalten wurde uud die Leidtragenden dann an dem Sarge vorüberzogen, um einen letzten Blick auf den Todten zu werfen, rief Rogers' Schwiegermutter entsetzt aus: Um Gotteswillcn. das ist ja gar nicht Ro gers!" Es stellte sich heraus, daß die gleichzeitig mit einem anderen Leich name aus Jndependence abgeschickte Leiche unterwegs Mit diesem -verwechseit worden war. utne kürzlich veröffentlichte Notiz, daß wir zur Zeit keinen echten Mokka-Kaffee mehr erhalten, wird durch den Ver. StaatenKonsul zu Aden widerlegt. Darnach ist das Vermischen anderer Sorten mit Mokka-Kaffee oder das Verschiffen von Kaffee nach Aden, um von dort als Mokka-Kaffee versandt zu werden, gesetzllch verboten. Die Ver. Staaten be zogen im letzten Jahre von diesem Kaf fee 2,688,283 Pfund zum Preise von 5377.352. Zlcbcrfliillzg. Du, Voter, worum sogt man denn ,guten Appetit ober nicht auch .guten Durst?' " Weil's dös net braucht!" Zcrve Kritik. Junger Maler: Das ist meine beste Skizze!" K r i t i k e r : O lassen Sie sich dadurch nicht entmuthigen! Ein gdilsturncicr. Mama: Fritzchen, wohin willst Du denn mit dem Wecker? F r t tz ch e n : Zu Papa! Sein Bein ist eingeschlafen!"
Feuer - Signale.
i Pennshlv und Market 5 Cnglish'S Opern-Hau i east und Nlv Fork 7 Ncble und Michigan S N. Jerjey u. 2Jlafl A 8 Pine und Nvrth .y Msvkt und Pine il Vermont nahe Tast '2 31$. 8 Spritzenhaus Maff. So nah Nobl .3 2 erwart und Walnut . Jersey u Central ll. it Maff. nnd Sornell Ave c Ash vu.t 11. Etre .7 Park Av und 12 Str .6 Columbia undHillse lg High land Ave u.Pratt '.1 JUinoiS und Ct. I 43 PennZylv. und Pratt A Äendian uno 11. Stt '.5 No. S Spritzenhaus !S nahe JllinorZ ZS Senate Ave .EtSla n Illinois und Nichigan : Pe tsylvania und 14.. Senat: Ave. und 13, ;i S!o. 1 CxriZmhauA JnoAvenaheMichiga 52 Meridian und Walnut 4 California Vermont i5 Blake und New York Z6 Ind. Av. u. Et. Elair 7 City Hospital ;8 Blake und Nort? ZS Michigan und ÄgneS tl No. e Spritzenhaus Washington nahe West t Esendorf u Wash. t3 Missouri u New York 15 Meridian u Wash 16 Jllmois und Ohio 17 Capitol Av. u Wash tg Kmgan'S PorkhauS 19 Straßenbahn Ställe 28. Washington Str 51 No. 10 Spritzenhaus AllinoiS u errill ii JllinniS u kouifiana 53 West und Couttz 54 West und MeEarty 5 Senat Ave. u Henry 57 Meridian und Ray No. 4 Spritzenhaus MadisonAv.u MorriS 09 Madiion Zlv.uDunlop 1 Ns Haken LeiterhauS Eouth nahe Delawar t Penn. Merrill Delaware u. McCsrU 4 afl und WcSarty New Jersey u. MerritX 7 Lirg. Av. u Lradsha 68 Säst und Prospekt 9 Bicking und High 71 No. 11 Spritzenhaus Lir Ave. nahe Huron 72 Gast und Georgi 73 Ceda und Elm 74 Davidson u Georgi 5 önglish Av. u Pine 76 SheN'y und BateS 78 No. 3 Spritzenhaus Prospekt nahe Chclbjs 'S Flctcher Av. u Shelby 31 Market u. New Jersey 62 Tclaware und Was). 83 East u Washington 4 New Dork u.Tavidsor 65 Taubstummen Anstalt 30 Wer. Staaten Arsenal 87 Oriental und Wash. SZ Frauen-Refonnat. si No. 13 Spritzenhaus Marbland nahe Mer. 92 Meridian u. Gcsrqia. 93 Meridian und South 4 Pcni,fylv u. Louisiana 35 Virgini Ave u. Älab. 36 Hauptquartier. 97 Grand Hctcl. 93 Capital Av' und Ctl 23 No. 16 Spritzenhaus 16. und Ash. 124 Alabama und 16. 125 Central Ave und 11 126 JandcS und 15. 127 Brookside und Jupiter 12S Central Ave und 17 , 129 Delawan und 19. 131 Alabama und 11. 132 Bellefontaine und'. 134 College Ave und 9. 135 Delaware und 13. 136 Alabama und North 137 Newmann und 19. 132 College Ave und 14. 1ZS Cornell Ave und 13. 141 JandeS 19. 142 Highland Skie und 10. 143 Tecumsch und 10. 145 New Jersey and 22. (46 Aloord und 17. 147 No. 2 Spritzenhaus Hilifide Av und IS. .8 College Ave und 22. 149 College Av und 27. 152 Park Ave und 2. 15 L E u. W Bahn u. 22. 154 Ramsey Ave und 10. 156 Stoughton u Newmen 157 AtlaS und Pike. 158 Blovd und Patvvaw. 159 No. 21 Spritzenhaus Brightwood Arden und Depot 163 Brightwood und 25. 164 Rural und Bloyd 165 Ct. Clair u. eystone 167 Arsenal Ave wn 23. 163 Bellefontaine und 28. 189 Park 50 im 11 212 Capital Ave und 17. 213 Pennsvw. u.Michiaau 214 JllinoiS und 2. 215 Snit Ave und 21. ?16 Penr.svlrania und ST, 217 Sflcrtblan und 16. 218 Cacitl Are und 25, 219 Plcaiw5y und 10. 31 Utnp; und V-cLea 234 No. 14 EprizenhauS Äcnwood und 20. 35 IllinoiL und 83. im Ännctta und 5C 237 No. 9. Cprizenhzu, Udcll und Nacr 33 Udea Laddcr QorU 239 Jsabel und 27. 41 Mmdian und 24. 2ZMnols u Ct.Cla?. L43 Eldrioge und 23. SIS Wcft uud Wainut 313 Wcst und 12. 314 Howard und 16. 315 Torbct und Pa Zis Capital Ave und i?. 317 Norihwcstcrn Llve u H 318 Gent und 18. 319 Canal und 10. 324, Cerealine Oor!5 324 Vermont und Lynn 825 Bis:na?!u E7andvlea 326 No. 29 SpntzenhauS Haughville. 327 Michigan u. HolmeS, 328 Michigan u. Concord 341 West und McJnt? 412 Mcfsouri u. Mailand 413 Missouri und ihio 415 Capital Ave ofc-, 416 Missouri u entucky 417 Senate Ave . Wash. 421 P und E NundkauS W. Washington. 423 Jrrenchofpital. 424 Miy Ave u. I D uQ 425 Wash und HarriS 426 No. 13 Spntzenba W. Washington 427 Oliver und Birch 423 Oliver und Osgood 429 Nordyke und Fork 431 Hadley Ave u. MoniS 432 River Av u. MorriS 54 River Ave und Ray 435 Harding u. Big 4 R ? 436 Harding und Oliv 437 No. 19 SpritzenhrZ MorriS und Hardina. SHttH 499 Uxkyar 451 Reilner und Vctlp 452 Howard und $t 453 Mor und SappiS 456 Lambert und LelzZ 457 Nordyke Lve u. tan 0 WorkS 512 West und Ray 613 Kenwiky Avu.Merrir. 614 Meridian und Morrtk 61 Illinois nd ansät 617 MorriS und Dakots 618 MorriS und Churcy 619 Capital A. u McCar 621 Meridian und Palm 523 Pme unk, Lord 624 Madisor. Ave u Line, 526 Meridian und Belt RS 627 Carlo und Ray 628 Meridian und Anzonu 529 Meridian u. Raymond 631 Meridian u. Tk&r.. i 632 No. 17 kpritzenhtS MorriS nahe West612 McAernar.und DounH. 613 Last u. 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Highla 516 Market u 1 AK 817 Ost 6 Clair und Union Bahn Geleise. b2l Pan Handle Shc 823 Vermont und Walco 824 Wash. und State Atz. 826 Madden'S Lounge Fab 82 TuS und Dorsev 827 Wash. und BeviSe Ave 829 No. 1 Spritzenhaus Veville nahe Wichig 831 Southeaftern Zl und Woodside. 832 Wash. und Tearbor 834 Southeaftern und Arsenal AveS. 835 New Dork und Tempi 912 JLinoiS und Maryl. if JllinoiS und Startet 914 Penn, und Wask 915 Delaware ich Spezial Signale. krsten t Schläge, zweiter Alarm, Zweiten Schläge, dritter Alarm, Dritten 2 Schläge, vierte? Alarm. 1-2-1, Feuer auS und Schlauch ausgeroktt. Schlag, Wasserdruck ab. 1 Schläge, 12 Uhr Mittag. Tie bezeichnete Signal werden mir dorn Zfyucm. Wächter angegeben da an den betreffend Stratz kreuzungm keine LIarmVke? vevrecht find. Chicago und der große Nordweften via e)) ft3 fBayra Hfrernu (GT Ulakka Hawaii Vlztltpptne Inseln. Vier, tägliche Schnellzüge nach Chicago. fW Bon der Mono 47. Etr. Station, Chicago. 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