Indiana Tribüne, Volume 27, Number 79, Indianapolis, Marion County, 23 November 1903 — Page 6
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Europäische Nachrichten.
Frovtnz WrandcnDurg. Berlin. Professor Dr. Wilhelm August Freund, der nach Aufgabe seiner Lehrthätigkeit an der Universität Straßburg hier lebt und seinen siebzigsten Geburtstag beging, empfing an seinem Ehrentage zahlreiche Deputationen, Festschriften und Gratulationen von Nah und Fern. Das goldene Ehejubiläum feierten die Eheleute: Postschaffner a. D. Schoom, Kastanien - Allee 29 30: gerichtlicher Taxater August Schneider. Elbingerstraße 2, und S. Gobitz. Belsorterstraße 7. Die Feier der silbernen Hochzeit begingen die Ehepaare: Polizeibeamter Nobert Fischer. Koppenstraße 77; Fleiichbeschauer Paul Lautenschläger. Hübnerstraße 13; Schutzmann a. D. Friedrich DZubow, Prinz Eugenstraße 11; August Kraczmer, Pappel - Allee 115. und Kutscher Johann Stein, Kreuzbergstraße 9. Der in seinem Bezirk bekannte und beliebte Friseur, Heilgehilfe und Masseur Earl Hoffmann feierte mit seiner Ehefrau, der' Hebamme Emma Hoffmann, geb. Wmter. welche am 21. Februar 901 ihr 25jähriges Hebammen - Jubiläum begangen hat, sein 40jährsges Ehe-. Mieth- und Geschäftsjubiläum in seiner Wohnung. Brandenburgstraße 16. Kellner Friedrich Scheffler. der Elisabethstraße 4 wohnt, versuchte im Cigarrenladen des Hauses Tiectstraße 7 oen Musiker Tenius zu erschießen. Tenius wurde fünfmal am Arm und an der Seite getroffen. Der Thäter wurde verhaftet. Veteran A. Lindner. Friedrichsbergerstraße 22 wohnhaft, der 1839 beim Gardeschützen - Bataillon gedient hat. beging bei guter Gesundheit seinen 85. Geburtstag. Er ist noch ein Repräsentan! der ersten Schutzmannschaft. Der 6jährige Sohn des Buchdruckers Albert Brandt lief in der Tieckstraste gegen eine Droschke, gerieth unter die Näder und erlitt schwere innere Bcrletzungen. Infolge der häufigen Diebstähle, besonders an Hühnern, in der Laubenkolonie ist es Brauch geworden. Schlagfallen aufzustellen. In der Laubenkolonie Alt - Kamerun" im Gesundbrunnen ist dadurch der Wächter Martin schwer verunglückt. Beim Abscheiten des Geländes trat er in eine solche Falle, die ihm den Fuß dermaßen zerquetschte, daß er ihm im Krankcnhaus am Friedrichshain amputirt werden mußte. Bornstedt. Dem Postagenten a. D. August Nieck wurde das Kreuz des Allgemeinen Ehrenzeichens verliehen. Kladow a. Havel. Der Raddampfer Kaiser Friedrich" befand sich auf der Fahrt stromabwärts unweit des hiesigen Dorfes, als der Bootsmann eines in seinem Schleppzugr befindlichen Lastkahnes, der auf demBerdeck beschäftigt war, in Folge des heflegen Windes das Gleichgewicht verlor und über Bord fiel. Bevor ihm Hilfe gebracht werden konnte, war er unter der Oberfläche des Wassers verschwunden und kam auch nicht wieder zum Vorschein. Der Verunglückte ist der Bootsmann Rohde von Marie iwerder. P a n k o w. Ein schwerer Unglücksfall hat sich in unmittelbarer Nähe der Schönholzer Heide ereignet. Dort werden die zu den Straßenpflasterungen nöthigen Materialien mittels sogenannten Kipp - Lowries angefahren. Trotz der wiederholten Verböte machen sich nun Kinder ein Vergnügen daraus, sich an die Wagen anzuhängen. Die fünfjährige Elise Peucker von hier gerieth dabei so unalücklich unter einen der Wagen, daß ihr die scharfkantigen Eisenräder den Leib buchstäblich auffchlitzten. In hoffnungslosem Zustande wurde das Kind nach dem Lazaruskrankenhaufe geschafft. Schmargendorf. Das Fest der silbernen Hochzeit beging einer der angesehensten Bürger. MetallwaarenFabrikant Robert Schulz, Heiligendammer Straße 9, mit seiner Gemahlin. Den Beweis dafür, daß das Jubelpaar einer außerordentlichen Beliebtheit erfreut, lieferten die ihm aus allen Kreisen der Bevölkerung zutheil gewordenen Ehrunaen. S t r a u p i tz. Am Tane der Vollendung seines 59. Lebensjahres starb in seinem Schlosse hier der freie Standesherr" Ernst Graf v. Houwald. Er war 1884 durch den Tod seines Vaters in die fast 30.000 Morgen groß: Standesherrschaft Straubitz und zugleich auf den ihrem Besitzer zustehenden erblichen Sitz im Herrenhäufe gelangt. Treptow. Das Fest der silbernen Hochzeit feierte der seit 17 Jabren in der Fabrik von Kershaw beschäftigte Werkmeister Wilhelm Reinsch mit feiner Ehefrau Clementine. geb. Kriesten, Baumschulenstraße 18. W e i ß e n s e e. Das 25jahrige Jubiläum seiner Geflllgelmästerei, Wild-pret-und Bettfedernhandlung feierte Wilh:lm Groschke. Wildpark. Der bekannte Hegemeiste? Grese beging sein 50jähriges Dienstjubiläum und trat in den Ruhestand. Provinz Hstpreugen. Königsberg. Nach längerem Leiden starb hier im Alter von 61Jah ren der Kreisschulinspektor des Land--krelses Königsberg Jodtka. Er wa: über 25 Jahre Geistlicher, zuerst sei.' 1871 in westpreußische.t Diaspora-Ge-meinden und seit 1884 in Krem'.tten.
Kreis Wehlau. Vor sechs Jahren wurde Jodtka Kreisschulinspektor. Braunswalde. Bei der Abbaubesitzerin Wittwe Hanowski brach Feuer aus, welches bei heftigem Winde das ganze Gehöft, Wohnhaus, Schuppen. Stallungen und Scheune mit der ganzen Ernte und dem Inventar vernichtete. Der Sohn der Wittwe kam in den Flammen um, auch verbrannten zwei Pferde der dort einquartirten Dragoner. D a g u t s ch e n. Infolge einer Verwechslung trank der Altsitzer Martin Hillgruber aus einer Flasche Essigessenz statt Branntwein. Der Tod trat bald darauf ein. Fried land. Ein Unglücksfall ereignete sich in der hiesigen Dampfschneidemühle. Der Arbeiter Frank, welcher an der Hobelmaschine beschäftigt war, gerieth mit dem rechten Arm in's Getriebe. Dem Unglücklichen wurden die Hand und der Unterarm abgeschnitten. Guttstadt. Wegen andauernder Kränklichkeit trat die Lehrerin Fräulein Pivolin nach 28jähriger Amtsthätigkeit an der hiesigen Mädchenschule in den Ruhestand. N e i d e n b u r g. Das Wohngebäude und die Stallungen des Bäckermeisters Kalwa brannten vollständig nieder. Die Feuerwehr mußte sich darauf beschränken, die benachbarten Speicher der Kaufleute zu retten. DaS abgebrannte Gebäude sollte Zwangsweise versteigert werden. P i l l k a l l e n. Durch das Flugfeuer eines Strohhaufens gerieth eine von mehreren Familien bewohnte Instkathe in Szaken in Brand. Bei der Hitze griff das Feuer so schnell um sich, daß die von der Feldarbeit heimgekehrten Krei'schen Eheleute ihr iy Jahre altes Kind nicht mehr zu retten vermochten. Das Kind kam in den Flammen um.
Serpentinen. In einem unbewachten Augenblick fiel das Söhnchen des Besitzers Josupiet in den hinter der Scheune befindlichen Teich und ertrank. Takten. An's Land geschwemmt wurde bei der Ziegelei Schönberg die Leiche des Arbeiters Michael Gebarreck. Derselbe war Arbeiter auf dem Schleppdampfer Anna". Er wollte mehrere Flöße zusammenkoppeln, wobei er kopfüber m s Wasser stürzte und unter das Holz kam, so daß es ihm nicht möglich war. sich an die Oberfläche zu arbeiten. zrsvtrrz Westpreuhen. D a n z i g. Dem Besitzer des Cafe Grabow in Neugarten ging beim Entladen eines Revolvers die Waffe los. Die Kugel traf das Buffetfräulein 5Urschnik in die linke Brustseite. Die Verletzte starb kurz nach der Einlieferung in das Krankenhaus. Grabow machte dem Staatsanwalt persönlich von dem Unglückssall Anzeige. B r e s i n. In einem Tümpel auf dem elterlichen Hofe ertrunken ist das 2jährige Söhnchen des Besitzers Nitz. C i ß. Ar dem Gehöfte des Besitzers Fielbrandt brach Feuer aus. Das Wohn- und Stallgebäude, sowie die Scheune mit Inhalt wurden ein Raub der Flammen. Fast die ganze Ernte ging verloren. Graudenz. Der Laboratoriumsgehilfe der Versuchsstation der Landwirthschastskammer für WestPreußen. Johann Czoppack, beging sein 25jähriqes Dienstjubiläum in der Anstalt. Außer einem ansehnlichenGeldgeschenk empfing der Jubilar seitens seiner Behörde eine bronzene Medaille nebst Diplom sowie von den Kammerbcamten einen schönen Tafelaufsatz. Groß -Peterwitz. Das neunjährige Töchterchen Emma des Mühlenbesitzers Wildgrube spielte in unmittelbarer Nähe der imGange befindlichen Windmühle. Hierbei wurde das Mädchen von einem Windmühlenflügel erfaßt und stürzte aus beträchtlicher Höhe auf den Erdboden. Die Verletzungen waren so schwer, daß das Kind bald darauf starb. Kulm. Zwei halbwüchsige Burschen s' ielten mit einem geladenen Tesching, wobei der etwa 13jährigeSchulknabe Kuschewski dem etwas älteren Maurerlehrling Modykowski eine Kugel in die Brust jagte. Der Verletzte wurde nach dem Kloster der Barmher'iqen Schwestern geschafft, wo er starb. Mär kisck-Fried land. -Woh-nungs-und Wirthschaftsgebäude des Tischlermeisters Kastner und desSattlermeisters Mielke in der Langenstraße brannten nieder. Der Brandschaden ist durch Versicherung gedeckt. Marienburg. Das 50jährige Meisterjubiläum beging der SchuhmarfimrmftVr Friedrich Vaulowski. Eine Deputation der hiesigen SchuhmacherInnung beglückwünschte den Jubilar und überreichte ihm einen vom Vorstände der Schuhmacher - Innung gestifteten Pokal und einen vom Bund oeutsckier Schuhmacherinnungen" gestifteten Ehrenmeisterbrief. P r a u st. Die Tochter des Arbeiters Dombrowski wurde von einem Wagen überfahren und sofort getödtet. S m i r d o w o. Im Alter von 78 Jahren starb die durch ihren wohlthatigen Sinn in weiten Kreisen beliebte Frau Oöeramtmann Roaqenbau. ' Provinz sommern. Stettin. Dem Rechnungsrath Jacger wurde der Rothe Adlerorden vierter 5lasse und dem Hauptsteueraintssckretär Wendeler der Kronenorden vierter Klasse verliehen. A n k l a m. Arbeiter Knopp und der Former Otto geriethen in einer
Bierstube in Wortstrett. Als der schwächliche Former sich auf dem Nchhausewcg befand, lauerte ihm der Arbeiter auf und bearbeitete ihn mit einem Messer; in Brusthöhle, Arm und Rücken erhielt Otto unzählige Stiche. Die Arbeitskleidung wurde ganz zerfetzt. Der Schwerverletzte wurde verbunden und in seine Wohnung ge-schafft.
Frauendorf. Superintendent Lic. theol. Carl Hoffmann, Pastor hierselbst, starb im 68. Lebensjahre. Hosfmann wirkte als Geistlicher im Orient, zuletzt in Jerusalem, wo ihn der preußische Kronprinz, spätere Kaiser Friedrich, gelegentlich seiner Palästinareise kennen lernte. Auf des Kronprinzen Veranlassung wurde ihm dann das hiesige Pastorat übertragen, das Hoffmann lange Jahre in herzlichem Einverständniß mit seiner Gemeinde verwaltet hat. Greisswald. Dem akademischen Oberförster, Wagner, ist der Rothe Adlerorden dritter Klasse mit der Schleife verliehen worden. K o l b e r g. Der Kaiser hat für den Sitzungssaal des neuen Kreishauses Hierselbst zwei Oelgemälde gestiftet, und zwar im Hinblick auf die historischen Beziehungen der Stadt Kolberg, derjenigen des Königs Friedrich WilHelm III. und der Königin Luise. Neu st et tin. Das Fest der goldenen Hochzeit feierten die Kaufmann Manasse Jacoby'schen Eheleute hier. Die ihnen verliehene Ehejubiläumsmedaille wurde ihnen durch Bürgermeister Sasse überreicht. N e d d i e s. Das von den beiden Pächtern Jerichai und Woik bewohnte Pfarrgebäude ging in Flammen auf. Das Gebäude war versichert, die Sachen nicht. Sargard i. P. Dem aus dem Dienste scheidenden Gymnasiallehrer Professor Dr. Quidde wurde von den Schülern ein Fackelzug gebracht. Viele Häuser waren beflaggt und mit Lampions festlich erleuchtet. Dem Scheidenden wurde der Rothe Adlerorden vierter Klasse verliehen. S t r a l s u n d. Seine goldene Hochzeit beging hier der frühere Fischer Ludwig Hamer mit seiner Gattin, geborenen Lenk, im Kreise der Seinigen. Ueberfahren und getödtet wurde auf dem hiesigenHauptbahnHofe der beim Rangiren beschäftigte junge Bahnarbeiter Paul Howe. Ob eigenes Verschulden vorliegt, ist nicht festgestellt. Triebsees. Im hiesigen Armenhause erhängte sich ein greiser blinder Stuhlflechter Namens Grassow. Schwere Ausschreitungen haben hauptsächlich kroatische Arbeiter in der Krupp'schen Kantine zu Friemersheim begangen. Sie zerstörten sämmtliches Inventar und die Bierleitung, verwundeten den Wirth und dessen Frau und zwangen sie zur Flucht. Ein Arbeiter wurde durch Dolchstiche schwer verwundet. Die Attentäter sind gefaßt. N a cy e t n e r M e l d u n g auv Petersburg überfiel eine starke chinesische Räuberbande einen russischen Frachtdampfer auf dem Sungariflusse dicht bei einer Station der Mandschurei - Bahn unweit der Stadt Vodune. Die Chinesen metzelten die ganze Mannschaft des Dampfers nieder und griffen dann die russischen Eisenbahnwachen an, von denen sie 45 Mann tödteten. Oberst Meschak mit 200 Mann Grenzwachen und 2 Geschützen ist zur Bestrafung der Räuber aufgeKrochen. Diese hatten sich indessen bei Eintreffen der Truppen bereits in Bodune festgesetzt und um die Stadt Verschanzungen errichtet. Von Charbin wurden Verstärkungen entsandt, mit deren Hilfe die Räuberbande vernichtet werden soll. Kaiser Wilhelm hat dem verstorbenen Wirklichen Geheimen Rath Alfred Krupp eine bleibende Ehrung zugedacht durch Errichtung eines für Kiel bestimmten Denkmals. Nachdem der Kaiser kürzlich seinen Sohn, den Prinzen Adalbert. vor dessen Ausreise nach China zum Anhalte? Bahnhof begleitet hatte, empfing er im FUrstenzimmer des Potsdamer BahnHofs den dorthin befohlenen Bildhauer Prof.' Wilhelm Haverkamp. Der Künstler, der für Küstrin die Hermenbüste Friedrichs des Großen geschaffen hatte, erhielt vom Kaiser den Auftrag, ein Denkmal für Krupp auszuführen. Es soll eine überlebensgroße Bronzestatue werden, die sich aus einem Granitpostament erheben wird, und erhält seinen Platz vor dem Gebäude des kaiserlichen Yachtclubs, dessen Mitglied Krupp war. Wie aus Lissabon gemeldet wird, ist dort die Verbrennung einer Hexe" durch ihre Nachbarn von der Polizei gerade noch im letzten Augenblick verhindert worden. Die Menge drang in die Wohnung der Betref senden, einer Frau Maria da Conceidad, ein, um sich die Hexe", die für die Urheberin vielen Unglücks galt, endgültig vom Halse zu schaffen. Die ganze Wohnungs - Einrichtung wurde zerschlagen und auf einen Haufen zusammengeschleppt, auf den man die Frau legte, nachdem man sie an Händen und Füßen gebunden hatte. Dieser Scheiterhaufen wurde dann angezündet. Die inzwischen benachrichtigte Polizei kam noch zur rechten Zeit, um die Unglückliche, die bereits das Bewußtsein verloren hatte, zu retten.
Ter deutsche Slrdeiterkongrcsz. Im wohlthuenden Gegensatze zu dem Gezänk auf dem sozialdemokratischen Parteitage in Dresden sticht der Ton, welcher auf dem ersten deutschen Arbeiterkongreß in Frantfurt am Main herrschte. Es waren eben nicht berufsmäßige Agitatoren und Vcrhetzcr. die in der alten 5taiscrstadt das ciroße Wort führten, sondern wirklich? Arbeiter und Männer, die ehrlich mit ihnen für die Hebung des leiblichen und geistigen Wohles der arbeitenden Klassen im engeren Sinne des Wortes thätig sind, ohne dabei das Gemeinwohl zu schädigen; Leute, die ihre Aufgabe nicht im Niederreißen erbilden, sondern mit Herz und Hand mit an dem fortschrittlichen Ausbau des Reiches wirken. Der Vorsitzende Behnns kennzeichnete den Geist, der die Versainm. lung beseelte, trefflich mit den Worten: Wir gehen den Wea der Versöh-
nung auf der Grundlage der Gleichberechügung. Wir alle haben ein Intercsse daran, den Klassengcgenzatz nicht in's Extreme getrieben zu sehen." Hierzulande ist die Gleichbcrcchtigung der Arbeiter längst anerkannt und das Unternehmertdum steht sich dabei nicht schlecht; auch in Deutschland toird sich kaum ein begründeter Einwand geltend machen lassen, wenn die Forderung von einer national gesinnten Arbeiterschaft in maßvoller Vkise, ohne agitatorischen Hinterhalt, gestellt wird. Ter Kaiser selbst ist übrigens der Forderung des Kongresses. so zu sagen, vorausgeeilt, indem er durch den Grafen Bülow dem Reichstage den Wunsch übermitteln ließ, die Gleichberechtigung des Arbeiters möge in der Gesetzgebung ausdrückliche Anerkennung finden. Um dem Arveiter die Möglichkeit zu geben, dem kapitalkräftigen Unternehmer gegenüber seine Rechte in gleicher" Weise zu wahren, habcn alle fortschrittlich geleiteten Staatswesen den Arbitern die Befugniß eingeräumt, sich zu wirthschaftlichen Verbänden Zusammenzuschließen. In Teutschland besteht das Koalitionsrecht schon seit 1869; wenn es seine Wohlthaten aber noch nicht in besondcrs hohem Maß: fühlbar machen konnte, so kommt das wohl Hauptsächlich daher, daß die Sozialdemolratie es mit der größten Gewiffenlosizseit als Kampfmittel zur Gewinnung politischen Einflusses und zur Verbitterung der Stimmung zwischen Arbeitern und Unternehmern mißbrauche te. Der deutsche Arbeiterkongreß will dem ein Ende zu machen versuchen. Sein OrganisatZonscomite gab als Zweck der Versammlung die Förderung der sozialen Reform an. die den bllrgerlichen Parteien durch die Verhöhnung von Seiten Ter Sozialdemolratie und deren radikale Forderungen vergällt worden ist." Daß eine verheißungsvolle gesund: Bewegung nach der Richtung hin in Fluß gekommen ist, lehrt die Thaijache, daß 190 Drlegaten als berufene Wortführer von etwa 620,000 Arbeitern auf dem Kongresse erschienen. Aus der Versammlung heraus wurde die Behauptung aufgestellt, daß unter Einrechnung der dem Kongresse zur Zeit noch fernstehenden Vereine die nichtsozialdemokratische Organisation mindestens dieselbe Zahl organisirter Anhänger auszuweisen habe, wie die sozialdemokratischen Verbände. Wir sind nicht in der Lage, die Behauptung auf ihre Richtigkeit hin prüfen zu können. Das Verhalten der sozialdemokratischen Presse lehrt aber, daß sie die Bewegung, deren Bcdeutung und Folgen keineswegs unterschätzt. Der Berliner Vorwärts" spricht beispielsweise von einer Variation des uralten Themas, die Arbeitcr durch das Linsengericht einiger sogenannter berechtigter Forderungen um das Erstgeburtsrecht ihrer völligen Befreiung zu betrügen." Der Vorwärts" braucht sich keine unnöthige Sorge zu machen. Die Telegalen ' des Arbeiterkongresses sind ihrer Würde und Bedeutuna wohlbewußte Männer, die sich nicht ducken und mit einem Pappenstiel abfinden lassen. Der Vorsitzende brachte das mit den Worten klar zum Ausdruck: WirArbeiter würden schlechteStaatsbürger sein, wenn wir unsere Augen verschließen wollten gegen Mißftände und Krebsschäden in unserem Volksleben. Es ist nicht die höchste glicht des Staatsbürgers, zu schweigen. Wir haben als Arbeiter die Pflicht, unverblümt unsere Meinung zu sagen." Freilich wird der Kongreß, nie sein Gewicht nach der Richtung hin geltend machen, nach der die Herren Bebel und Genossen ziehen. Sein Programm lautet: Nicht der prinzipielle dauernde Kamps iinn das Ziel der Koalitionsfreiheil sein, sondern der gewerbliche Friede, der auf der Aner kennung der gegenseitigen 'Rechte und Freiheiten basirt." Die deutsche Regierung und die bürgerlichen Parteien haben, trotz heftiger sozialdi'mokratischer Gegenwehr ein? ganze Reihe sozialpolitischer Maßnahmen zum Wohle der Arbeiterschaft durchgeführt. Sie werden mit doppeltem Interesse nach dieser Richtung hin wirken, wenn sie dabei Hand in Hand mit einer starken selbstbewußten Arbeiterschaft vorgehen können, die dem sozialdemokratischen System der persönlichen, wirthschaftlichen und qesellschaftlichen Vergewaltigung des Einzelnenthatkräftigentgegentritt. DesWohlwollens des Kaisers ist der Konare?,
sicher; in de.m Antworttelegramm aus den Gruß gelegentlich der Eröffnung der Sitzungen sagte der Monarch: Ich werde die Berathungen des Kongresses mit Meinem Interesse begleiten und auch in Zukunft allen Anregungen und n???f s,rv vr,Trftp si?rinl ritrn das Mir und Meiner Regierung am Herzen liegende Wohl der deutschen Arbeiter zu fördern, gern Meinen Schutz und Beistand zutheil werden lassen." Sollte der erste Versuch zur Gründung einer alle nichtsozialdemokratischen Arbeiter Deutschlands umfasjenden Organisation vielleicht auch nicht schnell die erhofften Früchte zeitigen, so kann doch die Bedeutung der Kundgebung von über einer halben Million deutscher Arbeiter nicht unterschätzt werden, die. treu zu Kaiser und Reich, ein wirthschastlich - soziales Einvernehmen mit den Unternehmern auf der Grundlage der Rechtsgleichheit anstreben und offen dem terroristischen Hetztreiben der Sozialdemokratie den Krieg erklären. Berurtlieilt. Der Oberst außer Dienst Gaedke hatte in einem Artikel des Berliner Tageblatt" den serbischen Königsmord besprochen. Es wurde darin ausgeführt, daß der ganze Vorgang lebhaften Widerwillen erregen müsse, daß aber gewisse mildernde Umstände den Offizieren zur Seite ständen. Der Gedanke des Liberalismus beruhe auf der Hoheit des Gesetzes und der Herrschaft der Mehrheit, wie sie in ihren verfassungsmäßigen Organen zum Ausdruck gelange. Nach der bei uns herrschenden Auffassung sei das Verhältniß persönlicher Treue des Heeres zu seinem Kriegsherrn besonders heilig; es bilde für das Heer einen Theil seiner Berufsehre. Gegen diese Pflicht der persönlichen Treue habe zweifellos das serbische Heer schwer gefehlt. Dann fuhr der Verfasser wörtlich fort: Doch giebt es eine andere, ebenso heilige und erhabenePflicht, wie die persönliche Treue gegen den Kriegsherrn, eine noch ältere Pflicht sogar; denn sie ist uns bereits mit unserer Geburt geworden. Das ist die Bürgerpflicht gegen unseren Staat, gegen das Vaterland, von der der Treueid gegen den Monarchen uns niemals entbinden kann. Im gewöhnlichen Laufe der Dinge fallen beide Pflichten glücklicherweise zusammen. Wie aber, wenn das nicht mehr so ist. wenn sie vielmehr in schärfsten Gegensatz aufeinanderstoßen. wenn das heilige Gesetz Salus publica" sich mit dem Treueid gegen den Kriegsherrn nimmermehr deckt? Das ist sicher der härteste Konflikt der Pflichten, vor den ein Ehrenmann gcstellt werden kann." Die Kreuz-Zeitung" hatte gegen diese Auffassung polemisirt und war zu dem Schluß gelangt, daß Gaedke seinen Abschied nehmen solle, da er innerlich zur Armee nicht mehr gehöre. Der Herr Oberst strengte nun eine Klage gegen den Redakteur der KreuzZeitung" an, welche aber abgewiesen wurde, wobei Gaedke die Kosten des Verfahrens zu tragen hatte. In dem Urtheil wurde gesagt: Das Gericht sei davon ausgegangen, daß der fragliche Satz in dem Artikel des Privatklägers sich nicht allein auf Serbien beziehen sollte, sondern ganz allgemein gehalten sei, und daß der Leser ihn auch auf deutsche Verhältnisse anwenden müsse. Wenn man von einem Offizier sage: der Treueid könne ihn nicht von der Allgemeinen Bürgerpflicht entbinden: so müsse man dieses Recht auch jedem Unteroffizier und gemeinen Soldaten zusprechen. Wenn sich solche Ansicht weiter verbreitete, so würde das zu sehr bösen Folgerungen führen, namentlich in der heutigen Zeit. Die Behauptung sei nicht richtig, daß wir nur Parteien haben.welche für dieArmee und den Monarchen eintreten, denn eine sehr große Partei thue dies gewiß nicht. Wenn man im Offizierkorps jemanden hätte, der seine Leute im Sinne jenes Satzes anweise, so sei kein Zweifel, daß ein solcher Mann sofort aus dem Offiziercorps entfernt werden würde. Der Angeklagte habe als Redakteur und Offizier das Recht gehabt, dagegen aufzutreten. i5iflcnrl,unllichcr N . fall. Die Gemahlin des französischen Botschafters in Konstantinopel. Frau Constans. wurde das Opfer eines sonderbaren Unfalls Mme. Constans begab sich zu einem Spazicrgangin den herrlich gelegenen Park der französischen Botschaftsresidenz in Therapia am Bosporus. Auf einem Rasenplatz in dem höher gelegenen Theile des Parkes weideten friedlich ein dort seit Iahren gehaltener Ziegenbock und zwei Schafe. Der sonst ganz zahme Ziegenbock mußte wohl schlechter Laune sein, denn plötzlich nahm er mit gesenktem Kopfe seine Herrin an und rannte tnit großer Gewalt gegen sie los. Durch den heftigen Anprall wurde die nicht mehr junge und ziemlich korpulente Dame zu Boden geworfen. Der hinzueilende Gärtner befreite die Botschafterin aus ihrer gefährlichen Situation, Frau Constans war aber nicht im Stande, zu Fuß in die Botschaft zurückzukehren; es mußte ein Tragstuhl herbeigeschafft und sie auf diesem ins Haus getragen werden. Die sofort herbeigerufenen Aerzte konstatirten eineVerschiebung der Kniescheibe, die zwar schmerzhaft ist. aber in einigen Wochen geheilt sein dürfte. Der Unfall der allgemein beliebten Dame rief besonders in den diplomatischen Kreisen am oberen Bosporus lebhaft: Theilnahme hervor.
