Indiana Tribüne, Volume 27, Number 76, Indianapolis, Marion County, 19 November 1903 — Page 7

Indianer Tribüne, 19. November 1903.

Claudine lcrnrrn von

0 " d a B o y - E d (Fortsetzung.) Er sprach von dem erhabenen Beispiel deS Erlösers, der sich in Liebe für die ganze Menschheit geopfert habe. Und trenn auch diese ungeheure That des einen für alle von uns armen, kleinen, bescheidenen Menschen nicht nachzuahmen, sondern nur in demüthiger Dankbarleit anzubeten sei, so lehre sie uns dennoch, daß wir den Muth haben dürfen und die Pflicht haben sollen, uns in unserem engen Kreise auch selbst zu vergeen, uns in Liebe zu opfern, der Nächste dem Nächsten, das Herz dem Herzen, wie das Gefühl, von Gott gkgeben, uns zu einander führe. In Claudinens Herzen wohne der einfache, hohe Muth der Ovferkraft und Liebe. In Glanz und Sonnenschein habe ihr Glück begonnen, da sei es eine leichte Kunst gewesen, es zu hegen; nun seien schwere Wolken heraufgezogen und .harten Prüfungen gekommen, aber un'verzagt schreite Claudine auf dem W?ge vorwärts, auf den das Geschick sie verwiesen. So hoher Liebe wobne ein Segen inne, der von Gott komme und dem sein Priestermund nichts hinzufügen könne, als das Gebet: sie möge ihr erhalten bleiben. Tenn ihr sei das Glück unverlierbar. Aeußeres Ungemach könne kommen. Noth und Trübsal, wie der Herr sie auch seinen geliebten Kindern nicht erspare. Aber in ihrer Seele werde immer das Licht leuchten, das Gott darin entzündet. Tenn d'e Liebe ist stärker als der Tod." Seine Worte verhallten. Er selbst war bleich vor Erregung, als er nun den Bund vollzog, der das junge, zum freudigen Lzben bestimmte Wesen sür immer an dn Mann schloß, der ernst, blaß und finster neben ihr stand. Alle weinten. Nur Lena stand und starrte trockenen AugeS vor sich hin. Mitten in die Bewegung hinein, die entstand, als Claudine und Albrecht Mutter und Vater umarmten und als Frau von Ahlefeld etwas kühl und mit vorwurfsvoller Miene Herrn Ruprecht von Brandow die Hand reichte, die dieser aus Schüchternheit nicht küßte, mitten in dieses feierliche Hinundher hinein rief Onkel Hans: Pastor, geben Sie mir 'nen Kuß! Das haben Sie famos gesagt. Hatte Hand und Fuß." Ef umarmte Bernhard Claudius und man hörte im ganzen Zimmer den knallenden Kuß. den der Pastor auf die Backe bekam. Ich kann nu mal die unnatürlichen Salbadereien nich leiden, die mit Bibelsprüchen gespickt sind, wie 'n magerer Braten mit Speck wird kein nahrhafteres Fleisch davon. Wenn man meiner Minette damals so 'ne Predigt gehalten hätte so eine wie diese, die einem auf die Knochen geht, da stand' ich hier auch woll mch als jammervoller Junggesell. Und Du. Lena, konntest Dir auch was hinter die Ohren schreiben, da Du nach Claudine wohl von uns die nächste dazu bist. Aber nu man nich heut' oder morgen! Hörst Du? Tu bist nun die alleinige Stutze unsere Alters mit Permission, Frau Schwägerin, wollt' ich sagen meines Alters. denn Sie sind immer noch die junge, schöne Frau, beinah wie damals. Was, Pastor ? Also Lena, so em paar Jährchen bleibst Tu noch ledig. Es genirte Onkel Hans nicht, daß niemand zuhörte als der alte Jakob, der vergnügt dazu nickte und lächelte. Pastor Bernhard Claudius stand vor Lena und sah ihr in die Augen. Ohne den Schutz der gewohnten Brille waren sie Nicht mehr scharf und sicher, die Blicke, sondern verschleiert und weich Er hatte sie noch nie ohne das Glas ge sehen. Eine merkwürdige Beklemmung kam über ihn. Es war. als ob etwas, das bisher sich immer verborgen gehabt. nun hüllenlos hervorträte. Als sei das Auqe nackt geworden. Lena," sprach er leise, ich habe auch sur Sie mitgesprochen." Das ist Ihr Priesteramt, mit Ihren Worten allen Anwesenden etwas zu ge ben." sagte sie mit unsicherer Stimme und sah zu Boden. Lena," bat er leise, sehen Sie mich einmal an. Er sehnte sich darnach, ihr noch einmal tief in die Augen zu schauen, die Empfindung zu haben,' als seien Schranken gefallen zwischen ihr und lhin. Sie schüttelte das Haupt. Onkel Hans trat herzu. Hör' mal, Lena." rief er. Du hast Dich überanstrengt die letzten Tage, Du hast ja gar keine Kouleur mehr." In der Tiefe des Zimmers neben dem Altar stand Claudine und sprach flüsternd in ihres jungen Gatten Vater hinein. Bald streichelte sie dazu seine Wangen und seine Hand und nahm ihr feines Tüchlein und wischte seine Thränen ab. Und über sein elendes Gesicht zog langsam ein Schimmer von Freudigseit. Albrecht, der daneben an der Wand gelehnt, verbarg die Augen mit der Hand. Auch er hatte weinen mögen. wie ein Mann und Soldat nicht weine.': darf: aus Verzweiflung!

Dem herrlichen Geschöpf hätte er Rosen unter die Füße betten mögen, sie in Glanz und Jubel zu hoher Freude führen, ihr alle Wonnen des Lebens geben mögen. Und nun so so! Alles von ihr empfangen! Alles ihr danken! Ihr Mitleid neh-

men. das Opfer ihres Lebens: Claudius hatte etwas in seiner P vlgt vergeben! Ur hatte nur von oem Muth, sich zu opfern, und von der Kraft, Liebe geben zu können, gespro chen. Er hätte auch icden müssen von der Kraft, fcie es erfordert, Opfer zu nehmen! Dazu geHort für einen Mann, der jäh von dcr Höhe der Jugendfreudigkeit beracgesiürzt war, auch Kraft, auch Muth. Die Kraft der SelbstüberWindung, dcr Muth d.'? Hoffnung. Claudine sah leine Haltung. Sie trat schnell auf ihn zu. nahm ihm sanft die Hand von ten Augen, sah ihn tief an und sprach: EZ giöt euch eine Zukunft!" Mit dem sehenden Gefühl ihres fei ndn HerzcnÄ hatte sie alle seine Gedanken eiratl en. Uer'.'ältigt 50g er sie an sich, den linken Urn: fe,t um sie schlingend. Onlcl Hans dachte schon ein Weilchen darüber nach, wie man aus der hohen Stimmung wieder hcrautkame. Es war ihm doch 10 ein bischen wie eine 0nn a r.irf sirsA shiiW r rntf einem ivuillj.juuk, vll.l iiiivui Male einen starken Hunger. Weiß der Kuckuck, sprach er und klopfte Lena derb auf die Schulter, mir fällt immer die Rührung auf'n Magen. Sieh mal nach. Kind, ob das Festmahl auch nicht verbrät." Man that ihm den Willen und ging sofort zu Tisch. Es ward aber ein gar ernstes Hochzeitsmahl. Onkel Hans hielt eine lange Rede auf das junge Ehepaar, eine der konfusesten, gerührtesten Reden seines Lebens und eine der endlosesten dazu. Und dann, als man sich getrennt, ging Claudine, wie jeden Abend, mit der Schwester in ihre Stube. Sie entkleideten sich schweiaend, Claudine war in tiefen Gedanken und bemerkte die beobachtenden Blicke der Schwester kaum. Sie war fiüher fertig als Lena und legte sich in's Bett, von der bkischweren 5t.örpermüdigke:t umfangen, welche großen, seelischen Erregungen folgt und die docy durch keinen Schlaf gelöst wird, weil der Geist wach bleibt. Da warf sich Lena plötzlich über sie. Hast Du denn keinen, keinen Gedanken mehr für mich? Hat der fremde Mann Dich mir ganz geraubt?" schrie sie auf und brach in heißes Weinen aus. Claudine richtete sich erschrocken auf und umarmte die Schwester. Wenn bei so verschlossenen Naturen, wie bei der Lenas. die Fugen des Wesens sich lösen und die innersten Zmpfindungen hervorbrechen, hat dt Elementargewalt etwas Beängstigendes. Niemand auf der ganzen Welt kann mich Dir rauben," sagte sie. wie kommst Tu auf diese Vorstellung?" Weil Du nur noch an ihn beulst. Weil Du so schnell, so kampflos entschlössen wärest, mit ihm zu gehen, uns zu verlassen." rief Lena. Ich verlasse Euch ja nicht. Wenn man wahrhaft durch Lieb: verbunden ist, gibt es keine Trennung. Ueber Zeit und Fernen bleiben die Seelen bei einander," sprach sie sanft. Lena trocknete ihre Thränen. Aber wenn Du Albrecht heut so lassen soll test, wie Du morgen uns lässest würde Dir das auch keine Trennung sein? .fragte sie erstaunt. Claudine dackte eine Weile nach. Ihrem geraden Geist, dem alles Grübeln ein Fremdes war. machte es viel Muhe, eine Selbstverständlichkeit erklären zu sollen. Ihr war ein wenig zu Muth wie einem Schüler, der plötzlich von den einfachsten Dingen von der Welt erfährt, daß sie auch ihre Logik haben und der, weil ihm diefe Dinge auch ohne logische Erklärung naturlich und selbst verständlich waren, die ganze Philosophi? für einen unsinnigen Gedanken ballast ansieht. Wenn ich Albrecht so lassen sollte, wie ich morgen Euch lasse nein, dann wäre es keine Trennung. Hat Claudius es uns nicht gesagt: die Liebe ist auch noch starker als der Tod? Auch der Tod ist keine Trennung. Aber siehst Du, wenn ich bei Euch bliebe oder bei Albrecht bliebe. , ungestört em ganzes Dasein lanq. aber in einem von uns hätte die Liebe aufgehört dann wären wir 'getrennt, ob auch unser Leben sich unter einem Dach abspielte." Sie streichelte der Schwester, der so viel klügeren, verständigeren Schwester liebevoll das Haar. Claudine," saqte Lena, ihr Gesicht am Hals der Schwester verbergend. lehr mich die Kraft, so zu lieben, wie Du. Wie soll ich das elendeste aller Gefühl: je-überwinden, das Mißtrauen m mich selbst, die Eifersucht aus die eigene Mutter! Gott, warum ist sie so schön, so harmonisch, und warum bin ich so häßlich und so schnöde!" Sie brach abermals in Thränen aus. Nun war es aber Claudine, deren Augen trocken wurden, deren Athem stockte vor Schreck. Du liebst den Pastor!"-stammelte sie. Lena riß sich von ihr los. Sie sprang auf. sie ballte die Hände zu Fausten und streckte die Arme von sich. Wahnsinnig! Verzweifelt! Ich hasse m:ch selbst darum. Es ist em Gefühl 0 mein Gott, mehr schrecklich als schön. Aber ich will es ertödten Sie starrte vor sich hin.

iMaucrne war tief erschüttert. Sie konnte tcin Trostwort finden. Tenn obzwar sie keineswegs bestimmt glaubte, daß Bernhard Claudius sich um die Mutter bewerbe oder noch jemals bewerben weide, dachte sie docb seit ihrer frühesten Kindheit ganz naiv an den Pastor als an den einstigen Verehrer der Mutter und war gewöhnt, ihn als einen Mann anzusehen, der ivohl niemals heirathen werde und an den sich auch gar keine Mädchenwünsche hinanwagten. Und diesen Mann, der außerhalb nnd über aller Leidenschaft zu. stet.i schien, liebte Lena! Gerace Lena mit ihrem Hang zur Selbstverspottung, zur Härte, zum Zorn, zur Laune Sie wollte dennoch etwas sagen. Jrgend ein hilfloses Wort, aber aus dem Lena doch Liebe ersehen sollte. Da kam Lena ihr zuvor, küßte sie heftig auf die Augen. Stirn. Wangen und rief:

Kein Wort! Schone meine Wunde! Ich wollte Dich nicht ziehen lassen ohne mein Vertrauen. Wir gaben es uns immer gegenseitig. Aber schweige dazu, ferner Theilnahme bin ich sicher." So schwieg denn Claudine, und die Nacht verging beiden in schweigsamem Wachen. Früh forderte der andere Tag viel Muth und gesammelte Gedanken. Das Ehepaar sollte mit dem Vater nach Dresden reisen. Dorthin ging seit einigen Jahren eine Eisenbahn. Es war der Ort, den man am ehesten außerhalb Preußens erreichen konnte. Tenn Albrecht bildete sich ein, daß es in seinem Gemüth Licht werden müsse, wenn er aus der engeren Heii.'.ath entflohen sei. Sie konnten beinah mit der Muoelosigkeit abreisen, wie prinzliche Herrschaften. Pastor Claudius und Onkel Hans hatten alles besorgt: Geld, Urlaub. Pässe. Die meisten Gange, die meiste Arbeit hatte zwar der Pastor gehabt, allein Onkel Hans dachte besriedigt. daß man doch mal wieder habe sehen können, daß die Mädchen seines seligen Kleinen ohne ihn nicht fertig werden könnten. Der Abschied war sonderbar. Albrecht schien bewegter als Claudine. Ihm kam zum Bewußtsein, was er diesem Haus, dieser Mutter, dieser Schwester nahm, was sie ihm anvertrauten. Eine beiße Dankbarkeit auoll in seinem Herzen auf, und in sein Äuge trat es, wider seinen Willen, feucht. Sein Ausdruck befriedigte Frau von Ahlefeld. Claudine hatte ein fröhliches Gesicht. Ihr Blick allein versenkte sich tief in die Augen der Schwerer, als wolle sie sie noch einmal daran mahnen, daß es keine Trennung gebe. Alb der Wagen davongerollt war Onkel Hans brachte die Reisenden zum Bahnhof sprach Frau von Ahlefeld: Ich begreife mein Kind nicht. Habe ich so til Muttertreue bewiesen, um so leicht verlassen zu werden!" Ihre Stimme bebte mehr von verhallener Bitterkeit, als von Schmerz über die Trennung. Claudius sah seine Freundin an, in deren schönes, vornehmes Gesicht die Zelt weder die Spuren von Leiden noch von Gedanken gegraben. Ihm war es nicht zweifelhaft, in welcher Brust das kühlere Herz wohnte, in der der Mutter oder der der Tochter. Claudine hat eine heilige Einfalt des Herzens." sprach er nur. Die Mutter verstand nicht, was das Wort ihr sagen wollte. Lena aber verstand es. Und in wahrhaftem Trotz sagte sie scharf: Einfalt ist nicht Jedermann gegeben. Was kann eine Frau dafür, wenn sie nicht fühlen kann, ohne zugleich zu denken!" Und Bernhard Claudius sah sie traurig an. 8. Kapitel. 0 reisten sie denn in die Welt hinein, diese drei, die ein sich schnell entscheidendes Geschick zusammengeführt hatte. Ruprecht von Brandow war noch niemals auf der Eisenbahn gefahren, sein Gütchen in der Mark war immer derSchauplatz seines Lebens gewesen, bis er es verkauft hatte, um nach Berlin zu ziehen. Ein Umzug, der mit großen Lastwagen und in einer Postchaise bemerkstelligi wurde. Claudine zwar hatte schon kleine Reisen gemacht, die aber über eine ein- oder zweistündige Eisenbahnfahrt nicht hinausgekommen waren. So schauten der ältere Mann und die junge Frau wie zwei neugierige Kinder in die Welt hinein. Das verloren gegangene Gefühl einer Überlegenheit kann für ein krankes Gemüth durch eine ganz zufällige Aeußerlichkeit wenigstens für Augenblicke wiederhergestellt werden. Albrecht fand sich ein wenig in die Rolle des Mentors und Erklärers gerückt, weil er schon einmal diese Strecke befahren hatte. Und das that ihm wohl. Freilich nur für Augenblicke, denn in der bitteren Selbstbeobtchtung, der er sich seit einiger Zeit ergab, sagte er sich alsbald, daß fortan seine ganze Autorität darin bestehen würde, daß er gelegentlich mehr Weltgewandtheit und Erfahrung zeigen konnte, alseine beiden Reisegefährten besaßen. Er war in einem Irrthum befangen, der bei sehr vielen Männern im Liebes- oder Eheleöen vorkommt, bei ihm aber seine gar.z natürliche Begründung hatte in den Beobachtungen, welche er an seinen Eltern gemacht; er glaubte, daß mit der Liebe einer Frau, wenn sie dauern solle, auch nothwendig

ein Demuthsgesühl verknüpft sein müsse, daß eine Frau aufhören werde, zu lieben, wenn sie in dem Mann nicht auch zugleich den Herrn und Schützer verehren könne. Und ein solches Gefühl konnte er, der im Gemüth umdüstcrte, der körperlich Verwundete jetzt Claudine doch unmöglich einflößen. Er wußte noch nicht, daß es eine Erhabenheit der Liebe" gibt, die nicht nach männlichen oder weiblichen Vorrechten fragt, nicht über Art und Wesen nachdenkt, sondern nur groß, menschlich und ewia wechselvoll empfindet; wechselvoll, indem sie heute herrschen, morgen dienen kann, heute beschützt und vertheidigt und morgen in ergebener Hilflosigkeit sich selber böschütz??- läßt, die im. Mitleid gleicherweise wächst wie im Stolz und die immer im Geliebten den König sieht, weil er durch die Liebe zum Herrn ihres Geschicks geioorden. Claudine empfand in ihrer Liebe gar

keinen Unterschied zwischen Geben und Nehmen. Sie empfand nur das eine sein! Man kam in Dresden an. War das eine andere Stadt als Berlin? Eine andere Luft? War man über eine Grenze gegangen? Albrecht erinnerte sich eines Besuches in Dresden, den er vor bald drei Iahren gemacht. Damals hatt? er sich einige Urlaubswochen in der Familie von Freunden aufgehalten, und da mals hatte ihn fortwährend die BeoHachtung gepeinigt, daß er 'in eine? deutschen Stadt die Empfindung haben mußte, in der Fremde zu sein. Es war eine Reise gewesen von Preußen nach Sachsen, eine Reise in ein anderes Land, in welchem er andere Interessen, andere Institutionen vorfand. Und nun schien es. als befinde man sich in der gleichen Atmosphäre, die in Berlin geherrscht. Man war über keine Grenze gegangen! Man war nicht von Preußen nach Sachsen gereist; man war in Deutschland geblieben. Albrecht fragte sich voll Erstaunen und voll Schmerz, cd dies der Athem der Revolution oder der erste Hauch der Einheit sei. der durch die Lande wehe. Vielleicht beides zusammen, sagte er sich, denn in den entfesselten Leiden schaften besinnen sich Menschen wie Völker auch auf ihre guten Kräfte. Mit heißem Herzklopfen aber dachte er daran, daß sein eignes Blut vergossen von seinem eignen Vater, an den Ereignissen klebe. Wehe, wenn es umsonst geflossen war. Von dem Augenblicke an, wo ein schreckliches Unglück ihn aus den Reihen seiner Kameraden gerissen, hatte sich sein Inneres mit der schnellen Entwickelung. welcher nur leidende Seelen fähig sind, sehr weit von den Formen seines bisherigen Standes entfernt. 'Er fühlte, daß er bisher nur Soldat gewesen war, und obschon er in alle Zukunft hinein nie etwas anderes hätte sein mögen als Soldat, waren ihm doch jetzt manche Schranken gefallen und er sah mehr hinaus und hinein in die bewegte Welt der großen Zeitfragen. Nur fühlte er, daß er das innere Gleichgewicht hier so wenig wiederfinden könne als in Berlin. An der Wirthstafel, in der Eisenbahn, im Kaffeehaus wie auf den Straßen hörte man nur das eine Thema besprechen: die Tage in Berlin, die Straßenkämpfe und den Stand der innerpolitiscken Folgen. Man rühmte sich in Sachsen, auf friedlichem Wege dem Könige konstitutionelle Zugeständnisse abgerungen zu haben, man war gehoben von einer freudigen, brüderlichen Stimmung. Und daneben stritt man sich, ob der König recht gethan, dagegen zu Protestiren, daß der König von Preußen erklärt habe, sich an die Spitze Deutschlands stellen und den vereinigten Landtag zu einem deutschen Parlament erheben zu wollen. In dem großen Strom der Begeisterung zeigten sich hier und da Strudel und Wirbel; man wollte großdeutsch sein und doch nicht aufhören. Preuße oder Sachse zu bleiben. Welche Unklarheit! Welches Umhertasten der Gefühle! Albrecht däuchte es plötzlich, als sähe er. wie alles war: es war, als hätten Säemänncr mit großen Geberden Saat auf ein noch nicht vorbereitetes Ackerfeld geworfen; es war. als wolle man mit Maschinen ein Gewebe herstellen, wo doch weder die Maschine fertig er baut, noch die Webekunst gelernt war.' Und dann diese Erzählungen, die er und die Seinen unfreiwillig anhören mußten: die Berliner Straßenkämpfe, ohnebin schon entsetzlich genug, wurden zu schaudervollen und geschmacklosen Anekdoten ausgebeutet. Man berichtete. daß Bruder gegen Bruder, Söhne gegen Väter gekämpft haben sollten. Wahr! Wahr!" schrie es in Albrecht auf. Und der nächste heiße Wunsch war: Weiter, immer weiter! Sie reisten ab. Claudine meldete in einem langen Brief nach Hause, daß Albrecht seine Ruhe nicht eher finden werde, als bis an sein Ohr kein Wort mehr dringe, das ihn an den Schrecken jener Nacht erinnere. Wieder nahm die Eisenbahn sie auf nd führte sie in einem Tage bis nach Reichenbach. Der ältere Brandow athmete auf. als er hörte, daß man von da aus die Reise zu Wagen fortsetzen solle, denn die vielen und schnell wechielnden neuen Eindrücke ängstigten seinen müden Geist zu sehr. Und dann war ihm auch die Qual ZU groß, stundenlang im engen Eisenbahnkoupe neben dem jungen Ehepaar

lnen zu muen, oone oaTj er aussteigen konnte. Neben dem Wagen konnte man einherwandern. Und die fixe Idee, die ihn Plagte, daß er an seinem Durst vergehen müsse, konnte sich beruhigen: im Wandern vermochte er wohl hier und da heimlich Einkehr zu halten, ohne daß Claudine es bemerkte. Seine Liebe zu ihr konnte sich gar nicht zu einer beglückenden Freiheit entfalten, weil immer das Gefühl einer drückenden Scham dabei war. Noch hatte die Eisenbahn nicht gelernt. Felsen zu durchbrechen und Gebirae zu überschreiten. (Fortsetzung folgt.)

Gcographilchc onÄciarluitcn. Enklaven und Exklave in vielen europäischen z?änern. Wenn man die Grenzlinie eines auf eine lange Entwicklung zurückblickenden Staates betrachtet, so fällt uns ihr gewöhnlich sehr unregelmäßiger Verlauf in's Auge. Da gibt es unzählige Zacken und Buchten von zuweilen höchst bizarrer Form. Am sonderbarsten nehmen sich auf der Karte die Enklaven und Exklaven aus, also die Inseln eines Gebiets im Bereich eines anderen. Teutschland in seiner äußeren Begrenzung gegen andere Reiche hat keine Exklaven. auch innerbalb seiner Grenzen keine fremden Enklaven. Tagegen gibt es sehr viele Merkwürdigkeiten von Jn einanderschiebungen dieser Art zwischen den einzelnen Staaten. Das Stammland der Hohenzollern z. B. ist von einer ganzen Reihe von Exklaven umgeben, die zum Theil im württembergischen, zum Theil im badischen Gebiet gelegen sind. Von der gewaltigen Zersplitterung der einzelnen Herrschaften in den thüringischen Staaten kann man gar nicht sprechen, ohne sich auf eine sehr lange Auseinandersetzung cinzulaen. Auch in Norddeutschland gibt es mannigfache ähnliche Beispiele. Wir verweisen nur auf die Exklave von Mecklcnburg-Schwerin in Mecklen-burg-Strelitz und in der Prignitz, ferner auf die zahlreichen Gebietstheile von Hamburg innerhalb des südlichen Schleswig-Holstein. Am stärksten au2einandergerissen unter allen deutschen Staaten ist das Großherzogtbum Oldcnburg, das außer seinem eigentlicb.cn Stammsitz noch die große Exklave von Eutln, nördlich von Lübeck und diejenige von Birkenseld in der südlichen Rheinprovinz sein eigen nennt. Sehr merkwürdig stellen sich die Verhältnisse aber auch in manchen Gebieten der Schweiz. Dcr Kanton Freibura ist ganz besonders reichlich mit Exklaven in den Kantonen Waadt und Bern bedacht, muß sich aber auch einig? Enklaven dieser Nachbarkantone gefallen lassen. Die sonderbarste Exklave von Freiburg ist wohl die von Estavayer am Neuenburger See. Man sollte meinen, daß man von hier aus unmittelbar mit dem etwas nördlicher gelegenen Theil desselben Kantons wenigstens 31 Wasser verkehren könnte, ohne da? : biet eines anderen Kanton zu berühren, aber auch der Neuenburger See selbst ist ebenso wie das umgebende Land peinlich auf die verschiedenen Kantone vertheilt. Auffallend ist die Thatsache, daß sich auch die Verhältnißmäßig neue Staatsgliederung Frankreichs von solchen Umständlichkeiten der inneren Abgrenzung nicht frei gehalten hat. Beispielsweise grenzen die beiden Departements der Jura und der Saone-et-Loire in einer so verwickelten Linie aneinander, daß sie überhaupt nur auf einer größeren Karte richtig wiedergegeben werden kann. Das Departement Vaucluse besitzt eine große Exklave im Departement Drome. Die wunderbarsten Zustände aber finden sicb in den beiden Grcnzdevartcments der Oberen und Niederen Pyrenäen. Im Departement der Ostpyrenäen liegt soaar eine Insel spanischen Besitzes.die eine Fläche von 1200 Hektar enthält. Diese Ezistenz hat eine besondere Geschichte. Trotz der Pyrenäenverträge weigerten sich die Spanier, dies Gebiet mit der Stadt Llivia an Ludwig den Vierzehnten herauszugeben, unter dem Vorwände, daß es ein Stadtgebiet wäre. Während in dem Vertrage nur von 33 Dörfern di: Rede gewesen sei. Kirchthurmspolik ist eben überall zu finden. Werth dcS ZlntitoxinS. Die Sterblichkeit an Diphtherie hat in Sachsen innerhalb der letzten Jahre nicht unbeträchtlich abgenommen. Es dürfte diese Abnahme nicht zum Geringsten der Anwendung des Diphthe-rie-Antitoxin, des von Professor Behring entdeckten Diphtherie-Heilserums, zu danken sein. Im Jahre 1892 starben in Sachsen an Diphtherie 3783 Personen, im Jahre 1893 sogar 3887. im Jahre 1894 noch 3460. im Jahr 1895 aber, nachdem das Behring'sche Serum mehr und mehr zur Anwendung gelangte, nur 2610, und seither fiel die Zahl der durch Diphtherie verursachten Todesfälle alljährlich immer mehr bis auf 960 im Jahre 1900. Während im Jahre 1894 noch 4 Prozent aller Todesfälle auf, Diphtherie zurückzuführen waren, ist die Prozentzahl der Todesfalle, die Diphtherie als Urfache verzeichneten, seitdem alljährlich immer mehr von 4 Prozent auf 2.9 Prozent, dann auf 2.5 Prozent, weiter auf 1.7 Prozent. 1.6 Prozent, 1.5 Prozent bis auf 1 Prozent gefallen. Die Achtung vor dem Weibe scheint der höchste und vollkommenste Grad der Bildung zu sein.

Feuer - Signale.

Penr.syl und Market i English's Opern-Haus CastundN-wFork 7 Noble und Michlgan 6 N. Jcrjey u. Mass Ai Pine und North 0 Market und Pine 1 Vermont nahe Safl i No.. 8 Spritzenhaus Mass. Ave nahe NokK .3 Dkrawark und Walnut 4 . Jersey u Central A. 5 Mass. und Cornell Ave 6 Ash m d 11. Straße ? Vark Ave und 12 Ett a Columbia und Hillside 9 Highland Ave u. P' it :l JllinoiS und St. lJt 53 Pennsylv. und Pratt ' Meridian uno 11. Ctt !5 No. 5 Spritzenhaus 15. nahe Jllino, :5 Senate Ave u. CtSia :7 Illinois und Mchigan J Pe svlvania und I. .a Senate Ave. und IZ. I No. I Spritzenhaus Jno Ave naheMichigan '2 Mcridia und Walnut u California u Lermont Blak und New York Ind. Av. u. fc Elair 17 City Hospital ;8 Blake und Nortv 13 Wichigan und Lgnei il No. 6 Spritzenhaus Washington nahe West iX Esendorf u Wash. 3 Missouri u New Dort i5 Meridian u Wash t6 JllmoiS und Ohw t? Capitol Av. u Wash 48 mgan'S Porkhaus 9 Straßenbahn Ställe W. Washington Ctr 51 No. 10 Spritzenhaus AllinoiS u errill 52 JllinniS u X:ouislana 53 West und Sourh 54 West und McSaNy 4 Senate Ave. u Henry b? Meridian und Ray No. 4 Spritzenhaus MadisonAv.uMor. 55 Madison Av.uDunlop 1 No 2 Haken Leiterhaus South nahe Delawar, li Pmn.u Merrill 53 Dclaware u. McCartH M afi und Mrarty 6 New Jersey .Merrill 7 Lirg. Av. u Bradsha 68 East und Prospekt 19 Bicking und High 71 No. 11 Spritzenhaus Bir Ave. nah Huron 72 East und Georgia 73 Keda und Elm 74 Davidson u Georgt 75 mglish Av. u Pine 7 Shclöy und Bates 7? No. 5 Spritzenhaus Prospcct nahe Shelby 'S Fletcher Av. u Sbrlby Sl Market u. New Zersey SZ Lelaware und Wash. 33 East u Washington 54 New York u. Davidson 85 Taubstummen Anstalt 56 Ver. Staaten Arsenal 87 Oriental uno Wash. 89 Frauen-Nesormat. 91 No. iz Spritzenhaus Maryland nahe Mcr. ü Meridian u. Gcorqia. 33 Meridian und South 4 Pennsylv u. Louisiana 95 Lirgii Ave u. Alab. 96 Hai''tquattier. 97 Grand Hotel. 33 Capital Ave und hl 23 No. 16 Spritzenhaus 16. und Ash. 124 Alabama und 1. 125 Central Ave und 11. 126 Dkndes und 15. 127 Brookside und Jupiter (28 Ceutral Av und 17, 29 Delaware und 19. 131 Alabama und 11. 132 Bellefontaine und W, 134 College Ave und 29. 135 Delaware und 13. 136 Alabama und Ncrth 137 Newmann und 19. (38 College Ave und 14. 13? Corncll Ave und 13 141 FandeS un IS. 142 High land Ave und Ist. 143 Tecumseh und 10. '.45 New Jersey -nd 22. 46 Alvord und 17. ,47 No. 2 Spritzenhaus Hiltside Av und IZ. .3 College Ave und 22. 149 College Av und 27. 152 Park Ave und 22. 15 L E u. W Bahn d. 22. (54 Ramsey Av und 10. 156 Stoughton u Newmcn (57 Atlas und Pike. 158 Bloyd und Pat?paw. lös No. Li EpritzchauS Brightwood icü Arven und Depot 163 Brightwood und 25. 64 Rural und Bloyd 165 St. Clair u. Zkeystone 167 Arsenal Ave wt 23. 163 Bellefontaine und 28. 169 Park Ave nd 15 12 Capital Av und t?. 213 Pennsvlv. .Wichiaau 214 JllinoiS und 20. 215 Senate Ave und 21. Sl Pennsvlvanm und 2X 217 Meridian und 16. 218 Capital Ave und L. 219 Brsadway und 10. 2Z1 Illinois und McLem, 234 No. 14 Spritzenhaus Kenwood und 30. 5 JllinoiS und 33. eZS Annctta und 30 237 No. 9. Spritzmhiue Udell und Raocr 38 Ud-ll Ladder Sork 239 Jsabcl und 27. 241 Meridian und 24. 242 JllinolZ u Et. Cla? 243 Cldrioge und 23. 312 West uud Walnut 513 West und 12. 514 Howard und 16. 15 Torbct id Paca 316 Capital Ave und u 517 Northwestern Ave X 318 Gent und 18. 319 Canal und 10. 524 Cerealine Works 324 Oermont und Lynn 825 Bismarcku Granddten, 326 No. 29 Sntzenhau? Haugdville. 527 Mich,gan u. Holmes. 828 Michigan u. Concord 541 West und McJntyre 412 Missouri u. Maryland 413 Missouri und hi 415 Capital Ave eorgu, 416 Missoun u Kentucky?'.. 417 Senate Ave m Wash. 421 P und E RmtdKauZ W. Washington. 423 Jrren-Hospital, 424 Miy Ave u. I D uQ 425 Wash nd Harris 26 Ne. 13 ritzcnha W. Washington 427 Oliver und Birch 423 Oliver und Oigood 429 Nordhke und Dort 431 Hadlcy Ave u. Morris 432 River Ave u. Morris 54 River Ave und Ratz 435 Harding u. Big 4 R 3 436 Harding und Clüxt 437 No. 19 prienl?0 Morris und Hardina. 4Hvard tmGU3 439 Ltscky 451 Reisn und ST;f 452 Howard und L 453 Morris end StUi 456 Lambert und Seiend 457 Nordyke Av u. Vera men Worts 612 West nd Rad S13 Kentucky Ave u. WerrtQ 614 Meridian und Morrtzi 616 JllinoiS nH Kansat 617 Morris und Dskota 613 Morri und Ehurch 619 Capital A. u McCsr 621 Meridian und Palm, 623 Pine uns, Lord 624 Madisor.Aveu Linco 26 Meridian und Bett 3i 527 Carlo und Ray 528 Meridian und Arizona 529 Meridian u. Llaymond 631 Meridian u. McCa. S 532 No. 17 HxriZ?,42aS Morris nah West 612 Mcerna.und Txurfc 615 East u. Lincoln Lu 14 East und Oeech 15 Wright und Sandvrk 617 McCarty und Beaty 18 New Jersey u Bic Ave 712 Spru und Prospekt 7 English Ave. u. Laure) 714 State Avu.Blt RK 715 Ehelby und Beech 716 State Ave und Oran'e 713 Orange und Laurel 719 Ehelby u. Gi-islK 3j 721 LexingtonÄ. Jsti 723 FlctcherAveu.Opru'.s 724 State Ave u. Piealan' 7 Prospekt und nfeasa 726 Orange und H'lar 728 Liberty und Mca 729 VlblU und South 81 No. 15 Sxritzenh5".!5 Ost Washington V 813 Market und Nobl: L14 Ohio u. Highland 815 Michigan u. Hiß,!;! 816 Market u Arsenal Av. 817 Ost e Clair utCS Union Bahn Geleise. 821 Pan Handle Che5 823 Vermont und Walco 824 Wash. und State 826 Madden's Lounge Fel 826 Tmker und Dorfe 827 Wash. und Bcvillk ZSt 829 No. 12 Spritzenhaus Bcville nahe Michigad 881 Southeaster Ave und Woodside. 83t Wash. und Tearvor 834 Southeaster nd Arsen! klve. 855 Sie Dort und ZaU 9lt Illinois und Myl. 13 JllinoiS und Market. 14 Perm, nd Staft, 15 Delaware im 9 Spezial-Siznale. Ersten l Schläge, zweiter Alarm, Aweiten t Schläge, dritter Alarm, Dritten 2 EchlLge, vierter Alarm. l-2-l, Feuer aus und Schlauch aufgerolk. Schlag, Wasserdruck ab. 12 Schläge, 1 Uhr Mittags. Die Zo bezeichneten Signale werten nur dorn khur Wächter cmgegebe da an den betreffende Straß kreuzunge keine LlarmUsten aneebrecht find. Chicago und der große Nordweften di wmmm a)) i&rftfflsrHg frtoeaa jteiggff latta vawail Bdilidvtne Jnsela. Vier tägliche Schnellzüge nach Chicago. Bon der Monon 47. Str. Station. Tblcaao. 4nd nur 5 Minuten mittelst elektrischer Car nac den Union Liehdbfen . F?ench Lick Springs, ' Indem Orange Tonnty Hochland. ffamiIilN-Ht unter neuer Geschüftöleitung. Pluto, Proserpine md Bowle Quellen. BeßeS Mineralwasser der Seit. Zwei Züge täglich ia Sreeueaftle. licket-Offieen : Union Station, Massachusetts Nv nd W West Washington Straße. . R. P. l g e o. DiSrtkt Lass. Agent, Indianapolis, Ind. .H.NtDoel, .H.Rockwell, Lräl. und Sen. Mgr. y Betriebkltil,? 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