Indiana Tribüne, Volume 27, Number 74, Indianapolis, Marion County, 17 November 1903 — Page 6

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Europäische Nachrichten. J'rovtnz Fsmmern. Stettin. O. Tincauzer, Procurist du Firma Paul Jul. Stahlöerg, feierte sein 25jähriges Jubiläum als Angestellter dieser Firma. Belgrad. Nachdem erst Ende SSutf hier qrcfce Feuersbrunst aewiitbet hatte, kam in der Scheune dcö Bäermeisters Krüger in der Friedrichsstraße abermals Feuer aus und ergriff auch sofort die benachbarten, mit Futtervorräthen und Getreide reichlich gefüllten Scheunen und Stallungen, so daß binnen kurzem außer den Krüger'schen Wirthsschaftsgebäuden auch die Scheunen und Stallungen des Fuhrmanns Bonow, des Rentiers Schmeling, des Ackerbürgers Eichholz und der Frau Rentier Ristow in Asche gelegt wurden. G i n g st a. R. Die fünfjährige Tochter des Arbeiters Wothge hatte einen weggeworfenen Cigarrenstummel gefunden und in die Tasche gesteckt. Als sie nachher über den Kirchhof nach Hause gehen wollte, fingen die Kleider des Mädchens Feuer, und in schrecklich verbranntem Zustande wurde sie von einem jungen Mädchen zufällig im Gränensteige des Kirchhofes aufgefunden. Der sofort herbeigerufene Arzt konnte leider nicht mehr zur Rettung beitragen, und nach kurzer Zeit war die Kleine von ihrem qualvollen Leiden erlöst. K a l l i e s. Wohnbaus und Stall des Tischlermeisters Klitzke und der Stall der Wittwe Lenz in der Unterstraße brannten hier nieder. Der Schaden ist durch Versicherung gedeckt. Schuhmachermeister W. Schnarchendorff beging das Fest des 50jährigen Meisterjubiläums. Aus diesem Anlaß wurde ihm vom Jnnungsvorstand ein von der Handelskammer Stettin verliehener Ehrenmeisterbrief überreicht. N e u st e t t e n. Bei Ausführung von Rangirbewegungen auf dem hiesigen Bahnhof gerieth der Rangirarbeiter Karl Piehl zwischen die Puffer zweier Wagen und wurde todtgequetscht. Rügenwalde. Ertrunken ist hier der Arbeiter Ziesemer. Er hatte zwei Landleute im Boot über die Wip per gesetzt. Als er wieder zurllckfabren wollte, stürzte er plötzlich rücklings über Bord und ging sofort unter. Der Verunglückte hinterläßt eine Frau mit fünf unmündigen Kindern. S ch la we. Auf der Bahnstrecke Zollbrück - Schlawe, nahe der Station Quäsdow, wurde der Gemeindevorsteher Zilske aus Suckow durch einen nach hier abgelassenen Zug überfahren und sofort getödtet. Vogelsang bei Ueckermünde. Auf der Reimer'schen Ziegelei geriethen die Zi?gelarbeiter Ge brüder Berndt mit dem Ziegeleiarbei ttr Firstner um 50 Pfennige in Streik tigkeiten. Die Gebrüder Berndt gen zuerst mit Schippenstielen auf Firstner ein. wollten aber schließlich mit der Schippe zuschlagen. Firstner. der die ihm zugedachten Schläge mit einem Bremsknüppel abzuwehren suchte, traf dabei den Arbeiter Hermann Berndt quer über den Kopf. Berndt arbeitete noch eine Zeitlang und fiel dann plötzlich todt zu Boden. In dem Bremsknüppel soll ein Nagel gesteckt haben, der bei dem Schlage dem Berndt in's Gehirn drang und somit die tödtliche Wirkung hatte. Firstner wurde verhaftet. rsi?in.z Sctzleswtg-.Ki'c'rlleirr. A l t o n a. Wursthändler Bahr gerieth auf dem Hof des Hauses Roosenstraße 12 in eine Rempelei mit dem Werftarbeiter Lauritz und brachte offenbar in angetrunkenem Zustande jenem drei Stiche in den Rücken und einen in die Brust bei. Während Lauritz bewußtlos zusammenbrach, wurde Bahr von Umtehenden weggerissen, ehe er aber gefesselt und zur Wache transportirt werden konnte, stach sich Bahr selbst in den Unterleib und traf dabei eine Schlagader; kaum im Krankenhause angekommen, verstarb er. Lauritz wurde in schwer verletztem Zustande in's hiesige Krankcnhaus gebracht. Büdelsdorf. Eine größere Gesellschaft unternahm von hier aus mit einem Dampfschiff einen Ausflug nach Sehestedt, der einen traurigen Ausgang nahm. Auf der Rückfahrt entstand Streit, der an der Landungsbrücke infolge eines in's Wasser geworfenen Schirmes in Thätlichkeiten ausartete. Der hierbei ausbrcchende Schreck veranlaßte ein Gedränge, bei dem fünf Personen, darunter eine Dame, in's Wasser fielen. Von diesen konnten nur vier gerettet werden; die fünfte Person, ein Zimmergeselle Bayer, ein geborener Sachse, ertrank. Dietrichsdorf. Die hiesigen Eheleute Graf feierten unter großer Betheiligung der Gemeinde ihre goldene Hochzeit. Graf ist ein alter Achtundvierziger und 75 Jahre alt, die Frau zählt 72 Jahre. H u s u m. Kreissekretär Kanzleirath Biehlig Hierselbst feierte sein 25jähriges Orts- und Schirrmeister Schümann sein 25jähriges Dienstjubiläum. Kiel. Wegen thätlichen Angriffs auf den Vorgesetzten und die Wache vor versammelter Mannschaft verurtheilte das hiesige Oberkriegsgericht den Matrosen Schlegelberger zu drei Jahren Gefängniß. Beim Baden in

oer Föhrde ertrank der 19jähr!ae

Sohn des Architekten Lauers. Kropp. Das Gewese des Landmannes Jöns wurde vom Blitz getroffen und total eingeäschert. Ein Theil des Inventars und Mobiliars verbrannte. Provinz Schlesien. B r e s l a u. Dem ordentlichen Professor in der medizinischen Fakultät der hiesigen Universität, Geheimen Medizinalrath Dr. Flügge, wurde der Kronenorden zweiter Klasse verliehen. V r o ck o t s ch i n e. Ein schwerer Fall von Pilzvergiftung ereignete sich in dem hiesigen Dorfe.. Die Ehefrau des Knechtes Gräser hatte im Walde Pilze gesucht und dieselben für ihre Angehörigen gekocht. Nach dem Genusse dieses Gerichtes erkrankten alle Personen, die davon gegessen hatten. Die Eheleute Gräser, deren zwei Kinder, sowie die Mutter der Frau Gräser, die Lohngärtnersfrau Schreiber, wurden schleunigst in's MalteserKrankenhaus nach Trebnitz geschafft. Trotz aller angewandten Mittel starben hier die Frau Gräser sowie ein Kind. Lohngärtner Kapuste, der auch von den giftigen Pilzen gegessen hatte, war krank verbieben und ist ebenfalls gestorben. Die Erkrankung ist durch Genuß des Grllnschwammes hervorgerufen worden. Nach längerem Leiden erlag auch der Ehemann Gräser im Krankenhause der schweren Vergiftung. G ö r l i tz. Hilfsfcbrankenwärter Richter wurde auf der Strecke zwischm Penzig und Hennersdorf überfahren und getödtet. L i e g n i tz. Rentier Heinrich Schulte erhielt den Rothen Adlerorden 4. Klasse. Sein 25jähriges Jubiläum als Bataillons - Büchsenmacher des 1. Bataillons Königs - GrenadierRegiments beging Büchsenmacher Wanner. 1878 war derselbe beim 1. Bataillon Hierselbst als Büchsenmacher eingetreten und hat ohne Unterbrechung die ganze Zeit über seines Amtes zur Zufriedenheit seiner Vorgesetzten gewaltet. ' N e u r o d e. Maurerpolier Klesse aus Dürrkunzendorf und der Maurer Fellmann aus Walditz waren damit beschäftigt, am Thurm der hiesigen katholischen Kirche unter Anwendung von Salzsäure vom Mauerwerk Salpeterflecke zu beseitigen, nachdem sie schon wochenlang mit Maurerarbeiten am Thurm und'an der Kirche beschäftigt gewesen waren. Sie befanden sich bei dieser Arbeit auf einem Fahrgerüst, in einer Höhe von etwa 30 40 Metern, welches in der üblichen Weise mit Seilen besestigt bezw. von solchen getragen war. Da riß das eine Seil, die beiden Arbeiter stürzten herunter und fanden bald den Tod. Peichertöitz. Arbeiter August Sander fiel vom oberen Theil einer Scheuer auf der Tenne und brach das Genick; der Tod trat sofort ein. Der Verstorbene war verheirathet. Frovinz 'I'olen. Bromberg. Dem Friedrich Friese, welcher seit dem Jahre 1848 ununterbrochen in der Mittler'schen Buchhandlung thätig ist. ist das Allgemeine Ehrenzeichen verliehen worden. Die Auszeichnung wurde ihm durch den Oberbürgermeister Knobloch mit einer Ansprache überreicht. Die gleiche Auszeichnung erhielt der Materialienverwaltungsgehilfe Boettcher. Buk. Als die Schneiderin Fräulein Tischler von hier ein Hühnchen über einer Spiritusflamme absengen wollte, erplodirte das Gesäß mit dem Spiritus, und die Kleider der Tischler sowie des danebenstehenden Dienstmädchens Marzialkiewicz geriethen in Brand. Während die Marzialkiewicz mit Verletzungen an Kopf und Händen davonkam, hat die Tischler am ganzen Oberkörper furchtbare Brandwunden . erlitten, so daß an ihrem Aufkommen gezweifelt wird. F r a n k o w o. In dem hiesigen Dorfe wüthete eine Feucrsbrunst, durch welche sämmtliche Wirthschaftsgebäude des Besitzers Daunke vernichtet wurden. L i s s a. Die frühere Kinderfrau Ernestine Bug ausWinzig hielt sich besuchswcise bei dem Gutsbesitzer Herrmann Hierselbst, ihrem frühern Dienstycrn, auf. Kürzlich kehrte nun die Familie spät von einem Wohlthätigkeitsconcert nach Hause zurück, unv da in dem von Frau Vuz bewohnten Zimmer noch Licht war, wurde an die Hausthür geklopft. Frau Vug ging in den Hausflur, um zu öffnen, und in der Meinung, sie habe die Hausthür vor sich, schloß sie die Kellcrthür auf und stürzte die Treppe hinab, wobei sie eine Schädelzertrümmerung erlitt und lautlos zusammenbrach. Als man sie bald darauf fand, war sie todt. Ostrowo. Die 16 Jahre alte Tochter des Arbeiters Kabat aus Groß - Zalesie ertrank beim Baden in der Prosna; ihre Mutter arbeitete in der Nähe, und als sie der Tochter zu Hilfe eilte, wurde sie in die Tiefe gezogen. Beide Leichen wurden geborgen. Poslugowo. Der sechzehnjährige Sohn der Besitzerfrau Linnetei wurde von einem Insekt in die Mange gestochen. ,Vald darauf schwoll sein Gesicht so an, daß ärztliche Hilfe in Anspruch senommen w'rrden mußte. Trotz einer Operation erlag der junge Mann einer Blutrergiftut'g. Schneidemühl. Auf dem Grundstück Karlstraße 7 und 8, den Eigenthümern Kühl und Knuffke ce-!

höriq. brach ??euer aus. durch welches

die Wohnhäuser und Stallungen eingeäschert wurden. Die Freiwillige Feuerwehr mußte sich auf die Erhaltung der Nebengebäude beschränken. Vrsvinz SttcHlen. Magdeburg. Nachstehenden Beamten des hiesigen Polizeipräsidiums sind Ordensauszeichnungen zu Theil geworden, die ihnen durch das OberPräsidium der Provinz Sachsen übermittelt wurden: Dem Polizeipräsidenten Keßler der Rothe Adlerorden 3. Klasse, dem Criminal - Commissär Sommermann, dem Polizeicommissär Meyendorff und dem Polizeisekretär Müller der Kronenorden vierter Klasse und dem berittenen Schutzmann Müller das Allgemeine Ehrenzeichen. Aschersleben. Der 17jähriae Malerlehrling Emil Litzkendcrff, Sohn eines hiesigen Schneidermeisters, wurde in der Wipper bei Kl. - Schierstedt als Leiche gefunden. Da an dem Kopf eine bedeutende Wunde entdeckt wurde, vermuthet man ein Verbrechen. Die Leiche ist deshalb behördlich beschlagnahmt und eine Untersuchung eingeleitet worden. Delitzsch. Beim Wiederaufbau des Gerüstes am Wasserthurm, das von einem Unwetter herabgerissen wurde, stürzte der erst 25jährige Arbeiter Fischer ab und erlitt einen Armbruch, sowie innere Verletzungen, die seinen Tod bald nach seiner Aufnahme in's Krankenhaus herbeiführten. Er hinterläßt Frau und Kinder. Eis leben. Der ledige Arbeiter Franz Graeser wurde von dem Knechte Stutzenbcchcr in Alsdorf erstochen. Stutzenbecher soll von jungen Leuten gehänselt worden sein. Ob der Erstochene sich daran betheiligt hat, ist noch festzustellen. H e t t st e d t. Auf nicht ermittelte Weise ging plötzlich ein Feuer im G.'yöft des Schmiedemeisters Wichmann auf. Das Hintergebäude, das mit Stroh und Ernievorräthen vollgepfropft war, stand in hellen Flamnien. In diesem Gebäude lagen zwei kranke Kinder; diese konnten nur mit größter Noth noch vor dem Feuertode gerettet werden. Kelbra. Der als jähzorniger Mensch bekannte Arbeiter, ehemalige Nachtwächter hiesiger Stadt, Scheidner, hat nach voraufgegangenemStreit in der Familie seine Ehefrau erstochen. Der Thäter entwich. Die Frau hinterläßt zwei unerzogene Kinder. Die Ebeleute lebten seit langer Zeit in Unfrieden. Scheidner stellte sich nach kurzer Zeit freiwillig der Polizei in Nordhausen. Mühlhausen i. Th. In der Lederfabrik der Gebrüder Kleeberg erfolgte eine gewaliige Explosion, mehrere Arbeiter wurden schwer verletzt. Die Arbeiter Heinrich Freiboth und Hermann Westhausen sind ihren Vcrlctzungen erlegen. Schwenda. Zwischen Stolberg und Schwenda wurde in einem Gctrcidcfelde der 22jährige Arb.'iter Otto Varges von hier mit einer Schußwunde im Hinterkopf aufgefunden. Er wurde zunächst nach Stolberg zum Arzte gebracht. Auf dem Wege von dort hierher verstarb er. Die Untersuchung über den Fall ist eingeleitet. Ein Diplomatcntraumi Einen interessanten Beitrag zur Psychologie des Träumens bietet ein Erlebniß, das einst Fürst Gortschakoff, der als russischer Reichskanzler eine so bedeutsame Rolle in der europäischen Politik spielte, erzählte. In seiner Jugend dachte er um so weniger an eine derartige Rolle, als sein ganzer Eifer einer anderen Kunst gehörte der Kunst des Lebemannes. Und doch träumte er schon von seiner Zukunft, und zwar auf eine ganz absonderliche Weise. Er hatte damals einen französischen Koch Namens Gruyere, und diesen Koch sah er in einer Nacht plötzlich mit entsetzter Miene vor sich im Traume. Der Koch bat ihn flehentlich, ihm nach der Küche zu folgen, was er auch sofort that, und dort erblickte der Fürst statt des mit Trüffeln gefüllten Huhnes, das Gruyere an dem Spieß haben wollte den russischen Adler. Neben dem Adler stand als Küchenjunge der damalige Kanzler v. Nesselrode, der das Wappenthier eifrig mit Sauce begoß, während ein Türke mit vollen Backen in die Gluth blies. Fürst Gortschakoff war über diesen Traum nicht wenig beunruhigt allerdings nur in seiner Eigenschaft als Gourmand und nicht als Diplomat. Er konnte lange Zeit kein gebratenes Huhn sehen, ohne die unangenehme Empfindung zu haben, daß er einen russischen Adler verspeisen sollte. Zuletzt ging aber der Traum ganz anders in Erfüllung, als der Träumer gefürchtet hatte. Es kam der von der Türkei angeblasene" Krieg mit den Weltmächten, die Niederlage der Russen, der Sturz Nesselrodes, der den russischen Aar an den Spieß gesteckt. Der Nachfolger des ungeschickten Kanzlers aber war Fürst Gortschakoff. Die Gelbfieber - Situstion in Laredo, Tex.. hat sich bedeutend gebessert. Auch in dem gegenüberliegenden Nuevo' Laredo haben sich die Erkrankungsfälle so vermindert, daß man ein baldiges Verschwinden der Krankheit erwartet.

Nevoluttonärc Nmtrtrve im rufst schen ßeevc. Seit einiger Zeit mehren sich die Anzeicken dafür, daß die revolutionäre Partei mit allen Mitteln auf das russische Heer Einfluß zu gewinnen sucht. Es sind nicht nur Nachrichten darüber in Blättern veröffentlicht worden, die der russischen Regierung wenig günstig und sogar feindlich gegenüberstehen, sondernden sichersten Beweis geben die Tagesbefehle der der höheren Kommandobehörden und des Kriegsministeriums. welch: die TruppenbefehlsHaber zu größter Aufmerksamkeit mahnen. Eine ganz merkwürdige Meldung findet sich in der in Stuttgart erscheinenden Zeitschrift Oswoboschdenje". Danach hat das Kriegsministerium einen Erlaß ergehen lassen, der behauptet. daß Offiziere nicht nur verbotene, im Auslande erscheinende russische Schriften lesen, sondern sie auch in den Offizierskassinos verbreiten, wo sie vor der Polizei geschützt sind. Es wird strenge Aufsich! empfohlen, um dieser Verbreitung aufrüherischer Schriften vorzubeugen. Daß Offiziere in die revolutionäre Bewegung verwickelt sind, hat sich auch früher schon ergeben. Ein längerer Artikel in der Times" giebt einen andern Erlaß des KriegsMinisteriums vom 12. August 1902 wieder, worin verschiedene Regimenter genannt werden, bei denen die Thätigkeit der revolutionären Propaganda festgestellt wurde. Im Dezember 1902 wurden zwei geheime Verbindungen gegründet. Die Armeeliga will das autokratische Regierungssystem stürzen. Einige ihrer Mitglieder wurden im März 1902 entdeckt und verhastet, und man hört seitdem nichts von der Thätigkeit des Vereins, was allerdings kein Beweis dafür ist, daß. er nicht mehr besteht. Rein sozialistische Ziele verfolgt die Militärische revolutionäre Organisation", die eine lebhafte Propaganda betreibt. Daß General Dragomirow gegen die EinstcUung der verhafteten Studenten in die Truppe war, weil er fürchtete, sie würden auf ihre Kameraden einen ungünstigen Einfluß ausüben, ist sehr bezeichnend. Es ist vorgekommen, daß gebildete jungeLeute keinen Gebrauch von der Berechtigung zur kürzeren Dienstzeit machten, um besser ihre Anschauungen unter den Soldaten zu verbreiten. In militärischen Kreisen Rußlands sieht man besonders die Juden als Verfechter des Sozialismus an; daß die gleiche Auffassung bei der Reaieruna bestcöt. zeiate

sich in Ansprachen verschiedener Gouverneure an jüdische Gemeinden. Die Odyssee cincs Finanziers. Eine früher in den Pariser Klubkreisen sehr bekannt gewesene Personlichkeit, welche eines Tages plötzlich von der Bildfläche verschwunden war, wurde dem Publikum durch eine GerichtsVerhandlung jetzt wieder inErinnerung gebracht. Es ist dies der Bankier Balensi. der finanzielle Rathzeber" Max Lebaudys, des unglücklichen petit sucrier". Balensi betrieb eigentlich zwei Geschäfte: er war Finanzmann und Nennstallbesitzer oder vielmehr Nennstallunternehmer. Wenn es an der Börse schlecht ging, verkaufte er englische Rassepferde en gros". Auf dem Turf machte er die Bekanntschaft Max Ledaudy's, welcher ihm 17 Millionen anvertraute. Von diesen hat der Millionär jedoch nur einen Theil wiedergesehen. Balensi spielte für Lebaudy an der Börse und machte ihm weis, daß er Riesenverluste erlitten hätte. Mit dem Lebaudy abgenommenen Gelde gründete er eine Societe francaise de banqc et de change". Beim Tode seines Geldgebers entfloh Balensi nach Amerika, weil er eine gerichtliche Untersuchung fürchtete. Er war so vorsichtig,' den Inhalt der Kasse seiner Finanzgesellschaft mitzunehmen. Trotzdem brachte ihm die Flucht kein Glück. Er versuchte nämlich in New Jork ebenfalls. Depots nicht wiederzugeben, und kam dabei schlecht weg. Wegen Veruntreuung von nur" 20.000 Fr. mußte er für sechs Jahre in's Gesangniß wandern. Zum Uebermaß wurde er dann, nachdem er seine Strase abgesessen hatte, den französischen BeHorden ausgeliefert. Tiefe hatten sich nun mit seinen Pariser Veruntreuungen. die in's Kolossale gingen, zu befassen. Balensi wäre zweifellos auch in Paris zu einer langjährigen Strafe verurtheilt worden, wenn die Direktion der amerikanischen Strafanstalt ihm nicht das besteZeugniß über seine Führung im Gefängniß ausgestellt hätte. So kam er mit einem Jahre davon. Immerhin scheint es. daß man in Frankreich nun mit allen Humberts" Abrechnung halten will. DieNachricht, daß die zu Krupp kommandirten japanischen Offiziere nach Japan zurückbeordert seien, ist vollständig unbegründet. Anläßlich des hundert, sten Geburstages Franz Deals fanden im ganzen Ungarlande große Gedächtnißfeiern statt. Bei der am Denkmal Deals in Budapest abgehaltenen Feier waren alle Minister, die Mitglieder des Reichstages, die Behörden. Vereine und zahlreiche Abordnungen auö allen Lan destheilen zugegen und legten Kränze am Denkmal nieder. Der Konig hatte mit seiner Vertretung den Hofmarschall Grafen Ludwig Apponyi beauftragt, welcher einen Kranz mit folgender Inschrist niederlegte: Dem Andenken Franz Deal sein dankbarer König." Die Anwesenden brachen in begeisterte Vljenrufe auf den Könia aus.

Tcutsckiland'S oloniaUeiden. Das deutsche Reich besitzt an seinen Kolonien einen sehr kospieligen Elephanten. an welchem es obenein seh? wenig Freude erlebt. Im letzten Etatsjahre mußten die deutschen Steuerzahler nach dem diplo-matisch-statistischen Jahrbuche für 1903 nicht weniger als 62,206,424 Mark zuzahlen, um das Defizit der Kolonien zu decken. Davon entfallen über 33 Millionen auf die chinesische Erpedition. Und dabei scheinen sich Menschen und Thiere in Afrika gegen die deutsche Herrschaft aufzulehnen. Wiederholt haben wir gemeldet, daß die Löwen in den deutschen Ansiedlungen eine Menge Menschen tödteten. ohne daß es den Jägern gelang, diese Raubthiere zu erlegen. Sogar am hellen Tage schleppten Löwen Menschen fort und verzehrten die Geraubten. Auch die zweibeinigen Bewohner Afrikas lehnen sich theilweise gegen die deutsche Herrschaft auf; obschon diese ihnen ohne Zweifel bessere Zustände gebracht hat, als die es waren, welche früher in jenem Theile des schwarzen Welttheils" herrschten. Erst unlängst ist in Deutsch-Süd-west-Afrika eine deutsche Familie Namens Paasch ermordet worden. Auch zwei andere Weiße wurden von Ovambos umgebracht. Diese Ovambos sind ein sehr kriegerischer Stamm, welcher durch portugisisch: Händler mit guten Waffen und Schießbedarf versehen wurde. Sie sind aufgebracht darüber, daßam Okavango eine Missionsniederlaung begründet wurde. Die deutsche Regierung besitzt zwar gute Landkarten von jener Gegend; dagegen erscheint es zweifelhaft, ob die deutschen Streitkräfte ausreichen, um die Ovambos nieder zu werfen. Außer diesem Stamme, der sich sehr widerbaarig zeigt, macht auch noch ein Häuptling Namens Valpeerd das Land unsier. Er bestraft Diejenigen, welehe ihm eine Tributzahlung verweigern, mit dem Tode. Die Eingeborenen halten ihn für einen Zauberer; an Widerstand oder an Auslieferung Valpeerd's wagt Niemand zu denken. Drei seiner Anhänger sind gefangen worden. Sie geben die Morde, deren sie angeklagt worden sind, ohne Weiteres zu. Einer sagte aus, daß er das Blut seiner Opfer als Zauber" trinkt. Die Verfolgung Valpeerd's ist deshalb besonders sehr schwierig: weil in der Gegend, wo er sich aufhält, kein Wasser und kein Gras für die Pferde zu finden ist. Bis jetzt hat man ihn noch nicht ergriffen. Die neuesten Kabeldepeschen melden, daß ein deutschen Posten überfallen wurde, daß der Leutnant Iobst sowie

ein deutscher Unteroffizier gefallen sind, und es scheint danach., daß ?n der That die deutschen Streitkräfte zur Niederwerfung der Ovambos unzureichend sind. Diese Mittheilungen stehen in schroffem Widerspruche zu den noch unlängst veröffentlichten amilichen. Berichten, nach welchen die Zustände in Südwest-Afrika im rosigsten Lichte erschienen. Wenn Deutschland jene schönen Gegenden behaupten will, wird es ansehnliche Mittel und eine bedeutende Trupn r&l iittfr?rrtn mit 11 ört itrtS V. iiiiikuuii uu u v ijiy.ii tiiuiii, unv drangt sich denn wieder einmal ,kt Frage auy, ob jener Besitz die großen Opfer werth ist, welch? die deutsch? Steuerzahler schon gebracht haben und noch bringen müssen, um auch" ein Kolonialreich zu haben. Die schönen Zeiten", da Spanien, Portugal, Holland, England und Frankreich durch Ausplünderung ihrer Kolonien aus letzteren finanziellen Nutzen zogen, sind längst vorbei. Heute bringen die. Mutterländer Opfer für ihre Kolonialreiche und nur Einzelne, Händler, Beamte und Rheder. haben Vortheil von den Tochterländern". Die Zeiten des Faustrechts sind ja Gott sei Dank im Großen und Ganzen vorüber. Der Einzelne, welcher seine überlegene Kraft zur Niederwerfung und zur Ausplünderung eines Schwächern mißbraucht, wird mit Zuchthausstrafen belegt, und wenn er sich dabei des Mordes schuldig macht, wird er gewöhnlich hingerichtet. Mit welchem Recht üben nun sogenannte Kulturstaaien jenes Faustrecht, welchs sie innerhalb ihrer Grenzen mit ' Gefängniß oder mit Hinrichtung bestrafen, gegen andere, schwächere Völser? Sie begehen da entschieden ein Unrecht, und da sich außerdem das Kolonialspiel sehr schlecht bezahlt, so sollten sie es schleunigst aufgeben. D e r K o n g o st a a t soll nach eine: unverbürgten Nachricht vomKönige der Belgier an Frankreich verlauft werden, welches naä einem Vertrage von 1864 das Vorkaufsrecht erhielt. König Leopold hat sehr viel Geld in das Unternehmen gesteckt und es wäre angesichts der vielen Unannehmlichkeiten, die er neuerdings ant dem Kongostaate hatte, erklärlich, wenn er letzteren verkaufen wollte. StUl,!Nt!,e. Der alte Rathsherr versuchte immer wieder die bittere Pille des Undankes mit der Oblate der Entschuldigung zu umwickeln. yon der Scl, Micro. Regisseur: Herr Direktor, heut' spukt's mit 'm Spiel'n! Uns're Anstands-Dame hat einen Mords-schwips!"