Indiana Tribüne, Volume 27, Number 73, Indianapolis, Marion County, 16 November 1903 — Page 7
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Claudine
.lorn st :t von x d a B 0 y - E d 0 (ijortfcfeung.) Brcndow sah sie suchend an. Es peinigte sie, daß er nur unklar wußte, was sie meinte. , Schweigen Sie." sagte er. Ihn fror erbärmlich. Und in seinen Schläfen hämmerte es schwer und dumpf. Er starrte wieder auf die weiße Tischdecke. Da lief und krabbelte es durcheinander wieder schlug er mit der Faust drein. Er trank einige Schlucke von dem starken, schwarzen Kaffee. Das that wohl. Er horchte auf. Draußen waren Stimmen baut. Eine sanfte, kaum verständliche, und die gellende, rücksichtslose der Frau Jarnikow. Oh, diese häßliche Stimme und diese endlose Zungenfertigkeit thaten ihm immer so weh. Nee. Fräuleinchen, da rath' ick Ihnen jründlich ton ab. Der Olle ist all' die letzten Tage nich nüchtern jeworden und seine fünf Sinne wie'n richtiger Mensch hat er meist nich zusammen." Brandow horchte auf. Von wem sprach denn das Weib? Aber die sanfte, leise Stimme redete dagegen. Und plötzlich that die Thii? sich auf. Ein junges Mädchen erschien auf der Schwelle, das Gesicht mit seiner durchsichtigen Blässe, umrahmt von dunklem Haar und unter dem Kinn geschlossenen Hut. war ihm zugewandt. Dahinter stand die Jarnikow. Herr von Vrandow. hier det Fr'aulein will mit Ihnen reden. Na man 'n bisken jalant jcjcn det schöne Geschlecht, stehen Sie doch auf." Claudine erglühte vor Scham über den Ton, den die Frau gegen Albrechts Vater anzuschlagen wagte. Lassen Sie uns allein," sagte sie strenge. Frau Jarnikow dachte: Na, jottlob jibt et ja noch Schlüssellöcher," und zog sich zurück. Zögernd stand Claudine im Nahmen der Thür, von dem weißgemalten Holz derselben hob sich ihre Gestalt ab. Der Mann war langsam aufgestanden und sah ängstlich zu der fremden Erscheinung hinüber. Der helle Märtag sandte sein scharfes Licht in das Zimmer und beleuchtete es in seiner ganzen kalten Anmuthlosigkeit. Ich bin Elaudine," sagte sie leise. Die Finger des Mannes bewegten sich nervös. Eine große Angst kam über ihn. Er wußte nicht, wer das war und doch wie eine Erinnerung rang es sich aus seiner umschatteten Seele auf oh. er hätte weinen mögen. Seine jammervolle Qual malte sich aus seinen Zügen auZ. glich einem unalücklicken Kind. Claudine kam heran, ergriff seine Hand und suchte mit ihrem klaren, großen Blick sein scheues Auge festzuhalten. In ihrer Seele war weder Furcht noch Abscheu. Sie begriff gar nicht, daß sie etwas Außerordentliches und sehr Peinliches erlebte: den sie fies) in einer Laae befand, die sich jäh zum Schrecken für sie verwandeln konnte; daß dieser ihr v'öllig fremde und seiner Sinne nicht ganz mächtige Mann ausfallend gegen sie werden konnte, nicht begreifen "könnte. wer sie war und was sie wollte. Sie fühlte nur, dies war Albrecht! Vater. Und ihr Blick mußte ihn be ruhigen, ihn, der sonst in große Angst gerielh, wenn Jemand ihn fest ansah. Sein Ausdruck verlor etwas von der banacn. aehehten Unsicherheit. Ich bin Claudine." sagte sie noch einmal, deines Lohnes Alorecht Braut, lieber Vater " Sie sagte das mit einer himmlischen Einfachheit, als hätte sie seit ihren ersten Kindheitstagen nie anders zu diesem llfann gesprochen. Er faßte ihre Hand fester. AI brecht." murmelte er. Albreckt." Albrecht ist krank," sprach sie weiter. ihre ganze Seele lag in den Augen, die sie jetzt eindringlicher noch auf ihn richtete. er ist krank, und icb b:n aekommen. Dich zu ihm zu bringen, daß r .. ? et r 'im u u ;on pflegen oussr. Krank? Wo?" stieß er hastig her aus. In meinem Hause, bei uns, wo auch Deine Heimath ist, lieber Vater," sagte sie langsam. Und dann, nach dem Äöaern einer Sekunde und während ihr Herz schwer zu schlagen begann: Er hat diese Nacht einen Schuß in die rechte Schulter bekommen. Todesstille entstand. Der Mann entzog dem Mädchen die Hand und begann wieder nervöse- Bewegungen mit den Fingern zu machen. Er sah ganz seitwärts, atbmete kurz, schien nachtudenken, zermarterte sein Gedächtniß ach umsonst, xz stieß .emen kurzen Laut aus, einen Ton der Verzweiflung, er suckite. er suckte. Diese Nacht " wiederholte er endlich dumpf. Plötzlich ging er im Zimner hin und her mit hastigen Schritten. Und wie ein Engel der Gnade, die Seele von dem heißen Wunsch erfüllt, daß sein Gedächtniß sich nicht klären möge, stand Claudine da, ihn mit Sorge und Liebe beobachtend.
Sie hatte keine Dcheu vor diesem fremden Mann, auch gar nicht das Gefühl einer Fremdheit. Es ist keine Gefahr für sein Leben vorhanden." sprach sie laut. Ihr war. als spräche sie mit einem, zu dem ihre Stimme nur durch .Hindernisse dränge. Er stand still. Keine Gefahr oh, das freut mich ja ja das freut mich." Er ging an den Tisch und stürzte den Inhalt seiner Kaffeetasse hinunter. Komm," bat Claudine, wir wollen zu ihm." Er wandte sich ihr zu, sah aber an ihr vorbei. Mit Ihnen dahin oh nein ich ich es geht nicht." Claudine ergriff wieder seine Hand. Nenne mich doch Du. Vater, ich bin Deine Tochter." sagte sie herzlich, gewiß kommst Du mit mir. An Albrechts
Bett ist Dem und mein Platz." Diese Nacht sagst Du?" murmelte er. Claudine erschrak. Sollte dennoch in ihm ein Erinnern tagen? Hier wurde die Tvur aufgerissen. Doktor Thomasius kam herein und blieb verdutzt stehen. Eine vornehme junge Dame? hier? Claudme hatte den Doktor Thomasius wohl zwanzigmal von Onkel Hans beschrieben bekommen und errieth auf der Stelle, wer das sei. Sie richtete sich em wenig auf und nahm, vielleicht unbewußt, eine stolze, ablehnende Haltung ein. Mem Herr," sagte sie, Sie kommen in einem ungünstigen Augenblick. Herr von Brandow. mein lieber Schwiegervater, ist im Begriff, mit mir zu seinem verwundeten Sohn zu gehen." Doktor Thomasius hatte sich höflichst verneigt. Mademoiselle," sagte er, ich höre mit Schrecken, daß Ihr Herr Verlobter verwundet worden ist. Viel edles Blul ist geflossen auf beiden Seiten! Es komme über die. die gestern das Militär auf die Bürger gehetzt. E i n Versuch der Verständigung mit uns, und Ihrem Herzen, tausend Herzen Ware todtlicher Gram erspart. Claudine war nicht Lena. Sie hatte nichts zu antworten. Sie erwog auch nicht das Leid der tausend Herzen, sondern nur das des einen! Diese Nacht." sagte Vrandow. Thomasius. diese Nacht." In welcher Stadtgegend?" fragte Doktor Thomasius. etwas unruhig an seinem Knebclbart zerrend. Er hat mit seiner Kompagnie an vielen Stellen gefochten. Die Wunde erhielt er auf der Barrikade in der Taubenstraße, an der Ecke der Friedrichstraße." sprach Claudine. Sie stand am Tisch und stützte sich mit der Hanv darauf. Ihre Bücke bohrten sich in daAntlitz des Demokraten. Fest und befehlend. Sie sah nicht nach rechts und sah doch, wie durch ein doppeltes (3zsicht. daß Vrandow mit angstvoll fragenden Mhnen den Freund anstarrte. Sie befahl mit ihres AugeZ ganzer. überweiblicher Kraft: Wenn Du ein Mensch bist sprich jetzt eine Lüge der Barmherzigkeit, falls Du die Wahrheit ahnst!" Und Doktor Thomasius sprach mit dem Achselzucken des Unwissenden: Also ist auch in jener Stadtgegend gckämrf! worden? Ich vin zur Stunde noch nicht völlig crientirt. Wir, Brandow, wir haben auf der ruhmreichen Barrikade in der Bieitenstraße zekämpft." Ach" sagte Brandow. Es klang wie ein großer Seufzer. Claudine wußte nicht, hatte dieser Mann gelogen, oder war er wirklich unwissend? Hatte er den Freund ren der Seite verloren gehabt, oder neben ihm gestanden, als jener Schuß aus des Vaters Waffe den Sohn niederstreckte. Nun, alter Freund, dann eilen Sie zu Ihrem Sohn," ermähnte Thomasius und ging an den Sekretär, zu welchem er. wie Claudine mit Erstaunen bemerkte, den Schlüssel aus seiner Tasche zog. Aber Sie hier allein," stammelte Brandow. Ich habe zu schreiben. Sie wissen ja, in meiner Wohnung ist es so im ruhiq." sagte Thomasius. Als Claudine später Lena die Sache mit dem Schlüssel erzählte, sagte Lena: Also das ist's, was sie von Brandow wollten, wozu sie ihn brauchten. Im Zimmer des armen Mannes, dem wohl Niemand eine leitende Rolle zutraut, haben sie ihre gefährlichen Korrespondenzen besorgt und ihre Schrist stücke verwahrt." Und Thomasius kramte, als sei er bei sich, in den Schubladen des Sekretärs. So komm denn, Vater," drängt: Claudine. Ueber Brandow kam von Neuem eine große Angst. Er sollte über die Straße gehen, am lichten Tag, mit dem schönen, vornehmen Wesen da, er in seiner Unbeholfenbeit. Und dann jetzt fort, s 0 fort, mit dem ungestillten, brennenden Durst auf der Zunge? Ihm war, als trügen seine Kniee ihn nicht, als müsse er zusam menbrechen. wenn er nicht vorher sich gestärkt habe. Er sah nach Thomasius, doch der nahm, ob aus Taktgefühl oder weil er so beschäftigt war, leine Notiz mehr von Brandow, .sondern tauchte gerate seine Gänsefeder m s große gläsern Tintenfaß. Er sah auf Claudine und begegnete ihrem freundlich ' auf ihn gerichteten Blick. - Ein Zittern lief durch seine Glieder.
: nem 5Nantel und Hut und trat auf Claudinen zu. Tann, als treibe ein unbesteglicher Zwang ihn. kehrte er jäh um. ging an die Kommode, wo neben den Alabastervasen mit den Wachsblumen eine Flasche und ein Gläschen standen, und schenkte sich ein. Als er den Inhalt des Glases hinuntergestürzt hatte, ward ihm besser zu Muth, er kehrte an Claudinens Seite zurück und murmelte: Also gehen wir." Doch wagte er nicht, sie anzusehen. Sie jedoch hatte seinem Gebühren mit völlige Harmlosigkeit zugesehen. Onkel Hans nahm jeden Morgen seinen NordHäuser und hatte seiner Schwägerin hundertmal schon auseinandergesetzt, daß er sich damit Doktor und Apotheke vom Leibe halte. Ein guier Kornschnaps ist auch 'ne Gabe Gottes und expreß für'n Magen alter Soldaten geschaffen." pflegte er zu sagen. Einer, morgens früh Medizin! Zweie schon Gift!" Sie gingen treppab. Draußen umfing sie der weiße, kühle Märztag. Keine Farbe, weder am Himmel noch in der Natur, nur Licht, scharfes, schmerzendes Licht und ein herber Athem in der leicht bewegten Luft. Das Wasser der Spree fluthete schwarzglasig in kleinem Wellengekräusel. Drüben reckte sich, an seinem Fuß umspielt vom Fluß. das graue, steinerne Königsschloß empor. Schwarzes Geäst noch kahler Linden drängte sich neben seiner Mauer heraus. Sie gingen dieMilitärakademiestraße entlang, um die Brücke zu überschreiten. auf welcher im zeitgeschwärzten Erz sich die gewaltige Reiterstatue des großen Kurfürsten erhob. Sein gebietendes Antlitz sah unter der Lockenperücke hervor und über den Fluß hinaus. Die Sklaven, zu den Füßen des Monumentes, hielten ihre Ketten. Die Straßen begannen sich schon zu beleben. Neugierige, welche die Verheerungen der Nacht sehen wollten, aufräumende Arbeiter. Studenten, die neue Ereignisse erwarteten, zogen auf dem Schloßplatz hin und her. An einem Punkte staute sich die Menge. Man trachtete eine Proklamation des Königs zu lesen, die um sieben Uhr angeschlagen worden war und in welcher der König seine lieben Berliner" zur Ruhe ermähnte und alles Vorgefallene zu vergeben und vergessen versprach. Gib mir Deinen Arm. sagte Claudine. Sie drängte sich nahe an Brandow. Schweigend schritten sie durch die Menschheit, die mehr und mehr anwuchs. Sie befanden sich inmitten dieser Volksmenge wie in einer völligen Einsamkeit. Sie nahmen keinen Theil an den Erregungen, ihre Hezen klopften nicht stärker bei den Schlagworten des Tages. Claudme strebte mit der ganzen Sehnsucht ihres Herzens wieder dem Geliebten zu, den sie auf eine Stunde verlassen, und die Ansammlung der Menschen hatte für sie nur die Bedeutung emes Hindernisses am schnellen Fortkommen. Der Mann aber an ihrer Seite ging wie in einem Traum. Einst, vor Zeiten, hatte auch ein liebes, schönes Wesen an seinem Arm gehangen, umweht von dem Duft der Jugend und Vornehmheit. Das war lange, lange her. Dann schritten sie nur noch nebeneinander und es war, als gähne zwischen ihnen eine tiefe Schlucht auf. Und immer hatte er getrachtet, hinüber zukommen, von einem Wunder die Kraft dazu erhofft. Aber sie. die druben neben ihm wanderte, war vorzeitig hingewelkt, in Freudlosigkeit zum Tode eingegangen. Er hatte es nicht verstanden, seine Scheu zu überwinden, die ihn immer fern und ferner von ihr gehalten. Und diese selbe Scheu beklemmte auch letzt seine Brust vor der Braut seines Sohnes. Er konnte es nicht fassen, daß sie so zutraulich an ihm hing an ihm. dem das Elend doch wie ein Fluch auf den verfallenen Zügen geschrieben stand. Er konnte es nicht fassen, daß sie mit ihrer zierlichen Kleiderschonheit neben ihm ging, dessen schlechter Rock schon jährelang nicht mehr erneuert worden war. Sah sie das gar nicht? Er zitterte davor, daß em befremdeter, fcharfer Blick ihn aus diesen jungen Augen tref fen könne wie er ihn einst getroffen aus den Augen eine? Anderen. Er fühlte: eine unbehaglich verlegene Miene, ein unzufriedener Blick von ihr und er hätte ihren Arm losgelassen und wäre entflohen. Der helle Märztag, die Volksmenge um sie her. alles war wie ein fernes, unbestimmtes Etwas. Der Mann suhlte nur emes: eme bren nende Scham, daß er nicht stolz und aufrecht das liebliche Wesen fuhren konnte, das sich ihm anvertraut hatte, daß vielmehr sie es war, die ihn führte. Denn wenn Claudine eng sich an seinen Arm drängte, that sie es mcht im Gefühl, von ihm Schutz zu empfangen, fondern vielmehr in der Vorsicht, ihn sicher zu geleiten und vielleicht auch um die Männer, die ja zuweilen dreist in ihr Gesicht sahen, glauben zu machen. sie habe emen Vertheidiger neben sich. Er versuchte aus seiner gebückten Haltung sich zu einer kühneren auszuraffen. Sie näherten sich der Taubenstraße; vom Gendarmenmarrt kommend, muß ten sie über den Fahrdamm der Fried richstraße gehen. Clauidnen wurden die Füße schwer
Er gab sich einen Ruck, griff nach sei-
die über die Stätte schreiten sollten, wo Albrecht gestern gefallen war, hingestreckt von seines Vaters eigener Hand.
Und wurde die Umgebung nicht doch die Erinnerung aufwecken in dem unglücklichen Mann? Nein, Ruprecht von Vrandow veränderte seinen Ausdruck nicht, als sie über die Stelle hinwcgschritten, wo aufgerissenes Pflaster. Reste von zerbrochcnem Geräth, schwarze ausgebrannte Feuerstellen im Sande von dem Kunde gaben, was hier geschehen. Claudine wußte mcht. dan all die einzelnen Bilder des 5Iampfes gestern und in der Nacht einander zum Verwechseln ähnlich gewesen, und daß vor Brandows jetzt schon erheblich erhelltem Gedächtniß nur eine Barrikade stand, nur e i n Pulverdampf sich noch ballte, e 1 n rother, düsterer Schcm lohte. Er hatte angestrengt versucht zu denken, aber weil es eben nur dies eine Bild war, was er vor sich sah, konnte er qar nicht auf den Gedanken kommen, daß er willenlos m'taegangen sei, von einer Stätte zur anderen. Wir sind hier!" sagte sie sanft und zog die Klingel an der Hausmauer. Brandow sah sie an.seme Angst hatte schon die bestimmtere Form des Mißtrauens angenommen. Würde sie nun nicht verlegen werden ihn mißbilligend ansehen Aber das Licht der Liebe blieb immer gleicy leuchtend m ihren Augen. Komm, lieber Vater." sagte sie. Der alte Jakob öffnete die Thür. Er verneigte sich tief, wie es seine altmodische Art war und wagte keinen Blick auf den Herrn. Lena hatte ihm gesagt, wer mit Claudine kommen würde, und Jakob war zu ehrerbietig, um Neugier zu verrathen, obgleich sie in seinem alten Herzen brannte. Denn der Schwiegervater von unserer Dma" war ihm keine gleichgiltige Person. Claudine hielt Albrechts Vater immer an der Hand und schritt so Mit ihm die Treppe empor. Brandow konnte kaum vorwärts. Gewiß, da oben würden Menschen sein, die ihn verachteten, ihm das zeigten, ihm weh thaten wie sie ihm immer weh gethan, die er so wahnsinnig geliebt Oben an der Treppe stand jemand, noch ein Weib. Im hellen Licht, das durch das Treppenfenster fiel, schien es Brandow, als ob da aus einem klugen Gesicht spötiische Augen durch eine goldene Brille auf ihn blickten. Claudine preßte seine Hand fester. Wie geht es?" fragte sie. Albrecht glaubt, Tu schläfst. Das freut ihn. Er ist etwas matt. Gesprochen hat er kaum. Guten Tag. Herr von Vrandow. Oh. wie freue ich mich, Albrechts lieben Papa endlich zu sehen. Nun lassen wir Sie nicht mehr von uns." Und Lena schüttelte ihm die Hand und schien gar nicht zu bemerken, daß das eine kraftlose, zitterige Hand war. Und sie sah auch gar nicht spöttisch aus. sondern ganz freundlich. Ich ich danke sehr." murmelte Herr von Brandow. Seine Augen wurden ihm naß. Er versuchte dagegen anzukämpfen. Das ist meine Schwester Lena, lieber Vater," sagte Claudine, Tu mußt nur wissen. Lena ist viel klüger als ich." Ja," sprach Lena lachend und klopfte Claudinen auf die Wange. Sie müssen schon ein bischen vorlieb nehmen mit der Schwiegertochter." Zum Scherzen hatte der arme Mann keine Leichtigkeit der Gedanken. Aengstlich sagte er: Ich möchte zu meinem Sohn." Komm," bat Claudine und zog ihn mit sich. Lena, mit augenblicklich verfinstertem Gesicht, sah ihnen nach. Nein," dachte sie, während ein Frösteln durch ihre Glieder schlich, daran scheiterte meine Liebe. Das könnt' ich nicht. Harmonisch müßte alles sein, ästhetisch. Einen Vater mit in den Kauf nehmen, vor dem ich keinen Respekt haben könnte nein. Ist Claudine so blind, oder liebt sie so erhaben?" Lena schloß sekundenlang die Auge. Aber man mutz das schonen," murmelte sie vor sich hin. Man muß den Mann um Claudinens willen zart an fassen. Blumen und Kranke vertragen keme harten Griffe. Das Süßeste und das 5äßlichste begehrt die gleiche Scknung wunderlich! Nun, ich muß Mama vorbereiten. Onkel Hans i,. gefahrlos. Ter kann sagen, was er will, es thut nicht weh." Und sie begab sich zu ihrer Mutter. , Claudine aber stand vor der Thür des Geliebten. Sie klopfte an und rief zugleich: Ich bin es." Ihre Stimme bebte. Sie öffnete die Thür. Ihre Wangen wurden bleich. selbst aus ihren Lippen entwich die Farbe. Und der Verwundete in seinen Kis sen. der sich erwartend halb aufgericht gehabt, sank zurück. Auch sein Angesichl überzog die Blasse des Todes. Er sah seinen Vater wieder. Der aber ging mit seinen unsicheren Schritten biszum Bett vor und erfaßte die Hand des Sohnes. Er wollte etwas sagen, aber er konnte nicht, er fing an zu weinen, wie ein Kind weint. Claudine nahm seinen Kopf an ihre Brust und legte mit schüenocr G:berde ihre Arme um den weinenden Mann. Sie sah Albrecht an; aus ihren Augen tropften Thränen nieder auf das Haupt des Vaters, Thränen heiligster Barmherzigkeit. ' Albrecht schwieg, seine Lippen bebten.
In seiner Seele war ein fürchterlicher Zwiespalt. Die heiße, nie erschöpfte Liebe zu seinem Vater rang mit der Scham vor ibr, von der er Mitleid anstatt Ehrfurcht für seinen Vater begehren mußte. Und die furchtbare Angst kam ihm. daß ihre Frauenliebe nie würde vergeben können, was seine Soh-
nesliebe nicht zu vergeben brauchte, weil sie es nicht als Schuld anrechnete: den Schu', den er von ihm empfangen! Er sah das müde Haupt semes armen Vaters an Claudinens Brust, sah die schönen Thränen in ihrem Auge. Ach, alles vielleicht nur durch die Gewalt der ernsten Stunde so zusammengeführt. (Fortsetzung folgt.) Lcdcnövcrfillicruttfl und r?!cr). In Italien wird es immer mehr Brauch, daß die Herren Mörder ihr Opfer, bevor sie es erdolchen oder vergiften, in die Lebensversicherung aufnehmen lassen. Neuerdings werden wieder zwei Falle der liebvollen Fürsorge eines Mörders für seine Opfer in Sizilien mitgetheilt. DerMorder heißt Vincenzo Battaglia und ist m seinem bürgerlichen Beruf Zitronenhändler. Vor zehn Jahren hatte er rn seinem Geschäfte einen Angestellten namens Eugenio Trinca. Der Unglckliche hatte eine schöne Frau, die seinem Herrn gefie.. Eines Tages wurde der arme Trinca in einem Dorfe bei Palermo ermordet aufgefunden. Ein Meuchelmörder hatte ihm zwei Kugeln m die Brust gesagt. Zum Troste der Wittwe stellte stch heraus.daß das Leben ihres ax--men Mannes kurz vorher mit 70,000 Lire versichert worden war. Der Verdacht, den Mord verübt zu haben , fiel auf Vincenzo Vattaglia. Aber der brave Zitroncnhndler konnte sein Alibi einwandfrei nachweisen. Die Versicherungsgesellschaft weigerte sich, die 70,000 Lire zu zahlen. Sie machte geltend, daß die Versicherung von dem des Mordes verdächtigen Batiaglia beantragt worden sei, wie Vattaglia auch die paar Versicherungsprämien bezahlt habe. Aber die Wittwe des Ermordetcn strengte einen Prozeß an und gewann ihn. Vattaglia und Frau Trinca lebten nun zehn Jahre herrlich und in Freuden, aber schließlich wurde das Geld alle, und Vattaglia beeilte sich, ein neues Versicherungsgeschäft abzuschlieeßn. Diesmal wa: sein Opfer ein kleiner Eisenbahnbeamter namensCorlese, dem Vattaglia einige hundert Lire glichen hatte. Angeblich, um eine Sicherheit in Händen zu haben, ließ er das Leben seines Schuldners mit 50,--000 Lire versichern. Als die Versicherung abgeschlossen war, lud Vattaglia eines Tages den guten Cortese zu sich und trank mit ihm ein paar Flaschen Wein. Auf diesen Wein wurde Cortese todtkran! und der Arz.' stellte Arsenikveraiftung fest. Er zeigte die Sache an. Aber Vattaglia, der gute Verbindüngen mit der Polizei unterhält, bekam Wind von der drohenden Gefahr und entfloh. So konnte bloß seine Eeliebte, die Wittwe des armen Eugenio Trinca. verhaftet werden, die bei dem Vergiftungsversuche mit geholfen hatte. Sie gestand das Verbrechen und auch die Ermordung ihres Mannes ein. Hin russtsäzes Dlaiics" efch. Ueber einen sonderbaren Paragraphen des russischen Kriminalkodex schreibt die Petersburger Zeitung": Es giebt in dem russischen Kriminalkodex einen Paragraphen 1592, der einem Vater das Recht giebt, seine Sprößlinge, wenn diese durch Ungehorsam, Zuchtlosigkeit, wüsten Lebenswandel u. s. w. dem Vaterherzen zur schweren Last werden, gerichtlich bestrafen zu lassen, und zwar mit Gefängniß bis zu vier Monaten. Dieses Gesetz, eine Erbschaft aus der Zeit, wo den Eltern fast despotische Gewalt ihren Kindern gegenüber eingeräumt wurde, ruht jetzt vergessen im Kriminalkoder mit anderem Kriminalgerümpel. Es lebt aber noch frisch im Volksbewußtsein. So sahen wir den Bauern Bokleschow vor den Gerichtstisch treten und seine Anklage gegen seinen ungerathenen Sohn schleudern: Bestrafen Sie ihn, Excellenz, er ist ein Säufer, ein wüster Geselle, er gehorcht mir nicht, erlaubt sich seinen eigenen Weg zu gehen und schimpft seinen Vater, bestrafen sie ihn!" Der ungrathene Sohn ist 30 Jahre alt. Ein Beweis, wie sehr der Begriff der väterlichen Gewalt, unberücksichtigt des Alters des Kindes, noch in der Volksseele Wurzel gefaßt hat. Alle Mühe des Präsidenten, den Alten, eine charakteristische Gestalt, die sich selbstbewußt auf denKnotenstock stützte, weiß von Haaren, ein Patriarch, zur Vernunft zu bringen, war vergebens. In diesen Fällen ist Verzeihung der Schuld gesetzlich vorgesehen, aber der Alte pochte auf sein Patriarchenrecht. Der Sohn gab zu, die Flasche zu lieben, berief sich aber darauf, daß er leben könne, wie es ihm gut dünkt. Die alte und die neue Zeit standen sich hier feindlich und cegensätzlich gegenüber. Das Gericht" schlug einen Mittelweg ein. Es verurteilte den zucktlosen dreißigjährigen Sohn zu 2 Monaten Polizeiarrest und der Alte verließ mit Genugthuung den Saal. ?er Qcvv im Zause. Wenn ich mal verheiratet bin, dann werd' ich der Herr im Hause sein." sagte der kleine Fritz. Das hat Dein Vater auch gedacht, wie er in Deinem Alter war," erwiderte- die Mama.
Feuer - Signale.
k Pnmsylv nd Market i Cnglish'S Opern-HauS Eastund Nlo Fort 7 Noble und Michigan S N. Jcrjky u. Mass Au r Pine und North .0 Market und Pwe tl Vermont nahe ?ast ' Nz. S Spritzenhaus Maff. Av nahe Notte 13 Deware und Walnut u Jersey u Centra! A. lS Mass. und EornellAd, 5 Afh rn d 11. trete .7 Park Live und 12 .3 Coiuml,, und Hillsid 19 High land Ave u. Pratt kl JllinoiS und St. Joe ts Pennfvlv. und Pratt u Meridian und 11. Ctr No.S Spritzenhaus 15. nahe JllinolS i Senate Ave u.CtC!a 27 Illinois und Michigan Pesylvania und 14, s Senate Ave. und 15. J. No. 1 Spritzenhaus Inv Ave naheMichigan ü Meridian und LZalnut H California u Vermont ?s Blake und New Aork Z Ind. Lv. u. Lt. Elatr 17 Eity Hospital ? Blake und Norty ZS Michigan und Ztfici tl No. 6 Spritzenhaus Washington nahe Weff 2 Esend?rf u Wash. 13 Missouri tt New Dort 5 Meridian u Wash S JllmoiS und Ohio 47 Capitol Av. u Wash 4S Kingan'S PorkhauS 4 Straßenbahn EUlle W. 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Washington 427 Oliver und Birch 428 Oliver und OSgood 429 Nsrdyke und Dort 431 Hadley Ave u, MorriS 432 River Äve u. Morris 434 River Av und Ratz 435 Harding u. Big 4 R ? 436 Harding und Oliv 437 No. 19 Cpritzenh?Z MorriS und Hardina. iM Howard cnCiSttS 439 Standards 451 ReiSn und EKZ 452 Howard und Sei 453 MorriS und &tbrf 456 Lambert und Seiend 457 Nordyk Ave u. Vac mon WorU 51 West und Roch 613 entucky Av u. Merr 514 Meridian und Momß 51 Illinois und ansaß 517 Morris und Dakota 518 MorriS und Church 519 Capital A. u McCar. 521 Meridian und Pal 523 Pine unk, Lord 524 Madisor.Avu2tntN 26 Meridian und Beit R5 527 CarloS und Ray 58 Meridian und Arizona 529 Meridian u. Raymond 531 Meridian u. McCai. 522 No. 17 kpritzenhS MorriS nah West - 6 McÄanan and Douh. 613 Last u. Lincoln i 14 East und Oeechu 515 Wright und Tanderk 17 McCarty und BeaUz IS New Jersey u Cw Ave 712 Cpruce und Prosp 7 Cnglish Av. u. Laurel 714 State Avu.Belt 9 715 Ehelby uud Beech 716 Ctate Ave md Orm 71 Orange und Laurel 719 Chelby u. Cttia 721 LeringtonA. st.m4 728 Fletcher Aveu. Crutf 724 State Ave u. Pleasan r6 Prospekt und ?!easar.1 726 Orange und Harkt 728 Liberty und Wea 729 Noll: und South 81 No. 15 Spritzend, cmb Ost Washington ü'4 818 Market und Noble 814 Ohio u. Highland Zl 815 Michigan u. Highlan: 816 Market u Arsens' t 817 Ost S Clair und Union Bahn Geleise. , 821 Pan Hantle Shcps 823 Vermont und Wako 824 Wash. und State Ad. 825 Maddm'i kounge Kab 82 Duckn und Dorsev 827 Wash. und BevUle Zlv, 829 No. 12 Spritzenhaus eville nah, Michiga 831 Southeastern Zwirn Woodsid. 838 Wash. und Darbor, 34 Southeastern und Arsen! AveS. 835 New Dork und Tempi 12 Illinois und Maryl. 18 JllmoiS und artet 14 Penn, und &a. 15 Tklawan md Spezial-Siznale. krsten EchlZge, zweiter Alarm, Awiten Schläg, dritter Alarm, Dritten 2 Schläge, vierte? Alarm. l-R-l, Feuer aus und Schlauch aufgerollt. 8 Schlage, Lbasserdrulk ab. 1 SchlZge. 12 Uhr Mittag. Die so bezeichneten Signal werden dom Dhur Wächter angegeben da an den betreffend Straß kreuzungm keine AlarmkAste? aneebrecht sind. Chicago und der große Nordweften di -? o)) ijsimissi3ikBsm Iteag lakka Vawali-Pbtltddtne Jckselu. Vier tägliche Schnellzüge nach Chicago. Zon der Monon 47. Str. Station. Chicago. lndvurki Minuten mittelst elektrischer gar na cd den Union Bielzböfen French LIck Springs, Indem Orange Tounty Hochland. ffamilitn-Hotei anter neuer eschäftöleiiung. Pluto, Proserpine md Bowle Quellen. Bette Mineralwasser der Seit. Zwei Züge täglich via Srer.lcastle. Ticket-Officen : Union Station, Massachusetts vl und A West Washington Straße. R. P. 1 g e . Distrikt Paff. Agent, Indianapolis. Ind. . H. MeDel, C. H. R o ck w e ll. Präs. und Gen. Mgr. ttrlebsleilt? Frank I. eed. kn-Pzi. gent. bicaa.0. III.
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