Indiana Tribüne, Volume 27, Number 72, Indianapolis, Marion County, 14 November 1903 — Page 7

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Judiana Tribüne, ! November 1903

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Claudine -c 1 ernt an von I d a B o y - E d (Fortsetzung.) Sein IKegimsni," schrie Claudine. Es scheint blos 'ne Kompagnie." sagte Onkel Hans. Er - ei!" Claudine fühlte es, irutjtc es, als habe es ihr deutlich Jemeint) zugerufen. Mit gefalteten Händen flehte sie zu den Männern: Ceffr.et die Thür! Laßt mich sehen! Laßt uns helfen! Es können Verwundete da sein! Oeffnet die Thür!" Fräulein," sagte der alte Jakob, sein greises Haupt schüttelnd, das geht nun nicht." Aber Lena drehte schon den großen Schluß el um und nestelte an der eisernen Kette, die von innen vorgelegt war. Hallo, Ihr Mädchen!" rief Onkel Hans. Claudine fiel ihm in die Arme. Nun," sagte er und sah die Männer an, wenn die Mädchen sich nicht fürchten " Sie standen und horchten. Tas Geschrei und die Schüsse, der Lärm der ferneren Kämpfe vermengten sich zu einem gleichmäßigen, schaurigen Getöse. Durch das Querfenster, welches die obere Füllung der Hausthür bildete, sah man einen düsierrothen Schein. Wartet, Kinder," sprach Onkel Hans fast leise, wenn es stiller wird draußen, dann ist der Augenblick da für Euch." Sie antworteten nicht. Claudine starrte mit großen Augen immer auf die Thür. hre stumme Angst ergriff nach und nach auch die Männer. Niemand wagte mehr ein Wort. Die Spannung wuchs im Schweigen bis zur Unerträglichkeit. Und dann sckraken alle jäh zusammen. Einz Hand führte draußen Schläge gegen die Tbür schwach unsicher Der Oberst stürzte nach vorn und stieß die Mädchen zurück. Was da auch Einlaß begehrte, Freund oder Feind, ihm, dem Mann, kam es zu, der Gefahr oder dem Schrecken zuerst in's Auge zu sehen. Er riß die Thür auf. Ein Schrei ertönte. Albrecht taumelte herein, sah sich wirr um. wollte auf Claudine zustürzen und sank, die Arme schlaff am Leibe, neben ihr nieder. Sie kniete neben ihm. die Stirn tief über ihn gebeugt, die Augen starr auf ibn gerichtet. Und seine erlöschenden Blicke suchten ihr Angesicht. Seine Sinne schwanden ihm nicht ganz. Er wußte, wo er war. Mit lalV lender Zunge wollte er sprechen. Sie nahm sein Haupt in ihren Arm und bettete es auf ihren Knieen. Der wahnsinnig? Schreck hatte ihr nicht die Besinnung geraubt. Sie wandte ihr Gesicht suchend und bittend der Schwester zu. Aber Lena war schon von selbst davongeflogen, klar besonnen wie immer. Onkel Hans stand wie vernichtet. Der alte Jakob schloß mit Pröhles Diener auf eigene Faust die Thür wieder Claudine neigte sich abermals tief über den Geliebten. Mein lieber Albrecht!" sagte sie so sanft, fo ruhig, als sollte ihre Stimme Frieden und Hoffnung in die Seele des Verwundeten hinüb'rtragen. Und Albrecht sah sie an, stumm in höchster Noth. Da kam Lena, mit Wasser. Essig, einem Schwamm und Leinwand, hinter ihr drein das Dienstmädchen mit Kissen und Decken. Sie fuhr mit sanfter Hand über Albrechts Gesicht, es ein wenig mit Wasser feuchtend. Er empfand die Wohlthat. Er rührte sich, hob das Haupt ein wenig, sah Claudine wieder an und stammelte: Von meinem Vater !" Tann fiel er zurück und schloß die Augen. Sie blieben alle wie entgeistert. Claudine ward bleich wie der Tod. Die Anderen wandten scheu den Blick von ihrem Angesicht, schamvoll und keusch, damit ihrer Seele Leiden keine Zeugen habe. Eine bange Minute verging. Wir wollen ihn hinauftragen," sprach Claudine da mit klangloser Stimme. Ich kann gehen," flüsterte Albrecht. Die Nähe der Geliebten, die Stille um ihn fing an seine Nerven zu beruhigen. Onkel Hans half ihm auf. Schwankend stand er da. Er muß in's Bett ich werde ihn verbinden " Mit dem geübten Auge des alten Kriegers hatte er gesehen, daß das Tuch von Albnchts Rock in der Nähe der rechten Schulter blutdurchtränkt war. Verbinden," sprach Albrecht mühsam. und dann wieder hinaus." Unsinn." Jch bin nicht kampfunfähig." segle er. ..So, dann hebe mal den rechten Arm koch!" befahl Onkel Hans rauh. Albrecht versuchte es und stieß einen leisen Wehlaut aus. Aber die Linke, die Linke " stot terte er und fuhr mit dem linken Arm durch die Luft, als schlüge er drein.

Onkel Hans antwortete nichts. Er sah ihn für ein unmündiges Kind an, stützte ihn mit starkem Arm und führte ihn treppauf. In wenigen Minuten hatten die Schwestern das Fremdenstübchen in lUnuuii gebiuCn. CaC fUÜU;Ul lein Wort zusammen, sie verstanden sich von selbst und arbeiteten einander in die Hände. Und als d.as Lager bereitet war. ließen sie die Männer allein. Sie gingen zusammen nach vorn. Sie dachten nicht darar?, die Mutter zu benachrichtigen. Sie saßen eng aneinander gedrückt in der Sofaecke und starrten in's Dunkle, denn die Lampe hatte Lena zu den Männern getragen. Sie hörten auch nicht den forttobenden Kampfeslärm. Sie dachten und empfanden nur das eine: Von seinem eigenen Vater! Stunden schienen ihnen vergangen, bis Onkel Hans geräuschvoll eintrat. Er hatte einen Leuchter mit einem Wachslicht in der Ha.'d und sah krebsroth aus vor Anstrengung und Aufre-

gung. Er stellte den Leuchter hart auf den Tisch. Claudine war aufgesprungen; ihre Mienen, ihr Auge stellten hundert angstvolle Fragen. Onkel Hans räuspert: sich. Ja so nach meinem Verstand ist das 'ne Fleischwund?, ohne Belang, wenn man erst die Kug:! 'raus ist. Die steckt drin, darum kann er den Arm nicht bewegen. Der Blutverlust hat ihn für'n Augenblick umgeworfen. Aber das ist ja nichts. Die fixe Idee, die fixe Idee, das ist das Schlimme." Was für eine fixe Idee?" fragte Lena. Na, er meint, er sei nicht kampfunfähig gewesen. Er sei sozusagen sahnenflüchtig. Ja. damals, als es gegen die Franzosen ging, wißt Ihr Kinder, so anno dreizehn, als Greise und Knaben zuletzt mit hinauszogen und die Verzweiflung und die Wuth uns an der Kehle saß, da hat noch mancher mit der Linken gefochten, dem die Rechte zerschössen war, und damals machte nur der Tod kampfunfähig. Aber so und heut und Albrecht nein, das kann kein Gott und kein König verlangen, daß einer weiter ficht, der 'ne Kugel im Fleisch stecken hat von seinem leiblichen Vater nee da hört die Menschlichkeit cuf." Onkel Hans zog sein enormes, tür-kifch-seidenes Taschentuch hinten aus seiner Rocktasche und schneuzte sich. Ich will zu ihm geben," sagte Claudine. Als sie in Albrechts Zimmer trat, fand sie ihn auf dem Bett. Hinter ihm waren viele Kissen hoch aufgelhürmt. daß er halbsitzend den dunklen Kopf zurück!cbn?n konnte Onkel Hans' brauner llefcerrcc war ar.tfatt einer eae lose über seinen Körper streitet. Der linke Arm lag frei da. ti: Finger toaxn in die seidene dunkle Decke gekrallt, auf, welcher Albrecht ruhte. Der alte Jakob, der neben ihm saß. nhoü siH und schlich auf Claudine zu. A?r morgen werben wir ja keinen Arzt haben können. Aber Her? Oberst hat es großartig gemacht: gewaschen und verbunden wie ein Jcldscheer. sagt er selbst." Er ging auf Claudinens Wink hinaus. Sie aber trat an da? Bett und sah auf den geliebten Mann bernieder. Sein männliches klugcS Gesicht hatte einen scharfen Leidcnszug bekommen, sein dunkles Haar, dicht und wirr, sah schwarz aus über der bleichen Stirn. Und die Augen, die lieben, in jugendlicher Lebensfreude sonst lodernden Augen waren geschlossen, ein bräunlicher Schatten lag auf den Lidern. Sie kniete neben dem Bett nieder und küßte leise seine Hand. Er öffnete die Augen. Sie sahen sich lange und tief an. Claudine hatte gleichsam ihre eigene Existenz vergessen. Sie sorgte sich nicht einmal um seine Wunde, nicht um die Zukunft, fühlte keinen eignen Schmerz. Sie litt nur an ihm. litt dasselbe, was ihn vernichtet hatte: Vom eigenen Vater " Unter dem stummen Blick veränderte sich sein Ausdruck allmälig. Ein bitteres Lächeln entstellte fein Gesicht. Kannst Du mich noch lieben?" flüsterte er. Albrecht!" rief sie und küßte wieder wie in Unterwürfigkeit seine Hand. Einen Fahnenflüchtigen!" sagte er laut und hart. O mein Gott, Du, der Tu Dein Blut vergossen hast!" rief sie und sah ihn flehend an, foltere Dich nicht so." Höre," sprach er heiser. Claudine erhob sich und beugte sich über ihn, die Worte von den Lippen lesend. Dir muß ich es sagen, Dir, damit Du weißt, ob Du noch die meine werden magst. Seit Stunden sind wir im Kampf Dich hatte ich vergessen den Vater ein Soldat soll nichts se hen und denken, wie seine Pflicht. Von Barrikade zu Barrikade siegend! Gott, warum fiel ich nicht da! Aber hier, hier, als im unsicheren Licht er vor mir stand, da entfloh mein Muth ich fühlte nicht die Kugel nicht die kleine Wunde, die nichts ist, nichts ich sah nur Ihn dachte nur an Ihn. Das warf mich nieder nicht die Wunde glaube mir. Darum floh ich nicht we gen der Wunde. Ich war nicht kämpf unfähig. Ich habe meinem König den Eid gebrochen. Ich bin aus der Schlacht entwichen, ehe sie entschieden war, und konnte noch drein hauen konnte noch. Verzeih mir verlasse mich verachte rnick.

Sie schloß seinen Mund und küßte!

ihn wieder und wieder. Sie nahm sein bleiches Keücbt zwischen ihre .änoe. ao. um an,. o eindringlich, als wollte sie ihre muthigen, klaren Gedanken hinübertragen in sein armes, fieberndes Hirn. Mein Albrecht, mein Geliebter." sprach sie anz nah an seinem Gesicht, Tu fieberst. Tu machst Dir Wahnvorstellunzen. Niemand wird Dich v:?achten. Tein Oberst, ja Dein König seiest wird Dir sagen, daß Du nicht sahnenflüchtig bist, kein feiger Deserteur. Wenn Tu willst, will ich ihm gehen, mich zu seinen Füßen werfen, daß sein eigener Mund Dir das Urtheil spreche." Er schloß wieder die Augcn. Sie fühlte seine Hand an. Die war heiß und trocken. Nach einer kurzen Minute der Ermattung fuhr er wieder auf. Mein Vater! Vater" schrie er. Claudine warf sich über den Geliebten, Thränen stürben ihr aus den Augen. Wir können nichts thun, als beten. daß er lebe! Sobald es Tag wird, will ich ihn suchen, ihn Dir bringen, ihn pflegen und halten." Albrecht kam in die Höhe. Seine großen dunklen Augen flammten, er richtete sie gebieterisch auf das zitternde Mädchen. Schwöre mir!" svrach er laut. Was?" fragte sie Daß er niemals erfahre, von wem dieser Schuß kam!" Ich schwöre es!" riefClaudine feierlich. Er hob den linken Arm und legte ihn schwer um ihre Schulter. Sie küßten sich lange und fromm. Die Thür that sich auf. Frau Edith hatte endlich erfahren, was vorgegangen war. Sie ward beinahe ohnmächtig. Aber als sie vernahm, daß Claudine bei dem Verwundeten sei, trat die Angst vor dem Gedanken zurück, daß sich das nicht schicke. , Meine Tochter!" rief sie mit strengem Ton. Claudine richtete sich auf, behielt Albrechts Hand in der ihrigen und sagte: Ich bin an meinem Platz!" Onkel HanS, der mit hereingekommen war, nickte. Vor dem einfachen und doch so siolzen Ton der Tochter sank alsbald wieder Frau Ediths Entrüstung in Hilflongkeit zusammen. Was soll werden?" sprach sie mit zagender Stimme, mein Gott, wäre doch Claudius hier!" Verzeihuna," murmelte Albrecht, ich " Höre, mein Junge, Tein Theil ist ganz Schweigen und Stillhalten als angeschossener Krüppel, der Tu momentan bist!" sagte Onkel Hans derbe. Albrecht lächelte schmerzlich. Er verstand, daß der gute Alte ihm am liebsten lauter zerschmetterte Gliedmaßen angeredet hätte, nur um ihn von seiner Kampfunfähigkeit zu überzeugen. Und bewies nicht schon dies Vestreben, daß er in der That nicht schwer verwundet war? Seine kranke Seele ergrübelte aus allem Nahrung für ihren Wahn. Was werden soll, liebe Mama? Nicht), als daß ich Albrecht pflege, wie es mein Recht und meine Pflicht ist!" Hören Sie. Frau Schwägerin, wie ich unsere Mädchens kenne, wird kein Mensch sie von dem abbringen, was sie für richtig halten. Haben 'ne mcrkwürdig aerade Direktion in ihrer Seele, die zwes. Ist so Ahlefeld'sche Art. Ich rath' Ihnen: gehen Sie schlafen. Die Lena und ich wachen abwechselnd mit Claudine hier bei unserem Invaliden. Der ist viel schwerer verwundet, als Sie ahnen." Dabei räusperte er sich und nickte Claudinen zu; sie merkte wohl, warum er die Verwundung ein bischen schlimmer machte. Seine täppische Schlauheit wurde aber leider auch von Albrecht bemerkt. Der stöhnte schmerzlich und schlug die linke Hand vor sein Gesicht. Man beschönigte seine Fahnenflucht mit barmherzigen Aufschneidereien! Erbärmlich . . . Frau Edith besann sich, redete noch lange hin und her und zog sich endlich mit Aplomb zurück. Eine stille Nacht kam über das Haus und die Stadt. Der Lärm verklang, der Kampf verhallte, die Lichter erloschen. Claudine saß mit ihrer treuen Schwester neben Albrechts Bett. Nebenan, in dem kleinen Wohngemach. das zur Fremdenwohnung des Hauses gehörte, schlief Onkel Hans auf dem Kanapee den Schlaf des Gerechten. Seine Füße standen zwar noch ein Streckchen über die eine hohe Seitenlehne hinaus, und sein Kopf lehnte so steil gegen die andere, daß das Kinn sich in die Brust bohrte, aber er schnarchte doch mit krachenden, rollenden, sägenden Tönen. So mochten sie ihn nicht zur Ablösung wecken. Albrecht sprach nicht mehr. Aber er schlief auch nicht. Er hatte starkes Fieber, und immer wenn Claudine ihm ein nasses Tuch auf die Wunde legte, die sich wie ei" kleiner dunkle? Fleck mit rothem Ran von dem marmornen Weiß der Schulter abhob, sah er ihr in's Auge. Und sie erwiderte den gramvollen Blick mit einem zärtlichen, muthvollen. Lena las. Es gab keine Lage im Leben, in welcher sie nicht im Stande gewesen wäre, sich in ein Buch zu vertiefen. Aber trotzdem war sie. sowie Claudine dem Kranken eine Hand-

reichung that, aufmerksam, dabei zu helfen. Endlich graute der Morgen bleich durch die Spalten des Fenstcrvorhan-! ges. Lena ging hinaus, kochte Kaffee, weckte Onlet Hans, der nun auf die Suche nach einem Arzt mußte. ' und zwang die Schwester, sich ein wcnia zu erfrischen. Onkel Han--. batt? Glül Er fand bald einen Chirurgen, der von einer ähnlichen Hilfeleistung nach Hause kam. A'.'.s ten Straßenämmen sah es wüst aus. Ter grauende Morgen stieg Über dem schrelichstcn aller Schlachtfelder auf, dein cir.ea Bürgerkrieges. Todte und Verwundete sah man nicht mehr, wohl aber auf Steinen und Holzwerk die Spuren vergossenen Blutes. Ter Arzt erzählte dem Oberst, daß er die ganze Nacht thätig gewesen und gerade im Begriff war, zur späten Ruhe zu gehen. Man hatte ihm Verwu idete zum Verbinden in's Haus geschlippt gehabt. Nun mußte sich Claudine doch von dem Lagel des Geliebten entfernen lassen. Sie horchte in der Thür. Kein Schmerzenslaut drang an ihr Ohr. Nachher kam Onkel Hans strahlend und meldete, daß die 5iugel gesunden sei und die Wunde binnen wenig Ta-

gen heilen könne. Aber freilich. Nuhe müsse Albrecht haben, totale Ruhe. Und gehalten habe er sich wie ein Held, denn es müsse verflucht weh gethan haben, wie der Doktor da, da in der tiefen Wunde herumgearbeitet. Jubelnd eilte Claudine zu dem Geliebten, Ihre Freude war unendlich, daß es keine Gefahr für ihn mehr gab. daß die Kugel entfernt war, daß die Wunde leicht heilen würde. Arglos dachte sie nicht daran, ihre Empfindung zu verhehlen. Doch unter ihrer Freude verfinsterte sich sein Gesicht bis zur Entstellung. Du siehst es." sagte er schneidend, Tu hast es gehört es war nur eine kleine, unbedeutende Wunde. Das stempelt mich ?,urn Feigling " Du konntest doch nicht gegen Deinen Vater weiterfcchten!" rief sie. Es gibt keine Väter, keine Söhne im Krieg Feinde gibt es nur und den Befehl, sie zu bekämpfen und dabei zu siegen oder zu sterben," sprach er vor sich hin. Aber dies war doch kein Krieg wie damals der Onkel Hans erlebt hat," sagte sie beschwörend. Ter Eid war geschworen den Feind hab' ich nicht zu erwägen." Sie weinte nicht. Sie bat nicht: Höre auf, mich zu quälen, verscheuche meinetwegen Deine kranke Uebergewissenhaftigkeit." Sie dachte nur daran, wie es zu machen sei, daß er sich nicht mehr quäle. Da gab es vielerlei. Onkel Hans mußte zu dem Oberst von Albrechts Regiment gehen und Albrechts Verwundung melden und mußte heimkommen, mit einem besonderen Lob über Albrechts Tapferkeit einerlei, ob ein thatsächlich gespendetes oder für heut nur erlogenes. Onkel Hans kannte den Kommandeur, und wenn er ihn heut nicht selbst sprechen konnte, so würde er doch an irgend einem nächsten Tag eine Unterre'dung vertraulicher Art mit ihm haben können. Und dann mußte Albrecht seinen Vater wiedersehen wenn der noch lebte. Die fieberifche Phantasie des Verwundeten umwob das Bild des Vaters und das Ereigniß der Nacht mit immer sich häufenden Schrecken. Vielleicht, wenn Albrecht begriff, daß die nüchterne Wahrheit heut wie gestern dieselbe war und er in seinem Vater den armen, haltlosen, hilfsbedürftigen Mann wiedersah, als welchen er ihn in den letzten Jahren gekannt, fand er selbst seine mannlicöe Kraft wieder. Ein gebrochener Muth richtet sich am ehesten an der Aufgabe wieder empor, dem Schwächeren Schutz geben zu wollen. Claudine zog nur ihre Schwester in's Vertrauen. Sie wollte die Einwendüngen der Mutter nicht hören, um sie nicht durch Ungehorsam zu kränken; sie wollte Onkel Hans' umständlichen Schutz nicht beanspruchen. Sie fürchtete sich nicht. Wie sehr auch immer die Ordnung aus den Fugen gewichen: ein Mädchen, das bescheiden seines Weges ging, würde kein Mensch behelligen. Lena übernahm es, sie für schlafend auszugeben. Und ohne Zagen begab sich Claudine auf die Straßen, in denen diese Nacht der Schrecken getobt. Ruprecht von Brandow erhob sich von seinem Lager. Er sah an sich herunter: er war völlig angekleidet. Aber seine Kleider waren schmutzig und zerrissen. Auch war ihm, als habe er nur ganz kurze Zeit geruht. Er sah sich träumend um. Sein Kopf schmerzte. Vor seinen Augen flirrte es. Ta lag ja ein Gewehr am Boden vor seinem Bett. Wie kam das d.khin? Eine unklare Erinnerung zog durch sein Hirn wie wüster Lärm, Schüsse, rothes Fackellicht ja, ja, man hatte sich geschlazen, geschossen aber wo? gegen wen? Er gähnte. Ihm wo? seh? elend zu Muth. Er ging an den Waschtisch und goß sich Wasser über den Kopf. Der kalte Schreck ließ ihn zusammenschlottern. Naß klebte sein Halskragen und sein fiemb ibm an der Qaut.

)ies oewog iyn, q ganz umzukleiden. Zehnmal, vor Ermüdung und Kopfweh fast zusammenbrechend, unterbrach er die Arbeit. Endlich ging er in sein Wohnzimmer und fiel dort in seine Sofaecke. Die Wirthin kam und brachte ihm Kaffee. Er sah sie nicht und starrte immer auf die Tischecke. Plötzlich schlug er mit der Faust darauf zu. Die verhexten Mäuse," sagte er. Die Winhin sah ihn verwundert an und meinte, er träume wohl. Tann legte sie jammernd los über die schreckliche Nacht und die vielen Todten und fragte, was denn werden würde. (Fortsetzung folgt.)

btäötc als JJcU)üs)en. Ocffcntlichc Gesundheitspflege tu vergangener Zeit. JZariS a(4 QeuSienherd Te erste Straszeupflasterung Ekelerregende ZustänSe Uu kettntaib aller Cesuudheitsreg! AuSfähige in vcr ..Hauptstadt der Welt." Den besten Maßstab für die Fortzchritte in der öffentlichen Gesundheitspflege bietet der Vergleich mit der Vergangenheit. Selbst die großen Städte waren im Mittelalter wahre Pfützen, so daß die alten französischen Chronikschreibe? davon überzeugt waren, daß der ursprüngliche Name von Paris, Lutcce (Lutetia), aus dem lateinischen luturn (schlämm) herrühre. Die erste größere Straßenpflasterung erfolgte erst 1185. König Philipp II. wurde durch den Gestank, den der durch die Fuhrwerke in den Straßen aufgewühlte Koth verursachte, von dem Fenster seines Palastes vertrieben und entschied sich daher zu einem großen und kostspieligen, aber gar nothwendigen Werk. Er erließ eine strenge Aufforderung an die Pariser Bürger, ihre Straßen zu pflastern, und zwar auf ihre Kosten. Das gescyah denn auch, wenigstens an den Stellen größeren Verkehrs. Tas Pflaster wurde aus drei bis vier Fuß langen und breiten, einen Fuß dicken Steinplatten hergestellt. Bis dahin hatten die Straßen von Paris ein Bild geboten, von dem man sich kaum einen Begriff machen kann. Die Straßen waren krumm und winklig. Gänse, Kaninchen, Tauben. Enten, Schweine wateten um die Schmutzhaufen und machten den Emwohnern den Weg streitig. Im ahre 1348 wurden die Pariser zum ernenmal unter Androhung von Geldstrafen zur Reinigung der Stra ßen aufgefordert. Tie Mehrzahl der Bewohner wollte von der Neuerung Nichts wissen, sondern huldigte dem Grundsatz: Alles auf die Straße! Daß unter solchen Verhaltnissen jahraus jahrein der Aussatz herrschte, ist nicht wunderbar. Die Aussatzhäuser waren ständig überfüllt. Im IZ.'Jahrhun dert zählte Frankreich nicht weniger als 2000 dieser Anstalten. Im Jahre 1348 herrschte in Paris 18 Monate lang die Pest, die in der Stadt allein 80.000 Menschen dahingerafft haben soll. Als die Pariser endlich gelernt hat ten, die Straße vor ihren Häusern zu kehren, häuften sie den Schmutz auf öffentlichen Platzen auf oder warfen ihn in die Seine. Man begann aber Befürchtungen zu hegen, daß der üble Geruch Krankheiten erzeugen könne, und so drohte Karl VI. den Uferbewohnern der Seine, diese auf ihre Kosten reinigen zu lassen. Eine Qrdonnanz von 1530 ersucht? die Bürger, in jedem Hause Abtrittsgruben zu errichten, und zwar mit der Drohung, daß, wenn die Hausbesitzer sich dagegen sträubten, die Polizei die Gruben aus dem Ertrag der Miethen herstellen las sen würde. Ein Hinderniß für die Durchführung einer geregelten Straßenreinigung warcn die zahlreichen Herren, denen das Gebiet von Paris damals gehörte und die auf ihrem Eigenthum die Gerichtsbarkeit, das Wegerecht u. f. w. besaßen. In allen Vierteln bestanden große Gru ben zur Aufnahme des Unraths. welche die Luft verpesteten. Die Großen umgaben sich zwar mit unerhörtem Luxus, kannten aber auch nicht die einfachsten Regeln der Gesundheitspflege. Das heute in keinem Schlafzimmer fehlende Gesäß war nur in einigen reichen Hau fern zu finden; man suchte Erleichterung in irgend einer Ecke des Hauses oder der Straße und mit einer Zwang losigkeit, von der wir keine Vorstel lung haben. Oeffentliche Bedürfniß anstalten, die schon den Römern bekannt waren, bestanden in Paris noch nicht im 16. Jahrhundert. Die Pest trat in kurzen Zwischenräumen auf, außerdem herrschten des Oefteren die Pocken und die Cholera. Die Aussätzigen wurden auf immer von der Gesellschaft ausgeschlossen. Wo keine Leprosonen bestanden, bestattete die Kirche die Aussätzigen wie Todte. Nach den diesen zustehenden Ceremonien wurden die Unglücklichen in die Feldhütte gebracht, die ihnen für die Folge als Wohnung diente. Erst die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts wies eine wesentliche Besserung der Gesundheitsverhältnisse auf. Deutschlands Vene-zuela-Ansprüche beliefen sich im Ganzen auf 6,049,000 Mark, es Kurden davon aber nur 1.670,000 Mark vom Schiedsgericht als berechtigt anerkannt.

Feuer - Signale,

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Washington Str 51 No. 10 Spritzenhaus AllinoiS u errill 52 JUinoiS u vuisiana &3 Wett und Couch West und McCarty M Senate Lve. u Henry 67 Meridian und Ray No. 4 Spritzenhau LladisonAv.uNorrU S Madiion Av. u Dunlop et No 2 Haken LeiterhauS Eoullz nahe Delawa 2 Penn, u Merrill U Delaware u. McCarttz M Lfl und NcSarH 6 New Jersey u. rriQ 7 5Zirg. Av. u Lradsha 53 Oast und Prospect 9 Uicking und High 71 Sto. 11 Spritzenhaus Lir Ave. nahe Huron 72 Last und Georgia 7Z Ckda, und Qlm H Davidson u Georg' 75 English Av. u Pine 6 Chcky und Batei 78 No. 8 Spritzenhaus Prospect nahe Shelby '9 Fletcher Av. u Chelby 51 Market u. New Zersey ? Delaware und Wash. 33 East u Washington 34 New Fork u. Davidsor ?5 Taubstummen Anstalt 86 ?cr. Staaten Arsenal 87 Orient! und Wash. 8 Frauen-Resormat. 1 No. 1Z Spritzmhaui Marvland nah Mer. 52 Meridian u. Vcoraia. 92 Meridian und South 4 Pennsyl) u. Louisiana 95 Lirgini Ave u. Llad. 36 Hauptquartier. 97 Grand Hotel. 33 Capital Ave und Ohi 23 No. 16 Spritzenhaus 16. und Ast). 124 Alabama und 16. 125 Central Ave und lt. 12 JkndtS und 15. 127 Brookside und Jupiter 128 Crttral Ave und 17. 129 Telaware und 13. 131 Alabama und ll. 132 BeUesontaine und 134 College Ave und 29. 135 Delaare und 1Z. 136 Alabama und North 137 Newmann und 19. 138 College Ave und 14. 139 Cornell Ave und 13. 141 Dandes un 10. U2 Highland Ave und 10. 143 Tecumseh und 10. 145 New Jersey and 22. U6 Alvord und 17. ,47 No. Spritzenhaus Hil.ftde Ave und 15. .48 College Ave und 22. 149 College Av und 27. 152 Park Ave und 22. 15Z L E u. W Bahn d. 22. 154 Ramsey Ave und 10. 156 Stoughton u Newman '.57 AtlaS und Pike. 153 Bloyd und Pat?vaw. 159 No. 21 SprienhauS Srightwood IC- Arden und Depot 163 Brightwood und 25. 64 Rural und Bloyd 165 St. Clair u. 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