Indiana Tribüne, Volume 27, Number 71, Indianapolis, Marion County, 13 November 1903 — Page 7
Jndiana Tribüne, 13 November 1903
Claudinc
.lontrtn von Z d a B o y - E d (Fortsetzung.) Jch bitte Euch, ich bitte Euch!" rief Elaudine und zerrte an Lenas Kleid. Sie zogen sich vom Fenster zurück. Lena ließ die Rouleaur herab; Elaudine machte Licht. Bald strahlte die Lampe, wie jeden Abend, ihren friedlichen Schein durch das Zimmer und beleuchtete besonders hell an den drei Fenstern die weißen Rouleaux mit den großen, gemalten Vlumenstücken darauf. Kinder," sagte Onkel Hans ernst, ich geh hinunter, mit dem alten Jakob und Pröhle seinem Hausdiener Wache zu halten. Wir haben Gewehre und Munition. Was auch geschieht, und wie es auch komme: der Weg zu meinen Mädchen gzht nur über meine Leiche!" Sie fielen ihm Beide weinend um den Hals. Auch Onkel Hans schluchzte. Das hab' ich nicht gedacht, als ich in Ehren meinen Abschied nahm und mit allergnädigster Auszeichnung ihn auch kriegte, daß ich nochmal zur Muskete greifen sollte und so. und so!" Er drückte die beiden Nichten fest an sich und sprach über ihre Köpfe hinweg: Frau Schwägerin, wenn Sie nicht blos unserm Pastor zu Gefallen gebetet haben, sondern wahrhaftig direktement zum lieben Gott na, dann können Sie NUN man ein gutes Wort bei dem da droben anbringen: für'n König, für feine Soldaten, seine Bürger! von meinen eignen Dragonern daß ich das erleben mußte" Seine Rede verlor sich im Gemurme!, dann riß er sich los und ging hinaus, den Kopf hoch, stramm den Tritt, wie's einem Mann und alten Krieger ziemt. Elaudine aber fiel mitten im Zimmer in die Kniee, faltete die Hände und neigte die Stirn darauf. Sie betete aber nicht. Sie dachte weder an einen Gott über sich, noch an die Menschen um sie her. Sie dachte an nichts anderes, als an den einen. Ihre stammelnden Lippen fanden kein Wort, als das eine: Albrecht!" Damit schöpfte sie den Inhalt der ganzen Welt aus. Albrecht!" Sein Leben war ihr das eigne Lebe?, und das Leben aller. Sein Tod ihr Tod und der Untergang aller. Was wußte sie vom König und vom Staat, von Soldaten und von Bürgern, was von Freiheit, von Recht oder von Empörung! Für sie gab es nur eine Gefahr die, in welcher er schwebte. Nur eine Nrth die, in welcher er war. Alle Schüsse, die draußen fielen, hatten nur ein Ziel: seine Brust. Das Geheul der entfesselten Menschheit, sie hörte es mit seinem Ohr. Die Schrecken der Stunde, sie erlebte sie in seiner Seele. Ihr ganzes innerstes Leben war aufgelöst in dem seinen. Albrecht!" . Er aber gedachte ihrer nicht. Für ihn gab es kein Weib, keinen Vater, keine Sorge, keine Zweifel mehr. Ten Degen in der Faust, seine 0rf nadiere um sich, focht er einen heißen Kampf. Der besinnungslose Muth des Krieges, die Erbitterung, die den Widerstand niederwerfen will, war über sie alle gekommen. Sie sahen nicht mehr die Art des Feindes und sein bürgerliches Kleid, sie sahen nur noch, daß es eben der Feind war. Und in ihren Reihen fielen zwei. Da kam die Wuth der Rache binzu, die strafen wollte für das vergossene Blut. Aber auch zwischen dem Gebälk der Barrikade hing ein Todter, brachen schwer Verwundete zusammen, und auch die bürgerlichen Streiter fühlten Angesichts ihres Todten thierisch blinde Kampfeslust in sich wachsen. Sie kämpften nicht um der Sache willen mehr, sie kämpften um deZ Kampfes willen. Nur der Ruf, mit dem die Schaaren in die Schlacht ziehen, nur der jubelnde Siegesschrei nach der Schlacht gemahnt an die Idee, der sich zu opfern Tausende bereit waren. Im tödtlichen Ringen selbst führt nur die Gier zu leben und die Gier zu tödten das Schwert. Die Barrikade war erstürmt, sie wa ren Sieger geblieben, und nur ein Trümmerhaufen von Holzern, Sandsäcken und Wagenrädern, zwischen denen das zerrissene Flaggentuch emer schwarz-roth-goldenen Fahne hing, war auf dem Straßenfchlachtfeld geblieben. Ein Kcmmandoruf ertönte. Die Kompagnie stürmte über die Barrikade hinweg und sammelte sich drüben. Aus einer der nächsten Häuser fiel cm Schuß. Er kam von emer Dachfrrst hernieder und streifte den Haupt mann. Kaltblütig schritt er vorwärts, sei nen Leuten voran. Sein Pferd hatte er schon langst aufgegeben, da es in einer aufgerissenen und mit Glassplittern bestreuten Straße nicht weiter kam. Sie marschirten im geschlossenen
Zuge weiter, durch friedliche Straßen, in denen ängstliche Bürger scheu vor ihnen zurückwichen. Von der Königsstadt her drang der Lärm deZ Kampfes durch die Lüfle. ES war völlig Abend geworden. Sie bogen in die Kanonierstraße ein. Albrecht hatte keinen Gedanken daran, daß sie sich dem Hause der Gelicbtln näbcrtcn. Der fürchterliche Ernst der Stunde beraubte die Sinre. Jeden Augenblick konnte aus den Fenstern, unter welchen sie dahinzogen, eine tödtliche Kugel kommen; sie marschirten dahin wie unter unsichtbarem Henkerbeil. J:de neue Straßenbiegung konnte sie vor eine Barrikade stellen, die mit neuem Kampf und neuen Verlusten ercbert werden mußte. Denn die Männer auf den Barrikaden fochten, wie nur Verzweifelte oder wie Helden fochten.
Sie bogen in die Taubenstraße ein. Da lohten die Vechsackcln, und starrte 'im düsteren Schein ein hoher, wirrer Bau. Ein wilder Schrei ans vielen Kehlcn ertönte. Schwarze Gewalten flohen kreischend voraus, kletterten auf die Barrikade, schrieen d?n Männern jenseits derselben zu. daß Soldaten anrückten. Eine Minute v.t$i, eine kurze, schrcliche Minute, voll athem beklemmender Spannung ein scharfes Kommandowort und dann das betäubende Angriffs.'eschrei der Grenadiere. Schüsse krachten. Dampf erfüllte die nächtlich? Luft, rasselnd polterte Gebälk zusammen. Schmerzensschreie überdrangen den Lärm. Mit wildem Muth standen die Vertheidicer und schlugen mit Gewehrkolben und Knütteln drein, wenn ihnen das Pulver ausgeaangen oder die Muße zum Laden fehlte. Und mit ebenso rasender Tapferkeit drangen die Grenadiere vor. Und üjcr dem allen der ferne und nahe Lärm, das unendliche Getümmel der Straßenschlacht. Besinnunaslos in der Raserei des Gefechtes stürmte Albrecht mit den Seinen vor. Sein Fuß versuchte einen Halt zu gewinnen, er strebte empor umscnst, das lockere Gebau der Bretter und Stangen zerbrach unter den Tritten. (? war. als fechte man gegen Schatten. Im huschenden Licht, daZ hier die Nacht erhellte, dort' sie nur schwärze? erscheinen ließ, tauchten die Gestalten der Gegner schwarz auf und versckwanden. Schüsse sausten von der Höbe und von der Seite her. Im weiten Bogen, aus irgend einem Fenster schleuderte man Sand herab, der sich versprüht; und wie Hagel in die Gesichter der Soldaten schlug. Blind nach allen Seiten um sich schlagen dies war das Nothwehrgefühl, das sekundenlang über die Grenadiere kam. Und diese sekundenlange Verzagtheit ließ neuen, erhöhten, bestialischen Muih gebären. Sie drangen vor, sie brachen ein auf dem Kartenhausbau der Barrikade. sie traten mit ihren Füßen fest, was unter ihnen zersplittert, und faßten endlich den Geguer zum schrecklichen Kampf, Leib gegen Leib, Auge in Auge. Aber aus dem Schlund der Straße brachen immer neue Horden hervor, blind wütbcnd wie die Soldaten, wie sie vergessend, gegen wen und iveshalb man kim.pfte, wie sie nur bedacht, auf freiem Platz als die Starkeren sich zu behaupten. Albrecht sah seinen Kameraden fallen; ein Schuß hatte die Brust des Leutnants durchbobrt. Er sank in Zähem Sturz vornüber. Albrecht umfaßte ihn und zerrte ihn hmad. Ein kurzer Blick todt. Eisiger Schreck durchzuckte Albrecht. Das da war sein lieber Kamerad aeWesen ein junges, frisches Blut er ließ den Körper sanft auf die Erde glciten, am Fuß der nächsten Hausmauer, da mochte er liegen, bis man Zeit hatte, ihn zu bergen. Und dann vorwärts, zur Rache, hinein in das nächtliche, grauenhafte Getümmel. Mancbe Hand, die eine Fackel getragen, war schon erschlafft oder zerschössen, dunkler und dunkler ward es über der Stätte. Dielses brannte Pech in einer Pfanne, die vordem Jemand auf einen, aus einer Mauer vorspringenden, ciscrnen Latcrnenträger gestellt. Jenseits unterhielt man irgend ein Feuer, vielleicht zum Kugelgießen. So standen alle Gestalten der Kämpfenden wie schwarze Silhouetten vor dem röthlichen Lichtgrund, und nur, wenn die vom Wind bewegte Flamme des Pechfeuers einmal niederzuckte, sandte sie einen Schein auf die Körper und Gesichter. Immer unentschieden tobte der Kampf, und die Raserei auf beiden Seiten wuchs in's Uebermenschliche. Mit eN.em Schrei der Wuth auf den Lippen lie, Albrecht seines Kameraden entseelten Körper und stürmte vorwärts vorwärts Er griff mit tastender Hand in die Speichen eines Rades, das eingeklemmt zwischen zwei Fässern bervorragte er hob sich mit dem Oberleib sein Fuß fand einen Halt auf einem Sandsack seine Linke griff nach höherer Handhabe er klammerte sich an eine Wagendeichsel die Rechte schwang den Degen beinahe war er oben seine Stirn war schon in gleicher Hohe mit den Füßen der kämpfenden Bürger er bog sich zurück, bog sich seitwärts. denn vor ihm, über ihm .tauchte eine
Gestalt auf, legte ihr Gewehr an da schlug der Wind -in die Flamme, die räuckcria ali'b-nd a"s der Pechpfann? geloht, und schlug sie nieder, vast ne. einer langen Zunge gleich, hinwegleckte über den Rand. Ihr Schein zuckte über die Gestalt i.iit dem Gewehr hin. Albrecht sah, daß es sein Vater war
der graule Schreck einer Vierteltekünde dann ein chuß Albrecht schrie auf taumelte zurück. Albrecht lag auf den Knieen vor der Barrikade, fein Degen, den die Rechte mechanisch umklammert hielt, bohrte sich in den Sand, seine Stirn neigte sich tief, tief auf die Erde. Unser Leutnant ist verwundet." hörte er einen Grenadier rufen. Er wollte sich aufraffen und sagen: Ich bin nicht verwundet!" Denn er fühlt? keine Wunde und keinen Schmerz. Nur ein dumpfes Tosen in seinem Kopf und ein Entsetzen in seinem Herzen. Er wollte sich aufraffen und fagen: Haltet ein tödtet nicht meinen Vater." Wahnsinn Wahnsinn Die da fochten, weit sie mußten. Sie fochten für den König und ihren Eid. Kein Sohn hatte tc& Recht, dem Kampf Einhalt zu gebi-ieu, weil sein Vater drüben stand, unter denen, die man bekämpfte. Er wollte sich aufraffen in:b rufen: Vorwärts siegen oder sterben!" Aber seine Glieder waren wie gelähmt. Die Schüsse, die fielen, schienen in sein Hirn zu dringen das Geschrei, das ertönte, schien aus seiner eigenen Brust zu kommen. Und doch waren seine Lippen stumm und seine Gedailken klar. Er dachte ganz deutlich: Ich bin nicht verwundet, ich muß weiter kämpfen. 5ämpsen. bis ich nicht mehr kann." Er starrte vor sich nieder, blöde, unfähig sich zu rühren. Er lauschte. Wird unter den durcheinander tobenden Stimmen nicht eine sich lauter und deutlicher von dem Lärm loslösen wird er nicht einen Nothruf, einen Todesschrei seines Vaters vernehmen? Da zuckte abermals das flackernde Licht nieder und warf kurze Helle über den zusammengebrochenen Mann, sein Haupt und seine Hand. Und da sah der Mann, daß auf diese Hand Blut herniedertropfie. Albrecht fuhr empor. Er tastete an sich umher. Die Finger seiner Linken wurden feucht, als er sie an die rechte Achsel brachte. Doch verwundet also doch von der Kugel des eigenen Vaters. Albrecht stand wankend auf. er hielt sich kaum. Und dabei sagte er sich noch einmal: Ich bin nicht verwundet nicket " Er hatte keinen Schmerz. Er versuchte sich zu besinnen. Es war nichts, er war gewiß nicht kampfunfähig. Es war nur das Entsetzen das Entsetzen sein Vater Führt den Leutnant weiter zurück," rief einer. Man faßte ihn um den Leib und zwang ihn zurückzugehen. Ich bin nur leicht verwundet," stammelte er, ich bin nicht kampfunfähig." , Hier. Herr Leutnant," sagte der Grenadier schnell und ohne den Einwand zu achten, da stehen Sie sicher und besinnen Sie sich n.an. Vielleicht hilft man Ihnen in dem Haus." Ter Mann stürzte davon. Albrecht stand in der Nische, die eine tief eingelassene Hausthür in einer Mauer bildete. Er faßte nach seiner rechten Achsel. Ich bin nicht kampfunfähig." murmelte er, als könne er nur noch dies eine Wort denken und sprechen. Er lehnte mit dem Rücken gegen die Hausthür wohl viele Minuten lang, immer gegen den Bann ankämpfend, der auf ihm lag er wollte zurück zu seinen Kameraden, Schulter an Schulter mit diesen kämpfen und fallen. Aber immer mit erneutem Grauen sah er das Angesicht seines Vaters vor sich: überhuscht vom rothfahlen Licht der zuckenden Flamme, blöde, stier im Ausdruck, die verschwommenen Augen auf den gerichtet, in dem er einen Feind sah und seinen Sohn nicht erkannte. Und wie er da so gebrochen stand, jeder Bewegung und jedes Willens beraubt, während der wüste Lärm des nahen Kampfes in seinen Ohren gellte und der scharfe Pulverdampf sich mit beißendem Geschmack auf seine Zunge legte, war ihm, als stände drüben, hoch etwas Ruhevolles, Weiteres, das durch Nacht und Grauen ihn grüße. Endlich war ihm klar, daß eine Reibe sanft erbellter Fenster so friedevoll winkte, fast die einzigen in all den dunklen, drohenden Mauern. Er starrte" hinüber. Erst fast gedankenlos, wie die Augen, die geblendet und verwirrt von Schreckensbildcrn sind, sich an einen gleichailtigen Gegenstand heften, um auszuruhen. Dann mit erwachender Besinnung. Waren das nicht Elaudinens Fenster? Nicht ibrer Lamve Schein? Wo war er denn wohin hatte der Kampf von Barrikade zu Barrikade sie seit diesem Nachmittag geführt? Er sah sich um. "Er betastete die Mauer neben sich, die geschlossenen F:'sierladen. Kein Irrthum dies war das Haus gegenüber Elaudinens Heim ja, das waren ihre Fenster. Rettung! Erlösung! Ein Stöhnen rang sich aus seiner Brust.
Ruhe dort suchen nur einen weheund wonnevollen Augenblick lang. Und dann wieder hinaus in den Kampf. Mensch sein, eine Minute Mensch sein, und dann wieder als Soldat treu zur Fahne stehen! Mit hastigen, unsicheren Schritten eilte Albrecht über die Straße. Bei der Lewequna erkan:? ibn ein merkwürdiger Schwindel seltsam als solle er gleich fallen Ich bin nicht kampfunfähig." murmelte er noch einmal vor sich hin. Und dann schlug er mit schlotternder Hand gegen die Eichenbohlen der Hausthür. ' 6. Kapitel.
eit der Lärm des Kampfes fast vor ihrem Hause tobte, hielten die Frauen es nicht mehr oben in ihrem Wohnzimmer aus. Frau Edith, leichenblaß, aber mit Erfolg bemüht, eine würdige Haltung zu bewahren, zog sich in ihr im Flügel befindliches Schlafgemach zurück. Die Töchter wollten ihr folgen, aber Frau Edith wies sie zurück. Sie hatte das sonderbare Gefühl, daß es sich nicht zieme, vor ihren Töchtern Furcht und FaNungslcsigkeit zu zeigen, vielleicht mit ihnen zu zittern und zu weinen. Sie glaubte es ihrer Muiterwürde schuldig zu sein, immer auf einem gewissen Piedestal zu stehen, hoch über den alltäglichen menschlichen Schwächen. Und sie fühlte, daß sie der Stunde nicht gewachsen war und die gefaßte Haltung nicht dauernd würde bewahren können. Mama, laß uns doch bei Dir bleiben!" flehte Elaudine. Frau Edith schüttelte sanft das Haupt. Ich habe das Bedürfniß nach Einfamkeit," sagte sie; da uns das Schicksal in dieser schweren Stunde die Gegenwart des theuren Freundes versagt, müssen wir auch ohne seinen Zuspruch Muth fassen." Lena riß Elaudine am Kleid, damit sie nicht nochmals bäte. Du hörst es." sprach sie erbittert, als die Thür sich hinter der Mutter geschlössen, des Pastors Gegenwart hätte uns auch die von Mama gelassen. Ohne ihn fällt auch für sie die Pflicht frt, uns zu trösten!" Elaudine faßte die Schwester um die Taille und ging mit ihr auf die große, in den Flur hinabführende Treppe zu. Du wirst immer ungerecht, sowie die Rede auf Claudius kommt," sagte sie beschwichtigend, es scheint. Du hast eine förmliche Abneigung gegen ihn. Daß Mama in eine gewie Abhängigkeit von ihm gerieth, war doch so natürlich. Hat er nicht nack Papas Tod ihr alle Sorgen und Lasten abgenommen? Onkel Hans hätte das Vermögen -nicht verwalten, die Verhältnisse nicht ordnen können. Onkel Hans konnte ein salches Wesen wie Mama gar nicht verstehen, die von Jugend an gelernt hat, daß es für eine vornehme Frau schicklich ist, hilflos und unpraktisch zu sein. O Du schlechte Lena als wenn wir Trost und Halt brauchten von Mama! Du bist ja zehnmal kouragirter als Mama! Mama hat uns sehr lieb, aber durch das Leben helfen müssen wir uns allein!" Lena knurrte etwas Unverständliches und ließ sich vorwärts schieben von der Sckwester. Siehst Du," fuhr Elaudine fort. gerade bei Mamas eigenartiger Natur fände ich es ganz gescheit, wenn sie wieder hei" Lena riß sich heftig los. Ich bitt' Dich, schweige still. Schweige still!" rief sie. Ihre Wangen waren ganz fahl, ihre Lippen weiß. Ein kurzer Schreck ging durch Claudinens Herz, ein Gedanke aber nein, das war ja unmöglich. Von unten her scholl Onkel Hans' Stimme herauf, der dem alten Jakob und dem Hausdiener des Bankiers eine alte Kriegsgeschichte erzählte. Lena aina die Stufen hinab und winkte der noch von einer merkwürdigen Vorstellung befangenen Schwester. Die kam nach. Dann beugten sie sich über das Ge länder und sahen hinab. Unten auf dem Flur, der mit Fliesen gepflastert war und sich quer durch die Tiefe des Hauses hinstreckte, wahrend nach der Straße zu rechts und links von der Hausthür die an Pröhle vermietheten Räume lagen, saß Onkel Hans auf einem Küchenschcmel. Ter alte Jakob und der Hausdiener hockten jeder auf einem vollen Torfsack, mit hochgezogenen Knieen. Alle drei hatten em Gewehr zwischen den Beinen, und die Hände um den ausrecht emporragen den Lauf gefaltet. Zwischen ihnen auf den Fliesen stand eine Laterne und warf ihren Strahlenkreis auf die drei Man ner. Trotz der Waffen war dies ein Bild des Friedens. Die beiden gingen hinab. Ich denke, wir brauchen keine Angst zu haben für Euch und das Haus," rief Onkel Hans ihnen zu. Sie lassen un-. geschoren, was sich still verhält. Und sie sind keine Räuber und Mordbrenner. Wir haben aus der Hausthür geguckt in allen Häusern, die keinen Schießstand abgeben, scheint's stille." Elaudine stand mit gefalteten Hnden hinter der Hausthür und horchte auf den wüsten Lärm. Lena schlich sich ganz nahe an. den Oberst heran. Was für Truppen?" fragte sie leise. Grenadiere!" flüsterte Onkel Hans zurück. Lena griff hart an seinen Arm. -Kaiser ganzer?" fragtesie .wieder.
Weiß nicht war zu dunkel und zu wild schien mir so " murmelte Onkel Hans. lUr Herz schlug. Sie aina zur
Schwester. ftaiie Onkel Hans eine Ahnung, was für ein Regiment " stammelte Elaudine. Fünf Minuten lang hatte das Gesprach mit der Schwester ste zerstreut, nun kam die Todesangst um den Geliebten neu zurück. Nein nein," log Lena. Aber sie verstand nicht zu lügen. Ihr Ton verrietb die Wabrbeit. (Fortsetzung folgt.) . .? ... I Inland i .4-.-..-r.-.r.".... ?.. Leidet an Dowieismus. Frau Angeline Jewett von Gilford, N. H., hat ihre Farm für 51500 verkauft und davon $1400 an John Alezander Dowie geschickt. Frau Jewett erklärt, daß sie an Dowie glaube und daß Gott ihr gerathen habe, ihre Farm zu verkaufen und das Geld an Dowie zu schicken. Beraubt und vergiftet. Räuber übersielen in einer Nacht die Wohnung des reichen Farmers Robinson in der Nähe von Perrysville, Ky., und zwangen Robinson und seine Frau zum Einnehmen von Gift. Hierauf plünderten sie die Wohnung aus und verschwanden. Man fand die Frau todt auf und Robinson besinnungslos. Eine Kaffeekanne enthielt Pariser Grün mit Milch. Mäuse als Vrandstlft e r. In Sioux Falls, S. D., brannten unlängst die großen Stallungen von A. Van Maanen bis auf den Grund nieder. Sieben Pferde nebst Geschirr, zehn Schweine, ungefäbr 200 Bushel Hafer und eine große Menge Heu verbrannten. Es wurde ermittelt, daß Mäuse den Brand verursachten, indem sie die Streichhölzer in einer im Stalle hängenden Weste in Brand setzten. Mord im Rathhaus. In Savannah, Ga., erschoß der KunstHändler Green den Polizisten Collins im Stadtrathssaale in Anwesenheit des Mayors, des Polizei-Superintenden-ten, des Stadtraths-Präsidcnten und mehrerer Städträthe und Bürger. Der Polizist war von Green, den er verhaftet hatte, angeklagt worden, und als Collins eine Frage stellte, die Greens Moralität berührte, zog dieser blitzschnell eine Pistole und schoß. Mißhandelte Nonne. Ein; 18 Jahre alte Schwester der katholischen Anstalt für Waisenknaben in Elen Grove. W. Va.. wurde Nachts von vier Einbrechern in der Anstalt mißhandelt, geknebelt und am Fußboden festgebunden. Die Schwester befand sich zur Zeit mit drei Kindern allein in der Anstalt und war vcrtheidiaunqslos. Als sie später aufgefunden wurde, war ihr Kopf schwer ver.'etzt, und sie befand sich im Delirium. Die Räuber erbeuteten blos zwei Geigen. Be st raste Strikeführer. Laustennan. der Anführer der Striker im Grubenorte Morenci, Ariz., ist zu zwei Jahren Zuchthaus und $2000 Geldbuße, seine Unterführer Salcido, Flores und Figerna sind zu je zwei Jahren Zuchthaus und je $1000 Geldbüße verurtheilt worden. Vier an den Strike-Unruhen in Morenci betheiligte Grubenarbeiter haben zwei Jahre und zwei andere je ein Jahr Zuchthaus erhalten. Die Verurtheilung erfolgte wegen Anreizung zum Aufruhr und wegen Ruhestörung. Schreckliche Hinricht u n g s s z e n e. In Birmingham, Ala., sollte jüngsthin der Neger Hall wegen Ermordung eines Weißen Namens Clark gehenkt werden. Ter Knoten des Seiles war nicht gehörig geschürzt und rutschte, so daß der Mann volle zehn Minuten baumelte, ohne daß sich die Schlinge zuzog. Man zog ihn schließlich wieder auf's Schaffst und arrangirte die Schlinge auf's Neue. Ter zweite Fall brach ihm das Genick. Kurz vor seinem Ende setzte Hall ein Schriftstück auf, in welchem er seine Unschuld betheuerte. Nitroglycerin anstatt Ahornsirup. William Marks und Patrick Hardy, zwei Hausirer aus Vutler, Pa., fanden, während sie in einem Walde lagerten, eine Blechbüchse, in deren Innern noch eine kleine Quantität einer kkbrigen Masse feststeckte. Sie hielten das Zeug für Ahornsirup und fingen an, es auszukratzen, da sie die Büchse als Wassergefäß gebrauchen wollten. Die Büchse hatte aber Nitroglycerin enthalten, und der noch darin befindliche kleine Rest ezplodirte. Marks wurde augenblicklich getödtet und Hardy tödtlich verletzt. Wegen Ladendieb st ahls verbannt. Neulich wurde Frau Marie Stein in Chicago von Richter Clifford wegen Ladendiebstahls zur Verbüßung einer Strafe von einem Jahre in der Besserungsanstalt verurtheilt. Ihr Mann machte geltend, daß der Aufenthalt von einem Jahre in der Besserungsanstalt den Tod der Frau zur Folge haben würde. Stein zeigte ein Passagebillet für eine Fahrt nach Deutschland vor und erklärte, wenn der Richter es gestatte, würde seine Frau sofort die Reise' nach Deutschland antreten und niemals zurückkehren. Der Nichter nahm diesen Vorschlag an.
Feuer - Signale
I Pcnnsvlv und Market 3 English'S Orern-Hau 6 EastundNwFork 7 Neble und Michigan S N. Jcrjey u. 3J!afl Ave 9 ?ine und North .0 Market und Pine II Vermont nahe Säst 2 S Cpriyenhau Mafi. Ave nahe XebU 13 Telwareund Walnut : N. Jersey Central N. 15 Mass. undCorncllAv Ash md 11. Straß ? Vark Lve und 12 tt .4 Columbia undHiUftd s Higbland Ave u. xatt ll IllinoiS u-.id Ct. Jo Pennsvl. und Pratt u Meridian uno ll. Etr " Nc. 5 Spritzenhaus 15. nahe Jllinvlö :s SenattÄvku.Ctlrla n JllinoiS und Michigan Pesylvania und 14. Senate Ave. und 15. U No. 1 Cpritzenhau Ins Ave naheMichigan n Meridian und LZalnut i California u Vermont ZS Blake und New Z)ork m Ind. Av. u. et llax n City Hospital :8 Blake und Nortv ZZ Michigan und 1 No. 6 Spritzenhaus Washington nahe West vi EZendorf u Wash. 3 Missouri u New Dort 15 Meridian u Wash 6 JUmois und Ohio 17 Capitol A?. u Wash 9 mgan'ö PorkhauS 9 Straßenbahn Stalle SS. Washington Etr 52 No. 10 CpritzenhauS AMnoiS u errill 52 JlliiviS u kruiftano 53 West und Cvuih 'S4 Best und KcCartb 5 Senate Lve. u Henry w Meridian und Ray 8 No. 4 Cpritzenb.au Madison Av. u MorriS S? Madiion Av.uTunlop 1 No2HakenLeiterhauS Eouth nahe Delaware 2 Penn, u Merrill 3 Telaware u. McTartY U Safi und McEarty 5 New Jersey u. MerrQ 7 SZirg. Av. u LZradshaw 8 Säst und Prospekt 9 Bicking und High 71 No. 11 CpritzenhauS ir Ave. nahe Huro 72 East und Georgia " 73 Geda und Elm 74 Tavidson u Georgt 75 English Av. u Pine 76 Shelby und BateS 79 No. 3 Spritzenhaus Prospekt nahe Shelb "i Flctcher Av. u Shelbtz ?i Market u. New Jersey ö? Telaware und Wash. 32 East u Washington 84 New Aorku.Ta-'sof 35 Tastummen Anstalt 30 Ver. Staaten Arsenal 87 Orient! und Wash. 89 Fraucn-Rcsormat. Sl No. 13 Spritzenhaus Marvland nahe Mer. .'2 Meridian u. Gcrrqia 93 Meridian und South 4 Pcnnshlv u. Louisiana 95 Virgi7:i Ave u. Alab. 36 Hauptquartier. 7 Grand Hotel. 93 Capital Ave und 2? No. 16 Spritzenhaus 16. und Ash. 124 SUlabama und 16. 25 Central Ave und lt. 226 DendeS und 15. :27 Brookside und Jupiter 123 Ceittral Ave und 17. 129 Delaware und 13. 131 Alabama und 11. 132 Bellefontaine und 134 College Ave und 29. 135 Delaware und 13. 136 Alabama und North (37 Newmann und 19. 133 College Ave und 14. t39 Cornell Ave und 13 141 JandeS utU 13. 142 Highland Ave und 1y. 143 Tecumsch und 10. 145 New Jersey und 22. 14 Alvord und 17. 47 No. 2 Spritzenhaus Hil.,ide Ave und is. .8 College Lve und 22. 149 College Ave und 27. 152 Park Ave und 2. 15? L E u. W Bahn u. 22. 154 Ramsey Ar und 10. 156 Ctougbton u Newmcn 157 AtlaS und Pike. 155 Bloyd und Pawpaw. 159 No. 21 Spritzenhaus Brightwood HU Arden und Depot lSZ Brightwood und 25. 64 Rural und Bloyd 165 Ct. Clair u. Aeystone 167 Arsenal Ave un 22. 163 Bellesontame und 23. 169 Park 55t und 1s ilt Capital Ave und 213 Pennsylv. u. Wichiaau 214 JUinorS und 20. 215 Senate Ave und 21. f 16 Pennsylvania und LZ. 217 Meridian und 16. 21 Camtal Ave und t öl Prvarway und 10. 231 JllinciS und McLea 34 No. 14 Spritzenhaus Kenwood und 50. 35 JllinoiS und 33. Z5 Annetta und tO 437 No. 9. Sprich zu Udell und Ra,r 3 &tU Ladder Bortt 239 Jsabcl und 27. 41 Meridian und 24. 242 JllinoiS u Ct.Cla-7. 243 Eldridge und 2Z. 312 West uud Walnut 312 West und 12. 314 Howard und 16. 315 Torbet und Paea 516 Capital Ave und U 317 Northwestern Ave u A IS Gent und 13. 319 Canal und 10. 324 Cerealine WorkS 324 Ocrmont und Lynn 325 BismarZu Krand4?icu 26 No. 29 Spritzenhaus Haughoille. 327 Michlgan u. HclmeS, 323 Michigan u. Concord S41 West und McJntyre 412 Mtfi.tti u. Mailand 413 Missouri und hio 415 Capital Ave .. Sierra 416 Missouri u Sentuckv.. 417 Senate Ave iu Wash. 421 P und E RundkauZ W. Washington. 423 Jrrcn-Hvs?ital. 424 Miy Att u.JDuD 425 Wash und HarriS 426 Nc. 13 Spritzenhaus W. Washington 427 Oliver und Dirch 423 Oliv? und OSgood 423 Norde und Fork 4Z1 Hadlcy Av u. MornS 4Z2 River Lve u. MorriZ S4 Niver Lve und Ratz 425 Hatting u. Big 4 R ? 436 Harding und Clüxx 437 No. 19 SpritzenhaZ MorriS und ardina US 0&x CSCä3 499 Ctoöyard 461 ReiSn und VXlle 452 Howard und Ski 452 Storni und LappS 456 Lambert und Sedsnl 457 Nord y kr Zlö u. Voce on WorkS 612 West und Roch 513 entucky Av u, Mernk 14 Meridian und MornS 51S JllinoiS und Sansat 517 MorriS und Dakota 513 MorriS und Church 519 Capital A. u M:Car 521 Meridian und Paim 22 Pine uns, Lord 24 Madisos,Ave u Linco't .26 Meridian und Blt R 627 CarloS und Ray 628 Meridian und Arizona 529 Meridian u, Raymond 631 Meridian u. Mc&n. ' 32 No. 17 kpritzenh2uS MorriS nahe SZeft 12 McKeracund Douk, 612 East u. Lincoln 614 East und Oeecha 615 Wright und Sander 617 McCarty und Leaty 13 New Jersey u Bi.' Av 71 Spru: und Prospect 713 Cngllsh 2k. u. Laurc) 714 Stat Ave u.Bklt R S 715 Shelby uud Beech 716 State Ave und Drcnv 718 Orange und Laurel 719 Shelby u. Cuia 2Ü 721 Lexington A.u -rn4 723 Fletchn AvkU.TpruU 724 State Ave u. Pleasan 7i5 Prospekt und ?!asar.t 726 Orange und HariaV 728 Liberty und Men 729 Nol,I: und South öl No. 15 SpritzenhaufOst Washington '4 $13 Market und Nobiö SU Ohio u. Highland &Z815 Michigan u. Highia 16 Market u Arsenal 2fc 617 Ost 2'. Clair und Union Bahn Geleisk. dll Pan Handle ShcpS 22 Vermont und Walcou L24 Wash. und Stote Atz. 85 Madden'S koungk Kab 828 Tucker und Torsev 627 Wash. und BeviUe Adt 829 No. 1 Spritzenhaus eville nahe Michigan L2l Coutheastern Zstt unk Woodside. 63 Wash. und Tearbor, 834 Coutheastern und Arsenal LveS. 855 New Dort, und Zcrndlf 912 JllinoiS und Maryl. 12 JllinoiS und Markt, 914 Penn, und Wash. 915 Telawar und a? Spezial.Siznale. kften I Schlage, zweiter Tlarm. Zweiten Schlag, dritter Alarm, Dritten Schlage, vierte? Alarm, 1-2-1, Feuer auS und Schlauch ausgerollt. 5 SchlSg, Sdafferdruck ab. 12 Schläge, 12 Uhr Mittags. Die so bezeichneten Signal werden nur dem Zhun Wächter angegeben da an den betreffende Etraj kreuzunge feine Alarmvster anaebracht find. Chicago und der große Nordweften via H m.' 4?-'gVTUI RrjrY ((a Matta-Sawatt-Pdttiddtne Inseln. Vier tägliche Schnellzüge nach Chicago. tW Bon der Monon 47. Str. Station. Eblcago. knd nur 5 Minuten mittelst elektrischer gar na cd den Union Liehdösen Frencli Lick SpriDgs, In dem Orange Eounty Hochland. ffamilien-Hotel unter neuer GescdäftKleitung. Pluto, Proserptne ,nd BowleS Quellen. Beste Mineralwasser der Welt. Zwei Züge täglich via Gree-.,castle. Tickct-Officen : Union Station, Massachusetts fltt and 25 West Washington Strafe. R. P. A l g e o, Distrikt Vass. Agent, Indianapolis, Ind. 's. H. McDoel. E. H. Rock well, Präs. und Een. Mgr. Betrieböleilt? Frank I. Nee d, Ven.Pz's. Agent. Tbicago. Jll.
