Indiana Tribüne, Volume 27, Number 70, Indianapolis, Marion County, 12 November 1903 — Page 7

Jndiana Tribüne, I2. November 1903.

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Clailölne Rninrrn von I d a B o y - E d (Fortsetzung.) 5. zc a p l l e l. Iaubine hatte fest und traumlos geschlafen, die ganze Nacht. Die zweifellose Sicherheit ihres Glückes ließ gar keine Unruhe in ihr aufkommen. Ter heilige Friede in ihrem Herzen spiegelte sich auf ihren Zügen selbst noch im Schlaf wider. Lena saß auf der Bettkante und sah zärtlich die schlummernde Schwester an. Für sie selbst war die Nacht wieder einmal endlos und nicht zum Ertragen gewesen. Wer gewohnt ist. allnächtlich viele Stunden zu durchwachen, weiß, daß es keine Stille gibt. Lena wußte es ganz genau. Bald knarrte irgendwo ein Holz, über die Diele schien ctwas zu schleichen, eine Thür öffnete sich leise, ein kalter Hauch ging durch's Zimmer, durch die transparente Dunkelheit huschte ein schwarzer Schatten. Die todten Gegenstände, die kein Leben und keine Sprache haben, gaben in der Nacht doch ihre Laute von sich. ' Und wenn die sanften Athemzüge der Schlafenden einmal aussetzten, erschrak die Wachende und horchte auf, und wenn sie wieder anhoben, ward auch das zum Schreck. Mit dem aufgrauenden Tag verflog die Wachsamkeit, ein kurzer Schlummer erquickte Lena, aber als sie dann auffuhr, erschreckt durch das Zufallen des mächtigen Hausthores und das nachfolgende Zittern der Dielen, konnte sie es doch nicht mehr aushalten. Claudine sollte auch wachen. Ter stetig auf sie gerichtete . Blick fing an, die Schlummernde zu beünruhigen. Sie schlug die Augen auf und lachte, aber grub sich mit allen Gliedern behaglich und noch tiefer in ihre Kissen. b wohl einmal ein Tag kommt, wo Tu nicht mit einem Lächeln erwachst?" fragte Lena und stopfte die Zipfel und Kanten der Bettdecke noch recht warm um die Schwester. Claudine sah gedankenvoll zum weiß getünchten Plafond empor. Jch weiß nicht," sagte sie. Du vergibst mir doch, daß ich so glücklich in Albrechts Liebe bin? Dich habe ich darum kein bischen weniger lieb, Lena, das raubt Dir nichts. Es ist ganz etwas anderes das kann ich Dir nicht beschreiben. Wenn Tu einmal liebst, wirst Du es verstehen." So also jetzt versteh' ich nichts?" frag!: Lena trocken. Claudine sah, immer in freudiger Faulheit unbeweglich liegend, oie Schwester an. nkel Hans hat recht, Lenc., Du mußt Dir die Brille mehr abgewöhnen; wenn Dich doch nur die Leute Morgens sehen könnten, mit Deinem losen schönen Haar und den Grübchen in den Wangen " Ach, dann würden sie mich hübscher finden?" fragte Lena lachend und küßte die Schwester auf beide Wangen. Meinst Du wirklich? Nein, Süße. Ich muß alles durch innere Qualitäten erzielen. Neben Dir komm' ich noch zur Noth auf, wenigstens bei Onle! HznZ und anderen verständigen Menschen. Aber wenn ich nachher so als Folie neben unserer schönen Mutter hirnebe, dann sieht mich keiner mehr an. Ist auch egal. Du, laß uns doch mit dem Tausschein tauschen, laß mich die Aeltesie sein. Ich bin ja doch viel gescheiter als Du und so ungeheuer belesen. Anstatt der Anmuth habe ich Bildung, schrecklich viel Bildung, anstatt weiblicher Anziehungskraft ungeHeuer viel Verstand, anstatt liebenswürdiger Vertrauensseligkeit den Hang zu mißtrauen und zu zersetzen. Ja. ich bin Mamas bedeutende Tochter Lena. Aber dafür bin ich auch für Männer, die harmonische Schönheit und hilfsbedürftige Frauenschwäche lieben, ein Monstrum sage es auf der Stelle!" Sie lachte und drückte Claudinens Schultern nieder. Doch durch das Lachen klang es wie schneidende Bitterkeit. Ja, Du bist ein Monstrum" Lena ließ im Druck nach, weil Du so von meiner Schwester Lena sprichst," setzte Claudine schnell hinzu und lachte. Noch vor wenig Jahren hatten sie sich Morgens aus purem Uebermutb im Bett gebalgt und mit Kissen geworfen, bis die Mama hereinkam und den Lärm shocking" fand. Es war sehr, sehr selten, daß sie ein englisches Wort brauchte. Lena mit ihrer zuweilen wahrhaft schrecklichen Beobachtung?aabe hatte herausgefunden, daß Pastor Claudius einmal gesagt: man müsse als Frau die Sprache des Gatten und der Kinder tadellos sprechen, denn, wo die Wiege ihrer Kinder gestanden, sei die Heimath einer Frau. Dina. mein arnies Kind, wirst Du nicht enttäuscht sein, wenn Du Dein Glück und Deinen Verlobten nicht auf der Straße und in Gesellschaftssälen spazieren führen kannst?" fragte Lena mit mütterlichem Ton. Ich mache mir nichts daraus. Aber schließlich, was sollte nun noch die Veröffentlichung unserer Verlobung hin,dern?" fragte Claudine. Lena sah hilfeflehend gen Himmel und faltete die Hände, erzeben in so viel Harmlosigkeit. ...

Sie haben in Wien den Metternich gestürzt. Du hast es gehört. Sie werden vielleicht auch hier eine Revolution machen. Es kann auch blos ein Revolutiönchen sein. Das wird dann nachber von Madame Klio so nebenbei r? 'Csf-nTflff ' -.: ... : regrstrirt: nur ein kleiner Putsch, eine Handvoll Todte, ein paar demolirte Häuser sozusagen eine Bagatelle. Über wenn rft oer mfi yiäftjier oer eine .ooie 111 uno grao' mein Haus das eine demolirte ist, hat die Geschichte für mich genau denselben Werth, wie eine große Staatsumwälzung." O Gott, Du hältst für möglich" Daß Mama gleicb ihrer unvergeßlichen herzoglichen Klavierlchrerin für Geld sticken muß? nein." sagte Lena. Aber doch allerlei Fatalitäten, die Deinen Himmel trüben können." Meinen Himmel kaun nichts trüben," sprach Claudine mit strahlendem Lächeln, so lange Albrecht mich liebt." Lena, von der man sonst nie wußte, ob sie ernsthaft war oder spottete, sich über Andere oder sich selbst lustig machte, sah die Schwester tief und mit einem ehrfürchtigen Staunen an. Wer so lieben könnte, wie Du!" sagte sie leise. Ach, wenn es über Dich kommt, wirst Du ebenso lieben Du weißt nur nicht, wie es ist," meinte Claudine. Da warf Lena sich über die Schwester und ihr Gesicht neben der Wang: Claudinens. versteckend, murmelte sie: Ich weif; nicht, wie es ist? Nein ich weiß es nicht ich. ich hätte keine Nuhe und kein Glück nur Eifersucht Gott auf wen? nur Qual beinah Haß ich will nicht lieben, will nicht, will nicht!" Claudine umschlang erschreckt die Schwester. Halb aufgerichtet sah sie eindrrnglich auf Lena- Haupt sie konnte nur den Hinterkopf sehen, denn das Gesicht war versteckt. Was ist Dir?" fragte sie. Lange antwortete Lena nichts. Dann auf einmal richtete sie sich auf und sagte im allergewöhnlichsten Ton: Wir müssen uns rasch fertig machen. Du kannst Deinen blauen Mo?genrock wieder anziehen, ich habe den Aermel qenäht." Danke vielmals," stotterte Claudine. Lena zeigte sich den ganzen Tag bei so vortrefflicher Laune, daß Claudine zuletzt auf die Idee kam, sie habe etwas gewittert, wovon gar k:ine Spur vorhanden war. Onkel Hans, der seine Tage.jetzt auf der Wanderung von seinem Stammlokal zur Taubenstraße und zurück verbrachte, sprach dreimal vor, um zu berichten, daß man in seinem Stammlokal noch nichts Neues wisse. Da dies die Weinstube von Lutter & Wegner war, hatte er nicht weit zu gehen. Nachmittags um zwei Uhr stürzte er herein und berichtete von dem Extrablatt der Preußischen Allgemeinen Zeitung." Er sagte, daß er nur schnell mit seinen Freunden zum Schloß wolle und dunn'wiederkomme, um alles zu erzählen. Frau von Ahlefeld war über diese kurzen stürmischen Visiten ihres Schwagers in einem sieien Mißbehagen. Claudine faltete zu der letzten Nachricht dankbar die Hände. Für sie hatte diese nur den einen Werth, daß Albrecht dadurch der Sorgen um seinen Vater enthoben ward. Lena aoer gerieth in schlechte Laune, weil Niemand da war, mit dem sie die Lücken der Kurdgebung streitend erörtern konnte und sich über die Thorheit entrüsten durfte, daß der König eine neue Verfassung verhieß und dabei die früheren, verhaßten Minister mituilterzeichnen ließ. Die Mutter sagte zu Lcnas ersten kurzen Ausrufen gleich: Mein Kind, ich bemerke mit Entsetzen immer wieder, daß ein demokratischer Zug in Dir ist. Wenn Du wie ich noch erlebt hättest, daß Herzoginnen " Klavierstunden geben mußten," ergänzte Lena spöttisch und küßte für ihre Unart gleich der Mama die Hand, in schweigender Abbitte. Nun. Mama, ich will, wenn es dahin käme, sämmtliches Unterrichtgeben für uns übernehmen. Dann ist der schreckliche Ballast hier doch zu was nütze." Sie tippte mit spitzem Finger gegen ihre Stirn. Dann saßen die beiden Töchter je an einem Fenster, ihre Nähtischchen vor sich. Lena las, ihr Buch lag oben auf einer zusammengeknüllten Filetarbeit. Claudine zog böhmi,che große Perlen auf zu einem Glockenzuge. Die Mutter saß in ihrer Sofaecke und nahm eine Nummer nach der anderen der vor ihr aufgestapelten Frankfurter Konversationsblätter zur Hand, immer nur auf der letzten Seite die Tabletten" überfliegend. Nach Tisch las sie gern kleine Anekdoten und Histörchen, die da unter diesem Titel gesammelt waren. Niemand sprach. Plötzlich hob Lena horchend das Haupt. Ihre Sinne waren so sein und spürten das Fernste. Jetzt glaubten sie ein dumpfes Geräusch zu vernehmen. Sie horchte einige Minuten. Dann stand sie auf und öffnete die Fensterhaken. Kein Zweifel. Ein dumpfes Tosen war von fern her vernehmbar. Lena erblich. Sie wandte sich kurz zu den Ihren.' Hört!" sagte sie. Claudine sprang auf. Langsam erhob sich die Mutter und stand mit leicht geöffnetem Mund horchend da. Der Lärm schien anzuschwellen. Sie standen und horchten, alle drei bleich vor Spannung. Dann rannten einige Burschen die

Straße' entlang. Dann ein ganzer Menschenhaufen, und dann sprengte rin iia Draaoner vorüber. Lena schloß klirrend das Fenster. Ihre Lippen bebten, sie salz Claudii-.: an. Keiner wagte ein Wort. Da ging unten die Hauslh::. Nack, zwei Minuten trat Onkel wns Zn's Zimmer. Sein Gesicht war blauroth, seine Brust keuchte. Er fiel auf den nächsten Stuhl nieder. Was ist geschehen?" rief Frau von Ahlefeld. Auch der Oberst war ein Mensch und sich selbst der Nächste. Seine eigne Erfahrung, seine eigne Empfindung war ihm zunächst das Wichtigste. Mit dem Pöbel vorwärts gejagt, als gehörte ich dazu! Hinter. mir her eine Schwadron meines eignen Negiments! Hinter mir! der ich es einst geführt habe. Ist cö erhört ist es erhört!" Er beugte das Haupt. Lena war schon bei ihm. so daß feine Stirn an ihrer Brust ruhte und seine Thräne ungesehen verrann. Sie mit ihrem hellen Blick errieth, was geschehen war. Sie streichelte sanft sein weißes Haar und sprach: Onkel Oberst, Du mußt gerecht sein! Siehst Du, wenn der Pöbel gejagt wurde und Tu warst nun einmal mitten darin, und Du wirst ja nicht der Einzige gewesen sein, so konnten doch die Dragoner Dir von hinten nicht ansehen, daß Du der Oberst a. D. von Ahlefeld bist." Er nickte heftig, aber er konnte noch nicht aufstehen. Das Entsetzen lag ihm noch in allen Gliedern. Meine eignen Dragoner!" sprach er dampf. Sie sind hinter den Aufrührern hergewesen," tröstete Lena, da heißt es für die Zuschauer, mit gefangen, mit gehangen." Was hat sich denn ereignet?" fragte Claudine. Die Mutter konnte vor Angst nichts sagen. Da sprang der Oberst auf. Was sich ereignet hat? Ja. da fragt unseren lieben Herrgott. Ich denk' mir, in Berlin weiß es kein V!ensch. War da alles ein Herz und eine Seligkeit, König und Volk. Fallen Euch da in den Jubel zwei Schüsse 'rein. Von wem, weiß kein Mensck,. Gegen wen auch kein Mensch. Welche schrieen: Mißverständniß. Andere: Verrath. Ich weiß nichts. Weiß blos, daß man mitten aus der Freude hingerissen ist in wüste Toberei ich wider Willen mitgerissen Damen, Herren, Pöbel, Studenten, Kinder vorwärts, vorwärts, und die Dragoner, meine Dragoner hinter uns!" Er preßte beide Fäuste vor sein Gesicht. ..Und Albrecht Albrecht?" rief Claudine. Hab' die Franzer nicht gesehen. Sind vielleicht auf der anderen Wte vom Schloß gewesen wie ich. Laß nur, Kind ich geh' wieder los " Da hingen sich die Nichten an ihn. Bleibe bei uns! Setze Dich keiner neuen Gefahr aus!" Auch ich, lieber Schwager, bitte Sie, uns Ihren Schutz nicht zu versagen," sprach die Mutter. Gott." sagte Onkel Hans, noch immer in Schmerz verloren, wenn man blos wüßte, wie das so kam! Das Volk schrie wie besessen, und das Militär war wie besessen hinterdrein! Was für'ne Welt, was für'ne Welt!" Wenn doch wenigstens Pastor Claudius hier wäre," seufzte die Mutter. Liebe Edith," sprach Onkel Hans derb, der Pastor weiß auch 'n Deubel davon, was los ist. Ich kalkulire. wenn Sie den König in Person fragten, weiß der ebenso wenig, was los ist. Werden's schon morgen in der Zeitung lesen oder auch nicht. Und meine Dragoner! Dunnemals sind wir losgegangen mit Gott für König, Vaterland und Luise das heißt, da stand ich bei den Kürassieren aber egal ein stolzes Regiment gegen Bürger! Ist kein Krieg." Er zog sein tllrkischseidcnes Taschentuch heraus und schneuzte sich. Frau Edith weinte in ihr Spientüchlein. Die beiden Mädchen hielten sich umschlungen. Auf den Straßen wärv es stiller, der tobende Lärm schien einer gleichmäßigen Geschäftigkeit gewichen. Lena ging an das Fenster. Nichts war zu sehen, als einige Männer, die sich mit Brettern und Schaufeln trugen. Sie öffnete das Fenster und bog sich weit hinaus. Ihre Augen wurden starr. Ein halbes Dutzend Häuser weiter hin, an der Ecke der r ' ichstraße, errichtete man eine Bar'. Schon war das Pflaster aufgerissen, schon häuften sich WaIenrüder und Stühle, Bretter und Bänk: um eine schnurgerade Reihe vor. Tonnen, die man dem Kaufmann an der Ecke fortgenommen haben mußte es waren Oeltonnen, Lena hatte ste oft dort verladen sehen. Onkel Hans!" rief sie rauh. Der ermannte sich und kam heran. Als auch er mit langgestrecktem Leib hinausgesehen, zog er stch schnell zurück und räusperte sich verlegen. Er sah Lena . an. Sie hielten mit ihren Blicken schnellen Nath. Aber es ging doch nicht es ließ sich nicht derheimlichen! Edith," sagte er. Claudine. es heißt Fassung zeigen. An unserer Straßenecke bauen üe eine Barrikade!"

Beie Frauen stießen einen Schrei aus. Frau Edith schwankte. Onkel Hans führte sie mit ungewohnter Zartheit zum Sofa. Claudine starrte entgeistert vor sich hin. Albrecht Albrecht!" murmelte sie. Plötzlich kam ihr ein Einfall ein rasender, thörichter. Onkel Hans," rief ste, ich will tjm, zu seinem Vater, ihn herholen daß er in Sicherheit ist laßt mich." Bist Du von Sinnen!" rief Lena. Niemand wird mir etwas thun! Gewiß nicht! Ein schutzloses Mädchen geht ungefährdet, selbst durch Schlachten." rief Claudine voll Begeisterung. Nein, mein Kind," sagte Onkel Hans barsch, so sehr ihm ihrGedanke im Grunde auch wohlaefiel. ich siehe bier an meinem seligen Kleinen seiner Stelle und verbot' es Dir als Vater und Onkel!" Was soll werden? Was kann geschehen!" rief Claudine und fiel weinend dem Alten um den Hals. Der faltete die Hände über ihren Haaren und sprach ernst: Was unser alter Herrgott da oben will! frag' man Deine Mutter, die weiß es von ihrem Pastor: Er hat die Spatzen auf'n Dach gezählt!" Die Stunden verrannen. Frau Edith holte stch ein Andachtsbuch und versuchte in demselben zu lesen; da es ihr aber unmöglich war, that sie wenigstens so, als lese sie, während ihre Gedanken rastlos einen Plan ausmalen mochten, auf welche Weise Pastor Bernhard Claudius noch herbeigeholt werden könne. Onkel Hans befand sich in einem schrecklichen Zustand; zwar versuchte er ab und an ein Glas Wein zu trinken, denn Lena hatte ihm eine Flasche aller'feinster Röthe aus dem Keller geholt, aber es schmeckte ihm gar nicht. Immer wieder murmelte er vor sich hin: Meine Dragoner!" Daß er von seinem eignen Regiment verfolgt worden war, hatte sein Gleichgewicht vollkommen zerstört. Nun allerdings glaubte er das Ende aller Dinge nahe und die Auflösung jeglicher Ordnung. Claudine und Lena konnten ihm immer wieder von Neuem vorstellen, daß dies Vorkommniß bei der Lage der Dinge doch nicht so überraschend sei und daß die Truppen doch nicht aus den Tausenden von Empörern die Friedfertigen, Königstreuen heraussondem konnten. Wenn die Straßen gesäubert werden sollten, hieß es eben unterschiedslos vor sich herjagen, was sich herumtrieb. Lena that sogar ihrer kritischen Zunge Zwang an. Sie sagte, man wisse ja noch gar nicht, was vorgefallen, und am Ende sei es nöthig gewesen. Doch da schlug Onkel Hans mit der Faust auf den Tisch, daß Frau Edith mit leisem Schrei auffuhr, und sprach: Nein! das war nicht nöthig. Das war eine unglückliche Stunde!" Es wurde dämmerig. Die Stille des Hauses wurde nur einmal unterbrochen. Man pochte an das Hausthor, im Flur entstand Lärm, und Onkel Hans stieg hinab. Man hörte seine Stimme wettern. Er kam nach zehn Minuten wieder, seine Augen blitzten. Man sah ihm an, daß er sich befriedigter und erleichterter fühlte. Auf die fragenden Blicke der Frauen antwortete er: Rausgeschmissen hab' ich sie, versteht sich mit aller Höflichkeit! Die verwünschten Bengel, grillt und nicht mal trocken hinter den Ohren! Kommen da und fordern vom alten Jakob seinen Handwagen und den Küchentritt, und die Schaufeln, und was stch sonst vorfindet, zu ihren infamtigen Baulichkeiten passend. Ich hab' Euch da 'nc Rede gehalten! Ganz klein wurden sie, und als ich ihnen höflich die Thür aufmachte, zogen sie begossen ab. Ja, ja, sprechen haben wir Ahlefelds immen können." Lena dachte sich, daß weniger die Beredtsamkeit als die Persönlichkeit des Alten den Baumeistern der Barrikade imponirt haben würde. Dann ward es wieder ruhig. Der Abend sank vollends hernieder. Man berieth, ob es gerathen sei, die Zimmer zu erleuchten oder im Dunklen zu sitzen. Claudine flehte, daß man, wie alle Tage, die Lampen entzünden möge. Es könne doch fein, daß Albrecht vorbeikäm; oder gar Zeit fände, sie aufzusuchen, dann sollte das todte, stumme Haus ihn nicht mit der Vorstellung erschrecken, die Frauen seien geflohen. Keiner wußte, was richtiger sein würde; mitten in die rathloscn Reden hinein erklang ein Ton. Fern, dumpf, groß. Ein Ton, welchen die Frauen noch nie gehört. ' Ein Kanonenschuß!" rief Onkel Hans. Er selbst mußte sich an der Lehne seines Stuhles festhalten, so war ihm der Schreck in d'e Glieder gefahren. Auf der Straße entstand ein jäher Lärm, es war. als ob Geister, die dort wachsam geruht, stch plötzlich schreiend erhoben. Licht flammte auf. Man entzündete Pechsackeln und Pfannen, die man bereit gehalten, sie warfen ihren rothen, unsicheren und von rußigem Rauch oft ganz überwölkten Schein auf den sperrigen Bau der Barrikade, aus der Stangen, Deichseln und Stuhlbeine gleich Gerippknochen herausragten. Im Licht auftauchend, im schwarzen Schatten verschwindend, huschten Gestalten hin und her. In nächster Nähe M ein Schuß: ein

halbwüchsiger Bursche hätte, seinen Thatendrang nicht mehr meisternd, in die Luft geschossen. Onkel Hans und Lena lagen mit dem Oberleib aus dem Fenster und sahen dem unheimlichen Schauspiel zu. Von einem entfernten Stadttheil her ertönte zum Zweitenmal ein dumvfer runder Ton und ließ durch die Gewalt der Schallwellen die Fenster erzittern. Ein Geheul, wie von wilden Thieren kommend, antwortete dem drohenden Klana deSckusses. (Forlsetzung folgt.)

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l Haus, Huf und Wnd mmmm'm, ,t-T. TT .TT t i l T " Eine dauerhafte Ofenschwärze, die noch dazu den Vortheil hat. daß sie nicht riecht, läßt sich auf folgende Weise bereiten: Man rühre Kienruß mit Wasserglas von Sirupkonststenz zu einem Brei an, trage diesen vermittelst einer Bürste dünn und gleichmäßig auf die Ofenwände auf und lasse ihn 24 Stunden trocknen. Sodann wird Graphitmehl mit .Gummiwasser hinlänglich angerührt und als zweiter Anstrich aufgetragen, welcher vor dem gänzlichen Eintrocknen glänzend gebürstet wird. Wattirte Bettdecken zu waschen. Eine wattirte Decke weicht man einen Tag in kaltes Wasser, welches man zuweilen erneuert, ein und reinigt dieselbe, wenn der Staub ausgezogen ist, auf einem Tisch mit der Bürste und kalter, recht fetter Seifenlauge. Ist die Decke allenthalben gründlich abgeseift, so staucht man ste in einem Faß mit Wasser tüchtig aus, spült ste in frischem Wasser, das man mehrmals erneuert, recht klar, läßt die Decke von zwei Personen recht trocken ausringen und dann glatt ausschlagen. Letzteres läßt man wiederholen, bevor ste trocken ist. Das Belecken der Briefmarken und der gummirten Papierflächen ist aus gesundheitlichen Rücksichten entschieden zu verwerfen. Wenn man bedenkt, daß wahrscheinlich zur Herstellung des Klebstoffes keine einwandfreien Flüssigkeiten und Stoffe verwendet werden, ferner an der trockenen, gummirten Fläche beim Lagern, Weitergeben wä.hrend des Verkaufes allerlei Schmutz' und Krankheitskeime haften bleiben, so ist es erklärlich, daß durch das Belecken Blutvergiftungen. Geschwüre an der Zunge, im Rachen u. s. w. entstehen können. Nicht selten hat ein chronischer Rachenkatarrh seine Ursache im Markenlecken. Vom gesundheitlichen wie vom ästhetischen Standpunkte aus ist das Lecken an gummirten Flächen zu verurtheilen. Ochsenschweif mit Linsengemüse. Ein Ochsenschweif wird rein gewaschen, gliedchenwetse m Stücke gehauen, mit Zwiebel- und Gelbrübenscheiben, einem halben Lorbeerblatt, einigen gequetschten Pfefferfernern und etwas Bratenfett in einer flachen Kasserole angerichtet, übersalzen und rings angebraten; hierauf mit allmälig zugesetzter Bouillon oder nur heißem Wajjer weichgedünstet. Abends zuvor hat man ein Pfund Linsen ausgesucht und in kaltem Wasser eingeweicht, .andern Tags mit erneutem Wasser zum Feuer gesetzt, erst später gesalzen, weich gekocht, dann abgeseiht. In dem vom Ochsenschweif abgenommenen Fett röstet man eine seingeschnitten? Zwiebel mit zwei Kochlöffelchen Mehl hellgelb, gibt die Linsen nebst der durchseihten Essenz des Ochsenschweifes dazu, verrührt das Ganze gut und würzt mit Salz und Pfeffer, auch etwas Esstg und, nachdem das Gemüse noch ein Weilchen gekocht, mit etwas Maggi, worauf man es mit dem Ochsenschweif anrichtet. Durch fall bei Hühnern. Obgleich einfacher, durch Erkältung und leichte Verdauungsstörung hervo"gerufener, nicht blutiger Durchfall durch geröstetes Getreidemehl oder Brot, einige Tropfen Salzsäure im Trinkwasser, durch getrocknete Heidelbeeren, kleine .Gaben von Tannin oder Alaun, insbesondere durch entsprechende Opiumgaben (fünf bis zehn Tropfen auf einen Löffel Rothwein), häufig leicht zu bekämpfen ist, so empfiehlt stch die Anwendung dieser Mittel doch erst dann, wenn der Darm von den unverdaulichen, gährenden und reizenden Stoffen durch ein mildes Abführungsmittel (Salatöl, Fett, Leinsamenschleim, Sennesblätterthee, kleine Gaben von Rizinusöl) gereinigt ist. In vielen Fällen ist auch eine Hungerkur zu empfehlen, indem man nur süße, lauwarme Milch als Getränk gibt und das Futter wegläßt. Die beschmutzten Afterfedern sind zu reinigen und die Aftergegend, namentlich die Mündung des Mastdarms, mit Oel zu bestreichen. Der Koth der mit Durchfall behafteten Thiere ist zum Schützendes gesunden Bestandes sorgfältig zu entfernen und am besten zu verbrennen, da sich diese Krankheitserscheinung späterhin auch als ein durch sogenannte Gregarinen, Schimmel- oder andere niedere Pilze verursachtes Leiden herausstellen kann, welches mitunter den ganzen Geflügelbof zu gefährden vermag. Der Tod im Tan zs aale. In Woltersdorf, Königreich Sachsen, erreiche letzthin ein Ball der dortigen Schützengesellschaft dadurch ein plötzliches Ende, daß die Ehefrau des Handelsmannes Engel während des Tanzes vom Schlage getroffen wurde und kurz darauf verschied.

Feuer - Signale.

1 Pennsyl nd Market 5 English'i Opcrn-HauZ ft EastundSwAork 7 Noble und Michigan 3 31. Jersey u. Mass Ave 9 Pine und North .0 Market und Pine 11 Vermont nahe Cast '2 Nz. S Spritzenhaus Maff. Ave nahe jlctlt 13 Dezwareund Walnut 14 . Jersey u Centra! A. 16 Mass. und CornellAve 6 Ash m d 11. Straße 7 ZZark Ave und 12 Stt .i Columbia undHillsid 19 Highland Ave u. Pratt ei JUinoiS und St. Jo 13 Pennsvlv. und Pratt !4 Meridian und 11. Str No.b Spritzenhaus IS. nahe Jllinol 16 Senate Ave u. CtClair !? Illinois und ZAchigan is Pksylrania und 14, i9 Senate Ave. und 13. H No. 1 Spritzenhaus Jno Ave naheMichigan 2 Meridia und Walnut k4 California u Vermont 35 Blake und New York ZS Ind. Av. u. et Clair 57 City Hospital 38 Blake und Norty ZS Michigan und Lges 41 No. Cprltzenhaui Washington nah West tt EZendcrf u Wash. 43 Missouri u New Dort Meridian u Wash 4 JllmoiS und Ohio 47 Capitol Av. u Wasl) 4S mgan'S PorkhauS 4S Straßenbahn Stelle W. Washington Str 31 No. 10 Spritzenhaus JllmoiS u errill 52 Illinois u 5vuisiana &3 West und Souih 54WestundMcCarty 5 Senate Ave. u Henry 67 Meridian und Ray No. 4 Spritzenhaus MadisonAv.uMorriS SS Madison Av.uTunlop tl No 2 Haken LeiterhauS South nahe Telatvare 2 Penn, u Merrill 33 Telatvare u. McCartö M afi und Mcarty New Jersey u. MerrQ n Lirg. Av. u radsha 68 East und Prospekt i Bicking und High 71 No. 11 Spritzenhaus Lir Ave. nahe Huron 72 East und Georgia 73 Ceda, und Elm 74 Davidson u Georgt 76 English Av. u Pine i Shelöy und BateS re No. 3 Spritzenhaus Prospekt nahe Shelby 'S Fletcher Av. u Cbelby 81 Market u. New Jersey ?? Delaware und Wash. S2 East u Washington 34 New Dvrk u. Tavids 85 Taubstummen Anstalt 86 Ler. Staaten Arsenal 67 Orient! und Wash. 89 Fraucn-Aeformat. 91 No. 13 Spritzenhaus Marhland nahe Mer. 2 Meridian u. Srqia. Z3 Meridian und Louth 4 Pennsblo u. Louisiana 95 Virgii Ave u. 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W Bahn u. 22. l54 Ramfey Ave und 10. l56 Stoughtvn u Newme :57 Atlas und Pike. 158 Bloyd und Pawpaw. lös No. 21 Spritzenhaus Brightwood HZ Arten und Depot 163 Brightwood und 25. 164 Rural und Bloyd 165 St. Clair u. eystone 167 Arsenal Ave un 23. 168 Bellefontaik und 28. 169 Park Ave und 1, 212 Capital Ave und i7. 213 Pennsylv. .Vichia, 214 JllinvtS und 20. 215 Senate Ave und 21. 216 Pennsvlvania und 22. 217 Meridian nd 16. 218 Capital Av und . 219 Breadway und 10. 231 JllinoiS und McLea 234 No. 14 Spritzenhaus Kenwood und 30. 35 Illinois und 33. 233 Annetta und 80 237 No. 9. Spritzend, lu, Ndell und Racr 238 Udell Ladder ctcrfi 239 Jsabcl und 27. 241 Meridian und 24. 24ZJllinmS u Et.Cl?. 243 Eldridge und 23. 12 West uud Walnut S13 West und 12. 31 Howard und 16. 515 Torbct und Paca 316 Capital Ave und 1. 317 Northwestern Ave u 31 318 Eent und 13. 319 Canal und 10. 524, Cerealine WorkS 324 Vermont und Ä?nn 525 BiSmarcku Erendtzittr 526 No. 29 Spritzenhaus Haughmlle. 527 Michtgan u. HolmeS, 523 Michigan u. Concord 41 West und McJntvre 412 Vliffoun u. Maryla.id 413 Mijsouri und hi 415 Capital Ave Stcra 416 Missouri u Zkntucky ? 417 Senate Av . Wash. 421 P und E RundKauS 23. Washington. 423 Jrren-Hosvital. 424 Mil?y Ave u.J Du2 425 Wash und Harri 426 No. 18 Spritzenhaus W. Washington 427 Oliver und Birch 428 Oliver und OSgood 429 Nordhke und Fort 421 Hadlcy Av u. Morril 432 River Ave u. MorriZ 54 Niver Ave und Nah 435 Harding u. Big 4 R ? 436 Harding und Oliv 437 No. 19 CpritzenhZ Morris und Hardina, 439 Hetoxrd tsätDCtes 439 Stoöy 451 Reitner und 452 Howard und L 453 MornS und Kspps 456 Lambert vzb Bekntt 457 Nordyke Ave u. Van mon WorkS 812 West und Ray 613 lientucky Avu.?!errS 614 Meridian und MorrtI 01 Illinois nd ansaS - 617 Morris und Dakota 618 Morris und Church 519 Capital A. u McCar 621 Meridian und Pal 522 Pine un, Lord 524 Madisor.Avn LincoId 526 Meridian und BeU RZe 627 CarloS und Ray 528 Meridian und Arizon 529 Meridian. Ltaymond 5ZI Meridian u. McCai 532 No. 17 kpritzenhtS MorriS nah West 61 McÄerncn:und Douh 613 East u. Lincoln Q( 14 East und Oeecher l Wright und ' Sand 17 McCarty und Beaty 18 New Jersey u 8 A 71 Spruce und Prospekt 713 English Are u. Lauret 714 State Ave u. Belt N 9 715 Shelby uud Beecha 71 State Ave und Dtcm 718 Orange und Laure! 719 Shelby u. Cuta fSj 721 Lexmgton A. u ,?ai 723 Fletcher 2vu.SpruU 724 State Ave u. Pleasa' T& Prosprkt und leasar.? 726 Orange und Harla? 723 Libcrttz und Vea 72g Nole und Ssuth öl Tit. 15 Spritzenhaus Ost Washrngtsn V 1, Martet und Noble S14 Ohio u. HiZhland 815 Michiga u. Highla 1 Market u 8triW 2U 817 Oft 54, Clair und Union Bahn Geleise. Ml Pan Handle ShopS 823 Vermont und Walco L24 Wash. und State 2. ktt Naddm'S koungk tzab 26 T!er und Torftv 827 Wash. und Bevill Av 29 No.l Spritzenhaus Beville nah Michiga, 831 Eoutheafter AM und Woodside. 85 Wash. und Dearbor, 834 Southeastern nd Arsen! Lvei, 855 New Fork ab Tempi 912 JLinoiS und Maryl. i Illinois und Stärket, 114 Pm. nd Oftfc . 915 Telaware und ? Spezial. Signale. krsten Schläge, zweiter Llarm, ' i Zweiten 2 Schlage, dritter Alarm, Dritte Schlage, liierte? Alarm. l--i, Feuer aus und Schlauch ausgeroSt. Schlag, Wasserdruck ab. 1 Schlag, 1 Uhr Mittag. Die so bezeichneten Signa? werden ur dom Zbun Wachter angegeben da an den betreffende Strafe kreuzunge seine Alarmköstw angebracht find. lüKilDQM und der große Nordwesten vi alatta-Sawatt-VbUUch! Insel. Vier tägliche Schnellzüge nach Chicago. Von der Mono 47. Etr. Etation, Thicago, sind nur 5 Minute mittelst elektrischer klar ach den Union Biehböfen rreued Llck Spring, indem Orange ttocrtt Hochland. ffamilien-Hotei unter neuer eschäftileitung. Pluto, Proserpwe ind Bowle? Quellen. Bestes Mineralwasser der Seit, wei Züge täglich ia Sree-.,castle. Ticket-Office : Union Station, Magachusett ftvc nd 25 West Washington Etrabe. R. P. l g e ,, Tiftrtkt Paff. Agent. 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