Indiana Tribüne, Volume 27, Number 66, Indianapolis, Marion County, 7 November 1903 — Page 7
Jndiana Tribüne, 7. November ISttS.
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Claudinc ornmt von v & a B o y E d (Fortsetzung.) a, meine .ocyier. Die yaoen eine besondere, großherzige, vornehme Arr." sagte dieser Blick. Claudius wußie, daß die Mutter von nun an den Entschluß der Tochter, den sie noch vorher bekämpft, immer dann heiß bewundern werde, wenn sie gerade seine Unbequemlichkeiten nicht spürte, ihn aber allezeit, und was auch immer kommen möge, vor der Welt vertheidigen würde. Daß Lena der Schwester kein gutes Wort gönnle, schien Niemandem aufzufallen. Ich. will noch gleich an Albrecht schreiben, Onkel Hans kann den Brief rnitnehmen," rief Dina. Soll ich denn nicht hier bleiben? Ich kann ja in dem Eaststllbchen oben neben den Mädchen schlafen," sagte der Oberst. Ach Onkel," sprach Lena, endlich aus der dunklen Zimmerecke hervorkommend, in der sie sich aufgehalten, geh Tu nur in Tein gewohntes Bett zu Haus bei Dir. Tu entbehrst sonst Teine Gewohnheiten. Pröhle hat zwei Leute geschickt. Auf den Straßen ist alles ruhig. Was sollte wohl passiren!" Recht hat sie!" meinte Onkel Hans erfreut, was sollte wohl Passiren! Und Tina, spar' Teine Schreiberei. Ich geh' morgen früh gleich in die Kaserne und such' mir Teinen Albrecht und sag' ihV: Hallch, mein Junge, räthst Tu was? ich bin von nun an Dein Onkel! Na, auf die Augen freu' ich mich und auf das nette Lachen. Ich mag nu mal sein Lachen, kann mir nicht helfen, ist meine Taxe für Menscheu." Claudine war freudig mit dem Borschlag einverstanden. Nach vielem Hin und Her verabschiedeten sich die Männer. Frau von Ahlefeld ging zufrieden in ihr Schlafgemach, sie war überzeugt, daß ihre Haltung eine tadellose gewesen sei und ihrem alten Freund Claudius sehr gefallen habe. Denn, wenn sie auch vermied, viel über seine etwa noch bestehenden Gefühle nachzudenken, so wünschte sie um alles in der Welt nicht, jemals ein Gefühl des Mißfallens in ihm wachzurufen. Immer vor den Augen eines Mannes dahin zu leben, In sie einst geliebt, war für die Frau der Ansporn, schön zu bleiben und harmonisch zu wirken. Diz Männer fanden unten im Flur den Pröhle'schen Kommis und Kassenboten nebst dem alten Jakob für alle Fälle" auf Matratzen hingestreckt und nrit Federbetten zugedeckt. Jakob hatte alles vom Boden aus der Bettzeugkiste heruntergetragen. Eine Laterne stano vor dem hofwärts gelegenen großen Fenster auf dem Fensterbrett, darunter lehnten an der Kalkwand einige merkwürdige Waffen. Auch hatte Jakob zwei Flascken Wein hingestellt. Das reine Feldlager. Na, Jakob, ich rathe immerhin an, erst das Einschlagen der eichenen Hausthür abzuwarten, ehe Ihr zu den Waffen greift," sagte der Oberst. Es wird ja nichts Passiren," meinte Jakob. Tas schloere Hausthor schloß sich hinter ihnen. Pastor," sagte der Oberst, der Pulliac meiner Schwägerin ist ein Schlaftrunk, der mir nicht stark genug in den Gliedern liegt. Gibt keine Bettschwere, das Getränk. Kommen Sie auf meine Jude und trinken noch eins." Ich danke herzlich," antwortete Claudius, Sie wissen, ich bin manch'mal gern mitgegangen, wenn es Ihnen noch zu früh war. Aber heute bedarf ich der Ruhe und Einsamkeit." Ja, ja, meine Schwägerin hat immer so'n büschen was Angreifendes." lachte der Oberst und stieß den Pastor von der Seite an. wenn die noch mal 'n vernünftigen Mann nimmt, in den Jahren ist sie ja noch, wird sie wieder simpler in ihrem Benehmen." Claudius schien die Anspielung gar nicht zu verstehen. Sie schritten die menschenleere Tau--benstraße bis zur Ecke der Friedrichsstraße entlang. Der Oberst horchte die lange, mächtige Straße auf und ab. Alles ruhig. Na gottlob."' ' Hier mußten sich die Männer trennen. Haben Sie bemerkt," sprach Claudius, den Abschiedshändedruck verlängernd, indem er des Obersien Hand festhielt, daß Lena ihrer Schwester nichts sagte?" Das war aber keine Gleichgiltigkeit, i bewahre," sagte der Oberst eifrig, da k?nnen Sie die Mädels schlecht. Die haben sich unbändig lieb. Lena hat es mehr in sich." Vor mir brauchen Sie weder Clau dine nock, Magdalcna zu vertheidigen, lieber Oberst," sprach Claudius warm. Laugsam und nachdenklich setzte er hinzu: cb bin über,euat. iefct bänat Lenn cetneno am alö lyrer cyweuer. ich habe sie von ihrer Kindheit an beobachtet. ' Sie ist von einer so herben Keuschheit erfüllt, es ist ihr unmöglich, Weichheit zu zeigen, auch wenn ihr Herz ganz aujsclcjt davon sein mag. Der
Mann, den sie einmal liebt, wird ihr das Geständnvß ihrer Liebe schwer von den Lippen ringen; niemals aber, wenn für ihre Empfindungen ein Hin derniß vorhanden ist, es ihm zu geben. Gute Nacht. Herr Oberst." .Gute Nacht." I. K a p i t e Z. J lörecht von Ürcndcw, umgürt:! 3 mit der Schärpe, kam von den Wachen, die er rcvidirt hatte; er vom ilu jour gewesen, und ging nun mit langsamen Schritten durch die stillen Straßen seiner Kaserne ?(ü, um in einem kurzen Schlummer vielleicht noch von der durchwachten Nacht auszuruben. Herbe suisie erfüllte die Luft, die Nacht ging zu End?. Grau. n?3e!fcsnre: und von keinem Windhauch bewegt, stieg der blasse Vorschein der Morgendämmerig am Horizont empor. Di: rothlichen Gaf'.ämmchzn in den spirlichcn Laternen brannten klein und ohne Lichtschein um sich zu verbreiten, der ft'.ichie Dunst, der in den Strafen aufstieg, verschluckte ihre Strahlen. Der sicrnenlose Himmel sah todt und grau in di? slaftnden Straßen bernieder. F.tm LÄt und Leben war in den Häusern, Thüren und Fensterläden waren versplissen. Schweizsam und kalt säumten die Manerwände die Straßen ein. es dünkie Albrecht, als wandle er zwischen Grabgewölben dahin. Mit jedem Athemzua sog er die rauhe Märzlust ein. so daß sie ihm den ganzen Körper zu durchkälten schien und das Blut ihm fröstelnd durch die Adern rann. S::n Schritt hallte wider von dem Steinpflaster des Bürgersteigcs, laut, wie ein wichtiges Geräusch in der Stille ringsum. Wenn rechts oder links von der Straße sich Gassen abzweigten, sah er in sie hinein, wie in einen grundlosen schwarten Schlund. Bor ihm schien sich der Weg, den er verfolgte, in nebelhafte Fernen zu verlieren. Himmel, Häuser und Fahrdamm vcrschwammen ineinander zu einem grauen Farbenton. Die Straßen, die er bei Tageslicht so gut kannte, schienen sich zu labyrinthischen Verschlingungen durcheinander gewunden zu haben, in deren Tiefe unbesannt? Schrecken lauerten. Eine Sehnsucht nach Licht. Tag, Wärme quoll heißer und heißer in Albrcchts Herren auf. Jbm schien, als sei er das einzig? Leewcsen ringsum in der sürchterlichen. steinernen Einsamkeit. In seiner Faust zuckte es, gegen irgend eine Thür zu schlagen, um drinnen den Widerhall zu wecken. Und mechanisch verfolgte dabei sein Fuß den Weg. und regelmäßig hallte das Tapp-Tapp. Tapv-Tapp seiner festen Schritte von den Steinen wider. Ganz langsam entfärbte sich das tiefe Grau des Himmels zu bleiernem Ton. Es war nicht wie ein Licht, fca5 im Glanz aufging, es war nur wie ein schwacher Athen?, der unmerklich anschwillt. Aus dem feuchten Niedcrschlag, der die Straßenstcine über Nacht genäßt
hatte, stieg schärfere Kälte empor. Ueber die Dächer und über die Mauern flog es wie ein Schauer von Frost. Und cs war, als wüchse die Stille, weil sie aus der Ruhe hinübergegangen war in die Erwartung. Plötzlich ein Schrei, fern, hohl und aufdringlich. Albrecht schrak unwillkürlich zusammen. Bor seiner Phantasie entstand ein holdes Bild: dämmernde Morgenfritfe, die kühl in das offene Fener hineinzog, und ein raunender West draußen in frühligsgrüncm Gezweig, und dann ein Heller, scharfer Habnenschrei, dem fern ein Echo, ein anderer antwortete, und noch serner ein dritter, bis die nahe Stimme sich wieder krähend erbob und der Hin- und Wiederruf sich fortsetzte, bis die- Sonne lachend emporstieg, tausend ThauperUn in schimmernde Brillanten verwanfcelte, um damit den Morgen zu smücken. an welchem Albrecht i h r zuerst begegnet war. Der Hahnenschrei der großen Stadt war der hohle Pfiff der Lokomotive. Roch einmal gellt? er über die Häusermeng? hin. Nicht die Stimme der Natur, ein fremder, künstlicher Laut erweckte häßlich die Schläfer in der Stadt. Wozu? Was würde dieser Morgen, der zögernd und frierend emporstieg, der Welt bringen? Aus dem dunklen Schlund der Gasfen stürzte vielleicht die Revolution emvor und schlug mit donnernden Kolben schlagen die Thüren der Häuser ein. Wo jetzt das starre Schweigen der Nacht alles Leeende in seinem Bann hielt, würde wildes Jammergeschrei ertonen. Albrecht versuchte das widrige Phantom zu verscheuchen. Es war unmög. lich. daß cs dahin kommen konnte. Mit starker Hand wurde die Regierung em greifen, die Wiederkehr der Tumulte zu verhüten wissen und Berständigung mit den Bürgern suchen. Das war so " n i .'V v t r . " Lt'jfselvuoernanotten. oan er eiger.iucj gar nicht begriff, warum ihm so bange Gedanken kamen. Und doch er begriff recht gut. was ihm die helle Zuvcrsickt nahm, mit der er noch bis vor Kurzem durch das Leben gegangen und kraft deren cr ohn? eine uederlast von bedanken sroytich seinen Lebensweg dahingewandert war. Gern Nerul aab ibm feste Marschroute; seine bescheidenen Einkünfte verscheuchten alle beunruhigenden Versuchungen und Tollbeiten von ihm hinweg; er war aut. tücktia im Dienst und allezeit zufrieden. Da brauchte.er nicht nach
rechts oder links zu blicken, da gab es kein Stolpern und keine Abgründe:
mit einem '"i'' Lied auf den il?j reu, Gewehr über, marschirte er in ;i Sonnenmorgen seines Dazems lind dann war die Liebe gekommen und Satie sich ihm als Wanrergenoiic zugesellt. Erst hatte i;e sie.) nicht zu erkennen gegeben, sondern gethan, als i ste die Schönheit, welche das Leecn mit einem Mal viel prächtiger mache, so daß man alle Wonnen gar nicht bcgreifen konnte; oder als sei sie die Fröhlichken. die nun erst lachen und jubeln lehre, während alle vergangene Lust schal und blaß erschien; oder als sei sie der Muth, der erst jetzt alle Man nes krast erwecke. Aber dann hatte sie eines TageS alle ihre Schleier von sich geworfen und den Urgrund ihres Wesens zu erkennen gegeben. Und cr hatte gesehen, daß es die Liebe war. O Elaudine! Wie Schauer der Andacht ging cs dem jungen Mann durch die Seele, als er ihrer gedachte. Immer wenn er sie sah. war ihre Anmuth wie eine neue Offenbarung für ihn; aver mit der Erscheinung von immer neuem Reiz erstand zugleich eine andere vor seinem Auge, die ihres ersten Anblicks. Nicht wie eine glänzende Folie neben einer Wirllichkeit, von der die späteren Jahr: manchen Farbenzauoer hmwegwischen konnten, sondern wie eine Gloriole, welche für immer die Kontouren der Gestalt umgibt, welche vor diesem goldenen Hintergrund erscheint. Vor zwei Jahren war es gewesen, aus einem Gut in der Vkark, das mit seinen Kiefern und Akazien, seiner sandigen Heide und seinen Hecken von Psingströschen für ihn zum Paradies geworden. Als Gäste einer Familie. die ihrem Vater befreundet, seinem Geschlecht aber von Alters her eng verbunden gewesen, hatten sie sich dort getroffen. Im parkartigen Garten war er ihr begegnet. Der Pirol schwatzte sein kurzes melodisches Lied in den Zweigen, die Srzringenbüsch? warerl wie von blaßlila Schleiern ubcrworfen, so reich blühten sie, der helle Himmel stand im blendenden Glanz über dem schattenarmen Garten. Von fernher tönte ein glucksender Zuruf, mit dem ein an der Gartengrenze eggender Knecht sein Pferd antrieb. Und inmitten der lichten Fröhlichkeit hatte sie gestanden, mit dem dunklen, lockigen Madonnenscheitel und dem Lächeln voll Glück um die süßen Lippen. Seit jenem Tag war eine heilige Freude in sein Alltagsleben hincinaetoachsen und hatte es ganz durchwoben, so daß es nicht mehr das Leben eines armen braven Offiziers war, wie es deren tausend gibt, sondern ein ganz geheiinnißvolles, königlich reiches Dasein voll Wonne, wie sie noch nie ein Mensch erlebt hatte und ganz gewiß nie wieder erleben würde. Und wieder zerriß der bäßliche Lokomotivenschrei die graue Morgenkälte. Albrecht erwachte aus seinen von Svringenduft und Sonnenschein umfluiheten Gedanken. Um ihn waren die frierende Dämmerung und die lichtlose herbe Luft der frühen Stunde, um ihn waren die steinernen Mauern der unheilschwangeren Stadt. Ja. mit der Freude zugleich war auch eine Sorge gekommen und gewachsen, die vorher schon, gleichsam wie zaghaft, an Albrechts Seele gepocht hatte. Aber damals sollte sie noch nicht hinein, es sollte nicht wahr sein, daß der Vater, sein theurer, heißgeliebter Vater sich , veränderte. Nach und nach aber mußte seine blinde Sohnesverehrung doch, widerwillig die Augen öffnen und sehen! Als treuer Sohn ließ er kaum einen Tag vergehen, ohne den Vater zu besuchen, der seit dem Tod der Mutter und Gattin den eignen Hausstand aufgegeben und junggescllenartig in zwei möblirten Zimmern wohnte. Die Gesellschaft, welche er bei seinem Vater fand, ward nach und nach so seltsam, daß Albrecht immer zagender die Schwelle übertrat. Da waren Männer, welche sein Vater erst seit gestern oder heut aus irgend einer Weinstube her kannte, mit einer lärmenden Beredtsamkeit, großen Knebelbärten und seltsam im Nacken geschorenem Haar, eine Tracht, die damals auskam und die sie a la rnalcontcnt nannten. Albrecht, mit einer gewissen feinfühligen Abneigung gegen schlecht? Form und nachlässiges Aeußere. stieß sich beinahe mehr an der Haartracht und den lockeren Halskragen der Man ner. als an ihrem Geschwätz, welches er für vollkommen werthlos und gefahr los hielt, das er sogar lächelnd hätte überhören können, wenn er nicht eben Osslzier gewesen wäre. Auch erlaubten sich diese neuen Be käunten seines Vaters, ihn, den Sohn, mit einer feindseligen oder, großartigen Miene zu betrachten. Sie spracken über ihn hinweg, so als ob er eine Erschei nung aus verschollenen Tagen sei, die sich nur, noch durch ihre Duldung hier des vischens Daseins erfreuen dürfe. War dies nur zur Hälfte peinlich und zur anderen Halste lacherlich, so ginaer vollends verstimmt und imruhig heim, wenn er zuweilen irgend einen ernsthafter zu nehmenden Mann dort "traf, wenn die Gespräche vom halbverhüllien Schimpfen sich zu maßvollerer Kritik reinigten. Tann hörte er manches Wort, dessen Wahrheit er sich nicht verschließen durfte und das gerade sein königstreues
Soldatenherz höher schlagen ließ, wenngleich er zu allem schweigen
mußte. Preußens König deutscher Kaiser! Ein einiges Volk kein Preußen, kein Sachsen, kem Bayern mehr, nur Teutschland! Nicht mehr das Wort Heimath, sondern das Wort Vaterland! lind wenn er auch fchw" mußte und mit ftinen fünfundzwanzig Iahren sicher noch herzlich wenig von Poliiik verstand, so war ihm doch, als hätte er diesen llug redenden Männern sagen mögen: nicht durch Verfassungen und Verträge kann man eine Kaiserkröne erwerben, denn das würde ja eine papierne sein, mit dem Schwerte muß die einmal erstritten werden. Nicht aus dem Schmutz von Straßenkämpfen fischt man sie auf, man findet sie auf einem Schlachtfeld, das ein Feld der Ehre ist. Aber er hütete sich wohl, zu sprechen. Er kam seltener, denn es schickte sich nicht für ihn, diese Leute zu kennen. Er versuchte erst leise und innig, dann ernster, aber immer mit der Bescheidenheit, die dem Sohn ziemt, dem Vater vorzustellen, daß er mit seinem Verkehr einige Rücksichten nehmen möge. Ruprecht von Vrandow nickte auch immer diesen Wünschen Gewähr, aber wenn Albrecht wiederkam, fand er doch um den runden Tisch, der Flaschen und Gläser trug, eine Anzahl von Mannern, die ihn hier, im Zimmer seines Vaters, als Eindringling betrachteten. Endlich bat er seinen Vater, daß ihn der doch lieber in der Kaserne besuchen möge. Allein trotz der bejahenden Kopfbewegung, die darauf erfolgte, kam Ruprecht von Vrandow nie zu seinem Sohn. Die Brandows hatten erst vor wenig Jahren ihr kleines Gut verkauft, waren dann nach Berlin gezogen und lebten dort sehr einsam, weil ihre beschränkten Mittel ihnen nicht gestatteten, Anknüpfung mit der Gesellschaft zu suchen. Frau von Vrandow war auch eine ernste, verschlossene Frau,aeWesen, die keine Menschen brauchte. Jetzt pries Albrecht diesen Umstand, denn durch ihn blieb es ziemlich verborgen, daß sein Vater sich einem unordentlichen Leben ergab. Wenige wußten, daß Albrecht von Brandow überhaupt einen Vater in Berlin hatte, die Kameraden hörten von diesem als von einem stillen, durch den Tod der Gattin gebrochenen Mann. So hatte der treue Sohn bis jetzt die Schleier der Verborgenheit über seinen Gram decken können. Aber jetzt vielleicht, jetzt brachen die geheimen Wunden vor aller Augen auf. Als am Abend vorher die ersten Tumulte in den Straßen tobten, fuhr wie eisiger Schreck der Gedanke durch Albrechts Hirn, daß sein Batet von seinen Freunden mit hinausgezerrt sein konnte in die Gassen. Denn der unglückliche Mann und dies war für Albrecht das Räthselhafte-bekundete nie mit einem heftigen Wort, einem aufflammenden Blick, irgend eine Theilnahme. Er ließ die Anderen reden, guckte in fein Glas und schwieg. Albrechts Phantasie wies alle Bilder von sich, welche die nächste Zukunft malen konnte neue Straßenszenen eine kräftige That derRegierung zahllose Verhaftungen vielleicht ein Be. lagerungszustand und sein Vater Ruprecht von Brandow als Aufrührer in den Anklagezustand versetzt. Nein, dies alles konnie. konnte nicht so geschehen! Das Volk würde sich bei der gestern verkündeten Embe rufung des Landtages beruhigen. Die Erregungen verliefen im Sande, und es wurde auch wieder still um seinen Va ter werden. Und wenn cr erst am Herd seines Sohnes eine lichtvolle Heimath fände Wenn! wenn! Albrecht fühlte es, daß die geheimen Wunden doch nicht mehr'qeschont werden konnten. Er hatte es begriffen, als Frau von Ahlefeld ihm sehr würdevoll und ernst für die Ehre seines Antrages gedankt, aber eine bestimmte Antwort erst für den anderen Tag in Aussicht stellte. In diesen Dingen sollte es nur ein Ja" oder ein Nein" geben, dachte Albrecht. Aber durfte Frau von Ahlefeld denn so einfach ja" sagen? Wußte sie von dem Leben des älteren Brandow? Vielleicht durch Claudius, dem Albrecht zuweilen in dem Haus begegnet war, wo sein Vater wohnte und wo der Pastor eine gelähmte Dulderin öfters besuchte. Hätte er selbst, er der Sohn, dem heißgeliebten Mädchen sagen müssen: Du mußt meinen Vater ertragen! O Gott nein. Das wäre nie von seinen Lippen gekommen. Sein Vater war doch kein Verbrecher. Nur ein armer Mensch, der in verdüsterten Gemüthszuständen hinlebte. Und Albrecht hoffte, mit ganzer Inbrunst, daß die Schatten weichen würden, daß Claudine ihrer gar nicht erst ansichtig werden würde. Mußte nicht auch für seinen Vater ein neuer Tag aufgehen, wenn er ihm die Holde als Tochter zuführte? . Aber aus dem Wesen ihrer Mutter hatte er es herausgefühlt wie eisigen Hauch. So lange er als Leutnant von Brandow in's HauS kam. wa? er hochwillkommen gewesen. Aber als Albrecht, Sohn des Ruprecht, als Mensch, der in die Familie treten wollte, war er sehr unwillkommen. - Jetzt-vielleicht, jetzt schon wußte sie. die Eine. Süße, von allem. Mit schonenden Worten, gewiß, in so viel liebevolle Wendungen als möglich gekleidet, batte man ibr aesaat: Im Leben Tei- ! nes Erwählten gibt eö einen dunklen
Punkt, es ist sein'Vater! Sie aber hatte
nicht die Schonung, das Mitleid emPfunden, sondern nur den harten Schmerz für ihn, für sich. Er fühlte es mit heiliger Sicherheit sie ließ in ihrem Herzen nicht von ihm! 2lber würde man sie nicht hindern, sich auch öffentlich zu ibm an bekennen? (Fortsetzung folgt.) Die Sliauljfcftcr. Tie Bedeutung dieses Luzuöartikel für den Handelsverkehr. Eine Ltrauhstver Auktion iu London. Klassifikation und Preise der Federn Ta HauptproduktionSgebiet aus den Farmen Südafrikas. Die Strciußfeder zählt, wi: allbekannt, zu den ausgesprochensten Luxusartikeln. Nur Wenige jedoch dürften sich eine Vorstellung davon machen können, welche Werthe dieser Artikel in Bewegung setzt. Einen Einblick in die Bedeutung, welche die Straußfeder für den Handelsverkehr besitzt, erhält man, wenn man wenige Tage vor einer der üblichen Straußfeder-Auktionen den großen Londoner Docllagern einen Vesuch abstattet. Zwei der geräumigsten Speiche? sind lediglich mit dieser allgemein beliebten Federart angefüllt. Die zur Versteigerung gelangende Waare ist in einzelne Loose eingetheilt und jedes Loos in einer besonderen Abtheilung untergebracht. Es kommen manchmal mehr als 3000 Loose in einer einzigen Auktion zum Angebot, und der dafür erzielte Erlös stellt sich selten unter 8700,000. Zuvor iverden die Federn genau nach Qualität sortirt und alle Posten mit Nummern versehen. Unter diesen Nummern erscheinen sie dann in dem Katalog, der jedesmal von der anzubietenden Waare ausgegeben wird. Den Käufern steht es frei, vor Eröffnung der Auktion die Federn zu besichtigen und diejenigen Loose auszuwählen, auf welche sie bieten wollen. Interessant und lehrreich ist es, den Experten bei der Klassifikation der Federn zu leobachten. Unter Assistenz seines Clerks führt er die gewiß nicht leichte Arbeit mit einer erstaunlichen Schnelligkeit aus, wobei ihm freilich große Uebung und Erfahrung zustatten kommen. In etwa einer Minute hat er die Prüfung eines Looses beendet; nachdem der Befund festgestellt ist, werden dem Angestellten noch einige besondere Bemerkungen über die Qualität dlktirt, die trotz ihrer ungemeinen Knappheit die Eigenschaften der Waare stets treffend kennzeichnen und den Käufer in den Stand setzen, sich sofort ein zuverlässiges Urtheil zu bilden. Wenn man berücksichtigt, daß die in der einen Abtheilung aufgestapelten Federn vielleicht nur $2.30 pro Pfund werth sind, wahrend die m dem danebenliegenden Raum auf $47 bis $70 und mehr pro Pfund taxrrt werden, so ist ohne Weiteres einleuchtend, daß mit der Abschätzung nur' ein Mann betraut werden kann, der den Artikel auf's Ge naueste kennt und bei dem Irrthümer so gut wie ausgeschlossen sind. Die Preise der Straußfedern sind erheblichen Schwankungen unterwor fen. Steigerungen oder Rückgänge bis zu 30 oder 40 Prozent pro Pfund für diese oder jene Auktion sind keine Sel tenheit. Wie jeder andere Handelsartikel ist eben auch der Werth der Straußfeder dem Gesetz von Angebot und Nachfrage unterworfen. Dieser Faktor macht sich aber m der Strauß feder umso stärker geltend, weil ihr Absatz von der Mode außerordentlich beeinflußt wird. Das Hauptproduktionsgebiet der Straußfeder ist Südafrika. Der Strauß gilt dort seit langen Jahren als sehr werthvolles Nutzthier und wird in größeren und kleineren Farmen gezüchtet. Ansehnliche Mengen Federn liefern auch die Berberei und Egypten, ebenso hat man in Kalifornien die Straußenzucht mit Erfolg aufgenommen, und vor einiger Zeit verlautete sogar, daß in der Nähe von Nizza eine Straußenfarm errichtet werden sollte. Die für den Verkauf geeigneten Federn werken dem ausgewachsenen Thier alle sechs bis acht Monate abgepflückt." Dieses Pflücken" geschieht für den Vogel absolut schmerzlos, denn in Wirklichkeit werden die Federn mit einem scharfen Messer dicht über der Haut abgeschnitten; die zurückbleibenden Stümpfe fallen dann später von selbst aus. Zum ersten Male erfolgt diese Prozedur, wenn der Vogel etwa neun Monate alt ist, doch haben die Federn aus diesem Stadium keinen großen Werth. Im ausgewachsenen Zustände liefert jeder Strauß etwa zwei Dutzend brauchbarer Federn. Da ein vaar gute Zuchtvögel mit $1600 bis $2300 bezahlt werden, so repräsentirt eine mäßig große Straußenfarm fchon einen recht werthvollen Besitz. Der Nutzen schützt somit den Strauß vor Ausrottung. Wären seine Federn nicht so geschätzt, so würde dieser interessante Vertreter der Vogelwelt längst schon das Schicksal des bereits vollständig vernichteten Moa in Neuseeland getheilt haben. Der Werth der jährlich in London zum Verkauf gelanaenden Straußfedern beträgt nahezu $5,000.000. Zlznrner ctcrnfrncmit. Ist Ihr zweiter Sohn auch Iurist?" Nein, der widmet sich der theologischen Branche!"
Feuer - Signale.
Pennshlv dnd Market ! English'i Opan-Hau 4 Eastund N'v Fork ? Noble und Michigan i N. Jerjcy u. Tisff clk. ) Pine vi'.d Nonh 3 Market ,md Pine 1 Vermont nahe 5at i N. 8 Spritzeni.'.u5 Maff. Ave nahe SKotl .3 Seuteart ur.d Sairnit 1 Zerscy u Cenrral 2l. , Mass uCerncUTne Lsh Uid 11. Strafet 7 tar! Lve und 12 Sti Columbia undHiUsk Highland Ave u. Pratt '1 IUinoiS und St. Jo :3 PennZylv. und Pralt :4 Äcridian uns II. Stt 5 No. 5 Spritzenhaus !K nahe JllinviS .5 Senate Ave u.C tCia -7 Illinois und Michigan Pk tsvlvania und 14. :9 Senate Ave. und 13. n S!o. X Spritzenhaus InoAvenaheMichiga 12 Meridia und LZalnut 4 California u Vermont Bla!e und Ne York Ind. Av. u. St. Elair 57 eity Hospital Akte und Norty ig Michigan und LZneS 1 No. Spritzenhaus WaZdmgton nahe West 12 Sfendorf u Wash. 13 Missouri u New Dort 15 Meridian u Wash 46 Illinois und Ohio 17 Capitol Av. u Wash ,S Kmgan't PorkhauZ 49 Straßenbahn Ställe W. Washington Ctr 51 No. 10 CrridenhauZ Illinois u errill 52 JUinoiS u ouisiana 33 Jurstuno Soutlj S West und McEarty 5 Senate Ave. u Henry 67 Meridian und Ray 58 No. 4 Spritzenhaus LiadisonAv.uMor-.-iz i Madison Av. u Dunlop 1 No 2 Hakm LeiterhauS South nahe Deiawar 02 Penn. Merrill U Delaware u. McCartv 4 Saft und MrEsrty 5 New Jersey u. MerrQ 57 Lirg. Av. u Bradsha S Säst und Prospekt 9 Bicking und High 71 No. 11 Spritzenhaus Lir Ave. nahe Huron 72 East und Georgia 73 Ckda, und Elm 74 Davidson u Georg 75 önglish Av.u Pme 7 Chelby und BateS 7S No. S Spritzenhaus Prospekt nahe Chelby 'S Fletcher Av. u Ehelby St Market u. New Zerscy S2 Delawan und Wash. 83 East u Washington 54 New Dort u. Davidson 5 Teubsiummm Anstalt 55 Ver. Staaten Arsenal 87 Orient! und Wash. 89 Fraucn-Aeformat. 91 No. 13 Spritzenhaus Marvland nahe Mer. 42 Meridian n. cZccrqia. 93 Meridian und South V4 Pennsyli u. Lcuisiana 95 Lirgii Ave u. SUab. 16 Hauptquartier. 97 lZrand Hotel. 93 Capital Ave und Ohi 23 No. IC Spritzenhaus 16. und 124 Alabama und 1. ,25 Central Ave und 11. 126 DsndeZ und 15. 127 Vrookside und Jupii 123 Centra! Ave und 17. 129 Telaware und 13. 131 Alabama und 11. 132 Beüefontaine und 134 College Av und 2. 135 Dclaware und 13. 136 Alabama und North 137 Newmann und 19. 133 College Ave und 14. 139 Corncil Ave und 13. Hl DandeS un'o IS. U2 High land Ave und lg. 143 Tecumseh und 10. 145 New Jersey and 22. 146 Alvord un. 17. 47 No. 2 Spritzenhaus Hillside Ave und 13. .8 College Ave und 22. 149 College Ave und 27. '.52 Park Ave und 2. lös. LEu. W Bahn a. 22. 154 Ramsey Ave und 10. IM Stoughton u Newmcn 157 AtlaZ und Pike. 153 Blohd und Pat?vaw. 159 No. 21 Spritzenhaus Brightwood Ar den und Depot 163 Brightwood und 25. 164 Rura! und Blohd 165 St. Clair u. Äeystone 167 Arsenal Ave un 23. 168 Bellesontaine und 28. 183 Park OS unb U 212 Catttal Ave und 7, 213 Pennsvl. u.Mlchut 214 planet und . 215 tiitate Ave und tl. kl imwlvama und 22. ZZ? 1'.ern und IG. 21 Capital Ave und 21 riMd:oav und 10. i llutoi und MrCon im Scv. 14 Spritzenhaus Ä:nword und 3. i Illinois und 33. 2;ö Amiclla und 3C 2:7 tfo. 9. Svnyendi Utcll und 3!ovtr 38 Ut-til Ladder oti 239 Jwdcl und 7. 241 Meridian und 24. L4Z Illinois u St.(5la?, 243 eidrioge und 3. 312 West uud Waircil 313 West und 12. 314 Howard und 16. 315 Torbet iird Paca 316 Capital 2e und u. 317 Northes:ern & 1 1: 318 Gert und 18. 319 Canal und 10. 324 Cerealine Works 824 Ccnncnl und Lynn 325 BiSmarku Grandvlek 32 No. 29 Epnttndaul Haughuülc 827 Michigan u. HolmeS, 323 Michigan u. Concert 341 West und McJntyr? 412 Missour, u. Marvland 413 Missouri und 415 eapi'l Lseöcorgia 416 Missouri u Kentucky?.. 417 Senate Av iu Easy. 421 P und E RlMduZ W. Washington. 423 Jrren-Hospital. 424 Mit)Ave u.J D u2 425 Wash and HzrriS 42S Nc. 13 Spritzenhai 23. Washington 427 Oliver und Birch 423 Oliver und OSgood 429 Nord,ke und Fort 431 Hadlcy Ave u. Vorris 432 Ruocr Ave u. MorriS 484 River Ave und Ratz 435 Harding u. Big 4 R ? 436 Harding und Oliva 437 No. 19 pritzenhO MorriS und Harbins. H$9raCH2 499 tckvd 451 NeiSner und JSl 452 Howard und L 453 MornS und KaptS 45S Lambert und SrfcMtl 457 Nordhk Ave u. Vre tnon WorkS 612 West nid Rah 613 Kentucky Ave u. Werr 514 Meridian und MorrDI kl JllinoiS nd Hansa! 617 Morris und Dalota 518 MorriS und Church 519 Capital X u McCar, 621 Meridian und Pal&wf 623 Pine unk, Lord 624 Msdisor.AveuLinci 42 Meridian und Belt? S27 CarloS und Ray 628 Meridian und Arizona 529 Meridian .Raymond 631 Meridian u. McCai. I 632 No. 17 6pritzenh2uS MorriS nahe Süeft 62Z McKrrnauno DoMh. 613 East u. Lincoln Lm 14 Esst und Seech 615 Wright und Candert 17 McCarty und Beaty 18 New Jersey u Lic ve 712 Epruce und Prospekt T13 Snglish Ave. u. Laure 714 Ciate Ave cU Sl 715 Chelby uud Seecha 71 Etat Ave und Or" 718 Orange und Laure! 719 Chelb? u. Ci'.lage j 721 LexingtonA. Sstv4 723 FletchAveu.O?ru5 724 State Av u. PleaiaN' 716 Prospekt und 7leasar.k 726 Orange und Hai lar 728 Librrty und Mea 729 9iivli und South 81 No. 15 Spritzenhaus, Ost Washington 813 Market und Nobl: 814 Ohio u. Hiehiand & 615 Michigan u. Higdlank 816 Market u Arsenal 817 Ost 6 Clair und Union Bahn Geleise. b2l Pan Handle Shopi 825 Vermont und Wales 824 Wash. und Stat Z. 825 Madden'S!oungF5 826 ludet und Tors 827 Wash. und efcifit Av, 629 510.12 epritzenhauS Beville nah Michigan 831 Coutheastern Ase und Woodside. 832 Wash. und Dearbor, 834 Southeaftern und Arsen! AveS. 835 New Dork und ZcrYu 912 JllinoiS und Msrhl. 13 JllinoiS und S&trfct 914 Penn, nd fiafc 15 Delaware und GptiiaU2iznaU. krsten t Schlag, zweiter Alarm, Zweiten Schläge, dritter Alarm, Dritten Schläge, vierter Alarm. 1-2-1, Feuer auS und Schlauch aufgerollz. Schläge, Wasserdruck ab. 1, Schläge, 12 Uhr Mittag. Die so bezeichneten Signal werden nur vom Thür, Wächter angegeben da an den betreffende Straß kreujung KW AlarmtNe? ancebrecht find. Chicago und der große Nordweften di (i 'Irt' e)) .WWN?? ty. a?vnn yuwuflj tt!aka-Sawai!-Bb!lWdtne Inseln. Pier tägliche Schnellzüge nach Chicago. fW Boa der Mono 47. Str. Etation, hlcagv, .nd i nur 5 Minuten mittelst elektrischer Gar na 4 den Union Biehdöfen Frencli Lick Springs, indem Orange County Hochland. ffamlliln-Hote nter neuer Sescbäftileituna. Pluto, Proserpive ,nd Bowle Quellen. Beste Mineralwasser der elt. Lroei Züge täglich via Greeucastle. Ttiket-Officen : Union Station, Massachusetts ftt nd A West Washington Straße. R. P. 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