Indiana Tribüne, Volume 27, Number 64, Indianapolis, Marion County, 5 November 1903 — Page 7

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Claudine Hotttstti üon Y z d a V 0 h E d !-0-0-0( (Fortsetzung.) Bravo!" sagte der Alte und schlug ihr sehr handfest auf die Schulter. Also da ist irgend etwas Besonderes los? Hab' ich mi: gedacht, hab' ich mir gedacht. Als die Thür aufging, denk' ich, nanu werden mir die drei Weiösleut? kreischend entgegenfliegen: Onkel, hilf uns, rett' uns, beschütz' uns! denn wer hat heut für was an deres Sinn, als für den Pöbel, der sich da draußen großmäulig macht. Waren leider 'ne Handvoll Studenten dabei. Na einerlei, werden ihnen schon das Maul stopfen. Wenn was faul ist im Staat, d i e haben kein Neht mitzureden. Sagt mal, wart Ihr denn nicht heidenmäßig bange? Anstatt mir als Schützer in der NotH entgegenzujubeln, wird man ceremoniös in dies und das Zimmer gebeten; nämlich ich und der Pastor. Er in die Wohnstube, ich hierher. Und als ich den Pastor in der Taubenstraße beincch vor der Hausthür treffe, erzähl! mir der, daß er extra herberufen sei! Nun bitt' ich: den Pastor in Ehren, er ist ein famoser Kerl, aber bei Straßentumulten Euer Haus ZU schützen, dazu bin ich doch der Nächste." Ach Onkel," sprach Lma, dazu hat Mama ihn nicht hergebeten; Du wirst Dich wundern." Wundern, Kind?" fragte er und rieb sich die Hände. Dazu brauch' ich ein Glas Wein, auf schwere Speisen und neue Ereignisse muß ich was Alkoholisches setzen, sonst bekommt's mir nicht. Setzt Euch her. Dina, wenn da blos Euer gewöhnlicher Pulliac auf dem Büffet steht, auch gut! Wollen den alten Jakob nicht Abends Klock neun noch in den Weinkeller 'runtersteigen lassen." Dina trug die eben angebrochene Flasche nach dem Tisch. Lena hatte sicb schon Stuhlkante an Stuhlkante neben Onkel Hans gesetzt. Sie legte die verschränkten Arme auf den Tisch und sah mit vorgeneigtem Haupt ganz dicht in des Onkels Gesicht. Tu weißt, Onkel, ich muß Dich genau angucken, sonst kann ich ja nicht sehen, ob Du flunkerst oder ernsthaft bist." sagte sie. Naseweis." sprach er und gab ihr einen Nasenstüber. Bei dem Gebrüll nach Freiheit und Gleichheit und anderen feuergefährlichen Dingen, mit denen nur kluge Leute umzugehen verstehen, kann einem die Lust zum Spaßen vergehen. Wenn der Pöbel Historie macht, erzähl' der Deubel Histörchen." Er schenkte sich ein und trank mit einem Zuge aus. Daß etwas Vesonderes im Werke war, daß er eine Steig keit, die Tina betraf, hören sollte, hatte er bereits vergessen. Hört mal, Kinder," sagte er gemüthlich, Ihr kriegt ihn doch noch, glaub' ich immer." Wen?" fragten Beide aus einem Mund. Nun, den Stiefvater!" Ach Unsinn!" rief Dina mit Entschiedenheit. Lena sagte nichts, ihre Finger, die mit der Brille spielten, zitterten. Ja. ja, ja," machte der Oberst und winkte ab mit der erhobenen Hand, man hat auch feine Augen im Kopf. Seht mal," fuhr er fort und faltete die Hände um sein Glas, während er die Ellenbogen auf den Tisch legte, das war nun so. Euer Vater, mein kleiner Bruder, Gott, was war er für'n fumoser kleiner Wenzel, als Muttern von uns ging; wißt Ihr, sie hatte ein verwünschtes Leiden, dagegen kein Kraut gewachsen war, aber wie 'ne Heldin hat sie's getragen, sie war nur 'ne einfache adelige Frau, aber Ähnlichkeit mit unserer seligen Königin Luise hat sie doch gehabt; die hättet Ihr noch kennen sollen. Kinder, ich habe mal als blutjunger Leutnant Wache gestanden in Königsberg vor ihrer Thür, ein Engel war sie, vom Himmel herniedergestiegen, zu gut für diese Welt " Eine Thräne rann ihm an der Wange nieder. Was wollt' ich noch sagen?" fragte er. Tu wolltest erzählen, warum Du denkst, daß Mama sich noch einmal vermählen könnte." sagte Dina und streichelte ihm die Backe. Jawoll, jawoll." erinnerte sich der Oberst und erzählte weiter. Die beiden Mädchen hörten immer aufmerksam zu. und weil daS manchmal mcht ganz leicht war, steckten sie ihre Köpfe eng mit dem feinen zusammen. Also Mutter hatte mir ihn anbefohlen. Ja, das hatte sie. Ich war zehn Jahre älter als Euer Vater. Nein, ein zu hübscher Bengel und so fidel. Immer obenauf. Immer vorneweg mit'n Mundwerk. So wie Du, Lena. Na, Soldat wollte er ja nicht werden. da war nix zu machen. Studiren. Herrjes. sagte ich. Junge, zu dem Mundwerk noch Gelehrsamkeit, dann können sich die Leute man vor Dir verstecken. Er wär' auch noch Justizminister geworden, wenn er nicht so früh sich davongemacht" hätte in das Land, wo es a Umz sein soll als hienieden, obschon ich woll sagen kann.

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m auf die letzte Zeit hab' iisZ ganz behaglich gesunden in dem irdischen Jammerthal. Nur das verwünschte Geschrei nach Freiheit soll'n sie bleiben lassen, das wird ungemüthlich. Aber wißt Ihr. Kinder, ich bin ganz zufrieden, daß ich Invalide bin. So 'ne Straßenschlachterei Gott verhüte, daß sich das von heut Abend wiederholt das wär' doch nicht mein Fall. Bürgerblut auf meinem Rock, der bei Leipzig von Soldatenblut gefärbt war französisches, Kinder ne, ne." Du wolltest von Papa erzählen," mahnte Lena, auf deren Wangen langsam rothe Flecke entstanden waren, die von einer versteckten Erregung kommen mußten. Erst nech mal trinken So. Ja, er wuchs mir höllisch übern Kopf, der Kleine. Das heißt blos ei'iig, geistig, Kinder. In der Figur kam er mir nicht nach. Da kam mir zu meinen Zeiten so leicht keiner nach. Als er fertig studirt hatte, wollte er reisen. Nu bitt ich Euch, kann es anderswo schöner sein als in Preußen? Aber Euer Vater und Eure Mutter sagen ja. daß in England vieles besser ist; na meinswegen, ich bin nicht dagewesen und das dicke englische Bier bekommt 'nem alten Soldaten auch nicht. Den Wellington will ich wohl gelten lassen, indessen unser Marschall Vorwärts na ja, Lena, puff mich nur, ich komme schon zu meinem Gegenstand. Also er reiste nach England. Sein Freund Claudius mit ihm. Er war damals fünfundzwanzig, Claudius erst zwanZig. Professor Claudius, dem Bernhard Claudius sein Alter, hatte Eurem Vater ja wohl die Weisheit mit ganz besonders großen Löffeln erfolgreich eingegeben, daher er sich mit dem Bernhard so brüderlich stellte. Also die Zwei durch Engelland. Was soll ich Euch sagen. Mächens: verlieben sich die beiden stantepede in die Edith Guildsord. Nicht mein Geschmack, absolut nicht! Mir zu schön, zu gemessen; mag lieber das Rundliche, Mollige, Drollige. Na, Bernhard Claudius als zwanzigjähriger grüner Jüngling liebte woll blos so aus scheuer Ferne. Kam nicht in's Treffen. Aber Euer Vater führte die Braut heim. Meine Perplexität könnt Ihr denken, wo der Bengel mit 'ner Braut aufwartet und ich selbst noch ledig war." Und Du glaubst, Onkel, daß Pastor Claudius unverheirathei blieb, weil er immer noch Mama liebte? Du denkst nun, da Papa todt ist. werde sie ihn für solche Treue belohnen?" fragte Claudine und entsann sich, daß man ihr nach dem treuen Freund sogar den Namen gegeben habe. Der Oberst neigte das Haupt. Ob's nun auf's Haar justament so ist, wie Du das ausdrückst, das kann ich Dir nicht sagen," meinte er. Bernhard Claudius mag wohl erst seine paar Jährchen an dem Sentiment zu verdauen gehabt haben, dann verpaßt sich Zeit und Gelegenheit wie's ja mir so ergangen ist" Lena hatte Angst, daß der Onkel seinen Licbesroman einflechten würde, der unter einer Stunde nicht erzählt war, und fragte schnell dazwischen: Und nun sollte er auf seine Jugendschwärmerei zurückkommen?" Der Oberst pfiff und sah seine Nichten ungeheuer schlau an. Vielleicht mehr sie. Nämlich Eure Mutter. Kinder, Kinder, keine Gesichter machen. Ich sag' nichts Unpassendes. Aber das ist doch so simpel, so furchtbar natürlich. Da ist ein prächtier, hochgeachteter Mann, und da ist eine schöne, famos konservirte Frau, die weiß: er hat Dich einst geliebt. Beide sind frei. Wird sie nun nicht immer ein bischen verlegen sein von der Idee: am Ende brennen noch so ein paar Fünklein unter der Asche! Wird sie nicht zu sich sagen: wenn er jetzt kommt und wirbt, mußt Du so viel Treue belohnen! Und welche Frau belohnte nicht gern! Was er denkt, weiß ich nicht. Sie läßt sich ja auch nichts merken. Aber so ein bischen brenzlich ist der Kram, und die Leute sagen " Ach was," unterbrach Lcna ihn schroff, laß die Leute schwatzen. Claudius ist doch fast drei Jahre jünger als Mama." Kind, da verstehst Du nun nix. aber auch gar nix von," sagte der Oberst. Den Tonnerwetter auch, wenn man sich von Herzen liebt, ist es ja egal, ob er oder sie jünger ist. Man liebt woll nicht den Taufschein, sondern das Herz. Und wer weiß, was nebenan gesprochen wird, während wir hier klug schnacken Dina, die Flasche war nur halb voll." Es ist noch eine ganze oben," sprach sie lächelnd und holte sie aus dem Busftt. Der Oberst rückte ein wenig vom Tisch ab, nahm die Flasche zwischen die Kniee und bohrte den Pfropfenzieher ein. Was Mama heut Abend mit Claudius zu sprechen hat, wissen wir," sagte Lena. Gluck, kam der Korken heraus. Der Oberst war feuerroth von der Anstrengung geworden. Na, also man los mit der Geschichte." ermunterte er und schenkte sich ein. Claudine war um den Tisch gcgangen und stand jetzt dem alten Onkel gegenüber. Ein wunderschönes Lächeln verklärte ihre Züge, und sie sagte, den Alten strahlend ansehend: Der Mann, den ich liebe, der Mann, deen Weib ich werden will, hat heute bei Mama um meine Hand angehalten.-

Der Oberst setzte sein tölas so yesrig nieder, daß der rothe Wein überschülpte und das Tischtuch befleckte' Daß Dich ne. ist ja woll nicht möglich! Ihr Kinder denkt schon an so ,twas?" stotterte er. Onkel, ich bin zwanzig Jahr, Lena ist bald neunzehn." Das verwirrte ihn ganz. Die lltu nen Mädchen wollten schon so alt sein und dachten an's Heirathcn. Man wird alt. Die Zeit läuft. Herrje, zwanzig Jahr! Claudine. mein Kind, komm her." Er war ganz gerührt und breitete die Arme aus, während er geräuschvoll den Stuhl weit zurückschurrte. Sie lief um den TifÄ und setzte sich auf seinen Schooß. Ihre Wange an die seine lehnend, ihre Arme um seine Schultern, wiegte sie sich hin und her und ihn so mit und sprach: Du kennst ihn auch. Und Du magst ibn auch leiden. Und er sieht in Dir das Ideal von einein alten Krieger und Helden." Bin ich auch kann er auch ja, zu meinen Zeiten da verstand man sich auf's Schlagen und auf's Hungern gleich gut. Nobel aussehen thaten wir nicM immer. Aber tapfer waren wir. Mit Gott für König, Vaterland und Luise! Sie war schon todt. Aber ich hab's immer heimlich mitgerufen. Wie heißt er denn? Ein braver Kerl ist er. Das merk' ich schon." Es ist Albrecht von Vrandow," sagte Claudine leise. Was. der von den Kaiser-Fran-gern? Der lange, schlanke mit den dunklen Augen und Hauren? Der, der so nett lachen kann? Obschon er für gewöhnlich merkwürdig ernst ist?" fragte der Oberst enthusiasmirt. Derselbe!" Er drückte Claudine sehr fest. Vravo, Kind. Gut gewählt. Soll mir als Neveu und Verwandter willkommen sein. So haben wir doch wieder einen bunten Rock in der Familie. Sag' ihm aber, daß er Deinen alten Onkel 'ans lieben und ehren soll, als wär' der Dein Vater. Kinder, Ihr seid mein Glück mein kleiner Rest reit lieben Menschen. Die Eräberreihe ist lang, lang, an der man schon so hinschrcitet. Und wer weiß, wie bald ich" Er konnte vor Rührung nicht weitcrsprechen. Die beiden Mädchen hätschelten mit ihm, als ob er ein kleines Kind sei. Na und nun," sagte er. warum ist er denn nicht hier, der Herr Bräutiaam, und warum feiern wir denn nicht Verlobung ach ja so die Straßentumulte. Werden Dienst haben, in den Kasernen konsignirt sein." Auch ohne das wäre er nicht hier," berichtete Claud.ine, Mama hat ihre Einwilligung noch nicht gegeben und bespricht den Fall mit Claudius." Der Oberst schlug krachend mit der Faust auf den Tisch. Ihre Einwilligung nicht gegeben! Da hört sich alles auf. Wenn ein preußischer Offizier von tadelloser Ehre um die Hand einer Tochter anhält und da keine Einwilligung! Und mit dem Pastor besprechen? I, da soll doch! Gewiß, der Pastor ist Euer Vormund und Dein Pathe. Aber Du bist meine Nichte, eine Ahlefeld, meinem Kleinen seine Aelteste. Und der Bewerber ist ein Soldat. Da bin ich denn doch wohl der Mann, den man zu Rath zieht." Er-stand auf und machte Miene, auf bu5 andere Zimmer zuzuschreiten. Lena hielt ihn am Arm zurück. Mama hat einen dunklen Punkt ausfindig gemacht, den will sie mit Claudius bereden." Der Oberst wandte sich um und sah sie verdutzt an. Einen dunklen Punkt, an Albrecht von Vrandow?" Nicht an ihm selbst," sprach Lena leise. Er besann sich. Plötzlich huschte so was von schreckhaftem Erinnern übe? sein Gesicht. Er räusperte sich in starker Verlegenheit. Ja so." sagte er gedehnt. Claudine sah ihn heiter an. Onlel Hans." sprach sie, ich soll Albrecht seines Vaters wegen nicht haben. Aber hörst Du. was man mir such erklären wird und was sich auch immer begeben wird: ich heirathe Albrecht." Recht so." murmelte der Oberst etwas zerstreut. Indessen indessen " c? erhob den Kopf. Wißt Ihr. dc wollen wir nur die Mama sich erst mit Claudius bereden lassen, und dann kann man ja auch immer noch sein Wörtlein sprechen. Aber Dina. mein alter kleiner Schelm, die Geschichte kann tragisch werken, das kann sie." Claudine konnte gar nicht fassen, wie man dergleichen sagen mochte. Tragisch?" wiederbolte sie mit leuchtenden Augen, tragisch? wo ich ihn über alles auf dieser Welt liebe und er mich ebenso liebt? Wir werden die Hindernisse beseitigen, mit mehr ode? weniger Mühe. Das ist so nebensächlich. Tragisch wär's nur gewesen, wenn Albrecht meine Gefühle nicht er. widert hätte. In der Liebe gibt es kein Unglück, als keine Gegenliebe finden, das versiehst Tu nicht, Onkel." Sie gab ihm für diesen Tadel gleich einen Versöhnungskuß auf sein weißes Haar. Er fuhr aber doch entrüstet auf. Ich nicht verstehen? Ich will Euch gleich mal erzählen, was mir passirt ist." Und nur um die Zeit zu vertreiben, bis die Mama ihre Unterredung mit Claudius beendet haben würde, erzählte Onkel Hans den Nichten zum hundert, sten Mal die Geschichte von der .ver-

paßten Gelegenheit." welche er ihnen das erste Mal schon anvertraut hatte, als sie noch viel zu jung waren, um Liebesgeschichten zu hören. Sie rückten wieder nahe an ihn heran und steckten die Köpfe zusammen, denn so mochte Onkel Hans es am liebsten haben: die Flasche vor sich und seines Bruders beide Töchter, welche er für die schönsten, klügsten, besten Mädchen auf der ganzen Welt hielt, eng neben sich, und dazu die Muße, eine von sei nen endlosen Geschichten zu erzählen, deren Faden er nie bebielt. wenn Dina und xiena nicht durch leitende Fragen nachhalfen. Er hob an: Als ich die Minette kennen lernte, wißt Ihr der Urgroßvater mütterlichcrseits war ein de Reveille gewesen und all die Frauenzimmer in der Fa milie hatten so was Französisches an sich 'nen gallischen Tic, wozu meiner Meinung nach die Franzen gar keine Ursache haben, denn können sie wohl einen einzigen großen Friedrich aufweisen? Mit ihren Ludewigen können sie keinen Staat machen, der eine ließ seine Kardinäle in Käfige sperren und hatte eine Menge Weibsbilder bei sich, was für Euch keine passenden Geschichten sind, und ein anderer ließ sich von seinem Barbier berathen. D?n!t Euch 'n preußischen König mit 'n Barbier als Berather! Das heißt, gut barbiren muß der Kerl haben können, was man von meinem grad nicht saaen kann. Also Minett " Sie ließen ihn sich in den heillosen Wirrwarr seiner schweifenden Erzählung vertiefen und thaten nur so, als ob sie zuhörten, denn ihre Seelen und Sinne waren im anderen Zimmer, bei der Mutter und dem Freund. 2. K a p i t e l. rau von Ahlefeld kam vom

)? EnZimmer ber. wabrend Va Q stör Bernhard Claudius die Schwelle der vom Flur in's Zimmer führenden Thür überschritt. Er war ein großer Mann von jugendlicher Gestalt. Auch seinem Gesicht sah man seine vierzig Jahre nicht an. Es trug den klaren, friedlichen Ausdruck Jemandes, der sich ganz harmonisch fühlt. Sein Haar war graublond, vor den Ohren trug er einen kleinen Bartstreifen; so blieben alle Linien um Mund und Kinn frei. Sie zeigten den ausdrucksvollen Charakter, der Rednern und ernsten Künstlern eigen ist. Das Auge unter blonden, starken Brauen war groß, hell, und während Claudius nicht sprach, auch nicht sehr belebt. Wie denn überhaupt in seinem ganzen Wesen etwas vornehm Zurückhaltendes lag, von welchem Frau von Ahlefeld erklärte, daß es englisch" sei. . Sie fühlte immer ein leises Erröthen auf ihren Wangen, wenn sie dem Mann entgegentrat, der sie in ihrer Jugend geliebt. Er war der einzige Mensch auf der Welt, dem gegenüber ste im Benehmen unsicher ward, und zwar uus dem einfachen Grunde, weil sie nicht wußte, wie heute seine Gedanken und seine Wünsche waren. Er-aber behielt immer" die gleiche, sehr herzlich ergebene, aber dennoch etwas undurchdringliche Art ihr gegenüber. Verzeihen Sie, lieber Claudius, daß ich Sie heute, wo jeder sicher am liebsten als Wächter seines eigenen Hauses daheim bliebe, hierher berief. Allein Sie wissen, daß ich nicht im Stande bin, die mindesten Entschlüsse ohne Ihren Rath zu fassen. Und eine Angelegenheit von äußerster Wichtigkeit" Sie stockte, ließ sich in einen Armsessel nieder, wobei ihr Kleid sich bauschend und rauschend rund um ihre Füße auf den Teppich stieß, und machte eine Handbewegung. Das sah bei ihr immer ein bischen königlich aus, als ertheile sie Audienz. Claudius verbeugte sich ein wenig, denn in den zwanzig Jahren ihres Verkehrs hatte auch er niemals die ceremoniellen Höflichkeiten abgelegt, und setzte sich in den Armstuhl gegenüber. Ich wäre schon früher gekommen, allein die Unruhen in den Straßen hielten mich in der That fest. Nun ist alles still. Patrouillen ziehen durch die Stadt. Doch ich fürchte ich fürchte heute war es kläglicher Straßenpöbel, der lärmte um des Lärmes willen. Morgen können wir die Bürger in Waffen sehen." Frau Edith hörte nicht zu. WaS draußen in der Welt vorging, war ihr ganz gleichgiltig. so lange der Friede und die Sorglosigkeit ihres Hauses nicht in Frage kamen. Der aber war durch eine andere Sache in Frage gestellt. Sie schob die Ringe, die sie am vierten Finger der Linken trug, hin und her, indem sie dieselben aufmerksam betrachtete. Dina hat heute einen Heirathsantrag erhalten." Ah!" rief Claudius lebhaft. Leider sagt mir der Bewerber nich! zu. Wenn ich bedenke, daß Lena, meine häßliche Tochter, wohl niemals eine Heirath machen wird, die meine Ansprüche befriedigt, so muß ich als Mutter um so mehr darauf halten, daß Dina. mein schönes Kind, ihr Geschick günstig gestaltet," sprach die schöne Frau, dem gemessenen Ton ihrer Stimme einen leisen Klageausdruck beimischend. Aber ich bitte Sie. liebe Freundin Sie thun Lena Unrecht und geben Dina zu viel!" rief er eifrig. Lena ist nicht häßlich; sobald sie spricht, wachen in ihren intelligenten Zügen so viel

Geister der Anmuth auf. daß man so gar die Brille vergißt. Und Dina ist nicht schön, nur durch die unaussvrechlich edle. Liebenswürdigkeit ihrer Seele, die aus ihren Augen, ihrem Lächeln leuchtet, wirkt sie schön." Frau von Ahlefeld seufzte befriedigt. Das Lob ihrer Töchter that ihr wohl. Dennoch wünschte ich Dina ein anderes Loos. als Frau von Vrandow zu werden," sprach sie. (Fortsetzung folgt.)

Erschlug ihre Rivalin. In maßloser Eifersucht ermordete Alice Mazyck in Charleston, S. C.. die wenige Stunden vorher ihrem Vetter William Mazyck angetraute Lizzie Anderson. Das glückliche Paar war noch bei der Hochzeitsfeier und von glückwünschenden Freunden umringt, als Alice mit einer Axt in der Hand eintrat. Sie eilte aus die Braut zu und rief: Du hast ihn mir geraubt, aber Du wirst nie mit ihm leben." Dann versetzte sie der Braut einen wuchtigen Schlag mit der Axt in das Genick, der fast augenblicklich tödtlich war. Die Mörderin entschlüpfte in der allgemeinm Aufregung und konnte nicht gefunden werden. Merkwürdiges schreckl i ch e s Ende. Durch Stürme war in Scranton, Pa., die Erde um einen Pfosten der Elektrisch-Licht-Leitung weggeschwemmt worden, und dieser war umgestürzt. Die Drähte lagen nahe am Boden. Als nun der 55jährige Kohlengräber Basselego eine verlorene Kuh suchte, kam er mit den Drähten in Berührung und stürzte um, wobei er mit seinem Nacken so auf einen Draht zu liegen kam, daß dieser ihm den Hals nach und nach durchschnitt. Ter Kopf wurde drei Fuß vom Körper gefunden; er war den Abhang hinuntergefallen. Verderbenbringender Orkan. Die mexikanische Hafenstadt Mazatlan. wurde letzthin von einem Orkane heimgesucht, der große Verheerungen und schwere Verluste von Menschenleben verursacht hat. In der Stadt wurden 16 Personen von umhergeschleuderten Trümmerstücken erschlagen und eine große Anzahl verletzt. Ter im Hafen liegende dänische Schooner Clara" wurde an den Strand geworfen und zerschellt. Der Kapitän und 14 Seeleute ertranken. Andere Schiffe im Hafen wurden stark beschädigt. Gegen explosive Kind e r s p i e l z e u g e. Die StaatsSanitätsbehörde von Ohio Hai jüngsthin eine Resolution angenommen, worin ihr Sekretär angewiesen wird. Schritte zur Verhinderung des Verkaufs von Kinderpistolen und ähnlichen gefährlichen explosiven Spielzeugen zu thun. In der Resolution wird darauf hingewiesen, daß am letzten 4. Juli 600 Menschen ih.' Leben verloren, 100 ihr Augenlichl und 1000 andere Verletzungen davontrugen. Aus Versehen ermord e t. John Tulley, ein Fuhrmann von Fort Missoula. Mont., hat in der Nacht Thomas Kennedy, einen Soldaten, erschossen. Tulley war mit dem Soldaten Joe Andrews beim Würfelspiel in Streit gerathen. Er holte sein Gewehr und legte sich in einen Hinterhalt, und als Kennedy herankam, schoß er ihn todt. Er hatte ihn für Andrews gehalten. Tulley befindet sich in Haft. Die Bevölkerung von Queensland, Australien, bezifferte sich Ende Juni 1903 auf 285.SG4 Personen männlichen und 230,632 Personen weiblichen Geschlechts oder insgesammt 516,496 Personen, was seit dem 31. Dezember 1902 eine Zunähme von 2645 Personen, 1382 männlichen und 1263 weiblichen Geschlechts, bedeutet. Die Kohlenproduktion der Ver. Staaten im Jahre 1902 belief sich auf 300.930,659 Tonnen im Werth von 5373.133.843 und war die höchste, die jemals erreicht wurde. Hartkohlen wurden 41,289,595 Tonnen produzirt, eine Abnahme von 23,376.850 Tonnen oder fast 40 Prozent im Vergleich zum Jahre 1901. Die Abnahme war gänzlich auf den Strike der Hartkohlengräber zurückzuführen. Weichkohlen wurden in 1902 259.641.064 Tonnen im Werth von $252,116. 906 produzirt. Der Athletik und Gymn a st i k ist bei der nächstjährigen Worlds Fair in St. Louis eine wichtige Rolle zugedacht, was schon daraus hervorgeht, daß für die damit in Verbindung stehende Preisvcrtheilung die Summe von $75.000 bestimmt worden ist. Die zu errichtende, innerhalb d:s Ausstellungsterrains belegene TurnHalle ioird ein permanenter Bau sein, der auch nach der Worlds Fair seiner Zwecken dienen soll. Außerdem wird ein Stadium, das heißt eine dem Amphitheater des klassischen Alterthums nachgebildete Arena erbaut werden, die Rcum für 35,000 Zuschauer haben soll. u i aj c aus Irland. Mehr als 500.000 Makrelen in 2714 Fässer verpackt, sind vor Kurzem auf den Dampfern Haverford- und Siberian" von Irlands Philadelphia eingetroffen. Es war dies die größte Sendung europäischer Makrelen, die in diesem Jahre in irgend einem Hafen der Ber. Staaten angelangt ist. Der Zoll auf diese Mische beträgt einen Cent per Pfund, und die eingetroffene Sendung brachte Onkel Sam das hübsche Sümmchen von $5628 ein.

Seuer - Signale.

I Pennshiv nd Market 3 Englisy'SOpern-HauS Eastund N-w Aork 7 Noble und Michigan 5 91. Jersey u. Mass 9 Pine und North .0 Market und ?ine II Vermont nahe East 12 Nz. S Spritzenhaus Maff. Ave nahe Noble 13 Deiware und Walnut U Ä. Jersey u Central A. 16 Mass. und Eornell Ave 6 Ash m.d 11. Straße 7 Park Ave und 12 Sn .6 Columbia undHillsit 19 Highland Ave u. Pratt ll Jllinoiö und Ct. Jo 13 Pennshiv. und Pratt 4 Meridian und ll. Str 25 No. 5 Spritzenhaus 15. nahe JllinotS :s Senate Ave u. Curiatr 27 Illinois und Mchigcrn M Pk tsylvania und 14. 'S Senate Ave. und 13. äl No. 1 Spritzenhaus JnvAvenaheMichiga 2 Meridian und Walnut U California u Vermont 35 Blake und New Jork ? Ind. Av. u. Et. Clair 37 City Hospital 53 Blake und Norty 39 Michigan und Lzne 41 No. Spritzenhaus WasMgton nahe West 42 Esendorf u Wash. 43 Missouri u New Fort 45 Meridian u Wash 4 Illinois und Ohio 47 Capitol Lv. u Wash 4S Smga' PorkhauH 4 Straßenbahn EtZlle W. WÄhmaton Ctt Ll No. 10 Spritzenhaus JllinoU u errill 6 JllinpiS uruisiana 63 Weit und South WestundMcEarty 5 &matt Llve. u Henry 67 Meridian und Ray No. 4 Spritzenhaus Madiso Av. u Morris S Madison Av.u Dunlop NoSHakmLeiterhaus Eouth nah Delaw tt Penn. Merrill 3 Delaware u. McTartt 4 aft und MrEarty New Jersey u. MerrM 7 Lirg.Lv.uSradsha 68 Last und Prospect 9 Bicking und Higy 71 No. 11 Cprttzenhau Lir Ave. ruh Huro 72 East und Eeorgta 73 Ceda, und Elm 74 Davidson u Georgi 75 english Av.u Pine 73 Shelby und Bäte 7S No. 3 Spritzenhaus Prospect nahe Ehelby 79 Fletcher Av. u Shelby 81 Market u. New Jersey 82 Delaware und Wash. 83 Cast u Washington 94 New Iorku.Davidfor .Taubstummen Anstalt 86 er. Staaten Arsenal 87 Oriental und Wash. 89 Frauen-Neformat. 91 No. 13 Spritzenhaus Maryland nahe Mer. 42 Meridian u. lZcsrqia. S3 Meridian und South ti PcnnHls u. Louisiana 05 Lirgini Ave u. Also. ?s Hauptquartier. 37 Grand Hotel. 93 Capital Av und ht 23 Ns. 16 Spritzenhaus 16. und Lsh. t24 Llabsma und in. 125 Central Ave und 11. 126 Fände und 15. 127 Brookside und Jupiter 123 Central Ave und 17. 129 Delaware und 19. 131 Alabama und 11. 132 Bellefontaine und'. 134 College Av und 29. 135 Delaware und 13. 136 Alabama und North 127 Newmann und 19. 133 College Ave und 14. 12? Cornell Ave und 13. Ul Fände? unb 13. 142 Highland A und 19. 13 Tecumsel) und 10. 145 New Jersey und 22. U6 Alvord und 17. 47 No. 2 Spritzenhaus Hikside Ave und 13. .8 College Av und 22. 149 College Ave und 27. 152 Park Av und 22. 155 2 G u. 23 Bahn u. 22. 154 Ramsey Ave und 10. 156 Ctoughton u Newme 157 Atlas und Pike. 158 Bloyd und Patrpaw. 159 No. 21 Spritzenhaus Lrightwood 1C Arden und Depot 163 Brightwood und 25. 164 Rural und Bloyd 165 Et. Clair u. Kehstone 167 Arsenal Ave unH 23. 168 Bellefontaine und 28. 169 Park Av und IC 212 Capital Ade und 17. 213 Pennsylv. U. Vichiaan 214 JllinvlS Uyd 20. 215 Senate Ave und 1. St Pennsvlvania und 2X 217 Meridian und 18. 213 Capital Ave und 26, 219 Broadtvay und 10. 231 IllinoiS und' ?tcÄe 234 No. 14 SpritzchauS Kenwood und 30. 35 JllinoiS und 38. 33 Annctta und 30 37 No. 9. Spritzenhiii Ndell und Ra 238 Vbtil Lsdder SorN 2ZS Jsabel und 7. 241 Meridian und 4. 242 JllinoiS Et. Cl?. 243 Eldridge und 23. 313 West uud Walnut 513 West und 12. 14 Howard und 1. 315 Tcrvet nd Paca 16 Capital Tv und 1 817 NorHmejter Ave u 31 18 vent und 18. 19 Canal und 10. 824 Cerealin WorkS 324 Vermont und Lvnn S25 Bismarcku Srandvleir 32 No. 29 Spritzenhaus Haughville. 27 Michigan u. HlmeS, 23 Michigan u. Conrord 41 West und McJntyre 412 Missouri u. Maryland 413 Missouri und rihi 415 Capital Lv-keorgis 416 Missourru entucky A. 417 Senat, Ave 'l. Wash. 421 P und 8 RundkauZ E$. Washington. 423 Irren-Hospital. 424 Mi:H Avu.JDuQ 425 95afV and Harr 426 No. 18 ExritzenhaH W. Washington 427 Oliver und Birch 423 Olid fcxd Oszood 429 Nordyke und Z)ork 421 Hadley Ave u. MorrU 432 River Ave u. MorriZ 34 River Ave und Siay öHardmgu.:g4R? 436 Harbin g und Oliv 437 No. 19 SpritzenhoZ Morris und Hirdina. Sx wAtsass 439 tocky 451 9taJr.tr und Ittlt 452 Howard und See 453 MornS und a?fc8 456 Lambert und vebsnl 457 Nordyk Av tt. ifuxt non Works 612 West ud Rsy 613 entucky Sv u. SterrklZ ölt Meridian und MorrV 51 JllinoiS und ansät 517 Morris und Dakota 513 MorriS und Shurch 519 Capital A. u McCar.. 521 Meridian und Paln? 623 Pine unk Lord 524 Madisor.Av u LincolA H2S Meridian und Belt RV 627 Carlo und Ray 528 Meridian und Arizona 529 Meridian. Raymond 53.1 Meridian u. McCat., 52 No.17 Spritzenhaus MorriS 5sb West 12 McKttUNd 2'Jrt& 613 Last u. Lincoln 614 East und Lccchcr 15 Wright und Sander? 17 McCsrty und Beaty IS New Jersey u85irix 71 Epruc und Prospect 713 Cnglish Ave. u. 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Ersten t Schläge, zweiter Alarm, Aweiten Schläge, dritter Alarm, Dritten 2 EchlZge, vierter Alarm. 1-2-1, Feuer auZ und Schlauch aufgerodi, Schlage, Wasserdruck ab. 12 Schläge, i Uhr Mittags. Die so bezeichneten Signale werden m tom lhn dacht angegeben da an den betreffende Etraß kttuzung keine LlannttS aneebracht find. Chicago und der große Nordweften di c)) Iggg&Easasartjsfflji sz tW laka-Sawall-PhiIiPdiue Inseln. Vier tägliche Schnellzüge nach Chicago. W Von der Monon 47. Str. Etation. lztcaao. sind S nur 5 Minuten mittelst elektrischer Sar nacd en Union Biehböfen Frencli Lick Springs, ln dem Orange County Hochland. Famiiien-Hote nter neuer eschaftöleitung. Pluto. Proserpine ind Bowle? Quellen. Beste Mineralwasser der Welt. Zwei Züge täglich via Sree-.icaftle. TiSet-Officea : Nnion Station, affachusettS v nd LS West Washington Straße. R.P.Algeo, DistttN Vaff. Agent, Indianapolis, Ind. .H.McDoel, .H.Ro ckwell, ?räs. und Sen. Mgr. BetriebSleittr Frank J.Reed. Sen.Pz's. 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