Indiana Tribüne, Volume 27, Number 62, Indianapolis, Marion County, 3 November 1903 — Page 7
Jndiana Tribüne, 3. November 1903.
Im Kanne des (Öofdcs
3lcman von Alfred Sassen. Jur zeven Fernsteyenöen war Das Testament von sehr seltsamem Inhalt. Bodo, der Gatte der jungen Frau, den sie so sehr, so über alles geliebt, erhielt von ihren Schätzen nur ein Kapital von 30,000 Mark. Jeanette hatte ausdrücklich in dem Testament bemerken lassen, diese 30.000 Mark seien ihr mütterliches Vermögen, das sie ihn anzunehmen bitte. Ueber den großen Reichthum ihres unglücklichen Vaters verfügte sie in erster Linie zu Gunsten verschiedener wohlthätiger Stiftungen. Frau Geheimräthin Praß und Fräulein Sophie Rückert erbten die Prachtvolle Villa in der Viktoriastraße in Berlin, und außerdem wurde jeder der Damen eine größere Summe zugewiesen, die ihnen ein behagliches Auskommen gestattete. Das Gut Zedern mit allen Liegenschaften sollte an Arthur von Partendorff und seine Frau Gisela, geb. v. Degenhardt, zu gleichen Rechten übergehen, jedoch mit der Einschränkung,daß Baron Elimar und seiner Gattin lebenslänglicher Sitz in dem Schloß gebühre, das ihnen in guten und schlimmen Tagen eine Heimath geWesen. Selbstverständlich erbten die alten Herrschaften auch eine Summe, die ihnen ein standesgemäßes Austreten ermöglichte. Hans Sommer, der Reitknecht Jeanettes, der sie damals den Flammen entrissen, erhielt als Belohnirng für seine kühne That 5000 Mark. Auch mehrere andere Bedienstete des Schlosses wurden mit kleineren Summen bedacht. Zum Schluß der Niederschrift bat die Erblasserin alle die Genannten einfach und herzlich, die Vermächtnisse anzutreten. DenJugendjähren ihres Vaters sei allerdings die Schuld nicht ferngeblieben, zuletzt habe er sogar im Irrsinn nach der Waffe gegriffen, um ein unschuldiges Menschenleben auszulöschen, allein den Reichthum, zu dem er gelangt, habe er in heißer, ehrlicher Mannesarbeit erworben, da hafte kein Makel daran, und sie meine, es dürfe Jeder, ohne zu erröthen, die Hand nach dem ihm zugewiesenen Antheil ausstrecken. Trotzdem empfand Vodo dankbar den Zartsinn seiner Gattin, die gerade in seinen Händen nichts von dem Geld Rollenhagens wissen wollte. Das Erb theil ihrer Mutter durfte er annehmen, um damit fein Leben neu zu begründen. Er kam sich nach der Testamentseröffnung wie befreit von einer dumpfen Last vor, gleichsam der inneren und äußeren Freiheit zurückgegeben. Und diese Freiheit leuchtete ihm in fo überzeugendem Strahl aus den Augen, daß die Anderen schon daran glauben mußten. Sie hatten natürlich die Bestimmungen des Testaments ungerecht gefunden, namentlich Schwager und Schwester hatten sich dagegen gesträubt, die reiche Erdschaft, die ihnen das Gut zusprach, anzutreten. Da hatte Vodo aber allen Edelmuthsszencn dadurch ein Ende bereitet, daß er ganz einfach die Uebergabe des Gutes an die neuen Besitzer einem Notar übertragen hatte und aus Zedern verschwunden war. Nur die Eltern wußten, wohin er sich gewandt.--Er zog aus, um sich irgendwo in einun stillen, schönen Erdenwinkel, der zu seiner Art sprach, die neue Heimath aufzubauen Er war gegangen, ohne einen Versuch gemacht zu haben, Marga zu sehen. Schwer, unendlich schwer war es ihm freilich geworden, fortzugehen, ohne einen Schimmer von anfeuerndem Hoffnungsglanz aus ihren geliebten Augen mit sich nehmen zu dürfen. Allein es war besser so. Sie sollte völlig unbeeinflußt und unbefangen aus dem beklemmenden Düster, das ihr Herz jedenfalls seit beni freiwilligen Tod Jeanettes umhüllen mochte, den Weg zur Klarheit und damit zum Glück finden. Zwischen Darmstadt und Heidelberg, an der wunderlieblichen Bergstraße, deren Reize ihm das verlassene Thüringen ersetzen konnten, kaufte er ein Gut, das durch Mißwirthschaft heruntergekommen und billig zu haben war. Er traute sich die Kraft zu, den verwahrlosten Besitz wieder in den rechten Sonnenschein zu rücken. Und wirklich, als er im nächsten Herbst eine wohlgerathene Ernte in seinen Scheunen geborgen hatte, durfte ihm ein stolzes und reiches Gefühl der Genugthuung die Brust schwellen. Die Zukunft hatte für ihn eine feste und beruhigende Gestalt angenommen. Nun war es an der Zeit, den Schimmer eines großen Herzensglückes darüber auszugießen. Er reiste nach Thüringen. Schwager und Schwester hatten sich vortrefflich in den neuen Pflichtenkreis eingelebt. Baron Elimar war der Alte geblieben m sorgloser Genußfreudigkeit, nur die Baronin rüstete sich, mit stillem, ergebenem Lächeln dem Abendroth ihres Lebens entgegenzusehen. Sie konnte nur selten noch den großen, weichen Lehnstuhl verlassen. Da saß sie, die feinen mageren Hände feiernd im Schooß gekreuzt, und dachte wohl an d:e vielen Jahre der Bergan genheit, die fo Schweres gebracht, schließlich aber doch noch in einen Weg hineingesunden hatte, der sich für sie und die Ihren als der rechte erwiesen bin zum sicheren Hafen. Vodo küßte erschüttert wieder und wieder die Hände der geliebten Mutter, und auf ihre Klage, daß sie eine alte, nirklose Nrau sei. erwiderte er mit i'arl lichem Lächeln: nur da sein solle, sie, das bedeute für ihre Kinder schon unbeschreibliches Gluck.
An Maraa hatte Bodo von seinem
Gut aus ein vaar teilen geschrieben. die ihr sein Kommen ansagten, und daß er sich auf eine Frage, die sie ja erwar ten müsse, die Antwort holen wolle, rne er erwarten zu dürfen glaube. . Er traf iedocb in der wohldekannten Wohnstube nur Tante Bertha an. Befangen trat ihm die sonst so selbstsichere Frau entgegen und theilte ihm mn, oah Maraa nach Berlin qereist sei. um ihre Freundin D?ra zu besuchen, die glückliche junge Frsu Rudloss. feie war aber nicht gegangen, ohne ein Wort für ihn zurückzulassen. Darm be.jchwor sie ihn, jene Frage, von der er geschrieben. Nickt auszusprechen ne ei nacy wahrhafter und innerster Selbstprüfuna zu der Uebcrzeuzuna gekommen, daß sie auch in Zukunft getrennte Bahnen einhalten munten. Eine 'kalte Anqst krallte sich in Bodos noch eben so hoffnungsfreudiges Herz. Er kannte Marga ja sie tän delte qewin Nicht mit dem, was ihm und ihr ein Heiliges war. Aber zugleich wuchs eine finstere, unbeugsame Entschlossenheit in ihm groß. Ein Wort, und noch dazu eins, das nicht einmal der Mund selbst gesprochen, nach dem er sich in stillen Nächten so glühend gesehnt, konnte ihn keinen Verzicht lehren. Er reiste nach Berlin. In dem medlichen, blitzblanken Salon der Frau Ingenieur Rudioff trat ihm Marga entgegen. Sie erbebte. ' Dem Geliebten aus der Ferne Lebewohl zu sagen, war ihr möglich gewesen, ihm das aber von Angesicht zu Angesicht wiederholen zu sollen, wollte über ihre Kräfte gehen. Allein sie rang dem SellgZeltsschmerz dieses Wiedersehens doch eine leidliche Haltung ab. Nicht die volle Klarheit der Seele war in ihrem Blick, aber ein schöner Muth. Sie sagte: Es war Thorheit, daß ich geflohen bin. Ich hätte in Zedern Ihre Frage anhören, Ihnen selbst die Antwort darauf geben sollen." Bodo vermochte sich schwerer zu beherrschen. In heißem Groll brach er aus: Und diese Antwort soll mich wirklich in die so lange getragene Hoffnungslosigkeit zurück schleudern? Jetzt würde diese Hoffnungslosigkeit eine selbsterschaffene und arundlos festgehaltene Qual für uns Beide bedeuten." Nicht für mich, Bodo, ist es eine grundlos festgehaltene Qual. Nicht ich halte sie die Qual bannt mich. Horen Sie, wie das gekommen. Ein paar Stunden zuvor, ehe sie den letzten Schritt gethan, hat Frau Jeanette einen Brief an mich abgesandt. Sie sagt in diesem Brief, sie l ein Vermächtniß in meine Hänoe Sie. Vodo, glücklich zu machen! Aber ein ganz großes Gluck müsse ?s werden. Ein laues Glück des Alltags sei eine Entweihung des Platzes, den sie freigczeben. . Bodo murmelte: Um diesen Brief habe ich nicht gewußt " Dieser Brief," fuhr Marga fort, o, wenn Sie wüßten, wie er zu einer Quelle des Elends für mich geworden! Wie sollte ich seine letzten Worte deuten? Brach daraus noch im letzten Augenblick die Eifersucht der Todbereiten hervor, die an der Seite des Geliebten keine Andere sehen will, und die dieser Anderen darum eine Aufgabe stellt, an der sie scheitern kann ?" O, so hat Jeanette cewiß nicht gedacht" Es mag sein. Ausgeschlossen ist meine Annahme jedoch nicht. Frau Jeanette liebte Sie über alles, und, sie war eine leidenschaftliche Natur " Aber zuletzt geläutert" O, ich mochte ja so gern glauben, daß die Worte ohne jeden Nebengedanken hingeschrieben wurden! Und doch! Und doch! Ich will Ihnen alles sagen, Bodo, mögen Sie mich auch eine nerv'öse, unklare Thörin schelten. Ich habe so oft versucht, im Geist zu Ihnen hinzu gelangen aber da steht mir eine bleiche Gestalt im Wege, deren Züge wir Beide so gut kennen, hebt die weiße Hand und fragt mit unbeweglichen Lippen: Traust Du Dir wirklich zu, ihm dieses ganz große Glück bereiten zu können? Nur dann gehe! Nur dann! und da U ich um, Bodo! Feig und hoffnungslos kehre ich immer wieder um. Und hinter mir her spüre ich's wie ein zufriedenes Lächeln der bleichen Gestalt." Erschüttert sagte der Baron nach kurzem Schweigen: Es waren zu viel der Stürme, die von Schloß Zedern au? Ihrer jungen, unbeschützten Seele zugebraust sind, unbarmherzig darüber fort. Davon müssen Sie sich erst erholen" Sie schüttelte den Kopf. Das ist es nicht. Ich bin nicht krankhaft erregt. Gewiß nicht. Aber ich komme nicht an der Frage vorüber: starb Frau Jeanette als mi'ine Feindin oder als unsere Freundin?" Als unsere Freuiidin. Glauben Sie mir." DaS junge Mädchen fror in sich hinein. ' O. in der Menschenseele sind Ab gründe. Und ganz besonders in der des Weibes. Das mag von mcmen unerfahrenen Lippen seltsam klingen. Aber ich fühle, es ist so erschauernd fühle ich's bis hinein in den Sitz des LebenL. Und ich vermag nicht daraus hervor die Kraft zu holen, mich frei
und heiter an Ihre Seite zu stellen. Eine andere Frau aber kann Ihnen nicht jenes ganz große Glück gewähren." . Bodo athmete gepreßt.
Und' mit diesem Bescheid wollen Sie mich fortschicken?" fragte er mühsam. Sie krampfte die Hände ineinander, um gefaßt zu bleiben.' Es muß sein. Und um mir nicht
einen Seitenpfad offen zu lassen zu einer That der Schwäche, einer Lüge ; des Herzens, habe ich gestern einen Schritt gethan, der meiner Zukunft eine bestimmte Form geben soll. Ich will mich jenen Frauen einreihen, die im Dienste der Barmherzigkeit stehen. Ich ioerde Krankenpflegerin." Bodo fuhr empor. Mit zornig blitzenden Augen stand er da. In seinen Armen zuckte es, als wolle er ihre Kraft brauchen, sie, die ihm nicht freiwillig folgen wollte, ganz ernfaci) darauf fortzutragen. Mit tönender Stimme rief er nicht, sondern befahl: Das werden Sie ma,t thun. Marga! Sie werden keine Entscheidung treffen, ehe fete nicht nach dieser Wiederbegegnung heute zu einer allerletzten Selbstprüfung Ihr Herz durchforscht haben!" Ein Gedanke kam ihm, der einen helleren Schein über seine finster gefurchte Stirn goß. Lebhaft bat er: Marga, versprechen Sie mir, erst alles einmal mit meiner Mutter durchzusprechen, ehe Ihr Entschluß ein unwiderruflicher wird!" Sie stand mit gesenktem Haupt. Der helle Schein flog nicht von seiner Stirn zu der ihrigen hin. Ihr Gesicht behielt seine müde, rührende Traurigkeit. Leise erwiderte sie endlich: Mer wenn das geschehen, wenn ich mit Ihrer Mutter gesprochen, dann dann werden Sie sich meinem Entschluß beugen?" Ein unmerkliches Zaudern. Ja, Marga." Gut. Bodo. ich gehe zu Ihrer Mutter." 25. Kapitel. edo war auf sein einsames Gut an der Bergstraße zurückgekehrt. Durch sein Inneres ging die Qual der Liederworte, die ihm schon einmal, damals als Marga ihn zum ersten Male von ihrer Seite fortgeschickt, die Seele zerrissen hatten: Hcllslamiliel'.d Abendroth Ist meiner Siebe Tod! ilcM ssnä'.sl du av.S : Tajz sich geivcu'.dt dein Sinn, Und du flehst eilin bin, Ctnilii'i naÄ dem Hau! Nimmer ift'3 s! landen wiN, Toäi cö l'lkibt irostlo? still, Hätl'S nie gedacht! Hcl! flammend tbendroth i(lfc::t stir&t'a blassen Tod Und es ist Nacht. Soll diese Nacht für ihn anhalten? Nie einem lichtfluthenden Morgen weichen? Schwester Gisela hatte geschrieben. Mama war wieder von, einem schlimmen Herzkrampf befallen worden. Sollte eine gefährliche Wendung eintreten, würde man ihn telegraphisch herbeirufen. In der Marter der Ungewißheit durchmaß Bodo sein Arbeitszimmer. Es war ein ganz einfach ausgestattetes Gemach, nahezu ohne jeden Schmuck. Neben dem Gewehrständer erblickte man einen Bücherschrank. Zwischen den beiden Fenstern hatte der Schreibtisch seinen Platz, ihm zur Seite Rauchgeräth, da und dort ein geschnitzter Holzstuhl, an den Wänden ein paar Karten das war alles. Bodo konnte nicht arbeiten. Die Sorge um die geliebte Mutter trieb ihn immer von Neuem vom Schreibtisch auf. Dizse Sorge und das Gedenken an Marga. Vierzehn Tage weilte sie nun wieder in der Heimath, aber nicht eine Zeile hatte sie ihm zukommen lassen, die ihren Entschluß gemeldet. War das nun ein gutes oder ein schlimmes Zeichen? Er trat an eins der Fenster. Ein klarer, heller Novemberhimmel spannte sich über die Erde. Vodo dachte daran, ein wenig hinüber in die Berge zu laufen und sich von der sausenden Höhenluft die heiße Stirn kühlen zu lassen. Aber beinahe im gleichen Augenblick faßte er einen anderen befreienden Entschluß. Er wollte mit dem Nachtschnellzug über Frankfurt nach Thüringen fahren, die leidende Mutter in die Arme schließen und diese Arme auch einer Anderen entgegenbreiten, damit sie hineinflüchte-oder sich von ihm wende für immer! Er mußte Gewiß heit haben, Körper und Seele litten -zu sehr unter dem peinvollen Warten. Es war jetzt Nachmittag, die vierte Stunde. Er hatte noch vollauf Zeit, in seinen Büchern einige Eintragungen zu machen, die erledigt sein mußten. Nun er zu einem Entschluß gekommen, flog die Feder rasch über das PaPier. Da war es ihm, als werde drüben leise die Thür geöffnet. Und jetzt klang das nicht wie-Kleiderrauschen? Er stieß den Stuhl zurück und sprang auf. Dort auf der Schwelle stand ein schlankes, blasses Mädchen Marga! Sie war gekommen, ihr Kommen schenkte ihm den Himmel! Jauchzend wollte er zu ihr hinstürzen und sie in seine Arme reißen da aber sah er, daß sie tiefschwarz gekleidet war, vom Kopf bis zu den Füßen und auf ihrem süßen Antlitz das unendliche Mitaefühl ein dumpfer Schrei brach von seinen Lippen. Marga die Mutter" Mit erschütternder Geberde streckte lic oem fragenden veive Hanve entgegen. Seien Sie stark, Vodo. Gestern in der sechsten Abendstunde ist die Baro,--,
nin still und sanft entschlafen. Im Einverständniß mit den Ihrigen habe ich mich sofort aufgemacht, um Ihnen die tiefschmenliche Kunde zu überbrin. gen. Ich wollte nicht, daß ein kaltes, mitleidsloses Blatt Papier Ihnen, die Trauerbotschaft melde." Er hatte fassungslos nach ihren Händen gehascht, war an ihr niedergeglitten in die Kniee und weinte nun in die Falten ihres Gewandes. Es warer Thränen, deren sich der starke Mann nicht zu schämen brauchte. Marga stand regungslos, gleichfalls mit überfließenden Augen. Sie hatt? leise die eine Hand auf das Haupt deZ Geliebten gelegt und wartete, d,-.ß der erste wilde Schmerz in seiner Seele sich sänftigte. Mit klarer, inniger Stimme sagte sie endlich: Bodo, sie ist auch mir gestorben, diese edle, seltene Frau. Und ehe sie starb, hat sie meine geängstigte Seele mit einer großen Wohlthat erfüllt. Ich danke Dir, Bodo, daß Du mich damals zu Deiner Mutter sandtest" Er hob mit einem Ruck den Kopf und starrte zu ihr empor, in den noch thränentrüben Augen aufschimmernde Seligkeit. Marga!" stammelte er. Sie sprach weiter, das holde Du" festhaltend: Dein Glaube, Bodo, ist jetzt auch der meine: Jeanette hatte an der Schwelle des TodeZ keine feindlichen, eifersüchtigen Gedanken mehr in der S?ele. Sie wollte mich mit jenen Worten ihres Briefes nur anspornen zur höchsten Kraft des Herzens! Das weiß ich jetzt. Und sieh, eine Mutter hat es Vermocht, diesen Glauben siegreich in mir wachzurufen. Was kann nicht eine Mutter!"
Vodo und Marga tauschten den klschesien, süßesten und schmerzlichsten Verlobungskuß, der je zwei Menschenlinder in tiefernster Stunde vereint. In der Dämmerung traten sie aus dem Hause, um zu der nahen Station zu gehen. Auf der Schwelle zögerte Marga. es drängte sie, noch mit einem letzten Blick das Haus zu umfassen, das ihre Heimath werden sollte. Plötzlich löste sich ein unterdrückte? Ausruf von Vcdos Lippcn. In unbeschreiblicher Bewegung rief er: Der Himmel hat sich geöffnet, Marga! Wie damals, da ich Dich zuerst sah weißt Du noch, auf der kleinen Lichtung im heimathlichen Walde? stehst Du auch jetzt im Abendroth " Und er fuhr fort: Hellflammend Tldcndroth Dir um die Moden loht. Um daö C'cnckl! Siehst einer Eottdeit gleich Hände znin Spenden reich. Schließe sie nickt!" Nein," sagte Marga h-ell und klar. Du aber halte mirauch allezeit die Deinen offen. Und das Abendroth möge uns die Verheißung eines schöneren Morgenroths sein!" Vodo kümmerte sich nicht darum, ob da oder dort -ein neugieriges Gesicht lausche tief ergriffen neigte er sich nochmals 'm Kuß der Geliebten zu. Ein heiliger Schwur war dieser Kuß. Dann traten sie die Reise zu Bodos todter Mutter an, die nun auch die Mutter Margas geworden war. Ihnen senkte sich's in die Seele, als fühlten sie die segenspendendcn Hände der Hingeschiedenen still waltend über ihren Häuptern. Ende. . etooaMtio0o 3c)rjr v O o? -Allerlei.oO SooHM-H? c Zum erstenmal wurde in Brüssel eine Dame zum Doctor der NationalOeconomie promovirt, eine russische StudentinNamensHotchethova, die eine These über die Lohnverhältnisse der Frauen in Belgien verfocht. Gerayr llcye Produktion. Im Eentraltheater zu Ehemnitz in Sachsen sollte neulich zum ersten Male die Ncifenfahrt im Automobil (Looping the hoop) von der Amerikanerin Miß Alir vorgeführt werden. Einige Stunden vor der Vorstellung wurde eine Probefahrt vorgenommen. Als der Wagen, den man der Sicherheit halber mit Sandfäcken beladen hatte, den Steifen pafsirte, stürzte er aus der Höhe herab. In Folge dessen verzichtete die Direktion auf alle weiteren Versuche nb setzte diese Nummer endgiltig vom Programm ab. Zu Tode geschleift. Die 16jährige, beim Wirthschaftsbesche? Auto Krenn in Muthmannsdorf U Wiener-Neustadt be'oicnstete Magd Marie Filö führte jüngst zwei Ochsen ihres Dienstgebers auf die Weide und hielt die Thiere an einer um die Hand geschlungenen Kette. Plötzlich wurd-n die Ochsen scheu und gingen durch; das Mädchen konnte die Händz nicht von den Ketten befreien und wurde zu Tode geschleift. Merkwürdige Manöverabsage. Ein im Militärleben einzig dastehender Fall trug sich neulich in Brüssel zu. Es mußte nämlich ein Manöver der Brüsseler und der Mal ner Garnison wegen Mangel an Solbaten verschoben werden. Die Truvren hatten so viel Urlaub erhalten, daß auch nicht der dritte Theil der Friedens- ! Präsenzstärke ausgeboten werden konnte.
Siamesische Berichterstattung. Bei Gelegenheit des Kaiserbesuches in Wien hat ein Theil der Presse sich in detallliricn Berichten über gleich-gil-tige Einzelheiten und in geradezu lacht. lichtn Devotation hervorgethan. Die Wiener Allgemeine Zeitung verspottet alle, die es angeht, in amüsanter Weise. Sie schreibt: Der König von Birma hat dem König von Siam in dessen Residenz einen Besuch abgestattet. Das führende Bangkoker Journal hat seinen ausschließlich für die feineren Sachen cngagirten Reporter (Spezialist für bessere Beobachtung) mit der Berichterstattung über diese Entrevue betraut und weiß dank jenem Mitarbeiter, nun höchst pikante Einzelheiten über das Beisammensein der beiden Herrscher zu melden. Da dieser intercssante Bericht Streiflichter auf das Leben in monarchischen Kreisen überHaupt wirft, sei er hier auszugsweise wiedergegeben: Während der ganzen Fahrt in's Schloß saß der König von Birma rechts neben unserem König, während dieser gleichfalls links neben seinem hoin Gaste saß. Man bemerkte wiederholt, wie b;e beiden Fürstlichleiten miteinander konversirten, wobei immer einer nach dem anderen, höchst selten beide auf einmal sprachen. Leute, die ganz vorn im Spalier standen, bemerkten, daß sich der König von Siam (es war 12 und 23 ?Ninuten) schneuzte. wobei er stch eines Taschentuches bediente. Es regnete, und da die Monarchcn im offenen Wagen fuhren, wurden sie, wie ich auf das bestimmteste versichern kann, naß. Ueber die Niederschlagsmenge auf den Czako unseres hohen Gastes konnte ich leivcr nichts genaues in Erfahrung bringen. Höchst interessant benimmt 'stch unser königlicher Gast beim Speisen. Seine Kaubewegungen sind von einer entzückenden Regelmäßigkeit, und die Art, mit welcher er sich Speisereste aus dem Schnurrbart wischt, bleibt jedem unvergeßlich, dr das Glück hatte, dies einmal mit ansehen zu dürfen. Beim Aufknacken einer Nuß hatte der König das Malheur, daß seiner Nachbarin ein Stückchen Schale auf die Hand sprang. Mit vollendeter Geistesgegenwart wußte aber der König die vielbemerkte Episode aus der Welt zu schaffen, indem er sich zu seiner Nachbarin wandte und. während sein linkes Auge schalkhaft leuchtete, vernehmlich Pardon!" sagte. Nicht minder charakteristisch war das Beisammensein der beiden Monarchen bei der GalaVorstellung, die Abends im königlichen Schauspielhause stattfand. Der VeHerrscher Birma's hatte vor sich ein Opernglas, sowie eine Bonbondüte liegen. und allgemein erregte die wohl durch lange Uebung in höfischen Gcbrauchen erworbene Sicherheit Bcwunderuna. mit welcher der König stch beider bediente, ohne jemals das Opernglas w den Mund zu stecken oder durch die Zuckerl auf die Bühne zu schauen. In den Zwischenakten zeigten die Antlitze der beiden Könige stets einen hellen, hingegen während der Akte einen dunklen Ausdruck, was entweder von einem Wechsel der inneren Stimmung herrührte, oder daher, daß während der Akte der Zuschauerraum verdunkelt, während der Zwischenakte aber wieder erhellt wurde Teutsche ot5at,n auf dänischem Gcviet! Diese Lärmnachricht geht durch einen Theil der dänischen Presse. Südlich von der Königsau manövrirende deutsehe Truppen, Offiziere wie Mannschaften, sollen in der Nacht mit einem Troß von Kraftfuhrwerken, drei Automobilen und zwei Motorrädern, di Grenze überschritten und auf dänischem Gebiet die Heerstraße Kolding-Ripe bcfahren haben. Die erste Meldung brachte das Kolding Folkeblad", das Organ des dänischen Ministers des Innern. SLrensen. und ein angefchenes konservativ? Blatt. Die Kopenhagener Nationaltidende" spricht von deutscher Ungenierthcit und wundert sich, daß die jetzigen Machthaber in Dänemark keinen Einspruch gegen das Vorgehen erheben. Die Protestpresse Nordschleswigs ist vorsichtiger. Sie glaubt an einen Irrthum des ministeriellen Blattes oder an die Möglichkeit, daß die Genehmigung der dänilcken Regierung zum Ueberschreiten der Grenze eingeholt worden ist. Vielleicht verhält es sich mit der ganzen Nachrickt wie mit der Sommermeldung der nämlichen Blätter von einer Landung der Besatzungen deutscher Torpcdoboote auf Egholm und von Schießübungen, die in dänischen Eewässernabgehalten worden wären. Bei genauerem Zusehen stellte es sich heraus, daß d vermeintlichen fremden Vooie danebroggeschmückte Kriegsfahrzeuge waren. Die Heimath des Schwef e l s ist Sizilien. Die Insel exporiirt 360,000 Tonnen Schwrfel per Jahr, wovon etwa ein Drittel nach den Wer. Staaten kommt. DerhöchsteBergDeutschl a n d s , die Zugspitze, ist im Laufe des heurigen, dem Bergsport nicht besonders günstigen Sommers von mehr als 2000 Versonen bessieaen worden. Bestrafter Starrsinn. Der polnische Agent Wyczisk in GleiWitz, Schlesien, welche? sich neulich als Zeuge vor dem dortigen Schöffengericht weigerte, deutsch zu sprechen, owohl er der deutschen Sprache mächtig ist, wurde wegen Ungebühr vor Gericht zu drei Tagen Haft verurtheilt und sofort, verhaftet.
Feuer - Signale.
4 Pennshw nd Market 5 English's Opcrn-Haul East und SNo Dork 7 S!oble und Michlgan 3 N. Jerjcy u. 2tafl 2Ü Pine und North .0 Market und Pine 11 Vermont nahe Esst : 2 Nz. S Spritzenhaus Msff. Ave nahe Slctle 13 Ttvitvaxt und Walnut 14 .Jcrfcyu Central A. 16 Mass, und Genua Vve Slsh m.d 11. (fctrcfce ? Vark Lve und 12 Stt i Columbia unk Hillfid g Highland Ave u.?,att zi Illinois und St. Jo 13 Pennsvlv. und PraN ü Meridian uno 11. Str 5 No. ö Spritzenhaus 18. nahe JllinmS it Senate Ave .CtCla 27 Illinois und Michigan 6 Pesylania und 14. '2 Senate Ave. und 13. n No. I Spritzenhaus JnoAvenaheMichiga 12 Meridia und Oalnut 14 California u Lmnont & Blake und New Dort sb Jud. Av. u. Ct Clair 17 City Hospital 8 Blake und North 39 Michigan und LneS 41 No. e Spritzenhaus Washington nahe West u Esendorf u Wash. Missouri New York 5 Meridian u Wash 6 JllmoiS und Ohio 47 Capitol Lv. u Wash 4S Klngan'S PorkhauS 4ö Straßenbahn Ställe 23. Washington Str 51 No. 10 Spritzenhaus Illinois u errill t8 JllmoiS U fceutftana 63 West und Souib 44 West und McTarty 6 Senate Ave. u Hcnrh 67 Meridian und Ray 8 No. 4 Spritzenhaus MadisonAv.u MorriS 9 Madison Av. u Dunlop 1 No2HakmLeiterhauS Couth nahe Telaware 62 Penn. Merrill ss Dtlawen u. McSartt 4 ast und McEarch New Jersey .MerrM 7 Lirg.Av.u Lradshstt es Last und Prospekt 19 Bicking und High 71 No. ll Spritzenhaus Bir Ave. nah Huron 7t East und Seorgia 73 Leda und Elm 74 Davidson u Seorgi 76 English Av.u Pine 7 Chelby und BateS 75 No. Z Spritzenhaus Prospect nahe Chelby 7 Fletcher Av. u Shelby öl Market u. New Jersey 82 Telaware und Wash. 63 East u Washington 64 New Dork u.Davidsor es Taubstummen Anstalt es er. Staaten Arsenal 7 Oriental und Wash. kS Frauen-Resonnat. 91 No. 13 Spritzenhaus Maryland nahe Mer. 2 Meridian u. Veorqia. 93 Meridian und South rt Ptnnshlö u. Louisiana 05 Virgini Ave u. Alab. 06 Har)tqusrtier. 97 Grand Hotel. 83 Capital Ave und Ohi .23 No. 16 SpritzenhauZ 16. und Ash. 124 Alabama und 16. 125 Central Ave und 11. 12 DndtS und 15. 127 Brookside und Jupiter 123 Central Ave und 17. 129 Telaware und 1?. 131 Alabama und 11. !Z2 Bellefontaine und 134 College Ave und 29. 135 Telaware und 13. 138 Alabama und North 137 Newmann Lnd 19. 133 College Uv und 14. 129 Cornell Ave und 13. 141 DandeS un IS. 142 Hizhland Ave und lg. 143 Tecumseh und 10. 145 Tew Jersey nd 22. 146 Alvord und 17. 147 No. 2 Spritzenhaus Hilside Ave und 13. i8 College Ave und 22. 149 College Ave und 27. 152 Park Ave und 22. 15? L E u. W Bahn u.Z2. lS4 Ramsey Ave und 10. 166 Stoughtonu Newman 157 AtlaS und Pike. 158 Blovd und Pawpaw. 159 No. 21 Spritzenhaus Srightwood l(ic Arven und Depot 163 Brightwood und 26. 164 Rural und Blovd 165 St. Clair u. Aeystone 167 Arsenal Ave wt 23. 168 Bellefontaine und 23. 169 Park Lv und 1k . 212 Capital Ave und i7 213 Pennsylv. .Michiaa,, 214 JllinvtS und 29. 215 Senate Ave und 21. 216 Pennsvlvania und 2i. 217 Meridian und 16. 213 Capital Ave und 26, 21 Vroadway und 10. 231 Illinois und McLean 2Z4 No. 14 Spritzenhaus Kenwood und 30. 35 JllmoiS und 33. 833 Annetta und 8C 237 No. 9. Spritzend Udell und Raer 223 Udel Ladder Sortt 239 Jsabel und 7. 241 Meridian und 24. 242 JllinoiS u Et.Cla?. 243 Eldridge und 23. 12 West uud Walnut 313 West und 12. 314 Howard und IS. 815 Torbet und Paca 316 Capital Ave und 1. 317 Northwestern Ave ull 813 Gent und 13. 319 Canal und 10. 82i Cerealine Werks 324 Vermont und Lvnn 325 BiSmarck u Grandviek 326 No. 29 Spritzenhau? Haughville. 327 Michigan u. HelmeS, 323 Michigan u. Coneord E41 West und MeJntyre 412 Missouri u. MarylQÜi 413 Missouri und .h:o 415 v ipital Ave Leorg 416 Missouri u Amtucky L?. 417 Senate Ave . Was?. 421 P und S Rundbau 33. Washington. 423 Irren-Hospital. 424 Ni.'ey Avk U.J DuS 425 Wash nd HarriS 428 No. 13 SpritzenhaH W. Washington 427 Oliver und Birch 423 Oliver und OSgood 429 Nordtzke und Fork 431 Hadley Ave u. NorrtS 432 Rwer Ave u. MorriZ 34 River Ave und Slay 436 Harding u. Big 4 R 3 436 Harding und Oliv 437 No. 19 Cpritzenh?Z MorriZ und Hardtna. 4 4xk imH&iExs 499 etotfyart 451 ReiSner und Ri!t 452 Howard und L 453 Storni und app 45 Lambert und EdzjtrA 457 Nordtzke ve n. Vcax num Wor! 612 Weft ,d Ray 513 Kenwcky Ave u. MerriO 614 Meridian and MorrtS 51 Illinois nd ansät 517 Morri und Dakota 613 Morris und Church 519 Capital 2. u McCar. 521 Meridian und Pal 623 Pine un) Lord 524 Madisor.Aveu Ltncow m Meridian und Belt ?L 627 Carlo und Ray 528 Meridian und Arizona 529 Meridian. Liahmond 531 Meridian u. McCat. 52 No. 17 Spritzenh4 MorriZ nahe West 12 McZleraund Dounh. 13 East u. Lincoln tat 614 East und Seecher. 15 Wright und Sans 617 McCarty und Beaq 13 New Jersey u Vic Ave 712 Epruce und Prospec 7U Snglifh Ave. u. Laure? 714 Ltate2vu.Belt NA 715 Shelöy uud Beecha 716 State Tve und Orai" 713 Orange und Laurel 719 Chelby u. J 721 Lerington A-u LaiH 723 Fletcher Ave u-Spnt 724 State Av u. PleasaN' r5 Prospekt und leasar 72 Orange und Havia 723 Liberty und Wea 729 NoSle und South 81 No. 15 Spritzenhaus Ost Washington 4 813 Market und Noble 314 Ohio u. Highland 815 Michigan u. Highla 1 Market u Arsenal 3ü 817 Ost . Clair und Union Bahn Eeleise. b2i Pan Handle EhcpZ 23 Vermont und Wal L24 Wash. und State Atz. 825 Madden'i Lounge 82 Duck und Dorsev 27 Wash. und BeviLk Ave 829 No. 12 Spritzenhaus Beville nahe Mchigc. 31 Coutheaster Slve un, Woodside. 322 Wash. und Dearbor, 334 Southeaftern und Arsen! ktveS. 835 New Dork mid ZesxpU 12 JllinoiS und Marti 13 JllinoiS und Market. 14 Penn, und Wash. l5Delawar nd 9rf Spezial-Signale. Srsten 2 Schlag, zweiter Alarm, Aweiten 2 Schlage, dritter Alarm, Dritten 2 Schläge, viert Alarm. 1-2-1, Feuer aus und Schlauch aufgervlt, 3 Schlage, Wasserdruck ab. 12 Schlage, 12 Uhr Mittag. Die so bezeichneten Signale werden ma vom Xhun tvachter angegeben da an den betreffende Straß keuzung Kin LlarmVsten anskbrecht find. Chicago und der große Nordwefieu di llakka Hawaii PbtliHpine Insel. Vier tägliche Schnellzüge nach Chicago. tW Bon der Monon 47. Str. Station, Chicago, find nur d Minuten mittelst elektrischer Car nach den Union Llehdöfen French JLlck Springe, in dem Orange Tounty Hochland. ffamilien-Hotei anter neuer GeschiftSlei.... Pluto, Proserpine md Bowle Quellen. Beste Mineralwasser der Seit. Zwei Züge täglich via Sree-.tcastle. Tickct-Officen : Union Station, affachusettl ve und 25 Weft Washington Straße. . R. P. l g e o. Tiftrlkt Dass. Agent. Indianapolis, Ind. .H.MeDoel. C.H.Rockwell. Präs. und Sen. Mgr. Setrieb-eiler Frank I. eed, Gen.Pz's. Agent, Tbiczgs, J2.
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