Indiana Tribüne, Volume 27, Number 60, Indianapolis, Marion County, 31 October 1903 — Page 5

Jndiana Tribüne, 31. Oktober 190.

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Sein guter Kamerad. Von Natalie König. Also dieses Jahr werden wir in das Tatragebirge reisen. Du darfst aber nicht wieder einschlafen, wie am Grabe Hadrians, wenn ich dir die Schönheiten der Gegend erkläre." Die Angeredete, eine noch junge Frau, deren Antlitz aber die Spuren inneren, stillen Leides an sich trug, seufzte und zählte dabei die Stiche an ihrer Stickerei. Dann hob sie den Blick, sie hatte sanfte, blaue Augen, aus denen eine Welt von Liebe sprach. Lieber Hans, du müßtest dir in Wirklichkeit einmal eine solcke Reise gestatten, an Stelle dieser Ausflüge in das Reich der Phantasie. Das Reisen in der Theorie strengt mehr an als eine wirkliche Tour, gleichviel wohin. Die Schilderungen über Rabenna waren ja ganz interessant, ich höre dich so gerne vorlesen, ich kann mir auch sehr wohl denken, daß Lord Byron diesen Ort als Lieblingsaufenthalt wählte; um aber selbst sich ein Urtheil bilden zu können, müßte man das alles einmal in Wirklichkeit gesehen haben." Du bist eben eine prosaische Frau, die sich schwer in eine Seelenstimmung versetzen kann, die uns befähigt, pcetische Eindrücke auch aus der Ferne wahrzunehmen." Klärchen lächelte, dabei breitete sich ein Ausdruck wk innere Verklärung über ihr madonnenhaftes Antlitz. Das überlasse ich dir, du bist ja ein Künstler!" Sie erhob sich und legte die Stickerei zusammen. Entschuldige, wenn ich dieses Thema lieber abbreche, es versetzt dich stets in eine gereizte Stimmung. Außerdem muß ich in der Küche einmal zum rechten sehen, wir haben ein neues Mädchen." Sie nickte ihm freundlich zu und verließ das Zimmer. Hans Eckert, eine kräftige Männererscheinung in den besten Jahren, dessen Antlitz von einem kleidsamen, braunen Spitzbart umrahmt wurde, sandte einen unfreundlichen Blick hinler feiner Gattin her. Künstler?" Das Wort erstickte in einem ironischen Auflachen. Ja, das hätte ich werden können, wenn ich nicht so früh geheirathet hätte!" setzte er innerlich hinzu. Q diese Spießbürgerlichkeit! Die Häuslichkeit, die Küche, daß nur alles am Schnürchen ging, das war es ja eben, sie war nicht sein Niveau! Sie verstand ihn nicht in den feinen Regungen seiner Künstlerseele! Im Grunde gefiel es ihm ganz gut, daß er eine nette Häuslichkeit besaß, in der alles am Schnürchen ging. Nur erschien es ihm eben zu korrekt. Das langweilte ihn ! Und wozu sie nur immer mit einer schier endlosen Handarbeit beschäftigt war! Hans bückte sich, um einige bunte Wollfäden, die auf dem Teppich umherlagen, aufzuheben. Diefe Wollschnitzel störten seinen Schönheitssinn! Ein anderes Bild stieg vor ihm cuf. Eine vornehme Häuslichkeit in einer stilvollen Villa im Grunewald. deren Besitzerin, einer reichen Amerikanenn, er Unterricht im Zeichnen ertheilte. Dort war alles Harmonie, vollendetster Schönheitsbegriff! Wenn die schöne Wittwe im Schaukelstuhl lag, den Blick träumerisch auf die herrliche Gartenlandschaft vor sich gerichtet, die gepflegtenHände imSchoß ruhend oder nachlässig eine Blume zerzupfend, wobei das Feuer ihrer Brillantringe in allen Farben spielte, dann bot Mistreß Wood das Bild abgeklärter Ruhe, sie erschien ihm wie ein Engel des Friedens, der in vornehmer Hoheit über irdischer Nichtigkeit thronte! Er seufzte und summte leise eine Melodie aus der Operette Die schöne Helena": Es war ein Traum, ein himmlisch süßer Traum!" Herr Eckert, Sie möchten zu Tische kommen!" erklang die Stimme des neuen Mädchens an der Thür. Hans zuckte nervös zusammen. O Gott, diese realistische Wirklichkeit, wie sie immer mit rauher Hand eingriff, um zarte Traumgebilde zu verscheuchen! ! ! Trotzdem schmeckte es ihm prächtig, der Kochkunst seiner Gattin zollte Hans in überwallendem Gerechtigkeitsgefühl stets unbeschränktes Lob. Er kam heute sogar in bessere Stimmung und sagte nach Tisch, angeregt durch eine gute Cigarre Klärchen hatte ihm unlängst heimlich eine Kiste der feinsten Sorte, die er sich für gewöhnlich nicht leisten konnte, auf seinen Schreibtisch gestellt jedenfalls hatte sie das Geld dazu vom Haushalt erspart: Weißt du, es geht doch nicht, daß wir in jedem Jahre hier zu Hause sitzen, wenn alle Welt verreist. Diesmal sollst du wenigstens fort!" Du warst seit langer Zeit nicht bei deinen Verwandten. Dir thut Erholung noth, du bist bleich von dem ewigen Sticheln' und dem Abquälen in der Wirthschaft. Du mußt einmal heraus aus dem ewigen Einerlei des Haushaltes, aus dem Berliner Staub. Die Stille dort in der LandJust, in der friedlichen Weltabgeschie denheit deiner Heimath . wird deinen Nerven wobltbun!" - 5ta Gedanken

setzte er hinzu: Und mir die Fr:iheit!" Meine Nerven sind ganz gesund!" warf Klärchen bescheiden ein. Der würde eine Ferienreise viel nöthiger sein. Willst du mich nicht begleiten?" sie lächelte schlemisÄ. Hans wäre beinahe vor Schreck die Cigarre entfallen. Ich dich begleiten? Nach Parchim?" Er starrte seine Frau so entsetzt an, als hätte sie ihm zugemuthet. auf einem Seil zu

tanzen. Nein, mem Kind, wenn ich reise, dann sollen es die Tiroler Berge sein, die ' meine künstlerische Begeisterung wecken, mich zu neuem Sckaffen anregen sollen, oder das wildromantische Tatragebirge! möchte einmal wieder malen!" Ueber Klärchens Antlitz ging ein rosiger Schimmer, dieses seltsam verschonend. Sie legte sanft ihre kleme Hand auf seinen Arm. Vielleicht ist die Erfüllung dieses Herzenswunsches dir naher, als du glaubst! S:e jay ihn mit einem tiefen, innigen Blick an. Dann sollst du einmal alle Fesseln brechen, die dich hier" sie zögerte an diese beschränkte Häuslichkeit und an mich ketten. Sie senkte den Blia jetzt, weil ihre Auqen von Thränen umflort waren. Dann sollst du dich ganz frei fühlen und als Künstler deine Studien im Gebirge machen ! Vielleicht erfüllt sich dann dein Sebnen, wieder zu malen und ein gutes Bild zu schaffen, was dir einen Platz unter den anderen, die vom Glück bevorzugter sind, sichern könnte!" Hans sah überrascht auf. So hatte jeine Frau noch niemals gesprochen; sie ging selten us sich heraus, ihre Schüchternheit - und Bescheidenheit nannte er im stillen Beschränktheit. Jetzt sah er, daß ihr Innenleben nicht so leer war, wie er immer glaubte, daß sie auch dachte!. . . Frau Eckert war abgereist. Da3 neue Mädchen war nun gc.ügend eingerichtet, damit der Haushalt nicht inzwischen aus den Fugen ging. Sogar die Lieblingsgerichte des Herrn hatte sie noch kochen gelernt. Als Hans vom Bahnhof zurückkehrte, übergab das Mädchen ihm einen Brief, zu seinem höchsten Erstaunen erkannte er auf dem Kuvert die Handschrift seiner Frau. Zuerst erschrak er aber als er an den zärtlichen Abschied am Bahnhof dachte, überkam ihn etwas wie Rührung. Sie hatte ein so zärtliches Gemüth, aber sie vermochte es nicht, ihr Empfinden im persönlichen Verkehr auszudrücken. Nun wollte sie ihm gewiß auf diese Weise noch einmal Lebewohl sagen! Wie nett das von ihr war. Er schob den Brief förmlich zärtlich in seine Brusttasche, er wollte sich die Lektüre als besonderen Genuß aufsparen, wenn ihn einmal so recht die Sehnsucht nach seinem kleinen Frauchen überkam. Im Grunde liebte er sie doch von Herzen, wenn sie ihn auch in seinen künstlerischen Bestrebungen nicht verstand und dem hohen Flug seiner Seele nicht zu folgen vermochte. Aber die Häuslichkeit erschien ihm mit einem Mal bei stch daheim öde, als wenn plötzlich der Sonnenschein von einer Landschaft verschwindet. Klärchens Platz am Fenster war leer. Jetzt hatte er mitunter gewünscht, die bunten Wollschnitzel auf dem Teppich liegen zu sehen. Es schmeckte ihm auch nicht mehr wie sonst, obwohl er an den Speisen nichts zu tadeln fand. Der leere Platz am Tisch störte ihn. Um seine schlechte Stimmung zu erhöhen, kam eine Nachricht aus der Villa in Grunewald, die auch auf feine pekuniären Verhältnisse nicht ohne Einfluß war. Die Amerikanerin brach den Unterricht ab, da sie sich mit einem Geschäftsfreund ihres verstorbenen Gatten wieder zu verhe'rrathen gedachte. Sie ging nach New Fork zurück. Die Villa im Grunewald stand zum Verkauf, er hatte die Gartenthür verschlossen gefunden, die eisernenRolljalousien an den Fenstern herabgelassen. Vereinsamt stand noch der amerikanische Schaukelstuhl auf der Veranda. Wo war die Lichterscheinung, die träumend darin geruht hatte? Ein Traum, der nun für immer aus dem Leben Hans Eckerts geschwunden war! Das Honorar wurde ihm per Post zugesandt. Das war ein amerikanischer Abschied! Ein heißer Sommertag, die Sonne brütete über dem Häusermeer der Residenz und ihre versengenden Strahlen fanden auch den Weg in die Wohnung des Malers in einem Gartenhause in Berlin 80. Drüben, jenseit des Gartens, liegt ein Kirchhof. Ein Kriegerverein, der einem alten Veteranen die letzte Ehce erwiefen, zieht als die Kirchhofsmauer hinter ihm liegt, mit Zagendem Spiel weiter. Hans Eckert fährt auf. Ich hatt' einen Kameraden, einen bess'ren find'st du nicht!" Diese Worte elektrisiren ihn förmlich. Er springt von der Chaiselongue auf, wo er bei der Herrschenden Hitze in tiefen Schlaf versun ken gewesen. Es haite ihm geträumt, Klärchen wäre gestorben, man hätte ihre Leich- i 1 Brautkleide aus dem Hause geL Wie Schneewittchen so schö: V, im Sarge. Ganz deutlich ha die weithin schallende Stimme des' digers vernommen.

der ihm Trost zusprach. Er sah eine Trauerversammlung, aus deren Mitte mancher vorwurfsvolle Blick ihn traf. Dann die ergreifende Melodie des Liedes: Ich hatt' einen Kameraden, einen bess'ren findet du nicht!" Das war ja sein Klärchen! Einen besseren, treueren Kameraden gab es auf dem Erdenrund nicht. Nun fiel ihm auch ein, daß er Klärchens Abschiedszeilen noch nicht gelesen. Er riß ihren Brief nun fast ungestüm aus seiner Tasche und überflo gierig die Zeilen. Klärchen schrieb kurz: Lieber Hans? Sei nicht böse, daß ich Heimlichkeiten vor Dir hatte. Da Dein Gehalt doch etwas knapp zureichte und ein Haushalt, der ordentlich geführt werden muß, ziemlich viel Ausgaben erfordert, habe ich hinter Deinem Rücken Arbeit aus einem Geschäft übernommen. Eine junge Frau, in einer kinderlosen Ehe, hat ja so viel freie Zeit!" Schelte nur nicht. Hänschen, ich hab' es so gern gethan, denn ich besaß schon als Mädchen große Kunstfertigkeit im Sticken. Wir konnten uns manchen Genuß verschaffen, und ich sparte auch noch heimlich. Seit drei Jahren legte ich alle Monate eine bestimmte Summe zurück, die einmal für eine größere Studienreise für Dich bestimmt sein sollte! Das Geld, es ist eine ganz beträchtliche Summe, liegt in dem Wäschespindchen im Schlafzimmer,' unter den Theeservietten in einem braunen Kästchen. Nimm das Geld, ich freue mich so innig, es Dir geben zu können, und reise augenblicklich ab in das Tatragebiete, wohin Dich ja wohl Deine Sehnsucht zieht! Ich werde vorläufig nicht an Dich schreiben, bis ich Nachricht von Dir habe, wohin ich meine Briefe richten soll! Gott schütze Dich, und denke zuweilen an Deine Dich über alles liebende Frau." Ach du Einzige, du treuer, guter Kamerad!" Das drängte stch Hans unwillkürlich laut auf die Lippen, dann küßte er den Brief und verwahr te ihn wie ein Heiligthum in seiner Brusttasche. Das Geld fand 'sich thatsächlich an dem bewußten Platz, und Hans war erstaunt über die Höhe der Summe, die seine Frau durch ihren Fleiß verdient hatte. Hans lieber Hans du kommst hierher, in dieses kleine Städtchen?" Ganz sprachlos vor Glück, starrte Klärchen ihren Gatten an. Der riß die zarte Gestalt an seine Brust, als wollte er sie erdrücken. Du Gute, Liebe!" sagte er, unter unzähligen Küssen. Glaubtest du wirklich, ich wäre fähig, das von dir so mühsam erworbene Geld anzunehmen? Nein, mein Liebling, das bleibt für dich, vielleicht als Fonds für unbestimmte Zwecke!" Er schlang den Arm um sie und legte ihren Kopf an seine Schulter. Jetzt fühle ich erst, was du mir in Wabrheit bist, welches Glück -iä bisher besessen! Klärchen, nun will ich mich bemühen, deiner fite be würdig zu werden, du guter, treuer Kamerad!" . Selig hielten sie sich umschlungen. Sie vergaßen die Welt um sich und küßten sich wie Brautleute.

Der geborgte Pferdeschweif. Ein heiterer Zwischenfall ereigneie sich im Frankfurter Opernhaus in der ersten Vorstellung des Wagner - Eyklus. Cola Rienzi präsentirte sich dem Publikum auf einem stattlich aufgeputzten Pferde, das besonders durch einen wundervollen langen Schweif alle mit Pferdeverstand Begabten entzückte. Aber das Entzücken über den imposanten Pferdeschwanz war nicht von langer Dauer. War es die Frevelthat eines heimlichen Gegners des Tribunen, oder hatte die mächtigeStimme des Rienzi - Forchhammer die Zusammengehörigkeit gesprengt, wer kann die Ursache ergründe:-.? Thalsache bleibt nur, daß ein mächtiger Pferdeschwänz sich mit einem Mal am Boden wälzte, während das edle Roß sein armseliges Schwanzstümpchen, froh, der Bürde ledig zu sein, hin- und herwackeln ließ. Schallendes Gelächter ertönte, und der nichts ahnende Herr Forchhammer sah völlig entgeistert an sich und seinem Gäulchen herunter, um zu erfahren, wem die Heiterkeit galt. Erst als er das Monstrum am Boden erblickte, sich selbst aber in tadelloser Verfassung sah, beruhigte er sich wie der. Geschadet hat ihm der Schreck zum Glück nicht; er sang schöner wie je, und stellte die rechte Stimmung im Haus bald wieder her. j Renommage. Bekommst Du auf jede Bitte ein Autograph, liebe Rosa?" Gewiß sogar stets in der Form eines Heirathsantrages!" Z e r st r e u t. Sie: Weißt Du, Männchen, wir haben heut' Mittag die Mama zu Tisch. Er: Schön, laß sie nur ordentlich durchoraten. Beim Phrenö logen. Prof. Gaüer: Sie sind jedenfalls schon längereZeit verheirathet? Herr Schlipper (erstaunt): Woher wissen Sie das? Prof. Galler: Weil die Stelle Ihres Gehirns, wo das Selbstbestimmungsorgan liegt, ganz eingesunken ist! Wiedergut gemacht. Die junge Frau Professor hat ja vergangene Woche zum ersten Mal selbst gekocht." Ja, aber nachher hat sie ihren Mann mit aufopfernder Liebe. rhfsrtl hr2 trntfi tnr (aam

Der Pariser Millionär Jacques Leöaudy, der sich Jacques I., Kaiser der Sahara", titulirt, hat einen gefährlichen Concurrenten'gefunden: Herr Lebaudy steht nicht mchr allein da mit seinem ingeniösen Plane, Imperator in Nordwestafrika werden zu wollen. Der Nebenbuhler ist ebenfalls ein bekannter Pariser Lebemann, aber dessen Haupt schmückt schon eine Herzogskrone. Der neue Herrscher" ist der Herzog von Morny. Auch er gedenkt ein Kaiserreich im dunkeln Erdtheil zu begründen und beabstchtigt, im Advar- und Tiknagebiete südlich von Marokko und nördliöi von Sencgambien zunächst eine Eisenbahn zu erbauen, die von der spanischen Besitzung Rio de Oro nach Atar, Wadan und Skingiti führen soll. Der Sultan von Atar ist angeblich geneigt, auf seine Hoheitsrechte zu Gunsten Morny's zu verzichten, welcher große kolonisatorische Absichten hat. Dieunlängstinder Arena von Marseille abgehalteneCorrida war reich an schweren Unglücksfällen, da die auftretenden Stierkämpfer mit größter Ungeschicklichkeit und Unsicherh?it arbeiteten". So wurde ein aus Spanien gebürtiger Toreador Miguel Montero von einem Stier mit den Hörnern aufgespießt. Ein anderer Stierkämpfer Loreto Cuico wurde von einem Stier zwei Mal in die Luft geschleudert und blieb mit schweren inneren Verletzungen im Sande liegen. Ein dritter Toreador endlich, Chico, erlitt tiefe Wunden am Unterleib. Auch die an demselben Tage in Nimes veransialtetenStierkämpfe hatten aufregende Zwischenfälle im Gefolge. Der Toreador Belcita verwickelte sich in seinen Mantel und wurde von dem rasenden Stier mit solcher Wucht gegen die Wand der Arena gepreßt, daß ihm der Unterleib zerfleischt wurde. Fünf andere Toreadors trug: mehr oder minder schwere Verletzungen davon und mußten den Kampf aufgeben. Einen sehr glücklichen Fund hat der preußische Minister des Innern, Freiherr von Hammerstein, neulich bei einem Besuch der Kunstgeschichtlichen Ausstellung in Erfurt gemacht. Der Minister widmete seine Aufmerksamkeit vorwiegend den kunstgewerblichen Arbeiten, insbesondere fesselten ihn die reichen Werke der alten Edelschmiedekunst. Der Minister vertiefte stch -auch mit großer Freude darm, mittelalterliche lateinische Inschriften zu entziffern. Dabei gelang es ihm, auf einem alten, schönen Gemälde aus dem gothischen Hause zu Wörlitz eine bisher nicht gedeutete Inschrift zu' lesen. Es handelt sich um ein Vildniß des Paracelsus, wahrscheinlich das Werk eines niederländischen Malers in der Art be3, Lucas don' Leyden. Unten rechts stehen auf einer Schriftrolle die Worte Mundiis vnlt tiVcipi" (die Welt will getäuscht werden); darunter gehen in den Bildrand Buchstaben hinein, die bisher nicht gedeutet waren, und die der Minister als die Jahreszahl 1540 nachwies.' Durch diese wichtige BestiminUng ist die Erstehungszeit des kostbaren Gemäldes festgestellt. DieprächtigstenSchytze in Kleidern und Zubehör in ganz Europa hat, wie eine französische FrauenZeitschrift versichert, die Königin-Mut-ter MargheriiV von Italien. Sie trägt ein Kleid nie mehr als fünfmal, wie Prächtig und theuer es auch sein möge. Ihre abgetragenen" Kleider schenkt sie ihren Kammerfrauen, die sich große Einkünfte verschaffen, indem sie diese an Engländerinnen oder Amerikanerinnen verkaufen. Eine bekannte französische Schauspielerin war sehr stolz auf einen Lehnstuhl mit einem wundervollen durchwirkten Atlasbezug, der von einem Hofkleide der Königin Margherita stammte. Wenn diese ihre Kleider verkaufen läßt, so behält sie jedoch stets die unvergleichlichen Spitzen zurück. Unter anderem besitzt sie ein Spitzentaschentuch, das drei Künstlern in diesem Fache viele Jahre der Arbeit gekostet hat. Dieses Taschentuch, das auf 150,000 Fr. geschätzt wird, ist so leicht, daß man lein Gewicht nicht in der Hand spürt, und so fein, daß es sich in einegoldene Schachtel zusammenfalten und hineinlegen läßt, die in Form und Größe einer Bohnenschote entspricht. Nachdem e r st vorKurzem im Gerichtssaal von Bayreuth ein grauenerregendes Bild entrollt worden war. wo ein entmenschtes Elternpaar seinen geistesschwachen Sohn bei lebendigem Leib fast verfaulen ließ, spielte sich kürzlich in Bayern wieder ein ähnlicher Fall ab. Vor der Strafkammer in Bamberg stand ein NachtWächtersehepaar, das die Mutter oder Schwiegermutter in einer Weise vernachlässtgte, daß sie infolgedessen starb. Die Lagerstätte der 73jährigen fand man in einem geradezu unbeschreiblichen Zustand; das Stroh u. s. w.war fast zu Mist geworden; der Körper der alten Frau über und über voll Wunden und Geschwüren und von Ungeziefcr zerfressen. Der gefühllose Schwiegerschn hatte selbst einmal geäußert: Die ist mehr nicht werth.als daß sie die Würmer fressen, die sollte man bei lebendigem Leibe begraben." Selbst das zum Reinigen nothwendige Wasser wurde von ihrer eigenen Tochter verweiaert. Die letztere wurde zu 14 Ta-

gen Gefängniß verurtheilt, der Mann aber freigesprochen (!), da er für die Vervfleauna seiner Schwiegermutter nicht verantwortlich gemacht werden

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