Indiana Tribüne, Volume 27, Number 57, Indianapolis, Marion County, 28 October 1903 — Page 3
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Jndiaua Tribüne, 2. Oktober 1903.
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Attentatsversttch. Präs. Dia; entgeht den Kugeln eines Meuchelmörders.
Nach langZähriger Haft als unschuldig begnadigt. Nussische Truppenbewegung. Czar und Kaiser. Arbttter-Unruhen in Spanien. Die Insurrektion in San Tomingo. Ein Denkmal für Krupp. Politischer Mord. Mexico. Attentat auf Präsident Diaz. G u a n j a t o, 27. Oktober. Elias Toscana, ein berüchtigtes Subjekt, feuerte heute Abend aufPräfident Diaz, der mit Gefolge in einem Straßen bahnwagen saß, fünf Revolverschüsse ab, die glücklicher Weise ihr Ziel derfehlten. Der Attentäter ist in Haft. Deutschland. Ein Vierteljahrhundert unschuldig im Zucht haus. Berlin, 27. Oct. Der Maurer Burmeister wurde, nachdem er 26 Jahre lang im Zuchthause zugebracht hatte, gestern als unschuloig aus seiner Haft entlassen. Burmeister stand, als sein Vater im Jahre 1877 einen Einbruch in einem Bauernhaus bei DamSdorf Schleswig - Holstein verübte, draußen Wache. Der Vater erschoß den Bauern, der sich zur Wehr gesetzt hatte. Burmeister, Vater und Sohn wurden ver haftet. Um seinen Vater, der, weil er bei der Polizei schon viel auf dem Kerbholz hatte und sicher zum Tode vcrurtheilt worden wäre, zu retten, nahm der Sohn den Mord auf seine Schultern. Da der Vater starb, legte der Sohn den wahren Sachverhalt, den er durch gerichtliches Zeugniß beweisen konnte, klar und erlangte Begnadigung vom Kaiser. Der Märkische H i e s e l" v e r u r t h e i l t. Berlin, 27. Okt. Vor dem Potsdamer Schwurgericht ist der Märkische Hiesel", wie der wegen sei ner zahlreichen Räubereien bekannt ge wordene Gärtner Franz Pfuhl genannt wird, wegen versuchten Mordes zu sünfzehn Jahren Zuchthaus verurtheilt worden. Er stand unter der Anklage, im Jahre 1899 versucht zu haben, den Geheimen Regierungsrath Jsenbarth aus Berlin in seiner am Stolpersee zu Neudabelsberg belegenen Villa zu erschießen. Herrn Jsenbarth wurde, als er das Fenster schloß, durch den auf ihn aus der Dunkelheit von außen abgegebenen Schuß ein Arm verletzt. Lange Zeit hatten die Nachforschungen nach dem Thäter keinen Erfolg, bis schließlich Pfuhl wegen verschiedener räuberischer Ueberfälle in der Umgebung von Berlin festgenommen wurde. Nun verdichteten sich die Verdachtsmomente gegen ihn immer mehr, zumal er der Jsenbarth'schen Villa schon früher nächtliche Besuche abgestattet hatte, wobei er Diebstähle ausgeführt und die Villa in Brand gesetzt hatte. Wegen aller dieser Strafthatcn war Pfuhl schon abgeurtheilt. 5r verbüßt jetzt in Brandenburg a. H. eine lebenslängli che Zuchthausstrafe. Neue amerikanische Kirche. Berlin, 27. Okt. ES ist jetzt entschieden, daß die neue hiesige amer. Kirche am Danksagungstage einqeweiht wird. Der Bau ist fast vollendet. Ein Denkmal fürKrupp. Berlin, 27. Okt. Der Kaiser hat beschlossen, dem verstorbenen Geschützfabrikanten Krupp vor dem Kaiserlichen Yachtklub in Kiel ein Denkmal zu errichten. Das Monument soll überlebensgroß werden. Den Auftrag zu? Ausführung erhielt gestern Prof. Haverkamp. Die Pläne entwirft der Kaiser selbst. Lieut. Rüger begnadigt. B e r l i n, 27. Ottör. Der Kaiser hat Lieut. Rüger begnadigt. Rüger wurde von einem Kriegsgericht im Jahre 1901 zu 6 Jahren Gefängniß verurtheilt, weil er Lieut. Adams, der ein Duell mit dem Bruder Rügers contrahirt hatte, zu erschießen versuchte. '
D i e Wiesbadener Conf e r e n z. Berlin, 27. Okt. Das Tazeblatt hört, wie es saat, an St. Petersburg, daß der Zar für die Zusammenkunft mit Kaiser Wilhelm am 4. Nov. zu Wisbaden die Initiative ergriff. - Der Zar telegraphirte dem Kaiser, er wolle Deutschland nicht verlassen, ohne seinen Freund, den Kaiser, gesehen zu haben und letzterer nahm dankbar an, als Ort und Zusammenkunft einen Ort in der Nähe von Darmstadt vorschlagend. Ob der auswärtige Minister Lamsdorff die Conferenz besucht, ist nicht sicher. Ostasien. A l e z i e f f i n s p i c i r t. St. Petersburg, 27. Okt. Nach einer Depesche aus Port Arthur hat sich Vicekönig Alexieff nach TabaZvan begeben, um die russischen Streitkräfte am Stillen Ocean zu besichtig. Spanien. Der KohlengräberStreik. B i l b o a , 27. Okt. Die streikenden Kohlengräber zerstörten Nachts die elektrische Beleuchtung?- und Tele-phon-Anlage. Der Streik, welcher jetzt alle Gruben des Distrikts ergriffen hat, verursacht lebhafte Besorgnisse, da die Arbeitgeber die Forderung wöchentlicher Lohnzahlung erst nach Wiederaufnahme der Arbeit in Erwägung ziehen wollen. Die Absicht der Arbeitgeber ist. direkt mit den Leuten, ohne Intervention der Gewerkschaften zu unterhandeln. Die Socialisten sind an der Agitation in hervorragendem Maße betheiligt. Bilbao, Spanien, 27. Oktober. Kriegszustand ist hier proklamirt worden. Alle Handwerker haben sich den Ausständigen, die nun 40,00 zählen, angeschlossen. Eisenbahn und Stra-ßenbahn-Verkehr ist suspendirt. Cavallerie beschützt die Gaswerke. Die Ausständigen bewerfen alle Kutschen mit Steinen unter dem Ruf : Tod der Bourgeosie" und Nieder mit den Tyrannen." Die Börse ist geschlossen. Regterungsschiff vor
Puerto P l a t a. Cap H a y t i e n. Hayti, 27. Okt. Der dominikanise Regierungsdampfer Jndependence" erschien heute vor Puerto P!ata und hinderte den cubanischen Postdampfer Maria Herrera" an der Einfahrt. Nachher fuhr der Kreuzer dem amerikanischen Postdampfer Cherokee" aus Monte Christo entgegen, um ihm gleichfalls das Anlaufen an Puerto Plata zu ver wehren. Großbritannien. PolitischerMord. London, 27. Okt. Sagatel Sagouni, Präsident des hiesigen armenischm Revolution? Verbandes, wurde gestern Abend in der Vorstadt Nunhead ermordet. Da das Verbrechen augenscheinlich politischer Natur ist und Ermordungen anderer Beamter von Zmeigverbänden auf dem Continent vorangingen, so ist die Erregung groß. Sagouni war erst gestern 'aus der Siavoriz zurückgekehrt, wo er die An gelegenheiten eines gleichfalls ermorde ten Genossen geordnet hatte, als sich ihm bei Betreten seines Hauses ein Mann näherte und rasch 4 Schüsse, einen nach der Herzgegend, abfeuerte. Der Thäter, anscheinend ein Fremder, entfloh. Der Mörder verlor bei der Flucht einen Hut und einen in New Vork an gefertigten Revolver. Der Ermordete ein Bergwerks-Jn-genieur, erwarb sich Reichthum im Caucasus und widmete sein Geld der armenischen Sache. Seine Gesellschaft war positiv und Gewaltthaten abgeneigt, wodurch viel leicht die Rache der vorgeschritteneren Armenier erregt wurde. Ein als verdächtig Festgenommener mußte schon Nachmittags wieder ent lassen werden. Canada. Aufruhr unter den Donkhoboros. Winnipeg, Manitoba, 27 Oktober. Meldung ist hier eingelau fen von einem Aufruhr in der Dinkho boro-Colonie, nördlich vom Swansee, in welchem drei Personen getödtet und eine schwer verwundet wurden. Peter Weregin, der sogenannte Chri stus der Leute, besuchte die Vorkton Colonie. Vorher berief er seine An Hänger, und während sie vor ihm auf
dem Boden lagen, ermähnte er sie, sei.
ner Lehre während seiner Abwesenheit nachzuleben und auf keine sogenannten Missionare, die etwa kommen möchten. zu hören. Einen Tag ging Alles gut. Dann erschien ein Methodistenprediger in der Ansiedelung und wollte predigen. Die Gemeinde theilte sich; ein Theil der Frauen riß sich die Kleider vom Leide, wie es schon früher bei ähnlichen An lässen geschehen, und machte sich auf, um nach Peter Weregin, ihrem Führer und selbst ernannten ' Christus, zu suchen. Die Männer mischten sich ein und ein blutiger Kampf war die Folge. Frankreich. Dumont's Ballon e. Paris, 27. Okt. Eine Militär. Comission besichtigte heute SantoS Dumont's lenkbaren Luftballon No. 10. Diese? und andere Ballons werden Frankreich im Kriegsfalle znr Verfügung gestellt. Die Commissäre äußerten sich zufrieden. Gerettet. Brest. 27. Okt. Die 31 Mann der französischen Barke Savoyard", die man gestern als verloren glaubte. sind gerettet. Dagegen ertranken die Frau deS Capitäns und vier andere Frauen an Bord des Schiffes. Frankreich kauft den Palast der Farnes e. R o m e, 27. Okt. Frankreich hat den Palast der Farnese für sein Gesandtschaftshotel gekauft. Der Preis war 8600,000. Der Palast war früher schon den Ver. Staaten zum Kauf angeboten worden. Italien. Neue Cardinäle. R o m, 27. Okt. Der Papst hat den Staatssekretär Merry del Val und Cardinal Gotti um eine Liste der fremden Prälaten ersucht, die zum Bereiche des Staatssekretariats und der Congregation der Propaganda gehören und für die Cardinals-Ernennug in Betracht kommen. In Gotti's Liste der Amerikaner stehen der Reihenfolge nach : Erzbischof Ryan, Philadelphia; Erzbischof Ireland, St. Paul; Erzbischof Farley, New York, und Erzbischof Chapelle, New Orleans. Der Papst empfing heute den Car dinal Moran vor seiner Abreise nach Australien in Abschiedsaudienz, später auch verschiedene Engländer und Amerikaner. Der Freund" derHohen z o l l e r n. R 0 m, 27. Okt. Allison V. Armour aus Chicago ist heute nach Genua abgereist, um mit Prinz Adalbert, dritten Sohn des Kaisers Wilhelm, zusammen zutreffen. Der Prinz ist auf der Reise nach China, wo er dem Kreuzer Hertha" zugetheilt ist.' Herr Armour begiebt sich später nach Marsaille. Ankunft des M a ch i a s." N e a p e l, 27. Okt. Das amerikanische Kanonenboot Machias" ist zum Kohlenfassen aus Port Said eingetrof fen, um nachher mit Consul Skinner und seiner Expedition die Fahrt nach Abessinieu anzutreten. Oesterreich'Nngarn. Aus der Haft entlassen. Budapest, 27. Okt. Adolf Friedmann, der Amerikaner, welcher hier einen Sommergarten betrieb und gestern auf Anlaß der Washingtoner Behörden wegen betrügerischen Bänke rotts in New Jork verhaftet wurde, ist freigelassen. Es ließ sich kein Beweis Material für seine Schuld erbringen. Türkei. Dierussisch-öfter r. Vorschlüge. C o n st a n t i n o p e l , 27. Okt. Der Ministerrath hat eine Commission ernannt, um über den österr.-russischen Plan zu berathen und sich über die Hal tung der übrigen Mächte zu vergewissern. Berlin. Prinz Adalbert, dritter Sohn des Kaisers, ist nach Ost-Asien zum dortigen deutschen Geschwader ad gereist. Paris. Der russische Minister Graf Lamsdorf wird morgen früh zu einer Conferenz mit Minister Delcasse hier eintreffen. Schiffsnachrichten. Abgefahren : - New York: Kaiser Wilhelm der Große" nach Bremen; Liguria nach Neapel und Genua; Bovic" nach Liverpool.
Kurze Depeschen.
27. Oktober. Inland. St. Louis. Das Testament des Erzbischofs Kain vermacht das gesammte Eigenthum der Diöcese. S o l i d a, Colo. Bei der Entgleisung eines Frachtzugs wurden 3 Bahn-Bedienstete getödtet und einer verletzt. C i n c i n n a t i. Ein Brand von 2 Geschäftshäusern an 2. und Walnu Str. richtete einen auf S30.000 bis S100.000 geschätzten Schaden an. C i n c i n n a t i. John Tewey, Schankkellner von Kraft & Bauer, wurde durch Schüsse zweier Männer, die entkamen, lebensgefährlich verletzt. New York. Frau C. Redick von Jonkers, bei einem Vahnunfall schwer verletzt, erzielte gegen die N. N. I. Central Bahn ein Verdikt aus $50, 000 Schadenersatz. N e w Haben, Conn. Wm. I. Bryan theilt mit, er habe seine Reise nach Europa mit Rücksicht auf den Bennelt'schen TestamentsProceß bis auf Weiteres verschoben. Niagara F a l l s, N. A. Durch einen Unfall bei der Anlage der Canadier Niag. Power Co. in Niagara Falls, Ont., sollen 3 Mann getödtet und 5 verletzt worden sein. L a n c a st e r, Pa. Bei der Explosion einer Fracht-Lokomotive in der Nähe von Rohrestown wurden ein Conducteur, Heizer, Lokomotivführer und Bremser schwer verletzt. Der Ursprung derLhrrlnge. Eine sonderbare Legende ist, dem Glauben der Mohammedaner nach, die Ursache, daß jede mohammedanische Frau es für ihre Pflicht erachtet, Ohrringe zu tragen. Sarah, so berichtet die Ueberlieferung, von Eiferfucht ergriffen über den Vorzug, den Abraham der Hagar zu geben schien, schwur einen Eid die ihr verhaßte Nebenbuhlerin zu verstümmeln. Nicht ruhen und rasten wollte sie, bis sie das Gesicht ihrer Dienerin zerfetzt habe. Abraham, der diesen Racheschwur vernommen hatte, that sein Möglichstes, die verbitterte Gattin zu besänftigen. Lange blieben seine Worte ohne Erfolg, endlich ctizz gelang es ihm, die Ergrimmte zu be ruhigen. Sie gab ihm das Versprcchen, ihren beabsichtigten Racheplan aufzugeben. Was aber konnte geschehen, um dem nun einmal ausgesprochenen Gelübde zu genügen? Nach reiflichem Nachdenken ward ein Ausweg gefunden. Anstatt das liebliche Antlitz ihrer Dienerin zu verstümmeln, bohrte sie nur Löcher in deren hübsche Ohrläppchen. Aus diesem Grunde leiten die türkischen Frauen den Gebrauch dieses Schmuckes von der Hagar ab. die als die Mutter Jsmaels, des Stammvaters ihres Volkes, von ihnen in hohen Ehren gehalten wird. - '.13 Ein Kampf in den Lüften. Eines Abends im August war mir, so schreibt man der Deutschen Jägerzeitung", eine eigenartige Beobachtung aus dem Vogelleben beschicken. Im Dörfchen G. nistet ein Storchpaar (Ciconia alba). Oft beobachtete ich das Paar auf den feuchten Wiesen der Umgegend, wie es seiner Nahrung nachging, so auch am Nachmittag dieses Tages. Auf einmal ertönt eine leichte Dämmerung breitete sich bereits über die Fluren ein heftiges Geklapper, und die Storchmama erhebt sich schwankenden Fluges, gefolgt von einem Etwas, das sich bald als ein sehr starker Hühnerhabicht (Astur palumbarius) entpuppte. Gleich darauf erschien aber auch, gleichfalls zornig klappernd, Vater Storch und stieß gleich einem Raubvogel auf den Habicht. Die Störchin strich nun in raschem Fluge nach dem heimischen Nest ab, und der Raubritter hakte auf dem dürren Zackenwipfel eines Nußbaumes auf. Und nun begann ein wundervolles Flugspiel. In weiten, immer mehr sich verengenden Schraubenlinien umkreiste der Storch den Baum; es war spaßhaft zu sehen, wie der Habicht sich stets mit dem kreisenden Vogel drehte. Plötzlich schwang sich der Storch ein, und der Habicht strich ab; aber wie ein rasender Noland stob der Storch hinterher, ein Zuhacken, daß die Federn stoben, ein Stoß und der Habicht sank, sich überschlagend, langsam, schwerfällig zu Boden. Noch einige Kreislinien, und der Storch flog, siegesfroh klappernd, nach Hause. Es war nicht schwer, auf dem Stoppelacker den Vogel aufzunehmen und den tödtlichen Stoß festzustellen. Daß der Storch, der doch den Eindruck eines behäbigen Fliegers macht, den fluggewandten Hühnerhabicht auf voller Flucht einholen kann, muß überraschen.
Die schwedische Hülfsezpedition ist unlängst in Funchal, Madeira, mit der französischen SüdPolarexpedition des Dr. Charcot zusammengetroffen. Hierbei wurde ein Abkommen getroffen, laut welchem sich die französische Expedition dem Leiter der schwedischen Hülfsexpedition, Marinccapitän Gylden, zur Verfügung stellt. Da auch die argentinische Negierung die Oberleitung der von ihr ausgerüsteten Hülfsefpedition dem Capitän Gylden übertragen hat, verfügt dieser nunmehr über drei Schiffe. Dadurch wird es möglich, die Nachforschungen nach der vermißten Nordenskiöldschen Südpolarexpedition, die in den antarktischen Gebieten im Süden vom Feuerland weilt, nach einem einheitlichen Plan zu betreiben. Einen originellen Brunnen haben sich die Altenburger aufstellen lassen. Weder Neptun mit dem Dreizack noch ein Delphin oder sonstiges Wassergethier verleiht diesem Brunnen sein eigenartiges Gepräge. Vielmehr ist es das edle Skatfpiel, dem dieses Denkmal geweiht ist. Das Spiel mit den vier Wenzeln ist bekanntlich in Altenburg erfunden worden und chat von dort aus seinen Ciegeszug durch die ganze Welt angetreten. Darum ist es nur recht und billig, daß der Brunnen, den sich die Residenz Altenbürg errichtet, kein Muschel-, Ncp-tuns-oder Nixenbrunnen, sondern ein Skatbrunnen geworden ist. Der Brunnen ist eine private Stiftung. Bei der Preisconcurrenz erhielt Professor Ernst Pfeifer in München für sein originelles und humorvolles Modell den ersten Preis und den Auftrag zur Ausführung. Die vier streitenden Wenzel, die den Brunnen .krönen, und das Glücksschwein als Wasserspeier sind aus Bronze. Wie aus Madrid gemeldet wird, mußte unlängst die Universität zu Valladolid geschlossen werden, da zwischen Hörern und Dozenten geradezu unerhörte Zwistigkeitcn entstanden waren. Eine Anzahl Studenten beschwerte sich darüber, daß die Professoren bei den Prüfungen allzu scharf vorgingen. Während einer Untersuchung über diesen Punkt erhielt einer der Studierenden, der Sohn des Marquis Monteaguda, von dem Professor Michelena einen so wuchtigen Stockhieb gegen den Kopf, daß der junge Mann blutend in ein Krankenhaus gebracht werden mußte. Jetzt waren die Studenten nicht mehr zu halten; sie zogen vor die Wohnungen der verhaßten Professoren und des Vicerectors und eröffneten ein Steinbombardement auf die Häuser. Die Erbitterung wurde noch größer, als der Vicerector einen Schrotschuß auf die Angreiser abfeuerte und einige Studenten verwundete. Schließlich wurde, wie oben schon erwähnt, die Universität geschlossen. Ein Londoner Polizeibericht verzeichnet das traurige Ende zweier gebürtiger Deutscher: Der eine, Namens Franz Tiefenbrecher, hatte in Indien ein Vermögen erworben und wieder verloren und lebte nun in Artesian Road kümmerlich von 5 Schillingen, die ihm eine alte Dame allwöchentlich schickte. Er hatte reiche Verwandte in Hamburg, verschmähte es aber, sich an diese um Hülfe zu wn den. Als der 60jährige Mann kürzlich mit der Miethe für seine Dachkam-
mer drei Wochen im Rückstände blieb, wurde er exmittirt und von der Polizei ins Arbeitshaus verwiesen wo der Arzt eine lebensgefährliche Entkräftung constatirte; binnen 24 Stunden war Tiefenbrecher todt. Der andere Unglückliche, ein Schneider Namens Alexander Schwarz, war vor zwei Jahren, 23 Jahre alt, nach London gekommen und wurde hier, wie der Vorsitzende der Leichenschaucommission bemerkte, ein Opfer der continentalen Illusion, daß der Broterwerb in London leichter sei als jenseits des Canais". In beiden Fällen ist amtlich Hungertod festgestellt worden. I m Zoologischen Garten zu Halle brach vor Kurzem eine große Panik aus. Der siebenjährige Elephant, der als Reiithier benutzt wurde und drei Kinder im Sattel trug, wurde plötzlich scheu. Mit einem Ruck schleuderte er die Kinder ab, durchbrach die Absperrung, und dann trottete der Koloß, der noch ziemlich gutmüthig war, durch die Menge, eine Anzahl Personen beiseite stoßend und Tische, Stühle und Tassen zertrümmernd. Die von ihm beiseite gestoßenen Wärter fingen ihn an der Eingangstreppe wieder ein und versuchten, ihn in seinen Zwinger zu schaffen. Durch das Hülferufen der bestürzt nach allen Seiten auseinander stiebenden Menschenmenge wurde der Elephant noch mehr erregt und lief nun, eine Frau und einen Kinderwagen mit einem Säugling sowie eine Laterne umstoßend, in die mit Geflüchteten gefüllte Veranda. Dort trat er Tische und Stühle entzwei und drückte, sich in einer Ecke drehend, eine Anzahl Personen empfindlich gegen dieWand, wobei mehrere stark gequetscht wurden. Es dauerte längere Zeit, bis man den störrischen Gesellen soweit gebändigt hatte, daß er abgeführt werden konnte. Mehrere Kinder und vier Erwachsene waren ziemlich erheblich zu Schaden gekommen und mußten verbunden 'verden. Zahlreiche Personen wurden ohnmächtig.
