Indiana Tribüne, Volume 27, Number 56, Indianapolis, Marion County, 27 October 1903 — Page 6
Jttdifl, Tribünc, 27. Oktober 1903.
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Europäische Nachrichten. Frovittz Gflpreugen. Königsberg. Zum zweiten Brandmeister der städtischen Feuerwehr ist Herr von Fricken - Berlin gewählt worden, der schon längere Zeit bei der Berliner Wehr thätig gewesen
ist. Goldap. Der Rittergutsbesitzer Adler auf Samonienen hat sich erschössen. 6r war 60 Jahre alt und nervenleidend, hatte auch zur Herstellung seiner Gesundheit längere Zeit in einer Nervenanstalt zigebracht. L ö tz e n. In der Nacht wurde von rohen Burschen der evangelische und der jüdische Friedhof in bestialischer Weise geschändet. Die Unholde hatten es namentlich auf die Kreuze, Gitter und Denkmäler abgesehen, welche sie theils vollständig zertrümmerten, theils abbrachen oder aus dem Erdboden heraushoben. Mareyten. Hier brach ein Feuer aus, welches drei Wohnhäuser, 14 Wirthschaftsgebäude und sämmtliche Getreidevorräthe vernichtete. Mehlsack. In Packhausen ist das alte Jnsthaus der Besitzerin Thiedemann. das jetzt als Viehstall diente, vom jüngsten Sturm zerstört worden. Neidenburg. Der Besitzer Vorowski in Kl. Koslau, dessen Grundstück unter Zwangsverwaltung stand, ist unter dem Verdacht der vorsätzlichen Brandstiftung verhaftet worden. O st e r o d e. Die Idiahrige BahnWärtertochter Berthz Boblander stieg in Biessellen in den Zug ein. Jedenfalls hatte sie sich an die nicht festgeschlössen Wagenthur gelehnt. Das Kind stürzte hinaus und starb auf dem Weg nach dem Krankenhaus. Pr. - Stargar d. Der Mühlenbesitze? F. Wiechert jun. zu Pr.-Star-gard hat sein im Kreise Osterode gelegenes 1600 Morgen großes Gut Hornsberg für den Kaufpreis von 63.000 Mark an den Rentier Wiesemann aus Muhlhausen verkauft. S ch i l l e h n e n. Einen gräßlichen Tod fand die Frau des Besitzers Herrn Wiemer. Die noch junge Frau wurde auf dem Felde von Krämpfen befallen und stürzte in einen mit Wasser gefüllten Graben, in dem die Bedauernswerthe einige Stunden später als Leiche vorgefunden wurde. Provinz Westpreuyen. D an zig. In den Anlazen auf dem Hevelius - Platz wurde der Arbeiter Hermann Buchhardt, in der rauengasse wohnhaft, erhangt aufgefunden. C h r r st b u r g. Es entstand auf unaufgeklärte Weise in der Scheune des Besitzers Rapelius in Tiefensce Feuer, welches auch Stall und WohnHaus ergriff und einäscherte. E l b i n g. Strafrechtlich verfolgt wird der frühere hiesige Theaterdirektor Steinert. Er soll den Theaterdirektor Fischer in Leipzig um 9000 Mark, den Theaterdirektor Soendermann um 5000 Mark benachtheiligt haben. Konitz. Die Deutsche Ansiedelungsbank hat die Rittergüter Grochowo, Kreis Tuchel. und Götzendorf, Kreis Konitz, für 580.000 Mark käuf. lich erworben. M a r i e n b u r g. Prof. Kirschsiein. der sich zu seiner Genesuna in Kossi bei Carthaus aufhielt, ist plötzlich gestorben. Es brannte eine Instkate des Hofbesitzers Herrn Enß in Kaminke vollständig nieder. Riesenburg. Entsprungen ist aus dem hiesigen Gerichtsgefängniß der Untersuchungsgeflngcne Wilbelm Reschke, welcher wegen mehrerer Diebstähle seit etwa fünf Wochen daselbst internirt war. Thorn. Auf dem Hauptbahnhofe ist der Arbeiter Rittersdors ausStcwken von einer Lokomotive überfahren und gelödtet worden. Frovinz Fomrnern. Stettin. Der General - Superintendent von Pommern, Herr D. Pötter, gedenkt am 1. Januar seinen Abschied zu nehmen. Auf ein 25jähriges Bestehen kann das jetzt in der Mönchenstraße befindliche Tapisseriegcschäft von Gustav Klein zurückblicken. Das Bankhaus von Ludewig & Dürr Hierselbst, Reifschlägerstraßc 19. hat seine Zahlungen eingestellt. Belgrad. Bahnmeister a. D. Friedrich Wessel erhielt den Kronenorden vierter Klasse. Eschenriege. Eine FrauSchön war mit einem Fuhrwerk nach der Stadt gefahren. Auf der Chaussee ging das Pferd durch und FrauSchön wurde vom Wagen geschleudert und überfahren. Sie verstarb binnen kurzer Zeit infolge der erhaltenen Berletzungen. G r a b o w. Hier feierten die Ehmke'schen Eheleute das Fest der goldenen Hochzeit und wurde denselben ein kaiserliches Gnadengeschenk überwiesen. G r e i f s w a l d. Zum akademischen Oberförster der Universität Greifswald an Stelle des in den Ruhestand tretenden akadem. Forstmeisters Wagner ist der Königliche Oberförster Tuebben in Zielenzig ernannt worden. Kolberg. Musketier Slyperski der 8. Compagnie des Jnfanterie-Re-giments No. 54 wurde von einem Kameraden derselben Compagnie infolge eines Unglücksfalls im Compagnie - Revier durch einen Gewehrschuß getödtet. Ob ein Verschulden vor-
liegt, wird die gerichtliche Untersuchung ergeben. Lauenburg. Schuhmachermeisier Aug. Trettin feierte sein 50jähriges Meisterjubiläum. Obermeister Adolf Trettin überreichte dem Jubilar ein Ehrengeschenk von 36 Mark. Rapp übergab im Auftrage der HandWerkskammer dem Jubilar den Ehrenmeisterbrief und ein weiteres Ehrengeschenk von 50 Mark. S ch e l l i n. Der bei einem Bauern hier in Dienst stehende Knecht Haß. Sohn des Hofmeisters Haß, gerieth auf einer Geburtstagsfeier mit dem 24jährigen Tagelöhner Wolff in Streit, in dessen Verlauf Haß den Wolff mit einem scharfen Schlachtmesser niederstach. Wolff war unverheirathet und wohnte bei seinen Eltern. Haß ist verhaftet. Stralsund. Zimmerer Pohlmann, der bei der Firma Voß & Schütz in Arbeit steht, befand sich mit mehreren anderen Arbeitern auf einem mit Bauholz beladenen Prahm, der durch einen Dampfer geschleppt wurde. Hierbei ist Pohlmann durch eine
starke Bewegung des Schiffe? im Greifswalder Bodden über Bord geschaudert und hat seinen Tod in den Wellen gefunden. Vrooinz Schleorvig-Kolstein. Schleswig. Das Lehrerinnen heim des schleswig - holsteinischen Vereins Feierabendhaus wurde eingeweiht. Es verstarb hier der Geheime Regierungsrath Rudolph Gaye. Der Verstorbene nahm noch wenige Stunden vor seinem Ende an einer WhistPartie theil. Altona. Der in Ottensen wohnende verh:irathete Weichensteller Matzen wurde, als er das Geleise überschritt, von einem Rangirzuae erfaßt. Der Unglückliche, welchem beide Beine abgefahren wurden, ist gestorben. Frovinz Schlesten.. B r e s l a u. Ernannt wurde der Regierungsbaumeister Roy in Breslau zum Kgl. Wasserbauinspektor. Versetzt der Wasserbauinspektor Baurath Heuner von Northeim nach Breslau in die Stelle eines Wasserbauinspektors und technischen Mitgliedes bei der Oderstrombauverwaltung. E u.l a u. Durch einen Defekt am Schornstein entstand auf dem Besitzthum des Bäckermeisters Schmiechen ein größeres Schadenfeuer, durch das das obere Stockwerk des Backhauses eingeäschert wurde. G l o g a u. Ihren Brandwunden erlegen ist die in das hiesige KrankenHaus eingelieferte Kncchtsfrau Dorn vom Dominium Tauer, die sich Brandwunden dadurch zugezogen hatte, daß sie beim Feueranmachen Petroleum verwendete. Groß-Wartenberg Es brach in einem Schuppen auf der Besitzung des Rittergutspächters Bcck in Mechau Feuer aus, das den Schuppen und ein Familienhaus, bewohnt von vier Familien, einäscherte. Liegnitz. Der Arbeiter Eckert, welcher H Georaenstrae 10 woknte. versuchte in einem Anfall von Irrsinn seine Frau zu erschlagen. Die Frau konnte, obgleich sie eine Verwundung erlitt, noch entfliehen, und Eckert nahm sich darauf das Leben, indem er sich den Hals durchschnitt. Qhlau. Das Dörfchen KleinThiergarten bei Ohlau ist von einem schweren Vrandunglück heimgesucht worden. Zur Nachtzeit brach Feuer aus, wodurch in wenigen Stunden ein Wohnhaus, ein Stallgebäude und zwei Scheunen in Asche gelegtwurden. R o s e n b e r g. Durch fahrlässige Brandstiftung eines noch nicht 20jährigen Burschen wurde in Köniaswille hiesigen Kreises die Besitzung des' Stellenbesitzers Malllske eingeäschert. Schreiberhau. In der ehrwürdigen Pfarrkirche zu Bernsdorf stand vor dem Altar ein Brautpaar, welches mit zusammen 153 Jahren wohl den höchsten Altersrekord unter Neuvermählten erreicht haben dürfte. Der Bräutigam, der zu Bernsdorf wohnhafte Häusler Franz Breuer, zählt vier Urenkel, deren ältester 12 Jahre alt ist. An der Seite dieses würdigen, 85 Jahre alten Vaters, Großvaters und Urgroßvaters stand als Braut die 67 Jahre alte Wittwe Pauline Gaherte. 2roin3 'Assen. Posen. Das Haus Schillersiraße No. 13, bisher dem Rentier Kropaczewski in Posen gehörig, hat Frau Dr. Kugler für 35.000 Mark gekauft. B e n t s ch e n. Hier fand unter großer Betheiligung der Bevölkerung selbst der entferntesten Umgegend die Beerdigung des im Alter von 68 Iahren verstorbenen Probstes Sobeski statt. Vromberg. Rektor Miehle, einer der ältesten der. Bromberger Lehrer, ist im Alter von 71 Jahren gekorben. Scyokken. Der Kreisassistentarzt Dr. Zelle aus Schokken ist zum Kreisarzt ernannt und mit der Verwaltung des Kreisarztbezirks Kreis Lüben beauftragt worden. Schwerin. Hier starb nach länqerem schweren Leiden der Rektor und' Ortsschulinspektor Dr. Phil. G. Schmeißer im 55. Lebensjahre. W i t k o w o. Der Amtsrichter Müller aus Znin ist an das hiesige Amtsgericht versetzt worden. W r e s ch e n. Nach 37jähriger Amtsthätigkeit tritt der hiesige OberWachtmeister Eichler am 1. November d. I. in den Ruhestand.
Tie Walzrhcit uder den Congo. Der Generalaouverneur des Conao-
freistaates, Baron Wahis, unterwirft im zweiten Hefte der Zeitschrift La veriie sur la Conao- die Angriffe iSaa lands auf den Congofreistaat einerKrittl. )ie chwrigkeiten. die dem in Afrika unternommenen Werke der Civilisation entaeoenstanden. sieben im entgegengesetzten Verhältnisse zu d:r rerzeltlgen Lage am Congo. Um Unterconao. in der Näbe des Meeres bestand eineOrtschaft. die schon damals Äedeutunq hatte. Boma. B:vor noch die erste Erpedition destaa tes m Boma ans Land stieg, gab es, wie Baron Wahis ausführt, an diesem Punkt Handelshäuser. Sie hatten seit Langem aus demVerkauf vonSklaven ihren Nutzen gezogen; spater beschränkten sie sich darauf, ihren aronen Vcrtheil im Verkauf von Alkobol zu sinden und nach und nach imVerkauf dir Bodenprodukte. Die Kaufleute hatten mehr oder minder gedeihlich': Geschäfte, je nach dem Grade ihrer Gewalt und Verwegenheit. Sie unternahmen Expeditionen ins innere und brannt-n häufig die Dörfer der Eingeborenen nieder, die ihnen mmt 'zu bestimmten Zeiten die Ernten an Palmnüssen und anderen Produkten brock'ten. br Arböltspersonal bestand aus Sklaven, denen sie die schwersten Qualen aufkrleglen, wenn sie sich nur im Geringsten gegen ihre Befehl vergingen. Dicse Züchtigungen kannten keine Grenze. Man erzählt, und die Thatsache ist nicht anzuzweifeln, daß man zu jener Zeit in den Gewässern von Boma 30 Leichen von Schwarzen fand, die an eine und dieselbe Kette angebunden waren. Die Kette trug den Namen Olivares", aber man bebauvtete obne Zweifel mit Recht, daß nicht Olivares der Morder war. sondern daß diesem die Kette gestohlen wurde. Man nennt den Namen des wirklichen Schuldigen dieses schrecklichen Verbrechens, das infolge einer unter dem Personal einer Faktorei ausaebrochenen Meuterei verübt wurde. So war das Regime beIchassen, dem die Eingeborenen, man kann saaen ..unter den Auaen Europas", unterworfen waren, da Boma den Knegsschissen leicht zuganglich war. Weiter oben, in dem heutigen Di strikte Katarakte, waren die.Eingebo'renen theilweise dem Neger'könig von San Salvador untergeben. Oberhalb des Stanley-Pool bis 'zu den Stanleyfällen herrschte vollständige Wildheit und insbesondere Kannibalismus mit all seinen Schrecken. Die volksreichen Regionen am Aequator, besonders das Gebiet von Lopari und Maringo, lieferten beständig Sklavenzuge nach Ubanghi, wo man sie ver kaufte, um sie niederzuschlagen wie das Vieh. Oberhalb der Stanleyfalle be fand sich die arabische Herrschaft, die Region der Sklavenhalter. Wir enn nern uns Alle der Schrecken, die der Kardinal Lavigerie so gut beschrieben hat. Hat man es nöthig, den Wechsel zu beschreiben, der sich auf diesem immensen Raume, der sich vom Atlantischen Ocean bis zum Tanganyua - See er streckt, vollzogen hat? Alle Diejenigen. welche das Gebiet durchmessen haben, sind überrascht von der Ruhe, in welcher die durch Stationen direkt beschützten Völkerschaften leben. Wenn der Kannibalismus aus Gegenden zwlschen dem Stanley - Pool und den Stanley - Fällen nicht verschwunden ist, so sieht man doch jedenfalls nicht mehr jene Transporte von Sklaven. die dazu bestimmt waren, aufgefressen zu werden. Die von der Regierung getroffenen Maßregeln haben diesen traurigen Handel gänzlich abgeschafft. Der Kannibalismus besteht noch, aber nur in weit den Stationen entfernten Gegenden. Baron Wahis wendet sich sodann gegen die Anklagen in Bezug auf Handelsfreiheü, Monopole und Privilegien. welche der Congo - Staat nie verletzt hat. In den letzten Tagen wurde gemeldet, der König Leopold habe den Kaiser Franz Josef bitten wollen, da Schiedsrichteramt in der Congofrage zu übernehmen, und die Reise nach Wien sei nur deshalb unterblieben, weil der Kaiser Franz Josef von vornherein ablehnte. Diese Meldung ist einfach erfunden. Die Intervention eines Schiedsgerichtes ist überhaupt nicht in den Bereich der Möglichkeit gerückt. Der Congostaat will bekanntlich nur dann in ein' Schiedsgericht einwilligen, wenn dieses gleichzeitig auch die Zustände in anderen europäischen Kolonien im vertragsmäßigen Congobecken zu prüfen beauftragt wäre. Da dies jedoch die anderen Mächte ebenso wie der Congostaat als einen Eingriff in ihre innere Verwaltung nicht dulden würden, konnte auch der König Leopold nie die oben erwähnte Absicht ge habt haben. Was das Haaaer Schiedsgericht be trifft, so kann es in diesem Falle schon deshalb nicht interveniren. weil es sich nicht um eine Intervention in einer zwischen zwei Ländern schwebenden Streitfrage handelt. Die Föderation pour la Defense des Jnterets Belges et l'etrangere" tritt mit dem vollen Gewicht historischer Beweise der Anschauung entgegen, daß der Congostaat seine Existenz der Berlincr Conferenz verdankt, und daß infolge dessen eine neue Conferenz ihn beseitigen, oder doch mindestens seine Organisation abändern könnte...
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Ausland .k???..' 4 4 . . . . . . Akademiker a l s Tagl ö h n e r. In Wien war vor Kur5em ein Doktor der Medicin gezwungen. um sich und seine Familie vor dem Hunger schützen zu können, einen untergeordneten Posten in einer Brettsäg? anzuncSien. Ergreifender läßt sich daö heute im Aerztesiand grajsirende Ele:id wohl nicht schildern. Pfarrer und Postcxpcd i t o r. Da diePostagentur in Zell bei Eggenfeldcn, Bayern, vom bisyerigen Inhaber, dem dortigen Lehrer, niedergelegt wurde und sich im ganzen Orte keine geeignete Persönlichkeit für diesen Posten fand, ließ sich vorläufig der dortige Pfarrer und Distriktsschulinspektor Prer herbei, die Stelle eines Posterpeditors zu übernehmen, da sonst die Agentur dem Eingang unterstellt worden wäre. Dauerritt eines Universitätsprofessors. Einen Spazierritt von Berlin durch die Mark und goldene Aue über das Eichsfeld und den Kauffungcr Wald nach Kassel zur Naturforscherversammlung hat der Berliner Universttätsprcfessor Dr. Oskar Lassar dieser Tage ausgeführt. Die Reise dauerte einschließlich alle? Nachtu::d Futterpausen 120 Stunden. Roß und Reiter kamen in bester Kondition" an: Ziel an. Professor Lassar ist in Berlin bekannt als schneidiger Rosselenker. Von der Erde verschlung e n. Ein merkwürdiger Unfall ereignete sich jüngst bei Schloß Nessau in der Nähe von Thorn, Westpreßen, auf dem Grundstück des Besitzers Krüger. Als dessen Sohn ein Stück Ackerland neben dem alten Weichseldeich pflügt-, senkte sich plötzlich der Erdboden und beide Pferde, Pflug und Rosselenker stürzten in einen Abgrund von etwa 35 Fuß Tiefe. Krüger vermochte sich mit großer Anstrengung aus den Erd massen herauszuarbeiten, die Pferde wurden vollständig verschüttet und erstickten. Rigorose InschriftenVerordnung. Im Straßburger alten Schlosse befindet sich zur Zeit eine Ausstellung von Waffen, Unisornen und dergleichen. Unter Anderem sind Abbildungen sämmtlicher franzöfischen Truppcntheile. welche vor 1870 in Straßburg in Garnison lagen, ausgestellt. Unter jedem Truppentheil war die Regimentsnummer und Wasfengattung in französischer Sprache angezeigt. Diese französische Inschrift mußte auf behördliche Anordnung entfernt werden. So geschehen im 32. Jahre nach der Annexion! Verwegener Raubversuch. Die Personenpost von Eisfeld nach Neuhaus in Thüringen wurde neulich Nachts hinter Bernhards thal im Walde von drei Mannern ubersallen. Zwei oon den Wegelagerern fielen den Pferden in die Zügel und versuchten, dieselben zum Stehen zu bringen. Der dritte Kerl sprang auf den Bock, packte den Postillon am Mantel und wollte ihn herunterziehen. Letzterer wehrte sich aber i.".i: der Peitsche, so daß der Räuber ron ihm ablasen mußte und das W:i!e st:chte. Nun hieb dcr Kutscher auch aus die Pferde ein und fuhr im scharfen 55rabe weiter, so daß die beiden anderen fferle nicht folgen konnten. Getäuschtes Vertrau.? n. Fortgesetzte Tiebstähle bei einem Verliner Villenbesitzer in Neubabelsberg, Provinz Brandenburg, gaben unlängst Veranlassung zur Anzeige bei der Polizei. Aus der Villa verschwanden nach und nach silbernes Tischgeräth, goldene Schmucksachen, Wäsche, Stickereien et(., so daß anzunehmen war, daß nur ein Hausdieb dcr Thäter sein konnte. Der Gendarm Maack aus Klein-Glienicke ermittelte denn autt bald, daß die jugendliche Erzieherin der Kinder des Villenüesitzers. der man die Unredlichkeit am allerwenigsten zutraute, die Diebin war. Bei eine? Durchsuchung ihrer Garderobe stellte es sich heraus, daß sie unter Anderem ein: äußerst werthvolle Tischdecke in einen Unterrock eingenäht hatte. Die Diebin wurde verhaftet und nach dem Potsdamer Gerichtsgefängniß gebracht. Waüeres Mädchen. Kurz vor dem Ausbruch eines großen Brandes in Christiania, Norwegen, hatte neulich ein 19jähriges junges Mädchen. Agathe Andresen, die als Führerin d:s Personenaufzuges in dem betreffenden Hause angestellt war, eine Dame in das zweite Stockwerk hinaufbcförder:. Gleich darauf hörte sie von den obersten Etagen Hilferufe und sah auch schon von unten den Flammenschein. Ohne die Geistesgegenwart zu verlieren, fuhr das junge Mädchen so schnell sie vermochte in das oberste Stockwerk, wo die Frau und Kinder des dort wohnenden Photographen Björklund nebst anderen Personen, von Flammen umgeben, vor dem Elevatoreingang standen und nach Rettung riefen. Das Feuer hatte so beispiellos schnell um sich gegriffen, daß in wenigen Minuten das ganze Gebäude mit seinen weiten durckzeinandcrgehenden Räumen in Flammen stand. Als Frl. Andresen mit dem Aufzug wieder hinabging, schlugen denn auch schon aus den mittleren Stockwerken die Flammen von unten ihr entgegen, doch gelang es ihr trotz-d.-m. mit den geretteten Personen unbeschädiat nacn unten m gelanaen.
Tie NatttrallsatiottS Schwinde leicn in t. LoniS.
Zu allen den anderen Enthüllungen über maßlose Corruption in St. LouiS und Missouri kommen nun die von der Grandjury des Bundesgerichts in St. Louis übcr die in unserer Ueberschrist genannten Schwindeleien . Eine Hauptanklage richtet sich gegen Morrow, den Stcnoaraphen und Vertrauenssekretär des Gouverneurs. Nach den der Grandjury vorgelegten Bcweisen war er eifrig dabei betheilizt. Neueingewanderten auf betrügerische Weise zum Vürgerthum zu verhelfen, unter der Bedinguna. das; sie sur den gesammten demokratischen Wahlzettel stimmten. Morrow, der seit zehn Iahren seinen Vertrauensposten im Gouverneursamt einnimmt, ist einer dcr bekanntesten demokratischen Politiker Missouri's. Zwei Männer, welche solcher Naturalisationsbetrügereien schon früher überführt wurden, stnd im Zuckthaus. Denn da sie vom Bundesgericht verurtheilt wurden, konnte ihnen das Oberstaatsgericht, der Beschützer der von Staatsgerichten verurtheilten Budler, nicht helfen. Die Untersuchung derBundes-Groß-geschworenen über diese Naturalisa-tions-Schwindeleien ist noch lange nicht abgeschlossen. Auch die St. Louiser Polizei war stark an diesem Schwindel betheiligt, und ein Polizeicapitän ist deshalb jetzt von der Grand Jury in Anklagestand versetzt. Auch ein Sheriffsbeamter ist unter den Angeklagten. An anderen Orten sollen Bundesagenten jetzt gleichfalls großen Schwindeleien dieser Art auf der Spur sein. Es heißt darüber: Unwissenden Leuten unter den neuen Einwanderern sei, meist von Privatgaunern, vorgeschwindelt worden, daß sie. wenn sie diesen Versuchern ein gewisses Sümmchen bezahlen, einen Naturalisationsschein bekommen würden, der ihnen über alle Schwierigkeiten in diesem Lande hinaushelfeund so geschickt sei der Betrug veranstaltet worden, daß die getäuschten Richter in gutem Glauben die Bürgerscheine ausgestellt hätten. Offenbar sind diese Gerüchte sehr übertrieben, indem ein Sensationsbericht von Ohio die unsinnige Behauptung aufstellt, es seien in icnem Staate 250.000 falsche Naturalisationen erfolgt. Aber der Schwindel in St. Louis ist durch sorgfältige Untersuchung festgestellt. Und noch jetzt kommt dort von Seiten der Grand Jurv Anklage auf Anklage. ('in neuer (Scuerslissimus. Ein sonderbarer Mensch lenkte i.'i Paris die Aufmerksamkeit der Menge auf sich. Man begleitete ihn überall hin. und er ging schließlich zu einem Photographen. Seine Uniform war glänzend und eigenartig. Sie erinnerte in einigen Stücken an eine phantastisch: Husarenuniform, aber sie gehörte leinem der bestehenden Regimenter an. Der rothe Mantel, der den Krieger gar prächtig schmückte, hätte selbst einem Nero Ehre gemacht; der graue Hut mit der leicht nach oben gestülpten Krempe war mit weißen Federn verziert und machte einen echt transvaalischen" Eindruck, und der krumme Säbel, der direkt aus dem Premier Empire" ererbt zu sein schien, versprach wunderbare Kriegsthaten. Wer war der geheimnißvolle Kriegsmann? Auf die Fragen eines neugierigen Journalisten antwortete der gebräunte, junge stattliche Held: Ich bin Laberdesque. Generalissimus der Truppen Sr.Majestät des Kaisers der Sahara!" Seine Brust war unter dem Purpurmantel mit dem Bande des Weißen Pelikan-Ordens geschmückt. Als Generalissimus und Ordensmeister ging Herr Laberdesque zum Photographen, um sich für die Nachwelt verewigen" zu lassen. Später brachte der neue Minister Sr. Maj. Jacques I. persönlich den Zeitungsredaktionen zwei Exemplare seiner neuen Photographie. Sie übertrafen selbst die kühnsten Erwartungen und die Geste, mit der Herr Laberdesque, der eine Karte von Afrika vor sich liegen hatte, auf das noch zu erobcrnde Land hinweist, ist ganz einfach die eines Weltbezwingers. Schwerer AutomobilUnfall. In der Nähe von Battaglia in Italien stürzte neulich ein Automobil. auf welchem sich Graf Carlo Viskonti aus Cremona. drei Gäste desselben und ein Chauffeur befanden, in dem Momente, als es einem Wagen ausweichen wollte, über die 16 Fuß hohe Straßenböschung. Alle mit Ausnähme des Grafen wurden schwer verletzt. Der Chauffeur wurde in bewußtlosem Zustande in's Spital gebracht. MilzverNandnisz. Jürgen Jmmerklaas aus Piepenkrug kommt in die Stadt. Er hat ApPetit auf ein Glas Bier und geht in ein vornehmes Restaurant. Gleichgiltig fragt ihn der bedienende Kellner: Pilsner. Kulmbacher, Grätzer?" Nee." schmunzelt Jürgen Immerklaas, rathen könn' Ji ich. Ick bin ut Piepenkrog! Frl. Marie Brie, eine Tochter des Breslauer Rechtslehrers Geh. Justizraths Dr. Brie, wurde an der Heidelberger Universität aus Grund einer Dissertation über Savonarola in dcr deutschen Literatur " mit dem Prädikat cum laude" zum Doctor der Philosovbie vromovirt.
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