Indiana Tribüne, Volume 27, Number 56, Indianapolis, Marion County, 27 October 1903 — Page 3
Jndiana Tribüne, 27. Oktober 1903.
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Gefahr
Eines Krieges für den Augenblick glücklich gehoben. Ein Abkommen zwischen V!us;land und Japan nahe am Abschluß. Uneinigkeit deS europ. r nzerts" in der Orient-Frage. Teutschland und Italien gegen den Neformplan. Sensations'Proceb gegen eine polnische Gräsin. Stephan Jisza mit Cabinetsbildung betraut. Betheiligung des Vatican an der Weltausstellung. Ost-'Asien. Einvernehmen erzielt. London, 27. Okt. Wie der Berliner Correspondent des Standard" meldet, lauten amtliche Nachrichten aus Tokio und Petersburg dahin. daß der Entwurf eines russisch-japani schen Vertrags vom Zaren und dem auswärtigen Minister Lamsdorff genehmigt worden ist. Zur Erledigung aller Schwiengkeiten auf dem Wege eines annehmbaren Compromisses bedarf es nur noch leichter Aenderungen. Katsura über die Lage. Tokio, Japan, 26. Okt. Der russische Gesandte v. Rosen und der auswärtige Minister Komura setzten ihre Conferenz heute fort. -Auch das japanische Cabinet war in Berathung. Minister . Präsident Katsura sprach heute in einem Interview sein tiefes Bedauern über die in Europa circulirendcn SensationsNachrichten au, die unbegründet seien. Die japanische Regierung lasse sich bei den Verhandlungen streng im Geiste der englisch-japanischen Allianz leiten, deren Ziele die Nahrung des Friedens und des Status quo seien. Da man bei Rußland die gleiche friedliche Gesinnung voraussetzen müsse, so könne er nicht einsehen, warum die VerHandlungen nicht zu einem gegenseitig be friedigenden Einverständniß führen könnte. F riede nS'Zeichen. L o n d o n, 26. Okt. ' Im Zusam menhang mit der Kriegs-Gefahr'Ver-sicherung an Kohlen aus Wales nach Port Arthur für Rußland, ging heuie aus Petersburg eine Depesche ein, nach welcher eine längere Versicherung gegen Kriegsgefahr nicht nöthig sei. Es wild das als günstige Vorbedeutung für den Ausgang der Verhandlungen zwischen Rußland und Japan betrachtet. Y o k o h a m a, 26. Okt. Es wird gemeldet, daß das Resultat der Con ferenz von Staatsmännern am Sams tag zu Tokio in dem Beschlusse bestand, Rußland zu einem entgiltigen Abschlüsse der Verhandlungen zu drängen. Die koreanische Regierung hat gegen die Befestigung Vongampho's durch die Russen protestirt. Teutschland. Das untergeschobene Grasen'Kind. Berlin. 26. Okt. Der Prozeß gegen die Gräsin Jfabella Wescerska Kwiteki, einer reichen polnischen Familie angehörend, begann heute. Sie ist der fälschlichen Aussage beschuldigt, vor 6 Jahren einen Sohn geboren zu haben, den sie dann als Erben einer Be sitzung in Wroblena mit 10,000 Ackern und einem Jahres(5inkommen von S15.000 austreten ließ. Als Mit. schuldig:? ist Graf Kwiteki angeklagt Die Gräsin wurde am 22. Januar, der Graf am 5. Aug. verhaftet. Eine Hebamme und Dienerinnen be fanden sich gleichfalls alS Mitschuldige auf der Anklagebank. Der Morgenzug aus Posen brachte etwa 250 Zeugen, meist polnische Bauern, mit ihren ver schiedenenTrachten u. theilweift schreien den Kindern auf dem Arme ein seltsa mes Bild im Gerichtssaal. Die Gräfin wird von einigen der be kanntesten polnischen Anwälte verthei digt. Da das Ehepaar in der Berliner Gesellschaft wohl bekannt ist, erregt der Prozeß außerordentliches Interesse. Im Jahre 1346 geboren, heirathete die Gräfin den Grafen 1864 und schenkte ihm 3 Kinder, das letzte 1879. Dann soll nach Behauptung des Ehepaares noch der Sohn gekommen sein, der den Anlaß des gegenwärtigen Prozesse? bildet, angeblich am 27. Jan. 1897 geboren.
Die Staatsanwaltschaft behauptet, der Sohn sei da? Kind eines BauernMädchens in Parcza. Oester.'Schlesten. die als Zeugin geladen ist und Anspruch auf das Kind erbebt. Die heutige Sitzung ward völlig mit Vernehmung der Gräfin ausgefüllt, einer aristokratischen Erscheinung, die Lorgnette in der rechten Hand und mit der Linken aufgeregt bei der BeantWartung der an sie gerichteten Fragen gestikulirend. Sie leugnete jede Schuld, wurde aber häufig von dem verhörenden Richter in die Enge getrieben. Mancherlei verdächtige Umstände vermochte sie nicht aufzuklären, besonders den, warum sie bei ihrer angeblichen Entbindung, zu der sie nach Berlin kam, keinen Arzt aussuchte, sondern eine unbekannte Hebamme nahm. Außerdem wurde heute bekannt, daß sie den Empfang des Familien-Arztes, der zu ihrer Behandlung nach Berlin gesandt war, abgelehnt hatte. Der Proceß wird, wie man ver nimmt, sich lange hinziehen. Graf Misjislaw Kwilecki. ein Mit glied des preußischen Herrenhauses, und sein Sohn Graf Hector, Reichstagsabgeordneter, bestritten als nächste Verwandte die Legitimität des Sohnes der Gräfin vor zwei Jahren; sie wurde aber freigesprochen und wohnte weiter auf dem Lande, die Winter verbrachte sie in der Berliner Gesellschaft. Die Staatsanwaltschaft setzte aber die Nachforschungen fort, die zur Wiederverhaftung der Gräsin führten. Sie soll Damen von hoher Stellung als Mithelferinnen haben. Zar und Kaiser. Berlin, 26. Okt. Kaiser WilHelm trifft mit dem Zaren am 4. Nov. zusammen. An den Festlichkeiten zu Ehren des Zaren-Paars nehmen die
Kaiserin, sowie Prinz und Prinzessin Heinrich von Preußen theil. Unter dem Programm befindet sich eine GalaVorstellung im Opernhaus. Oesterreich'Ungarn. Die Cabinets Krise. .Budapest, 26. Oktbr. Kaiser Franz Josef hat den Grafen Stephan Tisza mit dem Versuche vertraut, ein neues Eabinet zu bilden. Graf Tisza ist ein Sohn des früheren Minister-Präsidenten Eoloman Tisza und dem Kaiser, dessen Ansichten er theilt, völlig ergeben. Ein Vetter Schwab's. Wien, 26. Okt. Ein Mann Namens Wm. Schwab, der kürzlich in einem hiesigen Theater unter dem Namen Salisad auftrat und dann ver schwand, wurde soeben im Elend vorgefunden. Aus seinen Papieren scheint hervor zugehen, daß er ein Vetter des früheren Stahltrust-Präsidenten Schwab ist. Er hat seine Absicht angekündigt nach Amerika zu reisen und seine Ver wandten um Hülse zu bitten. Italien. Der Vatikan und die Welt-Ausstellung. Rom. 26. Okt. Die Betheiligung des Heiligen Stuhls an der St. Louiser Ausstellung ist dem Abschlüsse nahe. Die von dem Rektor der katholischen Universität in Washington, O'Eonnell, begonnenen Verhandlungen werden von A. E. Curtis aus Washington weiter geführt. Der Vatikan hat sich bereit erklärt, einen hohen kirchlichen Würdenträger als Vertreter nach St. Louis zu senden. Herr Curtis wird demnächst vom Papst in Privat Audienz em pfangen. Gesandter Pearson. Rom, 26. Okt. Nachfragen ergaben, daß der am Samstag wegen Be leidigung eines italienischen Bahnbeamten verurtheilte amerikanische Ge sandte bei Persien, N. Pearson, früher Eonsul in Genua, in der Sache selbst im Rechte war, sich aber durch Beleidigung eines Beamten in'S Unrecht setzte. Herr Pearson beruft sich auf die Im munität deS diplomatischen Corps, al lein zur Zeit deS Vorfalles scheint seine Ernennung zum Gesandten noch nicht stattgefunden zu haben. Sein Brief an die amerikanische Bot. schaft, worin er Annullirung des Ur theilö verlangt, war in solcher Form, daß er dem italienischen Minister des Auswärtigen nicht vorgelegt werder konnte. Begünstigung der Vene t i a n e r. Rom, 26. Okt. Monsignore Sogaro, .lange Jahre apostolischer Vikar im Sudan, wo er mit Vingate Bey sich energisch an der Befreiung europäischer Gefangener aus den Händen des Mahdi
betheiligte, wurde vom Papste zum Präsidenten der Akademie vornehmer Ettlesiastik?r ernannt. Diese Stellung
hatte bisber der nunmehrige Staatssckretär Merry dtl Val inne. Aus die ser Akademie gehen die meisten Diplomaten des Vatikan hervor. Die Ernennung Sogaro's giebt zu vielem Gerede in vatikanischen Kreisen Anlaß, da der neue Akademie-Präss-dent ein Venetianer ist. Die Leute fangen an, zu sagen, der Papst gebe alle guten Stellungen seinen venetianischen Landsleuten. Frankreich. Zahlreiche Leben ver l o ? e n. Brest, 26. Okt. Eine französische Barke ging in der Nähe von hierunter. 31 Leute der Bemannung, die Frau des Capilän und 4 andere Frauen sind verloren. Ueber die Fahrt des Schiffes findet sich in keinem der zugänglichen Schiffsregister eine Aufzeichnung. DieAenderung desAus-lieferungs-Vertrags mit Amerika. Paris. 26. Okt. Im Auftrage seiner Regierung hat Botschafter Porter die Verhandlungen begonnen, um dem Auslieferungsvertrag zwischen Amerika und Frankreich eine Clausel über Bestechung beizufügen. Die franz. Beamten scheinen nicht abgeneigt, ob sie aber geneigt sind, der Clausel rückwir kende Kraft zu verleihen, ist Zweifel haft. Ein S ch i e d s v e rt r a g mit Dänemark. Paris, 26. Okt. Die Führer der Bewegung zur Einführung internationaler Schiedsgerichte haben aus Copenhagen Nachricht, daß die VerHandlungen für einen franz. dänischen zchieds - Vertrag gute Fortschritte machen. Dänemark wünscht ähnliche Beschränkungen wie beim englisch-französ. Vertrag anzubringen. Türkei. Auf st and arabischer Stämme. C o n st a n t i n o p e l , 26. Okt Wie jetzt bekannt wird, kamen bei der Revolte zweier arabischer Stämme gegen eine neue Viehsteuer Commandant Ahmed Pascha und der Gouverneur der Provinz Azir, an der Küste deS rothen Meeres von Arabien, um's Leben. Außerdem wurden etwa 1000 Mann türkischer Truppen getödtet oder vermundet. Etwa 15 Bataillone sind nach dem Thatort entsandt. General Hady Pascha ist zum Ober Commandanten und Gouverneur von Azir ernannt. Sultan freut sich. Constantinopel. 26. Okt. Die gemeinsame österr. russische BeHerrschung MacedonienS findet nicht den Beifall der deutschen und italienischen Diplomaten. Man nimmt an, daß die Pforte die Uneinigkeit unter den Mächten benutzt, um ein Vorgehen zu verzögern. Die deutschen Generäle im türkischen Dienste, Aneter Pascha und Ruedisch Pascha, sind nach SereS gegangen, um an der Untersuchung über die Aus schreitungen der Truppen theilzuneh men. Constantinopel, 26. Okt. Wie eS heißt, hat ein Cabinetsrath den Vorschlag von Assessoren und anderer Maßregeln des Reform-Planes al unvereinbar mit den souveränen Rechten des Sultans verworfen. Die übrigen Vorschläge seien jedoch annehmbar. Venezuela. Erledigung schwedischer Ansprüche. C a r a c a Z, 26. Okt. Die gemischte schwedische Commission zur Entscheidung der Rechtsgiltigkeit der Ansprüche gegen Venezuela hat von 7 Füllen 6 anerkannt, einen abgelehnt. Der Gesammtbetrag der Ansprüche machte $72,885 aus; bewilligt sind S34.850. Dem schwedischen Forscher Carl Bovallius wurden $3,300 zugesprochen. Eleve land, O. Beim Zu sammenstoß eines Straßenbahnwagens mit einer L okomotive an einer Kreuzung der Penna Bahn wurden etwa ein dutzend Passagiere, Niemand gefährlich, verletzt. Chicago. Im Colifeum wurde die 4. Pserde-Ausstellung mit über 500 Thieren eröffnet. Die Gesellschaft bereitete der hier zu Besuch weilenden Frl. Alice Roosevelt einen warmen Empfang.
Kurze Depeschen.
26. Oktober. Ausland. London. Kriegssekretär und Frau Root fahren am 30. auf dem Celtic" aus Liverpool nach New Vork ab. London. Der in Southzmpton beschädigt angelangte Dampfer der Red Star Linie Finland- setzte seine Fahrt nacb New Vork fort. Inland. S u l i n a s , Cal. Frau Jverson, die ihre 3 Kinder am Samstag umgebracht, wurde als geisteskrank einer Anstalt überwiesen. M i l w a u k e e. Frederic Kraus, 60 Jahre. Mitglied der Handelskammer und im Getreide-Geschäft des gan. zen Landes bekannt, ist gestorben. T o p e k a, Kans. In den letzten 24 Stunden hat die Polizei 65 Ver Haftungen, darunter Einbrecher, Trun kene und Landstreicher, vorgenommen. A l b a n y , N. Der frühere Congreß Abgeordnete dieses Distrikts und ehemalige hiesige Bürgermeister Thomas I. Van Alystine. ist gestorben. M ar sha ll t o wn. Ja. Die Grandjury erhob gegen E. S. Blydenburg Anklage auf Mord im 1. Grade. Er soll seine Frau vergiftet haben, um ihr Vermögen zu erlangen. P e o r i a. Jll. Sorrells und Flinn, die der Ermordung des Geisteskranken Hartley angeklagt sind, wurden vam Richter zu je S10.000 Bürgschaft zugelassen. Sie ist noch nicht gestellt. Eine erfolgreiche Operation ü. la. Lorenz wurde dieser Tage in New Orleans an einem jungen Burschen Namens James Duffy vorgenommen. Duffy, welcher früher vollkommen verkrüppelte Beine hatte, welche dermaßen nach Innen gebogen waren, daß er nur durch Drehung des Körpers mühsam ein Bein vor das andere schieben und sich fortbewegen konnte, geht jetzt auf gut geformten schlanken Beinen so gut wie der Durchschnittsmensch und steht 10 Zoll höher als früher. Seine dem Laien wunderbar erscheincnde Gestaltsveränderung verdankt e: zwei deutschen Aerzten von der Touro Jnfirmary. Duffy hatte sich, als vor Monaten Dr. Lorenz ausWien hier war, vergeblich bemüht, den berühmten Arzt zu veranlassen, sich mit ihm zu befassen, und durch seinen Kummer, als seine Bitten unerhört blieben, einige Herren dermaßen gerührt, daß sie sich für ihn verwendeten und ihm am 15. Mai Aufnahme in der Touro Jnfirmary sicherten. Beide Beine mußten ihm gebrochen werden und dann wurde ein Verband angelegt, der erst beinahe drei Monate später abgenommen werden konnte. Am 18. August konnte er aus der Anstalt entlassen werden. Jetzt ist er, wie gesagt, im Stande, vollkommen normal zu gehen und sich zu bewegen, wie jeder andere Mensch. Der arme Mensch kann sich kaum in sein Glück finden. Sauerkohl auf drei neue Arten. 1. Märkisches Sauerkraut. Das Sauerkraut wird gebrüht oder auch nur heiß gewaschen. Man läßt es völlig abtropfen und thut es dann in einen Topf, der mit geräucherten Schweinsschwarten ausgelegt ist. Das Fett derselben kommt nach unten. Hierauf wird das Sauerkraut mit Schweinefett etwa i2 Stunde langsam geschmort. Nachdem man süße, mit etwas Kartoffelmehl verquirlte Sahne, der man eine kleine Prise Zucker und etwas Salz beigefügt hat, einmal damit hat ausstoßen lassen, richtet man das Kraut an. Läßt man es länger mit der Sahne kochen, so gerinnt diese. Man reicht dieses Sauerkraut zu Erbsen und Pökelfleisch. Bayerisches Sau:rkraut. Sauerkraut wird gebrüht, so wie bei No. 1 mit Schwarten und Schweinefett auf's Feuer gebracht, einige Aepfel mit etwas mehr Zucker hinzugethan und mit diesem alle y Stunde gedämpft. Die Aepfel werden hierzu mit der Schale ganz fein geschnitzelt. 3. Sauerkraut mit Wein. Das Kraut wird ganz so zugesetzt wie in No. 2, nur werden die geschnitzelten Aepfel mit Rum, Cognak, Arrac, Madeira oder, wenn das Kraut zu Austern gereicht werden soll, mit Burgunder und einem großen Stück Butter vorher weich geschmort. Die Aepfel kommen gleich in das abgetropfte Sauerkraut. Hierauf wird alles 10Minuten lang scharf gekocht und zu Wild (dann be sonders mit Rheinwein), zu wilder Ente, zu Gans, Pökel-Eisbein, Paprilaschnitzel oder Gulasch gereicht. unnötytgeAngst. Äte ganze Nacht über hat der Kopfschmerz nicht nachgelassen. Ich fürchte, Herr Doktor, es ist vielleicht am Ende eine Hirnentzündung." Dazu' fehlt doch jede Voraussetzung." Praktisch. Gast: Hier steht ja: Nachtglocke zum Arzt", wohnt denn bei Ihnen ein Arzt im Haus? Wirth: Nein, wohnen thut er hier im Hause nicht, aber wissen Sie, er sitzt jede Nacht bei mir und spielt Skat!
Vegetarische Propaganda. Einen neuartige Propaganda - Gedanken zu Gunsten der vegetarischen Bewegung hat eine dänische Hausfrau in einem großen Kopenhagener Blatte überzeugend entwickelt, und dessen Ausführung dürfte ohne Zweifel eine ungezählte Schaar bisheriger Fleischesser der Pflanzenkost zuführen. Diese Dame gibt ihren Rathschlägen die Form eines offenen Briefes an die Verfasserinnen vegetarischer Kochbücher und schreibt also: Meine Damen! Ich lese Ihre Bücher mit großem Interesse. Es ist so belehrend, , zu erfahren, wie weichgekochte Linsen bei etwas verändertem Verfahren eine Verwandlung durchmachen können, die sie nachher als ein thierisches Produkt erscheinen läßt. Ich habe in Gedanken all diese herrlichen Linsenbraten durchgekostet, die einmal als Rind- oder Hammelbraten erscheinen und dann wieder gar eine Weihnachtsgans vortäuschen, ja, gewissermaßen duften wie diese. Es ist bewundernswerth, wie man so nach bloßer Vorarbeitung von Linsen in einer Fleischhackmaschine, durch verschieden große Zusätze von Salz und Kokosbutter. aus einem Säugethier ein Federvieh zu machen versteht. Mein Erstaunen wurde zur Ehrfurcht, als ich sah. wie derselbe Linsenbrei, in einen Kohlkopf gethan, in Eis gesetzt, und dann in Scheiben geschnitten, schließlich wie kalte Ochsenbrust schmeckt, und wie man durch Hinzufügen von Gewürz und einigen Makkaroni - Abfällen, die die Speckkrapfen ersetzen, schwarze Wurst erhält, die von der mit Schweineblut zubereiteten gar nicht zu unterscheiden ist. Wie gesagt, meine Bewunderung kann nicht mehr größer werden. Aber ich habe bei der Lektüre doch Zweifel bekommen, ob Sie auf dem rechten Wege sind. Läßt es sich auf die Länge vom vegetarischen Standpunkt aus vertheidigen, dall all die herrlichen Gemüsc, die auf unserer schönen Erde wachsen, zu unästhetischen F'leischspeisen umgeformt werd:n? Dürfen wir hoffen, die Welt zu reformiren, wenn wir auch auf die nächste Generation die Vorstellung vom Geschmack des Hammelbratens und Rindfleisches fortpflanzen? Liegt keine Gefahr vor, daß die in solcher Weise vcgetarianisch aufgezogenen Personen gereizt werden, die Gerichte, die mit soviel Geschick nachgeahmt werden, in der echten Zubereitung zu kosten, und daß sie sie in dieser Gestalt bevorzugen? Muß man nicht vielmehr den Fleischgeschmack selbst in Vergessenheit bringen? Darf man die Leute überhaupt durch Vorsetzen von Blutwurst" Blut lecken lassen? Wenn ich einige Zeit lang traktirt werde mit vegetarianischem Bratfisch (der aus zerquetschter Sellerie hergestellt wird oder im Nothfalle aus weißen Bohnen, die Tags zuvor einen herrlichen Kalbsbraten geliefert hatten), wenn s? durch häufigen Genuß dieses Bratfischcs meine Eßphantaste auf Salz- oder Süßwasser gelenkt wird, kann ich da nicht leicht auf Irrwege gerathen und zum Genuß von wirklichen Wasserthieren verführt werden? Ich glaube, daß die vegetarianischen Kochbuch - Frauen zur Zeit unserer Sache einen unersetzlichen Schaden zufügen. Um vorübergehende Proselyten zu machen, erstreben sie eine Aussöhnung mit den Fleischessern. Aber so schafft man kein Vegetarianergeschlecht! Noch meiner. Meinung muß man geradezu den entgegengesetzten Weg gehen. Man muß damit den Anfang machen, daß man alles Fleisch so zubereitet, daß es den Geschmack von Gemüse annimmt damit kommt man der Zuneigung der Fleischspeisen genugsam entgegen , um dann lang, sam allmählich die thierischen Nahrungsmittel aus der Küche zu entfernen. Man glaube nicht, daß ich Unmögliches vorschlage. Denn es muß ebenso leicht sein und ist es auch , Fleisch in Gemüse zu verwandeln wie umgekehrt Linsen in Gänsebraten. Ein paar Rezepte, die ich im eigenen Haushalt gebrauche, stelle ich hiermit zur Verfügung. 1. Kalbfleisch als Kartoffelmus. Junges Kalbfleich wird gut ausgewässert und durch die Fleischhackmaschine gedreht. Das feine Hackfleisch wird mit etwas Butter, Milch. Mehl und Salz gut durchgearbeitet und in der Kartoffelschüssel angerichtet. Selbst
Feinschmecker merken den Betrug nicht. 2. Dieselbe Kalbfleischfarce kann zur Herstellung von Radieschen benutzt werden. Man färbt mit Salpeterroth, thut ferner Estragon - Essig daran und eine Prise Paprika. Das Ganze gut durchgeknetet und zu kleinen, unten spitzen Kugeln gerollt. Will man die Täuschung vollkommen machen, so steckt man ein grünes Blatt in jede Kugel und taucht die Spitzen in Mehl. 3. Blumenkohl - Gratin. KalbsfleischFarce mit ein wenig Lammsleber mischen und mit Muskat würzen. In Muscheln backen und mit Butter serviren. Noch verschiedene andere Combinaiionen habe ich ausprobirt. Die Herstellung von grünem Salat aus Ochsenfleisch ist mir indessen bisher nicht gelungen; es wird noch werden, hoffe ich. Ich ezperimentire ' auch augenblicklich daran, aus Wildbraten einen Tomatenpuröe fertig zu bringen. Glückt mir das, so gedenke ich der Öffentlichkeit in einem großen Koch buch meine ganze Methode vorzulegen. Denn allein in ihr liegt die Zukunft des Vegetarianismus."
V.
