Indiana Tribüne, Volume 27, Number 54, Indianapolis, Marion County, 24 October 1903 — Page 4

Jndiana Tribüne, 2. Oktober 1903.

Jndiana Tribüne. Herausgegeben voa der Sntenderg 0. Indianapolis, Ind.

Harry O. Thuöium , Präsident. Geschäftslocalt No. 31 Süd Delaware Straße. TELEPHONE merei at the Post Office of Indianapolis as second ciass matter. Die Curfew" für die Großen. Jetzt haben also auch die großen Kinder ihre Curfew" Punkt 11 Uhr heißt's fein brav sein und nach Hause gehen, so sagt das Gesetz und das Gcsetz muß befolgt werden. Wir begrüßen die Absicht der Administration alle Gesetze durchzuführen mir Freuden. Nun werden jedenfalls die Kaufleute, welche durch Aufspeicherung ihrer Waaren auf dem Bürgersteige gesetzwidrig den Verkehr erschweren, das Ge setz (oder die Polizrioorschrift) welches auf demselben Papier mit derselben Druckerschwärze gedruckt wurde, wie das 11 Uhr-GeseV, befolgen und fein folgsam sein müssen. Die Straßenbahnwagen werden nicht mehr gesetzwi drig schnell fahren und di? Majestät des Gesetzes wird im vollsten Glänze scheinen. Die Wirthe der Stadt, die größte! Menge derselben wenigstens ist über die Absicht der Administration recht erfreut, oas Nachtgeschäft fordert zumeist größere Opfer im Verhältniß zum Verdienst. Die Wirthe werden sich jedenfalls bemühen, die Administration zu unterstützen. Sie werden dies unbedingt thun, wenn es sich nicht, wie böse Zun gen bebaupten, nur um Durchführung der gegen die Wirthschaften bestehenden Gesetze handelt. Sollten aber die bösen Zungen Recht behalten, so sollten die Wirthe es sich zur Pflicht machen, darauf zu dringen, daß auch andere Geschäftsleute zur Befolgung der PolizeiVorschriften gezwungen werden. Gar viele unserer 'Prohi Geschäftsleute, welche aus dem Bürgersteig vor ihren Eeschästs-Lokalen einen Marktplatz machen, würden bald zu der Einsicht gelangen, daß viele Polizcivorschnften, wenn streng durchgeführt doch eigentlich recht unangenehm sind. Wie Schreiber, so gehören Tausende guter Bürger zu den Nachtarbeitern. Sollen diese darunter zu leiden haben, weil man etliche Trunkenbolde gegen ihre Unmäßigkeit schützen will. Es wäre dies eine der größten Ungerechtigkeiten, die man sich denken kann, beson-der-, wenn der Winter im Anzüge ist und die gebräuchlichen Verkehrsstockungen der Owl Cars" durch Schnee und EiS zu erwarten sind. Wenn unsere so sittenstreng sein wollenden Mitbürger in die Lage versetzt würden. Nachts an einer zugigen Straßenecke . in bitterer Kälte ach erschöpfender Arbeit stunden' lang warten zu müßen, ehe die Straßenbahn sie nach Hause befördert, so würden sie bald eine offene, gutdurchwärmte Wirthschaft als einen Segen betrachten. Sie würden einsehen, daß einer Handvoll liederlicr Burschen wegen, dem anständigen Menschen, den sein Beruf Nachts auf die Straße treibt, nicht die Gelegenheit genommen werden darf, Schutz vor den Unbilden des Wetters in einem anständigen Lokal, wo er die erstarrten Glieder wärmen kann, zu finden. Den lüderlichen Menschen, Mann oder Weib, ist durch die Polizeistunde kein Einhalt geboten. Dieselben haben stets Gelegenheit sich in Hotels oder Privat-Zimmern mit dem nöthithigen Trinkbaren zu versehen und dort ihre Orgien zu feiern. Die strenge Durchführung der Gesetze und Polizei-Vorschriften ist in der That wünschenswerth. Doch einseitig sollte dieselbe nicht sein. Warum sollen denn Mensche.!, die schon dadurch schwer genug bestraft sind, daß ihr Beruf sie zur Nachtarbeit zwingt, noch schwerer dadurch leiden, daß man ihnen die Privilegien entzieht, die bei Tage bestehen. Die Curfew"-Vcrschrift für die Er wachsenen ist unwürdig und verletzend für zeden anständigen Menschen. Laßt die Leute, welche persönliche relhelten nicht zu würdigen verstehen. sich auch bet Nachts in Unmäßlgkett er . gehen, denn was sie bei Nacht versäu men, holen sie am Tage doch nach. Die Polizei kann sie einstecken wenn sie zu viel Lärm machen oder Aergerniß geben. Wenn aber alle, selbst die thörichtesten Vorschriften durchgeführt werden sollen, dann sollten es nicht nur die gegen elne besondere Klasse von Geschäftsleuten gerichteten sein.

Nachts Elf Uhr ist der 11 durch Polizeivorschrift sistirt die armen Polizisten. Gestern war die erste vom Thea-ter-Verein gegebene Vorstellung Stadtgespräch es war eben ein großartiges Ereignitz. Briflow's Bericht über die Post-amts-Untersuchung ist beinahe verjährt und mit ihm die Anklagen gegen die Prominenten".

Eine amerikanische SchauspielerTruppe, welche nur auf ein Stück reist, mag wohl einen glänzenderen Rahmen für ihre Aufführung bieten, ob sie aber den inhaltlichen Herzenston zu geben versteht, der bei der deutschen Aufführung von Alt Heidelberg" das Publikum lachen und weinen machte glauben wir kaum. Eine Figur wie die Käthe dürfte der Amerikaner überHaupt nicht verstehen. Sie wird entweder als Hetäre oder dumme GanS dargestellt werden, also nur ein Zerrbild des ausgelassen liebenden und doch so herzensreinen Wirtystöchterlein sein. Auf dem zweiten Niedersachjentag zu Hannover am 2. Oktober hielt Dr. Böhling einen Vortrag über eine kühne Hypothese von Matthäus Much in Wien, wonach die Urheimath der Jndogermanen in Niedersachsen zu suchen sein soll. Früher wurde bekanntlich Indien oder auch Turkestan, von neueren Forschern Südrußland, von andem die ostbaltischen Lände? als Heimath der indogermanischen Stämme betrachtet. Much verlegt sie nun gar in das westbaltische Gebiet, umfassend die norddeutsche Küste, etwa von der holländischen Grenze bis zur Oder und das Hinterland bis an den Harz. Thüringen und das Erzgebirge, ferner das südliche Skandinavien. Die Grundlage für diese Hypothese bildet für Much die archäologische Hinterlassenschaft der vorgeschichtlichen Bewohner dieser Länder, insofern als diese auf eine ureigene, von anderen Ländern unabhängige Kultur schließen läßt und ihre Verbreitung sich mit der Ausbreitung der Jndogermanen in Uebereinstimmung befindet. Er verweist auf die - im nordwestlichen Deutschland gemachten Funde an vorgeschichtlichen Werkzeugen und Wasfen, wie sie so vollkommen und ' so reichlich sonst nirgends vorkommen. Ein weiterer Beweis sind ihm die geometrischen und farbigen Tecorationen der vorgeschichtlichen Gefäße, deren Spuren von hier ihren Ausgang nehmen, sodann der Bernstein, der nachweislich schon im jüngeren Steinzeitalter in Nordwestdeutschland gebraucht und mit den allmählich nach Süden und Südoften vordringenden Stämmen auch in die Mittelmeerländer gekommen sei, und der auffallender Weise bei nichtindozermanischzn Völkern gar nicht oder doch nur ausnahmsweise im Gebrauch gewesen sei. Nach Much ist die Ausbreitung der Indogcrmanen in der Weise vor sich gegangen, daß sie theils nach Norden über den südskandinavischen Archipel, theils an den norddeutschen Strömen entlang nach Süden und Südosten erfolgt sei. Nirgends im Orient sei di? ans archäologischem Wege feststellbare Entwicklung eine so klare und ununterbrochene wie in Niedersachen. - Mit einem Capitale von 850,000 ist die American Lumber Company", Indianapolis, incorporirt worden; Directoren und Beamte: Harry H. Patterson, Präsident; Bryan Blake, Vice-Präsident; Morton E. Reagan, Secretär und Schatzmeister. 81.25-Dccatur und zurück-81.25 via C., H D. Bahn, Sonntag, 25. O k t o b e r. Special-Zug verläßt Indianapolis um 7 Uhr Morgens. Rückfahrt von Decatur um 6.20 Abends. Personen. die den Zug ohne Fahrkarte besteigen, müssen den localen Fahrpreis bezahlen. Pennsylvania Bahn. 81.50 Vincennes und zurück 81.50 Sonntag, 25. Oktober. Spezialzug verläßt Indianapolis um 6.45 Uhr Morgens ; Retourfahrt von Vincennes 7.30 Uhr Abends. Letzte Excursion der Saison. Pennsylvania Bahnen. V1.50-Louisville u. zurück-81.50 Sonntag, 25. O c t o b e r. .Der Localzug, an Zwischenstationen anhaltend, verläßt Indianapolis um 6UhrMorgens. Der Specialschnellzug, der nirgends anhält, verläßt Jndianapolis um 7.25 Morgens. Retourfahrt des Specialzuges, Main Straße Station, Louisville, um 7 Uhr Abends. Letzte Excursion der Saison.

Der' öeutfcTjc 3ieicsj5tag. Zahl der Mitglieder und Befugnisse des Präsidenten. ?i elfte LkgiSlaturperiove Geschäftiges Ministerium Verll,eilu,g der Abgeordneten auf die BundeSstaaten NlterSpräss dent Beamtenwahlen und Ernennunge. Mit dem im Juni d. I. gewählten und demnächst zusammentretenden neuen Reichstage beginnt die elfte Legislaturpcriode. die das deutsche Reich seit dem Jahre 1871 zu verzeichnen hat. Während die Reichstagsabgeordneten früher auf drei Jahre gewählt wurden, ist die Periode seit 1888 eine fünfjährige. In einer solchen fünfjährigen Legislaturperiode wird der Reichstag je nach Bedürfniß zu Sessionen einberufen, die innerhalb der Legislaturpcriode als abgeschlossene Arbeitsgebiete zu betrachten sind. Gesetze z. B., die in einer Session eingebracht und nicht verabschiedet worden sind, können nicht ohne Weiteres in der nachsten Session berathen werden, sondern die Regierung muß sie noch einmal einbringen. Für den Staatsbürger ist seine Thätigkeit für die Schaffung des Reichstags mit der Abgabe der Stimme am Wahltag abgeschlossen. Die Entstehung des Reichstags ist aber keineswcgs so einfach, und das Reichsamt des Inneren, das auch die auf den Bundesrath, den Reichstag und die Reichstagswahlen bezüglichen Geschäfte zu führen hat, muß mit allen Kräften arbeiten, um nur die Vorbereitungen für die Wahlen zu treffen. Es gibt in Deutschland 397 Wahlkreise, von denen jeder einen Abgeordneten wählt, und zwar entfallen davoi auf Preußen 236. auf Bayern 48. auf Sachsen 23. Württemberg 17, Baden 14, Hessen 9, Mecklenburg-Schwerin 6 Abgeordnete. Großherzogthum Sachsen, Hamburg, Oldenburg, Braunschweig je 3, Sachsen-Meiningen-Hild-burghausen. Sachsen-Koburg-Gotha, Anhalt je 2, die weiteren kleinen Staaten je 1 Abgeordneter, während ElsaßLothuingen 15 Sitze im Reichstag zu besetzen hat. Ist genügendes Material für die V'rathungen des Reichstags angesammelt, ist es namentlich Zeit, den Iahreetat des Deutschen Reichs festzusiellen, so werden die neugewählten Abgeordneten der neuen Legislaturperiode durch kaiserlichen Erlaß zur ersten Session des Reichstags einberufen. Zwei wichtige Geschäfte sind sofort bei Zusammentritt des Reichstags zu erledigen, nämlich die Wahl des Präsi diums und die Verloosung der Mitglieder auf die Abtheilunaen. Sobald die Zahl , von 199 . Mitgliedern, d.dh. die Mehrzahl des Hauses, im Reichstag anwesend ist. vollzieht der Reichstag in der Regel in einer besonderen Sitzung die Wahl der Präsidenten und der Schriftführer, in welcher Sitzung der an Jahren älteste Abgeordnete zunächst als Präsident (Alterspräsident) fungirt. Er ernennt provisorisch, vier Mitglieder des Hauses zu Schriftführern. Es folgt die Wahl des Präsidenten und der beiden Vizepräsidenten durch Stimmzettel. Dann werden in einer einzigen Wahlhandlung mit relativer Stimmenmehrheit die acht Schriftführer gewählt. Der Präsident ernennt für die Dauer seiner Amtsführung aus der Versammlung zwei Quästoren für das Kassen- und Rechnungswefen, und damit ist der neue Reichstag gebildet. Der Präsident übernimmt die Leitung der Geschäfte und theilt dem Kaiser mit, daß der Reichstag konstituirt ist. Allerdings wird das Präsidium in der ersten Sesion nur auf vier Wochen gewählt; nach dieser Zeit hat eine Neuwahl stattzufinden. Es kann jedoch wohl kaum vorkommen, daß dieses auf vier Wochcn gewählte Präsidium nicht wiedergewählt würde, wenn seine erste AmtsPeriode abgelaufen ist. In den anderen Sessionen der Legislaturperiode erfolgt die Wahl des Präsidiums sofort für die ganze Dauer der S'ession. Dem Präsidenten liegen die Leitung der Verhandlungen, die Handhabung der Ordnung und die Vertretung des Reichstags nach außen hin ob. Er hat das Recht, den Sitzungen der Abtheilungen und Kommissionen mit berathender Stimme beizuwohnen. Der Präsident beschließt über die Annahme und Entlassung des für den Reichstag erforderlichen Verwaltungs- und Dienstpersonals, sowie über die Ausgaben zur Deckung der Bedürfnisse des Reichstags innerhalb des gesetzlich festzustellenden Voranschlags. Er übernimmt also unmittelbar nach Antritt seines Amtes auch die Leitung aller ökonomischen Angelegenheiten des Hauses, di: bisher durch den ReichstagDirektor während der präsidentenlosen Zeit ausgeübt wurde. Ist die Session zu Ende, sind durch kaiserlichen Erlaß die Arbeiten des Reichstags beendet, so erlöschen vorläufig die Mandate des Präsidiums bis auf die Funktionen, die dem ersten Präsidenten auf Grund des Gesetzes vom 31. März 1872 als obersten Verwaltungschef des Reichstags zufallen. Ist indeß in der Zwischenzeit von Seiten des Reichstags irgendwelche Reprc sentation nöthig, so tritt das Präs"dium der abgelaufenen Session in Wirksamkeit. Bei Beginn der nächsten Session hat der Präsident der vorigen Session in der Eröffnungssitzung den Vorsitz zu übernehmen.

Zic Seilte über mir.

. Humoreske von Acrthold Kuncrt. . Nun? So traurig gestimmt, Herr Major?" fragte einer der Genossen des runden Tisches den alten, sonst so jovialen Herrn, welcher heute stumm und verdrossen an seinem Schoppen Mosel herumkaute. Der Major wischte sich mit derServiette die Lippen und den weichen, weißen Schnurrbart: Bin auch fuchsteufelwild! Möchte am liebsten die ganze Bande zum Teufel jagen! Denn wissen Sie, meine Herren doch was rede ich denn? Mir kann ja doch keiner helfen." Er leerte sein Glas auf einen Zug. Die andern aber wußten, daß es keinen Zweck hatte, in ihn zu dringen. Als aber später vom Pech im Leoen gesprochen wurde, von mehr oder weniger harten Schicksalsschlägen, welche einen jeden treffen, da athmete der Major plötzlich schwer auf und hub gewichtig an: Jawohl, meine Herren! Davon kann ich auch ein Lied singen!" Der Landgerichtsrath verzog seine Lippen zu einem leichten Lächeln. Dabei ist gar nichts zu lachen, mein lieber Landgerichtsrath. Das ist eine bitterernste Sache. Ich versichere Ihnen, daß ich seit geraumer Zeit mich in einer fieberhaften, nervösen Unruhe befind?, daß ich keine ruhige Stunde mehr erlebe, daß ich ein gequältes und gehetztes Leben führe, daß mir mein Dasein geradezu zu einer Hölle geworden ist. Seitdem mich mein infames Asthma gezwungen hat. in das erste Stockwerk hinabzuziehen. habe ich etwas kennen gelernt, von dessen Existenz ich bisher kaum etwas ahnte, habe ich eine Hölle durchgemacht, die die ungebändigste Phantasie früher mir nicht hätte ausmalen können, habe ich eine Schaar von Quälgeistern, Folterknechten, Teufeln undKannibalen entdeckt, die ich in unserem gesitteten Lande nicht für möglich gehalten hätte. Und das sind die Leute über mir! Das sind keine bestimmten, faßbaren Individuen nein, das ist eine ganze Klasse gleicher verschworener selbstsüchtiger Kreaturen, die nur sich selber kennen und gar nicht daran denken. daß es außer ihnen noch Menschen auf der Welt geben könnte. Die einen spielten, die anderen sangen, die dritten tanzten alle Augenblicke, um ihre Töchter zu verheirathen. die vierten schaukelten mir die Wiege über dem Kopf. Kinder schrieen, Hunde bellten. Papageien kreischten. Spieluhren wimmerten dazwischen, Phonographen quakten blechern hindurch. Die einen standen früh auf. und störten mich morgens, die andern gingen spät zu Bett und störten mich Abends. Sie traten auf wie die Kürassiere, sie stampften wie mit Wasserstiefeln, sie haben sich vor dem Alpenfest acht Tage lang Schuhplatteln über meinem Kopfe eingeübt! Ja, meine Herren, ist denn das auf die Dauer zu ertragen?" Lieber Major", meinte beschwichtigend der Landgerichtsrath, Sie sknd ein wenig hitzig und nervös. Sie müssen mit Ihren Nebenmenschen Nachsicht haben." Nachsicht! Und das sagen Sie mir. der ich mit einer wahren Engelsgeduld diesen Leidensjammer jährelang ohne zu klagen auf mich genommen habe? Ich hätte auch heute noch geschwiegen. Da hat mir der Himmel aber jetzt eine Partei bescheert . Sehen Sie, früher war es entweder laut über mir oder ruhig. Früher ging ich entweder wie ein Rasender auf und ab oder ich freute mich, daß mir durch einen besonderen Glückszustand ein ruhiger Abend beschieden sei. Die jetzigen aber haben ein zusammengesetztes System von Stille und Lärm erfunden. Alles läßt sich zum Beispiel wunderschön an. . Ich sitze behaglich in meinem Sessel und lese die Zeitung. Da plctzlich schlägt oben die Glocke an. Was jetzt passirt. kann sich nur der vorstellen, der es selber durchgemacht hat. Sechs Leute springen vom Tische auf. Vierundzwan.jig Stuhlbeine scharren den Fußboden; zwölf Menschenfüße stampfen mit nägelbeschlagenen Schuhen durch das Zimmer und rasen wie eine wilde Jagd zum Korridor hinaus. Sechs Mäuler schreien wie die Besessenen: Die Tante! Die Tante!" Der weiße Pudel, welchen die Familie ihr eigen nennt, kläfft dazwischen. Die Thüren werden aufgerissen. Jubelschreie schallen durch die Luft. Lciwinengleich wälzt sich die heulende Menge zurück in das Wohnzimmer. Dann setzen sich alle hin. und tiefe Stille herrscht jetzt nach dem Sturm. Dieser Zustand wiederholt sich aber am Abend fünf-, sechsmal! Die Familie hat vieleTanten! Manchmal ist es auch der Briefträger oder Nachtwächter, oder, was weiß ich, wer. Ich bin an solchem Abend in einer fieberhaften Ueberreiztheit. Ich warte schon selber förmlich auf das Klingeln, das die Ruhe brechen soll. Und wenn es dann geschieht dann springe ich selber mit auf. Dann nne auch ich wie ein Toller durch das Zimmer. Dann stürze ich mich auf mein Klavier und trommele meinen altenRegimentsmarsch herunter, während meine drei Dackel mich und das Pudelthier dort oben kräftig und schallend unterstützn. Erschöpft sm-

len wir oann icyiienlicy aue aus unjeic Lagerstätten." Unwillkürlich mußte die Tafelrunde über die drastische Schilderung des Majors lachen. Traurig blickte dieser umher: Ja. sehen Sie. das ist ia auck oas tragische an diesem ZuNano: Man darf nicht einmal darüber klagen! Man wird ganz einfach ausgelacht!" Resignirt trank der Major sein Glas aus und saß fortan stumm und schweigend. Still erhob er sich nach einiger Zeit, verabschiedete sich kurz und ging nach Hause. , Wer beschreibt aber das Erstaunen des Stammtisches, als nach Verlauf einer knappen Stunde der Major wie ein Rasender in das Zimmer stürmte, Hut und Mantel herunterriß und mit hochrothem Kopf nach Luft und Worten schnappend auf seinen gewohnten Sitz zustürzte: Gott sei Dank, daß ich Sie noch treffe! Ich hätte vor Wuth ersticken müssen, wenn ich mir jetzt nicht durch Worte Luft machen könnte. Also ich steige vorhin schwermüthig, wie ich Sie verlassen, in meine Elekirische und brüte sorgenvoll vor mich hin. Da fange ich zufällig einige Brocken der Unterhaltung zweier Damen mir gegenüber auf. Ich horchte hin, ich passe genauer auf und denken Sie sich: ganz dieselbe Leidensgeschichte kommt heraus, die ich Ihnen vorhin von mir erzählt habe. Nur aus der Ausdrucksweise eines alten Majors in die einer feinen weißhaarigen Dame übersetzt. Als sie an derselben Ecke den Wagen verließ, welcher auch mein Ziel war. da konnte ich nicht umhin, auf sie zuzugehen und ihr einige Worte herzlichen Beileids auszusprechen. 'Es war mir beinahe ein Trost, zugeben zu müssen, daß sie womöglich noch ein schlechteres Los gezogen hatte, als ich. Ihr Quälgeist mußte ja geradezu für das Narrenhaus reif sein. Etwa alle halbe Stunde hämmerte er wie einRasender auf seinem Klavier herum ohne Melodie, ohne Takt, ohne Sinn und Verstand, nur lediglich in der Absicht, Lärm zu machen, unterstützt in diesem Beginnen von einer kläffenden Hundeschaar. welche die teuflischste Unterwelt ausgespieen zu haben schien. Einen Blick warf ich noch auf die gebrochene, abgehärmte Gestalt meiner Begleiterin und dann sah ich deutlich die Aufgabe, die ich hier zu erfüllen hatte. Gnädige Frau! Gestatten Sie mir. Ihr Kavalier in diese: Angelegenheit zu sein? Ich werde Sie auf diese oder jene Weise von dem tollen Unhold befreien!" Er wird mir als ein hitziger und bärbeißiger Mann geschildert " : Gnädige Frau! Ich bin Officier! Lassen Sie das nur meine Sorge sein. Sie wohnen, wie ich sehe, Numero dreiundzwanzig " Q nein!" unterbrach sie. Ich will nur eine Freundin besuchen. Ich selber wohne in dieser Straße Nummero dreizehn " Ich taumelte förmlich zurück: Gnädige Frau! Wo wohnen Sie?" -Nummero dreizehn parterre. Und der Quälgeist, der über mir wohnt, heißt aber was ist Ihnen denn plötzlich? Sie sind ja ganz bleich und schlottern förmlich!" Ich winkte nur mit der Hand und stieß ruckweise hervor: Sprechen Sie weiter! Ihr Quälgeist heißt -?" Sie werden es ja schon errathen haben, meine Herren! Wie ich von der alten Dame ' losgekommen bin, nachdem ich meinen Namen von ihren bebenden Lippen vernommen, kann ich Ihnen nicht sagen. Ich weiß nur. daß Asthma und Abendluft und alles vergessen war. daß ich durch die Straßen rannte wie ein Närrischer, daß ich hierher gestürmt bin, um mir Luft zu machen, daß ich jetzt hier sitze, mit meinen Fäusten mir an die Stirne schlage und jammernd frage: Was soll ich denn jetzt eigentlich anfangen?" Die ganze Tafelrunde sah sich merkwürdig an und viele Gesichter zeugten von einem unterdrückten Lächeln. Schließlich begann der Landgerichtsrath. nachdem er einen tiefen Schluck gethan: Das will ich Ihnen sagen, mein lieber Major! Erstens verbrennen Sie Ihr Klavier. Zweitens hängen Sie Ihre Hunde auf. Drittens heirathen Sie die alte Dame. Und viertens schimpfen Sie nie wieder auf die Leute über mir". Der Major schüttelte müde den Kopf: Nein. Herr Landgerichtsrath! Für Gewaltmaßregeln bin ich nicht. Mein Klavier werde ich verschließen. Meine Hunde in die Küche sperren. Der alten Dame eine Torte schicken. Und die Rasselbande über mir für die ruhigsten von der Welt halten. Ich denke. das wird Strafe genug sein. Meinen Sie nicht?" Alle stimmten lachend zu unb der heutige Tag wurde trotz seines traurigen Anfangs einer der lustigsten am runden Tisch. DurchdieBlume. Meine Lieblingsfarbe ist himmelblau, und welche ist die Ihrige, mein Fräulein?" .Mtzrtengrün." Phlegma: Jetzt warte ich noch y2 Stunde. Wenn Sie dann noch immer nicht kommt 1 warte ich noch y2 Swnde."

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