Indiana Tribüne, Volume 27, Number 53, Indianapolis, Marion County, 23 October 1903 — Page 4
Jndlana Tribüne, 23. Oktober 1903.
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ndiana Tribüne. HerauZsekben von d Suteberg $ Indianapolis, Ind.
garry O. Thudium , Präsident. (Geschäfts local: No. 31 Süd Delaware Straße. telepho4e 2. n ere i ac the Post Office of Indianapolis as second dass matter. Der Panama Canal. K. D. Staats Ztg.) In der Kanal Angelegenheit wird nichts gethan werden, bis Präsident Roosevelt vööig schlüssig geworden ist. Der Präsident hält dem Vernehmen nach daran fest, dak die Panama Route die beste und vorteilhafteste ist, und es stehen zur Zeit, wie versichert wird, keine Schritte in Aussicht, welche auf das Fallenlassen Panama'S und die Aufnahme einer anderen Route, sei es der Nicaragua oder San Blas Route, abzielen. Die Interessenten der San Blas-Route haben ihr möglichstes gethan, um die Ratisicirung des PanamavertragS in Bogota zu hinter treiben; sie haben dort einen Agenten, welcher nach Kräften intriguirt hat, um die Opposition zu stärken. So soll derselbe den Einfluß der katholischen Prälaten in Bogota gegen den Kanal, vertrag mobil gemacht haben, weil die Interessenten der Panamakanal-Kom pagnie in Frankreich die dortige Re gierung bei ihren Differenzen mit der Kirche gestützt hätten, und er soll ferner persönlich bei Mitgliedern des Congres ses gegen die Ratisicirung deZ 23er trags agitirt haben, um die Aussichten der San Blas-Route dadurch zu heben. Diese Machinationen sind hier wohlbe sannt, und sie werden der San Blas Route nicht helfen, selbst wenn die Pa-nama-Route schließlich außer Frage kommen sollte. Aber die PanamaRoute ist, trotz der Vorgänge in Bogota, noch nicht aufgegeben. EZ läge die Möglichkeit vor, daß der Präsident sich entschließen könnte, die Concession der französischen Gesellschaft zu kaufen und an die Fertigstellung des Canals zu gehen, ohne vor her einen Vertrag mit Colombien ab geschlossen zu haben. Dazu wäre frei lich eine Ermächtigung durch den Con greß nöthig, weil es in den Spooner Akte vorgesehen ist, daß die Concession nur nach vorhergegangener Regelung der Besitztitel- und JuriZdiktionsfrage erworben werden solle. Bei der Ge Währung einer solchen Ermächtigung wäre natürlich in Betracht zu zieben, daß Angesichts der in Bogota herrschen den Stimmung ein Conflikt mit Co lombien Wohl unausbleiblich sein müßte. Ob man hiesigerseits geneigt sein würde, einen solchen zu riskiren, wäre eben die Frage; vor der Entscheidung der nächsten Präfidentschasts . Wahl jedenfalls nicht, und.' deshalb dürfte die ganze Kanalfrage in der Schwebe bleiben, bis die Wahl von 1904 vorüber ist. Daß alle denkbaren Eventualitäten in'S Auge gefaßt werden, läßt sich aus allerhand Umständen entnehmen. Der militäri schen Seite der Frage ist letzthin nähere Aufmerksamkeit geschenkt worden. Im Laufe des Sommers sind zwei Offiziere, drrunter Kapt. Humphrey vom 22. Jnf.'Regt., nach der NordküsteSüdamerikas beordert worden, um gewisse Beobachtungen vorzunehmen, deren besonderer Zweck selbstverständlich geheim gehalten wird. So viel nur ist be kannt, daß Venezuela und der Isthmus von Panama die Zielpunkte der Stu dienreise waren. Daß diese Reise stattgefunden, ward erst kundig, nachdem die betreffenden Ofsiziere vor Kurzem zurückgekehrt waren. Als Erklärung gilt, daß es sich darum gehandelt habe, zu ersah ren, wie das Verhältniß zwischen Vene zuela und Colombien sei, ob eine Kriegsmöglichkeit zwischen diesen bei dea Ländern vorliege etc. Früher hat man auf dergleichen kein besonderes Gewicht gelegt, sondern einfach mit Gemüthlichkeit zugesehen, wenn diese beiden Nachbarn sich von Zeit zu Zeit in die Haare geriethen. Jetzt ist das Interesse derartig gestiegen, daß sogar Militär.Attaches nach Bogota und Ca racas abgeordnet werden sollen. Vor ein paar Jahren hatte man gespottet, wenn ein dahingehender Vorschlag ge macht werden wäre; heute wird die Affaire mit dem größten Ernst und. der üblichen Geheimnißkrämerei als eine wichtige militärische Maßregel behan delt. ES ist klar, daß die beiden Län der in die Kategorie eventueller Kriegs schauplätze gestellt worden sind.
Es müßte allerdings als eine uner
freuliche Schlußforderung gelten, daß die Ver. Staaten wirklich die Absicht haben sollten, den Vanamakanal mit Hülfe von Bayonetten zu bauen. Das würde den Kanal sehr kostspielig machen. Wesentlich billiger wäre es, die co lombischen Staatsmänner, welche ihre Hände so offen herhalten, einfach zu kaufen, und damit basta. Man weiß im Staatsdepartement sehr wohl, daß die Geldfrage die einzige ist, welche einen maßgebenden Einfluß in Bogota ausübt. Es giebt dort unter den bra ven Gesetzgebern vier Gruppen, deren eine den anderen die zehn Millionen nicht gönnt, welche die Ver. Staaten vertragsmäßig für die Koncession an Colombien zu zahlen Willens sind, und für Alle zusammen reicht die Summe nicht aus, denn jeder Staats mann will schließlich doch genug, um sich mit Behaglichkeit in's Privatleben zurückziehen zu können, und es laufen eine Unmenge von Staatsmännern in Bogota herum. Zwanzig Millionen würden vielleicht das Geschäft ermöz lichen, und viese Summe wäre immer noch lange nicht so hoch, wie die Kosten einer Militär-Expedition nach dem Isthmus, mit Allem was d'ran und d'rum hängt. Staatssekretär Hay ist schließlich doch recht skeptisch geworden, hinsichtlich der Absichten Colombiens in Verbindung mit dem Panamakanal-Projekt. Die Versicherungen der Regierungskreise von Bogata, daß der nächste colombische Congreß im kommenden August dem Projekt günstiger gesinnt sein werde, als der gegenwärtige, werden in hiesi gen offiziellen Kreisen nunmehr mit der nöthigen Dosis Salz entgegcngenom men. Die eigentliche Situation in Bogota , war. vielleicht dem Staatsde partement bis vor Kurzem noch nicht in ihrer ganzen nackten Wirklichkeit klar gewesen, aber detaillirte Berichte liegen vor, welche den Stand der Dinge aller Zweifel entkleiden. Die hiesige Regierung ist sozusagen von einem Monat zum anderen hingehalten worden, aber man hat nachgerade die unumstößliche Ueberzeugung erlangt, daß es sich bei diesen Versicherungen nur um hot air gehandelt hat. Der jetzige colombische Congreß war erwählt worden, um das Resultat der Verhandlungen zwischen , Colombien und den Ver. Staaten zu ratisiciren; nach den aus Bogota im vorigen Frühjähr gekommenen Prognostikationen zu schießen, hätte kein Zweifel bestehen können, daß die Ratisicirung des HayHerran Vertrags einstimmig sein würde ; thatsächlich ist die Ablehnung des Vertrag? einstimmig gewesen. Dann machte man in Bogota der hiesigen Regierung Hoffnungen, daß der nächst jäbrige Congreß die erforderliche Majorität ; für den Canalverttag ausweisen würde, und inzwischen sei zu erwarten, daß der jetzige Congreß noch eine allge meine Bill passiren werde, welche den Präsidenten Maroquin ermächtigen sollte, mit den Ver. Staaten aus einer in allgemeinen Umrissen dargelegten Grundlage von neuem zu verhandeln. Die Bill aber, welche wirklich dem Congreß vorgelegt wurde, ist in dieser Beziehung absolut werthlos, und in der That lediglich darauf berechnet, als Er pressungS-Jnstrument gegen die Pana makanal-Gesellschaft benutzt zu werden. In hiesigen leitenden Kreisen werden keine Umschweife darüber gemacht, daß man die colombischen Staatsmänner für durchaus unzuverlässig hält, und sich nicht den geringsten Illusionen über die Fruchtlosigkeit des AbwartenS bis zum nächsten Jahre oder bis zur Erwählung des nächsten colombischen Congresses hingiebt; mit anderen Worten, es wird als gänzlich nutzlos erachtet, auf den jetzigen Wegen weiterzu schreiten. Mit Befriedigung kann man kon statiren. daß sich die Zahl der Süd deutschen auf hohen Posten des Reichsdienstes stetig vermehrt. Der vom Bundesrat!, dem deutschen Kaiser als neuer Reichsgerichtspräsident vorgeschlagene Dr. Gutbrod ist Württem berger und, wie schon seine Berufung zeigt, ein bedeutender Jurist. Einer der Hauptvorwürfe der immer noch partikularistisch angehauchten Demokratie war es stets, daß man zu den hohen Reichsämtern fast nur Preußen" ernenne. Wenn diese Behauptung durch die Thatsacben ad absurdum geführt wird, so wird dies auf die besonders im Süden verbreitete Verstimmung über viele Maßnahmen des jetzigen Kaisers immerhin besänftigend wirken. Die Berufung Stengels, des Bayern, als Leiter der Reichssinanzen. war ein geschickter Schachzug des Kaisers gegen die Partikularisten, die in den blauweißen Grenzpsählen seit Nieder gang des Liberalismus wieder eifrig an der Mühlarbeit sind. Ebenso zeigt die Besetzung der höchsten Richterstelle, wobei natürlich der Kaiser zunächst ge fragt wurde, von einemScharfblick, den man ihm auch in ' anderen Fragen der inneren Politik wünschen möchte.
Auö S t. Johann ander Saar wird berichtet: Um den Nachweis zu liefern, daß hier ein Bedürfniß nach alkoholfreien Wirthschaften nicht besteht, hat der Wirtheverein es seinen Mitgliedern zur Pflicht gemacht, alkobolfreie Getränke zu führen und das an den Fenstern und in den Lokalen ixrn Publikum durch Plakate anzuzeigen. Dr Vorstand bezieht den alkoholfreien Wein und überläßt ihn den Mitgliedern zum Einkaufspreis. Die Alkoholgegner werden sich wohl damit zufriedengeben, daß in den meisten Wirthschaften der Saarstädte alkoholfreie Getränke stets zu haben sind. Dem russischen MinZst e r i u m der Volksaufklärung sind 2000 Rubel zur Verfügung gestellt zur Stiftung von Preisen für die besten Schulaufsätze über ben Nutzen des
Thierschutzes und die praktischen Maß regeln, die zur Erreichung des Endzwecks, der Ausrottung menfchttcher Grausamkeit, dienen können". Das Ministerium hat den höheren Lehran stalten Mittheilung von der Stiftung gemacht. In Lehrerkreisen ist man von der Sache wenig erbaut, einmal, well man Geldpreise für nicht zweckmäßig für Schuler halt, sodann, weil man auch unerlaubte Hilfe Erwachsener bei den Arbeiten befurchtet. Trotzdem werden die Preisarbeiten geliefert werden. Das vom kulinarischen Standpunkt allerdings zweifelhafte Epitheton ornans" bejahrt" gebührt dem Pester Lloyd" zufolge, unstreitig der Semorin der kürzlich in Ncgybeskerek abgehaltenen Geflügelausstellung, einer Henne im ehrwürdigen Alier hnn 9si inn s?m?i!NNZwiNZ?n cslö i - r "ci z v ' ren. Ihr Eigenthümer ist der FelsöMuzslaer Landmann Peter Juhaß. ein passionirter Geflügelzüchter, der für seine Pfleglinge eine veritable Geflügelstammrolle führt. Ein nach allen Regeln eines Stammbaumes angefertigter legalisirter Matrikelauszug weist das Alter dieses Methusalems aus dem Geschlecht der Hühner in zweifelloser Weise nach. Und Alter schützt vor Thorheit nicht die Henne legt noch Eier! Das mag ihr nun allenfalls gegönnt sein, aber dringend zu wünschen ist im Interesse der dortigen Gourmets. daß diese in Ehren ergraute Henne unbedingt eines natürlichen Todes sterbe. : Ein Feind des EorsettZ ist der französische Arzt Dr. Marechal, welcher denFehdezug gegen dieses Kleidungsstück sogar mit Hülfe der Gesetze geführt wissen will. Er stellt die Vehauptung auf, daß von hundert corsetttragenden Frauen nicht weniger als 70 Gesundheitsstörungen aufweisen. Er schlägt deshalb vor. gegen diese schadliche Mode ein Gesetz zu erlassen. Keine Frau unter SO Jahren darf so.lautet die erste Bestimmung unter irgend welchen Umständen ein Corsett tragen. Jede Frau, welche dieser Vorschrift zuwider handelt, wird mit drei Monaten Gefängniß bestraft; ist sie noch nicht mündig, so wird den Eltern oder Vormündern eine Geldstrafe von 100 bis 1000 ZZr. auferlegt. Eine Mtere Bestimmung gibt außerordentlich strenge Vorschriften in Bezug auf die Herstellunci und den Verkauf von Corsetts. Ob sich wohl in einem modernen Staatswesen ein Politikus finden wird, der diese gut gemeinten Vorschlage zum Gesetz erhebt? Für den Gedanken, in Umgebung Eisenachs ein Landschaftstheater zu errichten, für das als natürlicher Prospekt der Wartburghügel in Frage käme, sucht man neuerdings die dortige Einwohnerschaft zu, interessiren. Herr Dr. Wachler, Gründer, Besitzer und Direktor des Vergtheaters in Thale am Harz, versucht in Eisenach ein Comite zu gründen, das die einleitenden Schritte für die Errichtung eines analogen Theaters für Eisenach thun soll. Er selbst will, da er durch das Harzer Unternehmen vollauf in Anspruch genommen ist, nur anregend und berathend in dieser Angelegenheit wirken. Die Kosten für die Errichtung des Theaters, schätzt Dr. Wachler auf ca. 30.000 Mark. Er glaubt, daß Herr v. Wildenbruch für ein Eisenacher Landschaftstheater gern einNepertoirestück schreiben würde. Vorderhand hat das Projekt für Eisennach wohl wenig Aussicht auf Verwirklichung, da die maßgebenden Kreise mit ihrer Un terstlltzung noch zurückhalten. Einjählingsunterbro chenes Militärconcert erregte kürzlich in Brandenburg a. H. die Einwohnerschaft. An einem Sonntag concertirte dort in demNestaurant Ahlerts Berg" die Kapelle des 35. Jnsantene-Regi-ments. Sie war gerade im besten Zu ge, als ein Leutnant des Regiments erschien und dem Kapellmeister befahl, sofort aufzuhören und mit den Musikern das Lokal zu verlassen, was alsdann auch geschah. Das verblüffte Publikum erfuhr hierauf den Grund dieser eigenthümlichen militärischen Maßnahme. Vor dem Manöver hatte ein Offizier des Regiments mit einem Kellner des Lokals einen Streit gehabt. worauf der Wirth von dem Offizierscorps veranlaßt wurde, denselben zu entlassen. Als nun die Fllnfunddreißlger aus dem Manöver zurückkehrten, sahen einige Offiziere den Kellner wieder in dem Lokal und stellten denWirth darüber zur Rede. Er entschckldigte sich damit, daß er keine andere AusHilfe habe finden können, doch ließen dies die Offiziere nicht gelten, sondern veranlaßten nun die schleunige. Abbes rufung der Regiments kapelle.
Die rntystlyaste Cafel. Humoreske von Karl Pauli. Ganz G.... war in fieberhafter Aufregung, die Stadt schien dem Schicksal, weltberühmt zu werden, nicht mehr entgehen zu können und lauschte, wie der Apotheker Simmrich sich ausdrückte, lauschenden Ohres dem Rauschen des Flügelschlages der Berühmtheit!" Beim Umbau eines Kuhstalles, welcher dem Weber Pfützenschnieber gehörte der Mann hieß eigentlich Schnieber, wurde aber, da sich bei schlechtem Wetter vor seinem Hause stets eine große Pfütze bildete. Pfützenschnieber genannt, weniger um auf diesen Umstand hinzudeuten, als um einer Verwechselung mit dem Seiler Schnieber vorzubeugen, den man aus demselben Grunde Hanfschnieber
nannte beim Umbau von Pfützenschnieber's Kuhstall also war eine Tasei gefunden worden, von der man Alles hoffen und erwarten konnte, was man je von einer Tafel für die Wissenschaft erhofft und erwartet hat. Die Tafel selbst war eine gewöhnliche Steintafel aus Schiefer: ein Meter und dreißig Centimeter hoch, fünfundzwanzig Centimeter breit und fünf Centimeter stark. An und für sich war sie also durchaus nicht räthselhaft; was sie räthselhaft machte, das waren die Zeichen, die sie trug. Diese waren dafür aber auch um so räthselhafter. 203c& sie zu bedeuten hatten, wie die Tafel in Pfützenschnieber's Kuhstall kam, wer die Zeichen darauf eingegra ben, das Alles war vor der Hand ein Räthsel; fest stand nur, daß die Tafel ein Fund von enormer Wichtigkeit war und daß ihr Alter ein, sehr hohes sein mußte. Jedenfalls war sie älter als Pfützenschnieber's Kuhstall, sicher älter wie die Stadt selbst, vielleicht stammte sie aus vorchristlicher, vielleicht sogar aus prähistorischer Zeit. Jedenfalls aber war der Fund von unendlichem Werth, wenn es erst gelungen war, die seltsamen Schriftzeichen, welche dieTasei bedeckten, zu entziffern. Aber das kann Jahre in Anspruch nehmen. . Solche Zeichen, Buchstaben und Charaktere hatte noch kein Mensch gesehen, selbst nicht der Herr v. Zinutoli, der doch für einen halben Alterthumsforscher galt er hatte einst in der Ressource einen Vortrag über Die Brille Wallenstein's" gehalten und darin nachgewiesen, daßWallenstein keine Brille getragen hätte, was übrigens kein Mensch je behauptet hat selbst dieser Kundige mußte bekennen, daß an diesem Stein sein ScharfsiniP zersplitterte. Der Herr Pfarrer wußte nur, daß es Griechisch nicht sein könne, weil das mit ganz anderen Buchstaben geschrieben werde, und der Apotheker meinte, es könne ebenso gut eine Art Runenrundschrift sein, wie Bruchstücke aus der sehr wenig bekannten siamesischen Zwillingssprache. Ziemlich allein stand der Bürgermeister mit der Behauptung, der Stein sei die verloren gegangene Gesetzestafel der heiligen elf Gebote. Schon weil es nur zehn Ceböte gibt, theilte keiner seine Meinung. Am unklarsten über den Werth und Inhalt der Tafel war der glückliche Besitzer Pfützenschnieber. Einmal glaubte er. sie sei gar nichts werth, und ein anderes Mal bildete er sich ein, Hunderttausende für den Stein zu bekommen. Oft stand er stundenlang vor der Tafel und betrachtete die seltsamen Zeichen. Diese waren auch in der That seltsam genug. Die ganze Tafel war durch horizontale Linien in elf Theile getheilt, jeder Theil etwa eine Hand breit. Von links theilte ein senkrechter Strich einen halben Fuß so ab, wie etwa auf einer Rechnung oder in einem Contobuch der Raum für das Datum vorn eingetheilt ist. Dieser vordere Raum trug nun stets in jedem Zwifchenraum ein auf der ganzen Tafel nicht mehr wiederkehrendes Zeichen, und da elf Zwischenräume vorhanden waren, waren auch elf untereinandersiehende isolirte Zeichen vorhanden. Ganz anders der fernere Inhalt der Tafel rechts von dem senkrechten Strich; hier wiederholten sich beinabe sämmtliche Schriftzeichen auf allen elf Linien. Es mußte also eine Art Kanon oder ein Akrostichon sein, was hier wiedergegeben war, da jede andere Deutung auf eine beinahe bettelhafte Armuth der Sprache schließen ließ, in welcher der Text der Tafel verfaßt war. Die technische Ausführung des Textes selbst war eine äußerst unvollkommenc, die Zeichen nur mit ganz leichten Meißelhieben in den Stein gegraben. oft nur gekratzt. Ein Wunder allein konnte die Deutlichkeit der Schriftzeichen durch all' die Tausende der Jahre erhalten haben. Die erste Zeile enthielt als Zeichen einen der Form nach unbekleideten Fuß; die Zeichnung drückte allerdings die Zehenbildung nicht aus, immerhin aber war die Form zu erkennen eZ konnte allerdings auch einBaumstumpf sein aber der Fuß lag doch näher. Rechts von dem senkrechten Striche folgten nun zuerst ein Kreis, dann ein kurzer, senkrechter Strich, dann zwei übereinander liegende wagerechte S!riche, dann ein Kreis mit einem Punkt in der Mitte, dann ein Dreieck, dann ein oben offener Halbkreis, danach fünf, wie die fünf auf einem Würfel stehenden Punkte und ein Quadrat. Diese Charaktere kehrten in abwechselnder Reihenfolge auf jeder Zeile wieder; nur die v?r dem senkrecht stehenden Strich waren in ihrer Eigenart nur einmal vorhanden. So zeigte z. B. die
erste Zeile den schon oben erwähnten Fuß, die zweite Zeile eine Hacke, die
dritte ein iötng, das wie ein Auge aussah; die vierte eine, wenn auch unvollkommen ausgeführte Hand; die fünfte eine Scklanae oder ein oewundenes Band; die sechste einen SchlüNel, es konnte aber auch eine Petroleumlampe sein; die siebente unverkennbar eine Schaufel und so wener. Jetzt war die Frage: Was soll aus der Tafel werden? Der Bürgermeister wollte dieselbe im Rathhause aufstellen, und der Pfarrer verlangte sie für die Kirche. Beide geriethen sich darob hart in die Haare, und als der Bürgermeisier hörte, daß der Pfarrer einige Male rn der Dämmerstunde bei Pfützen schnieber's Haus gesehen worden sei. da veröffentlichte er in dem amtlichen Theile des Stadtblattes, daß gesun dene Gegenstände unter dem Schutz der Behörde ständen und die heimliche Verschleppung solcher Objecte ange messen bestraft würde. Dafür ermahnte der Pfarrer die Kinder in der Schule zur Wahrheitsliebe und warnte sie vor leichtfertigem und gedankenlos fern Gebet. Denn wie leicht könne man da die heiligen Dmge verwechseln oder zwei nichtgehörige zusammendringen, wie denn einst mit dem Spruch geschehen sei: Jedermann sei Unterthan der Obrigkeit, die Gewalt über uns hat, denn sie gehet umher wie ein brüllender Löwe und suchet, welchen sie ver chlm ge." Was zwar, wie ein Beispiel aus den neuesten Tagen deutlich zeige, mit unter vorkäme, leider vorkäme, was aber durchaus nicht immer der Fall sei, wie denn auch der Spruch ganz anders laute. Natürlich erzählten die Kinder das zu Hause, und da gab es denn großes Geschrei. Die Einen meinten, das dürfe der Pfarrer nicht, und die Anderen sagten, dem Bürgermeister sei ganz recht geschehen, warum habe er das von den gefundenen Sachen m das Stadtblatt fetzen lassen. So bildeten sich zwei Parteien, denen sich nach und nacy die ganze Stadt anschloß, und es wurde gestichelt, gehetzt, geklatscht unv verlästert, daß es eine Art hatte. Der Einzige, der keiner Partei angehörte, war Pfützenschnieber. Ihm war der Streu ganz egal und fcesor: ders darum uninteressant, weil er unnöthig war. Von ihm bekam weder der Pfarrer noch der Bürgermeister die Tafel, denn Beide wollten wenig oder gar nichts dafür geben; er aber wollte durch die Tafel ein reicher Mann wer den, hatte sich bereits zu fabelhaften Summen, die er zu fordern gedachte, emporgeschwungen und war nun bemüht, dieses Geld fieser unterzubrm gen, was sehr schwer sein soll. Die Zelt aber, die ihm noch übrig blieb, be nutzte er dazu, auf Nachricht von der Berliner Akademie zu warten, an die er eine genaue Beschreibung der Tafel eingesendet hatte. Seine Mühe sollte nicht unbelohnt bleiben. Eines Tages traf ein sehr hofliches, aber sehr reiervirt gehaltenes Schreiben von der Äkademie ein, in welchem man ihm mittheilte, daß die Anstalt aus seiner Be schreib'lng keine Schlüsse ziehen könne. ihm aber freistelle, die Tafel auf seine Kosten nach Berlin zu schicken, wo dieselbe gern geprüft werden sollte. Pfützenschnieber fiel beinahe um, als er das Schreiben las. Ihm, der geglaubt hatte, sämmtliche Professoren würden sofort auf den Knien zu seiner Tafel rutschen, ihm schrieb man so etwas. Er wüthete, raste, schimpfte, aber zuletzt wer sollte ihm die Tafel abkaufen, wenn nicht die Akademie? Er machte deshalb gute Miene zum bösen Spiele aber die Tafel nach Berlin schicken, fiel ihm nicht ein. Er die Kosten tragen?! Die Stadt lag sechs Meilen von der Bahn und hundertdreißig Meilen von Berlin entfernt. Jedoch beschloß er, ein Uebriges zu thun, und ließ die Tafel photographiren. Aber entweder hatte die Tafel im entscheidenden Moment gewackelt, oder man photographirt hundertdreißig Meilen von Berlin etwas undeutlich, kurz, die Photographie kam mit dem Bemerken zurück, das Bild sei so unklar, daß sich gar nichts aus demselben ersehen lasse. Immerhin erscheine der Gegenstand interessant genug, um dem Petenten entgegenzukommen, und wolle daher die Akademie die Transportkosten übernehmen. Pfützenschnieber triumphirte. Zwar ärgerte ihn das Wort Petent fürchter lich, aber dafür wollte er sich schon rächen. Jetzt kostete die Tafel eben zehntausend Mark mehr; denn daran, daß ihm jetzt jede Summe bewilligt und gegeben würde, daran zweifelte er keinen Augenblick. Wie würden sie sonst die Transportkosten tragen die wußten schon, was sie thaten, und wollten nur billig zu der Tafel kommen. Aber er wollte sie schröpfen; wenn sie nur erst die Tafel gesehen hatten, wenn sie erst in Berlin war, kam sie, das wußte er, koste es, was es koste, nicht mehr 'raus. Aber sie sollte nicht nach Berlin kommen, trotzdem der Wagen, der sie zur Bahn bringen sollte, schon vor der Thür hielt, trotzdem die große Kiste, die sie aufnehmen sollte, bereit stand. Die Tafel sollte nicht nach Berlin kommen, denn eben, als man sie in die Kiste legen wollte, sagte einer der mitbeschäftigten Arbeiter, der im letzten Moment erst eingetroffen war: . Herrje, das ist ja dem alten Rieger sein Contobuch!" Was ?" tiefen die Versammelten denn alle, der Bürgermeister, der Psa? rer, der Apotheker waren zu diesem
wichtigen Moment herbetgeeilt. Was ist das?" Dem alten Rieger sein Contobuch ! wiederholte der Arbeiter und setzte tu klärend hinzu: Vor zwanzig Jahren, so lange mag's wohl her sein, da war der alte Rieger Vorarbeiter im Regensbacher Schieferbruch und nebenbei hielt er einen kleinen Ausschank im Steinbruch. Und nun schreiben konnte er nicht, aber uns mußte er doch bis zum Lohntag creditiren, deshalb machte er sick immer solche Reichen. Sehen Sie hier, der Fuß, das ist der lahme Baumert, der hinkte auf einem Bein, und der Kreis hier, der soll ein Glas Bier bedeuten." Und der senkrechte Strich?" rief der Pfarrer. Das war ein Viertel Schnaps! Und die übereinander liegenden Striche?" forschte der Apotheker. Das war 'ne Klappstulle!" Und der Kreis mit dem Punkt?" fragte der Bürgermeister hastig. Ein Glas Bier mit 'nein Schnaps!" replicirte der Arbeiter. . Und das Dreieck?" wimmerte Pfützenschnieber. Ein Hering!" .Und der Halbkreis?" Eine Schüssel Gallert!" Und die Punkte?" Für'n Sechser Schnupftabak!Und das Quadrat?" Ein Viertel dicken Ohlauer!" Die Wirkung dieser Enthüllungen war erschütternd. Pfützenschnieber lehnte, einer Ohn macht nahe, an einem Thürpfosten. Der Pfarrer saß ganz aufgelöst auf einem Stuhl, und derApotheker rannte mit einem lauten: Verrückt! Verrückt!" davon. Da raffte sich auch der Bürgermeister auf, nahm Hut und Stock, und dem vernichteten Platten finde? einen zerschmetternden Blick zuwerfend, ging er mit den tadelnden Worten: Nun, Herr Schnieber, ich danke Ihnen, Sie haben uns ja schön zum Besten gehabt!" seines Weges und überließ den Unglücklichen seinem Schicksal. Am nächsten Tage aber las man im amtlichen Theile des Stadtblattes, daß Jedermann aufmerksam gemacht werde, daß die Verhöhnung solcher Personen, die einem wissenschaftlichen Irrthum unterlegen sind, vom Gesetz streng bestraft werden. Und am Sonntag wählte der Herr Pfarrer zum Text seiner Predigt den Spruch: Selig sind die Einfältigen!", was denn auch die ganze Gemeinde, den Bürgermeister an der Spitze, vor Allem,, aber Pfützenschnieber baß er freute.
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