Indiana Tribüne, Volume 27, Number 49, Indianapolis, Marion County, 19 October 1903 — Page 6
Jttdiana Tribünc, IS. Oktober 1903
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Europaische Nachrichten.
A essonarmstadt. D a r m st a d t. Der 61-jährige Landwirth Chr. Büttner, Ruthsstraße 4 dahier wohnhaft, wurde in seiner Hofraite von seinem Pferde beim Anschirren derart an den Kopf geschlagen, daß er nicht mehr zur Besinnung kam und an demselben Tage noch seinen Verletzungen erlegen ist. A l s f e l d. Selbstmord beging der an Nervosität schwer leidende LandWirth Kreuter, indem er sich zwischen Kartorf und Ober - Gleen in den Gleenback stürzte. A u e r b a ch. Der Maurer Funk von hier wollte Steuergelder bei der Untererhebestelle einzahlen. Auf dem Wege dahin wurde er ohnmächtig, setzte sich auf die Treppe eines Hauses im Steinweg und sank bald darauf leblos um. B in ger brück. Bei Oberwesel wurde die Leiche des. vom Trajektdampfer in den Rhein gestürzten Postschaffners Heckert aus Waldagesheim gelandet. H ä h n l e i n. Ein Unglücksfall hat die Familie des Herrn Philipp Edel hier betroffen. Die Ehefrau des Genannten fiel so unglücklich die Treppe hinab, daß sie die, durch ihr Ausbleiben beunruhigten Angehörigen bewußtlos im Keller liegend fanden. Ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben, verstarb die Unglückliche am selben Tage. Klein - G e r a u. Hier starb der seit einem halben Jahre erblindete, weithin bekannte Lehrer i. P. Herr Heinrich Klein im 88. Lebensjahre. Ober - Mörlen. Verschwunden ist der 34 Jahre alte Landwirth Scheibel. Trotz sofortiger Nachforschung hat man noch keinen Anhalt über sein Verbleiben, so daß man einen Unfall befürchtet. Weinbeim. Der 46 Jahre alte enoaynanine'.tt zofierl wome oas Geleise überschreiten und kam dabei zu Fall. In demselben Augenblick wurde ihm von einem abgestoßenen Güterwagen das rechte Bein unterhalb des Knies abgefahren. Wanern. München. In seiner Wohnung an der Amalienstraße 55 1 erschoß sich der Studirende der Rechte an der hiesigen Universität Kurt Siedfried. Der Beweggrund ist nicht bekannt. Der Direktor des Schlacht- und ViehHofes, Jacob Magin, feierte sein 25jähriges Dienstjubiläum. Der Magistrat widmete ihm ein Glückwunschschreiben und einen Blumenstrauß. Der 46jährige Steinmetz Johann Prechtl von hier beaufsichtigte beim Kirchenneubau an der Plinganserstraße den Auszug eines Steines. Kaum war der Stein einige Meter vom Voden entfernt, fiel vom Gerüste ein Balken und traf den unten siebenden Prechtl so unglücklich, daß er todt am Platze blieb. Der Verunglückte war verheirathet und Vater von acht lebenden Kindern. A u e r b a ch. In Miltenburg wurde in der Nähe des Bahnhofes der vormalige Schneidemühlbesitzer, jetziger Privatier HeinrichSeufert von hier todt aufgefunden. Ob Unglücksfall oder Verbrechen vorliegt, wird der ärztliche Befund feststellen. Augsburg. Der Stadtpfarrer von St. Ulrich, Joseph Maria Friesenegger, feierte sein 50jähriges Prie-ster-Jubiläum. B a m b e r g. Die verstorbenen Eheleute Bickel vermachten unserer Stadt 30.000 Mark zur Unterstützung derunglückter Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr. Fürholz. Auf der Dampfsäge des Philipp Essig wurde der Heizer Franz Schmöller infolge Ausgleitens einer Eisenstange erschlugen. Schmöller hinterläßt eine arnce Wittwe mi! drei kleinen Kindern. Gmain bei ReZchenhall. Bürgermeister Manhart hier beging das 50jährige Jubiläum der Zubereitung und Lieferung der Molken für den Kurgarten in Reichenhall. Kimratshofe n. Das Oekono-mie-Anwesen der Wittwe Hermann brannte nieder. Nur die Kühe konnten gerettet werden, das Geflügel kam im Feuer um. Landshut. Fischermeister Rauch und der Fischergehülfe Höcherl fischten in der Jsar. Dabei kippte der Kahn um und beide fielen ins Wasser. Rauch konnte sich durch Schwimmen retten; Höcherl ist ertrunken. T r o st b e r g. Obersäger Georg Bauer aus der Scherrmühle wurde todt in seinem Vette auf gefunden. Er hatte sich mit Arsenik vergiftet. V e r s b a ch. Auf traurige Art hat der verheirathete Steinmetzmeister Jo seph Kühn, Vater zweier Kinder, das Leben verloren. Vor dem Gasthaus zur Krone kam er einem dort haltenden Metzgergefährt zu nahe; dessen Pferd scheute, schlug nach hinten aus und dem Kühn direkt in den Rücken. Kurze Zeit danach starb der Mann. Würzburg. Professor Dr. theol. Anton v. Scholzbeging sein 50jähriges Priesterjubiläum. P a s s a u. Der mit Einsalzen von Dachbalken auf dem Bauplatz der Wohnhäuser für die Angehörigen der Verkehrsbeamten (Spritzberg) beschäftigte ledige Reinhold Stäche aus Areslau ist aus beträchtlicher Höhe abgestürzt und hat dabei so schwere Verletzungen erlitten, daß er bewußtlos vom
Platze weg durch die Sanitätscolonne in das Krankenhaus gebracht werden
mußte. P f a f f e n b u r g. In der Rohrme:er'schen Wirthschaft hier wurde der ledige Taglöhner Gg. Schneller nach kurzem Wortwechsel von einem Müllerbursckien erstochen. Schönau bei Lindau. Der radfahrende Dienstknecht Jak. Schmid stieß mit einem Fuhrwerke zusammen und erlitt so schwere Verletzungen, daß er sofort todt war. WUrttemverq. Stuttgart. Der König hat dem Privatier Carl Körner hier und dessen Gemahlin anläßlich ihrer goldenen Hochzeit seine Glückwünsche aussprechen und anen goldenen Pokal uberre: chen lassen. Sanitätsrath Dr. med. Wilhelm Steudel hier, der Adoptivsöhn Uhlands, ein bekannter Arzt und Naturforscher, ist im Alter von 75 Jahren gestorben. , E ß l i n g e n. Der 78 Jahre alte Ludwig Walther und seine 73 Jahre alte Ehefrau Caroline Friedericke, geb. Roth, feierten in geistiger und korpcr liche Frische das Fest der- goldenen Hochzeit. Frommern. Feuer zerstörte das Wohn- und Oekonomiegebäude des Holzhandlers Johannes Zimmer mann. Hall. Beim Baden im Kocher in der Nähe von Geyersburg ertrank der 23 Jahre alte Julius Rau, Sohn des Präzeptors Rau von hier. Die Leiche konnte mcht geborgen werden. Herrenalb. Auf dem sog. Käppele wurde der Zahnarzt Koch aus Straßburg, der mit seinem Zweirad rasch bergab fuhr, an emer Straßenbiegung über den Straßengraben an einen Baumstamm geschleudert und blieb todt liegen. Jngelfingen. Der König hat oem Mechaniker und Aichmeister Chr. Fr. Kneller und dessen Ehefrau Sophie, geb. Riedling, anläßlich der Feier ihrer goldenen Hochzeit seine Glück wünsche aussprechen und dem Jubelpaar als Andenken einen goldenen Becher überreichen lassen. Ludwigsbura. Rektor Stockmayer an der höheren Mädchenschule wurde seinem Ansuchen gemäß m den Ruhestand versetzt und ihm bei diesem Anlaß das Ritterkreuz des Kronor dens verliehen. Rottweil. Im Kreise ihrer Kinder und zahlreicher Enkel feierte Weinhändler Quirin Herderer und dessen Ehefrau Theresia, geb. Mun ding, das Fest der goldenen Hochzeit. Dir noch rüstigen Jubilare stehen im 71. bezw. 70. Lebensiahre. Schnetzenhausen. Das An Wesen des Altschultheißen Schraff ging in Flammen auf; es wird Brandstiftung vermuthet. Tübingen. Der etwa 70 Iahre alte hiesige Privatier Jakob Krauß wurde in seinerWohnung erhängt aufgefunden. Da Uhr und Geld sowie sonstige Werthsachen fehlten, nahm die Polizei Raubmord an. Als Thäter wurden Tagelöhner Räpple aus Kirchheim u. T. und der 24jährige Hand werksbursche Georg Hospaler ausHorlachen festgestellt und verhaftet. Ulm. Von Pionieren wurde die Leiche der Spenglersfrau Lisette Koch unterhalb der Traßmühle aus der Donau gezogen. Die Koch'schen Eheleute hatten früher in Langenau ein schönes Geschäft, verarmten aber infolge von Trunksucht des Mannes und zogen hierher. In letzter Zeit fanden sie überhaupt kein Unterkommen mehr. Nach Aussage des Mannes entfernte sich die Frau und brachte ihren Enischluß, sich das Leben zu nehmen, zur Ausführung. g2abetu Vühl. Der Rebmann Carl Friedrich Jost aus Altschweier fuhr mit seinem leeren Jauchewagen nach Hause und hatte sein fünfjähriges Söhnchen bei sid). Plötzlich erschrak die Kuh an dem Wagen und sprang zur Seite. Durch den starken Ruck fiel das Kind rücklings vom Wagen herab und brach das Genick. E i t l i n g e n. Die in der Spinnerei hier beschäftigte 25 Jahre alte Fabrikarbeiterin L. Herrmann kam der Spinnmaschine zu nahe und wurde an der rechten Hand schwer verletzt. Freiburg. Die in Brauerkreisen weltbekannte Schraubspundfabrik Wwe. Kromer hier, bisherige Besitzer die Herren Fabrikanten Ernst Keller und Max Kromer, ging um den Preis von 1.130.000 Mk. in den Besitz einer Aktiengesellschaft mit dem Sitz inFreibürg, Baden, über. Heidelberg. Der Vorarbeiter Trost stürzte beim Abbruch des Landfriedlichen Hauses vom 3. in den 2. Stock auf einen Balken und trug dabei einen Bruch der Wirbelsäule. Rippenquetschungen und Verletzung der Lunge davon. Ketsch.. Das iy2' Jahre alte Kind des Fabrikarbeiters Adam Baro wurde von einem hiesigen Fuhrwerk überfahren und derart verletzt, daß es noch in der Nacht seinen Verletzungen erlag. L e u t e r s b e r g. Der 32 Jahre alte Landwirth und Ortsdiener Adolf Lupberger wollte Pflaumen brechen. Er fiel so unglücklich von der Leiter herunter, daß er schwer verletzt in das Haus seines Bruders gebracht werden mußte. Mannheim. Unter dem Verdacht, ihren Sohn Franz zur Ermordung
seines Vaters Georg Späth angestiftet
zu haben, wurde die Wittwe des Letzte ren verhaftet. Vom obersten Stock werke aus, einer Höhe von ungefähr 10 Meter, stürzte der neunzehn Jahre alte Zimmermann Ludwig Herrmann aus Ohlshausen bei Offenburg. An den schweren Verletzungen ist er verschieden. O s f e n b u r g. Die Frau des Ger bermeisters Fischer wurde an der Kinzig von einem Strolche überfallen. Die Frau gab demselben ihre Baarschaft im Betrage von einer Mark, mit wel cher er flüchtete. O P P e n a u. Die vermißte ledige Anna Roth von hier wurde in dem Teiche der Baun'schen Sägemühle hier ertrunken aufgefunden. Pforzheim. Die Christian Mayer'schen Eheleute, welche ihr 60 jähriges Ehejubiläum feierten, empflngen von dem Großherzog eine Ju belgabe von 50 Mark. Ueberlingen. Der Friseur Jo sef Alexander Jauch, ein geborener Ueberlinger, der in London lebt und seit einiger Zeit zu Besuch hier weilte ist beim Baden im See ertrunken. Wieblingen. Bei der durch Herrn Geh. Regierungsraih Dr.BeckerHeidelberg hier vorgenommenen Bürgermeisterwahl wurde unser seitheriger Ortsvorstand. Herr Hermann Treiber. . : ri : r - r ji . . ciiiiuumuj uia uiu;er ivieoergewayil. ?wetnpfarz. Kleinottweiler. Hier schlug wahrend eines Tanzvergnugens der Blitz in das Tanzlokal (Michels-Saal) des Wirthes Kolb ein. Der Vlin drana zunächst in die Küche, von wo er in die Trinkstube fuhr und daselbst zwei Bergleute erschlug. Von da drang er in den Tanzsaal, tödtete dort gleichfalls einen Bergmann und verwundete sechs Personen, darunter ein Mädchen, schwer. . M u t t e r st a d t. Ein ganz gräßlicher Ungluckssall trug sich bei der Familie Georg Magin, Wirth hier. zu. Die etwa 23 Jahre alte Tochter Adelheid wollte in der Nachbarsschcune ihr Kätzchen holen und fiel von dem Heuboden so unglücklich herunter, daß der Tod alsbald eintrat. Im engsten Familienkreise feierten die Eheleute Valentin Heinrich, Kirchendiener, und seine Ehefrau AnnaMaria, geb. Schubarth, die goldene Hochzeit. R c h b o r n. Ackerer Baum wollte mit seinem ??ubrwerk einen im fteldc gelegenen Bahnübergang Passiren, als im feiten Augenblick ein Zug von Staudernheim kommend daherbrauste. Der Wagen des Baum wurde zertrümmert, Baum selbst erlitt schwere Verletzungen. U. a. wurde ihm ein Vein abgefahren und das Gesicht bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt.Vaum wurve nach Meisenkelm ins Sosvital überführt und ist dort gestorben. Oberndorf. Zwischen MannWeiler und Alsenz ließ sich die seit längerer 3m geistesgestörte Wittwe Waller von hier vom Vlitzzuge überfahren, nachdem sie vorher schon mehrmals versucht hatte, sich in der Menz zu er- . 1 tranken. Ein russischer Crbschaftsroman. Aus Petersburg wird berichtet: Ein Erbschaftsroman, von dem man eher glauben würde, daß er in der Phantasie eines Sensationsdichters entstanden ist. ruft in der Stadt Charkow lebhaftes Aufsehen hervor. Die Geschichte ist zudem ein merkwürdiges Gegenspiel zu der Angelegenheit der Humberts. In den Eisenbahnwerkstätten von Charkow befindet sich unter den Arbeitern ein junger Maschinenschlosser Namens Doroschenko, der seine Lehrzeit in dieser Werkstatt durchgemacht hatte und, nachdem er ei nige Zeit in Sebastopol gelebt hatte, wieder hierhin zurückgekehrt war. Er verdient etwa 40 Rubel im Monat und ist damit außerordentlich zufrieden. Der bescheidene und ruhige junge Mann war daher nicht wenig erstaunt, als eines Tages zwei Advokaten ihn aufsuchten und ihm mittheilten, daß er Erbe von mehreren Millionen Rubel wäre. Der einfache Millionär ist ein Nachkomme des berühmten Hetmans Doroschenko, der im 18. Jahrhundert lebte. Kurze Zeit vor seinem Tode hatte dieser in der Bank von England mehrere Millionen Rubel deponirt und durch ein Testament bcstimmt, daß dieses Geld 150 Jahre lang im Depot bleiben sollte und erst nach dieser Zeit mit den angesammelten Zinzeszinsen den noch Vorhändenen Nachkommen der Familie ausgehändigt werden soll. Die festgesetzte Frist ist jetzt vorüber, und die Erbschaft, die die respektable Summe von 62 Millionen Rubel erreicht hat, soll zwischen die sechs Nachkommen des Kosakenhetmans vertheilt werden, von denen der eine der junge Arbeiter ist. Sobald sich die Nachricht von der Erbschaft verbreitete, empfing Doroschenko taglich Anerbieten von Kapitalisten, die ihm Geld leihen wollten. Der junge Arbeiter antwortet regelmäßig ablehnend. Er ist rn seinem unerwarteten Glück völlig ruhig geblieben. Er beschränkte sich darauf, von seinem Chef Urlaub zu nehmen, um in sein Geburtsdorf Achtirok reisen und seine Papiere holen zu können. Verfängliche Frage. Erbtante: Heute habe ich Dir in meinem Testament 200,000 Mark ausgesetzt. Reffe: O, liebste Tante, wie soll ich Dir danken? Wie geht Dir'ö denn eigentlich?-
tOie oberschlesischcn Zinkhütten.
In der südöstlichen Ecke des Deutschen Reiches, eingeklemmt zwischen russische und österreichische Grenzen, liegt ein sonderbares und gesegnetes Stück Erde: der oberschlesische Bergund Hüttenbezirk. Ganz Deutschland hat kaum eine gleich merkwürdige Gegend auszuweisen. Von Gleiwitz bis jenseits von Beuthen bestimmen die Hütten, die Schächte, die Grubeneingänge, die Fabriken, die Schutthalden, die Schlackenberge und zahllose, kreuz und quer laufende Eisenbahnwege das Landschaftsbild. Dazu kommen eingesunkene Felder, quadratische Teiche voll schwärzlichem oder schwefligem Gruben- und Hüttenwasser, zu Bruche gegangene Wiesen, aus deren zerklüfteten Rändern gelbe Erde lugt weite Strecken wie eine Wüste. Trotzdem ist dies industrielle Oberschlesien weit davon entfernt, so arm zu sein wie eine Wüste. Und über die Verwüstung des alten landwirthschaftlichen Bildes des oberschlesischen Platcaus strömt ein Leben, wie es eine Wüste nicht kennt. Die Bevölkerung einer Großstadt hastet auf diesem ErOberschlesische Zinkhütte im Betrieb. denfleck durcheinander. Fast sechsmalhunderttausend Menschen wohnen auf etwa vier bis fünf Quadratmeilen zusammengedrängt in fünf Städten und einer ganzen Reihe Dorfschaften und ähnlicher Orte, die lange schon die Bevölkerung einer Stadt besitzen. Einen besonderen Reiz geben dieser nur wenig hügeligen Landschaft, in der man kaum ein solch reichhaltiges bergtechnisches Leben erwartet, die Zinkhütten. Sie produziren fast die Halste des gesummten jaynich auf oer Erde erzeugten Winkes und werden in Deutschland von keinen andern Zinkhutten erreicht. Am Taae unterscheiden sie sich wenig von den andern Hüttenwerken. Langgestreckte Häuser, aus deren schrägen Giebeldächern Schornsteine in regelmäfciaen Abstanden renzenweis hervorra gen wie feuerspeiende Zäune einzel ne gewaltige Riesenschornsteme dazwischen. die bis in den Simmel zu klettern scheinen kleine Lokomotiven, die Wagen mü Kohlen und Erz zwischen den Gebäuden hin- und herstoßen Schutthalden. Kohlenhaufen. Erzhügel das ist das auszere Jüiio zroer mit. Nur dan das Erz der Zinkbütie so unansehnlich und werthlos aussieht, wie kieseliger Sand. Dieser Sand aber enthalt vierzig Prozent des kostbaren Metalls. Abends wird das Bild der ZinkHütte weit malerischer und bunter. Aus den mehrere Meter unter der Erde neaenden arosien Rösten der sich unter das ganze Schmelzgebäude meterhoch hinziehenden Kohlengluth leuchtet es 7??sMM mmE Mmm&r Forts chafsung der frischen Muffeln nach der Hütte, weiiroth herauf und hüllt die dort arbeitcnden Heizer in ein flimmerdes Licht. Wie Höllenlnechte bewegen sich die schwarzen Gestalten von dem Rost hinauf nach dem Schacht, in den sie immer und immer wieder zerkleinerte Kohle schütten. Das Innere der Hütte. die auf dieser Gluth steht, ist von einer mörderischen Hitze erfüllt. Der Mittelbau, in den die das Erz enthaltcnden Muffeln eingemauert sind. scheint vor. Gluth bersten zu wollen. Zischend fährt ein bläulich-gelber Dampf aus kleinen Oeffnungen. Kannenartige Blechgcfäße, die vor den Oeffnungen liegen, fangen ihn auf und ziehen auch aus ihm noch einen Theil Zink. Die Schornstelnrelhen aber sind m der Dunkelheit zu magisch leuchtenden Fackeln geworden. Dazu schießen aus den Oefen, in denen die Muffeln getrocknet und geörann! werden, die hellen Flammen. Von allen Seiten leuchtet es durch das .clbdunkel in allen möglichen abgetönten Farben hinweg über die schwarz glänzende Kohle, über die gelben ErzHaufen und über die von einem feinen blaßgrauen Staub überzogenen Gebäude und über die beschmutzten, schwitzenden Menschen, die in diesem höllcnartigen Gewirr rastlos hin- und hereilen Tag und Nacht und Nacht und Tag. Nie ruht in der Hütte die Arbeit. Die Hüttenarbeiier. .Männer und Frauen, wechseln 54 schichtweise ab, und immer neue
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treten an die etene Der Avgematttleu und Müden. Nicht allein mit dem Schmelzen des Metalls in den Muffeln ist die ganze Arbeit gethan. Zuvor muß das Material noch mehrere Prozesse durchmachen. Zuerst wird es in einen Raum gekarrt, unter dessen eisernem Fußboden die glühende Luft hinzieht, die aus dem Sckmelzwerk kommt. UeberHaupt fast die ganze Hütte ist un-
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Beim Schüren des Feuers unter dem schmelzenden Erz. terminirt mit solchen Gluthgewölben. Die Hitze, die in den Kohlenschächten unter den Muffeln erzeugt wird, läßt man nicht gleich zum ersten besten Schornstein hinaus entweichen. Sie muß noch vielfache Dienste thun. Vor allem muß sie die großen Röstösen glühend machen, in denen die Zinkblende vom Schwefel befreit und in Zinkoxyde übergeführt wird. Dann wird die heiße Luft in die Trockenkammern geführt, und von dort erwärmt sie auch noch die Räume, in de nen die Tonmuffeln zum Brennen vorbereitet werden. Auf manchen Hütten wird die Hitze noch mehr ausgenutzt.' Ebenso auch die Erze. Da zieht man nicht nur das Zink heraus. Auch Schwefel und schweflige Säuren und Blei werden dem Erz abgewonnen. DieAusnutzung allen Materials ist ja der Triumph unserer Zeit und ein besonderer Triumph des Hüttenwesens. In einer modernen Hütte werden nämlich die Muffeln und die Versatzstücke selbst hergestellt. Mehrere Töpfer bauen fortwährend die etwa mannshohen Tongefäße zum Trocknen auf. Nicht nur, daß die Muffeln in der Hütte angefertigt werden sie werden auch dort gleich wieder zerkleinert, wenn sie nach dreißig Tagen, in denen sie ebenso oft mit dem von der Gluth flüssig gemachten Metall gefüllt waIm heißen Aschenkanalunter der Hütte. ren, unbrauchbar geworden sind. Die mit dem Hammer in kopfgroße Stücke zerschlagenen Reste kommen erst in den stählernen Brecher, wo sie zu erbsengroßen Stücken zermalmt werden. Von dort werfen die Mädchen sie in die Kugelmühle, die sie zu feinem Staub zermahlt, ähnlich wie das aus der Trockenkammer herbeigeschaffte Erz. Die Kugelmühle ist ein etwa vier Meter hohes eisernes, kesselartiges Geräth, in dem schwere rotirende Kugeln alles, was hineinkommt, in Mehl zerschlagen. Das geschieht mit einem Donnergepolter. Hier, in der Kugelmühle, ist die einzige laute Stelle der Hütte. Aber dafür ist es dort so laut, daß niemand des andern Wort versteht. Der aus der Kugelmühle herausfließende lehmgelbe Staub kommt nun in die Röstung. In großen, etwa zehn Meter langen Oefen wird er glühend geröstet. Ein Mann schiebt mit langen Eisenschaufeln, die er durch kleine Oeffnungen hineinführt, das rotbg.ühende Material immer ein Ende weiter. So wandert es langsam über die glühenden Röste bis an das letzte Loch, wo es wieder herausgeschaufelt und in Eisenkarren nach den Schmelzöfen gekarrt wird. Dort wird es gut gemengt und in die Muffeln geschippt. Die Muffeln werden in die Oefen geschoben und so dicht v;rmauer!, daß nur kleine Löcher zum Beobachten des Schmelzvorganges bleiben. Fast einen ganzen Tag schmort das Erz in der weißen Gluth, bis es rein genug ist, daß die Muffeln herausgenommen werden können. Das flüssige Metall wird in Schöpflöffeln aufgefangen und in Eisenformen ausgegossen. Schnell erkaltet es. Die flachen, blaßgrauen Zinkziegel werken aufgestapelt und können nun hinaus in die Welt, wo sie zu allerlei Nutz- und , Luxusgeräthen umgegossen werden. Bitter. .Sagen Sie, Briefträger, hat denn der Maier da oben so viele Bekannte, daß Sie jeden Tag etwas für ihn haben?" Ach bewahre, aber ich hab' einmal einen Streit mit ihm gehabt, und aus Rache schreibt er jeden Tag eine Postkarte an sich, damit. ich die vier Stock zu ihm 'raufsteigen muß.
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