Indiana Tribüne, Volume 27, Number 45, Indianapolis, Marion County, 14 October 1903 — Page 3

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Ausdcckuttg Von Naturalisations - Betrüge' reien in großem Stil. Präsident will dem Eougresse schärfere Maßnahmen empfehlen.

Beginn des Post.Betrugs.ProcesZes in Cincinnati. ErzbisÄof flutn, St. Louis, von seinen Leioen erlöst. Neducirung der Truppenmacht beim Colorado-streik. Sekretär Hay's Bericht in der Ca binets-Tihung. Künstler machen gegen organisirte Arbeit mobil. Bürger-Rechts Schmin d e l e i e n. Chicago, 13. Okt. Wie eine Special-Depesche aus Tacoma, Wajh., berichtet, hat der Special-Agent Vandusen des Justiz - Departements derbluffende Verstöße gegen das neue Naturalisations - Gesetz in Chicago und anderswo an's Licht gebracht. Der Agent beendete soeben eine Jnspektionstour durch den Continent. Herr Vandusen erklärt, die Bestimmung des Gesetzes, welche Jeden, der anarchistische Ansichten oder Neigungen bekundet, vom Bürgerrecht ausschließt, sei in zahlreichen Fällen ignorirt worden. Als eine Folge hiervon will Präsideut Roosevelt dem Congreß eine gründliche Aenderung des Gesetzes empsehlen, welche die Verleihung des Bürgerrechts aus die Bundesgerichte beschränken würde. Der Präsident befürwortet, wie es heißt, eine ständige Commission, welche den Applikanten zu prüfen, andere Beweise, wenn nöthig, zu sammeln und das Resultat dieser Prüfung dem Richter zu übermitteln hat. Ein Chicagoer Richter ertheilte an einem Abende 1,800 Ausländern das Bürgerrecht, eine schon physisch unmög liche Leistung, wenn die Anordnung deö Gesetzes, daß Jeder Einzelne getrennt zu vereidigen ist, beobachtet worden Wäre. In Ohio erhielten über 250 Leute von Probat-Richtern die Bürger-Pa-piere ; diesen Richtern steht das Recht der Eides-Abnahme nicht zu. Somit sind alle diese Leute, wenn sie auch ihr Gesuch in gutem Glauben einreichten, nach dem Gesetze immer noch Ausländer. Cabinets-Sitzung. Washington, 13. Okt. In der beutigen Cabinetssitzung unterbrei tete Staatssekretär Hay seine Jnforma tionen aus dem fernen Osten. Er glaubt nicht an unmittelbar bevor stehende Feindseligkeiten zwischen Ruß land und Japan, hält vielmehr die ge aenwärtiaen Unterhandlungen dem Frieden für günstig. Sekretär Wilson kündigte an, er werde nach den November-Wahlen nach dem Süden reisen, um dle Lage der Baumwollselder persönlich zu unter suchen. Generalpost?leister Payne machte auf die große Vermehrung der Landpost Routen im ganzen Lande aufmerksam. Seit Schluß des letzten Fiskaljahres ist die Zahl der Routen von 15,216 auf gegen 20,000 gestiegen. Weise Vorsicht. Wasbinaton. 13. Okt. Der Kreuzer New Orleans" ist nothwendi ger Reparaturen halber in Pokohama angekommen. Die Arbeiten besorgt eine japanische Firma. Admiral Evans, der Commandeur der asiatischen Flotte, wird bei den Be wegungen seiner Schiffe alles vermei den, was darauf hindeuten könnte, daß die Ver. Staaten den Wunsch haben könnten, in den russisch-japanischen Streit vernickelt zu werden. Washington. Gesandter Con ger theilt mit, daß der japanisch-chine sische Handelsvertrag am Donnerstag unterzeichnet wurde. Ertrunkene Deutsche. B e l v i d e r e, N. I.. 13. Okt, 2 weitere Leichen, Opfer des Hochwas sers, wurden heute in einem Felde ge funden. Es waren 2 Deutsche, die in einem kleinen Hause am Delaware schliefen. Die Fluth riß das HauS mit und bevor sie heraus konnten, wa ren die Beiden ertrunken. (

Die Po st so"

l e r unDM Cincinnati, 13. Okt. Vor Richter 21. C. Thompson im BundesDistrikts.Gericht begannen heute die Prozesse gegen Daniel V. Miller, Terre Haute, Ind., und Joseph W. Johns aus Rockville, Ind. Sie sind in Verbindung mit der sog. Poltverschwörung" angeklagt und solen von dem Turf-Jnspektor John I. Ryan $4500 Bestechungsgelder genommen haben, damit dieser an der Beuützung der Post bei seinen Schnell-Reich-WerdePlänen" nicht gehindert werde. Wie Ryan behauptet, verlangten die Angeklagten auch nachher noch eine Zahlung für Schutz", so. daß er chließlich die Sache den Postamts-Jn-pektoren vorlegte. Hilfsanwalt Robb vom Postamt und verschiedene Jnspekoren sind hier, um den Prozeß zu verolgen, der für den Staat in den Händen des Distriktsanwalts McPherson und seiner Assistenten ruht. Die Angeklagten sind durch eine Reihe von Anwälten vertreten. Die Familien der Angeklagten und viele Jndiana Freunde von ihnen befanden sich im Gerichtssaal. Als erster Zeuge wurde einRechtsclcrk aus dem Postoepartement vernommen. der aussagte, daß die Ryan-Firma auf die amtliche sog. ..Betrugsliste" gesetzt war. Erztischof Kain f. Baltimore, 13. Okt. John Joseph Kain, Erzbischof von St. Louis, Mo., ist heute Abend im St. Agnes Sanitarium gestorben, wo er seit 12. Mai als Patient verweilte. Der Tod, der friedlich eintrat, war stündlich seit mehreren Tagen erwartet worden. Der Erzbischof war zuerst wegen eines Herzleiden? behandelt wor den, später entwickelte sich Blinddarm' Entzündung. Jüdischer Gelehrter. Philadelphia, 13. Okt. Dr. Marcus W. Sastrow, ein hebräischer Gelehrter und einer der bekanntesten Juden im Lande, ist heuie in Germantown gestorben. 1829 in Preußisch-Polen geboren. kam er 1866 nach Amerika. Er wa? Chef-RedakteurderTalmud-Abtheilung der Jüdischen Encyclopädie und hatte als Talmud-Gelehrter und Schriftge lehrte? einen Weltruf. Theilweise rTruppen r ü ck z u g. Denver, Cal., 13. Okt. Gouverneur Peabody befahl heute dem Truppen - Commandeur in Cripple Creek, die dortige Streitmacht um 500 Mann zu ermäßigen. Künstler und Gewerks ch a f t l e r. N e w Y o r k, 13. Okt. Maler und Bildhauer im ganzen Lande rüsten sich zu gemeinsamem Kampfe gegen die Herrschaft, welche ihrer Behauptung nach die organisirte Arbeit über das Kunstleben auszuüben versucht. Die kürzliche Erfahrung bei der St. Louiser Ausstellung mit der dortigen Gypser-Gewerkschaft hat die Angelegenheit zur Entscheidung gebracht und eine Bewegung ist jetzt im Gange, um Künstler vor Störungen durch streikende Anstreicher, Plumber und andere Arbeiter, die an Gebäuden thätig sind. zu schützen. Man will zu diesem Zwecke eine oder mehr internationale Organisationen in's Leben rufen. Denkmals - Enthüllung. Hagerstown, Md., 13. Okt. Die zehn vom Staate Ohio auf dem Schlachtfelde von Antietam errichteten Denkmäler, darunter eines zu Ehren McKinley's, wurden heute in Gegenwart einer zahlreichen Versammlung eingeweiht. Bei Uebergabe der Denkmäler an die Regierung hielt Gouverneur Nash eine Ansprache. Gompers Rath. N e w Y o r k, 13. Okt. In einem heute Abend veröffentlichten Briefe an den hiesigen Baugewerbe-Verband empsehlen Gompers. Präsident der A. F. L., und Sekretär Duncan den Gewerkschaften Beitritt zum SchiedsgerichtsPlan der Arbeitgeber. Das Vorgehen wird als eine Niederläge gegen die sich bisher sträubenden Gewerkschaften betrachtet. Dreifacher Mörder. Chicago, 13. Ott. Carl Ellsworth, der geständig war, seine Eltern sowie einen Kostgänger in seiner Heimath Woodstown ermordet zu haben, wurde heute zu lebenslänglichem ZuchtHause verurtheilt.

Eine Mnstlcrwcttc.

Der fröhlichste Maler unter den altniederländischen Meistern war Jan Stcen in Leiden (16261679). Seine vortrefflichen Gemälde, meistens lustige Wirthshausszenen darstellend, wurden ihm damals nur schlecht bezahlt, während sie jetzt als Meisterwerke ersten Ranges hochgeschätzt werden und zu den schönsten und bewandertsten Zierden der großen Gemäldegallerien gehören. Er aber konnte mit seiner Familie von der Malkunst allein nicht leben, und deshalb betrieb er nebenbei eine kleine Vierbrauerei sein Vater war auch Brauer gewesen und verband damit eine Schankwirthschaft, in welcher es manch.. .al sehr heiter zu. ging. Oft besuchten ihn in semer Schankwirthschaft befreundete Künstler, Gerard Dow. Franz van Mieris und sonstige Leidener Kunstkollegen, sowie auch Maler aus benachbarten Städten. Eines Abends waren deren mehrere bei ihm, die fröhlich und guter Dinge mit dem lustigen Wirthe kneipten; Dow und Mieris waren ebenfalls dabei. Man lobte Jan Steens gutes selbstgebrautes Bier und lobte auch sein neuestes Gemälde, welches er ihnen zeigte. Die Unterhaltung drehte sich dann um Kunstangelegenheiten mancherlei Art, und zufällig wurde auch von dem großen deutschen Maler Albrecht Dürer gesprochen, der etwa 150 Jahre zuvor einmal in Leiden gewesen wa? zum Besuch bei dem damals so hochberühmten Maler Lukas van Leiden. Man sprach von Dürers vielfachen Kunstgcschicklichkeiten und erwähnte auch die bekannte Anekdote, datz er einmal in Italien, um die Sicherheit seines Augenmaßes und die Festigkeit seiner Hand zu beweisen, mit einem Kreidestift auf einen Tisch die Figur eines großen Kreises gezeichnet habe, welcher so genau gewesen sei, daß er die Probe aushielt, als man mit einem Zirkel nachmaß. Das kann ich auch," sagte Jan Steen gemüthlich. Es muß nämlich ein besonderer Kniff dabei gewesen sein, den ich errathen zu haben glaube. Ihr aber, meine lieben Freunde, die Ihr wahrscheinlich noch niemals über den besagten Kniff nachgedacht habt. Ihr könnt es nicht. Es käme doch zunächst auf einen Versuch an," meinte Gerard Dow. Probiren geht über Disputiren! Gib mir 'mal einen Kreidestift, Frmnd Jan, und bringe auch Deinen größten Zirkel mit." Er ekam einen weißen Kreidestift und versuchte nun mit größter Sorgfält und langsam, wie es seine künftlerische Eigenheit war. auf dem großen viereckigen Stammtisch einen 5treis zu ziehen, der, als er fertig war, auch recht gut gerathen aussah, aber, als dann die Zirkelprobe gemacht wurde, diese doch nicht zu bestehen vermochte. Danach versuchte es Franz van Mieris; doch auch ihm gelang es nicht. Ebenso wenig den anderen Malern, die als Gäste sich im Lokal befanden. Ihr könnt es alle nicht, das sagte ich ja schon," spottete Jan Steen. Du kannst es auch nicht," sagte Dow. Was wettest Du, Freund Gerard?" Fünfzig Gulden." Es soll gelten." Jan Steen holte jetzt aus einem Nebenzimmer einen runden Tisch und zog dann, um dessen Blatt herumschreitend, mit Kreide einen Kreis, der in der That die Zirkelprobe aushielt, wie sich zeigte. Das ist kein sonderliches Kunststück," meinten nun die anderen Maler. Du konntest dabei nach dem runden Tischrand zeichnen. So hätten wir es auch vielleicht fertig gebracht." Ja, warum ist Euch das nicht früher eingefallen?" lachte Jan Steen. Das ist also wie die Geschichte vom Ei des Kolumbus." Er hat recht." sagte Gerard Dow und zahlte den Betrag der von ihm verlorenen Wette. Und vergnügt schmunzelnd strich Jan Steen die fünfzig Gulden ein, die er gerade sehr gut brauchen konnte. Seltene Mildhcrzigkcit. Ter berühmte Pariser Maler Corot besaß zusammen mit seiner Schwester ein Haus im Faubourg Poissonniere. Einer der Miether, ein Schneider, kam eines Tages zu Corot und klagte, daß er den Miethzins nicht aufbringen könne. Corot wurde gerührt, erklärte aber, daß er bei seiner Schwester, der Mietheigenthümerin des Hauses, keine Fürspräche einlegen könne, er stehe schlecht mit seiner Familie. In der That galt der große Maler den Seinigen als ein Mann, der feinen Beruf verfehlt hätte. Es blieb Corot zuletzt nichts übrig, als dem armen Schneiderlein die 400 Francs Miethe zu schenken unter der Bedingung, daß er der gestrengen Schwester gegenüber reinen Mund halte. Der Schneider gewöhnte sich nun an, vor jedem Zahltag mit Jammermienen und hohler Hand bei Corot vorzusprechen, der ihm auch regelmäßig die 400 Francs gab; es bildete sich ein durch die Zeit geheiligtes Gcwohnheitsrecht. Als seine Freunde Corot darob zur Rede stellten, erwiderte er: Es scheint wirklich, als ob ich sehr edel wäre. Aber eigentlich gewinne ich noch bei der Geschichte, denn von der gezahlten Miethe kommt mir die Hälfte zu." Die Güte Corots war umso höher anzuschlagen, als er erst nach' vollendetem 60. Jahre Ruhm und Älücksguter erwarb.

Deutsch unentbehrlich. UebereinstimmendeS Urtheil der Lchrenrelt in Lckweven. Die schwedische Kultusbehörde bereitet seit einiger Zeit die Umbildung des Unterrichtsplanes an den höheren staatlichen Lehranstalten vor und hatte sich zu diesem Behufe mit den Lehrkörpern der einzelnen Anstalten rings im Lande in Verbindung gesetzt, um deren Meinung über die Bedeutung des Unterrichts in den neueren Sprachen einzuholen. Das übereinstimmende Votum der befragten Instanzen lief darauf hinaus, daß der bisherige Vorrang des Französischen beziehungsweise Englischen gegenüber dem Teutschen unbedingt beseitigt und das letztgenannte Idiom künftig an die erste Stelle gesetzt werden müsse. Sehr interessant lautet die Begründung, mit der der Upsalenser Lehreraussckuß die Nothwendigkeit dieser Lehrstofsveränderung darzuthun sucht: Die deutsche Kultur mit ihren reichen Wissensschätzen, ihren dichterischen Erzeugnissen und der Vielseitigkeit des sprachlichen Ausdruckes so heißt es da rangirt ganz unbestrittener Weise in unseren Tagen an der vornehmsten Stelle. Hinzukommt, daß die neuzeitlichen Schulbestrebungen mehr und mehr einer positiven Berücksichtigung jener speziellen Aufgaben zuneigen, durch welche die Befähigung der heranwachsenden Jugend zur späteren Theilnähme am wirthschaftlichen Leben erhöht und die Aussichten auf eine gesicherte Lebensstellung verbessert werden können. In diesen beiden gründlegenden Beziehungen bietet weder das Französische mit seinem geringfügigen kommerziellen Werthe noch das Englische mit seiner geringen Bedeutung auf rein kulturellem Gebiete die gleichen Bildungsmöglichkeiten wie das Deutsche. und es entspricht somit dem wohlverstandenen Eigeninteresse der schwedischen Schule, wenn sie sich endlich von jenen Einflüssen emanzipirt, die ein überlebter Philogallismus lange Jahrzehnte hindurch auf sie ausgeübt hat." Bezeichnend für die Aufnahme der vorgeschlagenen Sprachenreform ist es, daß der schwedische Reichstag auf Antrag der Kultusbehörde den Beschluß faßte, zwei neue Professuren für germanische Sprache" an den Universitäten Upsala und Lund einzurichten, damit es künftig nicht an dem erforderlichen, akademisch ausgebildeten Lehrerpersonal für die vermehrte Pflege des deutschen Sprachunterrichts an den Staatsschulen gebreche. Belebung stillstehender Herzen. Vor einiger Zeit berichtete Dr. A. Kuliako über Versuche, in denen es ihm gelungen war, ausgeschnittene Herzen zweier Kaninchen, die seit vielen Stunden nicht mehr pulsirten, mittelst Durchspülung warmer, mit Sauerstoff gesättigter sogenannter Locke'scher Flüssigkeit wieder zu beleben, d. h. zu energischem' Pulsiren zu bringen. So lange die Durchströmung dauerte, hielten die Herzbewegungen an. Auch das Herz einer in der Aethernarkose gestorbenen Katze wurde auf diese Weise nach 24 Stunden wieder zum Pulsiren gebracht. Kürzlich theilte nun Kuliako der Pariser Akademie der Wissenschaften mit, daß es ihm auch gelungen ist, das Herz eines drei Monate alten Kindes, das an Pneumonie gestorben und 20 Stunden nach dem Tode der Leiche entnommen war, wieder zu beleben Es wurde eine Durchströmung der oben genannten Flüssigkeit unterworfen, worauf nach 20 Minuten zuerst in den Geweben, dann in der rechten Herzkammer schwache rhythmische Zusammenziehungen eintraten, die sich allmälig verstärkten und schließlich in regelmäßige Pulsationen übergingen, die eine volle Stunde hindurch anhielten. Mit gleichem Erfolge wurde spater dieses Erperiment auch an anderen menschlichen Herzen ausgeführt, und es gelang sogar, Pulsationen in den Geweben und den Vorkammern noch 30 Stunden nach dem Tode hervorzurufen. Zu viel Ansichtskarten. Während des Sommers ist in England der Gebrauch der illustrirten Postkarte so angewachsen, daß in vielen Postämtern die Beamten Ueberstunden machen müssen und trotzdem mit der Arbeit nicht fertig werden können. Aus Douglas, einem Orte auf der Insel Man, wurden in einem Tage mehr als 100,000 Ansichtspostkarten versandt. In dem Seebad Margate sind sechs weitere Postbcamte angestellt worden, und trotzdem bleiben dort täglich ganze Postsäcke für die Post des nächsten Tages liegen, weil man die durch die Postkarten vermehrte Arbeit nicht bewältigen konnte. Es ist natürlich, daß unter diesen Umständen nicht nur die Beförderung der Postkarten, sondern auch die der Briefe und vor allen Dingen der Drucksachen zu leiden hat. Schachspiel für Blinde. Unter Leitung des Professors Goldberg ist in Paris ein Schachkurfus ,'ir Blinde eingerichtet worden. Man benützt hierbei Schachbrette, die in glatte und geriefelte Felder getheilt sind. Die weißen Figuren unterscheiden sich von den schwarzen dadurch, daß die einen oben abgerundet und die anderen uneben sind, so daß man sie durch's Gefühl unterscheiden kann. Eine Wohlthäterin hat für den Zweck eine Anzahl Schachbrette zur Verfügung gestellt. Die Australier sind die größten Theetrinker der Welt.

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Aus! n n o r Beim SpielindenTod. In Stadtlengsfeld bei Eisenach. Thüringen, rannte neulich beim Blindekuhspielen ein achtjähriger Knabe mit dem Kopfe an einen im Wege stehenden Baum und erlitt dabei eine so schwere Gehirnerschütterung, daß zwei Tage später der Tod eintrat. Die äl r i n B e l g nin in der dieser Tage Die Greisin gegangenen noch vier am teste Einwohnei c n s , die Wittwe BruGemeinde Herpies, feierte ihren 105. Geburtstag. hatte aus ihrer 1826 einEhe fünf Kinder, wovo Leben sind. Gegenwärtig gefähr 40 Enkel und Ur besitzt sie un enkel. Vernünftige Beweis f ü h r u n g. Um den Nachweis zu liefern, daß in St. Johann, Rheinprovinz, ein Bedürfniß nach alkoholfreien Wirthschaften nicht besteht, hat der dortige Wirtheverein es seinen Mitgliedern zur Pflicht gemacht, alkoholfreie Getränke zu führen und das an den Jenstcrn und in den Lokalen dem Publikum durch Plakate anzuzeigen. Der Vorstand bezieht den alkoholfreien Wein und überläßt ihn den Mitgliedern zum Einkaufspreis. Ein eigenartiger Unglllcksfall ereignete sich jüngst in der Nähe von Crailsheim, Württemberg. Die Polizei verfolgte einen Zigeuner. Als dieser in der Nähe des Orts einen Gendarmen hinter sich gewahrte, wollte er entfliehen und trieb seine Pferde zum eiligsten Tempo an. Ein Schreckschuß vermehrte noch das Tempo, ein Kind fiel aus dem Wagen, zu gleicher Zeit stürzte der Wagen um und begrub das Kind unter sich, so daß dasselbe sofort todt war. Der Zigeuner wurde dingfest gemacht. Unfall bei einer Rebh u h n j a g d. Auf der Pußta des Grafen Stephan Tisza bei Gest in Ungarn fand kürzlich eine Rebhuhnjagd statt. Während der Jagd erblickte der als Treiber beschäftigte zehnjährige Emerich Ungvare zwei Patronen vor den Füßen des Grafen Stephan Tisza jun. Er bückte sich, um dieselben aufzuHeben, und stieß hierbei an das Gewehr des jungen Grafen. In diesem Augenblick entlud sich die Waffe und die Ladung drang tn den Kopf des Knaben, der an Ort und Stelle starb. WunderbareRettung. Letzthin Nachts fuhr ein Bauer mit seinem voll beladenen Gemüsewagen von Dcuil nach Paris. Bei einem Eisenbahnüber gange erfaßte ein Eilzug das kleine Gefährt, warf das Pferd bei Seite, das, ohne Schaden erlitten zu haben, sofort aufsprang, und nahm den Wagen selbst auf seine Puffer. Der Maschinist bemerkte sofort ein Hinderniß und ließ den Zug halten, worauf man den Bauern, den der Stoß natürlich aus dem süßen Schlafe aufgeschreckt hatte, unversehrt auf seinem Gemüse liegen fand. Der Wogen hatte keinerlei Beschädigung erlitten. Ein B o ck st r e i ch. In einer kleinen Gemeinde am Eingange des Zillerthals in Tirol ging unlängst der Gastwirth auf die Rehjagd. Am Reiherkogel schoß er einen Bock an, der aber davon lies und von den Hunden verfolgt, sich gegen St. Gertraud! wandte, wo ihn wieder die Ortsjugend verfolgte. In feiner Noth rannte er in ein an der Straße stehendes Gasthaus und in die Wirthsstube, wo er sich unter dem Tisch versteckte. Die Wirthin und die Kellnerin waren ob des seltsamen Gastes nicht wenig erstaunt, noch mehr aber der heimkehrende Wirth, der in dem Thiere seinen entlaufenen Bock wiederfand. Einjährig-Freiwilli-ger als Einbrecher. Der Einjährig-Freiwillige Overeß des in Hannover garnisonirenden FüsilierRegiments Nr. 73 hatte sich neulich wegen Diebstahls vor dem Kriegsgericht zu verantworten. Der Angeklagte war vor einiger Zeit unter dem schweren Verdacht verhaftet worden, in zwei Fällen je einen Diebstahl respektive Einbruchsdiebstahl zum Nachtheile eines ihm befreundeten Kameraden verübt zu haben. Da die Beweisaufnahme seine volle Schuld ergab, so verurtheilte ihn das Kriegsgericht zu drei Monaten und 14 Tagen Gefängniß fowie zur Versetzung in die zweite Klasse des Soldatenstandes und zum Verlust der Berechtigung zum Einjährig-Freiwil-ligcn-Dienst. Theure" Gattin. Auf einem Dampfschiff hatte jüngst, kurz bevor dieses in Montreux nach Genf abfuhr, ein Passagier aus Deutschland einen Platz belegt, indem er seinen Ueberrock auf denselben legte. Auf just diesen Platz setzte sich eine Dame. Der Deutsche kehrte zu dem von ihm belegten Raum zurück und reklamirte denselben für sich. Darob wurde die Dame wüthend und warf den Mantel des Teutschen ohne Weiteres in den Genfersee. Der Mantel enthielt unter Anderem 1000 Mark und verschiedene andere Werthsachen. In Genf angekommen, begab sich der Geschädigte, nachdem er die Polizei von dem Fall unterrichtet hatte, mit der rabiaten Dame, dem Gatten derselben und einem Polizisten auf das deutsche Konsulat in Genf, und der Gatte der Dame gab vor dem Konsul die Erklärung ab, daß er allen Schaden, den seine Frau verursacht habe, vergüten werde.

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