Indiana Tribüne, Volume 27, Number 43, Indianapolis, Marion County, 12 October 1903 — Page 7

Jndiana Tribüne, 12. Oktober 1903.

Im Üanne des Wohles

...Roman... von Alfred Sassen. Fortseung. 2)te Baronin nickte und seufzte. Und nun reist Bodo plötzlich ab. Wie eine Flucht sieht das aus. Ja, mein Gott, wie kann der prächtige Mensch auf einmal fo so unritterlich vorgehen? Verzeihe meine offene Sprache, aber ich finde keinen anderen Ausdruck. Weshalb thut er das? Weißt Du einen triftigen Grund? Um eine andere Liebe kann es sich doch nicht handeln " Nein, nein," beeilte sich die Baronin zu versichern, das ist ganz ausgeschlossen. Wäre dies der Fall, so hätte er auch nicht einen Augenblick gezögert, davon zu sprechen." So bleibt uns als Erklärung nur eine übertriebene Feinfühligkeit. Er hat so lange gewartet und gezögert, so lange hin- und herempfunden und hinund hergedacht, bis die Meinung in ihm großwuchs, er dürfe nicht in den Augen der Welt als Mitgiftjäger gelten. Nun gut, es mag schön sein, wenn die Jugend ihr Thun und Handeln von einem Standpunkt aus regeln will, der sich kühnen Muthes emporreckt in den Glanz und die Klarheit des Idealen. Aber ich meine, wir müssen unser mühsam erworbenes bischen Weisheit brauchen, um der allzu siegesgewissen Ingend damit zuzuwinken und sie zeitig genug herabzuholen von einem Sockel, der vielleicht über Nach; schon zu wackeln und abzubröckeln beginnen kann. Ist es so. Elisabeth? Und wollen wir in dieser Hinsicht unsere Pflicht und Schuldigkeit thun?" Jetzt suchte die Baronin ihrerseits nach den Händen der Geheimräthin und drückte sie. Zu sprechen vermochte sie nicht. Die Geheimräthin fuhr fort: Tu hast allerdings auf meine Frage nur wie ein krankes Vögelchen wehNüthig mit dem Kops geniest, allein es mag mir vorderhand genügen. Also helfen wollen wir. So höre vor allem, wie Mr. Rollenhagen in der Angelegenheit denkt. Er liebt sein Kind leidenschaftlich und ist kaum weniger unglücklich, als sie selbst. Und zugleich ist er zornig über Bodos Handlungsweise. Er hatte seinen Antrag mit vollständiger Sicherheit erwartet und als ein Mann, der durch die amerikanifche Schule gegangen, schon vorher seine Dispositionen getroffen. Natürlich wollte er seinen zukünftigen Schwiegersohn nicht in einer abhängigen Stellung sehen. Bodo sollte als Theilhaber in ein großes Bankhaus eintreten. Alles war schon unter der Hand vorbereitet. Und nun rennt Bodo auf und davon " Die Geheimräthin erhob sich in der Erregung und machte einen Gang durch das Zimmer. Wir müssen ihn zurückholen. Er darf seine glänzenden Aussichten nicht so mit Füßen treten. Übrigens habe ich noch mehr von den guten Absichten Mr. Rollenhagens zu berichten. In seiner kaltblütigen, amerikanischen Art, unter der sich aber das gute deutsche Herz verbirgt, fand er durchaus nichts dabei, ganz ohne Rückhalt mit mir darüber zu sprechen. Und nach längerem Ueberlzgen bin ich zu dem Entschluß gekommen. Dir seine Worte ungeschminkt zu wiederholen. Wir wollen uns auf den Standpunkt Mr. Rollenhagens stellen und in erster Linie bedenken, daß es gilt, ein schönes und gutes Werk zu thun. Ihm so wenig, wie uns Allen, ist natürlich entgangen, daß Deine liebe, prächtige Gisela und der Dragoner Partendorff von eine? wirklich tiefgehenden Neigung zu einander erfaßt worden sind. Der Leutnant ist aber ein armer Teufel, und die Liebe der Beiden darum so gut wie aussichtslos. Nun möchte Mr. RollenHagen den rettenden Engel spielen Das heißt, Bodo soll, sobald er Jeanettes Gatte ist, der Schwester seine Hilfe anbieten, in zarter, diskreter Weise, so daß die jungen Leute schon zugreifen dürfen. Sieh, liebe Elisabeth, so könnten wir schließlich ein zweites Paar mit dem Anrecht auf Glück in das harte, grausame Leben hineinstellen wenn Dein Herr Bodo nur von seinen seltsamen Plänen ablassen und nach Berlin zurückkehren wollte Die Baronin brach plötzlich in ein nervöses, aber befreiendes Weinen aus. Ihr armes Kind, ihre tapfere Gisela, sollte nicht den dornenbestreuten, schlimmen Entsagungsweg gehen müssen es gab eine Aussicht, sie dem strahlenden Glück in die Arme zu führen! Die Baronin konnte nicht anders, sie. mußte der Freundin um den Hals fallen und sie küssen. Wunderbar gekräftigt fühlte sie sich auf einmal. Nun wollte sie auch kein Geheimniß mehr vor der Geheimräthin haben, und so theilte sie ihr mit, daß einen Tag vor Bodos Schreiben ein kaum weniger schlimmer Brief angekommen sei, der an ihren lieben Mann mit der schlechtversteckten Demüthigung seines InHalts. Die Geheimräthin lohte auf. In dem Eifer, der sie nur das eine Ziel vor Augen haben ließ, vergaß sie ganz, der Baronin ein Wort des Bedauerns zu sagen dafür stand es für sie nun aber unumstößlich fest, daß Bodo unverweilt nach Hause zurückkehren müsse, um den Eltern die Sorgenlast von den Schultern zu nehmen. Und war er erst da nun, dann fand sich auch das .Andere.

oie aupljache. dann rollte sich der Weg auf zu einem beneidenswerien Loos. das er allem tritt blinken Vugen noch nicht erkennen wollte. Die Baronin ließ sich nicht anstecken von der fröhlichen Zuversicht der Freundin. Auch vor ihrer Seele gauleiten jetzt helle, glänzende Bilder, und sie ließ sich unschwer überreden, an Stelle des Barons als Abgesandte zu Bodo zu reisen. Die Geheimräthin meinte etwas pathetisch, die Mutter finde am sichersten den rechten Weg zum Herzen ihres Kindes. Ganz plötzlich aber verfiel die Baronin aus ihrem zuversichtlichen Lächeln wieder in ein stilles, ernstes Sinnen. Sie legte die Hand auf den Arm der Freundin und sagte zögernd mit bewegter Stimme: Liebe Blanka he ich reise möchte ich wohl Fräulein Jeanette einmal sehen und sprechen " Die Geheimräthin glaubte zu errathen, was die Baronin zu dieser Bitte veranlaßte. Sie wollte aus eigene? Anschauung Bodo berichten können, wie sehr er geliebt werde. So komm doch gleich jetzt mit mir." Ich mache mich fertig." Eine halbe Stunde später stand die Baronin in Jeanettes Boudoir. Im großfaltigen, weichen, weißen Morgenkleid lag das junge Mädchen auf dem Ruhebett, und ihr schönes Gesicht war wirklich blaß und eingefallen wie das einer Schwerkranken. Der süße, rosige Hauch frohen Erfchreckens floq darüber hin, als sie die

Mutter des Stillgeliebten erkannte, die I sich mit gütigem Wort zu ihr nic'.)erbeugte. Sie richtete sich ein wenig auf und p,eßte die blassen Lippen auf die schmale Hand der Baronin. Und Plötzlich kam wieder der große, bitterfressende Jamm in ihr zum Ausbruch und warf den zierlichen Körper unter krampfhaften Zuckungen hin und her. Ein fassungsloses Weinen und Schluchzen erschütterte ihn. Die Baronin legte den Arm um sie und flüsterte weich und innig: Nicht doch, mein liebes Kind ! Be. ruhigen Sie sich! Ich denke, es wird noch alles gut werden " O Frau Baronin," schluchzte Jeanette, ich schäme mich! Wie kann man so all' seine Würde und seinen Mädchensiolz verlieren aber ich fühle mich so elend so so ach. helfen Sie mithelfen Sie mir!" Die Baronin streichelte ihr die Wangen und Hände und tröstete vonNeuem: Gewiß gewiß, es wird alles gut werden. Ich reise morgen zu Bodo er wird mit mir nach Berlin zu-rückkeh-ren und wir feiern ein fröhliches Wiedersehen! der thörichte Junge wie konnte er nur Sie brach ab und küßte herzlich das junge Mädchen. 10. Kapitel. or dem Bahnhof des kleinen Marktfleckens Eellenborn hielt ein hübsches, bequemes Wägelchen von ländlichem Aussehen. Bodo von Tegenhardt sprang herunter und übergab die Zügel seiner Kousine Marga, die auf der braungepolsterten Bank verharrte, während er selbst durch das niedrige Stationsgebäude nach dem Bahnsteig schritt, um den Zug zu erwarten, mit dem die Baronin ankommen wollte. Gestern war in Zedern im Hause des Onkels Köhler ihr Brief eingetroffen, in dem sie ihre Reise anzeigte und zugleich dieVerwandten in höflich freundlichen Worten um eine Unterkunft für einen oder zwei Tagebat. Keinerlei Andeutung über ihren Reisezweck fand sich in den wenigen Zeilen. Bodo jedoch wußte, weshalb sie kam. Er wußte auch, daß ihm ein Kampf bevorstehen würde, aber es konnte wohl kein hartnäckiger Kampf werden mit der guten, sanften Mama. Wenige Minuten später umarmte er sie, um sie dann zu dem Wägelchen zu geleiten, von dem herunter Marga in liebenswürdig bescheidener Zurückhaltung die Tante begrüßte. Die Baronin war betroffen von der eigenartigen Schönheit der jugendlichen Verwandten, und sie mußte sich zusammennehmen, diese Betroffenheit nicht merken zu lassen. Als sie dann neben Marga saß und der Wägen in fröhlichem Tempo durch den Wald dahinrollte, erschien ihr das junge Mädchen wie eine Fee. wie das Märchen dieses Waldes im Frühlingsweben, so duftig, so frisch, so ursprünglich! Und ihr wollte mitten in dem Knospen und Keimen rings, mitten in dem hoffnungsfroh fluthenden Sonnenschein, eine große Sorge im Herzen aufsteigen, ob ihre Reise wohl nicht eine vergebliche sein werde. ' Unwillkürlich ließ sie während der Fahrt ein paarmal prüfend die Blicke zwischen den Gesichtern Bodos und Margas hin- und herschweifen, allein die Beiden lächelten sie fröhlich unbefangen an, ohne daß darum jedoch ihr Herz leichter werden wollte. Das Wägelchen rollte in den großen, vortrefflich gehaltenen Bauernhof. Die Baronin sah, daß es ein solcher und nicht mehr war, aber sie erkannte auch sofort, daß der Herr dieses Bauerngehöfts, der dort drüben, auf einen derben Stock gestützt, unter der Hausthür stand, das kluge Gesicht und die Hal,tung eines gebildeten Mannes hatte. Sie wußte im Augenblick selbst nicht, weshalb diese Beobachtung dazu beitrug, die Unruhe in ihrem Herzen noch zu vermehren. s:e yaile den Mann, ver vor zwanzig Jahren die Schwester ihres Gatten aeheirathet. und den. sie seither .nicht

mehr gesehen, nicht wieder erkannt. Er dagegen behauptete ganz ernsthaft, daß er die Frau Baronin unter einer Schaar von fremden Gesichtern sofort herausgefunden hafot würde." Sie dankte mit einem flüchtigen Lächeln. Dann entschuldigte sich Bruno Köhler, daß ihn sein widerspenstiger Fuß zwinge, den Stock in der Hand zu behalten, und geleitete die Baronin in die große, helle, behagliche Wohnstube, auf deren Schwelle Tante Bertha stand und ohne 'jede Spur von Verlegenheit den vornehien Besuch willkommen hieß. Nachdem die Baronin auf dem altväterischen, aber mollig bequemen Sofa ein paar Minuten ausgeruht hatte, bat T!arga, sie vorerst auf ihr Zimmer führen zu dürfen, damit sie dort den Reisestaub abschütteln könne. Die beiden Frauen stiegen zusammen hinauf in das hübsche, kleine Giebelzimmer, das mit lustig flatternden, weißen Gardinen, einigen blühenden Topfgewächsen und gestickten Kissen und Teckchen überaus heimisch ausgestattet war. Das junge Mädchen blieb in der Nähe der Thür stehen und bot der verehrten Frau Tante, wie sie auf die Bitte der Baroum hin sagte, freundlich ihre Dienste an. Die Baronin wollte schon dankend ablehnen, da durchzuckte es sie: Du bist ganz allein mit dem Mädchen! Wer weiß, ob sich solch eine Gelegenheit noch' mals bietet! Benütze sie. um dir Klarheit darüber zu verschaffen, ob die dunklen Befürchtungen, die dich quälen, seit du in das kindlich schöne Gesicht dieses Mädchens gesehen, grundlos sind oder nicht! Sie raffte sich auf und lächelte mit den müden Lippen. Worte, scheinbar in Scherz getaucht, sollten ihr helfen. Was würden Sie sagen, mein liebes Kind, wenn ich gekommen wäre, um Bodo mit mir fortzunehmen, zurück nach Berlin?" Und sie athmete auf, als sie sah, daß Marga nicht erschrak, sondern nur ein wenig neugierig blickte. Da fuhr dieBaronitt in der gleichen Weise fort: Ja. ja, wir sind nicht gesonnen, ihn herzugeben, wir lassen cs uns einfach nicht gefallen, daß er geht. Eine Menge Arme strecken sich aus, die ihn zurückholen wollen vorAllem zwei Arme" und sie fühlte auf einmal eine verzweifelte Kühnheit in sich, sie wollte den Sprung wagen, von Jeanette zu sprechen. Und um nicht in ihrer verzweiselten Entschlossenheit wieder wankend zu werden, trat sie rasch vor Marga hin und begann mit ihr zu reden, als sei sie nicht noch ein halbes Kind, überdies ihr völlig fremd bis vor einer Stunde, sondern eine erwachsene Freundin, der sie sich in ihrer bangen Rath- und Hilflosigkeit getrost anvertrauen dürfe. Sie empfand es stechend scharf, wie ungehörig und seltsam das sei, wie zuwider ihrer innersten Natur, aber sie sprach doch, gleichsam gehetzt und vorwärts getrieben von den fernen Augen derjenigen, die sie hierhsr geschickt. Sie hatte Margas Hände erfaßt und berichtete alles von der kleinen Jeanette: wie sehr sie ihren Sohn liebe, wie er

durch seineAufmerksamkeiten ihre Liebe ermuthigt habe, um dann auf einmal von Berlin fortzugehen. Und nun sei Jeanette tief unglücklich und weine sich die Augen halb blind. Als sie mit diesen Worten geendet, mußte die Baronin allerdings, einer Schauspielerin gleich, die eine große, überaus anstrengende Rolle gespielt, sich setzen, die Kniee zitterten ihr, der Herzschlag ging hart und ungleichmäßig und die Stimme versagte. Nur in den Augen war noch Kraft, die angespannte Kraft, zu sehen und zu erkennen, wie ihre Mittheilungen auf Marga gewirkt, und ob sie hoffen dürfe oder alle Hoffnung aufgeben müsse. Das junge Mädchen hatte der Tante regungslos zugehört, die Hände leicht im Schooß gefaltet, nachdem sie denen der Baronin entglitten .... Ihre jungen, klaren Augen blickten umflort und um ihre Mundwinkel ging ein eigenthümliches Zucken inniges, erbarmendes Mitleid in ihren Zügen, nichts anderes, war die Antwort auf die Erzählung der Tante. Die Baronin sah es und hob den Kopf, die Wolkenschwere, die ihn noch eben niedergedrückt, schien ihr gewichen. Sie meinte wieder frei athmen zu können. Und jetzt sprach Marga mit der klaren, lieblichen Stimme: Das arme Fräulein Jeanette wie konnte Vetter Bodo nur o, das muß er gut machen " Fast wär den Lippen der Baronin ein froher Ausruf entglitten. Sie durfte vollkommen ruhig sein. Die von ihr so sehr gefürchteten Fäden hatten sich nicht zwischen Bodo und Marga angespönnen das süße, holde Kind besaß noch seine volle Unbefangenheit tiefes Mitleid mit der anderen, der Unglücklichen, erfüllte sie, nicht in eigenem Weh zuckte ihr Herz! Unbeschreiblich erleichtert fühlte sich die Baronin. In den heiligen Glanz einer jungen Liebe trübe und häßliche Schatten zu tragen o, nimmermehr hätte sie das vermocht! Nun aber konnte sie tapfer und eindringlich mit Bodo sprechen, wie die traurigen Verhältnisse, deren Abgesandte sie war, es erheischten. Am spaten Nachmittag fand sich die Gelegenheit zu dieser Aussprache. Bodo hatte die Mutter gefragt, ob er sie vielleicht einmal hinüber zum Schloß geleiten solle, das schmerzliche Wiedersehen war aber von ihr abgelehnt worden. Im Anotlck ver ehemals so geliebten Stätten wäre ihre Seele grausam hinund hergeworfen worden. Sie aber

oraua)!e innerliche und äußerliche Fas sung. um nicht an dem rechten Wort

vorüberzuirren, mit dem es ihr gelingen sollte, Bodo seinen neuen Lebensplänen aowenolg zu machen und sur lyre im len Hoffnungen zu gewinnen. So viele Geängstigte und Gequälte erwarteten davon ihr Hsil. Mutter und Sohn schritten in dem Garten auf und nieder, der sich hinter dem Gehöft des Oheims in breiter Behaglichkeit ausdehnte. Die Baronin kam sich hier einigermaßen gedeckt vor gegen neugierig sp'ähende Blicke. Sie berührte mit der Hand Bodos Schulter, damit er gleichfalls stehen bleibe, und begann mit einem muthigen Anlauf: Mein lieber Junge. Du kannst Dir wohl denken, daß ich keine Vergniigungsreife hierher nach Zedern unternommen habe " Sag' nur, was Du zu sagen hast Mama. Ja wir wollen uns aussprechen." Die Baronin fing an, zuerst leise und stockend, dann aber eindringlicher und zuletzt mit einer Stimme, die tiefschmerzlich beredt klang, unendlich liebevoll mahnend. Alles berichtete die bekümmerte Mutter dem Sohn: vom CZitflunnZKorUift 3 ffn4r2 shrrt fr VJVUUllCL.;iUl U,Z kkUf von der wahren, echten Verzweiflung Jeanettes, von den Plänen, die ihr Vater mit ihm gehabt und noch hatte, von dem großen Glück, das Giselas ernstes und leidensvolles Gesicht erhellen könne. wenn er nur wolle Die Worte wurden zu einer Kette von Händen, die sich nach ihm ausstreckten! Wohin er sich wenden mochte e stand Emer am Weg, um ihn aufzuhalten, ihm zuzurufen: Geh nicht fort! Sieh. Du bist unser aller Hoffnung Du allein! Ohne Dich wird cs Nacht um uns! Still blieb er, unheimlich still, als die Mutter geendet hatte. Es würgte ihn etwas in der Kehle, wohl auch im Herzen und verhinderte feine Antwort. stand l dabeim! So tief und grau ying ver immei meoer: er Vater stellungslos Gisela zu Ende mit ihren Kräften, nach ihm ausspähend als ihrem einzigen Heil und in den reichen Prachträumen der Villa in der Vlktonastraße die bitterlich weinende Jeanette! Er aber wollte unbekümmert seinen Weg gehen einen Weg freilich, den er als den einzig rechten für sich erkannt! Konnte er's' durste er's lliich dem, was et soeben gehört? Stürmisch brauste ihm das Blut zu Kopf. gegt von der anderen Frage: War es möglich, daß er so ohne Weiteres heimkehrte, nachdem er mit einer Freude, die wie eine wundersame Befreiung gewesen, den neuen Tag begrüßt und sich ihm zugefchworen? Ach. daß auch gerade die Mutter ge. kommen war, ihn vor die bitterschwere Wahl zu zwingen! Da stand sie. die über alles geliebte, blaß, bebend am ganzen Körper, in den Tiefen der Augen die athemlose Erwartung und darüber den Schleier verhaltener Thränen. Und er sollte ihr ein kurzes, hartes Nein! entgegenschleudern? Der Mutter sollte er so unendlich weh thun? Nein, nein! Nimmermehr! Aber auch das Ja vermochte sie nicht von seinen Lippen loszuringen. Jetzt nicht! Um alles nicht! Gequält stieß endlich Bodo hervor: Liebe, gute Mama, verlange nicht gleich eine Antwort von mir! Nicht wahr. Du siehst ein. daß ich da erst mit mir zu Rathe gehen muß? So warte bis morgen!" Am andern Tag jedoch war der Zwiespalt in ihm ebenso wenig entschieden. Er hatte daran gedacht, vor den Oheim hinzutreten und mit ihm alles durchzusprechen. Aber da war auch schon ein starkes Unbehagen in ihm wach geworden. Er sah den durchdringenden Blick des Onkels auf sich gerichtet, las darin den abweisenden Bescheid: In solch verantwortungsvollem Widerstreit, an dessen Schwelle Schicksalsschwere sieht, mußt Du allein die Lösung finden! Sei nur stark genug! w- w 4 r . je 1 Aver er sano ne mcur, vie oiung. und er fühlte sich nicht stark genug. Eine zornige Scham schwoll in ihm, daß es so war. und doch ließ er immer wieder die Blicke hilfesuchend in der Nunte gleiten. Auf einmal fühlte er ein starkes Reißen in seiner Seele. Es war ein Reißen hin nach der Seite befreienden Lichtes. Und ein froher Sturmwind trug ihn empor, vom Kopf bis zu den Füßen fühlte er sich durchwärmt von einem heißen Strom. Er glaubte vor der rechten Thür zu stehen und empfand gar nicht, wie widersinnig es sei. daß er. der sich selbst nicht zu rathen wußte, Hilfe und Trost empfangen wollte aus den Händen eines jungen Mädchens, das noch ein halbes Kind war. Er trat vor Marga hin. Alle seine Nöthe brachen ihm von den Lippen. Und es war ein so köstliches Vertrauen in ihm, daß sie, mit Thränen in den schönen Augen, erblassen werde, schneeig erblassen. Die Hände würde sie nach ihm ausstrecken, ihn zu halten ihn zu sich herüberzuziehen! .... Und dann mußte er bleiben und die Lösung war da! Für die Anderen, die an ihn glaubten, mußte anderwärts Hilfe gesucht und gefunden werden! Allein Marga sprach zu ihm fast die gleichen Worte, die sie gestern zu seiner Mutter , gesagt. Nur daß die Augen dabei nicht ganz so klar blickten, sondern sich in ein Fernes, Unbekanntes verloren. ' Die Worte jedoch erklangen vollkommen klar und deutlich:

Das arme Fräulein Jeanette wie konnten Sie nur, Vetter Bodo o, das müssen Sie gut machen!" Fast wäre der junge Baron getaumelt. Sie schickte ihn fort! Kalt und ruhig blieb sie. Er war gar nicht dem Himmel nahe gewesen, von dem er so Wundersames erhofft. Cleick einem unmündigen Knaben hatte er sich in wesenlosen Träumen ergangen und wobl acrii&IH (Fortsetzung folgt.)

OcssktttlitZieS Qiulbuch von Tcm percnz'Fraucn und Aerzte verein. Eine Staatsgesetzgebung von Pcnns si'löanien übertrug in ihrem landläufizen Pantoffelheldenthum die Anfertigung desjenigen Theils der Textbücher der öffentlichen Schulen, welcher die Kinder in die Anfangsgründe der Gesundheitslehrc einführen soll, dem dortigen Verein christlicher Tem-perenz-Frauen". Ueber diese jetzt in allen öffentlichen Schulen Pcnnsylval'.Icns eingeführten Bücher lassen wir den Philadelphia Demokrat" sprechen. Kein vernünftiger Vater konnte diese von dcm Comite der Womens Christian Temperance Union" redigirten Schulbücher über Physiologie' und Hygiene" in die Hand nehmen, ohne daß ihn beim Durchlesen berechtigte Entrüstung über diese bodenlosen UnWahrheiten, die in denselben über den Alkohol verzapft werden, erfaßt hätte; aar mancher deutscher Vater hätte diese Werke des Fanatismus am liebsten vernichtet, und vielleicht hat er es auch gethan. Jetzt hat auch die MedicalSocicty" des Staates Pcnnsylvanien Stellung zu den groben Fälschungen in diesen Textbüchern genommen, indem ein von ihr eingesetztes Comite, welches diese Bücher durchsehen sollte, in der Versammlung dieses ärztlichen Verbands in Aork eingehend Bericht erstattete. Dr. Louis Lautenbach von Philadelphia. der Vorsitzende des Comites, nimmt kein Blatt vor den Mund und sagt ohne Umschweife den TemperenzWeibern, daß sie sich in ihrer Gesundheitslehre grober Unwahrheiten schul dig gemacht und wesentliche Punkte gänzlich unterdrückt haben. Der Bericht erklärt: die Temperenz-Frauen scheinen der Ansicht zu huldigen, daß Temperenz den Hauptlehrgegenstand in diesen Textbüchern bilden müsse, während das Comite des ärztlichen Verbandes die Ansicht vertritt, daß in diesen Büchern vor Allem die wirklichen Grundregeln der Gesundheitslehre gegeben und über die Wirkungen von Alkohol und Tabak aus den menschlichen Körper wahrheitsgemäße Belehrung ertheilt werden solle, aber nur nebensächlich als Theil der allgemeinen Hygiene. Wenn die Temperenzfrauen so sagt der Bericht beabsichtigen, ihre Prohibitionsschrullen den Kindern einzuimpfen, so sollten sie dies offen und ehrlich sagen und nicht zu der verächtlichen Methode ihre Zuflucht nehmen, hinter einem wissenschaftlichen Titel ein einseitiges Prinzip zu verdecken. Das ist deutlich gesprochen, aber nur zu wahr. Die Irrlehre, daß Cider. Bier. Wein u. s. w.. selbst in mäßigen Quantitäten Gift" ist, muß aus diesen Lehrbüchern ausgemerzt werden. Wir dürfen nicht unserer Jugend Lügen beibringen, wir dürfen sie nicht zu Heuchlern erziehen, sonst verlieren sie den Glauben an den ganzen Unterricht, und es wird ein unheilvoller Zwiespalt Zwischen Schule und Haus geschaffen. Eycsüzliekuttflc , um Mittcrna.t. In einem französischen Blatte las man dieser Tage: In der vornehmen Gesellschaft der Vereinigten Staaten herrscht jetzt ein neuer Hochzeitsbrauch, der wieder einmal einen Beweis liefert für die Exzentrizität der Amerikaner. Die aristokratischen" Eheschließungen finden nur noch um Mitternacht statt. Am Abend geht das Brautpaar in's Theater, dann sährt es nach Hause, wo ein üppiges Hochzeitsmahl eingenommen wird. Das Essen dauert bis gegen Mitternacht, worauf das junge Paar, die Brautführer, die Ehrendamen und die Gäste sich in oie nächstgelegene Kapelle begeben. Hier findet die Trauung statt, die nur einige Minuten dauert, dann geht es zum Tanz, und wenn die Sonne erwacht, unternimmt man wohl noch eine kleine Automcbilfahrt. Im vorigen Monat ließen sich bereits 16 Paare nach dieser neuen Mode trauen." Dazu bemerkt der Matin": Die Methode ist wahrscheinlich nur für Amerika neu. In Frankreich, besonders in den bretonischen Gegenden, ist die Eheschließung um Mitternacht ein alter Brauch. In Rennes. Bannes, Quimper u. s. w. kann man oft mitternächtlichen Trauungen beiwohnen, und Alles spielt sich dabei so ab. wie es jetzt von Amerika berichtet wird. Alles, mit Ausnahme der Automobilfahrt bei Sonnenaufgang. Es giebt leider! nichts Neues unter der Sonne." Eisendaynsrevler erwischt. Bei Eupen wurde seit längerer Zeit beobachtet, daß Eisenund Holzstücke auf den Schienen nach Herbesthal festgekeilt waren, wodurch Züge in Gefahr gebracht wurden. Nun ist es gelungen, die Frevler zu erwischen. Es sind eine Anzahl Knaben, die bei der Verhaftung erklärten, sie hätten die Wirkung des Zuges auf die einI gekeilten Hindernisse erproben wollen.

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