Indiana Tribüne, Volume 27, Number 41, Indianapolis, Marion County, 9 October 1903 — Page 3

Jndiana Tribüne, 9. Oktober

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Unter DacK.

Handelsvertrag zwischen Amerika und China unterzeichnet. Oesfnuttg der MandschureiKäsen ist der wichtigste Punkt. Joses Folk als Frühstücks-Gast im Weiszen Haufe. 6s liegt ihm an der Llbfangung der landflüchtigen Budler. Beavers, der Viel-Befchuldigte, er scheint zum Verhör. Jndiana-Truppen zeichnen sich aus bei den Manövern. Enthüllungen über städtische Corruption in KansaS City. Der Handelsvertr.ag mit China. Washington, 8. Okt. Das ZtaatZ-Departement kündigte die heute vollzogene Unterzeichnung deZ chinesischamerikanischen Handelsvertrags an, sowie die am Nachmittag noch erfolgte des japanisch-chinesischen. Der Vertrag wurde in Shangai durch den Gesandten Conger und die chinesischen Commissäre unterzeichnet. Die Hauptpunkte des Vertrags betreffen die Eröffnung neuer Plätze für den Welthandel in jenem Theile des Reiches, wo America bedeutende Han-dels-Jnteressen besitzt. Bergwerksrechte, Patent-Schutz, Schutz von HandelsMarken und Verlagsrechten, Wohnungsrecht im ganzen Reich für Missionsthätigkeit. endlich das Recht, überall in China Handels- und industrielle Thätigkeit ausüben zu dürfen. Rußland hat kürzlich die Zustcherung gegeben, daß es die chinesisch-amerk. Abmachungen bezüglich der Mandschu-rei-Häfen für sich bindend erachten werde. Die hiesige Regierung wird auf diesem Versprechen bestehen. Man nimmt als sicher an, daß den Ver. Staaten die beiden Häfen in der Mandschurei geöffnet werden, wie auch die Räumungsfrage sich weiter ent wickele. Josef Folk im Weißen Hause. Washington, 8. Okt. Der St. Louiser Stadtanwalt Joseph Folk, durch seine Verfolgung der Corruptio nisten in Missouri bekannt, war heute ein Frühstücksgast des Präsidenten. Herrn Folk erwachsen bei seinem Vorgehen Schwierigkeiten durch die Flucht einiger Uebelthäter nach Canada und Mexico. Er möchte nun eine Abänderung der Auslieferungsverträge mit den betreffenden Ländern, um die Rücktransportirung der angeklagten Personen zu ermöglichen. Sein Wunsch geht dahin, daß der Präsident die Angelegenheit mit dem Staatssekretär beräth und wenn möglich die erforderlichen Amendements anregt. Nach dem Frühstück fand eine weitere Conferenz statt, an welcher Sekretär Hay theilnahm und wo die Frage der Abänderung der Verträge eingehend besprochen wurde. Später besprach sich Herr Folk noch kurz im Justiz-Departement mit dem Generalanwali. PostamtS-Scandal. C i n c i n n a t i, O., 8. Oktober. Daniel V. Miller und Anwalt Josef Johns wurden heute von der Bundes Grandjury wegen Verschwörung zum Zwecke der Bestechung angeklagt. Miller war 2. Assistent des GeneralAnwalts Tyner im Post-Departement, Johns Anwalt in Rockville, Ind., wo am 24. Mai seine Verhaftung erfolgte. Am selben Tage wurde Miller in Washington festgenommen. Die Bei den sind beschuldigt, von John I. Ryan von der Firma I. I. Ryan & Co.. gegen welche von Seiten der Post-amts-Jnspektoren eine Betrugs-Ver-sügung empfohlen war, Bestcchungs' gelder angenommen zu haben. Beide Angeklagte wurden nach ihrer Vernehmung unter je 82,500 Bürgschaft gestellt. New York, 8. Okt. N. C. Hailenbeck, von der Druckerei-Firma Aynkoop, Hallenbeck, Crawford & Co., sowie der Hülfs .Geschäftsführer der Firma V. R. Metcalf, stellten sich dem Bundesmarschall, um sich auf die Anklagen anläßlich der Postamts Untersuchung zu verantworten. Ihre Bürg schaft wurde auf je 810,000 festgesetzt. Washington, 8. Okt. Das Criminal Gericht erließ heute einen Haftbefehl gegen den New Jorker Staats-Senator George A. Green.

Vom Manöver-Felde. Camp Joung. West Point, Ky.. 8. Okt. Bei den deutigen Manöver Uebungen ging es sehr heiß zu und es wurde mehr geschossen als jemals zuvor. Die gesammten im Lager befindlichen Regulären u.'Milizen waren betheiligt; das Resultat war nach zweistündigem Kampfe unentschieden, indem die braune Armee ihre größeren Verluste durch besseres Ausnützen taktischer Vortheile wett machte. Das diesmalige Programm enthielt

keine Specificationen bezüglich der Devensive, wie bisher; es marschirten einfach eine Division Blaue und ein? sol che Braune von 10 Meilen entfernten Punkten ab, mit dem Befehl, bei Feind in Sicht" anzugreifen. Bei der blauen, vom Oberst Anderderson befehligten Division, befanden sich die 1. und 2. Brigade, darunter das 1., 2. und 3. Jndiana Jnf.-Regt. und die 10. Feld-Batterie. Die braune Division unter Befehl von BrigadeGeneral Bliß setzte sich aus der 3. und 4. Brigade zusammen, darunter die erste Jndiana Feld-Artillerie. Während des Kampfes zeichnete sich die Jndiana Brigade auö; ihr Angriff auf den linken Flügel der Braunen war der heißeste des Tages. Die Indiana'er Milizen, welche sich bereits vorher Lorbeeren erworben, gewannen weitere, indem sie 3 Compagnien des 8. Ohio Regt, gefangennahmen und dem 3. Ky. und 8. Ohio Regt. Verluste beibrachten, welche die Unparteiischen auf 220 Todte" schätzten. Hierdurch wurde der braune linke Flügel zurückgeworfen; allein die Ausnützung des Siegs verhinderten die Hoosiers auf der anderen Seite. Zur Rettung des linken Flügels kam die Jndiana Feld-Artillerie von den Braunen und hinderte die feindliche Artillerie und Cavallerie an der Verfolgung der Vortheile, welche die Infanterie errungen hatte. Die Jndiana Batterie, obwohl mit Pferden versehen, die vor den Manövern noch keine Kanone gehört hatten, nahm eine gute Stellung ein und feuerte ein Dutzend Schüsse ab, bevor reguläre Artillerie zur Stelle war. So wurde daS Vordringen der Blauen auf dem linken Flügel gehemmt. Auch bei dem Kampfe auf dem braunen Centrum that sich da- 1. Jndiana Regt, hervor, und ebenso die Jndiana Artillerie. Bemerkenswerth bei der braunen Armee war die wirksame Benutzung der Artillerie ; bei der blauen Armee manöverirten am besten die Jndiana Brigade, ein Bataillon des 20. Ins. Regts. und eine Schwadron des 7. Cav. Regts. Ihre Artillerie zeigte sich von geringem Werthe. Vorschlag an die Chine s. Regierung. Washington, 8. Oktbr. Der Präsident empfing heute in Gegenwart des Staatssekretärs die kürzlich aus Europa zurückgekehrten M'glieder der Internationalen Währungs-Commis-sion. Nach ihrem mündlichen Berichte war ihre Mission ziemlich erfolgreich. Der schriftliche Bericht kommt später an den Cor.greß. Es wurde beschlösse.:, das Commissionsmitglied Prof. I. W. Jenks nach China zu senden, um der dortigen Regierung die Annahme der Goldwährung zu empfehlen. Er reist am 25. Oktober. Ferner wurden dem Präsidenten die derzeit im Lande weilenden Offiziere des brasilianischen Kriegsschiffs Constant vorgestellt. Beavers stellt sich. New York, 8. Okt. Geo. W. Beavers stellte sich heute auf die 4. in Washington geg en ihn erhobene Anklage hin, die ihn de! Betrugs an der Regie rung durch Abschluß corrupter Contracte mit der DoremuS Machine Co." beschuldigt. Für sein Vorverhör am 27. Okt. stellte er S5000 Bürgschaft. Untersuchung städtischer Corruption. Chicago, 8. Oktbr. Die vom Stadtrath zur Untersuchung der Corruption in der Stadthalle eingesetzte Commision begann heute mit ihrer Thätigkeit. Als erster Beamter ist Bau-Commissar Williams vorgeladen. Das Publikum ist ausgesordert, Beschuldigungen nebst Beweismaterial zu unterbreiten. Geisteskranker Erfinder. Chicago, 8. Okt. Charles A. Daigh, ein früherer Regierungs-Jnge nieur, der als Erfinder nationalen Ruf besitzt, wurde heute gerichtlich für geisteskrank erklärt. Er ist 43 Jahre.

Sucht Hilfe für maced. L a n d s l e u t e. New Y o r k. 8. Okt. Dr. Schamkoff. ein Agent des maced. Wohlthätig-keits-ComiteS in Sofia, ist hier angekommen auf einer Hilfs-Mifsion für die Macedonier. Er hat auf den Universitäten von Chicago und Penna. studirt. Erwischter Defraudant. San Francisco, 8. Oktbr. I. F. Arondez wurde von einem geheimen Bundcs-Agenten verhaftet, der ihn von dem japanischen Schiff Nippon Maru" wegholte. Die Verhaftung erfolgte auf Ersuchen des hiesigen holländischen Consuls. Arondez ist beschuldigt, der niederländischen Regierung 8150,000 unterschlagen zu haben und ihre Beamten folgten ihm um die ganze Erde. Er bestieg das japan. Schiff in Vokohama. Erziehungs-Behörde compromittirt. K a n s a s City, 8. Okt. Es scheint jetzt sicher, daß die angeblichen Budel . Fälle der Mitglieder der Er-ziehungs-Behörde von einer Grandjury untersucht werden. Jeder Tag bringt neue Beweise von Corruption; heute wurde von dem Vorsitzenden des Untersuchungs-Comites mitgetheilt, daß ein Mitglied der Behörde Geld von einer Chicagoer Firma wegen Contractes für Schulbücher verlangt habe. F r e i s p r u ch. Pittsburg. 8. Oktober. Der Soldat John Dowd, welcher in der Nähe des Bundesarsenals Wm. Crowley tödtete, wurde heute vom Kriegsgcricht als nichtschuldig erklärt und aus der Haft entlassen. Das Urtheil ist von General Chaffee bestätigt. War kein DynamitVer brechen. St. Paul, Minn.. 8. Oktober. Nach einer Depesche der Dispatch" aus Helena, Mont., sollen Dynamitarden eine Brücke der North Pacific-Bahn in der Nähe von Big Timber zerstört haben. Später erfuhr man jedoch, daß die Brücke durch Funken von einer Lokomotive in Brand gerathen war. Liga amer. Gemeinwesen. Baltimore, 3. Okt. In der heutigen Conventions - Sitzung der amer. Städtc-Liga wurden eine Reihe von Vorträgen gehalten, darunter von Burgermeister I. Fleischman, Cincinnati, Hugo Greiser, Stadt-Statistiker in Chicago u. A. Nachmittags sprach Rudolf Hareg, Gesundheits - Experte aus New York, über Canalisations - Methoden in verschiedenen Städten. Tillman vernommen. Lexington, S. C., 8. Okt. I. H. Tillman, wegen Ermordung von N. G. Gonzales angeklagt, betrat heute den Zeugenstllnd in eigener Sache. Er machte seine Aussagen mit vollkommener Ruhe. Das gelbeFieber. L a r e d o, Tex., 8. Okt. Die Zahl der heutigen gelben Fieber-Fälle zeigt ein leichtes Anwachsen gegenüber den letzten 3 Tagen. Nach amtlichem Bulletin sür heute: 25 neue Erkrankungen 1 Todesfall.' Im ganzen bis jetzt 143 Erkrankungen und 7 Todesfälle. Wider die öffentlichen Schulen. Laporte, Ind., 8. Okt. Die Deutsch - Lutheranische Conferenz von Jndiana erklärte sich heute gegen die öffentlichen Schulen, da Kinder in ihnen gelehrt würden, Religion sei keine Nothwendigkeit. In den Freischulen florire die Ungläubigkeit. Die einzig zweckmäßigen Schulen seien die Parochial-Schulen. Wird gesetzmäßig pro. c e s s i r t. P u e b l o, Col., 8. Okt. Dr. C. O. Rice, ein angesehener Arzt, der gestern in sinnloser Trunkenheit einen Polizeibeamten erschoß und 3,000 Leute über 2 Stunden in Schach hielt, gewinnt allmählich im County-Gefäng. niß seinen Verstand wieder. Eine Lynchgefahr ist nicht mehr vorhanden und das Verbrechen wird durch eine Coroners-Jury untersucht. Vom W a h l k a m p f. N e w V o r k, 8. Okt. E. 23. Grout hat bis jetzt noch nicht an die Gerichte appellirt, um das Recht der republ. und Bürgerpartei-Conventionen, seine Nomination alsComptroller rückgängig zu machen, zu bestreiten. Die Ew.reichuna des abgeänderten Tickets cbz

republ. Organisation bei der Wahlb

hörde ist ohne Protest erfolgt. i i

Schwere Strafe. Humoreske aus dem Ki.".derleben von A. Burg. Mazzabella," mit diesem, einem Märchen entlehnten Namen, den meine Cousine vorschlug, hatten wir ihn genannt, den kleinen garstigen Pantoffelmacher, der jahrein, jahraus in seiner niedrigen Eckparterrestube des alten Häuschens an der Kirchgasse saß und Pantoffel flickte, oder neue machte je nachdem. Als ich, ein kleines zehnjähriges Ding zum ersten Male aus Berlin nach jener kleinen Landstadt kam, welche noch mittels dreiständiger Postfahrt erreicht werden mußte, hatte es mir Spaß gemacht, daß die kleine Anverwandte und ihre Freundinnen dort alle Menschen kannten und genau wußten, wer in jedem Hause wohnte. Das war so anders, als daheim in Berlin, wo man kaum wußte, wer die Bewohner des NebenHauses wareu. An Mazzabella's Häuschen vorüberzugehen, machte uns ganz besonderen Spaß ich weiß eigentlich nicht mehr warum; an dem einen niedrigen blindscheibigen Fenster saß der Alte und blickte öfters aus finsteren, von buschigenBrauen überschatteten Augen hinaus, an dem anderen baumelten an einer Schnur ein paar merkwürdig bunte und ungeheuer große Pantoffeln, um die Vorübergehenden auf das Geschäft aufmerksam zu machen. Ein Schild mit Firma war nirgends zu sehen, der Alte hieß in der Stadt der Pantoffelmacher", da es nur diesen einen dort gab, bei uns, wie gesagt wegen seiner märchenhaften Häßlichkeit Mazza-' bella. Als ich im zweiten Sommer wiederkam, fragte ich gleich nach Mazzabella. ,O, der lebt noch und wir machen uns jetzt immer einen furchtbaren Spaß mit ihm. wir nudeln" immer mit dem Riegel von seinem Fensterladen, da wird Mazzabella ganz wüthend." Wann macht ihr denn das?" Na Abends wenn's schon ein bischen dunkel ist, damit Mazzabella uns nicht sieht." Das lebhafte Mädchen, das sich diesen Nüdelscherz" ausgedacht hatte, war die beste Freundin" meiner kleinen Verwandten, Tochter eines verstorbenen Lehrers vom dortigen Gymnasium, ein lustiges, keckes Ding mit braunen Augen und dunklem Haar. Abends, als es dunkelte und Laternen gab es dort nicht auf den Straßen schlichen wir zu Mazzabella, und Lining unternahm, auf die Erde geduckt, das Nudeln", d. h. das unermüdliche Herumdrehen des eisernen Niegels an der Hauswand, der die früher vorhanden gewesenen äußeren Fensterläden, wenn sie zurückgelegt waren, festgehalten hatte; er gab einen quietschenden häßlichen Ton. Bald erschien Mazzabellas grauer Kopf am Fenster, mit drohender Gebärde öffnete er dasselbe, um nach dem Missethäter zu spähen aber im Augenblick der Gefahr war Lining enteilt just schnell um die Hausecke geschlichen. Schimpfend schloß der Alte sein Fenster und setzte sich wieder zur Arbeit und sogleich begann Lining wieder das Concert, bis Mazzabella vor die Hausthür trat und fast Lining gesehen hätte, die aber noch rechtzeitig entschlüpfen konnte. Wir waren etwas ängstlich geworden, Muth war meine Sache eben nicht, und baten Lining, von diesem gefährlichen und dabei doch auch höchst fragwürdigen Vergnügen abzustehen, aber sie ließ sich nicht zurückhalten. Wir gingen schon längst nicht mehr aus Neugierde mit, aber Lining konnte es nicht lassen, allabendlich einmal etwas kürzer, ein andermal etwas länger den Nudel" in Bewegung zu fetzen. Der Krug geht bekanntlich so lange zu Wasser, bis er bricht so mußte auch Lining erfahren. Mazzabella ließ sich von der allabendlichen Nüdelmusik nicht mehr überraschen, er legte sich auf die Lauer, und kaum hatte Lining den Riegel ergriffen, so stand er in seiner ganzen Kleinheit vor ihr. So so also den Herrn Doktor Lammers sine Deern," sagte er, na töv, ich war dat schonst zur De-. rektor in de Schul seggen kümmen." L:?:ing war natürlich während dieser Rede längst entflohen. An anderen Tage war'', !n der Geschichtsstunde. der Direktor trug gerade den Anfang der Reformation vor, als sich die Thür des Klassenzimmers öffnete und, im Arbeitsanzug mit der blauen Schürze und den felbstverfertigten Pantoffeln auf den Füßen, Mazzabella erschien. Mit einem Blick die ganze, für sie so gefahrvolle Situation erfassend, glitt Lining von ihrem Platz auf der letzten Bank und durch eine Nebenthür hinaus. Mazzabella brachte sein Anliegen vor gegen de Deern, de da ümmer mit sien Riegel genüdelt hätt'," und beantragte Bestrafung der Uebelthäterin, die ihm der Direktor finstern Blickes zusagte. Für diesen Tag war Lining nun zwar seiner strafenden Gerechtigkeit entrückt, denn zu der - kleinen und schwächlichen Frau Doktor in's Haus zu kommen, fiel dem Gestrengen nicht ein, aber am nächsten Vormittag wurde vor der ganzen Klasse de? Richterspruch über Lining's Missethat gefällt. Zunächst eine lange Strafarbeit hundertmal aufschreiben, .ich

will nicht wieder nudeln" und an vier Sonntagen nach der Kirche zum Herrn Direktor in's Amtszimmer kommen, dem sie auf seine ernste Frage: Willst du das wieder thun?" antworten mußte: Nein ich will es nicht wieder thun!" Aber die scbwerite S' ram noch Lining sollte selber zu ihrem Vormund, dem gestrengen Herrn Advokaten, der nebenbei gesagt keine Kinder hatte gehen und ihm ihre Sünde und die ihr vom Direktor auferlegte Strafe beichten. Diese letzte Verordnung erschien Lining und uns mit ihr die allerschwerste, und sie sowohl als wir vergössen heimlich natürlich wahre Thränenströme. Als wir ns satt geweint hatten aus Mitleid für die arme kleine Sünderin, schlagen wir ihr vor, so schnell als möglich" diesen schweren Gang anzutreten, damit bald alles hinter ihr läge und erbeten uns großmüthig zum Trost, sie lis zur Hausthür zu begleiten." Lining war erst störrisch und wollte nicht, aber schließlich siegte unsere Beredtsamkeit und der Trost, er kann dir doch den Kopf nicht abreißen." So machten wir uns am frühen Nachmittag mit dem armen Lining auf den Weg. Je näher wir dem Hause des Herrn Advokaten kamen, desto kleinlauter wurden wir. Fast wäre Lining vor der Thür wieder umgekehrt, aber schließlich aing sie doch zaghaft mit der Miene eines Opferlammes. . In seinem Arbeitszimmer saß der alte Herr und schaute von seinen Akten auf, als Lining unangemeldet eintrat. Man wußte eigentlich nie, ob er eine finstere oder eine freundliche Miene machte. Das erschwerte die Sache natürlich etwas. Na, Lining was willst du denn? Soll ich zur Mama kommen, will sie mich sprechen?" Da war's mit Linings ohnehin so schwachem Muth vorbei, schluchzend und weinend rangen sich einzelne Worte aus dem süßen Kindermund: Mazzabella nüdeln Herr Direktor Strafe u. s. w. Der Herr Vormund konnte gar nicht klug daraus werden, und Lining wußte sich nicht anders zu helfen, als indem sie uns heraufholte, damit wir ohne Seufzen und Schluchzen ein vollständiges Bild von ihrem Vergehen gaben. Als wir geendet, rieb sich der alte Herr die Hände: Und' was soll nun?" fragte er. Onkel Advokat," schluchzte Lining du sollst nun noch eine Strafe bestimmen . . ." Na, Kind, laß man nun erst das Weinen 'mal sein." der alte Herr lachte und dann nüdel du matt immer ruhig weiter . Wir sahen uns alle ganz sprachlos an aber es war richtig das war des Vormunds strenger Richterspruch. Und dann weil Ihr wegen Mazzabella solche Angst ausgestanden und Lining so treu beigestanden habt (wir fühlten uns natürlich auch etws mitschuldig!), hier " er überreichte Lining ein blankes Geldstück da geht zu Conditor Suhr und kauft euch was Ihr mögt ich aber muß weiter arbeiten geht nur jetzt und grüßt Mazzabella ..." Und draußen standen wir mit lachenden Gesichtern, Lining hielt ihr Markstück in der Hand, und unser nächster Gang war natürlich zu Conditor Suhr", wo wir einige Congreßtorten" erstanden, die wir sehr liebten, von denen ich nicht mehr sagen kann, aus welchen geheimnißvollen Bestandtheilen sie sich zusammensetzen und die ich später nirgend so wieder angetroffen habe. Die aßen wir vergnügt in der Laube des Gartens auf, ließen Mazzabella leben, der uns dazu verholfen. Aber genüdelt" hat Lining doch nicht wieder. Gemüthliches auö Schwaben.

Einige Damen waren beim Blumenpflücken vom Weg abgekommen. Ein Feldschütz stellte sie zur Rede und schimpfte fürchterlich. Als er jedoch die Folgen seiner Grobheit bemerkte, versuchte er die erschreckten Damen mit den Worten zu trösten: Denke Sie sich nix Böses dabei, sobald i saugrob bin, wird niemand g'straft. sobald i aber fei' bin, schreib ich auf und nache kostets!" Der kleine Wolfgang als Lebens rettcr. Mutter und Wollfgang gehen an einem Teich spazieren. Da wirft die Mutter die Frage auf: Nun. Wölfchen, was würdest Du thun, wenn die Mama jetzt in's Wasser fiele?" Ei, des dhät nix schade ich weiß den Weg nach Hause!" war die Antwort. Ein Gebildeter. Huber: Nach Reaumur hätten wir heute nur vier Grad Kälte. Müller: So, wann haben Sie ihn gesprochen? Jovial. Kranker (verzweifelt): Jetzt bin ich bereits zehn Jahre bei Ihnen in Behandlung! Arzt: Na sehen Sie, und leben immer noch! Ein literarischer Wirkung s k r e i s. A.: Was mag eigentlich aus unserem früheren Freunde X. geworden sein? Er trug sich damals mit hochfliegenden Plänen. Später soll er sich verbummelt haben! B.: Der giebt ja jetzt Bücher heraus! A.: Was Du. sagst! Also bis zum Schriftsteller' hat er's gebracht? B.: Nein, aber bis zum Handlanger in einer hiesigen Leihbibliothek!