Indiana Tribüne, Volume 27, Number 38, Indianapolis, Marion County, 6 October 1903 — Page 5

Jndiana Tribüne, tt. Oktober 1903.

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Ai AA U 44 tt ft n tt v-j ,-v- i-i vr j t "Vor WiKbcrgcngast tt t ,, 44 44 44 g I L t JUL s steckt doch etwas hinter dem Schiffer Jakobsen," dachte der Rektor, als er eben das Protokoll schloß, in dem er Sigurd Bastian Jakobsen, zehn Jahre alt, als Schüler der öffentlichen Schule für die höhere allgemeine Bildüng" eingetragen hatte Schiffe? Jakobsen war selbst mit seinem Sohne in des Rektors Privatzimmer gewesen. Run ging er. mit dein Knaben an der Hand, die Schulgaffe hinunter, und der Rektor sah von seinem Fenster aus hinter ihm her. (B muß doch etwas hinter dem Schiffer Jakobsen stecken." pflegte auch der Bankbuchhalter Wattne in letzter Zeit zu sagen, wenn der plumpe, schweigsame Schiffer vor den Schranken erschien mit seinem zerfetzten Kontobuch und seinen vielen Scheinen: Schisse? Jens Jakobsen, eingelegt Kr. 1500." Es steckt doch etwas in demJakobsen," sagte der Stadtvogteiasseor, der mit den drei Taxationsbeamten oben gewesen war und die Brandtaxe in Schiffer Jakobsens neugebautem Hause aufgenommen hatte, wo er das ganze solide Bauwerk mit all' seinen mauerund nagelfesten Einrichtungen bestchtigte und nichts fand vom Keller bis .zum Boden, was nicht echt und solid gewesen wäre. Und drin in der guten Stube nach der Straße zu, wo neue schöne Flickenteppiche auf dem Fußboden, gepolsterte Stühle, eine neue 'Tischdecke und eine gehäkelte Decke unter der Gipskatze auf der Kommode prangten, wurden der Herr Assessor und die Männer" mit einem ganz vassablen Portmein und einer Cigarre trattirt na ja, jedenfalls gut genug für die Männer." Ein verständiger Kerl! Läuft nicht herum und will den Baron spielen wie so viele der Herren Eismeerschiffer, wenn sie etwas Geld verdienen gibt seinen Kindern eine gute Schulbildung und macht sich's angenehm und behaglich zu Hause. Am letzten Gerichtstage haben wir auch den letzten Pfandbrief, der auf seinem Schiffe stand, gelöscht." Und die Männer" gingen heim zu l ihren Frauen, und ihre Frauen wieder '.zu andern Frauen, und nach und nach inickten und tuschelten alle verständigen (Leute der Stadt untereinander: Hm, .Ihm, es steckt doch etwas hinter dem Schiffer Jakobsen." Tas geschah besonders im letzten Winter, wo Jakobsen und alle andern Eismeerschiffer wie gewöhnlich zu Hause lagen, bis das Eis im Eismeer . gegen den Frühling hin aufging. Die Fangschiffe lagen verankert und vertaut und schliefen unter Luken und Klappen, viele Ellen hoch Schnee über sich, unten in der See. Es konnte i wohl auch ab und zu mal ein Zweifel kowni. Wenn die Fingerübungen und Tonleitern aus dem offenen Fenster von Schiffer Jakobsens guter Stube heraus klangen und die kleine Cäcilie über die Straße lief mit einem Loch im Strumpf und der Musikmappe unter dem Arm, wenn Sigurd Bastian in einer Sammtbluse mit blanken Knöpfen in die Schule kam, wenn Schiffer Jakobsen einen Nußbaumbücherschrank und einen Mahagonisofatisch auf Konkursauktionen kaufte und wenn Janna, wie alle Hausfrauen, vom Markte nach Hause trippelte mit den frischen Heringen in Papier wohlverwahrt unter dem mit Pelz gefütterten Mantel! Aber was doch alle Zweifel immer wieder besiegte, war, daß Schiffer Jakobsen selbst immer Schiffer Jakobsen blieb mit Pelzmütze, Jacke und Schmierstiefeln, schweigsam und mit derben Fäusten ohne sich weder von Schiffer Baldriansens solidem DüffelPaletot, noch von Schiffer Nannestads Spazierstock und schwarzem Hut anstecken zu lassen. Und was den Nußbaumbücherschrank und den Mahagonitisch betraf, so hatte man sich ja allmälig daran gewöhnt, daß solche Herrlichkeiten geknickter Glanzperioden auf Handwagen von den Konkursauktionen zu dem anbrechenden Wohlstände der Eismeerschiffer hingerollt wurden. Der herrliche Flügel vom Grossisten Hagerup, der erst vor drei Jahren direkt aus Leipzig gekommen, war zu Nanncstads in's Haus spazirt, der franzöftsdfe Spiegel mit der schönen Konsole, den alle Menschen noch von den Galafesten des alten Beeren her in Erinnerung hatten, den hatte Frau Baldriansen gekauft Frau Valdriansen war noch wenige Jahre vor dem Konkurs Stubenmädchen beim alten Beeren geWesen und so weiter. Es war ja auch nur ein Glück, daß Jemand die Sachen kaufte und bezahlte! Und die Grundlage des Vertrauens wurde im Laufe des Winters immer fester unter Schiffer Jakobsen. Es steckte doch etwas in dem Manne. Zu Neujahr wurde Schiffer Jakobfen in den Stadtrath gewählt. Schiffer Valdriansen hatte ja freilich seine Zweyel es schien ihm doch, daß Jens Jakobsen aber das kam auch viel leicht daher, daß der bis auf die Füße

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ä v? 0 TT U n ym 33 ernt Lie .-. .. n n n W i reichende Tüffelmantel einer gewissen Absolution bedürfte. Ter ganze Schif ferstand stimmte für Jens Jakobsen. Denn das kann doch Jedermann sehen, daß etwas dahinter steckt!" Das, was dahinter steckte, war indessen seine älteste Tochter Janna. Als Sigurd geboren wurde, starb die blasse, kleine Madam? Jakobsen. Schiffer Jakobsen fuhr damals' als Erster Mann mit dem seligen Tobiassen und wohnte unten am Strande unter dcn armen Leuten, und Niemand merkte es, daß die kleine, blasse Madame Jakobsen starb. Aber vom nächsten Jahre an hatte Jens Jakobsen jeden Herbst, wenn er aus dem Eismeer zurückkam, ebenso sicher wie Steuer und Hausmiethe auch eine kleine Geldstrafe an den Stadtvogt zu bezahlen auf Grund wiederholter Schulversäumnisse seiner Tochter Janna im verflossenen Quartal." Es war ja auch nicht so leicht für ein sieben- bis achtjähriges Mädchen, die Schulstunden immer genau innezu halten, wenn sie zugleich auch Mutter sein sollte für Cilia und den kleinen Sigurd Bastian, ohne andre Hilfe, sie mochte noch so achtsam mit den blauen Augen und noch so flink auf den kleinen Beinchen sein. Aber Jakobsen sagte nichts, bezahlte seine Strafe und strebte weiter mit seinen derben Fäusten. Zwei solch tüchtige Seemannsfäuste haben so ihre eigene Art und ihre eigene wunderliche Weise. Es war schwer zu sagen, was Jens Jakobsen dachte, wenn er in jenen Tagen am Winterabende vom Landungsplatze, wo er bei Preuß Arbeit hatte, nach Hause kam und seinen heißen Kaffee mit Butterbrod zu sich nahm, wahrend Janna in der Ecke saß und den kleinen Sigurd Bastian wiegte, die Katechlsmuserklarung oder das bib lische Geschichtsbuch auf den Knieen, blaß und klein, mit dem rothen Haar ihrer Mutter. Denn Schiffer Jakob sen schwieg beharrlich. Aber ganz unmerklich, nach und nach, als Janna allmallg aus dem rothkarirten Kleide, das die Mutter noch genäht hatte, herausgewachsen war und Cilia anfing, damit draußen :m Schmutz herumzuspringen, wah rend die Wiege auf den Boden gebracht wurde nach und nach, ganz unmerk lich, wurde Jens Jakobsen Schiffer, zog in die Stadt hinauf und bekam drei Stuben statt der einen unten am Strande zwischen den armen Leuten. Janna stand bei der Konfirmation in einem hübschen schwarzen Kleide vor dem Altar; Sonntags kom ein Braten auf den Tisch, Cilia bekam einen runden Kamm in Haar und Sigurd Ba stian einen Sonntagsanzug zu Weih nachten. Ja, das kam alles von den derben Fausten. Aber als dann das gute Jahr im Eismeer kam, wo es so unmäßig viel Geld zu verdienen gab und die schwere Winterarbeit für Preuß nicht langer nöthig war, da nach und nach, ganz unmerklich wurden die Fäuste überslusng. Und von nun an war es Janna, die in Schiffer Jakobsen steckte." Denn es waren nicht die derben Fäuste, fcje Sigurd Bastian in die öffentliche Schule für allgemeine Bil dung und Cilia in Fräulein Opmeiers Madchenschule gebracht hatten, ebenso wenig waren sie es, die die gute Stube :m neuen Hause mit Decken und schwe ren, schonen Möbeln ausputzten. Außer der regelmäßigen Eismeerfahrt vom Frühling bis zum Herbst mit der Diana" und allem, was damit in Verbindung stand Heuern. Kontrahi ren. Ausrüsten war Schiffer Jakob sen im Ganzen ein passiver Theilnehmer seine: eigenen Entwicklung, bis zur Stadtrathswahl herauf. Sie hatte wohl auch ihre Kämpfe gehabt, die rothhaarige, flinke Janna Aber das sollte nun einmal feststehen daß das Geld nicht dazu da war, um es in die Erde zu graben. Und so ein fixer Junge wie Sigurd Bastian war wäre es da nicht Sünde und Schande. wenn der ohne Unterricht aufwachsen sollte, wo doch sein Vater die Mitte dazu hatte. Sonst käme der Junge ja auch nicht weiter im Leben, als sich au dem Eismeer abzumühen oder in einer Kellerbude Butter und Eier zu verkau fen. Sigurd Bastian sollte dasselbe lernen wie all die feinen Jungen; wenn er ebenso klua war und ebenso vie Geld hatte wie sie, was stand dann im Wege, daß er auch ebenso weit kam wie sie? Die unausstehlichen Reden übe einfacher Leute Kinder dienten ja nur dazu, den Menschen den Weg da zu verschließen, wo sie nach unsres Herr gotts Meinung arade gehen sollten. Ja ja! Grade da! O, sie hatte die Sache mit unsres Herrgotts Meinung wohl überlegt; Niemand sollte ihr vorwerfen, daß sie eingebildet oder leichtsinnig sei. Janna lag eben auf der Erde und scheuerte den Gang mit aufgeschürztem Kleiderrock, doch bei diesem letzten Gedanken warf sie das Scheuertuch aus

den Boden, daß es klatschte und spritzte. j Sie strich das ihr über die Stirn fallende rothe 5)aar mit der äußeren Hand

zurück, und der runde kleine Mund naom einen entschiedenen Ausdruck an. Dann scheuerte sie weiter. Es war Mai, und der Schnee lag schmutzig und haldaufgcchaut m dcn Siraßen, )o oatz der Korridor davon vollgetreten wurde. Cilia war eben cthemloö aus und ein Gelaufen: sie batte ibr .euanißbuch zu Hause vergessen und von Fräulein AnVersen die fcnaubmtt erhalten, m oer Freiviertelstunde zurückzulaufen, um es zu holen. Ta standen natürlich die Schmutzlachen wieder aus dem tfnfü aeicueuerten! Es war schlimm mit Cilia sie war so wild und unlenksam. Besonders begabt war sie auch nicht eben. Nun ia einerlei! Warum sollte die kleine Cilia nicht die Freude in ihrem Leben haben, daß sie nette Freundinnen und besseren Unterricht als den der Volksschule hatte! Warum sollte man ihr verweigern, zwischen die niedlichen, netten kleinen Mädchen zu kommen, di: es gut hatten, die wirklich lebten, nicht nur stch plagten und abquälten, nicht nur draußen lagen und den Fußboden scheuerten. Hm Nein, halt! Das war ja etwas anderes! Sie war ja froh, daß sie scheuern konnte, sie Janna, sie wünschte sich gar nichts anderes, nicht ein bischen! Obwohl ach nein, gar nicht! Aber Cilia und Sigurd Bastian sollten doch einen anderen Weg gehen, das stand fest. Niemand brauchte auch etwas dazu zu sagen, es war alles gut so alles! Ja, es war alles gut so! Und es gab auch gewiß nur eine Stimme, die sich in Zweifeln über Jannas Zufriedenheit mit dem Stande der Dinge eraina und diese Stimme war ein Seufzer, der von der Mastspitze von Schiffer Jakobsens Facht Diana" herunter erklang, da oben zwischen den Eisfeldern :n unabsehbarer Weite, wo fern am Horizont die Höhenzüge von Spitzbergen, und auf der anderen Seite die Mitternachtssonne und lautlose Möven ab und zu vor der blutrothen Kugel vorüberflogen. Es war kem Anderer als Jörgen Bolstad. der oben in der Masttonne die Wache hatte und seufzte. Aber der Seufzer war sehr schwer, lang und ging in weite Ferne: fort über das Eis und das offene Meer, über Berge und Sunde, und auf vielgewundenen Pfaden zog sein seufzender Gedanke fort bis zu Schiffer Jakobsens Hause am Abhänge in der Stadt, hinein in die traulichen Zimmer, wo Janna nun um Mitternacht lag und schlief. Die blauen Augen waren geschlossen, das Haar beschattete ihre Stirn und ein Lächeln lag auf dcn feinen blassen Wangen. Jörgen wußte, daß sie ruhig und friedlich träumte, und zwar schwerlich von lern, der in Ledcrhosen und Eismeerausrüstung gegen- den eisigen Tonnenrand gelehnt dastand, die pcchbeschmiertcn Hände in dicken Fausthandschuhen geoorgen. Ach nem! Ach nem! Er war es wohl nicht, der jetzt in ihren Gedanken lebte! Bis lange nach Mitternacht starrt Jörgen Bolstad in die Ferne hinaus und sah der kleinen Janna blaue Au gen und rothes Haar am Strande zwischen den armen Leuten, ganz in ferner Vergangenheit, als er noch den Holz korb und den Milcheimer für sie tra gen durfte, wenn er ihr begegnete, in den böfen Tagen, wo er von seinem betrunkenen Vater fast todtgeschlagen und mit dem Fuß hinausgestoßen wor den war; er sah, wie er da vor Wuth und Verzweiflung sich selbst nicht mehr gekannt und wie Janna ihm da Kaffee gegeben hatte und sich von ihm den Ka techismus und die Eesangverse hatte abhören lassen in der Kammer beim kleinen Sigurd Bastian bis spät in den Abend, so daß sein schluchzen und Weinen längst aufgehört und der Vater seinen Rausch zu Hause ausgeschlafen hatte. Er erinnerte sich des Tages, wo er die drei Schillinge, die er am Landungsplätze von einem Teutschen bekommen hatte, in einem Loche auf dem Holzboden versteckt hatte, als ersten Anfang zu dem Kapital, womit er sich einmal cm Schiff und ein Haus kaufen wollte ein Haus für sich und seine blasse, blauäugige Zieme Frau. Seither war es mit den Schillingen nur spärlich gewesen; die dreie hatte er wieder herausgeholt, als Janna ihren Geburtstag feierte und zwölf Jahre alt wurde. Aber das Kapital war doch insoweit gewachsen, daß er nun emsah, wie es ohne Janna ihm wenig nützte, weiter zu leben. Und das hatte er ihr auch gesagt im ersten Jahre, wo er mit im Eismeer fuhr; es waren jetzt drei Jahre her, feit Janna ihm die Heuer bei ihrem Vater verschafft hatte. Und damals sah alles so ruhig, so hell, so tröstlich aus, trotzdem es mit den Schillingen nur spärlich war. Aber dann ! Es nützte nichts, vor der Wabrbei zu fliehen, sie stand da und starrte ihn an, w? er stch aucy hinwandte, sie ver folgte ihn bis weithin nach Spikber gen, und da mußte er sie sich denn schließlich selbst einmal klar und gerade beraus sagen. Und die Wahrheit war die, daß er mit der Janna, die an Wintertagen in Pelzmantel und Muff an ihm vorbeiging, nichts mehr zu schassen hatte, er, der so arm wie eine Kirchenmaus war

der Sohn von Sivert Bolstad, dem

schlimmsten Trinker der Stadt, er in Lederhosen, mit Pech an Händen und Handschuhen!

Nichts, nichts hatte er mit ihr zu schaffen! ES lag nicht an Pelzmantel und Muff; nein, gerade so hatte er sie sich vorg: stellt einmal in Zukunft; aber dann wollte er. Jörgen Bolstad. ihr all den Putz selbst föenttn. Und das war ganz etwas andres. Hatte er nicht selbst gehört, wie der Kaufmannsgehilfe bei Nilsen sie gramem Jakoosen" genannt hatte! Ha! Zum Kuckuck' mit Fräulein Jakobsen!" QaS half es ihm nun, ob sie lächelte und nickte, wenn sie an ihm vorüberging? Er durfte a nicht einmal ein richtiges Cespr'äch mit ihr halten, er mit den Lederhosen! Und nun waren es wohl schon zwei Jahre, daß er kaum ein Wort mit ihr gesprochen hatte. Und sie sie hatte natürlich längst vergessen, was er ihr an dem Frühlingsabende, ehe er abreiste, gesagt batte vor drei Jahren. Sie hatte ja auch ein freies Gewissen hatte ihm ja gar nichts erwidert, nur ihm zugehört und ihn mit ihren blauen Augen angesehen im Mondenlicht. Ach a, sie hatte es wohl vergessen. Da wollte er auch lieber gar nicht mehr an das Fräulein" denken! Aber das war s, was an ihm zehrte, daß er doch seine alte g:!:eote Janna. von der er so unsagbar viel hielt, nicht vergessen konnte schon seit der Zeit der drei Schillinge! Und wenn sie ihm nun vor der Nase weggeschnappt wurde, wenn sie nach oben streote, nach den Feinen," wo er nicht erscheinen durfte mit semen Thranstiem, wo er drau ßen stehen mußte und nur zusehen durfte ja, wofür war er dann hier und quälte und plaate sich ab. legt? jeden Schilling beiseite, machte sich zum Spott und Hohn bei den Kameraden, weil er keme Trinkgelage und Schlagereien mitmachen wollte? Vielleicht für einen trunksuchtigen Vater? Nein, es mußte ein Ende haben! Und oben in der Masttonne auf de Diana" krachte es, weil ein zorniger Mann drin saß. der Janna Jakobsen zum Kuckuck wünschte. tf?r CV-r'nfMrt trtf si?nr Illl. , UWVIVl 11 l.lllVl Diana" war unter den Letzten, die in diesem Jahr aus dem Eismeer zurückkebrten. Als die Mannschaft an'S Land kam. war daer die jährliche Jubelpericde der Svitzöeraenaäste schon in vollem (2ange, und nun galt es, sich zu eilen, wenn man noch etwas davon avdekommen wollte; sie dauert ja nicht lang: nur so lange noch einige Kronen vom Verdienst uorm sind. "Daß in diesem Jahre gute Geschäft.' auf dem Eismeer gemacht worden wa-ren.-konnte man sowohl sehen, als hören besonders Nachmittags. Durch vie herbstlich schmutzigen Straßen zogen Seeleute in dichten Haufen; unten durch die Schmgelhandlungen kamen sie aus den geheimen oder öffentlichen Vranntweinkncipen der Hintergassen Ksb ergoßen stch wie e:n dichter Strom in d:e Hauptstraßen, blieben in leohas icm Gespräch an den Eecken stehen, je mehr es Abend wurde, auch in Uebermuth und Trunkenheit, und so ergossen sie sich dann über alle Straßen, daß de? Schmutz um ste her spritzte und eme aus Thran und Branntwein ge mischte Atmosphäre über der Stadt lac Alte und zunge Damen, sammt dem zartfühlenderen Theil des Dienstmädchenstandes trippelten ängstlich und eilends vorwärts, sich mit vorsichtigem Galcschensckritt durch die Kanäle von klarem Wasser windend, die die wilde Horde hinterließ. Würdige Herren begannen, wenn sie aus ihren yuren kamen, mit ruhigem Kommandoton und brummenden Zurechtweisungen, endeten aber bald damit, daß sie gegenüber diese? rohen, explosionsdrohenden Masse dem Beispiel der Damen folgten. die Polizisten aber gehörten in dieser Zeit zu den ausstehenden Thierarten. Nur die Knaben sammt dem weniger zarten Theil des Dienstmädchenstandes hielten länger aus. Wenn dann we Nacht berankam. da hatten d:e Spitzbergengaste das Netch allem, nur von dem Theil des weiblichen Geschlcchtes begleitet, das keine Herrschaft zu fürchten hatte. Und da gab es brullende. taumelnde Gestalten. Schlägereien auf Leben und Tod in einem Chaos von kicken Stiefeln, schreienden, schmukigen 'und erhitzten Gesichtern und Straf?enkoth. so daß die Menschen in ihren Häusern sich die Decken über die Ohren zogen, und der Himmel lerne Sterne verschleierte. Abgesehen davon, daß man ja auch nette, anständiae Svitzdergenga :e fin det, die sich selbst und ihr Geld nach Haus zu Weib und Kind bringen, wird der. der Auaen hat zu eyzn, auo besonders mitten im Saufen einige weniae entdecken, die weniger trinken. die nickit schreien und sich nicht vruaeln. die nur schwatzen, lachen und eigentlich erst am andern Tage recht zum orschein kommen wenn die lange Reihe der Volieivcrkore beginnt, a erscheinen sie in netten Jacken, mit blauen Seidentüchern, lächelnd vor Woylwollen und Offenherzigkeit oder ein dreinschauend in gerechtem Schmerz darüber, daß so etwa? pairen konnte." Und wenn auch der unter suchungsrichter diese Herren in noch so starkem Verdacht hät. daß sie im Grunde die eigentlichen Anstifter der wüsten Auftritte und Raufereien sind, so ist es doch unmöglich, ste irgendwie zu überfuhren, ganz unmöglich!

Aber auch in andrer Beziehung

spornt dieses milde Lächeln und die reundliche Unterhaltung d:e brüllende, betrunkene Masse an. Wahrend der vier- bis fuufmonatlichen Fahrt auf fernen Gewässern in den engen Wänden des Schisses fammelt nch ja ttlcht fu? den, de: samneln will e:n kleiner ond von Mißvergnügen und Beschwerde; selbst der wohlwol!endcSchiffcrund der steundllchste Erlte Mann an Bord länt lich ja ab und zu hinreißen zu einem grocn Wort, einem etwas zu energischc-i Kommando, vielleicht zu einem Schlag oder gar Fußtritt hier und da in vier langen Monaten. Und da wird gespart und gespart von dem elsiigen Sammler, in aller Heimlichkeit und Sanftmuth, bis die Tour beendet, das Schiff fertig zum Löschen und die Mannschaft Abends an Bord ist. Da dringen sie -in freundlicher Unterhaltung, mit hingeworfenen sanften Fragen, leise, leise, immer weiter in di: sviritusbenommencn Köpfe, bis es endlich so weit ist, daß sich ein brüllender Sturm gegen den Schiffer erhebt. Jörgen hatte gesammelt von jener Nacht an, wo er in der Masttonne saß. Denn es war ia ganz klar, daß das ganze Unglück daher kam. daß Schiefer Jakobsen geachtet und angesehen in der Stadt war, ohne irgend einen Schandfleck oder Makel; ihm war e2 n:e pq sirt, wie den andern Schisfern, daß di: Mannschaft nach der Reise geklagt hatte, und darum hatte man ihn nun m den Stadtrath und für allerlei andre hohe Posten gewählt, und Janna war ihm gefolgt. Ja, es stand fest, der Scizfer allein war schuld dran, daß Jörgen jetzt herumging und nichts als die dunlle Leere vor sich sah dunkle, schwarz? Leere! Aber Jörgen Bolstad wollte es ihm eintränken. Er wollte es schon fertig bringen, diese ganze Ehrenhaftigkeit von ihm abzustreifen! Hatten ste es anzufangen gewußt, sein, Jörgen Bolstads, ehrenvolles Fortkommen zu hindern durch Wahl in den Stadtrath, Pelzmantel und sol elenden Plunder, so konnten sie sich darauf verlassen, daß er auch Mittel finden würde, ihnen alles über den Haufen zu werfen. Und sie, die es vergeben, was er gesagt hatte, ste sollte auch noch in andrer Weife an ihn erinnert werden. So hatte Jörgen Bolstad gesammelt; und als sie im Herbst an's Land kamen, zu Zechgelagen und nächtlichen Schwärmereien, da trank er nicht viel, wie er immer zu thun pflegte, sondern redete nur und zog mit durch alle Straßen und Kneipen wie er nicht zu thun pflegte. Die Diana" lag im Hafen, schwer geladen mit Speck und Häuten. Das Lastbooi kam den dritten -Tag und legte daneben an; und nun ging das Löschen vor sich mit rasselndem Gangspill und den bekannten Zurufen. Tauwerk und Schanzbekleidung, Lederhosen und Hände, alles glänzte von blankem Fett, und ein braungelber Qualm stieg aus dem Schiffsraum auf. Schiffer Jakobsen stand an der Luke und notirte; unten im Bott aber war Hansen, der Bevollmächtigte vom Konsul Grögaard. Ja, bis Donnerstag wurde bestimmt alles fertig die Arbeit ging ja so flott von Statten! Und doch es lag etwas Schwüles in de? Luft. Die Leute schwatzten und lachten, aber gezwungen, halblaut, als stände etwas zwischen ihnen. Schiffer Jakovfen stand da, fest und mächtig, ruhig und breitschultrig in seinen Seestiefew. und that als merke er nichts; aber es lag etwas Heraussordcrndes in seiner ganzen Gestalt, etwas, das zu sagen schien: Ja, probirt es nur! Ich bin bereit!" Und am Dienstag Morgen war nicht ein Mann an Bord, als Schiffer Jakobsen und Hansen sich einstellten, um die Löschung fortzusetzen. Und auch im Laufe des Vormittags erschien Niemand. So begab sich denn Schiffer Jakobsen mühsam mit dem kleinen Boot selbst an's Land. Sein Antlitz loar nicht eben freundlich zu schauen! Vor der Stadtvogtei fand er sie die canze Rotte. Sie wichen zurück und leiner ga'o Äntwork. als er rrogl?. was ste hier zu suchen hätten warum sie nicht zur Löschung aekommen feien. Wo ist der Erste Mann?" fragc der Schiffer plötzlich, direkt vor e'nen der Schiffsjungen tretend, so daß dieser sich nicht herauswinden konnte. Er er ist da drin, beim Vogt." Und Jörgen?" Ter ist mit ihm, glaube ich." Schiffer Jakobsen ging hinein, indeß draußen die ganze Horde stand und heimlich durch di: Fenster sah. Drinnen im Kontor fand er richtig den Ersten Mann und Jörgen, den ersteren an der Thür sitzend, den andern am Fenster siehend. Der Vogt schrieb, und die beiden Andern warteten offenbar, bis er fertig wäre. Guten Tag, Jakobsen. Setzen Sie sich ein Weilchen, stehe gleich zu Ihren Diensten." Jakobsen setzte sich in die andre Ecke. Die Feder kratzte, und Jakobsen trocknete sich den Schweiß von der Stirn. Einmal schob der Vogt Feder und Papier zurück und fragte: Nun, Leute, was war es also?" Der Erste Mann stand langsam auf. ' legte vorsichtig die Mütze auf den Joden und zog die Schnupftabaksdose heraus: Ach-h das es war ja

nichts Besonderes, wir wollten nur ' Warum kommen Sie denn zu mir?" - Nach vielen Ah'n und Eh'n, nach fortwährendem sich in allen Ecken Umsehen kam es endlich heraus: Wir wollten den Herrn Vogt nur mal fragen, ob, es zulässig ist für einen Schisfer, seinen Leuten verdorbene Kost zu geben." Nein, das ist ja klar, unter gewöhnlichen Umständen " Ja, und dann war es noch das sehen Sie, guter Herr Vogt, uns schien, daß Jakobsen, hier, sich nicht kontraktgemäß gegen uns benommen hat." Vom Fenster her, wo Jörgen stand, kam ein .halblautes Flüstern: Vergiß auch nicht, daß er Matthis geschla gen." Ja und dann war es auch noch das. daß er unsern Koch einmal übe! geschlagen hat." Erbsensuppe," klang es wieder leise vom Fenster her. Ja, und dann hat er uns gezwungen. angebrannte Erbsensuppe zu essen; ja, Sie können glauben, guter Vogt, er hat sich schlecht gegen uns betragen, harr und böse ist er gegen uns gewesen auf der ganzen Reise in diesem Jahr." So, Ihr wollt also Seegericht über den Schiffer haben?" Nein, guter Vogt, nicht so hastig! Wir wollten ja nur fragen, ob es zulässig ist für einen Schiffer, den Kontrakt zu brechen." Wollt Ihr also kein Seegericht haben?" Nein, wo denken Sie hin? Er ist ja ein guter Mann, der Jakobsen; ich bin nun sieben Jahre mit ihm gefahren und sollte den Kerl doch wohl kennen und das darf der Herr Vogt glauben, einen Besseren findet man auf dem Eismeer nicht wenn er natürlich auch seine Fehler hat, er auch, zuweilen. Tas ist es nicht" Ja, aber, liebe Leute, was wollt Ihr denn eigentlich?" Da platzte Jörgen heraus Natürlich wollen wir Seegericht über den Schiffer haberi hik! Das hik wollen wir!" Hören Sie mal, mein Freund, wie können Sie sich unterstehen, so betrunken hier herein zu kommen! Entfernen Sie sich augenblicklich!" Jörgen fing an zu lachen Ja, so geht es immer! Nun ist Jakobsen ein lo großer VJiann geworden, daß die andern großen Leute ihm zu Hilse kommen hik hik aber Seerecht soll er hik" Weiter kam er nicht, denn er fand sich plötzlich allein draußen im Korridorganz plötzlich! Janna Jakobsen saß in ihrer Stube und nähte Hemden für Sigurd Bastian. daß die Nähmaschine nur so schnurrte. Ab und zu hielt sie inne und lauschte, ob Jemand unten sei. Ulsrud, aus Jynges Geschäft, wollte ja kommen und Antwort holen ob sie mit zu dem Tanzfest Abends gehen wollte. Sie hatte sich bis heute Bedenkzeit erbeten. Ein Kleid hatte sie, Handschuhe auch, also darum War es nicht sonderbar? Jedesmal wenn es so etwas gab. Landpartien oder

dergleichen, so saß sie immer :ix da und überlegte und es war ihr immer, als thue sie ein Unrecht. Sicherlich that das keine von den Andern, ganz gewiß nicht! Weder Minna Samuelsen noch Olga Valdriansen. Uebrigens dieses Mal war es ja doch etwas anderes als die gewöhnlichen Landpartien oder Bootfahrten nach Osnaes. Zu diesem Tanzvergnügen im Klub kamen alle feinen Herren und Damen, nicht nur Ladenjünglinge und Zollbeamte. Ulsrud bei Jynge, Andersen bei Kleve, Gokstad, der schon ein eigenes Geschäft angefangen hatte, und alle diese sie gehörte ja nun dazu, seit sie einmal am letzten Johannistage mitgewesen war. Es war ja doch ein Spaß, so mitten zwischen die wirklichen Fräuleins zu kommen! Du liebe Zeit, wer konnte es ihr denn eigentlich auch verbieten? Sie war doch ebenso gut wie bic sie hatte ja ihr gelbes Kleid mit der Sammttaille und eleganter waren die auch nicht, die Fräuleins! Im Gegentheil! Aber aber! Pst! Da kommt er. Sie glättete rasch ihr Haar etwas es war doch eigentlich einfältig, daß sie es nicht brennen wollte, wozu Minna Samuelsen sie immer beredete und dann die Treppe hinunter. Guten Tag. Fräulein Jakobsen." Guten Tag, bitte, in die beste Stube." Nun komme ich also, Fräulein Jakobsen. um mein Urtheil zu erfahren." Ihr Urtheil?" Ja, ob Sie mich heute Abend begleiten wollen?" Ach ja, das weiß ich selbst nicht recht" Ich sprach eben mit Karl Grögaard, und er meinte, es werde besonders amüsant werden Er sprach sogar von Orchestermustk!" Das wäre ja schrecklich interessant," meinte Janna. Ja, ich glaube es bestimmt. Sie müssen kommen, Fräulein Jakobsen." Ich hätte, ja auch Lust" An Traktamenten soll es auch nicht fehlen natürlich auf mein Konto." O danke, das wäre doch gar zu viel!" Durchaus nicht, liebes Fräulein! Was thut man nicht für eine Dame!" Janna wollte um keinen Preis roth werden (Schluß auf Seite 6.)