Indiana Tribüne, Volume 27, Number 38, Indianapolis, Marion County, 6 October 1903 — Page 1

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Erscheint jeden Nachmittag. Jahrgang 27. Indianapolis, Ind., Dienstag, 6. Oktober 1903 , No. 38. -immimmmjbbwm"M""""-.-"-...,m'mim"....".,m.-.-m'"m'mm'1. ... ; i i ; ,-

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In entsetzlicher Weise verbrannt. Erwin Smith, der 18.jährige Sohn deZ John C. Smith, Vice-Prüfident der Jndpls. rZancy Grocery Co." beschäftigte sich heute Vormittag in dem, Geschäfte seines VaterZ mit einem electrischen Apparat, als derselbe plötzlich in Brand gerieth. Die Flammen hüllten das Gesicht des bedauernswerten jungen Mannes förmlich ein und verbrannten dasselbe in entsetzlicher Weise; auch der rechte Arm wurde bis zum Ellbogen nahezu verkohlt. Nachdem Dr. Mackay ihm im Dispensarium die erste ärztliche Hülfe geleistet hatte, wurde er nach seiner elter lichen Wohnung, No. 2325 CollegeAvenue, überführt.

Bier Finger abgeschnitten. Der in den Big Jsour Werkstätten an der 25. Straße beschäftigte Maschinist John W. Lambert von 1433 Hill Ave. gerieth mit seiner linken Hand zwischen die Messer einer Hobelmaschine und im Nu wurden ihm vier Finger abgeschnitten. Ein Strike der Kohlengräber im Westen in Aussicht. Die Lage im District 15, welcher C lolorado, Wyoming, New Mexico und Utah umsaßt, wurde in der heutigen Sitzung der Executiv-Behörde der Vereinigten Gruben-Arbeiter erörtert. Ueber dieselben berichteten : John L. Gehr, Mitglied der Executiv - Behörde von Colorado, Cornelius Keller, Natio-lal-Organisator und W. H. Mont gvmery, Staats - Arbeits - Commissär vin Colorado. Es ist möglich, daß uter den Mitgliedern der Gruben MbeiterUnion des Districts, etwa 22,000 an der Zahl, ein Strike ausbrechen wird. Es hängt dieses von der Entscheidung der Executiv-Behörde ab. Die Arbeiter verlangen kürzere Arbeits zeit und höheren Lohn. Ihre Förderungen sind von den Grubenbesitzern abgewiesen worden. Auf einen diebischen Cassirer gefahndet. Charles Elton, Polizei Chsf von Los Angeles, Cal., ersuchte heute die Polizei auf I. Weller Reed zu sahnden, welcher früber Cassirer der Galt fornia Fruit Ass'n." war und mit $5000, welche Eigenthum derselben war, durchgebrannt ist. Elton theilt ferner mit, daß Reed ein desperater Fharacter und stets bemannet ist. Gut Solz ! Die Cüdseite-KegelLiga reorganisirt. Die Südseite-Kegel.Liga ist reorga nisirt wordzn. Zu derselben gehören 6 Teams" von je 5 Mitgliedern. Die Beamten der Liga sind: W. Sachs, Präsident; I. H. Dunn. Secretär, und M. gitzgerald, Schatzmeister. Folgende Bahnen sollen benutzt wer den: Südseitc-Turnhalle; Sachs', 825 Süd Meridian Str., und die alten Germania-Bahnen, 846 Virginia Ave. Germania-Park-Verein. Heute Abend sindet in der Halle des Unabhängigen Turnvereins eine Ver sammhing der sämmtlichen Comites statt, um die Abrechnung Über die Deutsche Kirmes abzuhalten. , . Spanisch amerik. Kriegs- Be teranen.

Das Hauptquartier der Vereinigung j der Span.-amerik. Kriegs-Veteranen, , S zu deren Ober Commandeur Major ; Harold C. Megrew von dahier, Präs. i der Behörde für öff. Werke, erwählt worden ist, wird in diesem Monat nach i hierher verlegt werden. -

Gottlied Leukhardt, Die gemüthliche Ecke," Ecke Noble und Market Str

Neues Gebäude sür die Gewerbe-

Kammer. In der letzten Sitzung des Raths der Gouverneure der Gewerbekammer wurde die Errichtung eines neuen Gebäudes und zwar auf dem Platze, wo das alte sich besindet, Kentucky Ave. und Capital Ave. beschlossen. Die Bau osten incl. einer Heizungs und Be euchtungs-Anlage dürfen 8160,000 nicht übersteigen. Es wurde ein Comite ernannt, welches definitiv einen der von dem Bau-Comite empfohlenen vier Plänen anzunehmen und Angebote von Con ractoren entgegenzunehmen hat. Keine Eröffnung der Robert Gould Shaw Schule. Die auf morgen, Mittwoch, anberäumte Erössnung der Robert Gould Shaw-Schule, Walnut Str. und Senate Ave., kann Umstände halber noch nicht stattfinden. Der Schulrath wird den Tag der Eröffnung der Schule päter bekannt machen. Schnitter Tod. Frau Margarethe Schwaer, die wackere Lebensgefährtin des Herrn Carl Schwager, wurde am Mon tag den Ihren durch den unerbittlichen Tod entrissen. D. C. und Musikverein. Die regelmäßige Probe des Deutschen Club und Musikvereins ist von heute auf Mittwoch Abend verlegt wor den, um den Mitgliedern den Besuch des Nordica-Duß-Concertes zu ermöglichen. ,, Unnöthiger Alarm. Kurz vor 9 Uhr letzte Nacht wurden die Radler zu dem Hause No. 530 Lord Str. gerufen, da es hieß, der dort wohnhafte James Gibson habe sich erschossen. Die Beamten fanden aber, daß Gibson fröhlich und guter Dinge war. Derselbe hatte nur mit einer alten, nur mit Pulver geladenen Muskete herumgefuhrwerkt, dabei war ihm das Schießgewehr entfallen und losgegangen. Aber verletzt war Niemand worden. v?N r G e f ä n g n i ß'C o n g r e ß. L ouisville, Ky.. 6. OH. Der Hauptpunkt in dem hier tagenden Ge-fänöniß-Congreß war die Jahresversammlung der Wardeins-Gesellschaft. Präsident Dr. W. M'Johnston, der Wardein des Westlichen Staatszuchthvuses in Allegheny, Pa. rief die Versammlung zur Ordnung und hielt seine Jahres-Ansprache über Die Lasten und Freuden eines Gefängniß-Ward-ems . lir wies daraus um, wie em zigartig dieser Beruf dastehe. Die Ver antwortlichkeit sei groß und sehr weit trauend. Das craebe sich aus der physischen und moralischen Verschieden heit der Gefangenen, die jeder beson ders behandelt werden müßten. Daravi entstehe die Nothwendigkeit, die Leute, richtig zu klassifiziren, entweder nach dem Alter, nach der Art der Verbrechen, nach der Erziehung oder noch dem Cha rakter. Ferner sei die Gesetzgabung in den v:rschiedenen Staaten und die Art der Rechtspflege vielfach ein Hinderniß für die ersvrieklicke Tbätiakeit des Wardeins. Major R. W. M'Clayty, der Ward ein des Bundeszuchthauses in Fort Leavenworth empfahl in seinem Vor trag über Bundeszuchthäuser" u. A. die Errichtung einer Regierungs-Re orm-Anstalt. Teutschland. B avern ändert sein Land-tagSwahl-Gesetz. München. 6. Okt. Auch Bayern will sein Landtagswahlgesetz ändern. Dem Landtage ging der Entwurf eines neuen Landtagswahlgesetzes zu, das direkte geheimeWahlen vorsieht und nur eine Klasse sämmelicher steuerzahlenden Staatsangehöriger kennt, sich also im großen Ganzen an das Reichswahlgesetz anschließt.

Aus den Gerichtshöfen.

Einhaltsbefehl gegen die Stadt aufgehoben. Bundesrichter Anderson hat den von Richter Baker gegen die Stadt Jndianapolis erlassenen temporären EinHaltsbefehl aufgehoben. Durch denselben war die Behörde für öffentliche Werke daran gehindert worden, den Grundeigenthümern an der Nord w'estern Ave. wegen des in dieser Straße gebauten Abzugs - CanalS - Asseßments aufzuerlegen. Elise T. Edwards war die Hauptklägerin. Der Fall deS irischen Flüchtlings. Gestern Nachmittag brachte die Vertheidigung mehrere Jrländer aus Cleveland auf den Zeugenstand, welche mit Lynchehaun schon im alten Vaterlande bekannt waren. Daniel Conway sagte aus, oafc er lm Zayre lssi m Mavo Countu Districts-Beamter der Irländischen Revolutionären Brüderschaft war, und daß er im Jahre 1831 Lynchehaun als Mitglied derselben veretoiat batte. ISu lener iseit waren in dem erwähnten County allein nicht we niger als zwei Regimenter Miliz, zwei Regimenter regulärer Soldaten, 1000 Polizisten und eine große Auzahl SubPolizisten stationirt. Conway berichtete auch über die brutale Art und Weise, in welcher alljährlich Tausende von Pächtern mit ihren Familien, weil sie das Pachtgeld nicht bezahlt hatten. van Haus und Hof vertrieben wurden. Patrick Vesey, welcher eine Meile von Lynchehaun's Farm gewohnt hatte, kannte dessen Gutsherrin, Frau Agnes McDonald, aus welche der Flüchtling einen thätlichen Angriff ausführte, sehr gut. Dieselbe sei im ganzen County verhaßt gewesen und habe in rafsinirter Weise Pläne ersonnen, wie sie Gelder aüs der Landbevölkerung herausschinden konnte. In ähnlichem Sinne sprachen sich noch drei andere, ebenfalls aus Cleveland stammende Zeugen aus. Wahr scheinlich wird das Zeugenverhör heute schon geschlossen werden. DerAusübung vonärtlicher Praxis ohneLicensschuldig befunden. Im Criminalgericht wurde gestern Laura S. Funk unter der Anklage, ärztliche Praxis ohne Licens betrieben zu haben, prozessirt. Sie ist eine sog. christliche Hellkünstlerin, und hatte der Frau Christian Knorp, ebenfalls einer Anhängerin der christ. Glaubenslehre, als dieselbe ihrer schweren Stunde ent gegen sah, als Geburtshelferin gedient. Ein Knabe kam zur Welt, welcher nach einigen Tagen starb; ärztliche Hülfe war nicht zu Rathe gezogen worden. Die Staats Medicinische Behörde hatte sich des Falles bemächtigt und dafür Sorge getragen, daß die Groß geschworenen ihn untersuchten. DieFolge war, daß die Funk in Anklagezustand versetzt wurde. Sie war gestern durch die Anwalts-Firma Smith, Duncan, Hornbrook und Smith, der Staat durch Staatsanwalt Ruckelshaus und die Anwälte Gavin und Davis vertreten. Das Beweismaterial war nur ein kurzes und die Jury gebrauchte nicht lange mit ihrer Berathung, um die Angeklagte schuldig zu finden. Sie wurde zur Zahlung von $25 nebst Kosten verurtheilt. Die Großgeschworenen traten gestern wieder in Sitzung. Sie haben abmermalö zahlreiche Fälle zu untersuchen. Ein Testament beanstandet. Jsaak N. Heus, Ella Horowitz und Rachel Burgheim reichten 'im Gericht das Gesuch ein, das Testament ihrer vor einigen Monaten verstorbenen Mutter Rosa Heins für ungültig zu erklären. In demselben hatte sie ihre Tochter Sarah zur Haupterbin einge setzt. Frau Mary Roth verlangt viel von der Home Heat ingLightingCo. Frau Mary Roth verklagte die Home Heatmg & Lighting Co. auf $10.000

Schadenersatz und sie verlangt ferner.

daß dieselbe den Betrieb in ihrem Etablissement an der 16. und Alabama tr. einstelle. Die Klägerin besitzt in der Nachbarschaft desselben ein Wohnhaus, welches sie früher brillant vermiethen konnte. Seitdem die verklagte Gesellschaft jedoch den Betrieb in ihrem Etablissement eröffnet hat, sind die Miether verscheucht worden, da sie durch das beständige Geräusch und Gestampfe, welches aus demMaschinenhaus stammt, keine Ruhe bei Tag und Nacht mehr haben. Die Folge war, daß das Grundstück der Klägerin ganz beträchtlich im Werthe verloren hat. In allen Gerichten wird jetzt gearbeitet. In dem Supreme- und Appella-tions-Gericht beginnen heute die öffentliegen Sitzungen. Dieselben werden zwei Wochen in Anspruch nehmen. Der Untreue beschul d i g t. John H. Green wünscht von seiner Gattin Mabel geschieden zu werden, weil dieselbe ihre Gunst auch anderen Männern zugewendet habe. Im Polizeigericht wurden John Daggett und John Da vis. welche in der letzten Freitag Nacht die Beck'sche Wirthschaft an der Blake und Michigan Str. ausplünderten zu je 200 Tagen Arbeitshaus verdonnert. Wegen roher Behandlung seiner Frau hat Harry Ware von 559 Leota Str. eine Strase von '.30 Tagen abzusitzen. China. Die Beryandlungen ln Tokio. London, 0. Okt. Die britische Regierung oder die hiesige Diplomatie befürchtet nicht, daß die Lage im fernen Ostrti zu einer unmittelbar ernsten Entwicklung führt. Dieses Gefühl zeitweiliger Beruh! gung am Äoraoeno oes Äages, oa Rußland die Mandschurei räumen sollte, aber eingestandenermaßen dies nicht will, rührt von den Versicherungen Japan's her. Japan erklärt, so lange die Ver Handlungen mit Rußland noch angemessene Aussichten auf Erreichung einer Schlichtung bieten, werde es gegen Rußland in den Mandschurei Angele genheiten keine feindlichen Schritte ergreifen. Außerdem verlautet, daß diese VerHandlungen, die sich ganz besonders mit der Lage jn Corea befassen, in Tokio einen befriedigenden Fortgang nehmen. Bis zum 3. Oktober, dem Räumungstage der Mandschurei, werden aber diese Verhandlungen kaum zum Abschlusse gelangt sein. Trotzdem wird Rußlands Weigerung. die Mandschurei zu räumen, nicht zu einer diplomatischen Krisis führen, da Japan in dieser Hinsicht ein Auge zudrückt, in der Hoffnung, zu einer befriedigenden Lösung der Gesammt-Frage zu gelangen. Die unmittelbare Gefahr beschränkt sich somit auf die Volkö-Agitation in Japan nach dem 8. Oktober. Die japanische Diplomatie hat die russische Regierung verständigt, daß sie in Hinsicht auf die zu erwartende Volkserregung die Verhandlungen in Tokio nicht in's Unbestimmte zu verlängern vermag. Canada. Ein Kloster soll Schadenersatz bezahle n. London, Ontario, 6. Okt. Frl. Mary Archer, früher von Milwaukee, welche gegen das Kloster vom Hl. Herzen wegen Ausstoßung aus dem Orden und Ueberführung nach einer Irrenanstalt, sowie wegen einer Lohnforderung für Dienstleistungen während 17 Jahre, eine Schadenersatzklage anhängig gemacht hatte, war mit ihrer Klage erfolgreich. Unter lautem Beifall der Zuschauer sprach ihr das Gericht 58000 Schadenersatz zu, $3000 für rückständigen Lohn und S5000 sür rechtswidrige Ausstoßung nach ihrer Entlassung aus der Irrenanstalt. Die S t a a t S-F a i r hat einen Netto-Ueberschuß von $3500 ergeben.

Nachrichten aus Jndiana.

Einnahmen der Jndiana Postämter. Die Gesammt-Einnahmen der Indiana Postämter beliefen sich in dem am 30. Juni zu Ende gegangenen Fiscaljahre auf 82,804,188 gegen $2,499,849 in 1902. Dieselben vertheilen sich wie folgt : Indianapolis $633,874; Ft. Wayne $177,496; Evansville $105.823; Terre Haute $93,826; South Bend $93.651 ; Alexandria $16.613 ; Anderson $47.. 095 : Attica $43.421 : Columbus $20.225 ; Connersville $21,027 ; Crawfordsville $21,531; Elkhart $97,. 373; Elwood $16,401; Frankfort $16,362;. Goshen $26,756 ; Hammond $30,073 ; HunHngton $19,497; Shelbyville $15,145; Valparaiso $21, 126; Kokomo $37,373 ; Lafayette $56,783 ; Laporte $21,629 ; LogansPort $41.105; Madison $16,415; Marion $16,323 ; Martinsville $15 654 ; Michigan City $18,266 ; Misha waka $20.232; Muncie $60,666 New Albany $21,942 ; New Castle $17,813; Notre Dame $21,676 ; Peru $18,451 ; Richmond $52,431 ; Vincennes $21,643. D e r Regen war ein Segen N a s h v i l l e. Der Regen, welcher vom frühen Sonntag Morgen an bis in die späte Nacht hinein fiel, war für die Farmer von Brown County ein wahrer Segen. Durch die lang anhaltende Dürre während der letzten Wochen waren Brunnen und Bäche nahezu versiegt und in manchen Gegenden mußten Farmer Wasser aus weiter. Entfernung herbeiholen. In Folge des Regens ist eine sehr gute Aepselund Korn-Crnte zu erwarten. P a st o r a l'C o n f e r e n z. Laporte. Hier wird zur Zeit die jährliche Sitzung der Nord Jndiana Vastoral-Conferenz der Deutsch-Luthe rischen Kirche abgehalten; etwa 100 Pastoren sind anwesend. Die Lebens-Versicherungs-Angelegenheit wird auf's Neue der Conferenz vorgelegt werden. Unwille herrscht überdas Schreiben des Gouvern e u r s. Terre Haute. Das Schreiben des Gouverneurs an den hiesigen Staatsanwalt hat hier sehr verstimmt. Mit welchem Rechte fragt man,mischt sich Gouverneur Durbin in die Stra ßensair - Angelegenheiten. Es ist so klar wie die Sonne, daß er auch keinen Schein von Recht zu einer Einmischung hat. Als Gouverneur ist er lediglich Verwaltungs . Beamter, Oberbefehls haber der StaatsMiUz und da, wo Metropolitan'Polizei besteht, allerdings auch Ober.Polizei-Pascha. Aber in Terre Haute hat er in letzterer Rolle ausgespielt ; er hat der Stadt nichts mehr zu befehlen, und da er dies nicht mehr kann, so sind auch alle Denunciationen, die an ihn betreffs der Straßenfair gelangen, rein für die Katz. Richterliche Gewalt hat der Gouverneur nicht, also kann er sich auch nicht etwa über die Entscheidung des hiesigen Gerichtes in der Sache ftellen und dieser Entgegengesetztes anordnen. Der Staatsanwalt hat ganz Recht, wenn er sich absolut nicht rührt ; ihn geht die Straßenfair ebenfalls auch so wenig an wie den Gouverneur, denn nirgends liegt ein Verbrechen vor, auf Grund dessen der öffentliche Ankläger einzuschreiten hätte oder vorgehen könnte. AngenehmesGeschäftchen. Maeion. Die Verschmelzung der Marion Light & Heat Co. mit der Jndiana Northern Co., welche eine electrische Bahnverbindung zwischen Marion und Wabash etablirt, hat stattgesunden. Es heißt, daß bei der Transaction die in Marion ansässigen Förderer der Verschmelzung die Kleinigkeit von $200,000 verdient haben. Feuersbrunst. Fort Wayne. Die große Fabrik der Eckert Packing Co. ist am Montag durch Feuer total zerstört worden, nur die nackten Mauern ragen noch hervor. Der Schaden wird auf $125,000 ge-

chätzt, welchen Versicherungen von

$95.000 gegenüberstehen. 300 geschlachtete Rinder und 150 Schweine wurden u. A. ein Raub der Flammen. Erst vor 6 Monaten fand in dem Etablissement eine Gas-Explosion statt. Folge derer 4 Personen getödtet und 6 verwundet wurden. Schadenersatzklagen im Gesammtbetrage von $50,000 wurden später gegen die Fir. ma eingereicht. Niederlande. VenezuelaTribunol. Im Haag, 6. Oktbr. Wayne McVeagh, Haupt-Anwalt Amerika's, setzte seine Rede vor dem VenezuelaTribunal fort. Er erklärte, es handle sich um Kriege der Ethik, darum, ob der Krieg gegen Venezuela gerecht und nothwendig war. Herrn Bartemeier's Klagen seien nur ein Vorwand zum Kriege gewesen; Venezuela hätte weit mehr Recht zur Beschwerde gehabt, als ein britisches Schiff von London nach der Caribischen See kam, um dem Jnsurgentenführer Matos Waffen zu bringen. Der Anwalt sagte, er finde keinen Präcedenzfall in der Geschichte für einen solchen reinen Finanz-Krieg, unternommen von England und Deutsch, land zum Schutze von Eisenbahn-Aktio. nären und für die Ansprüche der Dis conto-Geellschast. MacVeagh erklärte dann, daß England im Alabama-Fall während des amer. Bürgerkrieges schiedsgerichtliche Vermittlung angenommen habe. Der Fall sei dem jetzigen ganz ähnlich, als ein britisches Schiff den venez. Jnsurgenten half und die venez. Regierung Protest einlegte. Anstatt aber wie da mals zu handeln, sandte England nebst seinen Alliirten ein Ultimatum mit 24stündiger Frist an Venezuela, sofortige Bezahlung von $580,000 verlangend. Der Anwalt betonte, daß die Blockade Mächte deshalb nicht zur Vorzugs Behandlung berechtigt seien, weil sie den venez. Vorschlag auf Zahlung aller anderen Ansprüche nach gleichen Vedingungen angenommen hätten. Herr MacVeagh beendete seinen Vor trag heute und das Tribunal vertagte sich sodann bis zum 4. November. Castro's Gewalthaten. Port of Spain, Insel Tri nidad, 6. Oktober. In Ciudad Bolidar, Venezuela, sind Emissäre des Prä sidenten Castro angelangt, um nicht blos die Steuern, sondern auch die Zölle zu collecttiren, welche von den Importeuren vom Mai 1902 bis August 1903 (während welcher Zeit die Jnsurgenten in der Stadt herrschten) gezahlt wurden. Der verlangte Betrag ist etwa $1,000,000. Die auswärtigen Firmen, insbeson dcre Blohm & Co. (deutsch), Plazza & Co. französisch), Boccardo & Co. (italienisch) und Dalton & Co. (amenkanisch), verweigern die Zahlung, da dieselbe bereits in gesetzlicher Weise geleistet worden sei. Gegen die Auslän der werden Drohungen und vexatorische Maßregeln angewandt. Der Deutsche Spuck weigerte sich, nochmals Zölle zu zahlen, worauf eine ihm gehörige Rum-Ladung confiscirt und auf einer öffentlichen Aution für ein Butterbrod versteigert wurde. Der deutsche Kaufmann verlor hierdurch $25,000. Venezolanische Kaufleutedie sich weigern, nochmals zu zahlen, werden eingekerkert. Uederall in Ciudad Bolivar herrscht ein Schreckensregiment und der Handel ist gelähmt. Der Vertreter Castro'S in Ciudad Bolivar äußerte: Deutschland und die anderen Mächte verlangten von der venezolani schen Regierung die Zahlung von Mil, lionen. Nunmehr zwingt Venezuela die Deutschen und die andnen Ausländer, das Geld uns wieder zurückzuerstatten. Durch einen sog.stillen Alarm wurde gestern Nachmittag gegen 1 Uhr die Feuerwehr zu John Stanley's Wohnhaus in No. 2336 Dearborn Str. ge. rufen, wo aus bislang unbekannter Ursache ein $75-Feuer auögeb rochen war.

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