Indiana Tribüne, Volume 27, Number 37, Indianapolis, Marion County, 5 October 1903 — Page 7

Jndiana Tribüne, S. Oktober 1903.

Im iitanne des (Bolclcs

...Roman... von Alfred Sassen. Fortsetzung. Fräulein Rückert erging sich bei der Vorstellung in einigen tiefen Knizen, dabei schweiften ihre Augen schüchtern zu dein jungen Varon hinüber, ihrem Retter aus Noth und Tod." dem sie sichtlich eine regelrechte Dankrede zugedacht hatte. Die ältliche Erzieherin hatte ein Eesicht voll unendlicher Gutmüthigkeit, von jener Gutmüthigkeit, die fast in Aengstlichkeit übergeht, weil sie eigentlich in solch hohem Grad in dieser bösen Welt gar nicht vorhanden sein dürfte. Daneben athmete ihr ganzes Wesen einen gewissen elegischen Hauch. Der mochte seinen Ursprung darin haben, daß Fräulein Sophie Rückert, eine entfernte Verwandte des Dichters Friedrich Rückert, des Sängers so dieler glückströmender Liebesgedichte, von der Liebe leider Zeit ihres Lebens schmählich gemieden worden und sitzen geblieben war. Aus diesem Grunde sprach sie auch immer nur mit halblauter, wehmuthgetränkter Stimme und lachte fast nie. Wenn es doch einmal geschah, so erinnerte es an die Freudenäußerung einer alt und heiser gewordenen Turteltaube. Die Dame näherte sich dem jungen Baron jetzt noch um einen Schritt und feierte ihn als,todesmuthig?n Helden." Bodo mußte sich sogar noch einige überschwengliche Superlative gefallen lassen. die Fräulein Sophie Rückert, während sie in ihrem Anzug in Ordnung brachte, in aller Eile aus der Tiefe ihres niemals von Schatzgräbern heimgesuchten liebevollen Herzens hervorgeholt. Der ritterliche Held in seiner fesselnden Erscheinung kam der warmherzigen Jeunette so recht in die Seele, als Fräulein Sophie Rückert ihren wortreichen Tank vorbrachte. Run freilich so dachte Jeanette nachdem die Baronin sich erholt, würde Bodo von Tegenhardt mit seiner Familie davongehen. " Ach, wenn doch der Vater endlich kommen möchte! Sein Eintritt hätte Anlaß zu einem längeren Verweilen gegeben. Die stolze, vornehme Schönheit des jungen Mannes erwärmte dann noch für eine Zeit den kalten Salon. Und vo? allem hätte, sobald der Vater da war, einer Höflichkeitspflicht Genüge geschehen können, deren Ausführung Jeanette nicht einem Diener übertragen mochte. Sie wollte, daß der Vater den jungen Baron nach einem der Fremdenzimmer der Villa geleite, damit der verehrte Gast seinen Anzug, an dem gewiß das Abenteuer mit den Pferden irgend welche Spuren hinterlassen, einer Prüfung unterziehen könne. Wo blieb nur der Vater? T)a leuchtete es aus in den jungen Llugen, über deren Klarheit schon das herzklopfende Bangen vor dem Abschied seine Schatten hingeworfen. Während Jeanette mit Gisela von Degenhardt im paar Worte wechselte, hörte sie, daß hinter ihr die Thür vom Flur aus gecffnet wurde. Der Vater kam. 3. K a p i t e l. llein es war nicht Paul RollenHagen, der ehemalige amenkanische Fabrikant, der eintrat. Seide knisterte über die Schwelle, die schon halb und halb von der beginnenden Dämmerung eingespönnen lag. Dieser Dämmerungshauch mußte jetzt aber sofort in seinen Ecken und Winkeln zerstießen, denn die eingetretene Dame tastete neben der Thür nach der Wand, und wie mit einem Zauberschlag verbreitete sich in dem weiten, kostbaren Gemach aus schöngeformten Lilienkelchen eine blendende Lichtfluth, die das noch um die Fenster lagernde Tageslicht zu einem erbleichenden Verzittern zurückdrängte. Die Dame rauschte näher. Sie war schon in vorgerückten Jahren, peinlich korrekt angezogen und zeigte in ihrer Haltung viel natürliche Majestät, der nur durch hochgradige Kurzsichtigkeit ein wenig Eintrag gethan wurde. Allerdings gestattete ihr diese Kurzsichtigkrit wiederum, sehr fleißig ein langgestieltes, goldfunkelndes Augenglas zu brauchen und dabei ihre kleine, wohlgepflegte und noch jugendlich glatte Hand im besten Licht zu zeigen. Ah. Frau Geheimräthin rief Jeanette mit ihrer hellen Stimme, Sie sind schon von Ihrem Besuch zurück? Das ist ja sehr -schön." Erregt begann die Dame: Ich habe draußen schon von dem Unglück mit den durchgegangenen Pferden gehört." Es hätte eins werden können," untrbrach sie das junge Mädchen heiter, aber zum Glück war der Ritter und Retter im rechten Augenblick zur Stelle. Gestatten die Herrfchaften, daß ich bekannt mache. Frau Geheimräthin Praß, die sich in großer Liebenswürdigkeit entschlossen hat, mir ein wenig rnütterliche Freundin zu sein, zugleich aber auch die verwaisten Pflichten der Dame des Hauses zu übernehmen Herr Baron von Degenhardt mit Frau Gemahlin. Und .hier mein verehrter Netter, der junge Herr Baron, und Fräulein von Degenhardt." Die Baronin und die Geheimräthin stutzten bei der Vorstellung. Ueber beider Stirnen ging ein Besinnen, prüsende Blicke flogen hm und her, die aus

den Erscheinungen der Gegenwart Zug um Zug der erbarmungslos umgestaltenden 5teit fortdachten, bis ein anderes lugendltcheres Bild vor der Erinnerung dastand, ' ein wohlbekanntes, ehemals geliebtes Bild! Und jetzt brachen den Damen gleichzeitig rasche, nur noch leise zweifelnde fröhliche Ausrufe von den Lippen. Aber ich täusche mich nicht, Tu bist eZ ja. Elisabeth!" Ja. meine liebe Blanka. wie seltsam der Zufall spielt I" Die Damen schüttelten sich die Hände und blickten einander aus nächster Nähe wehmüthig lächelnd nochmals Prüfend in die Augm. Zwei ehemalige Pensionsfreundinnen hatten sich gefunden, die einst durch mehrere Jahre, Seite an Seite, wirklich innig verbunden, ihre holden Mädchenträume zusammengeträumt. Sie hatten später fast gleichzeitig, wenn auch räumlich voneinander getrennt, Hochzeit gemacht und in gegenseitiger herzlicher Antheilnahme sich über ihr junges Glück lange, geheimnißvolle Briefe geschrieben. Aber dann war der Briefwechsel doch eingeschlafen, und sie hatten durch viele Jahre nichts mehr voneinander gehört, bis sie sich heute plötzlich in diesem Salon gegenüberstanden. In der kleinen Jeanette breitete sich bei der Entdeckung, daß die Baronin und die Geheimräthin aus goldener Jugendzeit her Jugendfreundinnen waren, eine Empfindung aus wie die eines köstlichen, emportragenden Rausches. Gleich einem Blumenregen schüttete ihr heute der Zufall, nein, eine höhere Macht Gabe um Gabe in den Schooß. Ihr Stern strahlte in nie gesehenem Glanz! Was war das für ein Tag! Ei? wirklicher, gesegneter Sonntag! Ihr Sonntag! Sie würde ihn nie vergessen. Das war ein neues Band, das zu ihm hinführte, dem jungen, ritterlichen König dieser Stunde und dieses Tags! Eine plötzlich emporgewölbte festeBrücke schlug da ihre Bogen, über die sie schreiten durfte wohin? O, es konnte nicht anders als herrlich sein da drüben jenseits der Brücke! Ein Land müßte sich dahin breiten, noch unerschlossen, aber doch schon geheimnißvoll überstrahlt von ahnungsreicher Schönheit. Durch das Wiederfinden der fceibtn Jugendfreundinnen machte es sich ganz natürlich, daß die Familie Degenhardt in der Villa zum Thee blieb, der in einem kleineren Salon gereicht wurde. Kein Diener wurde sichtbar. Jeanette nahm selbst den Platz hinter dem Theetisch ein und rief mit heiterem Wort ihre Gäste zu sich, daß sie die Tassen aus ihrer Hand in Empfang nahmen. Inzwischen war auch der Hausherr erschien. Paul Rollenhagen bot den denkbar größten Gegensatz zu seinem zierlichen, lebhaften Kind, dessen hübscher, von der französischen Mutter überkommener Viamt Jeanette" aufflatterte wie tin schillernder Schmetterling. Hoch und wuchtig stand der Vater da, auf den breiten Schultern gleichsam unsichtbar die Summe seines arbeitund erfolgreichen Lebenswerkes mit sich tragend. Sein energischer Kops mit der beinahe viereckigen Stirn und den tiefgegrabcnen Schweigefalten um den Mund war so ganz der eines Mannes, dem alles aus eigener Kraft zu Theil geworden. Alles, was äußere Erfolge an Gaben und Schmuck des Lebens zu bringen vermögen nur kein so tiefinnerliches Zufrieden- und Glücklichsein. Ein aufmertsamer Beobachter hätte so schließen mögen. In den großen, stahlblauen Augen des Mannes, die sich immer nur für einen kurzen, raschen Blick auf ihr Gegenüber hefteten, um dann abzuirren und sich unter den meist halbgeschlossenen Lidern zu verschleiern, lag der Grund zu solcher Annahme. Aus diesen Augen konnte für den Seelenkundigen ein leises Gequältsein sprechen, gegen das der große, starke Mann in einem immerwährenden Kampf lag. ohne Herr darüber zu werden. Dabei schien Paul Rollenhagen von einer echten und großen Zärtlichkeit für sein einziges Kind erfüllt zu sein. Nci, mentlich wenn sie zu ihm sprach und ihm zulächelte, meinte man. die harten, tiefen Falten in seinem Gesicht seien vollständig fortgewischt von überströmender Weichheit und Güte. Aber die schroffen Linien kehrten sehr bald zurück. Ebenso vermochten die Augen, die darüber wachten, in solchen Regungen heißer Zärtlichkeit die geheime Unruhe in ihrenTiefenwohl zurückzudrängen, niemals aber auszuscheiden für immer. Gab es in der Seele dieses Mannes einen dunklen Gang, den kein fremde? Fuß betreten durfte, dessen Thüren er mit scheuer Sorge verschlossen hielt? Konnten aus der Gefangenschaft in diesem dunklen Gange Stimmen und Thaten sprechen, die den großen starken Mann unter der Wucht einer offenbarten Schuld hätten zu Boden zwingen müen? Baron Elimar bat den Hausherrn bei seinem Eintritt um Entschuldigung, dag man ihn, um gleichgiltige Gäste zu begrüßen, aus seiner Erfinderwerkstatte" geholt habe. Ah, hat mein kleines Mädchen geplaudert?" fragte der Fabrikant mit einem flüchtigen Lächeln. Wem darf ich nun aber meinen Tank aussprechen, daß er mir mein liebes Kind vor einem schweren Unfall bewahrt hat ?" Er schüttelte dem vortretenden Bodo kräftig die Hand. Das war alles. Auch seiner kleinen Jeanette, hatte er

vorym. zum Zeichen, daß er sich über ihre glückliche Errettung freue, nur die Hand gedrückt. Allerdings hatte es einenAugenblick so ausgesehen.als wolle er liebkosend den Arm um sie legen, aber die Bewegung war dann doch unterblieben, wohl weil es seiner ernsten Art widerstrebte, in Gegenwart Anderer Zärtlichkeitsbeweise auszutauschen. Er setzte sich zu Baron Elimar, während die jungen Leute mit Fräulein Sophie Rückert eine Gruppe bildeten und Frau von Tegenhardt in einer anderen Ecke auf's Gelegentlichste mit der Geheimräthin plauderte. Sie hatten ja all die stillen und den ganzen bitteren Ernst vieler langer Jahre heraufzubeschwören und in gegenseitiger Theilnähme noch einmal zu durchleben. Ter Fabrikant fragte den Baron: Also mein kleines Mädchen hat Ihnen gesagt, daß ich unter die Erfinder gegangen bin? Es ist so, wie das vorwitzige junge Dämchen Ihnen mitgetheilt hat. Das ist aber nicht von heute und gestern, nicht erst, seit ich meine praktische Thätigkeit in Amerika aufgegeben habe und nach Teutschland zurückgekehrt bin. Das Problem, dem vor mir schon Tausende nachgegrübelt haben, hat bereits seit langer Zeit auch von mir Besitz ergriffen und die stillen Stunden meiner Tage und Nächte mit seinem Widerspiel von Möglichkeiten und Unmöglichkeiten erfüllt. Sie werden lächeln, wenn ich Ihnen sage, um was es sich handelt. Es hat sich in der That in den Augen der Laien so etwas wie der Fluch der Lächerlichkeit dem Problem angeheftet, weil von all fcen Tausenden, die sich in seinem Dienst bemüht, noch so gar nichts Greifbares erreicht worden ist. Kurz, ich meine den lenkbaren Luftballon." Baron Elimar lächelte nicht, er zeigie im Gegentheil viel Theilnahme und auch ein wenig Verständniß für die Sache, so daß die Herren bald in ein lebhaft geführtes Gespräch vertieft waren, das immer und immer wieder zu den Höhen des schönen Luftgebildes aufstieg, dessen Verwirklichung vielleicht doch einmal der Menschheit eine Zukunft auf ganz neuen Wegen und darum auch mit ganz neuen, ungeahnt reichen Zielen bringen wird. Eine Zukunft dem wahrhaften Morgenroth entgegen! In den Augen des Fabrikanten, der, sobald es sich um seinen Traum hanMit, beredt wie ein Jüngling werden konnte, begann ein leichtes Fieber aufzuglühen. Alle Erfinder haben zu Zeiten diesen Fieberblick. Aber hier glühte in den großen, stahlblauen Augen eine so schmerzliche Inbrunst, daß man unwillkürlich noch an eine andere Ursache denken mochte, als nur an den verzehrenden Drang, den Erfolg herbeizuzwingen. Und das seltsame Verhalten des Fabrikanten schien diese Annahme zu bestätigen. Er hatte wohl ganz vergessen, daß der Baron neben ihm saß, starr blickte er in die leere Lust und flüsterte vor sich hin: Ja ja der Menschheit eine solche Erfüllung schenken zu dürfen wie das der gequälten Seele wohlthun muß Es kann nicht anders sein das allmälig strahlende Licht aus der erreichten Höhe muß dann' alles Dunkle und Schmerzliche auslöschen im Herzen und der Frieden kehrt darin ein der Frieden " Ter Baron räusperte sich leicht, sc daß PaulRollenhagenaus seiner selbstvergessenenVersunkenheit emporschreckte und sich mit der großen und breiten Arbeitshand über die Stirn fuhr. Ein flüchtiges Roth flackerte über seine Züge hin, und er sagte in etwas gezwungenem Ton: Hab' ich vielleicht mal selbst wieder ein kleines Selbstgespräch gehalten? Ja, ja, die schlechte Angewohnheit hab' ich. Das komm! von dem vielen Grübeln über den einen Gegenstand, der sich dann zum Tyrannen in uns aufwirft, und von den zahlreichen, einsamen Stunden, denen man sich um seinetwillen überläßt." Er lächelte matt und verließ abbrechend seinen Platz. Dort drüben hatte sich die Baronin erhoben. Sie mahnte zum Aufbruch. Ter Fabrikant sagte: Ich wage nicht, den Herrschaften meinen Wagen anzubieten, nachdem die Rappen heute solche Dummheiten gemacht " Rein, nein, danke," erwiderte die Baronin liebenswürdig, nachdem löstlichen Nachmittag wird es auch ein löstlicher Abend draußen sein. Ich möchte den Meinen beweisen, daß ich mich wieder vollständig erholt habe, und den Nachhauseweg zu Fuß antreten." Die verbindlichen und auch herzlichen Abschiedsworte waren gesprochen. Man ging und beschloß, den Weg bis zur Teltowerstraße zu Fuß zurückzulegen. Die Baronin ging, wie am Nachmittag, wieder am Arm des Gatten, eng an ihn geschmiegt. Sie zeigte sich noch halb froh, halb wehmüthig erregt die Worte, die die Vergangenheit gesprochen, waren noch nicht in ihr verklungen. Sie lauschte auch ihnen jetzt noch mehr, als den Bemerkungen des Gatten, der behaglich von den Eindrücken plauderte, die das in reichster Vornehmheit ausgestattete Haus und seine Bewohner auf ihn gemacht. Er meinte, daß sich da gewiß eine sehr angenehme und passende Bekanntschaft anbahnen werde. Man müsse sie Pflegen. Bodo und Gisela von Degenhardt gingen hinter den Eltern. Sie verhielten sich eine ganze Weile schweigend, obwchl auch sie in einer gehobenen Stimmuna warnt. :' ' -

Bodo sprach zuerst:

Na, Schwesterlein fein, Du hast Dich doch schließlich in dem fremden Haus, in das wir im Gänsemarsch hincinmarschirten. ganz gut unterhalten?" Ohne eine Spur von Empfindlichkeit nickte Gisela ihm lächelnd zu und bestätigte: Wirklich ganz gut. Du hast Recht. Fräulein Rollenhagen kann sehr anmuthia. sehr liebenswürdig sein" "a. cy glauve durchaus nicht, daß sie es immer ist. Aber dafür derdient sie am Ende gar keinen Vorwurf. Es ist da mancherlei, was man zu ihrer Entschuldigung in Betracht ziehen muß. Sie ist ein verwöhntes Schooßkind des Glückes und ist es auch wieder nicht, wenn man bedenkt, daß sie so früh schon die Mutter verloren hatte." In ihren Augen schimmerten Thränen, als sie von der Verstorbenen sprach," warf Bodo ein. Ja. und ich bin von der Echtheit dieser Thränen überzeugt. Es hat mir auch gefallen, wie sie zu ihrer ehemaligen Erzieherin spricht. Ich zweifle sei ncswegs daran, daß sie Herz und Gemütl? hat, diese kleine Jeanette." Und die fehlende stille Hoheit wird ihr meine gefetzte Schwester schon noch beibringen." neckte Bodo gutmüthig. An Gelegenheit dazu wird es nicht fehlen. Und wäre es Dir unangenehm, Dich ein wenig mit Fräulein Rollenhagen anzufreunden " Anzufreunden? Muß es denn das gleich sein?" Ich habe die Absicht." rief Bodo in lustiger Herausforderung. Dir wird es ja auch leicht genug gemacht werden," versetzte die Schwester lakonisch. Was willst Du damit sagen?" Gar nichts Besonderes." Gib Deinen Arm her," befahl der junge Mann halb lachend, halb ärgerlich und zog den schlanken Mäkchenarm durch den seinen, wenn Du Dich nock einmal in solch dunklen Andeutunge: ergehst, kneife ich Dich gehö.ig." Tarauf wollte es Gisela wohl nicht ankommen lassen. Sie schwieg. Auch Bodo sagte nichts mehr. Wortlos legten sie den Rest des Weges zurück. Tachten sie an das goldschimmett'.de Symbol, das ihnen während des Nach, mittagspazierganges am blauen, sonnentrunkensn Himmel vorgeschwebt? 4. Kapitel. chon am zweiten Tag darauf flatterte die Geheimräthin Praß in der Teltowerstraße die drei Treppen hinan, die zur Wohnung der Familie von Tegenhardt führten. Ein kleines, schmuckloses Porzellanschild zeigte den Namen. Es gab keine Kroncnzacken darauf. Eine ältere, sauber gelleidete Person öffnete. Man sah ihrem zufrieden wichtigen Gesicht an, daß sie jedenfalls in der Familie ein wenig verhätschelt wurde, wahrscheinlich weil der Richtung ihrer Begabung die verschiedensten Obliegenheiten entsprachen, das Amt der Köchin, des Stubcnmädchens, des Dieners und des Laufburschen. In der That war die alte Ernestine das alles und befand sich überdies seit nahezu dreißig Jahren im Dienst der Famile Degenhardt. Die Haldetage, in die die Geheimräthin eingelassen worden war, wies ein paar helle geräumige Zimmer auf, deren Ausstattung jedoch ganz gut etwas weniger Licht vertragen hätte. Die Möbel gaben jedenfalls an treuer Anhanglichkeit an die Familie der alten Ernestie nichts nach. Da und dort schob sich ein neueres Stück dazwischen, aber im großen Ganzen war wohl seit vielen Jahren immer nur ausgebessert und in Stand gesetzt worden, was den Zahn der Zeit gar zu deutlich verrathen. Und doch erkannte man aus scheinbar geringfügigen Kleinigkeiten, daß hier wirklich vornehme Menschen wohnten, daß feinste? Frauengeschmack Mittel und Wege gefunden, einen verklärenden Schimmer der Anmuth über all das Alte und Abgebrauchte hinzuzaubern. Die Baronin befand sich allein zu Hause. Nach wenigen Minuten saßen die beiden Damen in lebhaftem Gespräch behaglich beisammen, das auch heute sehr bald wieder in die Tiefen der Vergangenhcit tauchte, namentlich der Zeit, wo sich die beiden Freundinnen fremd gewcrdcn waren. Sie hatten den ehrlichen Wunsch, sich, wie in den unvergeßlich schönen Mädchenjahren, wieder nahe zu kommen, und da mußte das Dunkel der langen und weiten Wegstrecken, die sie beide gegangen, vollständig gelichtet sein. Borgestern aber in der Villa Rollenhagen hatten sie mehr ode? weniger nur Zeit gefunden, einz:lne Strecken, d.'ren Ereignisse besonders hervorstachen, sich gegenseitig vertraut zu machen. Der Baronin war ein scheinbar sicheres, auf fester Grundlage sich aufbauendes äußeres Glück schon nach den ersten Jahren ihrer Vermählung jämmerlich zerbröckelt. Sie, die arme Tochter eines Hauptmanns, hatte einen reichen Rittergutsbesitzer geheirathet, der aber innerhalb weniger Monate der Zielpunkt tiefeinschneidender Unglücksfälle wurde. EineVürgschaftsgeschichte mit verhängnißvollem Ausgang verlangte von ihm die größten Opfer. Gerade als er entschlössen war, sich mit Drangabe seines ganzen-Vermögens loszulösen, brach

oas -Vanlyauz zusammen, das lerne

Gelder verwaltete. Mit fremdem Gold mußte er feine Ehre retten. Durch Errichtung einer Brennerei auf seinem Gute suchte Baron von Degenhardt seine Verhältnisse zu verbesfern. Allein es war ein Trugschuß, den er gemacht. Den großen Opfern, die ver Bau erfordert, entsprach der Gewinn in keiner Weise. Nun genügten ein paar schlechte Wirthschaftöjahre. um seine Lage zu einer schlechten zu gestalten. Eine jüngere Schwester des Barons yatte ihm durch eine reiche Heirath, die sich ihr bot, die Mittel verschaffen könmn, sich zu halten und wahrscheinlich langsam zu erholen, allein sie folgte dem Drang ihres Herzens und heirathete einen Menschen, der nicht viel mehr war, als ein mäßig begüterter Bauer. Das Geschick des Barons war besiegelt. Das Rittergut mußte schließlich verkauft werden, dem Unglücklichen blieb nur eine ganz bescheidene Summe. Er ging mit Frau und Kindern nach Berlin, wo ihm Freunde aus früheren Tagen an einem großen Versicherungsinstitut eine Stellung verschafften, in der ihm seine repräscntable Persönlichkeit und sein alter vornehmer Name gute Dienste leisteten. Trotzdem verstoß eine lange, schwere Zeit, ehe er sich in den neuen Beruf einarbeitete und auch sonst in den bitteren Umschwung der Verhältnisse zu finden wußte. Da war es die Baronin, die ihm als guter Engel mit stets freundlicher Miene treu helfend zur Seite stand. Freilich wurde sie blaß, schmal und müde seit jener Zeit, und überdies stellte stch ein schleichendes Herzleiden bei ihr ein, eine Folge all der still und muthig getragenen Opfer, die sie ihren schwachen Schultern aufgebürdet. Allein sie erreichte, daß der Gatte langsam wieder ein zufriedener, ja glücklicher Mensch wurde und den Kindern, die prächtig heranblühten, die beste Erziehung zu Theil werden konnte. In Vodos Adern floß von mütterlicher Seite her Soldatenblut, er hätt? auch für sein Leben gern den bunten Rock angezogen, und Vater, Mutter und Schwester berathschlagten schon hinter seinem Rücken, ob es nicht doch möglich sei, ihm seinen Herzenswunsch zu erfüllen. Der elegante Baron war entschlossen, sieb für die Zukunft verschiedene kleine Liebhabereien zu verfagen, und der energisch Ausschau haltenden Gisela, die von früh auf besonderes Sprachentalent gezeigt, waren in einem vornehmen Institut die gut bezahlten Fächer des Englischen und Französischen schon zugesagt, sobald sie nur erst ihre Lehrerinnenprüfung abgelegt. Die Baronin ihrerseits wollte das Kunststück einer noch genaueren Wirthschaftsführung fertig bringen, um einen Ueberschuß zu erzielen. So wollte man Geld zusammenscharren, das Bodo und de: Verwirklichung st' -es schönen Soldatentraumes zu Gu.e kommen sollte. Als der schöne und hochherzigeJunge aber davon hörte, biß er die Zähne zusammen und war sofort ein unbeugsamer Gegner aller dieser Bestrebungen. Auch nicht das kleinste Zukunftsopfer wollte er den Seinen zumuthen, nicht der leiseste Schatten einer Sorge, die mit seiner Person und seinem Beruf zusammenhing, sollte die geliebten Stirnen streifen. Nach dem Abiturium trat er kurz entschlossen in eine Bank ein, obwohl ihnc das Zahlenhandwerk im Stillen ein geheimes Grauen einflößte. Allein man hatte ihm an maßgebender Stelle gesagt, durch tüchtige Arbeit und den volltönenden Klang seines Namens werde er es bald zu einer bevorz?'gtcn Stellung bringen. Das war füc ihn entscheidend. Siehst Du, liebe Blanka." sckloß die Baronin lächelnd ihren ausführlichen Bericht, so spinnt sich unser Leben ab: Morgens flattern meine lieben Arbeitsbienen aus, und wenn sie heimkehren, bringen sie das Bewußtsein mit, seh? fleißig gewesen zu sein, und dazu eitel Sonnenschein. So bös es das Schicksal auch einst mit mir zu meinen schien ich bin doch eine glückliche Frau und eine beseligte Mutter geworden." Die Geheimräthin drückte der Freunbin bewegt die Hand. Ihr war das Leben in ruhigeren Bahnen verlaufen, bis es ihr vor zwei Jahren den großen Schmerz anthat. Da war nach einer langjährigen, freilich kinderlosen, aber doch überaus glücklichen Ehe der Geheimrath Praß ganz plötzlich einem tückischen Nervenfieber erlegen. Schwere, große Thränen traten der Wittwe in die Augen, als sie von dem unerwarteten Heimgang des Gatten sprach. Aber sie faßte sich rasch und gewann ihre majestätische Haltung zurück. Die schöne, wohlgepflegte Hand spielte wieder mit dem langgestielten, goldfunkelnden Augenglas. Nach abgelaufenem Trauerjahr," setzte die Geheimräthin die Erzählung ihrer Erlebnisse fort, ging eine UmWandlung in mir vor. Das Leben in der kleinen Residenz dünkte mich unerträglich. Alle Bekannten, die mir lieb und werth gewesen, erschreckten mich durch ihren engen Horizont. Ter ewig gleichmäßige Kreislauf der wenigen Vergnügungen brachte mich zur Verzweiflung. Jede Aufregung fehlte mir. Und im Umschauen nach einem passenden Pflichtenkreis gelangte ich auf dem Weg über Wohlthätigkeitsbestrebungen, durch deren Oberflächlichkeit ich mich abgestoßen fühlte, in die Villa Rollenhagen. Es war ein Wagniß, das ick meiner selbstderrlicken Natur

zumuthete. Für's erste sollte es auch nur ein Versuch sein aber ich glaube, daß ich aushalten werde." Aus Deinem Ton höre ich heraus, daß Du zufrieden bist." Die Geheimräthin nickte. Ja, der Hausstand wird auf reichem, vornehmem Fuß geführt, und ich habe die vollständigste Aerfügungsfreiheit. Mr. Rollenhagen ist ein alter Sonderling, der nur seinen Modellen und dem Gedanken lebt, sich selbst und die ganze Menschheit möglichst bald in die Lüfte zu heben. Fräulein Jeanette ist ja eine etwas komplizirte Natur. Es kommt vor,daß sie heute kühle Amerikanerin, morgen die überlebte Französin und übermorgen eine schwärmerische Deutsche ist. Aber ich besitze ihre Achtung und auch ein wenig ihre ZuNeigung, so daß ich anfange, sie meinerseits herzlich lieb zu gewinnen, zumal mir ja das Glück versagt war, ein eigenes Töchterchen mein zu nennen. Nicht zuletzt reizt mich die Aufgabe, den Reichthum ihrer natürlichen Vorzüge in eine Bahn zu lenken, daß eine harmonifche Persönlichkeit aus all dem liebenswürdigen Wirrwarr herauswächst." Das ist schön von Dir, Blanka." Es ist selbstverständlich." Die Geheimräthin lächelte ein wenig diplomatisch, lvährend sie hinwarf: Vielleicht seid Ihr es nun. Du und Deine prächtige Gisela, die mich in meiner Aufgabe unterstützen. Ich denke doch bestimmt, daß sich ein andauernder Verkehr zwischen uns anbahnen wird. Mr. RollenHagen und Jeanette haben die Absicht, Euch schon morgen ihren Besuch zu machen. Ich werde ihnen aber sagen, daß sie bis zum Sonntag damit warten sollen, damit sie sicher sind, nicht nur Dich, sondern auch Deine lieben .Arbeitsbienen,' wie Du Dich ausdrücktest, zu Hause anzutreffen. Fräulein Jeanette wäre jedenfalls untröstlich, wenn sie ihrem Ritter nicht die Hand schütteln dürfte. Das Abenteuer hat sichtlich einen tiefen Eindruck auf sie gemacht. Wie verträumt geht sie seitdem herum. Ganz und gar schwärmerische Deutsche ist sie." Die Geheimräthin hielt es für gut, mit einem leichten Lachen von diesem Thema abzubrechen. Sie sprach aber sofort weiter: Natürlich werdet Ihr eine Einladung zu einer Abendgesellschuft, die schon in nächster Zeit stattfinde soll,' gleichsam zurFeier des glücklichen Aus gangs jener verhängnißvollen Wagenfahrt, nicht abschlagen? Ihr seid ja schließlich doch die Helden des Abends." (Fortsetzung folgt.)

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