Indiana Tribüne, Volume 27, Number 34, Indianapolis, Marion County, 1 October 1903 — Page 6

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Europäische Nachrichten.

Zayern. München. Major a. D. Otto Kieffer und seine Gemahlin Wilhelmine, geborene Senefelder, eine Nichte des Erfinders der Lithographie, Aloys Senefelder. von hier, feierten während ihres Aufenthaltes in Bad Aibling das Fest der goldenen Hochzeit. Der Jubilar hat die Fcldzüge 1849, 1866, 187071 mitgemacht. In Tegernsee ist ein Kaufmann aus Köln, Namens Völker, von einem zufälligen Begleiter auf dem Waldwege von der Neureuth nach Tegernsee niedergeschlagen und beraubt worden. Der Kaufmann liegt schwer verletzt im Krankenhaus zu Tegernsee. Der Thäter ist der hiesige Buchhalter Baureis und bereits verhaftet. Stadtpfarrer und geistlicher Rath Knoll feierte sein goldenes Priesterjubiläum. Dem Jubilar wurden zahlreiche Ehrungen zu Theil. Adelshausen. Gürtler Kaltenecker stürzte hier vom Heuwagen berab, brach das Genick und war sofort todt. A s ch a f f e n b u r g. Als in der hiesigen Betriebswerkstätte der Kesselschmied Gustav Sonntag an einer Lokomotive Reparaturen vornahm, platzte ein Dampfrohr und der aus strömende Dampf verbrühte dem Arbeiter den Rücken. Schwer verletzt wurde der Unglückliche in das Krankenhaus überführt. Professor der Philosophie am hiesigen Lyceum, Abt von Stephan hier, und St. Alezander und Theodor in Ottobeuren, geistlicher Rath Dr. Eugen Gebele, ist im Alter von 68 Jahren gestorben. Buch (Haßfurt.) Bei einem Gewitter schlug der Blitz in das Anwesen des Bauern Weber und betäubte die im Wohnzimmer versammelte Familie. Der 16 Jahre alte Sohn des Weber war todt, die übrigen konnten sich. wieder erholen. F ü r t h. Kunstanstaltsbesitzer Josef Hesse beging seine goldene Hochzeit. Hesse hat seit 1870 mit nur kurzer Unterbrechung das Amt eines bürgerlichen Magistratsrathes bekleidet. G m u n d. In Dürrnbach verstarb die ehemalige Taglöhnerin Maria Zellermaier, die fast ausschließlich von der Wohlthätigkeit ihrer Mitmenschen lebte. Bei ihrem Tode fand man eine nahezu centnerschwere Kiste vor, die bis an den Rand mit alten Kronenthalern und anderen zum Theil recht seltenen Münzen gefüllt war. Hauzenberg. Pfarrer Anton Biebl hier beging sein 40jähriges Priesterjubiläum. Kulmbach. Die noch sehr junge Frau des Prokuristen Petschke hier wollte Feuer anmachen, wobei ein glühendes Stückchen aus dem Ofen sprang und die Kleider der Frau sokari in klammen fette. Die Unalückitcve erlag ihren gräßlichen Äerleyungen. WUrtternverq. H a i g e r l o ch. Apotheker C. Glaiber beging hier Selbstmord durch Vergiftung. Hedelfingen. Der verheirathete Schuhmachermeister Münderle fiel beim Nachhausegehen so unglücklich auf das Trottoir, daß der Tod sofort eintrat. L a u ch h e i m. Die 77jährige Barbara Lengert von hier wurde von einem Radfahrer überfahren und erlag nach kurzer Zeit den erhaltenen Verletzungen. Nagold. Im hiesigen Gerichtsgefängnisse erhängte sich Gemeinderath Renz aus Emmingen. Der 60jährige Mann war wegen eines SittlichkeitsVergehens, begangen in der eigenen Familie, verhaftet worden. Rottenburg. Das zwischen hier und Niederern gelegene Mühlenanwesen des Brunnenmüllers Hechler wurde durch Feuer zerstört. Schorndorf. Der hiesigeStadtPfleger Fink hat sich in seiner Wohnung erschossen. Die Beweggründe sind nicht aufgeklärt. Tübingen. Direktor des Wilhilmsstiftes, Dr. Reck, beging die Feier seines 2s)jährigen Priesterjubiläums. Geheimer Commerzienrath M. Duttenhofer von Rottweil ist hier an einem Herzschlag plötzlich gestorben. Seine Leiche wurde nach Rottweil überführt. U h l b a ch. Im Kreise von 6 Kindern und 14 Enkeln feierten Weingärtncr Jos. Fr. Eisele und seine Ehefrau, geborene Hahn, das Fest ihrer goldenen Hochzeit. Beide Jubilare, die im Alter von 78, bezw. 74 Jahren stehen, erfreuen sich noch der besten Gesundheit. Wangen. Der 16jährige Gottlob Baumann, der mit seinem lljährigen Bruder Albert zusammenfchlicf, machte sich im Bett mit einem scharfgeladenen Terzerol zu schassen. Ein Schuß krachte, und die Kugel drang dem jüngeren Bruder in's Herz, so daß der Tod sofoit eintrat. Werden. Karlsruhe. Anläßlich dcr hier stattgesundenen Spinnerei-Ausstellung haben auch Karlsruherinnen Preise davongetragen. Für vorzügliche Leistung beim Wettspinnen wurde Frl. Sofie Federlechner ein erster Preis, bestehend in einem don der Großherzogin gestifteten modernen Spinnrade nebst Ehrendiplom, zuerkannt. Breiten. Das 412 Jahre alte Töchterchen des Zimmermanns Höfle

in Diedelsheim kam dem Feuer 'des Herdes zu nahe und stand sofort in Flammen. Nachts erlag es den erlit-flft.,,'

fCUCll (OlUUUlWUlkVViU 1 B r u ch s a l. Das ungefähr fünf !ahre alte Söhnchen der Familie nfenael wurde von einem Kehrichtwagen überfahren. Dem Kind ging das Hintere Rad über Brust und Aermchen, so daß es ziemlich schwere innere Verletzungen erlitt. F r e i b u r g. Der Lustmörder Pfisier von Ebnet bei Freiburg, welcher Mitte Februar d. Js. das Kind eines Arbeiters an der Friedhofmauer schändete und erwürgte, wurde hingerichtet. Heidelberg. In Rohrbach erhängte sich der 28jährige verheirathete Tagl'öhner Peter Schenk. Der Beweggründ zur That des Unglücklichen, welcher zwei Kinder hinterläßt, ist unbekannt. Kehl. Die. Leiche des in der Kinzig ertrunkenen Ludwig Weißlogel wurde auf der Gemarkung Neumllhl aufgefunden. K u p p e n lj c i in. Es brach in der Löwengasse im Hause des Barth. Adam Feuer aus, das jedoch durch das rasche Eingreifen der Feuerwehr auf seinen Herd beschränkt blieb. ?Ibetnpfarz. Speyer. In Mannheim fiel auf dem Schiffe Helene Wilhelm" der 16jährige Schiffsjunge Karl Weinmann von hier über Bord und ertrank. Enkenbach. Im Weiher des Gienauthschen Eisenwerkes ertränkte sich der Händler Ultes vom Drehenthalerhof mit seiner Frau und seinen beiden 10 und 12 Jahre alten Kindern. Kaiserslautern. Kaufmann Wilhelm Hartmann gerieth aus d:m Nachbauseweg in einen Disput mit 5 Arbeitern. Einer davon stach Hartmann in das rechte Schulterblatt und verletzte ihn sehr schwer. Der Thäter ist in der Person des Jacob Müller, 20 Jahre alt, aus Mainz ermittelt und verhaftet worden. Landau. In einem Zimmer der Zwölfmorgenkaserne wurde der Hoboist Unteroffizier Wagner vom 18. Infanterie - Regiment mit durchschnittenem Halse aufgefunden. Ob ein Selbstmord vorliegt oder ein Unglücksfall, ist nicht aufgeklärt. Wagner wurde noch lebend in's Lazareth verbracht, dürfte aber nicht mit dem Leben davonkommen. Munden heim. Der 0 Jahre alte Hermann Monat und der 12 Jahre alte Eduard Klemm ertranken in der sogenannten Blies". Beide Leichen wurden gelandet. Offenbach. Das seltene Fest der goldenen Hochzeit feierten die Privatiereheleute Johann Philipp Mühlheußer und Anna Maria, geb. Dörr. Die Jubilare erfreuen sich noch guter Gesundheit und zählen 80 bezw. 70 Jahre. N 0 r fc t i rn. Von seinem Bruder erstochen wurde anläßlich eines Streites der in den dreißiger Jahren stehende Fabrikarbeiter Josef Thon von hier. Der Ermordete hinterläßt eine Frau und mehrere Kinder. Auch der bereits in Haft genommene Thäter ist verheirathet und Vater mehrerer Kinder. Zusammen besitzen beide Brüder 13 Kinder, die durch die unselige That sammt ihren Müttern ihrer Ernährer beraubt worden sind. Erfah'Lolhrtngen. Straßburg. In das hiesige Garnisonlazareth wurde Oberleutnant von Eickstedt vom 126. InfanterieRegiment überführt, v. Eickstedt ist auf dem Truppenübungsplätze bei Bitsch mit dem Pferde gestürzt und hat einen Beinbruch davongetragen. Bischweiler. Amtsgerichtssekretär Panthen hier ist von der Gendarmerie verhaftet und in Untersuchungshaft verbracht worden. Gegen den Verhafteten soll der begründete Verdacht vorliegen, Unterschlagungen begangen zu haben. D i e d e n h 0 f e n. Eine Lebensrettung vollführte der Bauunternehmer Beck aus Uechingen. Ein etwa 2 Jahre altes Kind hatte an einem Graben gespielt und war in den mit Morast gefüllten Graben gerathen. Herr Beck, der in der Nähe weilte, lies schnell an die Unglücksstelle und befreite das Kind aus der gefährlichen Lage. Harzweiler. Ein Schadenfeuer, dessen Entstehung nicht bekannt ist, zerstörte das Anwesen des Glasmachers Ecker. Metz. In der sogenannten Todtenallee wurde zum Andenken an die in den Augusttagen des Jahres 1870 gefallenen Offiziere und Mannschaften des 6. Westfälischen Jnfanterieregiments Graf Vülow von Dennewitz No. 55 in feierlicher Weise ein Denkmal enthüllt. M ü l h a u s e n. Der Gefängnißinspektor Brenk von Mülhausen ist flüchtig gegangen, nachdem er als Kassirer des Gefängnisses Unterschlagunaen in der Höhe von über 10,000 M verübt hatte. Mecklenburg. Schwerin. Nach langem schwerem Leiden ist der Lehrer am hiesigen Gymnasium Professor Dr. Otto Oertzett im 48. Lebensjahre sanft entschlafen. Der Verstorbene bekleidete auch das Amt eines Vorstehers des Großherzoglichen Münzkabinetts. B ü tz 0 w. Der fünfjährige Sohn des Bremsers Kraatz hatte das geladene Teschin seines Vaters von der i Wand genommen und im Scherz auf

sein zweijähriges Schwesterchen angelegt. Da krachte auch schon ein Schuß und die Kugel drang dem Mädchen über dem linken Auge in die Stirn. Das Kind wurde in schwerverletztem Zustande sofort nach dem Krankenhause in Rostock gebracht, wo es durch den Tod von seinen Leiden erlöst wurde. D ö m i tz. Der 7jährig: Sohn des Schmiedemeisters Friemann aus Heiddorf rutschte beim Spielen in die kleine Elde und ertrank. Die Leiche wurde geborgen. F e l d b e r g. Beim Baden ertrank im schmalen Lucinsee nicht weit von Earwitz entfernt der auf der Wände?schaft befindliche Dachdeckergefelle Hilgendorf aus Stettin. Gadebusch. Rentner Adolph Hesse und Gemahlin feierten das Fest der goldenen Hochzeit. Der Jubilar steht'im 80., die Jubilarin im 68. Lebensjahre, beide erfreuen sich der besten Gesundheit und sind Wohlthäter verschämter Armen und Kranken. Hesse machte als Jäger die Feldzüge 1843 (Holstein), 1849 (Baden) mit und war viele Jahre Vorsitzender des hiesigen Kriegervereins. M a l ch 0 w. Lehrer Heinrich Mcyer Hierselbst hat zu Michaelis d. I. seine Pensionirung beantragt. Meyer gehörte der Seminarklasse 1862 64 an und wurde nach seinem Abgang vom Seminar an der hiesigen Stadtschule angestellt, an welcher er mithin 37 Jahre thätig war. Schadeland. Schulze Frank, der es verstanden hat, durch treue gewissenhafte Amtsführung sich das Vertrauen und die Achtung seiner vorgesetzten Behörden und der Dorfschaft zu erwerben, feierte sein 2Zjähriges Schulzenamts - Jubiläum. Srdcnvurg. Oldenburg. Infolge eines Schlaganfalls verschied der Justizrath Müller, ein von seinen Klienten sehr geschätzter Rechtsanwalt. Großenknete Der Pfarrer Reil ist durch GOK-Rath Ramsauer unter Assistenz der Pfarrer Müller, Abee und Rodenbok in das Pfarramt dahier eingeführt. Mariensiel. Die Andresen'sche Wirthschaft Marienhof" in Mariensiel ging durch Kauf in den Besitz des Herrn Kunze, langjähriger Bertreter der Johanni - Brauerei hier, über. Der Kaufpreis beträgt ca. 60.000 Mk. Osternburg. Das Fest der silbernen Hochzeit feierten die Eheleute Hippen in Osternburg. Das Jubelpaar erfreut sich noch bester Gesund-beit.

Arbeitsfreudig. Kommerzienrath (zum Freier): . . .Einem Mann ohne Beruf und ohne Beschäftigung kann ich meine Tochter nicht geben!" Nun, Herr Kommerzienrath, dann were ich Ihnen halt helfen Coupons schneiden!" E innurzuguterGrund. Ein sehr reicher Bankier ist gestorben. Alle Erben tragen große Trauer zur Schau; namentlich ein junger Mann weint ganz besonders heftig. Um ihn zu trösten, tritt ein älterer Herr an ihn heran und fragt: Sie sind gewiß ein recht naher Anverwandter des Berblichenen, weil Sie so jammern?!" Im Gegentheil", lautete die Antwort, ich weine ja eben, weil ich kein Verwandter von ihm bin!" Verfrüht. Aber Fritz, ich habe Dir zu Ostern doch ein Veloziped versprochen, falls Du heuer aufsteigen darfst! Und nun bist Du trotzdem durchgefallen. Was hast Du denn die ganze Zeit gemacht?" Radeln gelernt, Papa!"

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Pnoatdldliojhckkn im Alterthum. Tie alten Römer alS Bücherliebhaber Wil senövraug und Sitelkei. Oeffentliche Bibliotheken waren schon frühzeitig in Rom vorhanden, später auch in einzelnen Provinzialstädten Italiens. So schenkte der jüngere Plinius seiner Vaterstadt Eomo eine Bibliothek von bedeutendem Werth, a's der die Bücher zu häuslichem Gebrauche entlehnt werden konnten. Außerdem fügte er ein Kapital von etwa Z4000 zur Unterhaltung und Vermehrung der Bücher hinzu. Auch Privatbivliotheken waren schon im 2. Jahrhundert v. Ehr. vorhanden. Allmälig forderte es der gute Ton, daß jeder gebildete und vermögende Mann eine bedeutende Bibliothek besaß. In der Kaiserzeit wuchs diese Liebhaberei in's Ungemessene. Damals besaß fast jedes vornehme Haus einen Schatz von Büchern, selbst bei den Bauanschlägen wurde von vornherein auf die Anlage eines verschwenderisch ausgestatteten Bibliothekzimmers Rücksicht genommen. Plinius erzählt in einem Briefe, den er im Jahre 101 n. Ehr. geschrieben hat, daß Silius Jtalicus, der Dichter eines epischen Gedichtes über den zweiten punischen Krieg, in seinen Landhäusern große Bibliotheken mit Standbildern und anderen Bildern der Dichter besaß, denen er einen förmlichen Kultus weihte. Seine Verehrung galt besonders dem Virgil, dessen Geburtstag er feierlicher beging als seinen eigenen, namentlich wenn er in Neapel war. Dann Pflegte er das Grab des Dichters lvie einen geweihten Tempel der Götter zu besuchen. Wir können annehmen, daß nicht jeder Römer so viel Verständniß besaß und so eifrig bemüht war, sich mit dem Inhalte der Bücher zu beschäftigen, daß vielmehr der äußere Schein inzahlreicken Fällen maßgebend war. Seneca erzählt in seinem Aufsatze Von der Gemüthsruhe," mancher Privatmann besitze so große Schätze von Büchern, daß er während seines ganzen Lebens kaum die Verzeichnisse der Bücher durchlesen könne. Manche fahndeten, wie Seneca erzählt, nach kostbaren Schränken von Zedernholz, die mit Elfenbein ausgelegt waren, und suchten die Werke selbst unbekannter oder minderwerthiger Schriftsteller zusammen, aber mitten unter so viel tausend Bü chern könnten sie sich des Gähnens nicht enthalten, weil sie nur nach den Rücken und Titelschildern der Bücher sahen. Gerade bei den größten Müßiggängern könne man alles finden, was von Reden und geschichtlichen Werken vorhanden sei, und Bücherschränke, die bis an die Decke aufgethürmt seien. Sogar in Badezimmern und in Prachtbädern würden Bibliotheken als nothwendige Zierde des Hauses glänzend hergerichtet. Seneca sagt, er würde dies alles gern hinnehmen, wenn diese Vorliebe nur aus stark entwickelter Neigung für die Wissenschaften entspringe, so aber lvürden jene hoch aufgestapelten und mit den Bildnissen ihrer Verfasser gezierten Werke nur zum Schein und zum Schmuck der Wände angeschafft. Jedenfalls war das Alterthum in dem weit verbreiteten Streben, eine reich ausgestattete Bibliothek zu besitzen, unserer Zeit weit voraus, obwohl die Vervielfältigung der Bücher, weil sie abgeschrieben werden mußten, ungleich theurer war als heute. Künstliche Vcwässernng. Anläßlich des kürzlich in Ogden im Staate Utab abgehaltenen Beriefe-lungs-Kongresses wurde auf die günstigen Resultate hingewiesen, welche durch die Bewässerung der ausgedehnten Oedländereien des Westens in den letzten Jahren erzielt wurden. Der Staat Jdaho, welcher besonders rührig war in der Konstruktion von Berieftlungsanlagen, hat heute 4700 blühende Farmen in der trockenen Zone, und man berechnet, daß der Landwerth dadurch um 512,000.000 gesteigert worden ist. Aehnlich und eher noch günstiger liegen die Verhältnisse in Utah, welches als Staat der Pionier für künstliche BeWässerung gewesen ist. Auch Wisconsin hat Großartiges geleistet in künstlicher Berieselung steriler Prärien und hat im vorigen Jahre allein durch Anläge von 3416 Meilen neuer Bewässerungsgräben ungefähr 1,000,000 Acker ertragfähig gemacht. Den deutschen Landwirthen, welche vor einigen Monaten eine Studienreife durch die Ver. Staaten unternahmen, imponirten diese Bewässerungsanlagen noch mehr, als die Erfolge des amerikanischen Farmers, durch Maschinen menschliche Arbeit zu ersparen und dem Boden den denkbar größten Ertrag abzugewinnen. Grauenvoller Mord, n St. Petersburg fand man neulich Morgens die Gattin des Oberstleutnants Iwanow Taschkant, eine schöne Frau, die von ihrem Manne getrennt lebte, quer auf dem Bette liegend, die Beine herabhängend, als Leiche mit durchschnittenem Halse vor. Der Körper war in entsetzlicher Weise verstümmelt, eine Brust abgeschnitten und in eine Schatulle gelegt, die andere Brust gespalten, die Nase aufgeschnitten. Fleischstücke aus dem Körper in den Mund gesteckt. Dem sechsjährigen Sohn hatte der Mörder den Hals durchschnitten, die 13jährige Tochter war auf dieselbe Weise wie die Mutter verstümmelt, sie hielt in der krampfhaft geballten Faust ein Büschel fremder Frauenhaare. Man vermuthet den Racheakt einer Rivalin, da die Werthfachen sich unberührt vorfanden. V

Für dcn Muskrtirr. In einer süddeutschen Garnisonsstadt erzählt man sich das folgende hübsche Geschichtchen: Ter Herr Oberst hat ein Haus zum Alleinbewohnen; vollbelaubte Bäume beschatten den Hauvteingang, der auf der Gartenseite liegt. Eines Abends hat der Oberst

große Gesellschaft: zu dcn geladenen Gästen gehört auch ein Prinz, der als alter Freund des Hauses diesmal einige Minuten vor der vorgeschriebenen Zeit im Garten erscheint. Da es etwas regnerisch ist. hat der Priz den Mantel um, und eben will er die Glocke ziehen da geht die Hausthür unerwartet schnell auf, eine hübsche Fee im Küchenhäubchen wird sichtbar, sie steckt dem erstaunten Militär etwas in die Hand, gibt ihm einen raschen, herzhaften Kuß und mit den Worten: Da hast Du zwanzig Pfennige und eine Wurst; ich kann heute Abend nicht kommen, wir haben große Gesellschaft." verschwindet sie wieder und schlägt d!e Thür hinter sich zu. Ziemlich überrascht und rathlos blickt der Prinz die zwei Nickel in seine? Linken und die Wurst in seiner Rechten an mein Gott, so waS kriegt selbst ein Prinz nicht alle Tage; auch dcr Kuß brennt noch recht warm. Dann aber weiß er was zu thun. Er geh! ' hinaus auf die Straße und bald erspäht er am Nebenhaus in harrender Stellung einen Mann seiner Kompaßnie. Auf wen warten Sie. mein Sohn?" Zu Befehl, Hoheit, auf mein Mädchen." Und wo dient sie?" Zu Befehl. Hoheit, nebenan, beim Herrn Obersten." Na, da bin ich ja wohl recht. Hier, mein Sohn, schickt Ihr Mädchen Ihnen zwanzig Pfennig und eine Wurst, und ich soll Ihnen sagen, sie könne heute Abend nicht kommen, sie hätte große Gesellschaft. Aber halt, mein Sohn," fuhr er zum Musketier fort, dessen Gesicht eine ganze Musterkarte von Stimmung--bildcrn dargestellt hatte, halt, mein Sohn! Ihr Mädchen hat mir auch noch einen Kuß für Sie gegeben; aber den werden Sie wohl von mir nicht wieder haben wollen?" Zu Befehl, Hoheit, nein!" Nun, hier mein Sohn, haben Sie fünf Mark dafür!" Salisbury-Anckdotrn. Wenige hervorragende Engländer haben einen solchen Reichthum an Material zu Anekdoten geliefert, wie der kürzlich verstorbene Lord Salisbury. und manche dieser Geschichten werfen vielleicht mehr Licht auf seinen Eharakter als lange Biographien. In seiner Kleidung war Lord Salisbury immer sehr nachlässig, da sein Geist stets von Staatsgeschäften in Anspruch gencmmen war. An einem Levcr-Tag war der Premier bis zum letzten Augenblick stark beschäftigt. Er stürzte na5) Hause und nahm aus einem großen Bündel Uniformen, was ihm gerade zuerst in die Hände gerieth, s.o daß. er schließlich einen Rock dcr EWer Brctlircn of Trinity Housc, das Beinkleid eines Vizegouverneurs und den Hut der königlichen Schützen anhatte. Dazu trug er das Schwert und den HosenbandOrden auf der falschen Seite, und die Weste, die aus einer Zeit stammte, wo er noch weniger stark war, ließ zwischen sich und den Beinkleidern einen lichten Augenblick." Die erste Zeit seiner Laufbahn verbrachte Salisbury in ziemlich beschränkten Verhältnissen, und er verdiente seinen Lebensunterhalt zum Theil durch journalistische Thätigkeit. Eine Zeitlang theilte er mit dem Kriegskorrespondenten Charles Williams die Wohnung. So lange sie in demselben Zimmer wohnten, ließen sie sich Abends Bier holen und bezahlten abwechselnd, um einander Gasifreundschaft zu erweisen. Später lächelte Salisbury das Glück. Er wurde Marquis und Premier, und Williams, der gewöhnlich fern von London weilte, sah ihn jahrelang nicht. Da Salisbury als stolz und exklusiv galt, glaubte Williams, sein alter Kollege hätte ihn ganz vergessen. Aber als er eines Abends im Foyer des Oberhauses war, kam Salisbury mit ausgestreckter Hand auf ihn zu und' sagte: Wie ist ba3 übrigens, Williams, wer muß heute das Bier zum Besten geben?" Tie lauern Hosen sind erst seit etwa hundert Jahren eingeführt. König Georg IV. von England, der damals noch Prinzregent war, erklärte den Zurzen Hosen den Krig, allerdings nicht, wie man vermuthen könnte, wegen mangelnder Fülle, sondern vielmehr wegen der Anschwellung seiner Beine, welche ihm die Gicht verursachte, und die er durch Gebrauch langer Hosen verdeckte. Ein König findet selöstverständlich Nachahmer in Menge, und so kam es denn, daß sich, trotz alles Spotts der Zeitgenossen, diese unschöne Mode einbürgerte und sich erhielt ein Beweis dafür, wie viele Leute unschöne Beine haben. In Frankreich werden jährlich 4000, in Italien etwa 2800 Duelle ausgefochten. DaL Obcrkriegsgl?rich: in Kiel verurthcilte auf Berufung do Gerichtsherrn den in erster Jnstaiiz freigesprochenen Kommandanten d.'r Amazone Fregattenkapitän Gerdes zu dreitägigem Kammerarrest wegen Ungehorfams gegen einen Tienstbefehl. Es handelt sich um das Auflaufen deö Kreuzers bei der Einfahrt in den H fen von Brest.

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