Indiana Tribüne, Volume 27, Number 29, Indianapolis, Marion County, 25 September 1903 — Page 6
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Europäische Nachrichten. l&cibett. Karlsruhe. Oberstkammerherr Freiherr v. Gemmingen ist im Alter von 80 Jahren nach längerer Krankheit hier gestorben. Er war im Jahre
1823 in Karlsruhe geboren. A ch t x n. Burgermelster Obersoll ist in Freiburg einer langwierigen Krankheit erlegen. Baden-Baden. Forstmeister Adolf Louis beginq die Feier seines 40jährigen Dienstjubiläums als städtischer Forster in hiesiger Stadt. Engen. Der 16 Jahre alte Johann Nutz wurde auf der Straße von Anselfingen nach Watterdingen von einem herumziehenden Handwerksburschen angehalten, der ihm das Geld abverlangte. Da der junge Mann Geld nicht besaß, wurde er von dem Stromer in den Gassengraben geworfen . und mißhandelt. E u t i n g e n. Man fand den derheiratheten, 29 Jahre alten Goldschmied Wilhelm Klingel in der sogen. Nemtich todt. Er hatte einen Schuß durch die Schläfe. F r e i b u r g. Hofrath Professor Steinmann trat mit .gerrn Dr. Hoeck und Hcrrn Dr. Barol: v. Bistram eine Forschungsreise nach Südamerika an. K a n d e r n. Hier starb im hiesigen Spitale der 61 Jahre alte ledige Fuhrknecht Nikolaus Willi infolge innerer Verletzungen, die er sich dadurch zuzog, daß er bei der Heimfahrt von Malsbürg mit dem geladenen Holzwagen die Wegböschung hinunterstürzte. K o n st a n z. Abgebrannt ist die oberhalb Kreuzlingen gelegene Gaisberger Mühle" sammt dem angebauten Wohnhaus des Müllers Zingg. Mannheim. Der 56jährige Fuhrknecht Johann Heinrich von Ketsch, bei einem Fuhrunternehmer in Neckarau bedienstet, verunglückte, währcnd er m!t einem mit zwei Pferden bespannten beladenen Rollfuhrwerk in die Thoreinfahrt der Süddeutschen Kabelwerke Waldhof hineinfuhr, dadurch, daß er von der Wagendeichsel an einen eisernen Tragposten gedrückt und so stark verletzt wurde, daß er nach kurzer Zeit an der Unfallstelle starb. Niederwasser. Der 41 Jahre alte verheirathete Schreinermeister Epting gerieth beim Oelen seines Wasserwerkes zwischen die Kammräder des im Gange befindlichen Werkes. Er erlitt schwere Verletzungen am Halse und starb sofort. Offenburg. Der Heizer K. Bosch wurde beim Ueberschreiten der Geleise von einer Maschine erfaßt und tödtlich verletzt. R h t x n h c i rn. Der 84jährige Schreiner Karl Amann stürzte die Treppe hinab und zog sich tödtliche Verletzungen zu. Rorgenwies. Der seitherige Nathsschreiber Anton Müller wurde zum Bürgermeister aewäblt. tLrlaß'othrtngen. Straßburg. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich neulich bei einem Ausflug einer Klasse der Wilhelmer Schule. Auf Burg Nideck stürzte der 13jährige Schüler Barth beim Herumklettern ab; er wurde schwer verletzt aufgefunden, nach Straßburg tVs Spital gebracht und ist seinen Verletzungen erlegen. Das Noveau Journal de Strasbourg", welches vor Kurzem ins Leben gerufen wurde, hat sein Erscheinen wieder eingestellt. Der seit der Annexion zum ersten Male in der Neichslandhauptstadt gemachte Versuch, eine Tageszeitung mit ausschließlich französischem Text herauszugeben, ist damit gescheitert. Forbach. Der Direktor des Gas- und Wasserwerks, Frahm, machte seinem Leben durch einen Schuß Zn's Herz ein Ende. Als Ursache wird angegeben, daß auf Grund eines anonymen Schreibens an das Hauptgeschäft in Bremen eine unvermuthete Revision des hiesigen Werkes vorgenommen wurde, wobei UnregelmäßigZeiten festgestellt worden sein sollen. Harzweiler. Der Steinbruchbesitze? Gerard von hier wurde im nahen Walde todt aufgefunden. Man vermuthet, daß er in einem Anfall von Schwermuth seinem Leben ein Ende gemacht hat. Memmelshofen. Der frühhere Jagdhllter Franz Wagner erschoß nach einem Wortwechsel in der Wirthschaft seinen Schwiegersohn Georg Schaf. Metz. Wilhelm Wroblewsky, Lehrer an der hiesigen Hufbeschlagschule, ist in Charlottenburg plötzlich einem Blutsturz erlegen. Er hatte noch einmal seine Heimath besucht, und ist nun auf der Rückreise gestorben. MeeNkenburg. Schwerin. Die Großhcrzogin hat aus Anlaß ihresGeburtstages dem Magistrat die Summe von 300 Mark zur Vertheilung an arme und bedürftige hiesige Einwohner überweisen lassen. B ü tz o w. Bei der Taufe des siebenten Sohnes des Zimmermanns Schmidt in Bernitt bei BUtzow hat der Großherzog Pathenstelle übernommen. C r i v i tz. Frl. Anna Peters. Tochter des Gerichtssekretärs Peters zu Schwerin, ist nach voraufgegangener Probelektion vom Magistrat als Lehrerin an hiesiger Stadtschule gewählt worden. N e u h a u s. Der 16jährige Lehrling Paul Boldt aus Haar ertrank fairn Nad,n in der Badeanstalt fiter.
N i e n d o r f. Wohnhaus, Scheune und Stall der Erbpächterw-!ttwe Gebert wurden ein Raub der Flammen. Das Feuer griff mit so rasender Schnelligkeit um sich, daß nichts gerettet werden konnte. Leider sind auch zwei Menschen, der 15 Jahre alte Knecht Schwencke und der Hütejunge Danckert, 12 Jahre alt, in den Flammen umgekommen. L ü b t h e e n. Ortsvorsteher Lühr Hierselbst feierte tn 25jährigesDienstjubiläum. Die hiesige Musikkapelle brachte dem Jubilar ein Ständchen. M a l ch i n. Infolge eines Schlaganfalles verschied im 81. Lebensjahre der Lehrer a. D. August Döring. Ihm war es vergönnt, vor einigen Jahren sein 50jähriges Amtsjubiläum zu feiern. P a r ch i m. Tischlermeister G. Boß von hier, welcher auf einem Möbeliransport verunglückte, ist im Stift Bethlehem seinen Verletzungen erlegen. S o l z o w. Hier erhängte sich die Tagelöhnerfrau Hackbusch. Schwermuth hat dieFrau veranlaßt, sich selbst den Tod zu geben. QsöcnOitrfl. C lob pen bürg. Das 2jährige Söhnchen der Eheleute Bürgermeister Böthe fiel beim Spielen in die Sooste und ertrank. Hammelwarden. Das Fischerboot des Fischers Meister aus Käseburg wurde hier voll Wasser und ohne Insassen in der Weser treibend gefunden. Es liegt die Vermuthung nahe, daß Meister, der mit dem einen seiner beiden Söhne seit' kurzer Zeit den Granatfang betrieb, verunglückt ist. Die Leichen sind bislang nicht gefunden worden. Hoyenkamp. Auf dem Hofe des Gemeindevorstehers Alfs machten sich ein junger Mann und der Schreiber Hermann Meyer mit einem geladenen Gewehr zu schaffVi, als plötzlich der Schuß losging und den Meyer todt niederstreckte. Die Ladung war dem Meyer in den Hals gedrungen und hatte die Schlagader getroffen. Hundsmühlen. Beim Baden im Hunte-Emskanal ertrank der 12jährige Kuhhirt Emil Doken. Stollhamm. Das Haus des KaufmannsHeinrich Wettulun brannte bis auf die Umfassungsmauer nieder. Beim Ausbruch des Feuers war niemand zu Hause, somit konnte von dem kaufmännischen Waarenlager wie auch von dem Mobiliar nur ein äußerst geringer Theil gerettet werden. Ircio Städte. Hamburg. In dem Orte Curslack in der Vierlanden entstand eine Feuersbrunst, der 9 Gebäude zum Opfer gefallen sind. Die hiesige Feuerwehr wurde telegraphisch um Hülse gcbeten und rückte mit drei Dampfspritzen mittels Extrazuges über Bergedorf zur Brandstätte. Es sind 6 Pferde, 23 Kühe, viele Ziegen und Federvieh in den Flammen umgekommen. Das gefährliche Spiel der Kinder, auf den Treppengeländern hinabzurutschen, hat wieder zu einem beklagenswerthen Unglücksfall geführt. Der acht Jahre alte an der Stresowstraßc wohnende Knabe Carl Bremen stürzte beim Hinabrutschen kopfüber in den Hausflur, wo er regungslos liegen blieb. Kurze Zeit nach dem Unfall trat der Tod des Kindes ein. Todt aufgefunden wurde in einem Schuppen auf dem Grundstück Marschnerstraße 9 in Barmbeck der Arbeiter Behn aus Wandsbeck. Er hat mit zwei Arbeitern aus einem Ascheimer verdorbene Speisen hervorgesucht und verzehrt. Die beiden Genossen des Verstorbenen waren gleichfalls erkrankt. Das Vefinden der Erkrankten gab anfänglich zur Vesorgniß keine Veranlassung, es verschlimmerte sich jedoch derartig, daß Beide, die Arbeiter Saß und Pramp aus der Marschnerstraße, im Krankenhause gestorben sind. Die Verstorbenen waren sämmtlich Lumpensammler, sogenannte Naturforscher, die Inhalt der Ascheimer durchstöberten. Bremen. Der 18 Jahre alte Klempnergeselle Siegfried Janßen aus Ditzum in Ostfriesland, der hier in der Hansastraße wohnte, wollte von einer Leiter aus an einem Hause in der Utbremerstraße in Höhe der ersten Etage ein Rohr befestigen, dabei fiel die Leiter um; Janßen fiel mit dem Rücken auf die Balkoneinfriedigung und dann mit dem Kopfe auf die Erde. Der Verletzte suchte noch allein seine Wohnung auf, mußte von hier aus aber gleich im Sanitätswagen nach dem Krankenhause gebracht werden.wr er bald nach seiner Aufnahme gestorben ist. Er hatte bei dem Sturz einen Schadelbruch erlitten. Scywoiz. Bern. Spielende Kinder haben im nahen Teusfelen einen Brand verursacht, dem das von zwei Familien bewohnte Haus des Emil Laubscher totat zum Opfer gefallen ist. B e lp. Hier starb Gemeindeschreiber Adolf Schüpbach, der letzte männliche Nachkomme des im 18. Jahrhundert weltbekannten Naturarztes Mi-
chelr Schüpbach. wv Siel. Professor Villars von yier unternahm mit seiner Gattin eine Tour auf den aussichtsreichen Dent de Vaulion (1488 Meter) im Kanton Wagdt. Dabei stürzte feine Frau über eine hohe Felswand. Die Leiche ist gefunden. B ü l a ch. In Höri brannte das ftfliiä des Nräüdenten Qeinricb Sur-
ber vollständig nicr ?Das Feuer scheint im Stalle aurochen zu sein und hat sich derart tljcr) verbreitet, daß es nicht mehr gelang, das Vieh zu retten. Es verbrannten zwölf Stück Rindvieh und zwei Schweine im Werthe von 7000 Francs. Gefammtscha den etwa 40.000 Francs. C h u r. Beim Edelweißpflücken auf dem Piz Julies stürzte der in St. Moritz beschäftigte 21jährige Elektriker Max Schwippert aus Koblenz ab und kam um's Leben. G l a r u s. Der verstorbene Fabrikinspektor Dr. Schuler hat in seinem Testament 165,000 Francs für Erziehungs- und Krankenanstalten bestimmt, darunter 84,000 Francs fü: eine Anstalt, welche arme Wiedergenesende aufnehmen soll. L a n g n a u. Hier starb nach langer Krankheit im Alter von 76 Jahren der pensionirte Nationalrath Verger, früher Staatsschreiber, seit Jahrzehnten Redakteur des Emmenthaler Blattes". Lugano. Am Nordeingang des Tunnels von Massagno wurde der 30jährige Gotthardbahn-Wärter Talleri Santino aus Gravesano vom Zug erfaßt und augenblicklich getödtet. R o r s ch a ch. Frau Schlegel von hier, welche das Bahngeleise überschreiten wollte, wurde vom Romanshorner Zug erfaßt und über die Schutzmauer in den See geschleudert. Sie konnte noch lebend aus dem Wasser gezogen werden, starb aber bald infolge der erhaltenen Verletzungen. Sankt Gallen. Frau Fehrlin - Schaffner wollte in den brennenden Kochapparat Petroleum nachgießen. Die Flamme schlug dabei in das Petroleumsgefäß, das platzte, und der Inhalt ergoß sich über die Frau. Die schrecklich verbrannte Frau, welche 4 kleine Kinder hinterläßt, ist ihren Verletzungen erlegen. U t t w i l. Beim Baden im Tessinflusse an einer gefährlichen Stelle er trank, der Vahnarbeiter Johann Ferdinand Eggmann von hier, verheirathet, Vater von zwei Kindern. Die Leiche des 26jährigen Mannes, von der starken Strömung fortgeschwemmt, konnte nicht geborgen werden.
Unter Freundinnen. Mutter: Ach, ich möchte, daß meine Tini in eine recht angenehme, feine Familie heirathete; der kleine Herr Müller wäre mir schon recht! " Freundin: Ja. das glaube ich Dir, aber die Sache ist nur die, Herr Müller möchte auch in eine feine Familie heirathen!" In der Mastvieh - Aus sie!lung. Sagen Sie mir. sind Sie der Impresano von dies dicke Schwein?" Macht der Gewohnheit. Richter: Der Herr Staatsanwalt hat fünf A!onatc gegen Sie beantragt, haben Sie daraus etwas zu bemerken? Der Angeklagte schweigt einen Augenblick; plötzlich erhebt sich ein als Zeuge anwesender Auktionator: Also fünf Monate zum Ersten .... Zweiten und zum Dritten. Schwer möglich. vh ... .m &$SyLrI Mz ( I 'U .i !.ur5:-.??z U- i. Die ist voriges Jahr von einem Liebhaber ihrem Mann entführt worden." Was?! Unsinn! Dazu soll einer im Stande gewesen sen?" Schusierjungenwitz. (Ein junger Mann geht pfeifend spazieren, als sich ihm ein Schusterjunge naht.) Schusterjunge: Herrje, Sie armer Mensch, Sie werden ooch nich lange pseisen!" Junger Mann: Warum nicht?" Schusterjunge: Hab' ich's nicht gesagt, Sie haben schon uffge-hört!"
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Pariser Zcilungsromalie. Cugcn Sue mit seinen sozialen Schildcrungru als Bahnbrecher.
Tauerroma,: für Jeitung,,, die sür den Numtnerverkauf berechnet sind Aus Sen esckzmac? der Z?ar:ssrinuen zugeschnlttc. Titel. Ton un) Cd)!::f;. Wer die Geheimnisse von Paris, den Ewigen Juden oder einen sonstigen der vielbändigen Romane Eugen Sues verschlungen hat, wird der Phantasie, der sprudelnden Erswdungskrast und dem Erzählertalent des Dichters seine Bewunderung nicht versagen können. Denn mag man dessen Mittel und mehr als herben Realismus auch tadeln, er versteht es doch, seine Leser unausgesetzt zu fesseln. Sues soziale Romane erschienen zuerst im Constitutionnel," und damit war der französischen Belletriflik ein neuer Weg geöffnet; die nach Aufregungen dürstende Gesellschaft that das Ihrige, die Zeitungsverleger und damit auch die Dichter in der Sucht nach Neuem, Prickelndem nicht erlahmen zu lassen. Bei dem heutigen Stande des Zcitungswesens ist der Wettbewerb auf diesem Gebiete größer als je. Für die Tagesblätter kommt es besonders darauf an, Romane zu erwerben, die neben den, dem Ton des Leserkreises entsprechenden, bis zum Schluß sich erhaltenden Reizen auch die nöthige Länge besitzen. Die Vortheile solcher Dauerromane für Zeitungen, die fast durchweg auf den Nummerverkauf angewiesen sind, brauchen nicht erst erörtert u werden: wer den Anfang aelesen hat, will auch das Ende lesen, und so sind Feuilletons von 40,000 bis 60,000 Zeilen an der Tagesordnung. Zur Lieferung dieses Lesestoffes aber gehören Kraftnaturen, deren geistiges Mühlrad nicht so leicht in Unordnung geräth. Allerdings ist die Arbeit lohnend. Bei den volksthümlichen Pariser Blättern werden die Beiträge unter dem Strich mit 4 bis 20 Sous die Zeile von 40 -Buchstaben bezahlt, was für einen einzigen Roman bis zu 30,000 Francs (Z6000) ausmachen kann. Aus Nachdrucken in der Provinz und Uebersetzungen erzielt der Verfasser dann gewöhnlich noch ungefähr den gleichen Betrag. Allerdings sind, was den letzten Umstand betrifft, die Aussichten nicht so riesig, wie die Verleger mit ihrer VorVehaltung des Uebersetzungsrechts glauben machen möchten, denn die meisten dieser Werke sind, auch abgesehen von Sprache und Stil, derart auf den Geschmack der Pariser und besonders der Pariserinnen zugeschnitten, daß sie sich zu Uebertragungen kaum eignen. Dagegen wird sich die Theilnahme des an andere geistige Kost gewöhnten Ausländers, der sich einmal mit Todesverachtung an die Lesung eines derartigen Romans wagt, von' Nummer zu Nummer steigern, aber nicht für die Handlung, sondern für die Redakteure, die solche Hirngespinste prüfen müssen, für die Leser, die solche Sachen verdauen und vor allem für den Verfasser, der mit einer derartigen Zähigkeit zu arbeiten versteht. Einzelne französische Schriftsteller richten sich so ein, daß sie die Hälfte des Jahres in stiller Zurllckgezogenheit auf dem Lande verleben, wo sie dann den Tintenstrom ihrer Dichtung ununterbrochen fließen lassen. Ein großer Theil dieser Schriftsteller besteht aus Frauen, und die wenigsten Leser ahnen, daß hinter Namen wie Naoul de Navery, Paul d'Aigremont, Henri Greville, Georges Maldague, Roger Dombre u. s. w. das zarte Geschlecht steckt. Andere Feuilletonschreiber, die bereits einen Namen haben, betreiben wie der ältere Dumas die Romanschreibe? fabrikmäßig und beschäftigen zu dem Zwecke Lehrlinge und alte, im Kampf um's Dasein gescheiterte Kräfte. Nur so wird es gewissen dieser Fabrikanten möglich, jährlich über 500.000 Zeilen in die Welt zu senden. Ganz besonderen Werth legen die Pariser Verleger auf den Romantitel. Soll doch einer von ihnen bei jeder Gelegenheit erklären, daß in dem Titel allein der halbe Erfolg liege! Natürlich haben auch der Gegenstand des Romans und die Behandlung des Stoffes einige Bedeutung. Vor allem muß der Ton des betreffenden Blattes gewahrt und alles vermieden werden, was die religiösen, sozialen und politischen Anschauungen des Leserkreises namentlich des weiblichen verletzen könnte. Dann wird Klarheit und Verstandlichkeit verlangt, was bei dem Umfange der Arbeiten nicht immer leicht ist; des Weiteren darf es an bewegten Auftritten, aber auch an heiteren Zwischenfällen, die selbst neben den erschütterndsien Ereignissen gestattet sind, nicht fehlen. Von größter Wichtigkeit ist endlich ein guter Schluß. Wird im letzten Kapitel die Tugend nicht würdig belohnt und das Laster nicht hinreichend bestraft, so hat der Roman für die Pariser Sou-Blätter von vornherein keinen Werth. Daß bei dem französischen Feuilletonroman die Hauptheldin immer eine strahlende Schönheit sein muß, ist-selbstverständlich. Mit Borliebe wird sie dem Stande des größeren Leserinnenkreises entnommen und aus ihrem Dasein als Putzmacherin, Schneiderin u. s. w. nach vielen Prüfungen zum Gipfel des irdischen Glückes geführt. N u ß l a n d hat mehr Pferde, als jedes andere Land, nämlich nahezu 21,000.000.
Bkachlcnsmcrilic Einrichtung. in ..Schul er Höflichkeit" für Vosto Strabenbakzncr. Der Reisende, der in den großen Städten des Landes sieb aufhält, ist sicherlich durch übergroße Höflichkeit der Straßenbahn-Konduktere im Allgemeinen nicht verwöhnt. Eine rühmliche Ausnahme bildet der alte KulturmittelPunkt Boston. Dort existirt nämlich eine Fachschule für Straßenbahner, in welcher nicht nur wie in anderen Großstädten teckznischer Anschauungsunterricht ertheilt wird, sondern auch UnterWeisung im Umgang mit dem Publikum. Diese Schule steht unter der Obhut der Bostoner Straßenöahn-Gesellschast und befindet sich am Sullivan-Square. Das Amt des Jnstruktors versieht G. H. Benjamin, welcher, wie alle höheren Beamte der Gesellschaft, mit alleiniger Ausnahme des Vizepräsidenten, ein Fachmann ist. An jedem Montag Morgen und an etlichen Abenden der Woche hält der Jnstrukto? nach der fachmännischen Unterweisung, die durch vollständige Gerippe von Straßenbahnwagen praktisch veranschaulicht wird, den Novizen, deren Anzahl von 50 bis 100 variirt, eine Art Vorlesung darüber, wie sie im Verkehr mit dem Publikum sich zu benehmen haben. Er geht dabei praktisch zu Werke, nennt die Dinge beim rechten Namen, spricht auf Grund eigener lancnähriger Erfahrung und erzielt dadurch stärkeren Eindruck. Er erklärt ihnen, warum es so viele ungeduldige Paffagiere gibt, setzt ihnen beispielsweise auseinander, warum ein Mann, der den ganzen Tag hart und intensiv gearbeitet, von einer nervösen Ungeduld befallen wird und möglichst rasch nach Hause kommen möchte, leicht geneigt ist, ein scharfes Wort zu gebrauchen, wenn durch irgend einen Vorfall eine unliebsame Verzögerung entsteht. Er stellt den Zuhörern vor, wie gedankenlos und wenig rücksichtsvoll der Durchschnittsmensch geartet ist, daß man aber lieber die Menschen, welche sich in die Seele und Lage der Anderen hineinzuversetzen vermögen und demgemäß handeln, als Vorbild nehmen soll. Er ermahnt die Novizen, in erster Linie höflich zu sein und sich durch eine unüberlegte Aeußerung eines taktlosen Menschen nicht beirren zu lassen. In diesem Sinne spricht er eine gute halbe Stunde, flickt Beispiele und eigene Erlebnisse ein und gibt ihnen auch zu bedenken, daß bei der Gesellschaft nur Derjenige auf Veförderung zu rechnen hat. welcher diese Regeln, die im allerseitigen Interesse aufgestellt sind, strikt beobachtet. Auf diese Weise ist es wohl erklärlich, wenn der in Boston weilende Reisende sich durch die Höflichkeit der Sraßenund Hochbahnangestellten angenehm berührt fühlt. Kinder in Gefängnissen. Eine höchst deprimirendc Mittheilung haben unlängst in Rußland einige Wohlthätigkeitsinstitute gemacht, welche sich mit der Unterstützung von aus der Haft entlassenen Sträflingen beschäftigen. In den russischen Gefängnissen werden 4000 unschuldige Kinder gefangen gehalten, welche sich nicht gegen das Gesetz vergangen haben und doch hinter Kerkermauern schmachten müssen. Es sind dies Kinder von inhaftirten Eltern, die nirgends Unterkunft erhalten können und deshalbdieFreiheitsstrafe ihrer Eltern theilen. Rußland besitzt im Ganzen nur 27 Asyle für untersiandslose Kinder von Sträflingen und Arrestanten, welche von privaten Wohlthätigkeitskomites gegründet wurden. Aber alle diese Asyle vermögen nicht die großen Ausgaben, welche die Versorgung der Kinder von Cträflingen jährlich erfordert, zu bestreiten, so daß das Uebel der Einkerkerung von Kindern in Rußland mit jedem Jahre wächst. Schulgesetz für d i e Philippinen. Das für die Philippinen in Kraft getretene neue Schulgesetz verwilligt 72.000 für das erste Jahr für die Entsendung von 100 solchen Schülern, welche bei der Jahresprüfung in allen Fächern mindesiens 75 Prozent erhalten, nach den Ver. Staaten zu weiterer Ausbildung und in vom Gouverneur zu bestimmende Anstalten. Die Bewerber müssen die Volksschulen besuchen, Filipinos im Alter von 16 bis 21 Jahren, körperlich wie geistig gesund sein und den Ver. Staaten den Treueid leisten. Nach Beendigung ihrer Studien müssen sie eine Civildienstprüfung machen und dann genau so lange eit im Regierungsdiensi verweilen, wie sie in den Ver. Staaten verbracht haben.
Schwerer Unfall. In Chemnitz, Königreich Sachsen, gerieth unlängst die Frau des Fräsers Mauersberger, die ihre beiden Kinder bei sich hatte, von denen das eine in einem kleinen Handwagen saß, zwischen ein Färbereitransportgeschirr und einen Straßenbahnwagen. Das Wägelchen wurde umgeworfen und das 4ksährige Mädchen gerieth unter den Färbereiwagen. Ein Hinterrad ging dem armen Kinde über den Kopf und drückte ihn breit. Der Tod trat sofort ein. Die unglückliche Mutter, die herzzcrreißend jammerte, und das andere Kind kamen unverletzt davon. In Japan werden Fische lebendig verkauft. Peddlers pflegen sie in Wasserbehältern auf der Straße zu verhandeln.
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