Indiana Tribüne, Volume 27, Number 19, Indianapolis, Marion County, 14 September 1903 — Page 6

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Europäische Nachrichten.

Frovinz Sommern. Stettin. Auf der oberhalb der Hansabrücke befindlichen MotorbootAnlegebrücke spielten mehrere Kinder. Hierbei kam der dreijährige Sohn Willy des Arbeiters Faust dem Brückenrande zu nahe und stürzte in die Oder. Da das Kind fast sogleich von der Oberfläche verschwand, war jeder Rettungsversuch vergeblich und es ertrank. Vom hiesigen Kriegsgericht der 'dritten Division wurde der Füsilier Johann Kuchta von der 11. Compagnie des Colbergschen GrenadierRegiments No. 9 wegen Fahnenflucht in wiederholtem Rückfalle, Preisgabe von Dienstsachen und Diebstahls ZU 5 Jahren 1 Woche Zuchthaus und Ausstoßung aus dem Heere verurtheilt. A l t d a m m. Hier wurde die vollständig verstümmelte Leiche des Malermeisters Heinrich Bresin von einem Bahnwärter auf der Stargarder Eisenbahnstrccke in der Nähe der Stärkefabrik aufgefunden. Der Tod des Ueberfahrenen muß sofort eingetreten sein. Man nimmt an, daß Bresin sich in geistiger Umnachtung vor die Näder geworfen hat.' D e m m i n. Zwei Kinder des Kutschers Kuhrt, ein dreijähriger Knabe und ein siebenjähriges Mädchen, derloren sich im Spiel nach der Peene zu. und dort sind die Kleinen in der Nähe des städtischen Schlachthauses ertrunken. G a r tz a. O. Infolge zu großer Belastung sank ein mit Heu beladener, auf der Heimfahrt begriffener Kahn, auf dem sich der 18jährige Sohn des Gasiwirths Reinert aus Friedrichs, thal mit einem Knecht befand. Der Knecht wurde von in der Nähe befindllchen Leuten gerettet, wahrend der junge Neinert sofort untersank. Kolberg. Im Streite schlug der Klempnergeselle Müller seinen Mitgesellen Lcwandowski mit einem Löthkolben derartig wuchtig über den Kopf, daß der Gefangene einen Schädelbruch erlitt. Müller soll sich in der Nothwehr befunden haben. Langebose. Der Sohn des Heizers Schulz gerieth zwischen die Puffer zweier Wagen und wurde auf der Stelle getödtet. Pakulent. Die Besitzersfrau Preuß g)ß Petroleum auf das Herdfeuer. Die Kanne explodirte, und das brennende Petroleum ergoß sich über die Frau und erfaßte auch noch ihr hinter ihr stehendes Kind. Ihr Ehemann konnte das mit brennenden Kleidern auf den Flur eilende Kind noch rechtzeitig erfassen und in ein Wassergefäß tauchen, während die Frau so schwere Brandwunden erlitt, daß sie nach qualvollem Leiden starb. R o g z o w. Dem Eigenthümer Lüdtke versetzte sein Pferd einen derart wuchtigen Schlag auf den Kopf, daß er starb. S ch w e s l n. Scheune und das Wohnhaus des Eigenthümers Ferdinand Müller sowie das Arbeiterhaus des Hofbesitzers Sklbbe gingen in Flammen auf. Die 'Gebäude waren versichert. S t o l p. Beim Baden fand tm Schietagnersee unterhalb der Zemmener Mühle der dreißig Jahre alte Maurergeselle Hermann Kroll aus Zemmen seinen Tod. Wiederbelebungsversuche waren erfolglos. Swlnemunde. Außerhalb des Hafens kenterte das Boot des Fischers August Schmidt, der dabei ertrank; der ihn begleitende Fischerjunge wurde von dem hinzukommenden Boote des Fischers Scharff aufgenommen. W o l g a st. Der ehemalige Statt Halter Oesterreich feierte mit seiner Gattin das Fest der goldenen Hochzeit. Der Jubilar ist 81, seine Frau 72 Jahre alt. Frovlnz Schteswig-Kolstein, A l t o n a. In den oberen Räumen des zur Siechenpflegeanstalt in der Norderstraße gehörigen Küchengebäudes, in welchem sich eine Tischlerwerkstätte befindet, brach Feuer aus, welches sich mit rasender Geschwindigkeit weiter verbreitete. Bei den Aufräumungsarbeiten fand man den Tischler Klincker todt vor. Der Mann hat wiederholt Selbstmordgedanken geäußert und wird nun angenommen, daß er das Feuer selbst angelegt hat und dabei den Tod gefunden hat. Bullendorf. Bahnwärter Johann Brandt feierte sein 25jähriges Dienstjubiläum. Dem Jubilar wurden von College, Freunden und Bekannten viele Ehrungen zutheil. G l ü ck st a d t. Der hochbetagie Rentner Dölling, welcher hier bei feinem Sohne wohnte, ist im Rhein ertrunken. Hohenwestedt. Im Gewese des Bäckermeisters Stammer Hierselbst entstand Feuer; dasselbe hatte im Stall seinen Anfang genommen. Das Haus hatte weiche Bedachung und brannte bis auf zwei Seitemnauern nieder. Auch das Nachbarhaus des Spinnereibesitzers Schönwandt mit Fachwerk und Strohdach wurde vollständig in Asche gelegt. Kiel. Beim Baden ertrunken ist bei der städtischen Badeanstalt in der Wiker Bucht der 31jährige Borbeiter Schöps von der Kaiserlichen Werft. Schöps erlitt einen Schlaganfall und ging plötzlich unter. Die Leiche wurde geborgen. Der Verunglückte hinterläßt Frau und drei Kinder. Vor

einiger Zeit verübte der hiesige Buchbindermeister Cobz Selbstmord, weil ihm sein Laden, der er Jahrzehntelang innegehabt hatte, gekündigt worden' war. Dieser Tage ist ihm seine Frau im Tode nachgefolgt. Sie schoß sich eine Kugel in den Kopf. Lensahn. Im hiesigen Gasthof Grüner Hirsch- wurde ein Einbruch verübt und der Besitzer, Gastwirth Fritz Hagge, dabei von denEinbrechern ermordet. Die Regierung hat für die Ermittelung der Thäter 500 Mark ausgesetzt. Rendsburg. Die Kleiderfabri! von Baum & Einstein, welche erst vor Kurzem brannte, ist völlig niedergebrannt. Das Feuer kam zum Ausbruch, während die Taxatoren der Versicherung mit den Eigenthümern über den ersten Schaden abrechneten. S ch e g g e r o t t. Die Eheleute Mau feierten das Fest der goldenen Hochzeit. -Arovinz Scykelren. Bunzlau. Nunmehr sind es fünfzig Jahre her. daß der Kanonikus und Fürstbischöfliche Commissarius, Geistlicher Rath Kreuz Hierselbst in Breslau zum Priester geweiht wurde. Aus diesem Anlaß wurden dem greisen Jubilar große Ehrungen zutheil. B r ö t h e n. In der Wirthschaft des Häuslers Tschinmank entstand Feuer, durch herrschenden Sturm und Wassermangel verbreitete sich dasselbe auf weitere sieben Wirthschaften, welche sämmtlich niederbrannten. Das 5 jährige Töchterchen des SteuererheöerS Burgmann kam in den Flammen um. Eichberg. Kutscher Kranz ritt mit zwei Pferden in den Bober. Die Thiere geriethen in ein Loch, der Kutscher wurde abgeworfen, wobei er sofort unterging und ertrank. Die Pferde wurden gerettet. Glatz. Im Fischleinthal in den Sextner Dolomiten stürzte beim Edelweißsuchcn der hiesige zwanzigjährige Theologe Alfons Gottschlich ab. Er starb bald darauf. Herrmannsdorf. Der Pfarrer hiesiger Gemeinde, Erzpriester Hübner, feierte sein fünfzigjähriges Priesterjubiläum. Krintsch. Arbeiter Schmidt wurde von einem wüthenden Bullen derartig an die Wand gedrückt, daß sein Tod nach kurzer Zeit erfolgte. L i e g n i tz. Ihr 50jähriges Dienstjubiläum feierte die 83 Jahre alte Wirtschafterin Christiane Pohl bei Partikulier Hoke, Glochauer Straße hierselbst. Neukirch. Der 33 Jahre alte Hilfsweichensteller Hermann Schumann von hier verunglückte beim Rangiren des von Liegnstz nach Merzdorf verkehrenden Güterzuges dadurch, daß er vom Trittbrett abglitt und unter die Räder von zwei Wagen gerieth, welche ihm quer über den Unterleib fuhren und die Beine vom Körper fast vollständig trennten. Prinzdorf. Wohnhaus, Stall und Scheune des Gärtners Siegemund brannten mit sämmtlichen Fut-ter-und Holzvorräthen sowie Wirthschaftsgeräthen nieder. Strehlen. Ein schreckliches Unglück ereignete sich auf der Chaussee von Schweinebraten nach Großburg. Die etwa neunjährige Tochter des Schmiedemeistcrs Schaar aus Schweinebraten gerieth mit dem Kopfe unter ;ine in Bewegung befindliche Straen - Dampfwalze, welche den Kopf des bedauernswerthen Mädchens ' zu einer unförmlichen Masse breitquctschk. Frovinz Foscn. Posen. Sein SOjähriges Dienstjubiläum feierte der Rechnungsrevisor des Oberlandesgerichts Rechnungsrath Wollburg. OberlandesgerichtsPräsident Dr. Gryczewski überreichte ihm den Kronenorden 3. Klasse. Be ntschen. Arbeiter Josef Lorkowski war auf dem Gute Chludowo mit dem Befestigen von . Weinranken beschäftigt, welche von dem Winde losgerissen waren. Plötzlich brach das Spalier, auf dem Lorkowski stand, und dieser stürzte aus einer ziemlich bedeutenden Höhe herab, wobei er sich außer anderen Verletzungen auch eine solche des Rückgrats zuzog. Der Verunglückte wurde ins Krankenhaus gebracht, wo er bald nach seiner Einlieferung gestorben ist. K r o n e a. V r. In einem Einwohncrhause des Rittergutsbesitzers Pahl in Neu-Jasinitz brach Feuer aus, durch welches das Haus in kurzer Zeit eingeäschert wurde. Bei der Bergung ihrer Haöseligkeiten wurde die Einwohuerfrau Anna Knitter und deren erwachsener Sohn durch das Einstürzen des Daches an Beinen, Armen und Gesicht schwer verletzt. Lissa. Die Sattlerfrau Marie Rosewitz, die durch eine Spiritus-Ex-

ploston jchwer verletzt wurde, ist im Krankenhause ibren Verletzunaen erlegen. Die 45jährige Frau hinterläßt einen Gatten und vier Kinder. O st r o w o. Im Grenzdorfe Kopiec hantirte der Wirth Peter Pawlow in Gegenwart seines befreundeten Nachoärs Andrew mit einem geladenen Eewehr. Plötzlich entlud sich die Waffe, die Kugel traf den Andrew in die Brust und dieser stürzte todt zu Boden. Der 57 Jahre alte Wirth Thomas Vanach aus Cisow stürzte beim Einfahren von Getreide so unglücklich von seinem hochbcladenen Wagen, daß er auf der Stelle starb.

Die miitterlillie Zrcundin. Skizze von Emilie Wesemann. Frau Hedwig, die junge hübsche Wittwe des Obersten v. Kühn, befand sich .in einer Lage, die fast über ihre Kräfte zu gehen drohte. In den zwei Jahren, die seit dem Tode ihres Mannes verflossen waren, hatte sie sich oft theoretisch sowohl wie praktisch mit dem Leben beschäftigt und versucht, eine heitere Ruhe des Gemüthes zu erringen, aus der sie selbst die größte Katastrophe nicht wieder bringen sollte. Und nun war sie mitten in den Ereignissen, die sie zu leiten wähnte, nahe daran, von dem allgemeinen Strudel umgerissen zu werden. Sie hatte sich alles so schön gedacht. Ach Gott ja! Langsam hatte sie sich zu der Erkenntniß durchgerungen, daß sie keine Rolle mehr im Leben spielen konnte. Sie gehörte der Vergangenheit an. Ob sie in ihrer kurzen Ehe glücklich gewesen war oder nicht, darnach wurde nicht gefragt. Um nich trotz aller Jugend ganz und gar zum alten Eisen geworfen zu werden, beschloß sie, sich mehr um die Leiden und Freuden ihrer Mitmenschen zu kümmern. Zufällig war ihr in dieser Absicht ihr Schwager sehr entgegengekommen. Er schlug ihr vor, für den Sommer auf's Land zu gehen und sich in der Nähe seines Rittergutes in eine Villa einzumiethen. Sie würde dort an seiner Frau und seiner siebenzehnjährigen Tochter passenden Verkehr finden. Es seien auch einige nette Familien in der Nachbarschaft vorHanden und außerdem würde im August Regierungsassessor v. Henze, ein Verwandter der Familie, ebenfalls drothin kommen. Daß dieser Regierungsassessor Albert v. Henze zu einem bestimmten Zwecke geladen war, wußte Frau Hedwig, ohne daß man es ihr sagte. Er sollte den Backfisch heirathen. Ihr war's angenehm. Dadurch lag ein Feld vor ihr, auf dem sie wirken konnte. Endlich, endlich eine Arbeit nach der langen Ruhepause. Es ging über Erwarten gut. Innerhalb dreier Tage wurde Frau Hedwig die mütterliche Freundin des Assessors, obgleich er zwei Jahre älter war als sie. Sie vermittelte in ihrem Hause ein Stelldichein nach dem andercn zwischen den beiden jungen Menschenkindern und war Feuer und Flamme. Nebenbei plauderte sie stundenlang mit den Assessor, sprach von ihrer Ehe, von Welt, Natur und Gott. Daß er darüber oft versäumte, seiner Zukünftigen in den Garten zu folgen, war menschlich. Er wußte im Gegentheil diese Plauderstunden mit seiner mütterlichen Freundin ganz unauffällig immer länger auszudehnen, und Frau Hedwig wurde durch sein lebhaftes Temperament derart aus ihrer ernsten Wittwcntrauer gerissen, daß sie alle guten Vorsätze über Vord warf und sich harmlos des Lebens freute, sie, die eigentlich ausgelebt hatte. Dies waren aber nur vorübergehende Stimmungen, kurz und leuchtend. Mit einem gewissen Grauen und Unbehagen, über dessen Grund näher nachzusinnen sie ängstlich vermied, dachte Frau Hediwg an den Tag, an dem der Urlaub des Assessors zu Ende sein würde. Eine qualvolle Unruhe beherrschte sie vom Morgen an. War es die Trauer um den Abschied oder fürchtete sie, er würde im letzten Augenblick all ihre Fröhlichkeit durchschauen und sehen, wie tief unglücklich sie war? Nein, sie würde freier athmen, sobald er gegangen war. und sie sehnte den Abend herbei, der ihr Ruhe und Friede wiederbringen mußte. Vorläufig schwebte die Sonne .noch am Himmel und warf ihre Strahlen in das Gemach wo Frau Hedwig vor dem großen Wandspiegel stand. Es blieb ihr noch eine volle Stunde, ehe Laura und der Assessor sich wieder bei ihr treffen würden. Verlief alles programmmäßig, so endete diese Begegnung mit der Verlobung der beiden. Es lag demnach klar auf der Hand, daß Frau Hedwig die erste sein würde, die diesen Liebesbund segnete. Sei es, daß sie die freie Zeit nicht besser anzuwenden wußte, oder war es ihr trotz aller Entsagung nicht einerlei gewesen, wie sie aussehen würde, kurz und gut: die junge Wittwe übte sich eifrig eine segnende Pose ein. Sie hatte sich auf eine kleine Fußbank gestellt. Der Assessor war größer als sie, und es war ohne Frage die erste Hauptbedingung, für einen Schutzengel über den beiden Menschen zu stehen. Sie war ganz entzückt von dem Bilde, das ihr der Spiegel zeigte. Sie schwärmte für Gegensätze. Es möchte ihr sonst wohl nie eingefallen sein, einen bedeutend älteren Mann zu heirathen. Und hier dieser stimmungsvolle Kontrast. Sie so jung, blühende Lebenslust und dennoch voller Entsagung dem Glücke anderer Segen spendend ... Plötzlich bemerkte sie, wie sich der dunkle Hintergrund veränderte. Die Portiere theilte sich. Assessor Albert v. Henze trat ein und blieb an der Thür, als ob er verzaubert wäre. - Frau Hedwig war außer aller Fassung. Um ihrer sonderbaren Steltung einen Zweck zu geben, griff sie hastig nach den Schnüren der ZugGardinen und mit einem Ruck schlossen sich die gelbseidenen Vorhänge. Etwas befangen war der Assessor auch. Er wußte, wie angenehm der mütterlichen Freundin seinBesuch stets

war, und fragte vennoch: Störe ich, gnädige Frau?" Sie schüttelte den Kops und bat ihn durch eine Handbeweguno. Platz zu nehmen. Wie sollten Sie?" begann sie nach einer kleine Pause. Allerdings kommen Sie eine Stunde srüher. als ich Sie erwartet hatte, lieber Freund. Freilich, wen die Liebe vorwärts treibt, der vergißt es, sich nach der prosaischen Zeitmessung zu richten. Nun müssen Sie mit mir vorlieb nehmen. bis Laura hier sein wird." Sie reichte ihm lächelnd die Hand. Ach, verehrte liebe Freundin, was Sie als Zufall deuten, ist Absicht. Ich muß noch eine Weile mit Ihnen ungestört sein ich möchte Ihnen etwas beichten , darf ich?" und er sah bittend in ihre dunkeln Augen. Natürlich dürfen Sie! Ich glaubte zwar schon lange in alle Ihre Geheimnisse eingeweiht zu sein. Was Sie jetzt noch erregt, sollten Sie das nicht besser Laura anvertrauen?" So meinte ich es nicht, gnädige Frau. Auf eineBeichte folgt Äbsolution. Die verlange ich nicht einmal, sondern nur einen guten Rath. Was Sie mir bereits gaben, werden Sie heute nicht verweigern." Gewiß nicht, mein junger Freund, um so weniger, weil es das letzte Mal ist, daß Sie so zu Ihrer mütterlichen Freundin kommen. Später bin ich überflüssig," schloß sie mit einem Seufzer und ihr geistvolles Gesicht nahm einen schwermüthigen Ausdruck an. Sie glauben also, ich werde mich mit Fräulein Laura verloben?" fragte er unvermittelt. Allerdings. Ich denke. Sie sind nur deshalb in diesen Erdcnwinkel gepilqert." Der Assessor sah nachdenklich zu Boden. Mit guten Vorsätzen geht man auf die Reise und nachher wird alles anders. Ich habe mich geirrt, ich liebe Fräulein Laura gar nicht." Beider Augen trafen sich für einen Augenblick. Ueberrascht es Sie so sehr, Frau Hedwig? Laura ist noch jung und hat trotz netten Aussehens nichts, was mich fesseln könnte. Ihr fehlt der geistige Zauber, den ich an einer Frau über alles schätze. Das soll kein VorWurf für sie sein, denn es gibt nichts Schöneres als die Jugend, der die Erde voller Herrlichkeiten scheint. Ich fühle mich aber zu alt für solch einen Idealismus. Und wollte ich selbst davon absehen, an Ihnen habe ich den Beweis, daß eine Ehe zwischen Alter und Jugend zu keinem reinen Glück führt. Sie lächeln über den Vergleich, theure Freundin, .... nun ja, gereifte Lebensanschauung sollte ich nicht Alter nennen. So weit ich es beurtheilen kann, wird Fräulein Laura mir keine Thräne nachweinen. Und sollte es der Fall sein, ich könnte sie nie heirathen, weil ich eine andere liebgewonnen habe." Frau Hedwig blieb stumm. Dies hatte sie nicht erwartet. Ihr Herz schlug rascher, und sie grübelte, welche Frau es sein könnte, die diesen Mann für sich errungen hatte. Sie fand keine Lösung. Ihr war dies alles räthselhaft. Und er sprach ruhig weiter: Das ist die Beichte. Nun kommt die Bitte. Aus mancherlei Gründen habe ich meine Liebe geheim gehalten. Was rathen Sie mir? Soll ich der Dame einfach eine Erklärung machen?" Warum nicht? Wer rasch mit Gefühlen wechselt, braucht nicht zu zaudern." Wider Willen klang Frau Hedwig's Ton schärfer. Aber die Dame ist ahnungslos. Versetzen Sie sich einmal in die Lage: ein Herr erklärte Ihnen plötzlich seine Liebe. Sie würden diesen Gefühlsausbruch für eine flüchtige Leidenschaft halten und unwillkürlich unangenehm dadurch berührt werden. Der Schluß ist dann allemal ein Korb. So helfen Sie mir doch!" flehte er, es gilt mein Lebensglück!" Sie lassen mich ja nicht dazu kommen. Nach meiner Meinung" Frau Hedwig lehnte sich im Sessel zurück und schaute in die Ferne, als schwebe dort das Ziel ihrer Sehnsucht bedarf es nicht vieler Worte. Sie nehmen die Hand Ihrer Angebeteten und . . ." Sie hielt inne. Bei jedem anderen hätte sie sich vielleicht überwunden ruhig zu sagen, wie sie sich die wahre Liebe dachte. Nur bei ihm nicht. Er durfte nie erfahren, mit welch lockendem Zukunftsbilde ihre Phantasie gespielt hatte, nicht ahnen, was er für sie bedeutete. Er war ihr verloren vom ersten Augenblick an. Sie mußte stark sein bis zum Ende. Mein Gott, das alles müssen Sie selbst am besten wissen!" sagte sie kurz und erhob sich. Nur noch ein wenig Geguld. liebe Frau Hedwig," antwortete er und trat neben sie. Ich quäle Sie so bald nicht wieder .... also ich nehme die Hand er ergriff ihre Rechte, und dann so . . . dabei nahm er sie in seine Arme und küßte sie. Sie riß sich los. Als Versuchsobjekt zu dienen, übersteigt selbst die Kräfte einer mütterlichen Freundin, Herr Assessor", rief sie erregt. Allerdings. Doch meine Braut wird nicht böse darum sein .... oder bist Du es, Hedwig!" fragte er bittend. Um Gottes willen", murmelte sie bestürzt. Und dann ... anstatt entsagend zu segnen, küßte sie ihu voll inniaer Liebe.

Der Alterthum? forscher Dr. Dörpfeld ist von seiner Ausgrabearbeitung auf Leukas (Leukadia) nach Athen zurückgekehrt und erklärt, daß der von ihm feigelegte Königspalast der des homerischen Odysseus sei. Eine große Anzahl Beweise dafür, daß das alte Jthaka nicht die kleine Insel sei, die später diesen Namen erhielt, sondern die größere Insel Leukas, auf der die ganze Oertlichkeit mit den Angaben Homers über Jthaka übereinstimme. Die Deutsche Gesellschaft für Volksbäder hat ein Preisausschreiben für ein kurz gefaßtes und gemeinverständliches Plakat über die Nothwendigkeit und Nützlichkeit des regelmäßigen Badens erlassen. Ter Inhalt soll sich auch zum Abdruck als Flugblatt eignen und einerseits zur Belehrung der Bevölkerung überall da dienen, wo Badegelegenheiten vorhanden sind, andererseits dazu anregen, solche zu schaffen. Für die drei besten Arbeiten sind Preise von 200 Mark. 150 Mark und 100 Mark ausgesetzt. Der amtlichen E i n t r agung des Todes Leo 'XIII. auf dem römischen Standesamt ist ein eigenthümliches Mißgeschick widerfahren. Sie gerieth durch ein Verschen des städtischen Kanzlistcn in das besondere Register, das für polizeilich gemeldete Todesfälle durch Unglück, Selbstmord u. s. w. geführt wird. Begreiflicherweise schlugen die clerikalen Stadtväter Lärm, als sie erfuhren, daß &o XIII. in der schwarzen Liste stand, und verlangten Abhülfe. Das war aber leichter gesagt als gethan, denn eine amtliche Eintragung kann nur durch ein besonders umständliches Verfahren abgeändert werden. Nun hat endlich das Gericht die erforderliche Entscheidung getroffen, das Blatt mit Leo 'XIII. Todcsprotokoll wird herausgenommen und für sich allein in Sammet gebunden aufbewabrt werden. Ein erschütternder Unglücksfall wird aus dem Ocrtchen Echir6 bei Niort gemeldet: Dort war vor einigen Tagen der Pariser Advokat Darnis mit seinen beiden Kindern, der achtjährigen Simone und dem dreizehnjährigen Josef zum Ferienausenthalte eingetroffen. Am Mittwoch wollte das kleine Mädchen in dem ziemlich reißenden Bache vor einer Mühle anaeln und stürzte dabei in's Wasser. Der Vater eilte auf die Rufe seines Sohnes, der das Mädchen vergeblich hatte zurückhalten wollen, herbei und stürzte sich zur Rettung seines Kindes in den Bach. Er wurde mit der unglücklichen Simone von der Strömung gegen die Mühle getrieben und dort buchstäblich zermalmt. Als endlich Hilfe herbeieilte, konnte nur sein schrecklich zugerichteter Leichnam den Fluthen entrissen werden. Die kleine Simone athmete noch, als man sie aus dem Wasser zog. hauchte aber gleich darauf ihr Leben aus. Der junge Darnis ist infolge des Schrcckens und der Aufregung gefährlich erkrankt. I n einer einsamen Küsiengegend der durch ihre Vulkane, ihren Wein und die Ausgrabungen des deutschen Archäologen Hiller von Gärtringen bekannten griechischen Insel Thera hat ein Duell unter ganz sonderbaren Umständen stattgesunden. Als noch nächtliches Dunkel Land und Meer verhüllte, brachte eine Barke Fremde an das Jnselgestade von einer großen, in den stillen Gewässern verankerten Facht herüber. Sobald es tagte, begann ein Duell zwischen zwei der vornehm gekleideten, französisch und enalisch sprechenden Herren, wahrend die übrigen als Zeugen dienten und die neugierig herbeigeeilten Insulaner zurückhielten. Obwohl schon beim ersten Kugelwechsel der eine der Gegner getroffen wurde, nahm der Zweikampf seinen Fortgang, bis beide schwer verwundet und kampfunfähig geworden waren. Als die Verletzten an Vord der Jacht gebracht wurden, klangen herzzerreißende Schreie einer Frau über das Wasser, während das Schifs mit Volldampf in der Richtung nach Kreta davonfuhr. Der seltene Fall, daß eine Scharfrichterrechnung beanstandet wird, hat sich in Pest als Nachspiel zu der vor einigen Tagen vollzogenen Hinrichtung eines Raubmörders ereignet. Der Scharfrichter Michael Bali hat am Tage nach der Hinrichtung dem Gerichtshofe seine Honorarrechnung" vorgelegt, die der Staatsanwaltschaft zur Aeußerung übermittelt wurde. Der Staatsanwalt hat aber diese Rechnung zu hoch befunden. In dieser Rechnung sind nämlich als H-?-norar für den Scharfrichter 30 Kronen und für die beiden Gehülfen je 20 Kronen, für die Herabnahme der Leiche vom Galgen 25 Kronen aufgerechnet. Die Reisespesen sind für Bali mit 16 Kronen und für die Gehilfen mit je 8 Kronen in die Rechnung eingestellt. Ferner figuriren die Auspellung des Richtpflockes mit 26 Kronen, die Diäten des Scharfrichters mit 18 Kronen und die der Gehülfen mit 24 Kronen in der Rechnung, die zusammen 195 Kronen ausmacht. Die Staatsanwaltschaft fand jedoch diese Rechnung für zu hoch, und der Gerichtshof hat sie dem Justizminister mit der Bemerkung unterbreitet, daß die Kosten nur 130 Kronen ausmachen dürfen. Von der Entscheidung des Justizministeriums wird es nun abhängen, ob der Scharfrichter 195 Kronen oder 130 Kronen für die Hinrichtung bekommt.