Indiana Tribüne, Volume 27, Number 17, Indianapolis, Marion County, 11 September 1903 — Page 7

Jndiana Tribüne, 11. September 1903

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w . i 7r ll stf 1 f Nrti 5 j uuo yiijuiiiiiiiy uco ! o c Z!assensclirank5 1 HCH 3 Xirininalrcmn von A. Z. LilauZzmann jf0 3--t3$&S$$ (Fortsetzung.) 7. Kapitel. o lange er durch die dämmerige Sommernacht dahinschritt, bewahrte der Buchhalter noch immer jenen merkwürdigen seelischen Gleichmuth, der ihn allein in den Stand gesetzt hatte, seine kühne That zu vollbringen. Nicht die leisesik Empfindung von Furcht oder Vedauern mischte sich in das Gefühl stolzer Genugthuung, das seine Brust schwellte und seinen Gang leicht und elastisch machte, wie wenn durch ein Wunder alle Müdigkeit von ihm genommen wäre. In dem Augenblick, aber, da er seine Hausthür hinter sich geschlossen hatte und sich in undurchdringlicher Finsterniß fand, trat ein jäher Wechsel in seiner Gemüthssiimmung ein. Tie unbesiegliche Neigung zum krassesten Aber glauben, die ihm als ein Stamrneserbtheil gewissermaßen im Blute lag, kam in der Dunkelheit mit einem Male zum Durchbruch und verkehrte die seltsame Ruhe, die im' Grunde nichts anderes gewesen war als. eine Fl?lge der unnatürlichen Nervenan fpcmnung, mit Gedankenschnelle in die furchtbarste, angstvollste Erregung. So pechschwarz war es um ihn her, daß er sich mühsam biZ zu dem Treppengeländer hintasten mußte; und bccfr sah er ganz deutlich und in schreckhafter Nähe das fahle Todtengesicht tas Rendanten. so wie er es vorhin ein paar Sekunden lang zwischen seinen Händen gehalten. Nur daß die damals geschlossenen Augen jetzt weit geöffnet waren und ihn mit vorwurfsvollem, drohendem Blick anstarrten, mit einem Blick, wie er dem Lebenden niemals eigen gewesen war, und der dem Buchhalter das Blut in den Adern stocken machte. Er wußte ja, daß es nur eine Sinnestäuschung war, und doch rieselten die Schauer der Todesangst ihm eiskalt über den Rücken herab, und das Entsetzen'schüttelte ihn wie ein Fieöerfrost. Er begriff kaum, wie er in diesem Zustände die Treppe hinauf und in sein Zimmer gekommen war. Seine Kniee wankten, und in keuchenden Athemzügen arbeitete seine Brust. Lange mußte er h?rumtapen, ehe er das Feuerzeug fand, obwohl es an seinem gewöhnlichen Platze stand. Und als ihm beim Aufflammen des Streichbölchens sein eigenes, aschfahles Antlitz aus dem kleinen Wandspiegel entgegenstarrte, taumelte er mit einem dumpfen Aufschrei zurück, denn ei meinte wiederum die verzerrten Züge des Todten gesehen zu haben. Aber er brachte es doch endlich dahin, die Lampe anzuzünden, und ihr mildes Lickit. das in. alle Winkel des winzigen Zimmerchens drang, übte einen etwas beruhigenden Einfluß auf seine Nerrn. &!ohl blickte er noch' immer jctyCU umher und fuhr bei dem leisesten Geräusch in neuem Schrecken zusammen. Aber er war doch wieder fähig, seine Lage zu überdenken, und die Erkenntniß. daß er aller Wahrscheinlichkeit nach keine Entdeckung zu fürchten habe, gab ihm wenigstens einen Theil seiner alten Zuversicht zurück. In der That gab es für ihn nur eine einzige Gefahr die Gefahr nämlich, daß der schon erkaltete Leichnam gleich nach seinem Weggänge gefunden worden sei, und daß der Arzt, den man in diesem Fall ja sicherlich sofort Hinzugerufen haben würde, den bereits vor mehreren Stunden erfolgten Eintritt des Todes konstatirt hätte Dann allerdings war er überführt, dem Pförtner bei seinem angeblichen Gesprach mit dem Rendanten eine Komödie vorgespielt zu haben, und Niemand konnte über den Zweck dieser Komödie im Zweifel sein, sobald das Fehlen der gestohlenen Geldsumme entdeckt wurde. Aber es war durchaus unwahrscheinlich, daß diese schlimmste Möglichkeit eingetreten sei. Denn für den Pörtner Nitschke gab es nicht die minbeste Veranlassung, sich noch während der Nacht um das Befinden des Rendanten zu kümmern, und von den Angehörigen des Verstorbenen war Niemand im Hause. Der muthmaßliche Verlauf der Dinge würde vielmehr der sein, daß Frau Nitschke, die zwischen sechs und sieben Uhr Morgens heraufkam. um die Bureauraume zu rein:aen. den Todten an seinem Arbeitstisch vor dem offenen Geldschrank finden würde. Dann' war natürlich kein Arzt der Welt mehr :m Stande, den ZeitPunkt des Ablebens mit Sicherheit fest zustellen. Wer auch immer alsdann für den D:eb der fehlenden Geldsumme gehalten werden mochte, auf den Buch. Halter, dem der Geldschrank überhaupt nicht zugänglich gewesen war, so lange der Rendant seines Amtes waltete. konnte der Verdacht unmöglich sauen. Nur wenn ich mich selbst verriethe, konnte man in mir den Thater suchen. dachte Joseph Bartel. Aber ich werde nicht so dumm sein, mich zu verrathen. Nachdem er sich überzeugt hatte, daß der nenstervorhanq keine noch so wm zige Spalte offen lasse, durch die man lhn etwa von drüben her hatte teovach ten können, zog Bartel das Banknotenpacket aus der Tasche und begann sei

nen Raub zu zählen. Es setzte ihn

fast in Bestürzung, zu sehen, wie dick das Bündel war, das er. da auf's Gerathewohl hatte mitgehen heißen Dann aber,, als er die kostbaren Papiere durch seine Finger gleiten fühlte, trat in seiner Seele jede andere Regung zurück vor dem Gefühl der heißen, unbändigen Freude an ihrem Besitz. Die Beute bestand durchweg aus den neuen, erst vor Kurzem ausgegebenen Reichskassenscheinen. Es waren vierundzwanzig Not: zu tausend und siebenundvierzig zu hundert Mark, insgesammt eine viel beträchtlichere Summe, als Bartel es erwartet hatte. Achtundzwanzigtausendsiebenhundert " murmelte er, und wohl ein halbes Dutzend Mal wiederholte er halblaut die Zahl, so wie ein von heißer Leidenschaft berauschter Liebhaber immer auf's Neue den Namen des geliebten Mädchens wiederholt. Dann aber dachte er daran, daß es an der Zeit sei. die Lampe wieder auszuloschen. weil es möglicher Werfe ngend Jemand in der Nachbarschaft auffallen konnte, sein Zimmer so ungewöhnlich lange erhellt zu sehen. Es mochte eine übertriebene Vorsicht sein, aber für Bartel gab es in dieser Beziehung heute kein Zuviel. Auch das geringfügigste verdächtige Anzeichen mußte sorgsam vermieden werden. Er wollte nicht der Narr sein, der sich rn seine? eigenen Ungeschicklichkeit fangen ließ. Ern von einer amtlichen Zuellunq herrührender großer Briefumschlag nahm die köstliche Beute auf. Und nach kurzer Ueberlegung wählte Bartel eine Schublade der verschlienbaren alten Kommode, die seine geringen Habseligleiten barg, als das geeignetste 23er steck, das ihm für den Augenblick zur Verfügung stand. Als er die Lade wiedn verschlossen hatte, löschte Bartel die 'Lampe aus und zog den Fenstervorhang halb zuruck, um von der spärlichen Helligkeit der Sommernacht so viel als möglich in's Zimmer eindringen zu lassen. Zur Ruhe aber begab er sich nicht, sondern er blieb in seinen Kleidern und führte den Kampf gegen die schreckliche Gespensierangst, die ihn sogleich auf's Neue zu peinigen begann, dadurch, daß er vor seiner ärmlichen Lagerstätte in die Kniee sank, das Gestcht m das Leintuch drückte und mit bebenden Lippen ein langes verwirrtes Gebet murmelte, ein stammelndes Flehen um Schutz gegen alle bösen Geister und gegen die Rache des todten Vorgesetzten, der in seinen Augen der eigentlich Bestohlene war. So überwältigte ihn endlich die Mudigkeit. In seiner unbequemen knieenden Stellung schlief er ein. Seine ruhigen, gleichmäßigen Athemzüge gaben kund, daß es ein tiefer, traumloser Schlummer war, der ihm nach all' den gewaltigen seelischen Erschütterungen Vergessen und Erquickung gewährte. Gegen halb acht Uhr Morgens klopfte wie immer die Wirthin an die Thür des Buchhalters, und es setzte sie nicht in Erstaunen, daß ihr Miether, den sie als Frühaufsteher kannte, bereits völlig angekleidet war, als er ihr nach Verlauf von wenigen Minuten öffnete, um seinen Kaffee in Empfang zu nehmen. Nur sein schlechtes, über-' nächtiges Aussehen fiel ihr auf, seine fahle Gesichtsfarbe und die dunklen Schatten unter seinen Augen. Sie haben wohl wieder sehr lange arbeiten müssen. Herr Bartel?" sagte sie. Die Leute können sich wirklich freuen, einen so fleißigen und gewissenhaften Beamten zu haben." Der Buchhalter murmelte etwas Unverständliches, und die Frau zog sich zurück, da sie merkte, daß er weniger als sonst zum Plaudern aufgelegt sei. Bartel aber badete sein Gesicht in kallern Wasser und stürzte hastig den dünnen, cichorienduftenden Kaffee hinunter. Von der trockenen Semmel, die Tag für Tag sein frugales Frühstück ausmachte, konnte er keinen Bissen genießen. Denn wenn auch jetzt, im hellen Tageslicht, die thörichte Gespensterfurcht von ihm gewichen war, fühlte er sich doch gewaltig aufgeregt bei dem Gedanken an die folgenschwere Entscheidung, die ihm die nächsten Stunden nothwendig bringen mußten. A?n liebsten wäre er auf der Stelle nach dem Bureau geeilt, um die Qual der aufreibenden Ungewißheit zu enden. Aber dieser übertriebene Eifer hätte ihn verdächtig machen können, und darum war es fein fester Ent schluß. sich nicht um eine Minute früher einzufinden, als es unter gewöhnlichen 'Verhältnissen geschehen sein würde. Auch ließ er die Zeit des Wartens nicht ungenützt, sondern füllte sie aus, wie ein Schauspieler, der zum ersten Male in einer wichtigen Rolle auftreten soll, wohl die letzte halbe Stunde vor dem Beginn der Vorstellung ausfüllen mag. Er stellte sich vor den Spiegel und übte mit der Sorgfalt eines berufsmäßigen Künstlers alle die Mienen und Geberden ein, durch die er seinem Entsetzen berm Empfang der Schre ckenökunde von des Rendanten plötz lichem Tode Ausdruck geben wollte. Der halblaute, schmerzliche Aufschrei, die m der ersten Bestürzung unwmkur lich erhobenen Arme, die weit aufgeris senen, ungläubigen Augen, sie verein ten sich nach längerem Probiren denn auch in der That zu einem so urerzeu genden Gesammtbilde fassungslosen Erstaunens, daß der geschickte Komo diant ganz sicher sein durfte, auch einem mißtrauischen Bewohner durch sein Benehmen keinen Anlaß zum Argwohn zu geben.

Endlich war der Augenblick zum

Aufbruch gekommen. Nachdem er sich noch einmal überzeugt hatte, daß du Kommodenschublade wohl verschlossen sei, machte Bartel sich auf den Weg. Und mit energischem Vorsatz raffte er all' seine Willenskraft zusammen, als er schon aus der Ferne den Pförtner Nitschke vor der offenen Thür des Gefchäflshauses stehen sah. Nun galt es. das schwierige Spiel zu beginnen; denn es war ja selbstverständlich, daß des Manneö erstes Wort die große Neuigkeit sein würde. Aber das Gesicht des alten Bergmannes war niemals gleichmütiger und unbefangener gewesen als an diesem Morgen. Höflich und respektvoll wie immer griff er beim Anblick des Buchhalters an den Mützenschirm und sein Guten Morgen, Herr Bartel!' klang so ruhig, als ginge da drinnen in dem Hause, zu denen Hüter er bestellt war. alles seinen gewohnten eintönicen Gana. So überraschend wirkte auf den An kömmling diese unerwartet gleichgiltige Begrüßung, daß er für einen Moment wirklich in Gefahr war, irgend eine thörichte Frage zu stellen. Aber er besann sich zu seinem Glück noch zur rechten Zeit und ging mit freundlichem Lächeln vorüber. Sein Herz klopfte in hörbaren Schlägen, als er sich der Thür des Kassenzimmers näherte, denn es gab ja nach seiner Ueberzeugung für die seelenruhige Gelassenheit des Pförtners keine andere Erklärung als die Annahme, daß durch irgend einen allerdings unbegreiflichen Zufall die Reinigung des Tresorraumes heute un terblieben, und der Todte in Fole des sen noch nicht gefunden werden sei. Er mußte darauf gefaßt sein, den verstorbenen Rendanten noch auf seinem Platz vor dem Tische zu finden, und es kostete ihn Ueberwindung genug, seinen Gang nicht zu verlangsamen, und nicht in verdächtigem Zaudern an der Thür zu verharren, ehe er seine Hand auf den Drücker legte. Jetzt war es geschehen. Bartel kniff die Augen zusammen, während er über die Schwelle trat, und erst als er ein paar Schritte in's Zimmer hinein gethan hatte, riß er sie mit einer gewissen Anstrengung wieder auf. Aber mit grenzenlosem Erstaunen nahm er wahr, daß seine Vermuthung ihn betrogen hatte, daß der todte Winter nicht mehr vor seinem Schreibtisch saß. und daß hier alles genau so aussah, wie e? es bisher an jedem Morgen gefunden hatte. Musterhafte Ordnung überall die Fenster geöffnet, um der frischen Mo?genluft den Zutritt zu gestatten der Geldschrank geschlossen und von dem Schlüsselbund, der bei Bartels Fortgehen in der Thür des Tresors gesteckt hatte, nirgends etwas zu sehen! Also hatte man die Leiche doch gefunden und fortgeschafft! Aber wie in aller Welt war es möglich, daß man ein solches Ereigniß so ruhig hinnahm, daß der Pförtner Nitschke gemachlich vor der Thür stehen konnte, um die Morgensonne zu genießen und daß sich nirgends im Hause irgend welche Spuren von Aufregung bemerklich machten? Ganz benommen von der Seltsamkett der Situation hängte Bartel seinen Hut an den gewohnten Platz. Im nächsten Moment aber gab er sich wieder einen -Ruck, denn die Thür zum anstoßenden Registraturzimmer wurde geöffnet, und einer der Rechnungsbeamten steckte den Kopf herein. Guten Morgen. Bartel! Schön, daß Sie da sind! Der Generaldirektor hat schon zweimal nach Herrn Winter fragen lassen. Vielleicht gehen Sie hinauf, sich nach seinen Wünschen zu erkundigen." Ter Buchhalter starrte ihn an. als hätte er in einer fremden Sprache zu ihm geredet. War es denn Wirklichkeit, was er da erlebte, oder narrte ihn ein allzu lebhafter Traum? Hier wußte ja offenbar überhaupt Niemand etwas vom Tode des Rendanten sein Kollege so wenig als der Portier Nitschke und als der Generaldirektor, der schon zweimal hatte nach Winter fragen las sen. Aber wenn diese alle nichts davon wußten, wer hatte dann die Leiche gefunden wer hatte sie fortschaffen lassen und wohin? In einem Zustande der Bestürzung und Verwirrung, den ein'scharfes Auge ihm wohl leicht genug angemerkt hätte, stieg Bartel die Treppe zur Wohnung des Generaldirektors empor. Der alte Herr war ersichtlich in übler Laune und ließ den Buchhalter nicht eben gnädig an. S können mir aar nichts nützen ich muß den Rendanten selbst sprechen und zwar so bald als möglich. Ich wollte ihn nicht in seinem Morgenschlummer stören lassen: denn er hat wahrscheinlich wieder die halbe 'Jtach. hindurch gearbeitet. Länger aber kann ich unmöglich warten, und es ist ja auch schon neun Uhr vorüber. Gehen, Sie also in Gottes Namen und klingeln Sie ihn wach!" Bartel gehorchte. Denn in seinem augenblicklichen Zustande würde er rein mechanisch alles gethan haben, was man von iqm ver.ang:e. Als er die Glocke an der Thür bei Winter'schen Wohnung zog, kam der Pförtner von seinem Plan vor dem Hausthor in den Flur herein und sagte: Ter Herr Rendant wird wohl noch schlafen. Er ist ja erst qegen fünf uyr in inc xvoynung hmubergegan gen und hat sich dann noch nickt ein mal zur Ruhe gelegt. Meine Frau hat mir erzählt, wie lange er noch i.n allen luoen oerumaewandelt ist..

1 Buchhalter schwindelte. Ge

schahen denn Zeichen und Wunder? Konnten die Todten aufstehen und wandeln? Er mußte an dem Thürpfosten eine Stütze suchen, während er wieder und wieder den Klingelzug in Bewegung setzte. Dann, als stch auch nach Verlauf von fünf Minuten drinnen noch immer nichts geregt hatte, wandte er sich mit heiser klingender Stimme an den Pförtner: Gehen Sie zu dem Herrn Generaldirektor hinauf, Nitschke, und sagen Sie ihm, daß Herr Winter nicht öffnet. Vielleicht vielleicht ist ihm ein Unglück zugestoßen und man man wird nach einem Schlosser schicken müssen." L. K a p i t e l. n dem Geschäftshause der Bergwerksgesellschaft hatte wohl kaum jemals eine so gewaltige Aufregung geherrscht als an diesem Vormittag. Nachdem er selbst noch einen ebenso energischen als fruchtlosen Versuch gemacht, Einlaß in die verschlossene Winter'sche Wohnung zu erhalten, hatte der Generaldirektor endlich einen Schlosser holen und die Thür öffnen lassen. Aber die allgemein gehegte Vermuthung, daß man den Rendanten krank oder gar todt in seinem Bette finden würde, hatte sich nicht bestätigt. Die Wohnung war leer, und in der Schlafstube wie im Wohnzimmer herrschte eme Unordnung, wie wenn Jemand in großer Hast die Vorbereitungen zu einer Reise getroffen hätte. Der Kleiderschrank und die Kommodenschubladen waren - geöffnet. Einige Wäschestücke lagen auf dem Fußboden verstreut. Die beiden Bet ten im Schlafzimmer aber waren vollständig unberührt. Den Henker auch! polterte der Generaldirektor, auf dessen Gesicht sich bei diesen Wahrnehmungen deutlich das fatalste Erstaunen malte. Das sieht ja beinahe aus, als ob der Herr Rendant nächtlicherweile auf und davon gegangen wäre. Hoffentlich hat er uns wenigstens die Schlüssel zum Geldschrank zurückgelassen." Man suchte, aber man suchte vergebens. Die Schlüssel waren ebenso wenig aufzufinden als irgend eine Aufzeichnung, die das plötzliche Verschwinden Winters erllärt hätte. Alles, was flch zunächst feststellen ließ, war die Thatsache, iiaß der Bewohner sehr eilig seinen Koffer gepackt haben mußte, und daß er dann aus dem Hause verschwunden war Niemand vermochte zu sagen, wohin. Ein dringendes Telegramm und bald danach noch ein zweites, das in nachdrücklichster Weise um Mittheilungen über den muthmaßlichen Aufenthalt des Rendanten bat, wurde an Frau Winter nach Spindelmühle abgesandt. Aber man wartete natürlich nicht in unthätigem Zaudern auf das Eintreffen der Antwort, sondern schickte sofort einen Boten in die Geldschrankfabrik, die den Tresor geliefert hatte, um Arbeiter zum Oeffnen desselben zu requiriren. Wenn irgendwo des Räthsels Lösung zu finden ist, so liegt sie da. drinnen," sagte der Generaldirektor, dessen sich eine ständig wachsende Aufregung bemächtigt hatte. Diesmal hatte seine Ahnung ihn nicht getäuscht. Denn als es den auf solche ArLeit eingerichteten Leuten gelungen war, die Thür des Kassenschrankes ohne allzu große Zerstörung des Schlosses zu öffnen, fand die plötzliche Abreise Winters mit einem Schlage ihre ebenso natürlich als niederschmetternde Erklärung. Der Tresor war seines ganzen InHalts an baarem Gelde beraubt. Das Portefeuille, das die Banknoten enthalten hatte, war leer, und in dem besonders verschließbaren Fach, in welchem das in Rollen und Beutel verpackte Gold verwahrt wurde, fand .sich nur eine geringfügige Summe in Silberund Kupfermünzen. Nichts war zurückgeblieben als die Werthpapiere, deren Veräuneruna dem Diebe als ein zu gefährliches Beginnen erschienen sein mochte. In großen Briefumschlägen sorafältia aeordnet. laaen sie noch auf ihren alten Plätzen, und jedes Kouvert war von Winters peoanttscy veumcyer Handschrift mit einem Vermerk über den Inhalt versehen. Auf dem einen stand Kautionen," auf einem anderen Gewerkenguthaben und auf einem der Umschläge war in großen, erfichtlick mit besonderer Liebe gemalten Buchstaben zu lesen: Privatvermögen des Rendanten Wmter. E? muß es sehr eilig gehabt haben, unser Herr Rendant," sagte der Generaldirektor, der mit zitternden Fingern den Inhalt des Tresors durchmusterte, in einer Anwandlung von bittcrem Galgenhumor, da er in der Hast der Abreise sogar vergessen .konnte, sein rechtmäßiges Eigenthum mit sich zu nehmen." (Fortsetzung folgt.) Von 2 5 ,0 0 0 Brieftauben aus der Gegend von Brüssel, die unlängst in verschiedenen Städten Frankreichs aufgelassen wurden, sind über 80 Prozent nicht zurückgekehrt. 0 m a l e n s u p p e. Äler oocr fünf Tomatenäpfel werden gewaschen, gargedämpft und durch ein Sieb cjerührt. In einem anderen Tops wird Reiö gekocht mit Bouillon und Gewürz die Tomaten hinzugethan und nochmals aufgekocht. Dann wird die Suppe mit Ei und Sahne abgequirlt und mit feiner Vetersilie angerichtet.

Eexanischer Cabak.

Jmpor und Export von Tabak aui de Zcr. Ziaattn. Das Bundes - Departement für Landwirthschaft errichtet gegenwärtig in Nacogdcches, einem Städtchen im östlichen Texas, eine Tabaksbau-Ver-suchsstation, deren Leitung dem im genannten Ministerium seit Jahren angestellten Tabaks-Erperten L. H. Shelfer unterstellt ist. Vor etwa einem Jahre hatte das Departement auf Veranlassung des Güierverkehrsleiters S. F. B. Morse von der Southern Pacific," an welcher Nacogdoches liegt, Fachleute behufs Untersuchung der Bodenverhältnisie entsandt. Ihre Berichte lauteten so günstig, daß Dr. Milton Whitney, der Chef des Spezialbureaus für Tabaksbau, den obengenannten Experten dorthin beorderte und ihn eine kleine AnPflanzung versuchsweise anlegen ließ. Ter Versuch gelang über Erwarten gut, die Blätter wiesen fast das gleiche Aroma wie die kubanischen auf, so daß das Departement stch entschloß, eine mit allen Hilfsmitteln der Neuzeit verAnbau von Tabak unter Leinwändzelt. fehene Tabaks-Versuchsstation einzurichten, die nach ihrer Vollendung die größte der Welt sein wird. Ein Grund mehr zur Errichtung der Station gerade in dieser Gegend war das dort herrschende milde und in Folge der Nähe des Golfs etwas feuchte Klima, das sich von demjenigen in dem Distrikt von Pinar del Rio, wo der beste lubanische Tabak wächst, fast gar nicht unterscheidet. Sachverständige, welche Shelfers Versuchsfeld einer Prüfung unterzogen haben, sind der Meinung, daß die ganze Gegend vorzüglich zum Tabaksbau sich eigne und zu einem der bedeutendsten Tabaksgebiete der Hemisphäre sich entfalten werde; sie sagen sogar voraus, daß sich in der Gegend von Nacogdoches ein ebenso großer Boom" entwickeln würde wie bei dem, 120 Meilen südlich gelegenen Vcnumont, als dort die bekannten Petroleumfelder entdeckt wurden. Außer den in der Nähe gedeihenden Tabakssorten wird auch aller Tabak, der in den Regierungs-Versuchsstatio-nen der südlichen Staaten wächst, in der neuen Hauptstation von Sachkennern untersucht und behandelt werden. Fast aller Tabak, der in den Südstaat,m gedeiht, wird zum Zwecke des Kauens und Rauchens in der Pfeife verwandt, nur Florida produzirt eine große Menge guten Blättertabaks. Bis jetzt freilich ist in den Ver. Staaten noch kein Tabak gezogen worden, der mit den besten kubanischen Sorten rivalisiren könnt, doch hofft man. in Texas solchen zu ziehen, der dem werthvollsten kubanischen gleichkommt. Ter Expert Shelfer hat in jüngster Zeit Versuche angestellt. Zettdächer über die Tabaksfelder zu ziehen, und hat ausgefunden, daß diese Behandlung veredelnd auf den Eharakter des Vlattes einwirkt. Ganz enorme Ziffern weist der ExPort von Pfeifentabak hierzulande auf; speziell produziren Kentucky und Virginien einen Tabak für diesen Zweck, der noch nicht übertroffen worden. Der Export von Blättertabak aus den Ver. Staaten übersteigt den ImPort 14fach, der Werth beträgt jedoch nur das Doppelte. Dies erklärt sich daraus, daß der iNy?ortirte Blättertaöak nur aus den theuersten Preislagen besteht und ausschließlich zur Cigarrcn-Fabrikation verwandt wird, während nur minderwerthiger Blättertabak exportirt wird. Der Tabak, der in vielen Nordstaaten, besonders in Connecticut, gezogen wird, reicht ebcr an den kubanischen nicht heran. 2) a 2 unterieeijche Kab e l , welches zwischen dem Puget Sound und Alaska gelegt werden soll, wird in New Dork hergestellt. Ein großer Theil davon ist bereits nach Seattle abgesandt worden. Es ist das erste lange Kabel, das in den Ver. Staaten angefertigt worden. Recht des V a s s a g i e r s. Ein St. Louiser Bürger, der jüngst dort einen Straßenbahnwagen besteigen wollte und an dem mehrere Wagen vorüber fuhren, die er anrief, ohne zu halten, worauf er einen Revolver zog und den Motorführer zwang. Halt zu machen, ist im Polizeigerichte freigesprochen worden. Der Polizeirichter erklärte: Ein jeder Motorführer, de? mir auf die Anklage vorgeführt wird, daß er von Passagieren an einer Straßenecke angerufen worden ist und trotzdem nicht angehalten hat, batvon mir die höchste Strafe zu gewärtigen, welche das Gesetz gestattet. Die Bürger haben Rechte, welche über die der Straßenbahngesellschaft gehen."

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Leuer - Signale.

1 Pcraftto und Market 5 English'S Opern-HauI 0 Caflunb 9Itt gor! 7 Noble und Wichlgan 3 N. Jerjey u. Stofl Ar 3 Pine und NoNH 10 Market und Pine 11 Vermont nah East 12 31$. 8 Spritzenhaus Mass. Ave nahe Noble 13 TeLware und Walnut 14 Jersey u Eenttal A. 15 Mass. und Eornell Rv, Ash rn.d 11. Straße 7 Park Ave und 12 Str .3 Columbia undHillfide !S Highland Ave u. Pratt kl JllinoiS und Ct. Joe 15 Pcnnsylv. und Pratt tl Meridian und 11. Ctr 16 No. 6 Spritzenhaus 15. nahe Illino i6 Senate Ave u.St2lair 7 Illinois und Mchizan i Pesvlvania und 14. i9 Senate Ave. und iz. n No. 1 SpritzmhauS JnoAvenahsMichigan 52 Meridia und Oalnut ü California u Vermont Z5 Blak und Ne Jori : Ind. Av. u. St, Clair 37 City Hospital :s Blake und Norty 39 Michigan und LzneS 41 No. 6 Spritzenhaus Washington nahe West 4 Vsendorf u Wash. 43 Aisseuri u New York 45 Meridian u Wash 4S JllmoiS und Qhio 47 Ccpitol Av. u Wash S mgan'S ?or!hauS 4 Straßenbahn StÄll 23. Washington Str 51 No.ioCrrizenhauZ Illinois u Merrill 52 JllinoiZ u cuisiana 53 West und South 54 West und McCarry Cmate Lve. u Henry 67 Meridian und Nay S3 No. 4 Spritzenhaus LladrsonAv.uNomS 5 Madison Av.uTunlop 1 No 2 Haken LeiterhauS South nahe Telaware Z Penn. Merrill U Telaware u. McCartv 4 Safl und SfcSaty 6 New Jersey u. Merrill 7 Lirg. Av. u Bradshaw 83 Cast und Prospekt 55 Bicking und High 71 No. 11 Spritzenhaus Lir Ave. nahe Huron 72 East und Seorgia 75 Ceda und Elm 74 Davidson u Eeorgi 75 english Av. u Pine 76 Chelby und BateS 7S No. Z Spritzenhaus Prospect nahe Shclby 7S Fletchcr Av. u Shelby S1 Market u. New Zcrsey 82 Telaware und Wash. 83 Oast u Washington 84 New 7orku. Tavidsor 85 Taubstummen Anstalt 66 Ver. Staaten Arsenal 37 Oriental und Wash. 89 Frauen-Reformat. 91 No. 13 Spritzenhaus Marvland nahe Mer. iz Meridian u. Gcorqia. 93 Mcridian und South 4 Pennihlv u. Louisiana 35 Virginia. Ave u. Alab. 26 Hauptquartier. 97 Grand Hotel. 33 Capital Are und Ohlk ,23 No. IS Spritzenhaus 16. und Ash. 124 Alabama und 16. 125 Central Ave und lt. 126 Dnde und 15. 127 Brookfide und Jupiter '.23 Central Ave und 17. 129 Telaware unv 19. 131 Alabama und 11. 132 Beüefontaine und . 134 College Ave und 29. 135 Telaware und 13. ' 136 Alabama und Werth 137 Ncwmann und 19. 133 College Lve und 1. 139 Corocll Ave und 13. 141 FandcS un'j IS. 142 Highland Ave und Ist. 143 Tecumsch und 10. 145 New Jersey nd 22. 146 Alvord und 17. U7 No. 2 Spritzenhaus Hil.side Ave und lö. .43 College Ave und 22. 149 College Av und 7. 152 Park Ave und 2. 153 LEu. W Bahn u. 22. 134 Namsey Are und 10. 156 Stcughton u Newman 157 AtlaS und Pike. 158 Blood und Pawpaw. 159 No. 21 Spritzenhaus Brizhtwood :i Arten und Depot 153 Brightwood und 25. 164 Rural und Blohd 165 St. Clair u. Keystone i7 Arsenal Ave mi 23. ? 63 Jkllcfontain und 28. 163 Park Lve und l 212 Capital Av und IT. 213 PennsyU,. u.Mchia 214 JllinotS und 23. 215 Senate Ave und 21. 516 Pennsvivania und 22. 217 Meridian und 10. 215 Capital Ave und 26. 219 Brcadioay und 10. 231 Illinois und VkLean 234 No. 14 Spritzenhaus Aenwoed und 30. 235 IllinoiL und 3X 5ZS Annetta und 33. 237 No. 9. Sprizenhiu? Udell und Na 233 Ude,,l Ladder Qortt 239 Jfabel und 7. 241 Meridian und 24. 242 JllinoiS u St. Cla?. 243 Cldridge und 23. 312 West uud Walnut 313 West und 12. 314 Howard und 16. 15 Torbet und Paca 316 Capital Ave und n 317 Northwestern Ave r't 318 Gent und 13. 319 Canal und 10. 831 Ceresline WsrkS 324 Vermont und Lynn 325 BismZkcku Erand,ieU 526 No. 2? Spr-.tzenhauS Haughville. 327 Michigan u. Holmes, 823 Michigan u. Concord 841 West und McJntrr 412 Missouri u. Marylant, 413 Missouri und !hi 415 Capital Ave - öeorz-k 416 Missouri KcntuckyS. 417 Senate Ave u. Wasa. 421 P und E ÜütdluZ W. Washington. 423 Jrren-Hok.'ital. 424 Mily Ave u.J Du2 25 Wash und arri 426 No. 13 Cprltzenhaich SB. Washington 427 Oliver und Birch 428 Oliver und Oocd 429 Nordvke und Dork 4Z1 Hadlcq Ave u. MornI 432 Niver Lve u. MerriZ 454 River Ave und Ray 4Z5 Hardmg u. Big 4 R 7 436 Harding und öliv 437 No. 19 CpntzenhikZ Morris und Hardina, S Hov VZbVjOCSt 454 Stockvd 451 Reiiner tc& ZXZt 452 Howard und L 453 MornS und SappS 456 Lambert und Sel&ntf 457 Nordhke Lve tu Van ritcit WorkS 611 West und Nay 613 entucky Ave u. MerrD 614 Meridian und Morrt 61 JlinoiS txCc flanlal 617 Morris und Dakota 615 Morrii und Church 619 Capital TL. u MeCarty 621 Meridian und Palme; 628 Pine urüt Lord 624 Madisor, Ave u Lincol 12 Meridian und BeU ZSt 627 CarloS und Ratz 625 Meridian und Anzona 529 Meridian. Lisymend 631 Meridian u. McC. I 632 No. 17 kpritzenhuS MorriS nahe West 61 Mkerncund Douy. 618 East u. Lincoln Lu 614 East und Beecher 615 Wright und Sanders S17 McCarty und Beaty 13 New Jersey u 8: Aix 71 Cpruce und Prospect 7 Cnglish Are. u. Laurel 714 State Ave u.Belt 715 Chelby und Veecher 71 State Ave und Orange 71 S Orange und Laurel 71 Eheldy u. Cutof Av 721 LexmgtonA.u Laurel 723 Fletcher Ave. Oprutt 724 Ctate Lve u. Plealan' 725 Prospekt und leasanZ 72 Orange und Harla 723 Liberty und Mea 729 NoUe und South 61 No. 15 Spritzenhaus Ost Washington Lt? öl. Market und Noble 814 Oio u.Hiehland A 815 Michigan tt. Highlan, 816 Market u Arsenal A 817 Ost 2 Clair und Union Bahn kZeleis. b21 Pan Handle EhepS 823 Vermont und Wakou 824 Wash. und State 85 Madden'S kounge8d. 82, Tücke? und Torscy 827 Wash. und Beville Av 829 No. 1 Spritzenhaus Vevilk nahe Michiga, 831 Coutheaftern Ave und Woodside. 83 Wash. und Tearbor, 834 Southeastcrn und Arsen! AveS. 886 New Fork d Templ 12 JllinoiS und Maryl. iz JllinoiS und Markes 14 Penn, und Wash. 9i5Dlawan nd Spezial-Signale. ken Schläge, zweiter Alarm, Zweiten SchlJge, dritter Alarm, Dritten CchlZge, vierte? Alarm. i--l, Feuer au? und Schlauch aufgeroA. z Schläge, Wasserdruck ab. l Schläge, 12 Uhr Mittag!. Die bezeichneten Signale werten nur vom Thür ächter angegeben da an den betreffend EtraZ? kreuzungen leine LlarmUste? angebracht find. Chicago und der große Nordweften via r Tftxm: Mi, MML sfl fi&Is vnraa frrTJmi Cvgg latta-Sawaii-Pbiliddtne Inseln. Vier tägliche Schnellzüge nach Chicago. Bon der Monon 47. Str. Station, Chicago, sind nur Minuten mittelst elektrischer gar den Union Biehdöfen Fi-encli LIck Springs, tn dem Orange gounty Hochland. ffamillen-Hottl anter neuer Gesckaftsleituna. Pluto. Proserpine md Bowle? Quellen. Beste Mineralwasser der Zelt. Zwei Züge täglich via Grer.,castle. Tickct-Ofsicen : Union Station. Massachusetts v nd A West Washington Strasze. R. P. 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