Indiana Tribüne, Volume 27, Number 14, Indianapolis, Marion County, 8 September 1903 — Page 4
üiana Tribune, 8. September 1903
a
Indiana Tribüne HerauZgezeben von der Sutnderg S. Indianapolis, Ind.
Karry O. Thudium Präsident. GeschäftSlocal: No. 31 Süd Delaware Straße. Telephone ss. n ersJ ihe Post Office of Indianapolis as second class matter. Stellung der MSazte in Ostafien. Wie uns unser St. Petersburger Mitarbeiter berichtet, setzt die russische Marineverwaltung alle Hebel in Bewegung, um den größten Theil des ruffischen Mittelmeergeschwaders sobald als möglich nach Ostasien zur Verstär kung der dort befindlichen großen ruffischen Flotte zu senden. Es sollen baldigst nach Ostasien abgehen das Linienschiff Imperator Nicola! I." mit 9652 Tonnen, ferner der Zesarewitsch", der beschleunigt hergestellt werden soll und mit 13,200 Tonnen das größte russische Linienschiff in den oftasiatisch? Gewässern sein wird. Außerdem soll in nächster Zeit von Krönstatt über das Mittelmeer in beschleunigter Fahrt nach Oftasien gehen das Linienschiff Ofliabja" mit 9760 Tonnn. Außer diesen 3 Linienschissen gehen ferner nach Ostasien .die beiden Kreuzer Bajan" und Aurora" mit 7927 bezw, 6737 Tonnen, endlich 4 Torpedoboote und 7 Hochseetorpedoboote. Die 5 erstgenannten Schiffe haben ein Deplacement von ungefähr 50.000 Tonnen, bedeuten also, da der Tonnengehalt der z. Zt. in den oftasiatischen Gewässern befindlichen grö ßeren russischen Kriegsschisse 144.230 beträgt, eine Verstärkung um mehr als ein Drittel. Die Zahl der Linienschiffe, auf die es bei Seeschlachten in erster Linie ankommt, erhält sogar eme Vermehrung um die Hälfte, nämlich von 6 ans 9. Da England gegenwärtig in den ostasiatischen Gewässern nur über vier Linienschisse verfügt, so wird ihm Ruß' land in dieser Hinsicht um mehr als das Doppelte überlegen sein. Für die Abficht Rußlands, allen Eventualitäten im fernen Osten gewachsen zu sein, legt die starke Vermehrung des dortigen Eeschwaders durch den größtm Theil der Mittelmeerflotte erneut Zeugniß ab. Die russische Presse möchte dieser faktischen Stärkung der russischen Machtstellung in Ostasien noch eine moralische hinzufügen: deshalb hat fie die Zusammenkunft russischer und deutscher Kriegsschiffe im Hafen Wladiwostok und die thatsächlich sehr herzliche Begrüßung, die die deutschen Offiziere und Mannschaften seitens der russischen Behörden und Privatleute gefunden haben, zu einem großen politischen Ereignisse gestempelt. Ein Blatt hat den Donnerhall der Geschütze beider Flotten als Symbol der engen Freundschaft der StaatsoberHäupter bezeichnet, ein anderes die Waffenbrüderschast zwischen Rußland und Teutschland hervorgehoben, ja auch Frankreich hineingezogen, indem es an das Zusammengehen Rußlands, Teutschlands und Frankreichs in Ostasien zur Abänderung des Vertrages von Simonoseki im Jahre 1895 erinnerte. Dieser letztere Hinweis ist politisch nicht bedeutungslos. Er ist für gewisse französische Politiker, in erster Reihe Herrn Telcasse ein Wink, daß Rußland nicht jenen aus ihm selbst, England und Frankreich gebildeten Dreibund, an dem diese Politiker bei dem Austausche von Besuchen zwischen dem Könige Eduard und dem Präsidenten der französischen Republik mit besonderem Eifer zu arbeiten bemüht waren, verwirklichen zu sehen wünscht, sondern, daß an die Stelle Englands Deutschland treten soll. So interessant diese russische Auffassung ist, so bedeutet der Besuch in Wladiwostok doch keineswegs ihre Verwirklichung.. Es sei nur darauf hingewiesen, daß das deutsche Flaggschiff bald nach dem Besuche in Wladiwostok nach Vokohama eilte, und daß der Admiral des ostasiatischen Geschwaders beauftragt war, die Griiße des deutschen Kaisers dem japanischen Monarchen zu .übermitteln. Auch befanden sich zum Besuche im Hafen von Wladiwostok im Ganzen nur 3 Schiffe, von denen nur 2 einen Gefcchtswerth hatten. Die ge sammte deutsche Seestreitmacht in Ost asien beläuft sich überhaupt auf nur 22,240 Tonnen. Damit steht Deutsch land erst an sechsterStelle, nämlich nicht
nur hinter den Flotten der drei meistbe theiligten Mächte England, Rußland und Japan, sondern auch noch hinter der nordamerikanischen mit 42,000 Tonnen und auch hinter der franzöfischen mit 36,890 Tonnen. Hätte Deutschland die Absicht, sich an et waigen kriegerischen Komplikationen im Nordosten Chinas aktiv zu betheiligen, so würde es wohl größere Seestreitkräfte in den dortigen Gewässern vereinigen; eö ist aber nichts davon bekannt, daß Deutschland in nächster Zeit die ost asiatische Station zu verstärken gedentt. Für die russische Politik kommt es auch nicht sowohl aus eine gar nicht zu erwartende Betheiligung Teutschlands an Kämpfen in Nordasien an, als auf die Gewißheit, im Falle eines Konflikts mit Japan oder Japan und England zusammen den Rücken in Europa frei zu haben. Diese Gewißheit hat es, gegenüber Oesterreich-Ungarn, solange es an dem Balkanabkommen loyal festhält, gegenüber Teutschland, solange es den französischen Chauvinisten kein Gehör schenkt und ihnen sogar, wie es eben bei der Besprechung der Wladiwostoker Zusammenkunft der Fall war, deutlich abwinkt. Mit dem Bewußtsein aber, in Europa nicht angegriffen zu werdzn. wird Rußland in Asien stet ein formidabler Gegner sein, umsomehr als es den Vortheil ununterbrochener kontinentaler Verbindung nach Centralasien wie nach Ostasien besitzt. Im englischen Parlament hat vor kurzem ein Vertreter der Regierung erklärt, es wäre denkbar,
daß englische Truppentransporte vom Mutterlande nach Indien verhindert werden könnten; es ist aber nicht denkbar, daß russische Transporte nach der Grenze von Afghanistan oder nach Persien und Nordpersien ist ja so gut wie im Besitze Rußlands oder andererseits nach der Mandschurei verhindert werden. Die britische Ncgierung hat eine Commission ernannt, um den physischen Rückgang unter den niederen Classen des Ver. Königsreichs zu untersuchen. Dieser Schritt ist eine Folge einer Debatte im Oberhause, wobei der LordPräsident des Ministerraths, der greise Herzog von Toronshir?, Großbritannien'5 militärische und industrielle Zukunft als ernstlich bedroht bezeichnet. Zwei Redner hatten von den fürchterlichen Zuständen" inmitten der americaNischen Bevölkerung gesprochen. In allen Culturländern mit hochentwickelter Industrie zeigt sich dieselbe Erscheinung. Es ist eine unbestrittene Thatsache, daß die Blüthe der Fabrik Etablissements durch die Zerstörung von Gesundheit und Leben der Arbeiter erkauft wird. Das Allererste für eine Nation ist aber sicherlich körperliche und geistige Gesundheit der Masse der Bevölkerung. Schon von diesem Gesichtspur.tte aus, ohne d!e Berücksich tigung der Rechtsfragen', erscheint eine völlige Umkehr der gesummten heutigen Gesellschaftsordnung als geradezu unabwendbar. Prügeleien im Ueberfluß. Waren gestern an der Tagesordnung. An Prügeleien, auf den Straßen und in Localen, war der gestrige Montag, der Arbeiter-Tag, überaus reich. Denn bis Mitternacht waren nicht weniger als 18 Personen männlichen Geschlechts und auch einige Vetreterinnen des zarten Geschlechts wegen Katzbalgereien etc. in Gewahrsam genommen worden. Später kamen noch 3 und mehr dazu. Besondere Erwähnung verdienen aber nur folgende: Ed. Hopper, ein Steinmaurer von der Ohio Str., wurde Nachmittags von den Radlern Trimpe und Löwe in Hast genommen, weil er auf der Alabama Str. nahe der Court Str. seine Frau verkamisolt hatte, als dieselbe ihn heimholen wollte, nachdem er genügend eingeheizt hatte. Ferner verhafteten die Radlerpolizisten Hull und Grisfitt gegen Abend die beiden im Claypool'Hotel angestellten Neger-Aufwärter Jos. Poston und JameS Smith. Dieselben hatten fich nicht nur geprügelt, sondern Poston hatte bei der Prügelei auch von seinem Gebisse Gebrauch gemacht und Smith derart zugerichtet, daß selbiger im Dispensarium geflickt werden mußte. Für die ehemaligen und jetzigen Mitglieder der Batterie A, I. N. G.. findet am Mittwoch Abend ein Smoker" statt.
;.'
Ans Stadt- und Counth-Ber-waltnng.
Gesetzlicher Feiertag. Tic städtische Aemter wie die des Countys waren allerdings gestern anläßlich des Arbcitertages ofsiciell geschlössen, doch ward trotzdem hier und dort DieZ oder Jenes bekannt, das von öffentlichem Interesse ist. Wiederbeginn der Schulen. So hielten zum Beispiel die verschiedenen Township Trustees aus dem County eine Conferenz mit CountySchuluperintendent H. L. Cook ab, in der die Vorbereitungen für die Wiedereröffnung der County-Schulen vollendet wurden. Demgemäß werden die County-Sckulen in Center- und Washington Township am nächsten Montag, 14. September, wieder eröffnet werden, wie unsere städtischen Schulen, während die anderen County-Schulen am 21. September an die Reihe kommen sollen. Die städtischen Lehrer vielbeschäftigt. Die städtischen Lehrer und Lehrerinnen halten in dieser Woche die verschiedenen Versammlungen ab, um sich für die Wiedereröffnung der Schulen vorzubereiten. Die allgemeine letzte Versammlung findet am Samstag, 12. September, Vormittags 11 Uhr, in der Benjamin Harrison-Schule statt, in welcher Superintendent Kendall seine Jahresbotschaft vortragen wird. Die während der Woche stattfindenden Leh-. rerversammlungen sind folgende: Lehrer der 5. 8. Grade, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag und Freitag Vormittag ' in der Benj. Harrifon Schule, unter Leitung von Frl. Cropsey, Hülfs-Supt. der Primär-Schulen. Lehrer für Zeichnen-Unterricht etc., Dienstag, Mittwoch. Donnerstag und Freitag Morgen unter Leitung von Frl. Seegmiller, Vorst. des KunstUnterrichts. Lehrer der deutschen Sprache, Samstag Nachmittag 5 Uhr in der Short ridge Hochschule, Leiter Prof. Robert Nix. Schönschreib-Lehrer, Dienstag Mor gen und Nachmittag und Mittwoch und Freitag Nachmittag. Leiter I. ,H. Woodruff. . .. r. I Musik-Lehrer. Dienstag, Mittwoch und Freitag Vormittag und Nachmittag, Prof. Ed. B. Birge, Leikr. ' Am Samstag Morgen um 9 Uhr, wird ferner Frl. Nicholson, die Principalin der Normal-Schule, eine Conferenz mit den Directoren für tzractischen Unterricht abhalten, und außerdem finden während der Woche in den versch. District-Schulen unter Leitung der betr. Principale vorbereitende Versammlungen des Lehrpersonals statt. Grund zu Klagen. Die Bewohner des Ostendes der Stadt beschweren sich, daß infolge von in Angriff genommenen StraßenbahnVerbesserungen, Canal-Anlagen etc., wegen deren die Ost Washington Str. aufgerissen ist. der Straßenbahn-Ver-kehr ein sehr jämmerlicher geworden ist. Andrerseits jammern die Bewohner des westlichen Stadtendes und nicht mit Unrecht darüber, daß die West Washington Str.-Brücke immer noch nicht vollendet ist. Dieses macht sich besonders seit der Schließung der unsicheren Canal-Brücke an der W. Washington Str. unangenehm geltend. - Aufregende Scenen spielten sich unlängst bei Atlantic City ab, nachdem die Jacht Cartie Enger", Capitän Jas. Parker, auf der Rückkehr von einer kurzen Oceanfahrt auf einer gefährlichen Sandbank aufgelaufen war. Unter den Passagieren befand fich auch ein junges Ehepaar, das eben seine Hochzeitsreise machte. Als das erste kleine Boot an die Seite der Facht kam, konnte Herr Thompson seine junge Frau nicht mehr halten. Sie sprang von der Facht, verfehlte jedoch das Boot und verschwand unter den Wogen. Ihr Mann sprang ihr nach und faßte sie in dem Augenblick, als sie zum dritten Male untersank. Er, sowie seine Frau wurden in Sicherheit gebracht. Ein anderer Mann rettete in der Eile einer Frau, die er für seine Gattin hielt, das Leben, doch als er an's Land kam, entdeckte er sofort seinen Irrthum und begab sich schleunig wieder nach der Facht zurück, um seine eigene Gattin in Sicherheit zu bringen. Die Frau hatte in der Zwischenzeit'die Aeuglein roth geweint, weil ihr Mann augenscheinlich so ein Schwerenöther war und selbst in der Stunde der größten Gefahr eine fremde Frau der eigenen Gattin vorzog. Der unglückliche Ehemann mußte alle seine Ueberredungskunst aufwenden, um sein Weibchen zu überzeugen, daß es fich um einen Irrthum handelte... ,
t?t? mifttrfiftifif ?;
! vujv wumtui Von Max Hossmann. Der Gesandschaftsattach6 Marquis de Neuilly war gleich nach dem plötzlichen. ganz unerwartet erfolgten Tode seiner jungen, bildschönen Gemahlin verreist. Jetzt in diesen einsamen Räumen seiner Villa zu weilen, die ganz nach ihrem erlesenen Geschmack ausgestattet war, wo jeder Winkel, jedes Eächen den Hauch ihrer feineuEmvfindung. ihres graziösen Wesens athniete, schien ihm unmöglich, und so war er ohne bestimmtes Ziel nach dem Süden geeilt. Aber mit unwidersiehlicher, magischer Gewalt hatte es ihn nach all' den Stätten gezogen, die sie vor einem halben Jahr auf ihrer Hochzeitsreise berührt hatten. . Und so hatte er das Vergessen, das er gesucht, am allerwenigsten gefunden und war ebenso schwermüthig und traurig, wie er bei seiner Abreise gestimmt gewesen, nach drei Wochen in sein stilles Heim zurückgekehrt. Das ist unser Schmuck lasten", hatte sie einst scherzend bemerkt, und er hatte hinzugefügt: Ja, und Du bist das köstlichste Juwel darin, liebe Lotti!"... Jean, der alte, ireueDiener, empfing ihn am Portal, geleitete ihn die mit dem dicken, bordeauzrothen, einst von ihr ausgewählten Plüschteppich belegte Marmortreppe hinauf nach dem Empfangszimmer und blieb mit fragender Miene an der Thür stehen. Es ist jetzt vier", sagte der Marquis, nach der Uhr sehend, lassen Sie in zwei Stunden serviren, Jean! Ich habe noch einiges mit Madame zu sprechen. Jean fuhr zusammen und sah seinen Herrn erschrocken an. Er war kreidebleich geworden; aber er sagte fich sofort, daß er sich von seinem schrecklichen Verdacht nichts merken lassen dürft. Er verbeugte sich zitternd und entfernte sich mit einem Iei sen: Zu Ihrem Befehl. Herr Marquis!" Der Marquis durchschritt den SaIon, das Musikzimmer und gelangte nach ihrem. Boudoir. : Da wehte noch der Veilchenduft ihres Lieblingsparfüms, die bunten Seidenkissen auf Divan, Armsesseln und Schaukelstuhl schienen noch den sanften Druck ihrer zierlichen Gestalt zu zeigen, und das silberhelle Ticken der kostbaren Standuhr schien ihr zuzurufen, daß es bald Zeit sei, sich zum Souper zu schmücken. Der Marquis ging auf den Zehen nach der Portiere im Hintergrund, schlug sie zurück und blickte in das Schlafzimmer. Seine Augen wurden feucht, und er wankte; aber er richtete sich gerade und fragte leise: Bist Du da, Loiti?" . Der stille Raum. verharrte, in tiefem Schweigen. Ich werde immer um Dich sein", hatte sie noch auf dem Sterbebett zu ihm gesagt, und wenn Du mich hörst, dann mußt Du mir antworten." Noch mehrere Male flüsterte er ganz leise, als wenn ihr Geist zu zart für seine Stimme wäre, seine Frage. Flehentlich, zärtlich, schmerzlich, wie eine demüthige, inbrünstige Bitte kam es über seine bebenden Lippen; aber kein Laut antwortete ihm. Er begab sich durch das Schlafzimmer nach ihrem .Ankleideraum. Er öffnete die Schränke und berührte die Gewänder die dort hingen. Er küßte die Spitzen, die kunstvollen Schleifen und .schmiegte im Fieber sehnsüchtiger Erinnerung die Wange an die dustigen schneeweißen Wolken, die ihren süßen Körper umhüllt hatten. Dann aber schloß er vorsichtig einen Schrank mit Butzenscheiben auf. der in der einen Ecke stand. Er war ganz angefüllt mit Hülsen, in denen Phonogra phenwalzen enthalten waren, und aus jeder stand die Angabe des Liedes, der Deklamation oder des Musikstücks ver zeichnet. Er wählte sorgfältig sieben Walzen aus und trug sie nach dem Nnudoir. Audi den Vbonoaravben brachte er dorthin und stellte ihn auf. Dann holte er aus dem Salon ihr lebensgroßes Oelbild, das von einem berühmten Künstler gemalt war und sie in entzückender Gewandung darstellte, wie sie in ihrer meisterhaften Weise ein Lied sang. Hörte er nicht ihre Stimme? Nein, es war nichts! Er stellte das Bild dem Divan gegenüber auf und seitwärts den Phonographen. Dann schloß er die Fen ster durch dichte Rouleaux und Vorhänge, verriegelte die Thüren und brachte das elektrische Licht in den Glasblumen, die Decke und Wände zierten, zum Leuchten. Er näherte sich wie einem Heiligthum den Walzen. Diese kleinen Kunstwerke moderner Technik bewahrten das Schönste, was sie dereinst geleistet hatte, vier Lieder, eine Deklamation, ein Klavierstück und einen Choral auf fym Harmonium. ' Deine Stimme soll unsterblich sein", hatte er bei der Aufnahme zu ihr gesagt, und sie hatte wie vor ahnend wehmüthig hinzugefügt: Ja, und wenn ich nicht mehr bin, wirst Du mich hören können." In tiefer Melancholie nahm er eine Walze, schob sie auf den Cylinder und setzte das Werk in Thätigkeit. Sogleich klang es hell und klar aus dem Schalltrichter:, Komm' mit mir in das duftige Grün, Wo die heimlichen Rosen glüh'n!" Er betrachtete dabei starr ihr Bild, und, o Wunder! ihre Züge schienen sich zu beleben, ihre Lippen bewegten sich, und die Worte entströmten ihrem war-
Ueberall Willkommen
sind die
flome B
Schmackhaft Stärkend Absolut rein. Office-Telephon 1050. Auch in Flaschen durch das Flaschen-Departement zu Leziehm. Telephones: Neu 1030 t Alt 1050.
60frfr6fr4
...Uhren Reparatur...
uno wllncynng von Vlaman:cn zu atjrcr Zusrlcocnyclt tvlro mein fortwährendes Bestreben sein, und ist verantwortlich dafür, daß mehr Leute von mir angestellt sind als bei Anderen.
k V I . . 9 .Kommen Sie und
Carl L. Rost, JSS
15 Nord Illinois Str. men Munde, er war wie in einem Rausch. Die mechanische Arbeit des Abnehmens und Wiederaufsetzens einer Walze vollbrachte er ganz unbewußt. Bravo! Herrlich, meine liebe Loiti!" rief er wiederholt und klatschte begeistert Beifall. Und er sah deutlich, wie sie sich leicht verneigte und ihm errathend zulächelte. Als das letzte Stück, der Choral, beendet .war, zog er schnell den seidenen Vorhang vor das Gemälde, drehte das Licht aus und begab sich nach dem Speisezimmer. Der alte Diener blickte verstohlen, besorgt nach ihm hin und war erstaunt über die ruhige Heiterkeit im Antlitz des Herrn. Er hatte für zwei gedeckt, denn er fürchtete sich davor, dem Marquis die unheimliche Illusion zu zerstören. Dieser verzog auch keine Mie ne und sagte nur ruhig, als wenn eZ sich um etwas Selbstverständliche handle: Wie Sie wissen, ist Madame nicht recht wohl, Jean. Ich werde also allein speisen..." Nun begann für den Marquis ein merkwürdiges Doppelleben. Wo er es nicht vermeiden konnte, mit der Welt und derGesellschaft zusammen zu kommen, zeigte er sich als der trauernde Gatte; aber er beschränkte solche Gelegenheiten so viel wie möglich. Zu Hause hingegen lebte er, als wenn die Abgeschiedene noch stets um ihn wäre, und ließ sich jeden Tag mit stillem Glücksgefühl stundenlang .von ihrer unsterblichenStimme unterhalten. Dabei wechselte er jedesmal mit der Reihenfolge der Stücke r.nd schuf sich dadurch einen immer neuen Reiz. Jean sorgte unbemerkt dafür, daß stets die Lieblingsblumen der Verstorbenen frisch in den Vasen steckten, und versäumte nicht, ab und zu den feinen Parfümduft zu erneuern. Mit heimlichem Grauen erwartete er den Zeitpunkt, wo der Wahnsinn seines Herrn offen und furchtbar zum Ausbruch kommen würde; aber er wagte es nichi. Jemand etwas davon zu offenbaren. Stets deckte er für zwei, und stets hörte er dann von dem Marquis dieselbe Wendung: Wie Sie wissen, ist Madame nicht recht wohl, Jean. Ich werde also allein speisen. . Eines Nachmittags, im Winter, begab sich der Marquis, wie immer zu dieser Tageszeit, nach dem Boudoir. Er hatte sich in der letzten Zeit durch amtliche Arbeiten llberangestrengt, eine eigenartige Mattigkeit lag ihm in den Gliedern, und eine dumpfe (Saniere lastete auf seinem Geist. Fn diesem Zustand kam es ihm vor, als wenn das erste Lied, das Lotti sang, an einigen Stellen schwach und undeutlich klinge. Sollte das an seiner geringen Aufnahmefähigkeit heute liegen, oder sollten sich die Walzen allmählig abnutzen? Betroffen erhob er sich bei diesem Gedanken und nahm die Walze ab, um eine andere zur Prüfung aufzustecken. Er stellte die erste unvorsichtig auf den Tisch und merkte, daß sie in's Schwanken kam. Erschrocken griff er zu, um sie zu halten, war aber zu hastig und streifte dabei die Hülsen, in denen die anderen waren, mit dem Arm. Ehe er noch recht zur Klarheit über den ganzen Vorgang kam, rollten sie in raschen Sprüngen hierhin und dorthin und fielen krachend zu Boden, und dann folgte noch eine es war die, die er eben hingestellt hatte. Eiskalter Schreck, ein furchtbares Angstgefühl überlief ihn. Zitternd hob er eine Hülse auf und öffnete sie der Inhalt war zerbrochen. Er griff nach der . zweien dieselbe
Biere der
rewing Co.
555 X f, m überzeugen Sie sich Diamantenann. Das Claypool Hotel befindet sich gerade der Straße gegenüber. Wahrnehmung. Und so entdeckte er, während er kaum zu athmen wagte, daß alle Walzen zerschmettert und Lotti's Stimme auf ewig verloren war. Er wandte seinen entsetzten Blick dem Bild zu es schien ihm steif, kalt, leblos. . . Da sank er weinend vor dem Divan nieder, barg sein verstörtes Gesicht in die Kissen und schluchzte wie ein Kind. Seine Lotti war ihm zum zweiten Mal gestorben ... für immer. Frenzel No. 1 W. Washington Str (Merchants National Bank.) Ein europäisches Department. Wechsel, Creditbriefe und Postanweisungen auf alle Städte Europas. Schiffsscheine KstÄ?3n An- und Verkauf ouslündischen Geldes. )icht was man verdient, sondern was man erspart, führt zum Rsichthum. . .-. t e lncklana Trnst; Company nimmt Depositen an von 1 1.00 aufvdns die zu jeder Zeit gemacht werden können. ES bedarf weder eines bestimmten Betrags nttch eine bestimmte'Zeit zu deponiren. CffiCtftt Jndiana Trust Gebäude. Ecke Wash. Str. und Virginia Tve. Capital $1,000,000 SnrplnS 130,000 ...Samstag Nachmittag geschloffen... Municipale N Eisenbahn ..?0N0S.. Traction j ) Ltraben-Bahn-Aktien. Indianapolis Traction und T. Aktien ) ReiseBriefe. ...Geldanweisungen... ARMCK & Co., rldhon 1582. LomSa,b ebäuX. Jod. Adams ...Painter... Spezielle Aufmerksamkeit wird Sraining, kalcimining, Tinting und Glaser Arbeit ge schenkt werden, No. 611 Hudson Str. Of l Tkledhon J51cb751. Lohuung ltlkpyon 31cnl 6504
iros
r fci vx
i
