Indiana Tribüne, Volume 27, Number 13, Indianapolis, Marion County, 7 September 1903 — Page 6

Jttdiana Tribüne, ?. September 1903.

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Europäische Nachrichten.

Frovinz Vestpreußen. D a n z i g. In dem hohen Alter von 82 Jahren ist der Geheime Rechnungsrath a. D. Schüler, ein in weiten Streikn bekannter und hochgeachteter Mann, gestorben. In Langfuhr er schoß sich der geisteskranke Eisenbahnbetriebssekretär Biella von der hiesigen Werkehrsinspektion. Wegen erhebli cher Unterschlelfe, die bei der hiesigen Oelmühle entdeckt worden sind, wurden Inspektor Clauß und Wiegemeister Thiel von d Oelmühle und Rheder Jahr von hier von der CriminalpoNzei verhaftet. Baldenburg. Rittergutsbesitzer Trabandt aus Hammer wollte zwei junge Pferde einfahren. Die muthigen Thiere gingen aber mit dem Gefährt durch. Trabandt stürzte vom Wagen und fiel so unglücklich, daß er einen Genickbruch erlitt und kurz darauf starb. D a l w x n. Vor kurzer Zeit verschwand der Knabe Ernst Nagel. Er ist letzt von zwei Madchen in emer Sandgrube verschüttet als Leiche ausgefunden worden. Der Knabe hatte vor Unwetter m einer anovome Schutz gesucht und ist dabei von SandMassen verschüttet worden. E lbing. Der zwolsiahrige Schuler Eifert war beim Einfahren des Heues behilflich und lag oben auf dem Fuder. Als der Wagen in die Scheune fuhr, stieß der Stiel der neben dem Knaben liegenden Heugabel an einen Balken. Das spitze Eisen drang dem Knaben tief in die Brust, so daß der Tod eintrat. Graudenz. Von Bord des Frachtdampfers Wandet", der eme Vergnügungsfahrt mit etwa 80 Personen von "hier nach Sartowitz und Kulm machte, ist in der Nähe von Nondsen und Roßgarten das fast fünfjährige Töchterchen Helga des hiesigen Frauenarztes Dr. v. Klein mitten im Strom der Weichsel heruntergefallen und ertrunken. Kulm. Nach schweren Leiden starb hier im Alter von 65 Jahren der Nealschul-Zeichenlehrer und Kantor der evanaelischen Pfarrkirche Ewert. Er war fast vier Jahrzehnte an der Realschule thätig und verwaltete auch längere Jahre das Amt des Rendanten der Realschule. K r a k a u. Das Geschäft des Besihers Tell, bestehend aus Wohnhaus. Skall und Scbeune, brannte vollständig nieder; fast sämmtliches Inventar verbrannte, besonders viel Federvieh. Marienwerder. Das dreijährige Töchtcrchen des Tischlergesellen Mischek ist in dem an der Wohnung vorüberfließenden Liebefluß ertrunken. Ober-Nessau. Gemerndevorsicher Krüger ist hier verschieden. Er stand im 58. Lebensjahre und war 23 Jabre lang Gemeindevorsteher. P o s i l g e. Selbstmord verübte der Schmiedemeister Unthan. Man fand seine Leiche in dem Vorbau seiner Schmiede hängend. Unthan soll den Selbstmord in einem Wahnanfall verübt haben. S ch l o ch a u. In der Langenstraße brannte das Wohnhaus der Wittwe Janke vollständig nieder. Von hier aus verbreitete sich das Feuer über das Wohnhaus, Schmiede und Stallaebaude des Schmiedemeisters Ed. Schultz und äscherte auch diese Gebäude ein. Provinz 'Mornrnorn. Stettin. Die Wittwe des früheren Oberpräsidenten von Pommern Freiberrn v. Münchhausen. Amalie. geb. Freun v. Münchhausen. ist hier im 88. Lebensjahre verschieden. Der Gatte der Verstorbenen schied am 21. Juli 1882 aus dem Leben. In seiner Wohnung Roßmarkt 10 wurde der Schneidermeister Binony erhängt aufgefunden. Am Vollwerk wurde der Radfahrer Lemke von einem Wagen uci eieiinicrjen slran.enoayn uoersayren und verstarb nach einiger Zeit infolge der erlittenen Verletzungen. Stuften. Der 17 Jahre alte Hofgänger Richard Karl warf nach dem Deputanten Fritz Weiland mit einem halben Ziegelstein. Der Stein traf indeß die Mutter des Weiland, eine etwa 50 Jahre alte Frau, an den Kopf. Bewußtlos brach die Frau zusammen

und starb m kurzer Zeit. Dorow. Bauerhofsbesitzer Karl Zahn war beim Roggenmähen mit der Maschine beschäftigt; aus noch nicht er? mitttelten Ursachen gingen die jungen, muthigen Pferde durch, wobei Zahn unter die Maschine kam und etwa 50 Meter weit durch das Roggenfeld geschleift wurde. Die Messer der Maschine brachten dem Unglücklichen am ganzen Leibe, namentlich aber am Kopse so schwere Verletzungen bei, daß der Tod auf der Stelle eintrat. Greifs Wald. Hier starb der bekannte Ornithologe Major a. D. Alexander v. Homeyer. K o l b e r g. Ein seltenes Jubi läum feierte der Prediger der hiesigen Synagogengemeinde, Rabbiner Dr. Goldschmidt: vor 40 Jahren trat er sein Amt hier an. Beim Abwracken eines vor Gribow gestrandeten Schiffes wurde der Fischer Otto Schwerdin, ein verheiratheter Mann, von dem plötzlich umstürzenden Mast erschlagen. K ö s l i n. Dachdecker Lewin aus Wolföhagen stürzte beim Decken eines Gebäudes zur Erde und brach das Genick. Er war sofort todt.

Sillys Seiden.

Humoreske von I. Merkl. !tfi will wissen, was dieser Herr Dir sehr Wichtiges mitzutheilen hat . . .überhaupt wie kommst Du dazu, mit ihm Briefe zu wechseln?Wahrend er diese zornigen Worte herauspolterte, rannte der Rath Schillinaer mit erregten Schritten durch das Zimmer und focht mit den Händen m der Luft herum, als wollte er zu Boxen anfangen. Sonst war er em sehr gutmüthiger Herr und er liebte sein Töchterlein über die Maßen, aber heute rauchte er offenbar einen äußerst schlechten Tabak. Fräulein Lilly kauerte in einer Sofaecke in Schmerz vollständig aufgelöst, bedeckte mit beiden Händen das thränenfeuchte Gesicht und wenne un aufhörlich. Was weckt denn Du von hu. bu, hu. . . von einer großen Leidenschaft?" stieß es ihr endlich heraus. Große Leidenschaft!" stöhnte er. Kaum trocken hinter den Ohren und schon Romeo und Julie! Julie: Fräulein Lilly Schillinger, vulgo Lilly von der Thränenweide, achtzehn Jahre alt, besondere Kennzeichen: Spielt heimlich mit ihren Puppen und öffentlich mit einem jungen Leutnant; sie hat nichts, er erst recht viel wemger und das legen sie zusammen und heirathen in zwanzig Jahren vielleicht, wenn er möglicherweise Hauptmann wird! Ueberhaupt. . . wer ist denn dieser Leutnant von Rötz ich kenne den Mann mcht? Was ist denn das Wichtige, das er Dir zu sagen hat? Frechdachs. . . hinter meinem Rücken?" Das weiß ich doch nicht. . . das will er mir ja erst sagen." Das tanzt da ein paarmal mitein ander, kennt sich kaum dem Namen nach und schon ist die Liebelei fertig. Wenn es war ist. daß Dir seine VerHaltnisse fremd sind, so weißt Du auch qar nicht, ob er überhaupt daran denkt, Dich zu heirathen." Das suhlt man doch. O Isis und Osiris man fühlt das! Und da soll einem nicht ein Frack wachsen! Kurz und gut, so was ißt er nicht, Dem Vater. Ich will keinen Militär in der Familie. Morgen wird Dein Koffer gepackt und Du gehst auf ein paar Monate zu Deinem Onkel Forstmeister. Gott sei Dank, daß ich diesen Vnef zur rechten Zeit abfing!" Nlemals geh' ich fort lieber sterben", protestirte Lilly mit feierlichem Nachdruck. Der Rath erwiderte kein Wort, sondern schaute ihr nur ernst und prüsend in die flammenden Augen und zwar so lange, bis sie beschämt und kleinmüthig ihre Blicke senkte. So, jetzt verschwindest Du auf Deine Stube, weinst Dich ordentlich aus, schreibst alles, was Du über mich auf dem Herzen hast in Dein Tage'buch, und in vier Monaten vergleichst Du Deine Gefühle. Das wird sehr lehrreich sein. Im übrigen reden wir nichts mehr über die Sach?. Schluß!" Genau vierundzwanzig Stunden später wurde Lilly auf einem kleinen Bahnhof der Oberpfalz von ihrem Onkel, demForstmeister Schillinger, in Empfang genommen. ' Ja grüß Dich Gott, Bäsle", schrie der alte Herr, der bei seinen Bauern draußen ein wenig rauhschalig geworden war und immer, wenn er gemüthlich sein wollte, in sein geliebtes Schwäbisch zurückfiel, ja, tusignomol, Du bischt aber a sauberes Mädle worde. Gleich gehst her und gibst, wie sich 's gehört. Deinem alten Onkel ein schöns Schmätzle." Und ohne viele Umstände drückte er seinen verwitterten Schnauzbart auf die zarte Wange, die sich ihm sehr widerwillig bot. Weißt", meinte er, ich sagt schon, wir gehn ins Wirthshaus und trinken, bevor wir zu Haus fahren, ein Gläsle öder zwei. Aber ich bin nit fertig worde mit 'm Fäßle, es sind allweil noch a vier Liter drinnen, weißt, und so a Neigle trau ich Dir gar nit anz'bieta. Es is das G'scheiteste, wir sahren in einem Saus heim." Das thaten sie denn auch und der Forstmeister benützte diese Gelegenheit nach Kräften, seinen Besuch zu erheitern. Dein Vater hat mir schon geschrieden, daß er so ein Dunnerwetterskreuz mit Dir hätt', weil Du absolut so a Leutnantle Heirathe wolltest. Er schreibt, er könnt 's net zahla, das glaub' ich zwar net, der hat Geld grad g'nug, er hat sich von jeher die Hosentaschen fest zugehalte, aber wenn er halt amal net mag, na mag er net da kannst nix mache, Herr Jnschpektor. Schau Bäsle, da mußt Dich trösten. Ich hab' auch amal als Student heirathe wolle, an armes Mädle und wie 's mein Vater erfahre hat, sagt er zu mir, was, Heirathe willst? Ich werd' Dir was Heirathe! Na Hot er mir eine rechts hing'langt, die isch: fürs Standesamt, und eine links, die ischt für die Kirch', hat er gesagt, so. . . Was hab' ich machen wollen? Geholfen hat's." Der armen Lilly stieg ob solcher Rohhttt das Blut zu Kopf. Sie konnte mit Mühe die Thränen zurückhalten. Das war eben die gute alte Zeit," versetzte sie ziemlich bissig. Da hast recht, Bäsle, das war's auck". fubr der Onkel fort, dessen dicke

Haut gegen solche Nadelstiche gefeit war. Du bischt ebe grad in fo 'nem

Alter, wo der Mensch nie recht weiß. soll er e Eidechsle werden oder c Krokodil. ; ." Ich danke für beides", unterbrach ihn das gereizte Mädchen, .ich weiß seyr wohl, was ich werden will, Onkel." Net wahr ischt's. nix wisse sie. die junge Leut', in n' Nebel steche sie hinein, ich sag' Dir Bäsle, Du weißt gar net. wie dumm sie in Deinem Alter sind." Und dabei schaute er sie mit vergnügt lächelnden Augen an und klopfte ihr zum Zeichen seines Wohlwollens recht väterlich auf die Schulter. Lilly biß die Zähne übereinander, um nicht gerade hinaus zu heulen. Mit so einem Menschen sollte sie ein paar Monate unter einem Dach verweilen? Niemals! Lieber davonlaufen, fort, irgendwohin, in den Wald, zu den wilden Thieren. . . Ich will Dir auch gleich sagen, wie ich mir die Sach' mit Dir zurecht gelegt habe. Ganz vernünftig sollst werde, hat Dein Vater geschrieben. Und da gibt's gar nichts Besseres, als ordentlich umeinanderlaufe, tüchtig esse, tüchtig saufe und acht Stund schlafe wie e Ratz! Ich sag' Dir. Väsle, da wirst schaue, was Du da für rothe Väckle kriegst, und helle Auge, und wie Du Dei Leutnantle vergißt . . . net angucke thust Du ihn mehr. So e schöns Mädle wie Du. . . was brauchst denn Du 'nem junge Mensche nachzulaufe. Du nimmst Dir ganz was anders! Das sag' ich Dir." Glücklicherweise übertönte das Rollen des Wagens das unehrerbietige Wort, das Lilly zu ihrem eigenen nachträglichen Schrecken herausfuhr. Es nahm ja schließlich auch dieser Dornenweg sein Ende und der Forstmeister führte seinen Gast, den die Haushälterin, eine arme Verwandte, knixend begrüßt hatte, in das trauliche Wohnzimmer, wo bereits der Tisch gedeckt war. So", sagte er gutmüthig, jetzt nimm Platz, es wird Dich hungern, also nur fest zugelangt!" Da war eine mächtige Schüssel mit Krebssuppe, ein sehr appetitlicher Rehrücken und diverse Eompotte. und am Büfett harrte eine Rahmschneetorte von dem Umfang eines Wagenrades ihrer Bestimmung. Aber alle diese Herrlichkeiten konnten die Lilly nicht reizen, die von jeder Schüssel nur eine Kleinigkeit kostete. Und immer redete ihr der Onkel zu, immer legte er ihr Stücke auf den Teller, die für seinen Magen berechnet waren, und er wurde nicht müde, ihr immer wieder aufs neue zu versichern, daß keine wirksamere Medizin auf der Welt gäbe, die mit der unglücklichen Liebe so rasch aufräume, als ordentlich essen und trinken. Als aber alles Reden nichts nützte, schickte er in den Keller hinunter und ließ einige Flaschen süßen Ungar heraufholen, den er für solche Gelegenheiten auf Lager hielt. Den mußte Lilly trinken, ob sie wollte oder nicht, und der Onkel behauptete, er werde einfach nicht vom Tisch aufstehen, bis sein Bäsle wieder so lustig sei, wie er sie kennen gelernt hatte und wieder so fröhlich lache, wie ehedem, da sie ihm auf'm Schoße saß. Und Lilly trank denn ein Glas ums andere, und fast schien es, als ob sie endlich auftauen wollte.als zufällig der Kanarienvogel, der bis jetzt geschlummert hatte, zu singen begann. Es ist natürlich außerordentlich schwer, die geheime Beziehung zu entdecken, die der Gesang dieses unschuldigen Thieres zu Lillys Leiden haben mochte, und der Forstmeister, dessen Sinn für psychologische Feinheiten gar wenig entwickelt war, riß im höchsten Erstaunen Mund und Ohren auf. als Lilly ganz urplötzlich zu weinen anfing. Und je mehr er sie zu beruhigen suchte, um so heftiger flössen ihre Thränen, und als er zornig und grob wurde, da überwältigte sie ein ausgiebigerWeinkrampf. daß dem hilf- und rathlosen Mann nichts übrig blieb, als dieHaushalterin zu rufen, die das Mädchen schleunigst zu Bett brachte. Währenddessen pendelte der alte Herr, der als Junggeselle von einem weiblichen Herz so wenig wußte wie sein Dackel von derGeometrie, fluchend und schimpfend im Zimmer auf und ab. Kreuz Birnbaum und Hollestauda, da soll doch gleich a siediges Dunnerwetta neischlaga!" schimpft r und dann öffnete er wieder die Thüre und ging einige Schritte die Treppe hinauf und horchte ängstlich auf die Töne, die man da hörte, auf das gleichmäßige, ruhige Zureden und das Schluchzen, das zwischen hinein sich vernehmen ließ. Und dann schlich c wieder in seine Bude und wischte sich den Schweiß von der Stirne. Nach einer Stunde etwa trat die Haushälterin ein und theilte ihm mit, daß das gnädige Fräulein nunmehr eingeschlafen sei. Jetzt sage Sie mir nur um Gottes Wille', was ischt denn das für eine verflixte Komödie? Wisse Sie, Bärbele, ich hab' dem Mädle fo gut zugeredet, fo gute Wort' hab' ich ihr geben, was ich ihr von den Augen hab' ablese könne, hab' ich gethan und gehätschelt ha' ich sie. . . Hoseknopf und Bratwurstbändle!" Ich will Ihnen was sage. Das Fräule ist den Wein net g'wöhnt. wisset Sie, da hat sie das .weinende Elend" kriegt."

Der Forstmeister maß sie mit einem Vlick, in dem eine Welt von Verachtung lag. Geh, schwätzen Sie doch keinen Unsinn! Drei Gläsle. . . drei winzige Gläsle. . ." Dabei machte er eine Gebärde, aus der die Haushälterin ohne großen Scharfsinn entnehmen konnte, daß n sie für vollständig verrückt hielt. Sie haben keine Ahnung, was dem Mädle fehlt", brummte er mißmuthiz von der Höhe seiner Menschenkenntniß herab. Einige Tage waren verflossen, er Forstmeister gab sich alle erdenkliche Mühe, das Vertrauen seiner Nichte zu gewinnen, aber was er in einer glücklichen Stunde erreicht hatte, das verdarb seine Derbheit in der anderen wieder und er entfernte sich trotz aller Geduld und Güte weit mehr von seinem Ziele, als daß er sich ihm genähert hätte. Lilly benützte jede Gelegenheit, ihre Schwermuth zu nähren; sie aß nichts, sie trank nichts, kaum daß sie einige Worte sprach, und wenn sie allein war, so sang sie mit gedämpfter Stimm: traurige Lieder. Der gute Onkel war am Ende seinerWissenschaft angelangt und vermied es allmählich, länger zu Hause zu bleiben, überließ es vielmehr seiner Haushälterin, den trübseligen Gast zu unterhalten. Im geheimen aber grämte es ihn ganz bedeutend, daß seine Bemühun gen so gar keine Frucht tragen wollten, und er vertraute sich daher einem benachbarten College an, der verheirathet war und möglicherweise in solchen Dingen besser beschlagen war als er. Der lachte ihn frischweg aus. Was er denn eigentlich glaube? Das Mädel wolle jedenfalls unterhalten sein und dazu sei er, der Herr Kollega nach seiner Meinung nicht der ganz richtige Mann. Er solle mal seinen Assistenten, den Kleeberger, eingeladen, das sei so ein Salonmensch, der werde schon dafür sorgen, daß eine kleine Erheiterung in den weltfremden Dachsbau einziehe. Der Forstmeister schüttelte b:denk lich den Kopf. Kleeberg? Wer ist Kleeberg?" Mein neuer Assistent, Herr von Kleeberg, der die Assessorsstelle drüben in Mogelsdorf verwest. Feiner Kerl." Soll ich den Teufel mit Beelzebub austreiben? Hm, hm. Aber es hat ja schließlich keine Gefahr. Die hat ihren Leutnant im Kopf. Wenn sie aber über einen Kanarienvogel schon erschrickt, dann fällt sie mir am Ende gleich in Ohnmacht, wenn sie fo einen grünen Grashupfer sieht?" Ah bah. . . . Räubergeschichten. Schreib ihm, schick ihm am Sonntag Deinen Gaul, es sind fünf Stund zu Dir hinüber und überlaß alles übrige dem lieben Gott." Das ischt so der einzige, der sich mit den Weibern auskennt," brummte Schillinger, leerte seinen Krug und machte sich auf den Rückweg. Auf diese Weise kam der Assistent v. Kleeberg zu der hohen Ehre, von dem als Rauhbein verschrieenen Forstmeister Schillinger zum Mittagessen gebeten zu werden. Aber es schien fast so. als ob der Forstmeister mit seinen trüben Ahnungen recht behalten sollte. Lilly, die sich, angeblich weil sie keine passende Toilette besaß, zuerst geweigert hatte, zu erscheinen, benahm sich so exzentrisch, daß dem guten Onkel zu wiederholten Malen der helle Angstschweiß auf die Stirne trat. Er hatte die deutliche Empfindung, daß, wenn das Mädel noch nicht übergeschnappt sein sollte, sie gar nicht weit davon entfernt sei. Als er ihr Herrn von Kleeberg vorstellte, trat sie anstatt ihm die Hand zu reichen, einen Schritt zurück, maß ihn mit entgeisterten Blicken und wurde so bleich, als hätte sie ein leibhaftiges Gespenst gesehen. Im nächsten Augenblick färbte sie ihr Gesicht tiefroth und, indem sie sich an der Stuhllehne festhielt, tastete sie sich wie eine Nachtwandlerin im Traume dahinschreitend, langsam und zugleich heftig athmend an ihren Platz. Und dabei sprach sie kein Wort. Herr von Kleeberg, der sich dieses seltsame Betragen, wie es schien, nicht erklären konnte, suchte mit einigen höflichen Redensarten über die peinliehe Lage hinwegzukommen und warf nur ab und zu einen flüchtigen forschenden Seitenblick auf die junge Dame, die mit der Miene eines steinernen Gastes an der Tafel saß und ihn beständig anstarrte. Der Forstmeister, der sich nicht anders zu helfen wußte, flüsterte seinem Nachbar die lateinischen Worte zu: Meute capta". Das schien aber hinwiederum diesen außerordentlich unangenehm zu berühren und es entwickelte sich nur sehr allmählich ein allgemeines GespräÄ über dienstliche Angelegenheiten und erst später, nachdem der erste Eindruck sich zu verwischen begann, betheiligte sich Lilly mit kurzen und knappen Antworten an der Unterhaltung. AIS aber beim Nachtisch der Assistent erzählte,-er habe in der Nähe des Forsthauses eine Blumenari entdeckt, die man sonst nur in bvx Alpen zu finden Pflege, ersuchte ihn Lilly, sie ihr zu zeigen. Herr von Kleeberg war dazu gerne bereit und die beiden erhoben sich. Der Forstmeister, den die Sache weniger interessirte, entschuldigte sich und blieb sitzen. Als das Paar nach nicht allzulan-

ger Zeit zurückkehrte, trug Lilly einen Busch dieser Blumen in der Hand und die harmlose Beute schien sie im umgekehrten Grade ebenso unbegründet zu beeinflussen, wie sie ehedem der Kanarienvogel erregt hatte. Sie war von diesem Augenblick an wie verzaubert. Eine Fröhlichkeit erfüllte sie, die dem Forstmeister ganz unheimlich vorkam; sie lachte über die geringfügigste Bemerkung und aß und trank mit einem Appetit, als gelte es nachzuholen, was sie seit einer Woche versäumt hatte. Und nicht nur mit ihrem Onkei scherzte sie wie ein ausgelassenes Kind, sondern sie neckte sich auch mit dem Assistenten, den sie doch vorher so schlecht behandelt hatte und versprach ihm ohne Zwang, wenn der Onkel damit einverstanden sei, schon in den nächsten Tagen seiner Einladung, ihn in seiner Klause zu besuchen, Folge zu leisten. Als sie sich spät am Abend trennten, drückte sie dem alten Herrn, dessen Rathlosigkeit ihr nicht entgangen war, einen Gutenachtkuß auf dieStirne und verschwand singend und lachend auf ihr Zimmer. Der Forstmeister aber hatte eine schlaflose Nacht. Er mißtraute als Junggeselle allem Weiblichen aufs heftigste. Und so erwog er die Frage, was der eigentliche Grund dieser auffallenden Veränderung sein könnte, stundenlang hin und her, ohne zu einem Abschluß zu gelangen. Stak vielleicht doch diese unglückselige Liebe so tief in dem Herzen seiner Nichte, daß sie ihr Gemüth erschüttert hatte oder war sie. . . er wagte sich das nicht auszudenken, aber er hatte schor, so viel von den Großstadtmädeln gc hört, war sie wirklich ein so lelchtsinniges Geschöpf, daß sie sich jedem Mann nach kurzem Kampfe an die Brust warf? Oder, was ihm am besten gefiel, war möglicherweise die Krisis eingetreten und ihre plötzliche Fröh lichkcit aus dem Gefühl der Befreiung zu erklären? Sonderbar er mochte es fassen, wo er wollte,- es blieb immer und überall ein unerklärbarer Rest. Die Erklärung sollte indessen nicht lange auf sich warten lassen. Bei Gelegenheit des Besuches fugte es der Zufall, daß Schillinger, mißtrauisch, weil schon wieder eine neue Spezies von Blumen ganz in der Nähe des Hauses blühte, den beiden Botanikern ein bißchen auf die Lippen fah und zu feiner nicht geringen Entrüstung sich überzeugen mußte, daß sie sich da draußen in der unbefangensten Weise küßten. Er schlich unbemerkt an sie heran und erwischte sie auf der That. Der Zorn machte ihn so sprachlos, daß er vorerst nur mit wüthenden Blicken die Attentäter zu zerschmettern versuchen konnte. Pfui, wer hätte der Lilly eine solche Charakterlosigkeit zugetraut! Da standen sie nun die beiden armen Sünder in tödtlicher wortloser Verlegenheit. Der Assistent vermochte sich aber rasch zu fassen. Verzeihen der Herr Forstmci'ier", sagte er, wir haben uns auf den ersten Blick so lieb gewonnen, wir haben uns in München kennen gelernt. . ." So, so", murrte der alle Herr verLchtlich. Du scheinst ja sehr vielseitig zu sein, Lilly?" Durchaus nicht, lieber Onkel. . .ich ... wir waren ... das heißt, ich hab: Herrn von Kleeberg als Leutnant von Rötz kennen gelernt. . ." Das ist so", ergänzte der Assistent, ich schreibe mich von Kleeberg-Rötz und da zwei Reserveleutnants Klee-berg-Rötz im Regiment dienten, hat man mich zum Unterschied Rötz g:nannt." Ach und Sie sie sind dieser Unglückselige Leutnant? Sind bei uns einberufen ... oh! Herrrr! Wie kommen Sie auf den polizeiwidrigen Gedanken, sich von mir einladen zu lassen! Sie foll doch gleich ein Donnerwetter! Wie steh' denn ich jetzt da? Haben Sie eine Idee? Sie Assistent Sie?" Lilly hatte sich vom ersten Schrecken erholt und begann mit hunder! Schmeicheleien den Onkel zu umgarnen. Na", brummte dieser, mir wär' ja alles recht, wenn ich nur nicht gar so blitzdumm dastünde. Da werd' ich schön daraufzahlen dürfen! Aber das sag' ich euch, mit dem Geld, das will ich machen, aber mit Deinem Vater das mußt Du selber auskochen, der wird so glauben, ich hätte' eine alte Meerzwiebel im Kopf anstatt ein Hirn. Und das glaubet er net nur das saget er mir ins Gesicht. Ja, ja, sein Briefle les' ich gar net. Fiel mir

ein!' Die elektrischen Bahnen in den Ver. Staaten haben im letzten Jahre im Durchschnitt keine guten Geschäfte gemacht. Soweit festgestellt werden konnte, haben 225 Gesellschaften in ihrem Betriebe ein Deficit von beinahe 12 Millionen Dollars erlitten. und eine ganze Anzahl mußte dem Masseverwalter übergeben werden. In den meisten Fällen ist die Ursache in Uebercapitalisirung zu suchen. Dasselbe war auch bei unseren Dampfbahnen der Fall. Die große Mehrzahl der letzteren hat jetzt einen heilsamen Läu-terungs-und Entwässerungsproceß durchgemacht, während die elektrischen Bahnen diesen Proceß erst noch durchmachen müssen. Auch sie werden mit der Zeit auf eine gesunde Basis ge-langen.