Indiana Tribüne, Volume 27, Number 6, Indianapolis, Marion County, 29 August 1903 — Page 6

29. August 1903. 6

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M M ilppetittofigfeit H M H leidet, kann sich daraus rerlassen, daß Magen und Leber nicht ln Ordnung find. Dr. August Koenig's Hamburger Tropfen H H M M M H rtgalircn die Leder und reinigen den Magen. &: -kü Ja, wir verkaufen" Tna nrt L i '- r . ".'Za IJZM? , - , S5tri?!X(i:r SMrSÄEtöis4. LG"jL.9 VSÄÖl.ffipJiäW GrO.x'lo.n.cl Oefen und o:es Möbeln uud Tcppiche zu den niedrigsten Preisen. WILLIG'S Mööcl-Ladcn, 1 W. Washington Str. Baar oder Kredit. 14 Nord Pennsylvania Strafe, Hauptqurtier für Brillen und Operngläser. 0 IssHHSflMAiA 5 jn rille merve nach oea besten Methoden den Augtv nzevaßt. nnMicke ugen werden schmerzlos eingeseZt. FurnaceS, (risen und Blech-Arbeiten, Joseph Gardner, 37 41 Kentucky Avenu, Telephon 322. Milcbkannen, Oelbehälter und Aschenbehälter auf Bestellung gemacht. i Deutsche Buchhandlung. Carl Btnevank. SiVtralulaSve... lXembroke Arcade.) ohlen. Ton. Anthracite.... $ 7.50 Rauchlose 6 00 Jackson ... .... fl.CO Pittsburg .. 5X0 Raymond Cit? . 5.00 Wmifrede 6.00 Kcmmvha 6.00 Luörig 4 75 SrazU lock..... : i.iO EreeneCounty.... . 4C0 Jnduna Lump.... 3.2k VloVurg. S.75 tzsckinz Valley........ 4.50 lack Jndiane .. 2.50

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ltbcltage ,? am Ilichigan-See 0s D Iv n den Taen vom 26. September bis 1. Oktober wird Chicago die Jahrhundertfeier des Bestehens der ersten Ansiedlung in umfassender und würdiger Weise begehen, um der lebenden Generation durch festliche, wichtige Ereignisse aus der Ge- " ' 1 ' ' ' . ,7 Ll' l)CKDUfn rwsMtm Fort Tcarborn.'1'lclssakrc.Tcllk:nal. schichte der Stadt illustrirende Leransialtungen die Entwicklung des in die sem Zeitraum zur zweitgrößten Metrcpole des Landes emporgeblühten Lemeinwesens vor Augen zu führen. Es )vrz im Jahre 1795, als die Bundesregierung den Indianern ein, unweit der Mündung des Chicago Niver belegenes Stück Land abkaufte. Tiefes Terrain ward als der Platz für ein Fort ausersehen, das nach dem ehemaligen Arzte und verdienten RevOlutionskämpfer Henry Tearborn nannt wurde, welcher in Jeffersons Kabinett acht Jahre hindurch als Kriegssekretär fungirte und im Jahre 1812 von Präsident Madison zum Ceneralmajor befördert wurde. Ter Bau dieses Forts, das, wie wir weiter sehen werden, geschichtliche Bedeutung gewann, ward am 17. August 1803 von Leutnant Swearingen von der Bundesarnve begonnen, und es war das erste permanente Gebäude der späteren Weltstadt, die nun dieses historische Ereigniß zu feiern sich anschickt. Der erste Ansiedler war John Kinzie, welcher im Jahre 1828 das Zeitiiche segnete. Sein Häuschen war das erste, das in Chicago für eine Familie zum Bewohnen erbaut wurde. Unweit von der Stelle, wo es stand, an der Nordseite des Flusses, erhebei. sich jetzt gigantische Waarenspeicher. Im Jahre 1812 bestand die gesammte Bevölkerung der späteren Stadt aus John Kinzie und seiner Familie. aus einem Arbeiter, der ein eingeborener Franzose war, und aus der Besatzung des Forts, Kapitän Heald, Leutnant He!m, Sergeant Holt und ihren Familien, sowie 6-1 Gemeinen. Damals hatten die Ber. Staaten England den Krieg erklärt und die Indianerstämme der Winnebagoes und Pottawatomies zeigten sich ungebeidig. Im August erhielt die kleine Garnison den Befehl Seitens Generals Hull, das Fort zu räumen und nach Fort Wayne sich zu begeben. Kapitän Heald entschloß sich, wider den Rath seine? Subalternoffiziere und der Ansiedler, das Fort zu räumen. Er führte seinen Plan nicht sofort aus, sondern beschloß, yy 5L5EX. AKWW --.' i ä " MiWl&r Ü,WJiid-iWW-VX TskC Fort Tearborn vor 100 Jahren. erst die Rothhäute durch die Bertheilung des Proviants, den sie nicht mitnehmen konnten, friedlich zu stimmen. Die Räumung nahm am 15. August ihren Anfang. Die Hornisten, die zur Truppe gehörten, spielten beim Ausrücken einen Trauermarsch, und Kapitän Wells fühlte wohl, daß er sicherem Tode entgegenginge. An der Spitze marschirten etwa 500 Mann des freundlich gesinnten Jndianerstammes der Miami. Der Weg ging zunächst

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5lmc zn Acttntauscndcn. Der wilde Elch ist wahrlich keine der letzten unserer Thiergattungen, denen grausam mitgespielt worden ist. Um so erfreulicher ist die Thatsache, daß ?s noch eine ganz gewaltige, in die Zehntausende gehende Heerde in der Freiheit lebender Elche in den Ver Staaten giebt, die wahrscheinlich überHaupt die größte ihrer Art in der Heutigen Kulturwelt ist. Genau gesagt, befindet sich die'k Heerde im Jackson's-Hole-Distrikt von Wyoming, welcher derSchauplatz fi so mancher aufregender Ereignisse gewesen ist. Di Elche haben, ungleich den meisten Mitgliedern der großen Rothwild-Familie, einen ziemlich iu geunerhaften Charakter, sie schweifen auf weiten Gebieten umher, ohne Rücksicht auf steile Höhen, dichtes Gestrüpp und andere Unwirksamkeiten, und dringen überall fast im Tempo einer Lokomotive vorwärts. Immerhin pflegt jene große Heerde in den Tiefländereien vom Jacksons-Hol:-Di-strikt zu überwintern. Ihre Zahl wird von manchen auf 32.000 geschätzt, und zwar von solchen, welche nicht selten in den strengen Wyominger Wintern, in denen die Thiere fast an die Thüre des Menschen kommen, außerordentlich gute Beobachtungs-Celegen-heiten haben. Sie werden wenigstens in diese? Gegend von den weitzerstrcuten Bewohnern leidlich geschont und stehen unter der beständigen Ueberwachung zweier Wildhüter, so lange sie in dem Gebiete bleiben, über welches diese Obhut haben. In der Sommerszeit aber schweifen diese. Elche über eine Gebietsfläche dahin, deren Radius mehr als 500 Meilen lang ist. Manch? kommen nach Colorado und Utah und hier werden ziemlich viele getödtet. Bei Wcitem der größere Theil der Heerde jedoch verbringt den Sommer auf den waldigen Höhen des Teton-, des GroS Ventre- und des Sboshone-Gebirges, sowie im Big-Horn-Becken und im Dellowsione-Nationalpark, oder bleibt auch in der Nähe des- Winterquartiers, aber weiter droben.

Vom ncucn Ncichötag. Ein originelles Handbuch über den neuen Reichstag ist Kürschner's deutscher Reichstag 1ö03", das mit der bei Kürschner's 'Jahrbüchern üblichen Schnelligkeit jetzt durch Kürschner's Nachfolger, Hermann Hillger, herausgegeben ist. Im Duodezformat bringt es das Bild und den Lebenslauf von allen deutschen Volksvertretern. Zum ersten Male fehlt keiner der Abgeordneten in dieser Porträtsammlung; zu den früherenAusgaben waren von einzelnen Abgeordneten trotz aller Bemühungen Bilder nicht zu erlangen. Das statistische Material des Büchleins ist vielseitig und sehr sorgfältig bearbeitet. Nach der Bervfsart zählen von den Abgeordneten des neuen Reichstags 119 zur Landwirthscbaft, 52 zum Gewerbe und 26 zum' Handel und Verkehr; einem freien Berufe gehören 190 Abgeordnete an und 10 sind Rentner. ' Von den 27 Theologen, die dem neuen Reichstag angehören, sind 22 katholische Geistliche. Von letzteren sind 18 Mitglieder des Zentrums, 3 der klerikalen elsässischen Landespartei i:nd 1 der Polenfraktion. Unter den öl Sozialdemokraten befinden sich 37 Schriftsteller und Redakteure. Der Adel nimmt andauernd im deutschen Reichstag ab. 1878 zählte man 162 Adelige. 1890 waren es 126, 1893 sank die Zahl auf 83 und diesnal sind es 77. Mitglieder des Reic stags, die auch Abgeordnete in Ein-'!--landtagen sind, gibt es 173 gegen 202 im letzten Reichstag. Von den Reicbsboten sind 199 evangelisch. 140 katholisch und 46 konfessionslos; Jsraeliten gibt es vier, auch ein Mennonit. der Pfälzer Vauernbündler Staufser. ist in den teichstaq eingezogen. Der Alterspräsioent ist der Deutschkonserrative v. Winterfeldt - Menkin; er ist 1823 geboren. Die Rolle des Ben'amin ist von der Sozialdemokratie. die zuletzt als jüngstes Mitglied desReistags den Abgeordneten Rosenow ste" !e. an das Ze- trum überaeaanaen. de. v, Mitglied R'dakteur Erzberaer erst 23 Jahre alt ist. U kürzest? ' iöma c7Diograpkic. Das Leipziger Tageblatt", da) Amtsblatt des königlichen Land- nnD Amtsgerichtes, sowie des Polizciamtcs von Leipzig, bringt anläßlich dcs Todtcstages Bismarck's an der Spiz seiner Nummer eine Notiz, die woh! als die kürzeste Bismarck-Vicgraphie bezeichnet werden darf. Sie lautet: Heute vor fünf Jahren ist Biömarck gestorben. Er wurde goren und erzogen als Junker, wurde Staatöman.. nnd Reaktionär", schuf das Tcutschc Reich und lehrte es. reiten, wurde in Ungnade entlassen und starb als Land, cdelmcmn. Sein Volk wird ihn b,Z an das eigene Ende im Herzen tra. gen. Honny soit qui mal y pense!" In Belgrad beschloß der dortige Arbeiterverein die Gründung einer sozialdemokratischen Partei für Serbien. Kuß als Todesursache. Auf tragische Weise ist neulich in Vel bert, Rheinprovinz, die Ehefrau cine Arbeiters zu Tode gekommen. Sie hatte die Leiche ihres Kindes, das an erlittenen Brandwunden gestorben war, kurz vor der Beerdigung geküßt und sich dadurch eine Blutvergiftung zuge-zogen.

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&'miu imu suiiu yüev Serben NliU. Und finster trat ick an des Todes Haus; Ich klopfte wild und dringend an die Pforte! Da klangen aus der Tiefe dunkle Worte: Dein eigen Pochen schließt Dich aus! Wer so, wie Du, mit harten, heißen Händen Vom Leben in den Tod hinüberzieht. Der sang noch nicht sein letztes Lied Der hat keil Recht zu enden! Zu dieser Pforte kommt man sanft und still: Wer sterben will, Dem muß der Lippen Fluch sich erst in müdes Lächeln wenden!" Leonore Frei. Z.'icrizocrei. Der stärkste Schutz, die Macht des Schwachem ist leine Schwäche; das ist ein wahres Wort, so absurd n klingt, und zudem ein tröstliche- für die Schwachen. Ihr Unvermögen, den Angriff eines S:ar!en mit rcTrjci'ocu Kraft abzuwehren, ttit einen schützen den Schild über sie. Großmuch ist die Tugend de: wahrhaft Starke:;. Ein Starker richtet seine Waffe nicht gegen den Schwachen, er beschirmt ihn mit seiner Kraft, stellt ihn unter seine Hut. und selbst wenn sich der Schwache auS eigenem Antriebe gegen ihn kehrt, so ertragt er in dem Bewußtsein, ihn jeden Augenblick kampfunfähig machen zu können, seine Angriffe mit Nachsicht und Geduld; sie nöthigen ihm höchstens ein Lächeln ab oder Verachtung. T:e Frau hat von altersher wegen ihrer geringeren physischen Kraft als das schwächere Geschlecht den körperlich stärkeren Männern gegenüber gegolten. In Wahrheit aber liegt ihre Schwäche nicht so sehr auf der physischen, wie auf' der psyischcn Seite. Körperlich werden an e.ne Frau oft dieselben und höhere Ansprüche cestellt. wie an den Mann. Ein junges Mädcben. das ?inen Vuchhal erPosten bekleidet, hat -die-selbe Arbeit zu leisten, wie der' Mann in gleicher Stellung, und eine Frau, die einen Haushalt mit mehreren Kincern in der Hauptsache allein zu versorgen hat. muß ein größeres Aufgebot an Körperkraft einsetzen, als ihr Mann, der vielleicht nur für eine gwisse Anzahl Arbeitsstunden täg'ich in Anspruch genommen ist. Und wie viele Frauen arbeiten im praktischen Leben Seite an Seite mit Männern, ohne daß das schwächere Geschlecht" bei ihnen Berücksichtigung fände oder Berücksichtign.? erheischte. Sobald aber das Nervensystem in Mitleidenschaft gezogen, das Seelenleben berührt wird, da zeigt sich die Frau von ihrer schwachen Seite, da verlang: sie Schonung und Rücksicht. Gewöhnlich werden sie ihr von Seiten des Mannes gewäbrt; es zeigen sich die Großmuth, die Ritterlichkeit des Starken, der der Schwachen Willi? Vorrechte einräumt. Ein Schrei, eine Betrübniß, eine Freude oder Erwartung, Nervenreize, die oft spurlos an dem Manne vorübergehen, üben einen tiefen Eindruck auf das Gemüth der Frau aus, der sich rückwirkend äußert manchmal in einer recht unbequemen Weise für den Mann. Die nervöse Schwäche der Frau fordert viel öfter die Geduld und Nachsicht des Mannes heraus, als ihre körperliche; aber er kennt die Frau als den schwächeren Theil und wird es in den meisten Fällen ganz natürlich finden, ihr Schonung angedeihen zu lassen. Es giebt aber eine gewisse Grenze, bis zu der die Frau die Nachsicht des Mannes in Anspruch nehmen darf; über sie hinaus Rechte abzuleiten, oder sich wohl gar auf ibre Schwäche etwas zu gute zu thun, steht der Frau nicht an. Sie darf die Großmuth des Mannes nicht mißbrauchen; denn sie erniedrigt sich und ihn, wenn sie ihn zwingt, ihre in La: -nenhaftigkeit ausgeartete Schwäche zu ertragen. Ihre 'Schwäche wirk: nur so lange als Schutz und Schirm für sie, als sie wirklich Schwäche, ein unbewußtes Unvermögen, ist. Sobald sie mit Absicht zu einem bestimmten Zweck als Waffe gebraucht wird, verliert sie jede D-ascinsberechtigung. Sie muß vielmehr gewärtig sein, wie jede andere Waffe bekämpft zu werden, oder verfällt, wie schon gesagt, dem Fluche der Lächerlichkeit. Die Witzblätter haben unter ihren stehenden Typen die Frau, die mit Ohnmachtsanfällen undWeinkrämvfen sich einen neuen Hut. eine Badereise und dergleichen von ihrem Manne erringt. Das ist natürlich stark übertrieben, aber wie viel Thränen werden aus Energielosigkeit, aus Mangel an Selbstzucht, oft aus reiner Gedankenlosigkeit vergossen! Wie oft entströmen sie. gezwungen oder freiwillig, aus nichtwen Ursachen dem Frauenauge. Das beruht manchmal auf'einer krankhaften Nervenschwäche und verlangt dann Schonung, gütige Nachsicht von Seiten der Stärkeren; aber von Seiten der Frau darf trotzdem der gtlte Wille vorausgesetzt werden, die Schwäche zu bekämpfen, und der vermag viel, selbst einer krankhaften DisPosition gegenüber. Gewöhnlich liegt keine so ernste Ursache zu den Thränen vor: sie flienen lediglich, weil die Freu

es als das Recht des Schwächeren n Anspruch nimmt, sich gehen zu lass::., wie ihr die Laune steht, und durch die Aeußerungen ihrer Schwäche ds Mitleid ihrer Umgebung zu erwecken. Ein gütiger Gott hat uns Frauen mit der Fähigkeit ausgestattet, im Weinen Erleichterung von Leiden und Schmzen zu sinven, aver nicht, damit w:r um jeder Nichtigkeit willen das kostbare Naß vergeuden. Was allzu oft gebraucht wird, nutzt sich ab. Das ist selbst mit dem Thränenvergießen der Fall; uns selber gewährt es zuletzt keine Erleichterung mehr, und auf unsere Umgebung verfehlt es seine Wirkung. Thränen von vornherein aus Berechnung fließen zu lassen, sie zu einer Waffe der Schwäche zu machen, ist verwerflich. Ein feines Empfinden kennzeichnet es sicher nicht, und eine Frau, die Würde und Selbstachtung besitzt, wird es verschmähen, sich durch den Mißbrauch ihrer Macht einen Triumph zu sichern.

Das Znwidcrscin häufig genossener Speisen ist ein wichtiger Fingerzeig der Natur. Der menschliche Organismus fordert die Abwechslung der Nahrungsmittel, und cS nicht sich sehr, wenn dieser Zyordenmg nicht Folge geleistet wirö. Die Zunge oder, richtiger gesagt, ;m scr Geschmackssinn ist daber eine Art Regulator. Am deutlichsten bemerten wir die regulierende Thätigkeit des Geschmackssinnes bei einem der wichtigsten Bestandtheile der Speisen, bei dem Salze. Eine Speise, welche zu wenig Salz enthält, schmeckt nicht, und wir fügen Salz hinzu; im umge kehrten Falle von stark gesalzenen Speisen sind wir wohl im Stande, eine kleine Menge zu genießen, allein bald sträubt sich unser Geschmack da gegen und gezwnngencrweise liöron wir auf zu essen. Wenn viele Leute glauben, der Sinn des Geschniackes sei nur dazu da, ihnen genußreich? Augenblicke 31t verschaffen, so irren sie hierin vollständig, denn der Ge schmackssinn ist deshalb da, um die verschiedenen Nahrungsmittel zu un tersuchen. ob sie dem Körper zuträg lich sind ohr nicht. Es ist daber von großer Wichtigkeit, den Geschmack rein zu balten. Durch den häufigen Genus; stark gewürzter, namentlich gepfefferter Speisen werden die Gte schmacksnerven abgestumpft, und die Unterscheidung der Speisen wird be deutend erschwert. In Änlicher Weise wirkt das Rauchen starker und vieler 'Cigarren. Am besten können wir die Empfindlichkeit und Nichtigkeit d?3 Geschmackes bei kleinen Kindern beoö achten Das Kind weist jede Speise, welche im Salzgehalt, Gewürz und so weiter nicht zu seinem Organismus paßt, zurück; es verabscheut Kaffee und Wein, daaeaen erfreut eS Milch und Zucker. Milch und Zucker sind ihm zuträglich, und der Geschmack länt sie wittia vamren. Gendarmen ui.d Zigenner. Aus Graz wird berichtet: In der südöstlichen Steiennark im politischen Bezirk Raun wurden in diesem Sommer von Zigeunern viele Einbruchsdiebstähle verübt, ohne daß es gelang, die Thäter festzunehmen. Am 20. Juli war in der Ortschaft Kalischowetz ein Zigeuner eben daei, in einer erbrochenen Wohnung die Kästen mit einem Stemmeisen zu öffnen, als der Besitzer Fou dazukam und ihn festnehmen wollte. Der Zigeuner bedrohte aber den Besitzer mit Erschießen und Erstechen und entkam. Der Gendarmeriewachtmeister Koschar und der Gendarm Friedrich Breznik ausSteinbrück verfolgten nun die Spur des Einbrechers und trafen ihn ain 23. v. Mts. mit einer Zigeunerin im Walde bei Dreuskorebra. Nach Ankündigung der Verhaftung packte der starke Zigeuner den Wachtmeister und stürzte mit ihm über einen steilen Felsen hinab. Gleich darauf verletzte der Zigeuner den Wachtmeister durch Messerstiche in den Kopf. Der nachgeeilte zweite Gendarm brachte dem Zigeuner je einen Bajonettenstich in die Brust und den Kopf bei. Als nun die beiden Kämpfcnden in ihrem Blute dalagen, bemühte sich Breznik. den regungslos daliegenden Wachtmeister zum Bewußtsein zu bringen. Während dieser Zeit gewann der Zigeuner, trotz seiner Verwundungen, wie der so viel Kraft, daß er entfliehen konnte. Der verletzte Wachtmeister wurde in das Garnison Spital in Marburg gebracht. Zur Festnahme des Zigeuners wurden alle benachbar ten' Gcndarmcrieposten aufgeboten. .Am 26. gelang es dem Wachtmeister Speglitsch und dem Postenführer Weifch von Windisch'Landöbcrg, den verwundeten Zigeuner in einem Wal de bei Trachcnbcrg festzunehmen und dem Kreisgerichte Cilli einzuliefern. Die begleitende Zigeunerin war aber wieder .entkommen. Der endlich verhaftete Zigeuner ist der 42jährige Gottlieb Krebs aus Blatar in Kroatien. Bei ihm wurden unter Anderem viele Goldstücke und Versatzscheine über Schmuckgegenstände vorgefunden. Eine besondere Attrart i 0 n der deutschen Abtheilung auf de? Weltausstellung in St. Louis wer den 120 Gemälde des Altmeisters deutscher Kunst. Adolf v. Wenzels bilden. Die chinesische Sprache ist nur aus 214 Wurzelwörtern abgeleitet, die zu 3000 bis 4000 in der Umgangssprache vorkommenden und zu 30.000 in den Wörterbüchern derzeichneten Worten verwandelt sind.

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