Indiana Tribüne, Volume 26, Number 305, Indianapolis, Marion County, 17 August 1903 — Page 6

Judinna Tribünc, 17. August 1903.

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Euroräischc Nachrichten.

Provinz ScHleswig-Ldolstein. A l t o n a. Der in weiteren hiesigen Kreisen und in Hamburg bekannte und sich eines besonderen Vertrauens erfreuende HausmaZler Heinr. Haß, ein geborener Altonaer. feierte sein 25jähriges Geschäftsjubiläum. Aus Furcht vor einer Operation hat sich die in der Breitestraße wohnende Friseuse Jda Dreßler mit Sublimat vergiftet. Barmstedt. Das Gewese des Landmannes Fischer brannte vollständig nieder. Auch das Inventar ist verbrannt. 2)U Entstehungsursache ist unbekannt. E d d e l a k. Das auf dem Dingerdonn belegene Gewese des Schuhmachers Joh. Wittneck wurde vom Feuer gänzlich zerstört. I tz e h o e. Lehrer Herrmannsen und Frau feierten das Fest der silbernen Hochzeit und gleichzeitig beging deren Tochter die grüne Hochzeit mit Kaufmann Bartelt. Die vielen eingegangenen Glückwünsche und sonstigen Ehrcnbeweise zeugten von der Beliebtheit. deren sich das Jubelpaar in hiesiger Stadt erfreut. Kiel. Infolge eineS HundebisseZ, der ihm vor einiger Zeit zugefügt wurde, ist der Kaufmann Krohn im Stadttheil Gaarden gestorben. Ein Hund brachte ihm eine Verletzung am Vein bei, und da Blutvergiftung hin zutrat, mußte das Bein abgenommen werden. Ertrunken beim Baden im Trachi.'nsee ist der 17jähr:ge Arbeiter Funda. S ch e n e f e I v. Hier entstand in dem Hause des Stellmachers Oesterreich Feuer. Da Wassermangel vorHanden war, so konnte die schnell zur Hülfe herbeigeeilte Feuerwehr nicht verhindern, daß die Gebäude gänzlich niederbrannten. Die Mobilien konnten fast alle gerettet werden. Die Entstehungsursache ist unbekannt. W a n d s b e ck. Das Fest der goldenen Hochzeit feierten hier Steinsctzermeister L. Meyer und Frau Auguste, geborene Lua. Beide Eheleute erfreuen sich großer Rüstigkeit. Meyer nimmt noch jetzt in seinem Geschäfte, in dem er von seinen Söhnen unterstützt wird, nicht nur rathend, sondern auch thätig theil. W i l st e r. Schlossermeister L. Wehn und Frau feierten das Fest der silbernen Hochzeit. Vrovinz Sachson. Magdeburg. Es sind nunmehr 150 Jahre verflossen, seit die Firma A. L. Stegmann, Alter Markt 10. gegründet wurde. Nach den vorgefundenen Aufzeichnungen eröffnete im Juli 1753 der Nadler und Bürgerssohn Johann Michael Stegmann im Hause Alter Markt 28 das Geschäft. Im Jahre 1797 übernahm es der Sohn Johann Jacob Stegmann und verlegte eS nach dem jetzigen Geschäftshause, Alter Markt 10. In der Lottumstraße hat sich die 29 Jahre alte Schneiderin Jda Graf aus Gram über ein schon vor drei Jahren gelöstes Ve:bältniß vergiftet; die Graf trank eine Flasche Weingeist aus. A ken. Beim Baden in der Psedeschwemme vor dem Dessauerthor ertegr wuroe. zvcn genauer cory rnteten sich die Arbeiter. Ein Arbeiter wurde am Kopfe und an den Händen durch eine Stichflamme schwer verletzt und mußte in's Krankenhaus gebracht werden. S p r i n g e. Auf Vorwerk Dahle fiel der Pferdeknecht Hermann Bähr beim Luzerne - Einfahren vom Pferde, kam unter die Räder des beladenen Wagens, welche ihm über den Leib gingen und so schwere Verletzungen beibrachten, daß er kurze Zeit darauf verstarb. Arsvinz Westkaren. M ü n st e r. Stadtdechant undPfarrer Franz Wolters ist hier gestorben. Er war geboren 1828 zu Neuenkirchen bei Nbeine. studirte zu Münster Tbeologte und empfing lböiJjDte Prienerweihe durch den Bischof Johann Georg, der ihn bald darauf zum Kaplan an der hiesigen Liebfrauenkirche ernannte. A l t e n a. Der 18 Jahre alte Sohn des Herrn Erdmann vom Buchholz hantirte mit dem geladenen Revolver. Plötzlich entlud sich die Waffe und der Unglückliche sank, durch die Kugel in's Herz getroffen, todt zu Boden. V o ch o l t. Arbeiter Johann Stink mann gerieth so unglücklich in ein mit heißem Wasser gefülltes Bassin, daß er verbrühte, bezw. ertrank, ehe man ihm Hilfe leisten konnte. Dortmund. Fraufrau v.Rynsch, die älteste der im hiesigen Stadt- und Landgebiet lebenden Personen, beging ihren hundertsten Geburtstag. Langendreer. Bergmann Hoffmann wurde, als er sich zur Nachtschicht begeben wollte, von einem Personenzuge überfahren und schrecklich verstümmelt. Hoffmann war sofort todt. L ü d e n s ch e i d. Die Metallwaarenfabrik der Firma Wittwe Leonh. Rietzl wurde durch Feuer vollständig eingeäschert. Ein großer Theil der Maschinen, sowie eine Menge fertiges und halbfertiges Material ist durch das Feuer vernichtet. O st e r w i ck. Der Raubmörder, welcher die Ehefrau des Kötters Terwey, während die Hausgenossen in der Kirche weilten, ermordete und alsdann

das 'Haus ausplünderte, wurde in Wattringen in der Person des 19jährigen Knechts Steinmetz, welcher früher bei Terwey in Dienst war, ergriffen und legte bereits imersten Verhör das Geständniß ab. Fra'i Terwey mit Ueberlegung ermordet zu haben. Der Mörder wurde nach Münster transvortirt. Provinz ss'chrcsien. B r e s l a u. Eine Radfahrerin, die Damenschneiderin Marie Krems, gerieth, als sie über die Kreuzung der Charlotten- und HohenzoLernstraße fuhr, mit einem Nade in die Schienen der städtischen Straßenbahn; kurz vor einem herankommenden Straßenbahnwagen stürzte sie und wurde so heftig von dem Motorwagen zur Seite geschleudert, daß sie blutüberströmt liegen blieb. Durch Platzen der Halsoder trat sofort der Tod ein. V u n z l a u. Als der in der Richtung nach Liegnitz abfahrende Personenzug sich dem sogenannten Birkenbüschchen näherte, sah der Lokomotivführer, wie sich ein Mann an den Zug heranmachte. Der Zugführer winkte dem Manne ab, dieser aber lief gegen den Zug, wurde von den Rädern erfaßt und zermalmt. Der Tod muß sofort eingetreten sein. In dem Ueberfahrenen wurde der etwa 50 Jahre alte Schuhmacher Weigelt von hier ermittelt. Das Motiv zur That ist unbekannt. Haynau. Der frühere Sattlermeister Franz Müller von hier feierte das 60jährige Bürgerjubiläum. L e u b u s. Bei dem Stellenbesitzer Geppert brach Feuer aus, welches Hauptgebäude mit Stall und ein Nebengebäude in kurzer Zeit völlig einäscherte. Der Besitzer konnte nur mit Mühe sich und die Seinigen in Sicherheit bringen. Liegnitz. In dem Dorfe Przonsna warfen bisher noch nicht ermittelte Personen in die Wohnung des Hauslehrers Magura, der bei der Reichstagswahl gegen den polnischen Candidaten Kowalczyk eifrig agitirt hatte, zwei Dynamitpatronen, die explodirten. Ein Theil des Haufes wurde demolirt. Die Möbel in den Zimmern sind zertrümmert. Menschen kamen glücklicherweise nicht zu Schaden. Selbstmord verübte in ihrer Schützenstraße 19 belegenen Wohnung Fräulein Therese Friedrich, die mit ihrer älteren Schwester die Wohnung theilte. Sie galt schon immer für geisteszerstört. Sie tödtete sich, indem sie sich erst mit einem Hammer ein Loch an den Kopf schlug und sich dann in der Wohnung aufhängte. N e u m a r k t. Dem Krankenhause des Vereins für innere Mission G. von Kramsta'sche Stiftung" ist von der Wittwe des Stifters. Frau von Kramsta auf Frankenthal, eine weitere Zuwendung von 50.000 Mark gemacht worden. R o h n st o ck. Der 15jährige Gustav Schön alias Kasper aus Kauder, Pflegesohn eines Stellenbesitzers, machte seinem Leben durch Erhängen in seiner Schlaskammer ein Ende. Obwohl der Junge gleich nach der That abgeschnitten wurde, war doch jeder Wiederbelebungsversuch fruchtlos. Der jugendliche Selbstmörder galt als ein ruhiger, bescheidener Mensch, der sich seit Kurzem von dem Verkehr mit seinen Genossen zurückzog und ein verstörtes Wesen zur Schau trug. S p r o t t a u. Dem Proviantamtsrendanten Ludz ist der Rothe Adlerorden vierter Klasse verliehen worden. Provinz Fosen. Vromberg. Zimmergeselle Johann Erdmann von hier hat sich in seiner Wohnung an der Thürklinke erhängt. Vorher hatte er seine Frau und seine Schwiegermutter mißhandclt und zur Stube hinausgejagt. Als die Frau zurückkehrte, war ihr Mann b-ereits todt. Brontenwiece. Auf dem hiesigen Gute ertrank beim Baden das sich dort besuchsweise aufhaltende Fräulein v. Schütz. Tochter des Rittergutsbesitzers v. Schütz in Ostpreußen. D u s ch n i k. Altsitzer Koch feierte das Fest der diamantenen Hochzeit. Es ist ihm die Ehejubiläumsmedaille verliehen worden. F a r k e n. Bahnwärter Haase aus Getau. welcker am Wabltaae bier durch Meersticyc scywec verletzt worden war, ist seinen Verletzungen erlegen. Der Erstochene war ein ruhiger, nüch terner Mann. Die Messerhelden, zwei junge Leute Namens Jäger aus Kl.Laziska und Hauk von hier, wurden verhaftet. F r a u st a d t. Maurer Ernst Dittmann von hier hat fn5 erhängt. Er hatte sich vorher betrunken, dann einen Strick gekauft und sich mit seinem Vorhaben den Trinkkumpanen gegenüber noch gebrüstet. L s p i e n n o. In dem hiesigen Se ist der 19jährige Sohn des in Oschnau vor Kurzem zugezogenen Ansiedlers Andres ertrunken. Der junge Mann holte aus einer nahe am See gelegenen Grube Kies. Er unterbrach seine Arbeit. um ein Bad zu nehmen. Ohne vorher die Tiefe des Wassers geprüft zu haben, sprang er hinein und kam nicht wieder zum Vorschein. O st r o w o. Bei dem Freistellenbesitzer Strupke in Vartnig brach Feuer aus, das sich in kurzer Zeit so ausdehnte, daß nicht nur dessen Gehöft, sondern auch noch zwei angrenzende Wirthschaften eingeäschert wurden.

Polajewo. In unserem Dorfe brannten die Scheunen nebst Stallunoen der Herren Pauly, Karger und Fröhlich vollständig nieder. ' Da die Besitzer nur sehr gering versichert warcn, ist der Schaden bedeutend. Ueber die Entstehungsursache ist nichts bekannt. Ritschenwalde. Der katholische Lehrer Weber, welcher zugleich auch Hausbesitzer ist, ließ Kalk löschen. Sein noch nicht zwei Jahre altesSöhnchen spielte auf dem Hofe. Das Kind, welches unbeaufsichtigt in der Nähe der Grube spielte, fiel in den noch kochenden Kalk. Durch das Geschrei des Kindes eilte der Vater auf den Hof. Hier bot sich ihm ein schrecklicher Anblick dar: das Kind, welches nur noch die Aermchen hoch hielt, lag in dem kochenden Kalk; trotzdem Weber es sofort herauszog, hatte es am ganzen Körper derartige Brandwunden erhalten, daß es starb. Wollstein. Altsitzer Wilhelm Kadach in Trepperbuden fuhr nach Unruhstadt, um dort Einkäufe zu besorgen. Das Gespann kam ohne Kutscher in das Gehöft des Kadach zurück. Kadach wurde in dem nahen Walde todt aufgefunden. Er ist während der Fahrt wahrscheinlich eingeschlafen, dabei vom Wagen gefallen und hat sich das Genick gebrochen.

Ein schweres Verbrechen ist. wie aus Madrid berichtet wird, bei Jerez de la Frontera verübt worden. Vor einigen Tagen brannte auf einem Landgut die Hütte eines Hirten ab. dessen Frau und beide Kinder später todt aufgefunden wurden. Da gegenwärtig in der ganzen Gemarkung mit wenigen Ausnahmen die Feldarbeiter und Hirten streiken, so glaubte man, es handle sich um einen Racheakt der Ausständigen gegen den Bewohner der Hütte, der sich dem Streik nicht angeschlossen hatte. Nun aber ermittelte die Gendarmerie, daß ein anderer Hirt, Namens Jntonio Vega, erfahren hatte, daß sein Colleqe Jose Castillo ein halbes Dutzend Ziegen verkauft und den Erlös in Höhe von 140 Pesttas in einem Schrein verschlossen habe. um das Geld in den nächsten Tagen dem in Areos wohnenden GutsHerrn zu schicken. Während nun Eastillo auf dem Felde war. drang Vega in die Hütte ein, tödtete mit einem Beil die Frau und die kleinen Kinder, bemächtigte sick der Geldsumme und steckte die Hütte in Brand in der Hoffnung, dadurch die Spuren seines Verbrechens zu verwischen. Ei n e s e l t e n e G e i st e s g e - genwart zeigte das achtjährige Töchterchen einer Berliner Wittwe. Äie Kleine vergnügte sich mit einigen Altersgenossinnen beim Ballspiel und war so sehr ins Spiel vertieft, daß sie das Herannahen eines Rollwagens übersah, auch den Zuruf der übrigen Kinder. die auseinanderstoben, überhörte. Ehe noch der Kutscher die Pferde anhalten konnte, wurde das Kind schon von diesen umgestoßen und wäre unter die Räder des schwer beladenen Wagens gekommen, wenn es sich nicht selber geholfen hätte. Ohne einen Schrei auszustoßen rollte sich die Kleine durch blitzschnelles Umdrehen nach der Mitte des Straßendammes zu und brachte sich so außer Gefahr. Der ganze Vorgang spielte sich so schnell ab, daß die Zuschauer sich noch nicht von ihrem Schrecken erhol: hattet., als die Kleine schon wieder aufsprang und ihrerMutter entgegeneilte, die aus einem in der Nähe belegenen Laden trat und ihr Kind, seines schmutzigen Aussehens wegen, mit Scheltworten empfing. Sie hatte keine Ahnung davon, welch schwerer Gefahr das Kind soeben entronnen war. Grobe Exzesse beieiner oberschlesischen Hochzeit werden au? Myslowitz gemeldet. Bei dem Restaurateur Orzcgowski in Städtsch-Janow wurde eine Hochzeitsfeier veranstaltet, die der Gendarm Mokroß zu überwachen hatte. Letzterer schritt ein, da die Arbeiter Jaroczok und Lelonek Händel anfingen. Als die Raufbolde eine sehr drohende Haltung zeigten und den Mokroß angriffen, zog dieser sein Seitengewehr und versuchte sich zukehren. Sofort sprangen mehrere Burschen auf den Beamten los, warfen ihn zu Boden, entrissen ihm Säbel und Mm und schlugen mit Stühlen und Knüppeln auf ihn ein. Mokroß blutete aus mehreren Wunden und blieb im Saale liegen. Beistehen durfte ihm niemand, da die Rasenden sofort mit Stühlen nach den Helfern warfen. Der GastWirth Orzegowski und seine Frau sind schwer verletzt. Schließlich demolirte die Bande Thüren und Fenster, zerschlug Mobiliar und Gläser. Auch Lampenkronleuchter wurden herabgeworfen. Das vergossene Petroleum fing Feuer und setzte die Trümmer in Brand. Lelonek setzte sich den Helm des Mokroß auf, schwang den Säbel und rief jetzt bin ich Gendarm!" Den Helm und Säbel trug er dann fort. Die fcon dem Krawall benachrichtige Myslowitzer Polizei entsandte mehrere Schutzleute, welchen es nach langem Suchen gelang, die inzwischen geflllchteten Exzedenten auf dem Felde, aus Wiesen, in Heuhaufen und in dem nahen Walde festzunehmen. Echt weiblich. Hast Du von dem Bankierstöchterchen auf Deinen schriftlichen Heirathsantrag bereits Antwort erhalten?" Soeben im Postscriptum nimmt sie meinen Antrag an!"

Das Ghrenftechen. Humoreske. Dcctor Backenbcißer wachte mit einem gräßlichen Schrei auf. Uhu!" brüllte er, so daß auch seine sonst so fest schlafende gewichtige Gattin sich erschreckt im massiven Eichenbette aufrichtete. Was hast du denn. Alter?" Ein fürchterlicher Traum! Ich habe mir das Ohr stechen lassen und dabei hat mir mein College Mazhofer eine Nadel direkt in's Ohr gebohrt." Das ist ja grauenhaft; wie kommst du denn zu diesem Traume?" Du weißt doch, daß Doctor Maxhofer seit drei Tagen krank ist und ich ihn vertreten muß. So habe ich auch die Nachbehandlung bei zwei Wöchnerinncn. Die eine hat ein Mädel, der soll ich heute die Ohren stechen." Das ist doch deine Pflicht " Meine Pflicht als Arzt, alle Launen meiner Patienten zu erfüllen ja wohl. Aber innerlich wurmt es mich und kränkt es mich wie c'ne Schmach, die mir angethan wird. Was soll nur alle unsere Cultur und unser Fortschritt, wenn wir noch bis über die Obren tief in der Barbarei stecken? :cas Ohrgeyanglrcrgen tjt cmcy o ein Rest, der sich aus der Zeit der wilden Naturvölker in die Cultur eingeschlichen hat. Nasenringe. Mundringe, Tätowirungen, alles im Grunde dasselbe wie die Ohrgehänge: Schmuck des Körpers, um den Mann anzulocken. Wie manche Thierweibchen um die Brunstzeit leuchtende Farben anlegen, um im Kampfe um die Liebe des Männchens Sieger zu bleiben, so schmücken sich die meisten Frauen mit Brillanten, Voutons etc." Ich glaube, du übertreibst. Es ist nicht so arg." Nicht so arg "nein, noch ärger. Gestern habe ich ein interessantes Buch über Paris gelesen. Der Name ist mir entfallen. Weißt du, was jetzt dort Mode allgemeine Mode wird?" Nein, woher soll ich das wissen?" So höre und staune. Die Damen lassen sich die gewisse Stelle, die dem Säugling alles bedeutet, durchbohren und tragen dort Ringe Ringe, die sich unter dünnen seidenen Blusen discret durchsehen lassen. Eine neue Quelle der sinnlichen Reize! Und wenn Paris befiehlt, muß Europa gehorchen in der Mode wenigstens." Das wird eine anständige Frau nie machen. Das sind nur DemimondeModen". Demimonde-Moden! Du bist kindisch. Was weißt du, einfaches Vürgerskind vom Lande, von den Moden? Jede Mode ist eigentlich DemimondeMode. Die Damen der Halbwelt diktiren, sie geben den Ton an, sie eröffnen den Reigen und die anderen, Adel und Geldsack, tanzen nach. War der Cul de Paris" keine DemimondeMode? Ich sage dir, die Busenringe werden bald so allgemein werden wie die Ohrgehänge. Und ich muß einem wehrlosen Kinde die Ohren stechen! Es ist empörend!" Es ist doch ein ungefährlicher Eingriff?" Ungefährlich? Da täuscht du dich. Nicht der kleinste Stich ist ungefährlich, weil er die Eingangspforte einer schweren Infektion werden kann. Häufig genug war das Ohrenstechen die Urfache eines Rothlaufes, dem das arme Kind zum Opfer gefallen ist. Deshalb ist es vernünftig wenn man schon bei so einem Unsinn von Vcrnunft reden kann , daß die Eltern diese Stecherei von einem Arzte besorgen lassen. Früher hat man sich das vom Goldschmiede machen lassen, der ein und dasselbe Instrument an unzähligen Kindern hintereinander gebraucht hat, ohne es zu desinfiziren." ' So viel weiß heut' jeder Mensch, daß man ein Instrument desinfiziren muß." Na jeder Mensch das ist sehr übertrieben. Ich könnte dir ein schönes Sündenregister von öffentlichen Toilcttekämmen und Bürsten. Gabeln und Messern, Trinkgläsern und so weiter vorhalten. Zum Glücke für die Menschheit sind Infektionen verhältnißmäßig sehr selten. JnfektionsMöglichkeiten jedoch sind unzählige." Damit beendete Doctor Backenbeißer seinen täglichen Morgensermon. Dieses friedliche Morgengespräch war ihm ebenso Bedürfniß wie eine kriegerische Abendunterhaltung, bei der er seiner Frau all' die Widerwärtigkeiten seines Kleinkrieges mit seinen Patienten mittheilte. Er war eine Kraftnatur, die sich gern in großen Ausdrücken und Uebertreibungen gefiel und dem es auf einen kräftigen Fluch mehr oder wemger nicht ankam. Von seinem akademischen Lehrer hatte er vernommen, es gäbe zwei Wege, um ein berühmter Mann zu werden: man müsse entweder sehr liebenswürdig oder außerordentlich grob sein. Der Mittelweg führe zu den Mittelmäßigen. Das hatte er sich hinter die Ohren geschrieben. Die Liebenswürdigkeit jedoch lag ihm gar nicht und so entschloß er sich zum dornenvollen Pfade der göttlichen Grobheit. Dornenvoll, weil er für unsere Zeit der schwierigere und gefährlichere ist. Die große Ueberfülle an Aerzten hatte einen solchen Ueberfluß an liebenswürdigen Jüngern Aeskulaps gezeitigt, daß die Grobheit nur geduldet wurde, wenn sie sich mit einem Hofrathstitel oder mit einem schwindlerischen Mäntelchen schmücken konnte. Zu beiden Zierathen war Wocior Backenbeißer nicht geboren.

)esyalv macyle er m:t lemer irooheit schlechte Erfahrungen und schien schon für die Großstadt verloren zu sein, als sich seinem sinnenden Geiste ein neuer Ausweg zeigte. Er wurde ein schweigsamer Arzt. Er redete kaum die notbwendiatten Worte, und siehe da diese Eigenschaft verschaffte ihm eine große Praxis, da man hinter seiner Schweigsamkeit ein großes Wissen, hinter seinen knappen Anordnungen eine rettende Maßregel vermuthete. Wenn ihm ein Patient vorjammerte und ihm fein Leiden klagte, schüttelte er sein Haupt und sagte nichts als Aha!" Dieses Aha!" war sein Vademecum, sein Zauberwort, das ihm die Herzen seiner Kranken gewann. Die Patienten lieben im allgemeinen einen schwatzhaften Arzt nicht. Sie hören hie und' da ein Wort heraus, das sie ängstlich macht, weil sie es nicht verstehen und daran ungeheuere Vorstellungen knüpfen. Was fehlt meinem Kinde?" fragt die ängstliche Mutter. Der gewissenhafte Arzt, der noch keine Diaanose stellen konnte, sagt etwas von abgeschwächtem Athem" und dumpfem Perkussionsschall", Worte, die der ,cyreayasten Mutter das snn germnen machen. Er könne noch leine Diagnose stellen. Morgen wolle er schon sehen u. s. w. Dr. Backenbeißer war in so!chen Fällen in großem Vortheile. Auf die Klagen der Mutter entgegnete er sein Aha!" und auf die Fragen nach der Diagnose sagte er kurz: Das ist meine Sache." Mußte er so den ganzen Tag dcn Schweigsamen spielen, so öffnete er des Morgens und Abends bei seiner Frau alle Schleusen seiner Beredsamkeit und ließ seinen Tag nochmals Revue passiren, wobei er alle Grobheiten und Flüche, die er bei seinen Patienten unterdrücken mußte, zum besten gab. Heute hatte er einen schweren Tag; außer seinen eigenen Visiten sollte er noch acht Besuche für seinen (Jollegen Maxhofer bewältigen, darunter die ihm so widerwärtige Procedur des Ohrenstechens. Im Laufe des Vormittags traf er pünktlich bei einer der Wöchnerinnen ein, bei der er seinen Collegen vertreten sollte. Die ängstliche Dame, verwöhnt durch die Liebenswürdigkeit ihres Arztes, zitterte jedesmal, wenn der vierschrötige, einsilbige Dr. Backenbeißer erschien, sie kannte ihn noch aus der Zeit seiner Grobheitsperiode her und war jedesmal froh, wenn der unHeimliche Doctor schon draußen war. Diesmal hatte sie ihm einige Beschwerden zu klagen. Herr Doctor, ich habe diese Nacht nicht eine Stunde geschlafen." Aha...!" Ich habe auch gar keinen Appetit, ist das nicht besorgnißerrcgend?

Manchmal klopft mx das Herz." ' Aha . . Hie und da fühle ich einen Stich in der linken Schulter." Aha." Schweigend zog der Arzt sem Re ceptbuch aus der Tasche, schrieb etwas nieder und gab den Zettel der ängstlichen Dame. Jede Stunde einen Eßlöffel." Dann stand er auf und ließ sich von der Amme das Kind in das andere Zimmer tragen. Die Thür sperrte er hinter sich zu und zog ein kleines Etui aus der Tasche, in dem sich eine in sterile Gaze verpackte Nadel befand. Was macht er drin?" fragte die besorgte Mutter die Amme. Ich weiß nicht, untersuchen wird er's halt." Beide lauschten gespannt, als sie plötzlich das Kind jämmerlich schreien hörten. Gehen Sie hinein," sagte die junge Frau. I trau mi net zu dem Grobian . ." Das Geschrei des Kindes ließ für einige Sekunden nach, bis es plötzlich wieder viel jämmerlicher als vorher zu heulen anfing. Diesmal zwang die geängstigteMutter die Amme dazu, sich in die Höhle des Löwen zu begeben, da sie Anstalten machte, selbst aus dem Bette zu springen, um ihr gequältes Kind aus den Klauen Dr. Backenbeißers zu retten. In diesem Moment trat der Arzt mit dem Kinde ein und gab es der vor Schreck erstarrten Amme. Auch die Wöchnerin schrie plötzlich furchtbar auf. Das Polster war blutig gefärbt und durch beide Ohren zog sich ein blutiger Faden. Wozu haben Sie das gemacht? Was fehlt meinem Kinde sagen Sie mir alles, die reine Wahrheit." Dr. Backenbeißer machte eine Sekünde lang ein erzürntes Gesicht; dann beherrschte er sich und sagte: Was soll ihm denn fehlen? Die Ohren habe ich ihm gestochen." Wozu denn? Wozu braucht denn mein Knabe gestochene Ohren? Wer hat Sie denn darum ersucht?" Dr. Backenbeißer sah plötzlich den unheimlichen Vorfall in aller Klarheit. Er hatte die Kinder verwechselt. Plötzlich fand er seine für die Patienten verloren nennnnent Rer?ksnnif,Zs r?s nnci ycicnm 4.uciuuuuciC$jUNg erklärte er der untröstlichen Mutter, daß es jetzt in den feinsten Häusern Sitte sei, den Knaben die Ohren zu stechen, daß Prinzen dieser Procedur unterzogen werven und daß das Ohrenstechen der Knaben eine durch tau sendjährige Ueberlieferung geheiligte Tradition geworden sei. Seiner Frau jedoch erzählte er d i es e n Vorfall nicht.