Indiana Tribüne, Volume 26, Number 297, Indianapolis, Marion County, 7 August 1903 — Page 6

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Europäische Nachrichten.

Hldenvurg. Oldenburg. Wegen führlässiger Tödtung ist vom Landgerichte in Oldenburg die Dienstmagd Anna Roben zu 9 Monaten Gefängniß verurtheilt worden, weil sie verschuldet haben soll, daß ihr uneheliches Kind gleich nach der Geburt erstickt ist. B i r k e n f e l d. Amtseinnehmer Fillmann hier ist plötzlich verschieden. Dem Oberlehrer Weber in Birkenfeld ist die erbetene Entlassung aus dem Staatsdienste bewilligt worden. Hohenkirchen. Es wurde in hiesiger Kirche das Kreisfest des Gu stav Adolf-V:reins gefeiert. Die predigt hatte Superintendent Jahns in Wilhelmshaven übernommen. 5 o r u m e r s i e l. Das zu Mm ser - Oster - Altendeich belegene Landernt der Erben der Wittwe des KaufmannsH. F. Süßmilch wurde für 80.000 Mark an den Landwirty Tiaden zu Warfen verkauft. "S ch n a p p e. Drei Kinder der Arbeiterfamilie EverZ. (ein ZwlllmgvPaar von 15 Jahren und Mädchen von 2 Jahren) , spieUen in Abwesenheit der'Eltern mitStreichhölzern und stecktcn bei dieser Gelegenheit den Schwernestall in Brand. Alle drei Kmder trugen so schwere Brandwunden am qanzenKörper davon, daß sie im Kran kenhause zu Brake ihren Verletzungen erlagen. . . Sengwarden. Eine neuniahrlqe Tochter der Wittwe Fr. Janßen wurde von einem Mühlenflügel getroffen und wäre fast erschlagen. Z?rcie Städte. Hamburg. Nach vorgelegter ApProbation ist Dr. med. et chir. Albert Wilhelm Sophus Henneberg rn die Matrikel der hiesigen Aerzte aufgenommen worden. Ertrunken ist der Maschinist Pott des Alsterdampfers Schwalbe", der spät bei der v. Essenstraße über Bord fiel und nur als Leiche aus dem Wasser gezogen werden konnte. obgleich sofort Hilfe zur Stelle war. Ihr 25jähriges Bestehen feierte die Freiwillige Feuerwehr in Altengramme. An den Festlichkeiten nahmen außer 15 Wehren der Umgegend auch eine Deputation der hiesigen Feuerwehr unter Führung des Branddirector Westphalen theil. Aus Verzweiflung über die von seiner Frau gegen ihn ein gereichte Ehescheidungsklage hat sich der in der Schwabenstraße wohnende Beerdigungsübernehmer Schall durch Revolverschüsse getödtet. - Sein 2o Zähriges Jubiläum als Vorsteher de Postamts 27, Vierländerstraße, beging Oberpostassistent H. A. Arnold Riechmann. .... , . Bremen. Den Kapitänen beim Norddeutschen Lloyd Ernst Werner, Adolf Koenemann. Heinrich Prager. Albert Harrassowitz zu Bremcrhaven und Lorenz Madsen zu Hamburg, dem ersten Officier des Dampfers ..Neckar des Norddeutschen Lloyd Adolf SW ling zu Bremenhaven ist , der Kronenorden vierter Klasse verliehen worden. Im Alter von 81 Jahrm ist der alr; wwoft-mo htr ftirma Girl Schunemann, Friedrich Nietebock, gestorben. 33 Jahre lar.g. davon 27 Jahre als T,..4oir,UnY finl pt der ??irma JÜIUUIIHIUHV, - w treu Dienste geleistet. Richter Mohr, ..... . vrr i m : ; der Zangiaorige icepraiioeni uei m qerschas't und ein hervorragender Jurist, ist hier. 63 Jahre alt. gestorben. ScywelZ. Bern. Bei der Einweihung des NnZn?i-m?itsaekäudes bier. wur de Professor Van Thiel in Amersfcort ,, sffcronhnftnr der altkatboliscken. Uill f v. - - I i Professor Mühlbacher in Wien zum 71 . V . i .!:i!fx m-CT.,. Eyrenoollor oer juriinieu, mi1 Karl Stoos in Wien zum Ehrendokl s itnS m?ii?l 9sss XÜt UCt lllfcUlUUlUlV Ull jjuw.v. f,ri in mi'mrfi?n ZUM l5brendoktor V 4 V U-y V V V V vy (J I der Veterinär - medizinischen Fakultät ernannt. Der protestantische Pfarrer Pofmann von Albigen ist an der Kaiseregg abgestürzt. Hilsskaravanen . ' ... t r . 1.5 m o haben die iiciaje am Mve oes erges gefunden. Das hiesige Schwurgericht hat den Naturheilarzt August Emil Ritschler aus Sachsen wegen Nothzucht, begangen an Patientinnen, und wegen unsittlicher Handlungen, begangen an seinem eigenen Kinde, zu vier Jahren Zuchthaus verurtheilt. Aesch - Neftenbach. Das große Anwesen des Hans Krebser brannte vollständig nieder. Basel. Sein 25jähriges Jubiläum als Redakteur der National-Zei-tung beging unter großer Theilnahme der Eollegen Fritz Amstein hierselbst. Regierungsrath Oberst Wilhelm Bischoff blickte auf eine 25jährige Amtsthätigkeit als Mitglied des Regierungsrathes zurück. Neüenburg. Der Große Rath wählte zu seinem Präsidenten den Radikalen Henri Ealame, zum ersten Vicepräsidenten den Radikalen Albin Perrei und zum zweiten Vicepräsidenten den Liberalconservativen Einest Guyot. M e i r i n g e n. Im Alter von 87 Jahren starb hier Melchior Anderegg, welcher mit seiner ihn überlebenden Gattin 64 Jahre verheirathet war. Er hinterläßt 7 Kinder, 40 Enkel und 11 Urenkel. S t. G a l l e n. Im Sensationsprozesse gegen den ehemaligen Leiter der hiesigen Filiale von Gebr. Shoninger, New Jork, Johannes Frey, der der fortgesetzten Unterschlagung und des Betruges beschuldigt war. wurde das

Urtheil gefällt. Die Anklage bezifferte

das Gesammtdelikt auf 138.289 Fr. Das Kantongericht hierselbst hat nach längeren Verhandlungen den Anklag ten zu 3 Jahren 10 Monaten ZuchtHaus, wovon 10 Monate theils unverschuldete? Untersuchungshaft abgehen, und in die Kosten verurtheilt. S ch w a r z e n b u r g. In der Sv:tzcrn hat Adolf Binggelt seine Frau er schlagen und sich dann selbst beim Landjäger zur Haft gemeldet. Zürich. Der Kaiser von Oesterreich hat den Sängerverein Harmonie" hierselbst, der im April dieses Jahres in Wien concertirt hat, die mit Allerh'öchstseinem Bildnisse und Allerhöchitseinem Wahlspruche gezierte große goldene Medaille verliehen. An der Geßnerallee wurde das etwa dreijährige Kind der Frau Wittwe Wolfer von einem Hotelomnibus überfahren und so schwer verletzt, daß es bald nachher starb. Jan Kubclikö Doppelgänger. Unter den Fenstern der Frau d:5 Brandmeisters Skarlato in Odessa erklangen unlängst, so schreibt man von dort, gar süße Melodien, die von unbekannter Hand einer Geige entlockt wurden; eine Harmonika begleitete. Nicht allein Donna Skarlato, sondern auch alle übrigen Mitbewohner des Hauses erschienen plötzlich an ihren Fenstern, um dem selten schönen Genuß zu lauschcn. Frau Skarlato ließ nach Schluß des seltenen Ohrenschmauses die beiden Straßenmusikanten zu sich Bitten. Als sie den Violinspieler erduckte, versicherte sie ihrem Mann, daß eö Kubelik, kein anderer als Kubelik fei, den sie persönlich gesehen habe. Es war nun zwar mcht Kubelik, sondern Franz Wister aus Prag, der Nachfolfolger Sarasates", wie ihn eine Anzahl von Recensionen, die er bei sich führte, bezeichnete. Seine Aehnlichkeit mit Jan Kubelik ist thatsächlich eine frappante, und sie sollte sein Unglück werden. - Ein Impresario Namens Jassinski hatte Wister in Prag gehört und war so entzückt von seinem Spiel, daß er ihn unter äußerst vortheilhaften Be dingungen zu einer Tournee durch Rußland einlud. In Begleitung seines Vaters reiste der Böhme ab und zwar zunächst nach Kamenetz - Podolsk. Dort hatte bereits der rührige Impresario Alles vorbereitet, um eln? recht gute Einnahme zu erzielen; er hatte auf die Aehnlichkeit Wister's mit seinem berühmten College Kubelik spekulirt und auf die Zettel ohne Besinnen drucken lassen: Concert des bcrühmten Jan Kubelik." Seine Idee war klingend belohnt worden, man riß sich UM die Plätze. Als aber Wister die Ankündigung gelesen hatte, weigerte er sich, auf die Fälschung einzugehen. Es kam zu Lärmscenen im Concertlocal, und das Eintrittsgeld mußte den Besuchern zurückerstattet werden. Da nun jedes Concertbillet in Rußland einer Vergnügungssteuer unterworfen ist und mit einer zehn Kopekenmarke beklebt fein muß, so ergab sich die groß: Frage, wer nun 40 Rubel für die unnütz verklebten Marken zahlen solle. Wister - Kubelik griff in die Tasche und zahlte anstandslos. Mit seinem Impresario hatte er es trotzdem für immer verschüttet. Der wollte nichts mehr von ihm wissen. Um die Börse des Violinspielers war es aber recht knapp bestellt, nur noch zehnRubel waren geblieben. Mit diesen beschloß der junge Künstler nach Odessa zu einem Landsmann zu reisen, der ihm die Rückreise nach Prag sicherlich ermöglichen würde. Leider jedoch war der Herr nicht mehr am Leben, und so blieb Jan Kubelik's Ebenbild nichts Anderes übrig, als einige Tage unter die Straßmmusikanten zu gehen. Der erste Tag verlief nicht sehr verheißungsvoll elf Kopeken war das Resultat. Hoffentlich hat sich das Feh. lende inzwischen eingefunden, sonst dürften die Hofconcerte doch noch recht lange dauern, ehe die Rückreise nach dem geliebten Böhmen erfolgen könnte. Ttc Jcitungö'Enke. Für eine durch eine Zeitung verbreitete, durch eine Reihe von Blättern gleichsam fortschwimmende und in der Presse anderer Gegenden und Länder wieder auftauchende unrichtige Nachricht oder offenbar unzutreffende Erzählung gebraucht man seit langer Zeit allgemein den Ausdruck ..Ente". Der gewandte, behende Vogel hat den Ruf der Lügenhaftigkeit seit Jahrhunderten durch sein unaufhörliches Geschnatter und Gegacke sich zugezogen; man gebraucht seinen Namen, will man nicht derb sein, anstatt des Wortes Lüge, und milderte auch dieses noch seit dem 16. Jahrhundert durch den Zusatz blau" unbestimmt, fabelhaft, den wir in Verbindung mit Dunst" in gleicher Bedeutung noch heute finden. Daß auch den Zeitungen des 17. und .18. Jahrhunderts, die bei den wenigen Zufuhrquellen mtU stens an Stoffmangel litten, häufig eine Ente zuschwamm, die, da sie einer näheren Prüfung nicht unterworfen worden war, eine Woche später als blau" sich erwies, kann nicht Wund?c nehmen, das Publikum war an solche Sachen schließlich gewöhnt und lachte. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts war der Vogel selbst der Held mancher Erzählung, und seit dieser Zeit ist die Zeitungs - Ente" eine besondere Art.

Wir erinnern nur an die bekannte Münchhausiade. die fast gleichzeitig (zwischen 1775 und 1785) auch in Frankreich als Canard", nur in einer etwas abweichenden, derberen Wiedergäbe das Publikum ergötzte. Die BeZeichnung hat sich bis heute in Frankreich erhalten. Das stärkste Stück aber liefert de? Brüsseler Schriftsteller Norbert Cornelissen. der die unterschämte Dreistigseit, mit welcher erfundene Nachrichten über die Operationen und Schlachten Napoleons I. in den Zeitungen wieder gegeben wurden, in derbem Humor geißelte. Er brachte im Feuilleton folgende Erzählung: Um die Gefräßigkeit der Enten festzustellen, wurde folgendes Experiment gemacht: :nan nahm von 20 derselben eine und zerhackte sie in kleine Stücke, welche man den übrigen Enten zum Futter gab. Dies wurde fortgesetzt, bis nur noch eine Ente war, die dann gut gemästet zur Tafel kam." Die Erzählung, die gegen die langen Kriegsberichte einmal eine Abwechslung bot, wurde zu jener Zeit von fast allen Zeitungen wiedergegeben In Europa fast vergessen, tauchte sie 20 Jahre später in Amerika auf; um sie glaubhafter zu machen, wurde die Geschichte von Augenzeugen bestätigt und mit einem beglaubigten Sektions - Atteste ausgeschmückt. So schwamm sie denn ein Zeit lang im Auslande auf dem Zeitungswasser. Eine nicht üble Aeußerung des Abgeordneten Stöcker möge noch erwähnt fein, die er in einer Sitzung im September 1885 that: In den letzten Tagen ist in der . . . e. .Presse eine Ente aufgeflogen, die man beinahe eine Gans nennen könnte." Bei der Lebenszähigkeit des Entengeschlechts wird auch an ein Aussterben der Zeitungs - Enten" vorerst wohl nicht zu denken sein. Ein Polizcikniss. Zu den vielen männlichen Automobilsahrern, die die gesammte Mitwelt zerschmettern möchten, sind in Paris jetzt noch Kraftwagen lenkende Damcn hinzugekommen, die noch rücksichtsloser gegen ihre Nebenmenschen loswüthen, sintemal sie zwar fahren, aber nicht fahren können. Eine Anekdote, die ein

bekannter Akademiker jungst in einem Salon erzählte, könnte den Chauffeuses" vielleicht zur Warnung dienen. UnterLudwig XV. kamen inFrankreich die Kabriolets in Mode und der gute Ton erforderte, daß jede Dame der Gcsellschaft ihren Wagen persönlich lenkte. Dadurch entstand im Straßenverkehr eine ungeheuere Confusion und nie wa: die Zahl der durch Wagen verursachten Unglücksfälle so groß wie damals. Das machte den König sehr besorgt und cr ließ seinen treuen Rathgeber d'Argenson rufen. D'Argenfon, das muß an ders werden, sagte er, wir müssen für die Sicherheit der Passanten sorgen." Sehr gern, Majestät!" erwi derte d'Argenson. Ich glaube sogar bewirken zu können, daß die Unsicherheit bald ganz verschwindet." Du hast freie Hand," sagte der König. Am nächsten Tage erschien einPolizeibesehI, der jüngeren Frauen" untersagte, ihre Kabriolets selbst zu lenken; nur einer vorsichtigen und reifen Frau hieß es könne man einen Wagen ruhig anvertrauen und die Reife komme erst mit dem dreißigsten Lebensjahre. Tags darauf gab es in Paris nur noch jüngere Frauen" und keine einzige Wagenlenkerin! Die Frau von 30 Jahren" war plötzlich von der Bildfläche verschwunden. Ob ein solcher PoUzettnksf auch heute noch verfangen würde? Man müßte vielleicht nur, da heutzutage die fernnie ile tivnte ans in besondern Schätzung steht, die ..Reifegrenze" etwa auf 40 Jahre hinaufrücken. Vielbeschäftigt. Ein unlängst in dem preußischen Städtchen Wahrenbrück bei Meiseburg verstorbener Herr vereinigte in sich folgendeAemter: Stadtkämmerer, Kirchenrendant, Gemeindekirchenrathsmitglied, Feuerabschätzungscommissär, Brandmeister der städtischen Feuerwehr, Schiedsrichter, Kreisdeputirter. Deichhauptmann der Schwarzen Elster, Mobiliar - Versicherungscommissar, vereidigter Taxator. Major de: Schützengilde und erstes Mitglied deZ Kantorei- und Gesangvereins. . . Um vielbeschäftigt zu sein, brauet man also nicht einmal in einer Großstadt zu leben. - Kal'bslunge in Saizce. Sechs Personen. Anderthalb Stunden. Eine sauber abgewaschene Kalbslunge wird in Salzwasser gar gekocht und in Streifen geschnitten (nicht gehackt, wie zu Haschee). In einer Kasserolle läßt man ein Stückchen Butter zergehen, röstet einen bis zwei Löffel Mehl zu heller Farbe, fügt etwas gehackte Petersilie und Zwiebel dazu, sowie Salz, Pfeffer, etwas feingeschnittene Citroncnschale. den Saft einer kle:nen Citrone und einen bis zwei Löffel Sahne, gibt die Lungenstreifen hinein, läßt sie gut durchkochen, schmeckt ab. würzt mit sechs Tropfen Maggis Würze und reicht das Gericht mit Schmor- oder Salzkartoffeln zu Tisch. Im laufenden Sommer beläuft sich die Anzahl der an den sämmtlichen deutschen Universitäten immatrikulirten Studirenden auf 37.813, gegen 36.652 im vorigen Winter und 36.890 im Sommer 1902.

Südamerikas Eutmicklung. Wirtschaftliche Zustände und Außenhandel des Kontinents.

Snerzige AuSschleekungSpolitik Sevölke, tuntf unv LZoScnverhältnisse Tropenpro dukte und Industrie Argeutiniens Häute und WoUereichthum. Die wirthschaftliche Erschließung Südamerikas, so schreibt der Nauticus," bildet eines der größten KulturProblemen für die heutige Menschheit. Vor 400 Jahren entdeckt und kolonisirt, hat sich Südamerika dennoch äußerst langsam entwickelt, ist als Kolonisationsgeöiet weit von Nordamerika überholt worden, trotzdem dieses die ersten 100 bis 150 Jahre nach der Entdeckung so gut wie unbeachtet geblieben war. Es ist aber durchaus nicht die Gunst des Klimas oder des Bodens, die im 19. Jahrhundert die schnelle Kolonisation Nordamerikas zuwege gebracht hat, vielmehr ist die Hauptursache in der politischen EntWicklung zu suchen. Die engherzige Ausschließungspolitik der Spanier und Portugiesen anderen Nationen gegenüber erhielt Südamerika eine lange Zeit hindurch rn völligem wirthschaftlichem Stillstand; man wollte nicht einmal Ackerbaukolonien anlegen, vielmehr ein Herrenvolk bilden, dessen Aufgabe es war, eine minderwerthige Nasse zu beherrschen und auszubeuten. Heute liegen die Dinge so, daß Südamerika bei der doppelten Ausdehnung von Europa und ungefähr demselben Prozentsatz kulturfähigen Bodens kaum ein Zehntel der Bevölkerung Europas besitzt. Auch Nordamerika gegenüber ist die Besiedelung, wenn man blos den anbaufähigen Boden betrachtet, mindestens fünfmal so dünn. Nordamerika ist zwar der Gesammtfläche nach etwas größer als Südamerika, jedoch höchstens S anbaufähig, indem Kanada zu neun Zehntel nördlich von der Ackerbauzone gelegen ist und über die Hälfte der Union aus öden Felsengebieten und Wüsteneien besteht. Südamerika dagegen ist, abgesehen von der Andenkette, Patagonien und dem westlichen Thet! von Argentinien, durchweg anbaufähig und hat minde stens 75 Prozent kulturfähigen Bodens. In Südamerika ist für die europäische Rasse, besonders für die wirthschaftlich tüchtigeren Nationen, noch heute ein Arbeitsfeld vorhanden, wie sonst nirgends mehr auf der Erde, und dies um so mehr, als Z bis Z der Bevölkerung Südamerikas wirthschaftlich untüchtig sind. Zwar sind nach unseren gegenwärtigen Kenntnissen die eigentlichen Tropengebiete für den Europäer verbotene Gefilde, wenigstens was die Anlage von Ackerbaukolonien anlangt. Indessen ist doch auch der außertropische Theil Südamerikas von gewaltiger Ausdehnung und bietet mehr Kulturflächen als Vorderasien oder Nordafrika. Auch haben die südamerikanischen Staaten durch die Einführunc hoher Schutzzölle den Weg der industriellen Entwicklung beschritten, indessen fehlen gerade für die wichtigste Industrie, die Eisenindustrie, in Südamerika die natürlichen Vedingirngen. Nennenswerthe Eisenerz- und Kohlenlager sind nicht vorhanden. Die eigentliche Kohlenformation ist in Südamerika überhaupt nicht vertreten'; was da ist. ist minderwerthige Kohle jüngerer Formationen. Hier dürste also für die Zukunft ein dauernder Austausch von Ackerbauprodukten gegen IndustrieErzeugnisse gesichert sein; oies zum Theil allerdings auch aus dem Grunde, weil der größte Theil von Südamerika gar keine europäischen Getreide-Arten hervorbringt, sondern in Betracht kommt für die Erzeugung von hochwichtigen, viel begehrten Tropenprodukten. wie Kaffee. Kakao, Tabak, Vanille, ferner Droguen und Futtermitteln. Nordamerika gegenüber bietet übrigens selbst Argentinien den Vortheil, daß es in weit höherem Grade Rohstoff-Erzeuger für die europäische Industrie ist. indem es sich zum wichtigsten Häute- und Wollelicferanten aufgeschwungen hat. Deutschlands Waarenumsatz mit Nordamerika beträgt gegenwärtig allerdings noch das Doppelte im Vergleich zu dem mit Südamerika. Dies dürfte sich aber bereits in den nächsten Jahrzehnten ändern. Südamerika muß noch für eine- geraume Zeit fremdes Kapital aufnehmen, während Nordamerika angefangen hat, seine Schulden abzuzahlen. Die Entwickelung des Außenhandels Südamerikas erhellt aus den folgenden Ziffern: Deutschland importirte im Jahre 1890 aus Südamerika Waaren im Werthe von 300,100.000 Mark. Frankreich für 334,000.000. England für 268.300.000, die Ver. Staaten für 355.300.000 Mark. Für das Jahr 1901 ergab sich für Deutschland ein Import von 468,500.000 Mark, für Frankreich ein solcher von 352,300.000, für England ein solcher von 505.600.000, für die Union ein folcher von 437,100,000 Mark. Nach Südamerika ausgeführt wurden von Deutschland im Jahre 1890 Waaren zum Betrage von 139,100.000 Mark. 1901 für 162,900,000 Mark; von Frankreich 1891 fär 236.600.000 Mark, 1901 für 103L00.000 Mark; von England 1890 für 51700,000 Mark. 1901 für 389,000,000 Mark; von den Ver. Staaten 1890 für 147,800,000 Mark, 1901 für 174.700.000 Mark.

GksüUsmas!tger Leirel. Die St. Peterburger Ztg." berich. iet über einen eigenartigen Geschäftsbetrieb. Auf den Straßen und in den Häusern der Residenz tauchten oft Knaben oder Jünglinge von südländischem Typus auf. die mit Stöhnen und mitleidhoischenden Gebärden um Almosen bettelten uns dabei andeuteten. daß sie stumm seien. Mitleidige Menschen gewährten ihnen Almosen und bemerkten dabei, daß sie verschiedene Gebrechen hatten, meist aber, daß ihnen die Zunge abgeschnitten erschien, wie ein Blick in den geöffneten Mund zeigte. Oft waren die Bettelknaben von anderen Personen mit südländischem Typus begleitet, die in gebrochenem Russisch erklärten, daßdie Unglücklichen Bulgaren seien, die vor den türkischen Greueln aus Mazedonien flüchteten, daß ihnen die grausamen Türken die Zunge abgeschnitten und sie sonstwie verstümmelt hätt:n. Auf diese Bettler wurde die Geheimvolizc: aufmerksam und stellte fest, daß 'es griechische Unterthanen seien, die auf Grund gefälschter Pässe nach St. Petersburg gekommen waren. Eine vom Beamten N. S. Wlasskow geführte Untersuchung ergab, daß zwölf Griechen mehrere Knaben aus Griechenland nach St. Petersburg gebracht und hier eine Art Bettlergenossenschaft gegründet hatten. Alle Bettlerwirthe. die in verschiedenen Stadttheilen wohnten, hatten einen Lehrer", den Dimitri Saragonidas (nach dem gefälschten Paß ..Nikolai Sarandi"). der im Hause No. 59 an der 8. Roshdestwenskaja wohnte und die Knaben lehrte, wie sie sich anzustellen hätten, wie sie die Zunge so stark krümmen konnten, daß sie selbst bei genauer Besichtigung wie abgeschnitten erschien, wie sie ihre linke Hand einzubiegen hätten, daß sie wie verstümmelt aussehe u. s. w.; in vielen Fällen ätzten sie die Hände der Knaben mit Schwefelsäure und erzielten dadurch Wunden. Der Lehrer" Saraqonidas yielt selbst drei Bettelknaben, von denen zwei gefälschte Pässe hatten. Die Knaben erzählten, daß Saragonidas sie aus ihrer Heimath unter dem Vorwande, sie sollten Schivämme verkaufen, gebracht habe, sie aber in St. Petersburg zwang, auf Bettelei auszugehen, wofür er Jedem 25 50 Drachmen monatlich (eine Drachme gleich 20 Cents) versprach. Der Compagnon" des Saragonidas, Iwan Branis, hielt einen Bettelknaben, Dimitri Ripas, der seinemPatron für eine Entlohnung von 27 Drachmen monatlich Almosen einsammelte. Auch sein Paß ist gefälscht. Die Verhafteten Saragonidas und Branis gestanden, daß sie sich mit Bettelei beschäftigten und zu diesem Zwecke Knaben hielten. Bisher hat man drei griechische Bettlerwirthe verhaftet und 25 Knaben, die bei ihnen angestellt waren. Es stellt sich heraus, daß in St. Petersburg 12 solcher Wirthe wohnen, von denen die meisten jetzt eilig nach Riga gefloben sind. Die weitere Untersuchung stellte fest, daß in dem griechischen Flecken Arachowa (Eparchie Naupaktos) die Bewohner sich mit Bettelei beschäftigen, und die meisten von ihnen zur Bettelei in die weite Welt ziehen. Die falschen Pässe werden den Bettlern vom Bürgermeisters des Fleckens, Athanasios Susumanos. seinem Gehülfen Georgios Lwpanis und dem Schreiber Dimitri Kois auf einen beliebigen Namen ausgefertigt, wobei keine Taufscheine vorzuweisen sind; es ist nur eine Zahlung von 5 bis 8 Drachmen zu cntricbten. wobei den Ausstellern der Päss: wobl bekannt ist. zu welchem Zwecke di: Passe benützt werden. Ein Menschcnlcvett für eine Mark. Ein Bruderzwist mit tödtlichem AusZange führte den Steinträger Hermann Gutta aus Spandau vor fc Schwurgericht am Langericht II. Er hat seinen eigenen Bruder erstochen. Der Angeklagte ist dreimal wegen Körperveletzung vorbestraft, und zwei dieser Strafen hat ihm der Gebrauch des Messers eingetragen. Er arbeitete mit seinem Bruder Friedrich auf einem Bau. Am 4. April mußte der ganz.' Bau feiern, weil es an Rüstung fehlte. Die Zeit des Wartens wurde, durch eine allgemeine Kneiperei ausgefüllt. Am späteren Nachmittag fragte der Angeklagte seinen Bruder, ob er sich erinnere, daß cr ihm eine Mark gepumpt habe. Der Bruder erwiderte, er hätte die Mark schon vor zwei Tagen zurückgezahlt. Darüber kam es zu kurzemWortwechsel. und plötzlich nahm der Angeklagte das PZesser. welches cr in der Hand hatte, und stieß es seinem Bruder tief in den Unterleib. Amnächsten Tage starb der Verletzte. Angeklagter war in vollen 'Umfange geständig. Die Geschworenen erkannten auf Schuldig unter Versagung mi!dernder Umstände. Das Urtheil lautetauf sechs Jahre Zuchthaus. Vie Oesterrelchisch-Un-garische Bank ist gezwungen, in kürzester Zeit die Einziehung der neue:: erst im Jahre 1900 zur Ausgabe gelangten Zehnkronen-Banknoten zu verfügen, weil die Fälschungen sich in erschreckendem Maße häufen. Die Spur der Herstellung der falschen Scheine ist bis Ancona zu verfolgen, wo die Fälschungen gewerbsmäßig betrieben zu werden scheinen. Auch die Goldmünzen weisen zahlreiche Fälschungen auf. Der König von Schwede hat Un Grafen dc la Gardic zum Redisor der Nobel-Stiftung ernannt.

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