Indiana Tribüne, Volume 26, Number 293, Indianapolis, Marion County, 3 August 1903 — Page 6

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tf Dw nm s 'V tf r1 rtf i, z, d i c 1. Kapitel. an sprach in Ehateau-Lan' zI nry seit Tagen von nichts 'v V finhstrpm slTS ViPTTl Nrnnd? V W wa i-w.. der Holzstofffabrik. Mit ten in der Nacht war das Feuer ausgekommen. Der Fabrikwächter hatte noch um 10 Uhr seine vorschriftsmäfeige Runde durch alle Baulichkeiten des Riesenanwes ens ausgeführt, ohne irgend etwas Verdächtiges wahumhmen. Als er gegen Mitternacht in die Pförtnerloge zurückkehrte, hörte er plötzlich das Knallen und Klirren der Fensterscheiden, die die Hitze zum Bersten gebracht hatte. Gleich darauf schlug vom ehemaligen Elockenthurm eine mächtige Feuersäule gen Himmel, die im Nu das ganze Gebäude mit all seinen Anbauten, .öfen, Werkstätten und Lagerschupp in grellrothe Beleuchtung setzte. Die Holzstcfffaorik, eine der größten in der ganzen Rheinprovinz, war erst vor zwölf Jahren in dem stattlichen Bau der ehemaligen Benediktiner-Abtei eingerichtet worden. Die ehrwürdigen Mauern, die schon seit sechs Jahrhunderten standen und nun binnen vierundzwanzig Stunden zur Ruine eingeäschert wurden, hatten schon mancherlei Wandlungen ersahren. Die durchgreifendste war die gewesen, die der Baumeister Kerkhövt vorgenommen hatte, als er von der belgischen Aktiengesellschaft den Auftrag bekam, das mächtige Häusergeviert der einstmals reichsunmittelbaren Abtei, die zuletzt als Lagerhaus des Hauptzollamts gedient hatte, für die Zwecke der 'Holzstoffindustrie einzurichten. Kerkhövt war seiner Abstammung nach Wallone, gleich den meisten Ansasstgen in diesem entlegenen Winkel des Teutschen Relchs zwischen der oelglschen Grenze und dem Hohen Benn. Seine Ausbildung hatte er in Frankreich erfahren. Nach einem langjähp . nn l rf.tf 1 1 ngen, wecyjeivouen nomaoemeoen inu Weib und Kind, das ihn durch alle Theile Belgiens und der Niederlande geführt, war er durch die Uebernahme des großen Umbaues hier, in ChateauLanney. endlich zu einem festen Wohnsitz gekommen. Die Inhaber der belczijchen Firma hatten den m allen Sätteln erprobten Baumeister als techNischen Beirath behalten und späterhin als Leiter ihrer deutschen Fabriksiliale angestellt. Seit mehreren Jahren stand Kerkhövt dem Anwesen vor; zu Reichthnmern hatte er s aber Nicht gebracht, trotzdem er mit großem Ehrgeiz bei der Sache war und kraft seines eisernen Fleißes die Bedeutung der Mutteranstalt in Brüssel durch das rasche Aufblühen der Filiale sogar wesentlich gehoben hatte. So ehrwürdigen Ursprungs die Grundmauern waren, in denen das industrielle Unternehmen seme Heimstätte gefunden, so moderngeschäftig war die Art des Betriebes selbst. Die SchneideMaschinen, die Schleiferei, die Schmelzund Farbenkuchen und chemischen Laboratorien hatten allesammt elektrische Kraft bekommen. Es lag ein eigenartiger Reiz in dem Gegensatz zwischen der Romantik des alten Abteigemäuers mit den gothischen Fenstern und Thuren. dem Kreuzgang, den Spitzbogen und Säulenhallen, und dem emsigen neuzeitlich belebten Fabriktreiben in den ehemaligen Zellen der Benediktiner. Das Werk war Kerkhövt im Laufe der Jahre wirklich an's Herz gewachsen.' Als er in der Unglücksnacht von dem plötzlichen Lärm auf dem Abteiplatz. den Alarmsignalen der freiwilligen Feuerwehr, dem Tuten und Knarren der Wächter, das sich durch alle Straßen des Städtchens fortpflanzte, aus dem Schlaf aufgeschreckt wurde und er gleich darauf vom Fabrikpförtner, der aihemlos zu ihm vor's Haus gestürzt kam, die Hiobsbotschaft vernahm, fürchteten seine Frau und Liselotte, seine jüngste und ledige Tochter, geradezu für seine Gesundheit, wenn nicht gar für sein Gemüth. Der vierschrötige Mann, dessen gedrungene Gestalt mit dem mächtigen Schädel den echt wallonischen Typus besaß, eilte, nur zur Noth bekleidet, auf die Straße, rannte zur Fabrik, drang in den schon brennenden Seitenflügel ein, in dem sich die Bureaus befanden, brach mit einem Beilhieb, da er die Schlüssel nicht bei sich führte, die Thür zum Kassenzimmer ein und rettete in izx Eile, was ihm rettungswerth erschien. Viermal führte er den gefährlichen Weg aus, trotzdem seine Frau und seine Tochter zitternd vor Angst und Aufregung ihn schließlich beschworen, sich für sie zu erhalten. Von dem Lagervorrath war nichts zu retten. Es gab ja kaum etwas leicbt Entzündlicheres, als Die Unmengen der tn den Trockenschuppen lagernden Espenhölzer und chemisch verarbeiteten Holzstoffe. die versandtbereitin den vorderen Abteihallen aufgestapelt waren. Die freiwillige Feuerwehr Kar rasch zur Stelle und setzte ihre Dampfspritzen in Thätigkeit. Aber die beiden wenn auch armdicken Wasserstrahlen waren ohnmächtig gegenüber dem mit Sturmeseile sich über den ganzen Kom-

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5 K 5 5 Roman ven Paul Dskar HZckrr Stf sta XX iC-t 4 piez verbreitenden Feuer. Die Weh: beschränkte ihre Thätigkeit schließlich darauf, die die Abtei umgebenden Gebäude zu schützen, denn der Feuerherd selbst gestattete ohne Gefahr für das Leben der Wehrleute keine Annäherung mehr. Der Brand wüthete die ganze Nachts In der Morgenstunde stand nur noch eine gewaltig rauchende Ruine. Der östliche Thiil mit dem Glockenthurm war völlig in sich zusammengestürzt blos auf der Westseite ragten noch ein paar hohe Mauern empor, von dö7.cn aber auch schon schwärzliche Theile abbröckelten, um mit Geknatter auf die schwelenden Trümmerhaufen nicderzustürzen. Auf das telegraphische Ansuchen der Ortsbchörde war ein Kommando Pioniere aus dem Manövergelände bei St. Vith herbeigeeilt. Unter dem Befehl eines Pionier-Leutnants wurde das Löschgeschäft dann die ganze nächste Nacht hindurch fortgesetzt. Aber urter der Asche hatte die Gluth weiter gebrannt. Gegen Morgen schlug plötzlich wieder die helle Flamme aus dem schwärzlichen Scheiterhaufen, die Vevöllerung von Ehateau-Lanncy von Neuem in Schrecken setzend. Kerkhövt war nicht in seiner Wohnung zu halten. Lei einen. Bekannten, dem Zeichenlehrer Mittwald, der mit seiner Schwester Frau Taus, einer Amtsrichterswittwe, am Abteiplatz wohnte, nahm er schließlich am Fenster Aufstellung. Von hier aus beobachtete er bis spät in die Nacht hinein den Fortgang der Löscharbeiten. Auch in der Frühe des nächsten Morgens stellte er sich auf diesem Posten wieder ein. Am dritten Tage endlich war ein erneutes Ausbrechen von Stichflammen nicket mehr zu befürchten. Der ganze Platz mußte aber nach wie vor abgesperrt bleiben, weil nun die Sorge aufkam, daß die siehengebliebenen Mauern einstürzen und Menschenleben gefährden könnten. Der die Pionierarbeiten leitende Offizier entschloß sich daher, die Mauern durch Sprengung nieder zulegen. Die Kunde hiervon eilte durch die Stadt und veranlaßte alle Einwohner, die von ihren Geschäften abkommen konnten, sich als Zuschauer des seltenen Schauspiels aufzustellen, natürlich in der gebotenen Entfernung. Der Tag schritt aber vor, ohne daß Vorbereitungen hierzu zu bemerken waren. Liselotte Kerkhövt war gleich ihrer Mutter schon mehrmals in der Wohnung der Freunde erschienen, um ihren Papa zum Nachhausekommen zu bewegen. Der ehemalige Baumeister saß noch immer am Fenster. Die Nervenerregung war einer tiefen Apathie gewichen. Er antwortete auf die Fragen seiner Tochter kaum, gab ihren Bitten dann aber endlich nach. Es war inzwischen schon später Nachmittag geworden. Auf dem Heimweg kam es zu einer mmn erschütternden Szen?. Ernst Mittwald, der das Paar begleitete, hatte sich mit dem Pionieroffizier bekannt gemacht. In einem Gespräch mit ihm, das ganz harmlos begonnen hatte und rein technischen Inhalts war. brach Kerkhövt plötzlich in lautes Weinen aus. Liselotte gerieth dadurch in solche Erregung, daß sich die Thränen auch in ihre Augen drängten. Umstehende Bekannte halfen ihr, den Schwermüthigen allmälig wieder zu beruhigen. Daheim gelang es Mutter Kerkhövt nur mit Aufbietung flehentlicher Bitten, ihren Mann dazu zu bringen, daß c? sich zu Bett legte. Kerkhövt hatte sich großer Beliebtheit erfreut: die Antheunahme an seinem Befinden war allgemein. Lisclctle mußte die vielen Besucher, die nun kamen, um sich nach seinem Ergehen zu erkundigen, im Hausflur abfertigen, damit ihr Papa durch das Sprechen der Fremden nicht am Einschlafen behindert ward. Es fehlt ihm nichts als Ruhe, sagte der dem Hause be freundete Sanitätsrath, der auf Liselottens Bitte nach dem Baumeister gesehen hatte. Und Ihnen, Fräulein Liselotte, fehlt Luft und Zerstreuung. Mittwald, nehmen Sie 'mal das Mädel am Arm und machen Sie mit ihm einen Spaziergang über d:e Prome nade." Der Zeichenlehrer, ein ruhiger, sympathischer Mensch, hatte eme stilü Schwärmerei für das junge Mädchen. Das war den Wenigsten im Orte un bekannt. Es ist ja schon Abend." sagte Lise lotte ausweichend, die sich in ihrer Bescramß um den Vater Nicht aus dem Hause rühren wollte. Meine Schwester geht mit, Fräulein Liselotte. Sie sind so bleich und nervös geworden. Der Sanitäisraih memt es NU? gut Mit Ihnen. Sie Ire?den selbst noch krank werden, wenn Sie ihm mcht gehorchen. Sie folgte endlich, blieb aber unter Wegs noch ein paarmal unschlüssig stehen. Die vielen lärmenden Kinder, die tagsüber die Brandstätte umlagert hatten, befanden sich jetzt endlich daheim oer ihrem Nachtmahl. Noch immer b?t

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das Straßenbild jedoch eine äußerst lebhafte Physiognomie. Auch Liselotte zog das in gewissem Sinne malerische

Bild der vom Fackelschein beleuchteten Ruine magnetisch an. Es liegt doch etwas Gewaltiges in dem Schauspiel." sagte sie leise, dabei erschauernd. Ernst Mittwald nickte. Es hat mich ebenso gepackt. Und ich will Ihnen etnxis gestehen wenn Sie mir vcrsprechen, Ihrem Vater nichts davon zu sagen." Warum Vater nicht?" Es würde ihn vielleicht kränken. Denn für ibn ist es nur ein köchst trauriges Ercigniß. Mich hat es aber als Künstler gesegelt." Lächelnd setzte er hinzu: Wenn ich armer Zeichenlehrer mich Künstler nennen dürfte." O, gewiß dürfen Sies. Herr Mittwald," sagte Liselotte, lebhafter werdend. Und nun kann ich mir auch schon denken, um was es sich handelt: Sie haben den Brand gemalt?" Ja, es kam so über mich, ich weiß selbst nicht wie. Wie ich da am Fenster stand und die Flammen zum Himmel aufsteigen sah und wie dazwischen die Spitzbogen, die Säulen und der Kreuzgang auftauchten, um im Qualm wieder zu verschwinden: da hatte ich plötzlich die Staffelei vor mir, Palette und Pinsel in der Hand und begann zu malen." Sie müssen mir zeigen, was Sie gearbeitet haben." Gern, Fräulein Liselotte. Kommen Sie nur erst mit hinauf. Anna hat sicher mit dem Essen gewartet. Sie nehmen bei uns das Abendbrod; dann bringen wir Sie gemeinsam nach Hause zurück. Uebrigens hat ganz EhateauLanney seit vorgestern die Nacht zum Tage gemacht." Im Begriff den Abteiplatz zu überschreiten, trafen sie den jungen Offizier wieder. Er entschuldigte sich bei Liselotte, daß er ihrem Vater nicht gleichfalls hatte beistehen können: der Dienst hatte ihn auf dem Platze festgehalten. Sie haben schwere Arbeit hier," sagte Liselotte mitleidig, ich habe Sie schon herzlich bedauert." Ja, warum hat man Ihnen keine Ablösung geschickt?" fragte auch Mittwald. Das Korps steht noch mitten im Manöver, die Herbstübung geht erst mit Schluß der Woche, am 20. September, zu Ende. Die Kameraden haben es in ihren Biwaks nicht leichter." Werden Sie wenigstens in dieser Nacht zur Ruhe kommen?" fragte der Zeichenlehrer. Nein, gerade diese Nacht steht mir die schwierigste, aber auch interessanteste Arbeit bevor." Sie werden die stehengebliebenen Mauern gewaltsam niederlegen?" Der Offizier bejahte. Ich kann die Sprengung freilich erst um Mitternacht herum vornehmen, wenn sich der größte Schwärm der Zuschauer verlaufen hat." Um Mitternacht? Ei. da werden unsere guten Nachbarn daheim in ihren Betten in nicht gelindem Schreck emporfahren." Keine Sorge, die Sprengung wird sich ganz geräuschlos vollziehen." Was ihnen der junge Offizier weiterhin erklärte, interessirte sie Beide auf's Lebhafteste. Leutnant Donat war momentan auf der Brandstätte nicht erforderlich. Er zeigte sich daher, auf Mittwalds Einladung hin, gern bereit, mit bei dessen Schwester einzutreten. Die außergewöhnlichen Verhältnis ließen über die äußeren Förmlichkeiten hinwegsehen. Im Manöver und bei elementaren Ereignissen, wo die Hilfe der Pioniere in Anspruch genommen zu werden pflegte, ergab sich ein zwangloserer Verkehr von selbst. Frau Amtsrichter Daus war auf solch' plötzliche Besuche eingerichtet. Sie hatte nach dem Tode ihres Mannes eine Pension gegründet. Augenblicklich wohnten mehrere Schüler, die das Progymnasium besuchten, bei ihr. Es schlug gerade acht Uhr. Die Pensionäre waren, wenn auch mit einigem Widerstreben, zu Bette gegangen. Die Hausfrau hieß den Besuch herzlich willkommen. Den jungen Offizier, der andernfalls auf das wenig einladende Hotel angewiesen gewesen wäre, in dem er Quartier genommen hatte, heimelte die bescheidene, aber doch behaglich eingerichtete Wohnung ungemein an. Natürlich kamen Usache und Wirkung der Feuersbrunst zunächst zur Sprache. Die fachmännische Untersuchung hatte das Entstehen des Bran des auf Selbstentzündung zurückge führt. Die Mehrzahl der Einwohner theilte diese Meinung: denn es hatte ja Niemand irgendwelchen Vortheil von dem unglücklichen Ereigniß. Ihren Herrn Vater scheint der Fall , rri i . t t m p i am iragiiHuen zu rressen, jagte cer Offizier zu dem jungen Mädchen. Ich kann Ihnen kaum sagen, wie sehr mich seine Verzweiflung gepackt hat. Papa hing mit ganzem Herzen an dem alten Gebäude," erwiderte Liselotte mit etwas schwankender Stimme. Ich glaube, es ist hauptsächlich der Künstler in ihm, den der Zusammenbruch so tief erschüttert hat. Er erklärte oft, unsere alte Abtei sei emes der stilreinsten gothi schen Bauwerke, die er je gesehen. Jede Linie war ihm lieb und werth. Auch htxm Umbau zur Fabrik hatte er vorsichtig alles vermieden, was den historischen Charakter hätte stören konnen. Und nun ist in einer Nacht alles Rauch und Erinnerung geworden, was

Ujm als von ewigem Bestand borgeschwebt hctte." Sie sind gewiß selbst Künstlerin, Malerin, gnädiges Fräulein, da Sie das so lebhaft mitempfinden können?" Liselotte schüttelte den Kopf. Herr Mittwald ist Künstler auf dem Gebiet, ich nicht." Und auf anderen Gebieten?" Dilcttire ich nur; ich musizire, spiele Geige. Aber vom Künstlerthum bin ich weit entfernt." Mittwald wollte das nicht wahr haben. Auch Frau Taus, eine gutmüthig schwächlich? Frau, die ihrem Bruder in Ton, Blick und Haltung auffallend ähnelte, stimmte eine begeisterte Lobrede auf die künstlerischen Fähigkeiten ihrer jungen Freundin an. ' Liselotte hatte sich der Unterhaltung entzogen, indem sie zur Staffelei des Zeichenlehrers gegangen war. wo sie die dort liegenden Skizzen betrachtete. Anna folate ibr in's Nebenzimmer, a naym ue cen atops oes jungen Mädchens in ihre Hände und sah ihr in's Auge. Ist es schlimm mit Ihrem Papa, Lotti?" fragte sie in herzlichem Tone. Was sagt der Doktor? Sie sind ja wie verwandelt. Kind!" Ach, ich fühle mich so ohnmächtig, ich habe allen Muth verloren. Was soll aus uns nur werden?" ..Ei. Ihr Papa hat doch hoffentlich keine pekuniären Verluste bei dem Brande gehabt?" Nicht direkt. Aber Mama glaubt nicht daran, daß die Gesellschaft die Filiale wieder aufbauen läßt. Die Belgier bekommen reichen Schadenersatz aus der Versicherung, sie machen wohl noch ein gutes Geschäft dabei. Aber was soll Papa anfangen? Er ist zu alt. zu verbraucht, um sich auf seine späten Tage noch anderswo einarbeiten zu können. Da ist es nun meine ganze Verzweiflung, daß ich ihm auch noch zur Last liegen soll." Anna lächelte, seufzte aber leicht auf. Ach, da fände sich doch schon ein Ausweg. liebes Kind." Ich wüßte ihn selbst," sagte Liselotte. tief aufathmend. Wirklich?" fragte Frau Daus wieder lebhafter. Ich müßte fortgehen mich selbst durch die Welt bringen mich der Kunst widmen." Erschrocken blickte Anna auf. Aber, Herzchen, was fällt Ihnen ein?" Ja, es ist Thorheit, ich weiß wohl, weder mein Talent noch meine Mitte! reichen dazu aus, daß ich so etwas wagen könnte."

So meinte ich es nicht, Lotti. Ich möchte Ihnen nur ein anderes Glück wünschen, ein ruhigeres. Ach, ich kann darüber nicht mit Ihnen sprechen. Wenigstens ietzt noch nicht." Sie wur den durch die Herren gestört und mußten die Unterhaltung abbrechen. Leutnant Donat konnte die Gast freundschaft nicht länger in Anspruch nehmen, weil die Vorbereitungen zur Sprengung ihn zur Brandstätte riefen. Er war ein frischer, fröhlicher Mensch, eine offene Soldatennatur. Seine beruflichen Interessen, die ein fortgesetztes Studium wissenschaftlicher Forschungen erforderten, schienen ihn vor jeder Einseitigkeit bewahrt zu haben. Dabei zeigte er sich aber in seinen Umgangsformen von jener Gewandtheit und Sicherheit, die den deutschen Offizier vorzugsweise auszeichnet. Man sprach über das Nächstliegende, die geplante Sprengung. Frau Daus fürchtete sich, dem Schauspiel beizuwohnen. Sie konnte sich durchaus nicht vorstellen, daß die Erplosion gerauschlos vor sich gehen werde. Wird es denn nicht mit Pulver ge macht?" fragte sie. Leutnant Donat lächelte. Nein, ich will einen Versuch mit einem neuen Sprengmittel vornehmen. Melinit?" warf der Zeichenlehrer ein. Es hat noch keinen Namen."

Woher kennen Sie es denn?" Donat zuckte die Achsel. Man probirt eben immer und kommt da von selbst auf diese oder jene Neuerung." O es ist eine eigene Erfindung?" Ja, und sie soll heute im wahren Sinne des Wortes ihre Feuerprobe bestehen." Der Erfolg ist also von großer Bedeutung für Sie?" Vielleicht werde ich daraufhin ein berühmter Mann," meinte Donat lächelnd. Und Sie sind so ruhig dabei, Herr Leutnant?" Gewiß denn ich bin meiner Sache sicher." Aber wenn nun doch ein Unfall vorkommt?" Das ist ausgeschlossen. Uebrigens könnte Niemand davon betroffen werden als ich. Denn in diesem besonderen Falle zünde ich die Mine natürlich selbst an." Er verabschiedete sich mit Händedruck. Mittwald begleitete ihn bis auf den Platz zurück. Liselotte war von der psychischen Herabstimmung ihres Vaters selbst mit angesteckt gewesen; die resolute Art, die tapfere, siegesgewisse Hoffnungsfreudigkeit des fremden jungen Offiziers war nun nicht ohne Einfluß auf ihre Gcmüthsvnfassung. Ursprünglich hatte sie dem Schauspiel der Sprengung nicht beiwohnen wollen. Jetzt schickte sie aber doch Annas Mädchen zu ihrer Mutter, um Nachricht über den Stand daheim zu erbitten; und als die Kunde befriedigend ausfiel ihr Vater war, von der langen Wache erschöpft, endlich in tiefen Schlaf gesunken entschied sie sich zu bleiben. . (Fortsetzung folgt.)

Von! Auslanve.

EinParZser Blatt hat bei einem Altwaarenhändler im Odeonviertel zu Paris eine durchaus sozialistische Uhr entdeckt. Die hübsch gearbeitete Stutzuhr ist mit einem Zettel beklebt, der die Inschrift trägt: Sozialistische Normaluhr, geht jeden Tag nur acht Stunden!" Den ältesten Reichstagswähler glaubte man in Thüringen gefunden zu haben, und zwar in der Person eines Neunzigjährigen. Später wurde in einem anderen Bezirk ein 100 Jahre alter Reichstagswähler entdeckt. Auch diesem sieht das Prädikat des ältesten Wählers nicht zu, denn in Petersdorf auf der holsteinischen Ostseeinsel Fehmarn ist ein ReichstagsWähler Namens Grünwald entdeckt worden, der kürzlich das 102. Lebensjähr vollendete. Bei einer Haussuchung, die kürzlich in Paris bei dem Anarchisten Permiggiani vorgenommen wurde, fand man im Geldschrank Juwelen von großem Werthe, ferner eine Summe von über 100,000Francs in Banknoten und Gold. Es waren bereits bei einer früherenHaussuchung für über 1 Million Juwelen und sonstige Werthe beschlagnahmt worden. In Gerichtskreisen wird versichert, daß die Angelegenheit sensationelle Vorkommnie zu Tage fördern werde. Eine V i e l e f e l d e r F abrik hatte kürzlich ein Preisausschreiben erlassen für die beste Verbeutschung des bekannten englischen Wortes Cakes". Von 15.247 Personen sind Auflösungen eingesandt worden, und zwar als Verdeutschung dasWort Knusperchen" 102 Mal. Die PreisCommission hat sich nun auch hierfür entschieden. Die 102 Personen, die dies Wort eingesandt haben, werden sich in den Preis von 1000 Mark theilen müssen, ein jeder also 9 Mark 80 Pfennige erhalten. Das Radpolo, das gegenwärtig in Deutschland in allen sportlichen Kreisen lebhaftem Jnteresje begegnet, wird gegenwärtig auch vom deutschen Kronprinzen geübt, der im Lustgarten zu Potsdam in den frühen Morgenstunden oder gegen Abend in Gesellschaft mehrerer jüngerer Offiziere dem neuen Sportzweiz obliegt. Wie das Polospiel zu Pferde, so erfordert auch das auf dem Rade eine außerordentliche Geschicklichkeit, der sich eine ungewöhnliche BeHerrschung des Rades an die Seite stellen muß. Der jugendliche Kronprinz zeigt sich als einer der schneidigsten Spieler, und das Publikum, das ungehindert dem interessanten Schauspiel beiwohnt, verfolgt mit reger Antheilnähme die einzelnen Phasen des Spiels. Der vollendet schöne, sogenannte Schildkröten - Brunnen des Landini, eines Schülers von Jacopo della Porta. welcher in Rom auf Piazza Mattei jedes Künstlerauge entzückt, ist in einer Weise restaurirt worden, die man jedem Kunstwerk wllnschen möchte. Die bunte MarmorPracht der drei Wasserbecken, welche die Basis für die Bronzefigurcn dreier Knaben bilden, die mit unbeschreiblicher Anmuth in die oberste Schale die Schildkröten setzen, damit diese trinken können, der silberne Wasserstrahl, der die unterste Schale füllt, welche, von blendend weißem Marmor eingeschloslen, dicht am Pflaster des Platzes den eigentlichen Brunnen bildet, machen diese Fontana delle Tartarughe" mit Recht zu einer Berühmtheit, die jeder Fremde gesehen haben muß. Aus Verona wird folgendes seltsame Histörchen berichtet: In Montecchia di Crosara wurde der Gutsbesitzer Pellizzari, ein kleines, schwächliches Männchen, von seiner sehr energischen Frau Taa und Nacht mißhandelt. In einer der letzten Nächte kam es zwischen den Eheleuten wieder einmal zu Zank und Streit. Schließlich packte Frau Pellizari ihren kleinen Mann, warf ihn in eine Kiste, klappte den Deckel zu, holte Hammer und Nägel und vernagelte das Packet". Der Mann machte in der Kiste einen solchen Skandal, daß die Nachbarn aufmerksam wurden und den armen Ehemann aus seiner hilflosen Lage bereiten. Im bloßen Hemde lief er nun spornstreichs nach der zehn Kilometer entfernten Carabinieri - Station und ließ sein holdes Gemahl noch in selbiger Nacht verhaften. Erzherzog Eugen von Oesterreich, der Commandant des 14. österreichischen Armeecorps, befand sich, wie aus Innsbruck gemeldet wird, bei der Heimfahrt vom Stadtjubiläumsfeste in Hall in Lebensgefahr. Er fuhr in Begleitung des Obersten Henninger in einem Wagen, welchem ein zweiter mit dem Prinzen von Cobürg und dessen Gemahlin folgte, nach Innsbruck zurück. Als die Equipagen auf der Straße bei St. Loretto die Geleise der Eisenbahn passiren wollten, waren die Barrieren geschlossen, da ein Personenzuz bereits signalisirt war. Trotzdem öffnete der Vahnwärter noch auf der einen Seite die Schranken, und die Wagen fuhren auf das Geleise. Infolge Versagens des Mechanismus blieb aber die andere Barriere geschlossen, und schon brauste der Personenzug von Innsbruck heran. - Der Bahnwärter gab jetzt dem Zuge Haltesignale, endlich ging die Barriere in die Höhe, und der Erzherzog konnte nach dem gefährlichen Erlebniß seine Fahrt fortsetzen.