Indiana Tribüne, Volume 26, Number 285, Indianapolis, Marion County, 24 July 1903 — Page 3

Jndiana Tribüne, 2S. Juli 190.

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Fest im Sattel.

Chamberlain's Stellung im Cabittet nnerschüttert. Scharfe Augriffe auf die Negierungspolitik im Unterhaus. Leo XIII. Testament zu Gunsten seines Nachfolgers. Abschied der Gläubigen von dem todten Pontifex. Angebliche Revolution gegen Ferdi' nand in Sofia. Amer. Geld'Commisston über Berlin befriedigt. Die Vanderbilts von 2 Hösen nrn schmeichelt. Großbritannien. Chamberlain und die Reg i e r u n g. London, 23. Juli. Der Er-ziehungs-Feldzug über die Zoll-Frage, den Colonialsekretär Chamberlain in energischer Weise durch Versendung von Flugblättern und Circularen unter lemer Aufsicht, wenn auch nicht unter seinem Namen, begonnen, bildete in der heutigen Nachmittagssitzung des Oberhauses den Anlaß zu ernster Kritik, Lord Spencer, der liberale Führer im Oberhaus, warf Chamberlain vor, er verletze das Versprechen der Regierung, die Fiscal-Discussion bis zum Oktober zu vertagen. Die Vertheilung derartiger Literatur mache den Eindruck, als habe die Regierung Cham berlain's Ansichten angenommen und eine Trennung derselben von der gesammten Regieruugspolitik sei ferner nicht möglich. Der konservative Führer im OberHaus und Lord.Präsident des Ministerraths, Herzog von Tevonshire, erwiderte, die in den Worten des Vorredners liegende Anregung, der Premier solle Chamberlain zum Rücktritt auf fordern, wäre ein durchaus unlogisches Vorgehen. Denn die Regierung habe zwar die Ansichten des Colonial-Secretärs noch nicht acceptirt, aber der Premier und seine Collegen seien überzeugt, daß Chamberlain's Einwände gegen die derzeitige Zollpolitik begründet seien und daß sich Aenderungen empfehlen. Edward bei einer Parcde. Dublin, 23. Juli. König Ed. ward besichtigte heute im Phoenix Park 15.000 Mann Truppen und 5.000 von der Marine-Brigade. Der von Zelten und vielen Tausenden Zuschauern bedeckte Paradeplatz gewährte den glänzendsten Anblick unter allen bis jetzt zu Ehren des Königs veranstalteten Festlichkeiten. Die Parade war von dem Herzog, von Connaught commandirt. Abends fand in der berühmten St. Patricks Halle des Schlosses ein Empfang statt, zu dem sich zahlreiche Ver. treter des irischen Adels und Volkes einfanden. Das größte Kriegsschiff. L o n d o n . 23. Juli. In DevonPort wurde heute das neue Schlacht schiff Edward VII.", das größte der Welt, von der Prinzessin von Wales getauft. Das Schiff, welches S7,500,000 kostet, hat 16.350 Tonnen Gehalt, 350 mehr als die derzeit in New Jork gebaute Louisiana". Länge 425 Fuß; Pferdekraft 13,000. Dilke gegen die Regierung. London, 23. Juli. Im Unterhause machte heute Sir Charles Dilke, sortschrittlich-radical, scharfe Angriffe auf die auswärtige Politik der Regierung, besonders wegen des wechselnden Verhaltens gegenüber Deutschland in der Venezuela- und Canada-Angelegen-heit. Unterstaatssecretär Cranborne vertheidigte die Regierungspolitik und erklärte, England's Beziehungen in allen Mächten seien freundschaftlicher Art. Er stellte zugleich in Abrede, daß Großbritannien in der Manschurei, wo es für die Politik der offenen Thür eintrete, am schlechtesten abschneide. Bezüglich der Tarif-Frage handle es sich in erster Linie darum, die Nachtheile, unter denen die Colonien leiden, aus der Welt zu schaffen. Die Angrisse auf die Regierung wurden Abends fortgesetzt. Lord Cranborne, der den dringenden Wunsch der Regierung nach Regelung der Mandschurei'Frage äußerte, gebrauchte in Verbindung mit dem Zaren das Wort Despot".

Testament Leo's XIII.

R o m, 23. Juli. Das Testament des Papstes wurde in der heutigen Car. dilials-Velsammlung geöffnet. ES besteht ous 36, von Leo XIII. geschriebenen Seiten und vermacht das gesammte Eigenthum dem Nachfolger zum Besten der Kirche. Jedem Mitglied seiner Familie hintttläßt der verstorbene Papst ein Geschenk, das eS sich aus den vorhandenen Werthgegenständen auswählen darf. Aehnliche Geschenke erhalten die Aerzte. Der Gesammt-Betrag des vom Papste hinterlassenen Vermögens ist noch nicht bekannt. Ein politischer Faktor von Bedeutung. der bei der heutigen Ceremonie in der Pcierskirche beobachtet werden konnte, war das Erscheinen italienischen Militärs, das den ganzen Tag zur Aufrechterhaltung der Ordnung da blieb. Die Gegenwart der Truppen auf päpstlichem Gebiet, ohne Vorgang in der Geschichte des modernen Italiens, ttilt als Zeichen besserer Beziehungen zwischen Regierung und Vatikan, da sie mit Zustimmung, wenn nicht auf Wunsch der vatikanischen Behörden erfolgte. In das gleiche Capitel gehört es. daß Cardinal Oreglia beim Empfang römischer Stadträthe der clerikalen Partei diese beauftragte, auch ihren liberalen Collegen den Dank für ihre Sympathiebeweise auszudrücken. Die wichtigste Angelegenheit, welche der Cardinals - Versammlung heute vorlag, war ein Vorschlag des Cardinals Oreglia, dem beim hg. Stuhl beglaubigten diplomatischen Corps eine Note ZU senden, in welcher den Mächten die Lage des Papstthums seit Verlust der weltlichen Macht und Verlegung der Hauptstadt des italienischen Staates nach Rom geschildert wird. Der Vorschlag entfesselte eine leb hafte Discussion und die Cardinäle Steinhuber, Matthieu und Tutot raten, wie verlautet, für Abfassung einer sehr energischen Note bezüglich der päpstlichen Rechte ein. Agliardi und Vannuttelli befürworteten eine mildere Redaktion, wofür sich auch die Mehrheit entschied und den Cardinal Marry del Val mit Entwurf eines Dokuments beauftragte, das in einer anderen Sitzung vorgelegt werden soll. In den ersten Theilen des Testaments befindet sich auch der Rath des Testators an die Testaments - Vollstrecke?, Cardinäle Rampolla, Mccenni und Cretoni, den der Kirche gegebenen religiösen Impuls auf dem besten Wege zu verfolgen gleichwie auch die Politik der Curie in den letzten Jahren. Das vom Papst hinterlassene' Geld ist in einem Geldfchrank im Schlafzimmer; die Schlüssel sind in Händen verschiedener in dem Testament erwähnter Personen. Alle von Leo gekauften Grundstücke wle auch die von ihm errichteten Gebäude sind auf den Namen des Hg. Stuhls eingetragen, um etwaige gerichtliche Ansprüche der Verwandten zu verhindern, wie es nach dem Tode Pius IX. von Seiten seiner Neffen geschah. Aerzte für' s C o n c l a v e. Rom, 23. Juli. In der Sitzung der Cardinäle am heutigen Tage wurde ein Comite aus den Cardinälen Casali. Mach! und Della Volpe .ernannt, um alle Arrangements bezüglich des Conclave zu treffen. Zum Dienste bei den Cardinälen, während sie von der Außenwelt abgeschnitten sind, wurden die Aerzte Lapponi und Pelagallo sowie ein Wundarzt und ein Apotheker bestimmt. Die erste Nachricht vom TodedesPapsteö. Paris, 23. Juli. Der hiesige Figaro" sagt: Es ist ein seltsamer Umstand, daß London den Tod des Papstes aus New Vork erfuhr. Sobald der Correspondent der Assoc. Presse in Rom von dem Ableben informirt war, cabelte er auf fünf verschiedenen Routen nach New York. Das N. Y. Bureau der Assoc. Presse telegraphirte die Neuigkeit an das Reuter', sche Bureau in London, das bis jetzt ohne Kenntniß war, trotz direkter Verbindunz von Rom mit London. Die Befriedigung der Assoc. Presse läßt sich begreifen." Bulgarien. Angebliche Revolution. Wien, 23. Juli. Die Stampa und andere Belgrader Blätter veröffentlichen Gerüchte über eine Revolution in Bulgarien und daß Fürst Ferdinand im Begriff stehe, nach Belgrad zu fliehen oder bereits geflohen fei. In Belgrad wird behauptet, es

seien 24 nächtliche Ermordungen, meist von Soldaten der Palastwache Ferdinands. vorgekommen. Amtliche Bestätigung dieser Gerüchte liegt nicht vor. Deutschland. Die amerik. Geld-Com-Mission. Berlin, 23. Juli. Die Confe-

renzen der amer. und mexik. GeldCommissionen mit den deutschen Vertretern kamen heute zum Abschluß. Die Raschheit, mit welcher die Regierung die deutschen Commissare ernannte und deren Schnelligkeit im Erledigen der Geschäfte ermöglichte es den Amerikanern, ihre Thätigkeit hier in einer Woche abzuschließen, während sie auf 3 Wochen gerechnet hatten. Die Commissionen gehen am Sonntag nach Petersburg. Es scheint, daß ein einstimmiges EinVerständniß über eine Reihe von Fragen erzielt ist, welche die Einführung eines einheitlichen Geld-Systems für China auf einer Gold-BasiS mit Silber-Circu-lation bezwecken. Amerikaner und Mexikaner sind über die Berliner Resultate hochbefriedigt. Reichsbank-Präsident Koch schloß die Sitzungen mit einem Dank an die Commissare für ihren Pflichteifer und fügte hinzu, wenn auch die unmittelbaren praktischen Erfolge gering seien, werde doch Deutschland den Plänen seine moralische Beihülfe leihen. Nuszland. DieVanderbilt's fetirt. St. Petersburg, 23. Juli. Herr und Frau Cornelius Vanderbilt wurden hier mit großer Aufmerksamkeit behandelt. Großfürst Boris gab ihnen ein Diner, bei dem auch Großfürst Vladimir anwesend war. Zu einem Frühstück, das Vanderbilt an Bord seiner Jacht ZZork Star veranstaltete, fanden sich mehrere Mitglieder des Kaiserhauses ein. B e r l i n. 23. Juli. Die Vanderbilts kamen heute früh in Danzig in Begleitung des Geh. Commerzienraths Guillaume aus Cöln mit dem North Star an. Der Besuch erfolgt auf Einladung des Kaisers, der die Behörden anwies, den Gästen mit besonderer Aufmerksamkeit zu' begegnen. Nach einem Frühstück mit dem Oberpräsidenten, und Hafencommandanten fuhr Herr Vanderbilt per Bahn nach dem Schlosse Marienburg, dem früheren Sitze des deutschen Ordens. Neue Anleihe. St. Petersburg, 23. Juli. Rußland soll mit französischen Capitalisten eine Anleihe von 826,000,000 abgeschlossen haben. Türkei. Sorge vor neuen Eingriff e n. Conftantinopel, 23. Juli. Die erhöhte Lebendigkeit der Revolutionäre in Macedonien und die Schwierigkeiten, denen sich die türkischen Trup pen gegenüber sehen, rufen in amtlichen und diplomatischen Kreisen Besorgniß hervor. Man ist der Ansicht, daß die Lage neue Forderungen nach sich ziehen wird, darunter die Einführung einer wirksamen europäischen Controlle. Selbst die Oesterreicher und Russen geben jetzt die Unzulänglichkeit ihres Reformplanes zu. Venezuela. Die Einnahme von Ciudad Bolivar. Soledad, Dienstag, 21. Juli, (durch Boot von Ciudad Bolivar.) Ciudad Bolivar wurde gestern Nacht 11 Uhr nach 52-stündigem erbittertem blutigem Kampfe eingenommen. Beide Theile zeigten großen Muth. Um das Capitol und Gefängniß tobte der heftigsie Kampf; viele fielen an diesen Punkten. Um Mitternacht hörte das Feuer auf und das Schweigen des Todes senkte fich auf die Stadt herab. Niemand mehr wurde auf der Straße gesehen. General Gomez, der Führer der Regierungstruppen, theilte dem Correspondenten der Assoc. Presse mit, daß General Rolando nebst seinen beiden Leutnants, sowie General Vasquez ge fangen seien. Rolando war der letzte Vertreter der Revolution. Diefrühere Geliebte Ma: cel Prcvosts, die auf den bekannten Schriftsteller am 30. März einen Revolverschusi abgegeben hatte, wird nicht unter Anklage gestellt werden. Man hat das Verfahren gegen sie eingestellt, wie es ireißt auf Veranlassung Pre-vosiZ.

Ein Mackspiel zur Brandt'sche Viiuionencrbschaft .'eschäftlgtc die Strafkammer des V:rincr Landgerichts. Aus der Unterchungshaft wurden der Malle? R!haro ötönig und der Kaufmann Karl 3chwarzha'upt. beide aus Hae?stadt, vorgeführt. Sie wurden beschuldigt, u Berlin und Halberstadt in ocn Iahen 1900 und 1902 einen Erpres.ungsversuch gegen den Grafen Hugo Sf-olto Douglas begangen und diesen beleidigt, ferner gefälschte Privat - Urkünden benützt, und unbefugt eine Abbildung des kaiserlichen Wappens gebraucht zu haben. Die Brandt'schc .üllionenerbschaft hat schon seit einein Jahrhundert zahllosen Leuten die .töpfe verdreht. Sie ist mit einem Mysterium umgeben und hat die Ge.ichte im Lause der Zeit schon oftmals beschäftigt. Im Prozeß im Deznber o. I. ist unzweifelhaft nachgewiesen, daß die jetzigen beiden Angeklagten mit gefälschten Urkunden operirt haöen. Der Angeklagte König ist damals mitten in einer Sitzung verhaftet worcen. Er ist gleichfalls ein Erbinteres'ent und mehrfach nach Holland ge-'.-eist. Schwarzhaupt ist Agent und beschäftigt sich gewerbsmäßig mit der Verfolgung von Erbansprüchen gegenüber ausländischen Hinterlasscnschaften. Er hat mit König zusammen gearbeitet und ihm die nöthigen In'truktionen für das Vorgehen in Amsterdam ertheilt. Nach den bei ihm beschlagnahmten Korrespondenzen hat er ihm die Direktive gegeben, daß es darauf ankomme, Dokumente zu bejchaffen, aus denen hervorgehe, daß die Hälfte der Millionenerbschaft demGrasen Douglas beziehungsweise an das Auswärtige Amt gezahlt worden fei. König hat denn auch eines Tages ein fein säuberlich mit urkundlichem Charakter ausZestattetes und unterstemZeltes Schriftstück produzirt, welches in deutscher Sprache bezeugte, daß am 1. April 1869 durch Vermittelung des Grafen Douglas aus der Vrandt'schen Millionenerbschast 30 Millionen Gulden an das Auswärtige Amt gegangen seien. Ein Jahr später reiste er wieder mit einer von Schwarzhaupt erhaltenen Marschroute nach-Holland und schickte aus Amsterdam eine diesmal in holländischer Sprache aufgesetzte Urkunde ein, aus der gleichfalls die Auszahlung zahlreicher Millionen an den Grafen Douglas hervorgehen sollte. Bei beiden Urkunden waltete aber ein besonderes Pech. Es stellte sich heraus, daß die eine Urlunoe ein Datum trug, wonach sie an einem Sonntag auf dem Gerichte hätte ausgestellt sein müssen, was an sich schon darauf hindeutet, daß eine Fälschung vorliegt. In der anderen Urkunde war der Vorname des Grafen Douglas fälschlich als Heinrich" angegeben, und dieser kleine Umstand ist besonders charakteristisch. Es ist nämlich festgestellt worden, daß in dem Berliner Adrcßbuch in oem in Frage kommenden Jahre irrthümlich Graf Douglas mit dem Vornamen Heinrich verzeichnet stand. Dieses Berliner Adreßbuch lag aber in einem Amsterdamer Cafe aus. und so erscheint es ziemlich zweifellos, daß die Fälscher der Urkunde auf Grund der Angabe des BerlinerAdreß buches den unzutreffenden Namen in die Urkunde hineingeschrieben haben.

NessuShemden. Die eifersüchtige Dejanira hat ihrem Gatten Herkules ein Opfcrgewand mit :iner Salbe eingerieben, die sie von dem tückischen Centauren Nessus unter Vorspiegelung falscher Thatsachen erkalten hatte, und die auch den Tod des zeusentjproilenen Melden bewirkte. Acht französische Kürassiere haben vor Kurzem ein ähnliches Erlcbniß mit frischen Hemden bestanden, das zwar nicht so tragisch verlief, aber doch recht unbequem war. Als die reinlichkeitsbeflissenen Krieger die von der Wäscherin eben abgelieferten Hemden angezogen hatten, wurden sie. wie das Journal des Dbats" erzählt, von einem uncrträglichen Jucken und Brennen befallen. als hätte der Herr der Fliegen, Wanzen und dergl. ein ganzes Heer seiner kleiren Quälgeister gegen sie losgelassen. Das Jucken wurde so stark, daß man den Herrn Major bat. sich die neue Seuche anzusehen und kraft seiner höheren Einsicht Abwehrmaßregeln zu treffen. Nach langer Untersuchung kam man zu der Erkenntniß, daß nur die Hemden die Urheber der Plage sein könnten. Ein muthiger Kamerad gab sich freiwillig zum Versuchskaninchen her; kurze Zeit, nachdem er im Hemde stak, aerieth auch er in recht lebhafte Bewegung und hatte nichts Eiligeres zu tdun. als aus dem Nessusgewande zu kriechen. Einem Medizinmanne. der zur Aufklärung des Zuckenden Räthsels herbeigerufen wurde, gelang es endlich. Licht zu schaffen. Man hatte die Hemden im Freien getrocknet, und sie zu dem Zwecke über eine .Weißdörnhecke gebreitet. Diese Hecke war nun der Sitz von Raupen - aus der verhaßten Familie der Nonnenraupen, deren Haare und flüssige Aussch?idunoen die Haut stark reizen und Nesselsucht hervorrufen. ?vür die Störung ihre? Blättermahl's batten sich die 'Raupen nach dem Muster des Centauren gerächt. Ä n v e n w e a u n a Kosten der Bedes deutschen GastwirtbeVerbandes gegen die Bestrebungen der Abstinenzler und Temperenzler sich zu betheiligen hat der Vorstand des Bundes deutscher Gastwirthe beschloffen.

Nützliche Schmarotzer. Das Geschlecht der Schmarotzer lst bekanntlich nicht nur unter den Menschen vertreten, sondern findet sich auch in anderen Kreisen der Schöpfung bis hinab zu den niedrigsten Stufen dcZ Thier- und Pflanzenreiches, wo es sich ebenso unangenehm fühlbar und lästig macht, wie bei uns. Wenn sich auch die Wissenschaft im Allgemeinen über Zweck und Wirken dieser Gattung von Lebewesen noch nicht klar ist. so Hai sie doch neuerdings verschiedentlich nachgewiesen, daß es in den besagten unteren Kreisen der organischen Welt auch nützliche Schmarotzer giebt, was man allerdings von den in der menschlichen Gesellschaft anzutreffenden kaum behaupten kann. Dieser Nutzen ist natürlich nur ein relativer, d. h. er kommt dem Menschen zugute, der sich zum Herrn der Schöpfung aufgeworfen hat und dieselbe ausschließlich in seinem Interesse beurtheilt, und nicht dem Wesen, auf dessen Kosten sich das betreffende Schmarotzerlcben erhält und welches bei so liebevoller Theilnahme natürlich früher oder später zu Grunde gehen muß. Von diesem egoistischen Stand punkte aus beurtheilt, hat Dr. C. W. Stiles, der in der Bundeshauptstadt Washington dem ärztlichen Stäbe des Marine-Hopitals angehört und gleichzeitig der öffentlichen Gesundheitspflege dient, allerdings eine sehr nütziiche EntdeunZ gemacht, als er das Dasein jenes dünnen, haarfeinen" Wurms fctstellte, der die Schmarotzerplage im Kreise der Mosquitos bildet und dort die schauerlichsten Vcrwüstungen anrichtet. Der Mosquito ha: es nämlich leichtsinniger Weise fertig gebracht, sich in den Geruch eines gefährlichen 'Seindes der Menschheit zu bringen. Während er früher allgemein für ziemlich harmlos gehalten wurde und man ihm im schlimmsten Falle vorwerfen konnte, daß er uns durch seine Stiche gelegentlich schmerzlich juckend berührt und vielleicht zu :iner geschwollenenBacke oder sonstigen Körperstelle verhilft, hat die neuere ärztliche Wissenschaft festgestellt, daß er weit bösartiger ist und sich dazu hergiebt, das Sumpffieber (hierzulande Malaria" genannt) und ähnliche Krankheiten des Menschengeschlechtes durch Ansteckung zu verbreiten. Mit einem Worte, er fiel unter die Mediziner, und damit war sein Schicksal besiegelt. Entlarvt und in seiner ganzen Niedertracht bloßcestellt. muß es sich der Mosquitojetzt natürlich gefallen lassen, daß sein Todfeind, das Schmarotzerinsekt, der von Dr. Stiles entdeckt:, dünne, haarfeine" Wurm, von der Menschheit als warmerFreund begrüßt wird. Welch' grenzenloser Haß gegen den tückischen Mosquito die Brust des Dr.Stiles und wahrscheinlich des ganzen heilkundigen Berufs erfüllt, geht daraus hervor, daß man bereits anzefangen hat. das demselben so feindllch gesinnte Insekt zu züchten, um dasselbe in genügender Menge zu dem Lernichtungskampe gegen dasMückeiv. gcschlecht entsenden zu können. Aber es ist Alles schon 'mal dagewcsen. wie der weise Rabbi Ben Akiba ;u sagen pflegte sogar eine derartige Schmarotzer-Reinzucht. Man braucht nur an den berüchtigten Heerwurm und dessen Vernichtung zu denken, oder an die Heuschreckenplage in den westlichen und nordwestlichen Staaten, wclcher in Minnesota allein in einem Jahre anderthalb Millionen Vushel Weizen und fast ebensoviele Bushel Hafer und Mais oder Welschkorn zum Opfer fielen, bis das SchmarotzerInsekt entdeckt und durch Züchtung vermehrt wurde, welches der Heuschre-

cke auch wirklich den Garaus gemacht haben muß, da seit jener Zeit das bekannte Klagelied aus Kansas und den NachbarStaaten, welches wir früher allsommerlich zu hören bekamen, verstummt ist. Auch in Californien hat man sich auf dieselbe Weise, d. h. durch Schmarotzerverbreitung. zum großen Theile von den schädlichen Insekten befreit, welche den Fruchtbau gefährdeten. Der Mosquito hat es sich, wie gesagt, nur selbst zuzuschreiben, daß ihm jetzt auf so unerbittliche, massenmörderische Weise der Krieg gemacht werden soll. Selbsterhaltung ist das erste Gebot in der Natur, und ein Insekt, das sich dazu hergiebt, ansteckendeKrankheiten unter der Menschheit zu verbreiten, muß ausgerotter werden. Dem nützlichen Schmarotzermsekt, welches uns zetzt gegen d:e Mosquitos als Waffe dienen soll, können wir's ja später, nachdem es seine Pflicht gethan und den Feind vernichtet hat. ebenso machen, denn die Wissenschaft wir') schon irgend einen versteckten Gegner desselben zu entdecken wissen. Der originelste Wahlzettel im ganzen Deutschen Reich war unstreitig der am 16. Junr in Perleberg (Westpricgni) abgegebene mit untenstehendem I .halt. Dort startden sich zegcnüber der Freisinnige Winckler. der Sozialdemokrat Weyl und der Antisemit Wohlfahrt. Mit Bezug auf die drei W's hae ein Wähler folgenden Zettel in das Couvert gesteckt: Wir.Westpricznitzer Wähler wählen Winckler. Weyl Winckler Wählers Wohlfahrt will. Der albanische Agitator und Journalist Derwischina ist aus Italien ausgewiesen und durch Polizeibeamte an die französische Grenze bracht worden.

A.