Indiana Tribüne, Volume 26, Number 281, Indianapolis, Marion County, 20 July 1903 — Page 6
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Ecke Noble und St. Glcir Rr. Ich erlaube unr meine Freunden und Cctunnit an,,ng. daj ich unter dem Namen "The Victor a obengenanntem Platze eine in jeder ZSievunk erste ßlafle Wirtlzschast eröffnet Habe. kl wird mein Bestreben sein, ein in jeder e,telnn, speNabltS Hau z führen und an meine (Beschatt! freunde, bei eoulanter Bedienung, die besten QualUten an tmvortirten und einheimischen Beine Liqudren. Cigarren. Bier, etc. zu verabreichen. wird mir zur Ehre gereichen. 6 in meinen jetzig'Lokal begrkszen i können. Schwngivoll HENRY VICTOR. Eßtnn Sie das Beste wünschen das es gibt in Möbeln, eppichcii . . . .und .... ...Oefen... so gehen Sie zu WILLIG'S Möbcl-Ladcn. 141 W. Washington Str. Baar oder Credit. 1455 Nord Pennsylvania Straße, Hauptquartier für Brillen und Operngläser. rfjfilfiDir ti 5ci r.VlrtitftG T. il 1 jpWAU T'm JPTIQ itt Urin werden nach oen besten Methoden den Angev zepajt. Ktristttchk Augen werden schmerzlos eingesetzt. Mg 4 Route .Ercursionen... Sonntag, 2. Juli, Ladrenccburg, Aurora und Zwischenstationcn. l-n inif oder weniger für .die Hl.. Rundfahrt. Abfahrt des Spe;ial;ugs von hier um 7.30 Uhr Morgens; Retourfahrt von Aurora 7.20 Uhr bends. H. M. B r o n s o n, A. G. P. A. Alle Arten Hartholz-Fußböden (Ilardwood Floors.) a efien und billigsten gelegt von S i A. Berger & Co. fl 714 Massachusetts Ave. tOtt Wdden wie neu hergestellt. Alle Arbeit aranttrt. Lchreibeu oder televholltren Sie tii Drnfc XtUpHou 8742. LAXE ERIE & WESTERN R. R. .. ..Fahrzeit der Züge.. . bfahrt Ankunft JMtb. Chicago und vkichigan Exvrei r 7.15 tl0.25 Xriei Detroit und Chicago Lim 12.20 S.25 Vichivkirtz,Munrie u.Lafayktteepl7 7.25 fiO.25 U glich t ausgenommen Sonntag.
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Europäische Nachrichten. Frovinz Brandenburg. Berlin. Fürstw Eleonore zu Salm-Salm, geb. Prinzessin Croy, ist an einer Lungenentzündung gestorben. Oberverwaltungsgerichtsrath Techow, eins der verdienstvollsten Mitglieder des höchsten Berwaltungsgerichtshofes, ist zum Senatspräsidenten befördert worden. Er wird den Vorsitz in dem Senat übernehmen, der demnächst in das Leben tritt und dem die Entscheidung in Kirchen- und Schulsachen übertragen wird. Di: Spekulationsmakler Salomonsky und Wernicke haben Selbstmord verübt; ersterer soll Depotunterschlagungen begangen haben. Wernicke scheint durch erhebliche Verluste zur That getrieben zu sein; seine Passiven sind nicht unbedeutend. Professor Menzel beging das 50jährige Jubiläum seiner Mitgliedschaft in der Akademie der Künste. Reichskanzler von Bülow erschien in Begleitung des Geheimraths Conrad in der Wohnung des Künstlers, um seine Glückwünsche darzubringen. Bei einer von Alpnach aus unternommenen Besteigung des Pilatus - ist Fräulein Julie Dillmann von hier von einer über 25 Meter hohen Felswand beim Rosegg-Einschnitt abgestürzt; ihre Leiche ist aufgefunden worden. Die Wittwe Karl Helmerdings ist hier qcstorben. Die Entschlafene beweinen zwei Kinder, eine Tochter, die, um die kränkelnde Mutter zu pflegen, unvermählt geblieben ist, und ein Sohn, Fritz 5)elmerdinq, der den Spuren des Vaters gefolgt ist und als geschätzter Komiker am hiesiqen Thalia-Theat:r wirkt. Der erste Geistliche an der St. Johanniskirche, Alt-Moabit 2425. Superintendent Alfred Vielen, ist im Alter von 00 Jahren plötzlich an Gehirnschlag gestorben. Der frühere Lorsteher des hiesigen Haupttelegraphenamts. Ehlers. ist an den Folgen eines Schlaganfalles gestorben. B ä r w a l d e. Der . seit einigen Jahren hier ansässige Arzt Dr. Löwenhardt wurde auf Anordnung der hiesigen Staatsanwaltschaft verhaftet und in das hiesige Gerichtsgefängnib eingeliefert. Dr. Löwenhardt wird beschuldigt.Sittlichkeitsverbrechen begangen zu haben. Brandenburg a. H. Ein schrecklicher Unfall ereignete sich auf dem Neubau Neuendorferstraße 23. Infolge eines Fehltrittes siezte der Zimmerpolier August Seeger von Plaue aus einer Höhe von vier Stockwerken auf das Straßenpflaster herab. wo er mit zerschmetterten Gliedern liegen blieb und bald darauf an den erlittenen furchtbaren Verletzungen verstarb. Charlottenburg. Dem Eisenbahnwerkführer Hermann Marquard wurde die Rettungsmedaille am Bande verliehen. F r i e d e b e r g N. üc. Im rüstigsten Mannesalte? starb hier der Kreisarzt Dr. Lauer. Er war in Schöneck etwa 15 Jahre ansässig und hat sich während seiner ärztlichen Thätigkeit diel Anhänglichkeit erworben; von 1891 bis 1901 war er Stadtverordneter. G u b e n. Ihr 50jähriges Arbeitssubiläum im Dienste der Firma Julius Schlief feierte Fräulein Auguste Hager. Früher in der Fabrik thätig, führt sie seit längerer Zeit Botengänge aus und wird nebenbei noch mit leichteren Arbeiten beschäftigt. Die Kaiserin hat der greisen Jubilarin eine gcldene Brosche übermitteln lassen. K r o s s e n. Der Geheime Justizrath Wachsmuth. 1848 Mitglied der Nationalversammlung, ist im 93. Lebensjahre Hierselbst gestorben. L ü b b e n. Medizinalrath Dr. Annuske ist hier im Alter von 61 Jahren gestorben. Der Verstorbene, eine Autorität auf dem Gebiete der Augenheilkünde, leitete viele Jahre in Elbing eine Augenklinik. 1893 wurde er zum Kreiswundarzt in Stuhm, 1894 zum Kreisphysikus des Putziger Kreises ernannt. Hier wirkte er bis 1901 und seit dieser Zeit als Kreisarzt. Provinz Hstprcußcn. Königsberg. Der Gerichtsassessor Dr. Schlieckmann zu Halle a. S. ist der königlichen Regierung in Königsberg zur Dienstleistung als Justitiarius überwiesen worden. Der Haupt - Redakteur des Königberger Hartungschen Zeitung", Herr Emil Walter, ist im D-Zuge bei der Station Kreuz an einem Herzschlage gestorben. Erschossen hat sich in seiner Wohnung der im 57. Lebensjahre stehende Schlosser E. Fligge. Bruß. Der 19jährige Sohn des Besitzers Konitzer ist in dem etwa 1 Kilometer von hier entfernten Bruche beim Baden ertrunken. Drengfurt. Zwei Kinder der Hartung'schen Eheleute spielten am Donnerstag am Rande des Mühlenteiches. Dabei muß das jüngere Kind, ein Mädchen von drei Jahren, auf einen dort vorhandenen Steg gegangen sein, woselbst es abgeglitten, in'
Wasser gefallen und ertrunken ist. Goldap. Zum Landrath des Kreises Goldap wählte der Kreistag Herrn Regierungsassessor von Berg. Gumbinnen. Der Regierungssekretär Herford ist der königlichen Regierung in Königsberg zur weiteren Beschäftigung überwiesen worden. Marggrabowa. Der in der Hospitalstraße wohnhafte Fuhrhalte? Malischewski hat seinem Leben durü
Erhängen ein vorzeitiges Ende bereitet. Rohgalen. Das Opfer eines räuberischen Überfalls geworden ist der Altsitzer Schelbetter aus Rogahlen, der jetzt im Kreislazareth zu Darkehmen verstorben ist. W i d m i n n e n. Ein Unglück ereignete sich hier in der Bahnhofsstraße. Der Ziegler Küßner aus Orlowen fuhr nach Haufe. Ihn holte ein bekannter Radler ein. Beide kamen überein, um die Wette zu fahren. Bei einer Biegung aber fuhr Küßner auf einen Stein, fiel vom Wagen herunter und brach sich das Genick; er war auf der Stelle todt. W i l l k a s s e n. Im Dorfe hierselb entstand in einem dem Besitzer Kaminsky gehörigen Stalle Feuer.das sich, weil alle Erwachsenen bei der Ackerbestellung waren, setsr bald über andere Gehöfte verbreitete. Sieben Wohnhäuser und ein Stall brannten ab. Provinz Weskpreußen. D a n z i g. Der seit einiger Zeit auf unerklärliche Art verschundene Oberlehrer Dr. Zimmermann aus Elbing, ist im Aschofgraben an der hiesigen sichauwerft als Leiche gefunden worden. Ob ein Verbrechen ocer Unglück vorliegt, ist noch nicht festgestellt. Czersk. In der Nähe unseres Dorfes wurde die 12jährige Tochter des Besitzers Erdmanski-Lippowo von einem Strolch bei dem Gänsehüten überfallen und durch Messerstiche tödtlich verletzt. Das Kind starb im Krankenhaus. Dir schau. Der 21 Jahre alte Arbeiter Karl Wolff von hier wurde von dem 18 Jahre alten ArbeiterModzianowski in der Königsbergerstraße erstochen. Wolff erhielt einen Stich in die Hals-Schlagader und starb auf der Stelle; der Mörder entfloh. Die That soll aus Rache und Eifersucht geschehen sein. Der Mörder wurde ergriffen, verhaftet und dem Gerichte zugeführt. Marienwerder. Aus Anlaß ihres 100jährigen Bestehens hat der Kaiser der Loge zur goldenen Harfe" sein Bild mit eigenhändiger Unter schrift in kostbarem Rahmen verliehen. Die Loge brachte ihren Dank hierfür in einem Huldigungstelegramm an Se. Majestät zum Ausdruck. Rosenberg. Nach fast 60jähriaer ununterbrochener Tbätiakeit als Rendant der Gräflich Finckensteiner Güter ist nunmehr Rendant Schulz in den Ruhestand getreten. Zu Ehren des im Amte ergrauten Beamten gab Graf zu Dohna - Finckenstein in seinem Schlosse ein Abschiedsmahl, an dem auch Vertreter der Magistrate von Rosenberg und Riesenburg theilnahmen. Schulz erhielt den Rothen Adlerorden 4. Klasse. S ch l o ch a u. In der Bahnhof straße brannte das d:m Schuhmachermeiste? A. Heldt gehörige Wohnhau? bis auf die Umfassungsmauern nieder. Ueber die Entstehungsursache ist nichts bekannt. Schöneck. Bäckermeister Schittkoker ist seit kurzem verschwunden. Er btfki hier ein größeres Hausgrundstück und betrieb eine gutgehende Bäckerei. Die hiesigen Mühlenbesitzer haben größere Forderunaen an ihn. T h o r n. Obergefreiter Lehmann von der 5. Compagnie Fußartillerie--Regiments No. 11 ist in der Weichsel ertrunken. Seine Leiche wurde aus dem Strom gefischt. Provinz Fommcrzr. Stettin. Auf dem Grabe seiner Frau erschossen hat sich in Arnswalde der Rentier, frühere Kaufmann Friedrich Lemke, der hier zusammen mit seiner 17jährigen Tochter in Hause der Oberwieck wohnte. D a r s e k o w. Wobnung, Stallgebäude und Scheune der Rentengutsbesitzer Wietzke und Nemitz zu Franzhof sind gänzlich niederaebrannt. G a r cb e n. Die Arbeiterfrau Ott wurde beim Wäschespülen von Krämpfen befallen, stürzte ins Wasser und ertrank. G r e i f s w a l d. Der Senior der theologischen Fakultät hier, Kirchenhistoriker Consistorialrath Professor Dr. theol. et phil. Otto Zöckler, feierte seinen 70. Geburtstag. Zöckler ist zu Grünberg in Hessen geboren und promovirte in Gießen zum Dr. Phil, und zum Licentiaten der Theologie. 1866 folgte er einer Berufung als Ordinarius für Kirchengeschichte an unsere Universität. K ö s l i n. Der irdischen Gerechtigkeit entoaen bat sich der achtziaiäbriae Mörder Karl Steinkopf aus Mocker, indem er sich in seiner Zelle hier erhängte. Den gebrauchten Strick hat er selbst angefertigt und das Material dazu er war mit Wergzupfen beschäftigt zuvor heimlich beiseite geschafft. Lauenburg. Nach 53jähriger Dienstzeit trat am 1. Juli der KreisSparkassenrendant Brettschneider im Alter von 82 Jahren in denRuhestand, nachdem ihm schon bei seinem 50jährigen Amtsjubiläum der Rothe Adlerorden verliehen worden war. R i ß n o w. Der 70jährige Schiffszimmermann Radloff hat sich in seiner Wohnung erhängt. Heftige Schmerzen infolge Abtrennung dreier Zehen sollen den alten Mann zum Selbstmord veranlaßt haben. . Stralsund. Beim Fischen fiel der Fischer Möller gen. Müns über Bord seines Kahnes und ertrank.' , Warnitz. Lehrer und Küster
Reetz erhielt den Adler der Inhaber deZ Hausordens von Hohenzollern. Zinnowitz. Der Schuhmachermeiste: Heinrich Müller und Frau, 76 bezw. 70 Jahre alt, feierten in voller Rüstigkeit ihrer goldene Hochzeit. ?j'rc'riz SctzleZvig-Ksrstein. Altona. Verhängnisvoll wurde ein anscheinend geringfügiger Unfall, von dem der an der Blumen'straße hierselbst wohnende Kaufmann Rorssinz betroffen wurde. Derselbe stolperte auf dem Flur seiner Wohnung über einen Eimer und kam zu Fall. Erst später stellte sich heraus, daß er mehrere Rippen gebrochen hatte. Der Verunglückte ist an den Verletzungen gestorben. Die sechs Jahre alte Tochter der in der Lobuschstraße wohnenden Eheleute Friedrichs stürzte aus dem Fenster des dritten Stockwerks auf das Straßenpflaster, wo das unglückliche Kind todt liegen blieb. B ü s u m. ' Das Fest der DiamantHochzeit feierten im Lokale des Gastwirths Burmeister die Eheleute Martin Tiedje und' Frau. Hardemarschen. Beim Baden in einer Mergelgrube ertrank derTischlerlehrling A. Hoffmann, ein Sohn des hiesigen Arbeiters Hoffmann. H o h e n w e st e d t. Der hiesige Gesangverein beging die Feier seines 60jährigen Bestehens. Seine Leistungen fanden allseitig Anerkennung. Der Musikdirektor Ch. Warnke in Jtzehoe ist Dirigent des Vereins. Katharinenheerd. Rathmann Römer und Frau feierten das seltene Fest der Diamant - Hochzeit im Kreise der Familie. Rathmann Römer ist 86, Frau Römer 80 Jahre alt und beide erfreuen sich großer Rüstigkeit. Kiel. Dem Rektor a. D. Petz? Petersen wurde der Kronenorden vierter Klasse, dem Oberleutnant zur See Rudolf Schultz die Rettungsmedaille am Bande und dem Signalmaaten Wilhelm Feske von der Signalcompagnie der 2. Matrosendivision das Militärehrenzeichen zweiter Klasse verlieben. R e i n s b ü t t e l. Ein seltenes Jubiläumsfest fand hier statt, indem die Eheleute Klaus Groth und' Frau nicht allein das Fest der goldenenHochzeit feierten, sondern der Jubilar auch seinen 80. Geburtstag und sein 50jäh. riges Ortsjubiläum festlich begehen durfte. Zttelntgung von Edelzinn. Die seit einiger Zeit wieder sehr in Aufnahme gekommenen Kunstgegenstände aus Edelzinn reinigt man mit dem in den einschlägigen Geschäften erhältlichen Seesand. Der nasse Sand wird mit den Fingern kräftig über das Metall gerieben und mit Wasser abgespült. Empfehlenswerth ist ein trockenes Nachputzen mit gefälltem, kohlensaurem Kalk, wodurch der Glanz des Zinns noch gehoben wird. Gewöhn!!cher Scheuersand ist natürlich ganz unbrauchbar für diesen Zweck. Die scharfen 5iörperchen würden das weiche Metall zerkratzen, während die durch gegenseitiges Abschleifen in dem stets bewegten Meerwasser glatt gewordenen Körner des Seesandes keine nachtheiliae Wirkunq auf das Zinn ausüben. d a 5 d 1 1 g c r t ch von Marne hat entschieden, daß der Besitz eines Regierungs - Gewerbescheins für den Ausschank geistiger Getränke genügender Beweis für Uebertretung des Prohibitionsgesetzes ist, den Inhaber dem Gefängniß zu überweisen. Bisher sind die Wirthe mit Geldstrafen davon gekommen. Unter dieser Entscheidung aber wird es Niemand darauf ankommen lassen, in's Gefängniß gesteckt zu werden. Als Wirkung erwartet man, daß binnen weniger Wochen der Getränkeverkauf gänzlich lahmgelegt sein wird. Eine tragische Wirkung hatte ein strenger Urtheilsspruch auf einen Gefangenen in Paterson, N. I. Der Ungar Johann Gutemann war wegen Diebstahls eines Pferdegeschirrs im Werthe von Z30 zu zwei Jahren Zuchthaus verurtheilt. Die schwere Strafe hatte augenscheinlich feinen Verstand getrübt, denn bald nach Verkündigung des Urtheils wurde er tobsüchtig. Auf Weisung des Sheriffs wurde er dann in einer gepolsterten Zelle untergebracht und sollte nach Trenton überführt werden, doch ein Herzschlag machte vorher seinem Leben ein Ende. Ein Münchener Schwindler bettelte in einer Hamburger Vorstadt umher und gerieth an ein ältliches Fräulein, das ihn mitleidig mit Trank und Speise versorgte. Er stellte sich als Kaufmann vor, der durch Unfälle und Mißgeschick aller Art sein Vermögen verlogen habe, und wußte seine üble Lage so beredt zu schildern, daß ihm die gutherzige Jungfrau auch noch etwas Baaraeld in die Hand drückte. Ein paar Tage darauf kam er wieder und erhielt auch die Mittel zu einem neuen Anzug. Der Schwindler setzte die Vettelgänge bei dem nur allzu vertrauensseligen Fräulein fort und machte nach einigen Wochen tinen Heirathsantrag, mit dem er guten Erfolg hatte. Nach und nach händigte die Braut ihrem Bräutigam lan 2000 Mark ein. Endlich, da er sie gar zu arg schröpfte und immer neue unwahrscheinliche Lügen vorbrachte, wandte sie sich an die Polizei, die .ihn als einen früheren Zuchthäusling sofort oerhaftete. Das arme Fräulein ist noch nicht unter die Haube gekommen, aber sein Geld ist es losgeworden.
Sie Maildslliurei. In Perl Arthur tagen gegenwärtig unter dem V?rsttze de? "russischen Kriegsministers 5iuropaikin die Beimten des Zarenreiches, die in China, Korea und der Mandschurei ein gewichtiges Wort zu sprechen haben. Wie man sich erinner:, schlössen zu Beginn des vorigen Jahres Großbritannien und Japan um der Mandschurei willen ein Bündniß. das eine diplomatisch? Gegenaktion des russischfranzösischen Zweibundes zur Folge hatte. Während sich die beiden Inselreiche offen zur gemeinsamen Wahrung ihrer ostasiatischen Interessen verpflichteten, erklärten Rußland und Frankreich, daß ihre Jntereengemeinschaft sich auch auf den fernen Osten erstrecke. Das britisch-japanische Bundniß sollte einen moralischen Druck auf das Zarenreich ausüben und dessen Vorgehen in der Mandschurei hemmen, das Gegengewicht der Solidarität Rußlands und Frankreichs vereitelte aber den Zweck. Die Zukunft der Mandschurei trat damit in die Reihe der großen, weltpolitischen Fragen, welche die Keime, zu ernsten Verwickelungen in sich tragen. Die mandschurische Frage unterscheidet sich insofern von den meisten anderen großen Problemen der internationalen Politik, als ihre endgültige Lösung sich heute schon mit einiaer Gewißheit voraussagen läßt. Das Land muß. menschlichem Ermessen nach, Rußland anheimfallen, wenn dieses nicht seine Vorherrschaft in Oftasien preisgeben will. Dem Namen nach gehört die Mandschurei noch China, aber auch nur demNamen nach; thatsächlich behandelten die Russen sie bereits von dem Augenblick an als ihr Eigenthum, als sie sich die letzten chinesischen Wirren zu Nutze machten, um die Provinz zu besetzen. Diese Besitzergreifung bildete einen nothwendigen Schritt in der Politik, welche Ruß land seit zwei Jahrhunderten zielbewußt in Ostasien verfolgt. Das Schicksal der Mandschurei war eioentlich schon besiegelt, als China vor sieben Jahren Rußland die Erlaubniß ertheilte, die sibirische Bahn durch die Mandschurei zu führen und länas der Linie Militärstationen zu errichten. Wesentlich verstärkt wurde die o erkannte Macht Rußlands noch durch die Erwerbung der Halbinsel Liaotung und des wichtigen Kriegshafens Port Arthur nach dem Friedensschluß von Simonoseki. Von ort Arthur aus beberrscht Rußland nicht nur den Zugang nach Peking zur See durch die Straße von Petschili in das Gelbe Meer, sondern auch die über Niutschwana und Mulden dorthin führenden Landwege. Allerdings hat sich Rußland China gegenüber verpflichtet, die Mandschurei wieder zu räumen"; diese Räumung gebt aber in so eigenthümlicher Weise vor sich, daß Rußland kein Tipfelchen seiner Macht dabei einbüßt. Die Truppen, die aus den Städten zurückgezogen werden, schieben sich an strategisch wichtigen Punkten der russischen Bahnlinie wieder zusammen. Das Recht dazu kann Rußland nicht bestritten werden. denn über die Stärke der Militärstationen ist in dem russisch-chine-si'chen Eisenbahnvertrage nichts bestimmt worden. Neuen Nachrichten zufolge erbauen die Russen in den Garnisonen sehr geräumige Kasernen und Befestigungen, und die Offiziere. Beamten und Unteroffiziere lassen ihre Familien nachkommen und treffen die Einrichtunaen, sich dauernd häuslich niederzulassen. Unter diesen Umständen wäre es mehr als naiv, anzunehmen. daß Rußland noch an e'ne freiwillige Räumuno denkt. Freist ist Rußland von China kürzlich an das Versprechen, seine Truppen zurückzuziehen, erinnert worden; und aus Petersburg erfolgte die Antwort, man sei zur Räumung der Provinz bereit, müsse acker auf Abschluß eines neuen Vertrages bestehen, der Rußlands Rechte klarer stellt. Und zu diesen Rechten" gehören unter anderen folgende: Es sollen keine mandschurischen Häfen oder Städte dem fremden Handel neu geöffnet werden. Keine fremden Konsuln sollen mehr zugelassen werden. Keine Fremden, mit Ausnahme der Russen, sind fernerhin im öffentlichen Diensie der Mandschurei anzustellen. Die Zolleinnahmen des Hafens Niutschwang sollen der rus-sisch-chinesischen Bank übergeben werden. Unier russischer Kontrolle hat sich ein Gesundheitsausschuß zu bildend Rußland soll das Recht haben. Telegraphendrähte an alle chinesischen Linien der Mandschurei anzuschließen. Endli darf kein zur Mandschurei gehöriges Gebiet an eine andere Macht veräußert werden. Diese Forderungen laufen darauf hinaus, daß vertrag mäßig fortan in der Mandschurei jede? Einfluß einer konkurrierenden dritten Macht, mag er politischer oder Wirthschaftlicher 'Natur sein, ausgeschlossen wird. Ob China nun einen derartigen Vertraa bereits abgeflossen bat oder abschließen will ode: nicht, ist im Grunde genommen ziemlich gleichgültig. Es ist die Mandschurei wohl ebenso sicher los, wie die Türkei ("Men. Rußland wird sich in seinem Besitze durch eng-lisck-japanische Proteste nicht stören , lassen. Und die in Port Arthur versammelten russischen Beamten denken bei der Lösung der mandschurischen Frage" wohl ebenso wenig an eine ehrliche Raumunc; der Provinz, wie dl? Engländer an die Aufgabe Egyptens.
Gcsährlichc A'.lszclchnung. Kaiser Nikolaus 1. von Nußland (1825 bis 1855) liebte es sehr, ohn: weitere Legleitung auf dem NewstiProspekt oder dem Englischen Quai in St. Petersburg spazieren zu gehen. Der Herrscher ging, meistens in einen grauen Militärmantcl gehüllt, wie ein gewöhnlicher Spaziergänger, freundlich die ehrfurchtsvollen Grüße der Passanten erwidernd, dahin. Nur war es strengstenZ rerbcten, den Zaren anzusprechen oder ihn gar mit Bittschrift ten zu belästigen. Eines Tages, als er wieder seinen gewöhnlichen Gang machte, bemerkte er den französischen Schauspieler Lernet, der sehr bei ihm in Gunst stand. Die Umstehenden freundlich grüßend, trat der Kaiser an Lernet heran und sagte: Ah, sieh da, mein lieber Lernet, spielen Sie heute Abend?" Jawohl. Majestät. Ich babe die Ehre, heute Abend in .Das Glas Wasser' aufzutreten." Das freut mich. Ich werde anwesend sein. Sie spielen Ihre Rolle vorzüglich in dem Stück." Eure Majestät erweisen mir zu viel Ehre," erwiderte der Schauspieler geschmeichelt. Noch einige freundliche Worte, und der Kaiser setzte seinen Weg fort. Der Schauspieler hatte sich von seiner tiefen Abschiedsverbeugung kaum wieder aufgerichtet, als ein bärtiger Herr, ihm eine Hand auf die Schulter legend, halblaut zuflüsterte: Sie sind verhaftet, mein Herr. Sie haben den Kaiser angesprochen. Folgen Sie mir!" Erst überlegen lächelnd, dann aber ärgerlich machte der Schauspieler geltend, daß der Kaiser ihn und nicht er den Kaiser angeredet habe, und berief sich auf das Zeugniß der Umstehenden. Aber die Menge, die ihn soeben noch neugierig, ob der hohen Ehre, die ihm geworden, angestarrt hatte, war, sobald der Polizist an ihn herangetreten, wie vom Winde auseinander gestoben. Alles Betheuern, alles Reden und alle Drohungen halfen nichts, der Beamte zuckte gleichmüthig die Achseln, der arme Lernet mußte mit zum Polizeirevier und wurde nach einem kurzen Verhör einfach eingesperrt. ES war am Abend, kurz vor Beginn der Aufführung, das Theater war bis auf den letzten Platz gefüllt, als dem Direktor gemeldet wurde, der Schauspieler Vernet sei noch nicht da. Man habe schon einen Boten in seine Wohnung gesandt; aber dieser sei mit der Meldung wiedergekehrt, Herr Vernet wäre am Morgen ausgegangen und den ganzen Tag nicht wieder heimgekehrt. Was war zu thun? Alle Boten, die der Direktor aussandte, kamen ohne Vernet und ohne eine Nachricht von ihm zurück. Er war nirgends gesehen worden. Wie besessen rannte der unglückliche Theaterdirektor herum. Ersatz für Vernet war nicht vorhanden, die Ouvertüre war schon bis in's Unendliche ausgedehnt worden, und das Publikum begann unruhig zu w?rden. Es )lieb nichts anderes übrig, als ein anderes Stück aufzuführen, so gut es eben ging. Kaum hatte man begonnen, als auch schon der Kaiser erschien. Warum wird .Das Glas Wasser' nicht gespielt?" fragte er den herbeigeholten Direktor streng. Majestät," erwiderte der Zitternde, der sich im Geiste schon auf dem Wege nach Sidirien sah, der Schauspieler Vernet ist spurlos verschwunden; wir haben keinen Ersatz für ihn, ich habe ihn schon überall suchen lassen, aber vergebens, und" Lernet verschwunden! Unmöglich, ich habe ihn doch heute früh noch selbst gesprochen." unterbrach ihn der Kaiser. Plötzlich aber schien ihm etwas einzufallen; er lachte laut auf und sagte: Ich fürchte, ich bin selbst die Ursache, daß der arme Vernet nicht anwesend ist. Ich sprach ihn heute Morgen auf dem Newskiprospekt an, und die Polizei hat ihn jedenfalls festgenommen. Lassen Sie sofort nachsehen und ihn he: bringen." Es dauerte keine Viertelstunde, als Vernet schon gebracht wurde. Ach. mein lieber Vernet." begrüßte ihn der Kaiser lachend, ich bin tröstlos über das Unglück, das Ihnen durch meine Unbesonnenheit zugestoßen ist. Vergessen Sie es, mein Freund. Was kann ich thun, um Ihnen einigermaßen Ersatz für die ausgestandenen Leiden zu bieten?" Wenn Eure Majestät mir eine Gnade erweisen wollen," erwiderte der Schauspieler, so möchte ich bitten, mich auf der Straße nicht wieder anzusprechen; denn die russischen Gefängnisse sind gar nicht nach meinem Geschmack." Ter Kaiser lachte, versprach's, und die Vorstellung konnte nun endlich beginnen. Tic ausgcstorbrnc Stadt. Der derühmte Schriftsteller Vörne befand sich nach schwerer Krankheit kaum in der Genesung, als er in Kassel (1821) einen heftigen Rückfall in sein altes Leiden erfuhr. 6r mußte also länger in dieser Stadt bleiben, als es ihm lieb war, denn Kassel kam ihm recht langweilig vor. Warum langweilen Sie sich hier denn so entsetzlich?" fragte ihn der Arzt. Weil Ihre Stadt mir ganz ausgestorben vorkommt," antwortete Börne. Ich habe unlängst auf einer Bank in der Karlsau einen Sechsbätzner liegen lassen, und als ich nach drei Tagen wieder an denselben Ort kam, war das Geldstück noch auf dem nämlichen Fleck! Heißt das nicht ausgestorben?" l
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