Indiana Tribüne, Volume 26, Number 281, Indianapolis, Marion County, 20 July 1903 — Page 3

Indianer Tribüne, 20. Juli 1903

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Der NlNlsluurl!. Skizze von Ican Zlichepin. Woher ich die Geschichte weiß, die ich jetzt erzählen will Was macht das auö, wenn ich sie nur gut erzähle i Und von vornherein kann ich versichern, ohne mich dabei selber zu loben, daß ich sie gut erzählen werde, denn ich habe nichts hinzu erfunden, sondern berichte nur einfach die Thatsachen, wie ich sie beobachtet habe. Es war einmal eine arme Großmutter, die einen kleinen Enkel hatte. Beide nannten in der ganzen Welt nichts ihr Eigen als ihre Äebe zu einander; die Großmutter zählte bereits 76 Jahre, ihr Enkel aber erst acht. Sie lebten im sechsten Stock einer großen, von Arbeitern bewohnten Misthskaserne der Qrillongasse in Paris, einer Gegend, in der man reiche Leute nicht kennt. Aber selbst unter den armen Leuten, die hier wohnten, fiel das Elend der Großmutter mit ihrem Enkelkinde auf, und das beweist wohl am besten, wie groß ihre Armuth gewesen sein muß. Das Kind war krank, gebrechlich und schon fast seit einem Jahre bettlägerig, die Großmutter war sehr alt, schon sehr hinfällig und trotz ihres guten Willens schon fast ganz außer Stande, etwas zu verdienen. Ein Glück ist es, daß die Enterbten der Gesellschaft gut zu Ihresgleichen sind. Die armen Bewohner dieses Stadtk'-rtels gaben diesen Armen, deren Lage noch beklagenswerther als ihre eigene war, Almosen, und diese, im Verein mit einer von der städtischen Armencommission gewährten Unterstützung, reichten gerade aus, um das Leben der Gr.-ßmutter und ihres Enkelsohncs zu fristen. Die Alte hieß die Mutter Antoine" und das Kind wurde als der Junge der Mutter Antoine" bezeichnet.

Unter einem anderen Namen kannte man ihn nicht, denn niemals hatte man ihn mit Kindern von gleichem Alter sich auf der Straße herumtollen und spielcn sehen; auch hatte man ihn nicht, wie andere Kinder, auf der Straße lärmen gehört, aber deen ungeachtet vergaß man ihn nicht, und gar oft fragte ein Nachbar den anderen: Und wie geht's dem Jungen der Mutter Antoine?" Leider ging es ihm immer schlechter, dem Jungen der Mutter Antoine. Als Sohn eines schwindsüchtigen und schlecht genährten Arbeiters war er auch lungenleidend und mit der englischen Krankheit behaftet, und wenn den Aermsten die heftigen Schmerzen seines Hüstleidens nicht laut aufschreien machten, so wurde er von einem trockenen Bluthusten gequält, der auf seine Wangen die Friedhofsrosen blühen machte. Trotzdem er ein wenig hinkte und ost zu Boden siel, hatte er doch in seiner Kindheit gute Zeiten gehabt. Dann nahm ihn der Großvater, der trotz seiner achtzig Jahre noch arbeitete, mit in's Freie und machte mit ihm schöne Spaziergänge in der frischen Luft und im warmen Sonnenschein. Visweilen hatte auch der Großvater sc viel v:rdient, um ihm hier und da Heilmittel zu kaufen, die ihm auf einige Wochen Linderung brachten. Seitdem man aber in diesem elenden Loche im sechsten Stock wohnte, auf einem Hofe, von dem aus der üble Geruch der Rinnsteine aufstieg, seitdem die Alte nicht mehr aufbringen konnte, als gerade ausreichend war, um nicht vor. Hunger zu sterben, seit December vorigen Jahres ist der Junge der Mutter Antoine nicht mehr von seinem ärmlichen Bette aufgestanden, und wahrscheinlich wird er auch nicht mehr aufstehen. Zu Weihnachten war er das letzte Mal im Freien gewesen, damals hatte die Mutter Antoine ihn in ein großes Tuch eingewickelt, das sie ihm aus ihrem alten Umschlagetuch gemacht hatte; zwei Paar ihrer eigenen Strümpfe hatte sie dem Kinde angezogen, damit es die Füßchen in den ganz neuen Galoschen auch warm halte. Dann hatte sie ihn auf den Boulevards herumgeführt, längs der kleinen Buden, in denen es Spielsachen, Bilder undHampelmänner zu bewundern gab, die für das .empfängliche Kinderherz eine kostbare und farbenprächtige Märchenwelt darstellten. Diese Märchenwelt hatte auch im Geiste des kleinen Kranken einen unverlöschlichen Eindruck hinterlassen. Seit damals, und es sind schon viele Wochen seitdem v:rgangen, spricht er immer noch mit Sehnsucht und Verlangen von diesen gesehenen und unvergessenen Wundern, nach denen er gar oft seine abgezehrten Händchen ausstreckt. Besonders hatte es ihm ein großer Hanswurst angethan, der auf dem Platze vor der Großen Oper" zu sehen war. Es war ein prächtiger Hanswurst; er war buntscheckig, vergoldet und fast so groß wie das Kind selbst; zog man an einem Faden, so schüttelte er mit seinen Glocken und Schellen, hob die Arme hoch, spreizte die Beine und schnitt dabei solche Grimassen, als ob er lebendig gewesen wäre. Ach,' wie war das schön, wie war das schön!" rief oft der Junge der Mutter Antoine. Sag' mal. Großmamachen, ein solcher Hauswurst ist wohl sehr theuer?" Worauf die Alte stets antwortete: Ich kauf' dir einen, wenn wir reicher sein werden." Und wann werden wir reicher sein?" .Bald, mein Mäuschen, bald!"

Dann krieg' iÄ c tn Hans-

trmvV?" tVUk l , cy,-r ir, fcit frisssf ?ti rt 0M Ju V4 I v"l V, Siehst du, Gro jchen, ich weiß genau, daß. soba'. en Hanswurst habe, ich auch . , gesund werde." Und dieser Gedanke kommt ihm immer und immer wieder, es ist wie eine fixe Idee, die sich seiner bemächtigt hat. Und wenn es ihm schlechter geht, dem armen Kleinen, wer.n seine Schmerzen ihn noch heftiger quälen, wenn dieser abscheuliche Husten ihm fast den Athem zu benehmen droht, dann wird' das Verlangen nach dem Hanswurst immer lebhafter, immer dringender. Man kann es ihm deutlich anmerken,wie dieses Sehnen seine Schmerzen vermehrt, und thatsächlich würde ihm auch der Besitz dieses Spielzeuges durch die große Freude, die es ihm machte, Linderung und Erleichterung bringen. Die alte Mutter Antoine hatte das auch recht 'lt begriffen. Da sie ihm so oft den Hanswurst versprochen hatte, sagte sie sich, müsse sie nunmehr auch ihr Versprechen halten, und das um so j eher, als sie recht gut fühlte, daß es das einzige Mittel wäre, ihren Engel noch eine Zeit lang am Leben zu erhalten. Ja, er sollte ihn haben. Aber wie? Mit Thränen gestand sie sich, daß ein solcher Hanswurst sehr theuer sein müsse. Es war ein Spielzeug reicher Leute. Wenigstens zwanzig Francs würde er kosten. Vielleicht noch mehr. Wo sollte sie das Geld hernehmen, sie, die kaum noch wußte, wie Geld aussieht, und die nur ab und zu ein paar Sousstücke unter den Almosen zu sehen bekam, die man ihr für gewöhnlich in Naturalien reichte? Zwanzig Francs! Welch' ein Vermögen! Sie verkaufte die Lumpen, die man ihr bei Beginn des Winters geschenkt hatte. Sie verkaufte auch die Marken auf Brod und Fleisch, die so schwer zu erlangen waren und in nicht genügender Zahl an die Armen vertheilt wurden; nur für den Kleinen hielt sie ein paar zurück. Sie selber wollte fasten. Und als er allein aß und sie dabei fragte: Hast du denn keinen Hunger, Großmamachen?" antwortete sie: Nein, unten in der Tischlerwerkstätte haben sie mir einen Teller Suppe geschenkt." Auch die beiden folgenden Tage verbringt sie so, ohne etwas in den Leib zu bekommen. Was liegt aber dran! Er soll seinen Hanswurst haben." Schon ganze vier Wochen spart sie auf diese Art und vorgestern früh hatte sie im Ganzen neun Francs und drei Sous. Wenigstens zehn Francs," denkt sie bei sich. Ich muß wenigstens zehn Francs haben, noch siebzehn Sous muß ich mir bis morgen beschaffen." Dem Jungen der Mutter Antoine ging es heute recht schlecht. Ein Wunder war es ja auch nicht, denn nachdem ein strenger Winter beinahe zur Hälfte vorbei war, kann man sich wohl recht gut vorstellen, in welchem Zustande dieser kleine Engel jetzt sein mußte. Und viele Almosen hatte die Alte von ihren Nachbarsleuten auch nicht erwarten dürfen, denn diese hatten selber die größte Mühe und Noth, sich vor dem Tode, vor Hunger und Kälte zu schützen. Sie hat jetzt keine Lumpen mehr zu verkaufen! Nur noch die Marken auf Brod und Holz sind Alles, was in der Dachkammer noch vorhanden ist. Der Kleine befindet sich heute so schlecht, daß er überhaupt gar nicht mehr schlucken kann. Wozu braucht sie also heute noch Brod? Für sich selbst vielleicht? O nein. Und morgen, da wird's schon wieder welches geben. Was ihr jetzt in diesem Augenblicke fehlt, was ihr nothwendig, unentbehrlich ist, das ist nicht Essen, sondern der Hanswurst; wenn er ihn jetzt hier hätte. wenn er ihn jetzt in seinen kleinen Händchen hielte, würde er sich gewiß wohler fühlen. Ach, wie war er schön!" stöhnte er mit unterdrücktem Röcheln. Seine Augen erweitern sich; seine Nasenflügel, die während der Krankheit eingefallen waren, zucken plötzlich zusammen, seine Haut rothet sich, aus seine blassen Lippen kehrt das Leben zurück. Ja, das Leben, er wird gewiß noch leben, wenn fein Traum sich erfüllt. Wie war er doch so schön!" Ich hole dir ihn, ich hole ihn dir jetzt gleich!" Wen, den Hanswurst?" Ja, den Hanswurst!" ' Wir sind also jetzt reich, Großmamachen?" Ja, mein Engel. Da sieh mal!" Sie zeigte ihm ihre neun Francs und drei Sous. Die ganze Summe besteht aus einzelnen Sousstücken und bildet somit einen großen Haufen. Das Kind schlägt vor Verwunderung die Händchen zusammen. Geh' rasch, geh' rasch, Großmamachen, bleib' nicht lange." Sie geht. Nein, sie wird nicht lange bleiben. Erst aber lauft sie zu den Nachbarn, um dort ihre drei Marken, ihre letzten drei, zu verkaufen. Ich will dafür dem Jungen eine Medizin holen", erzählt sie. Und damit hat sie auch die Wahrheit gesagt, denn eine Medizin ist es auch, die sie holen will. Zehn Francs! Endlich hat sie sie zusammen! Sie hat sich zwar noch deswegen eine Viertelstunde versäumen müssen, aber genug, sie hat sie. Wie rasch sie lauft, trotz des glitschrigen Mklasters und der Kälte, die ihren

jcrper vurcyicyauerk, tznn Jlt Xjax gestern nichts gegessen, heute nichts gegessen, und mit ihren lcidern hat sie den Kranken zugedeckt. Nur einen schlechten Rock hat sie an und ein dünnes Leibchen trägt sie auf dem Hemd. Vrr! Aber trotz alledem geht sie, und sie hat einen weiten Weg. Nicht in den ersten besten Laden kann sie hineingehen, sie muß dort unten hin, in die Nähe des Platzes vor der Großen Oper" gehen. Vielleicht ist der Hanswurst auch dieses Jahr noch da und wer weiß, vielleicht kostet er nicht mehr als zehn Francs. 5ta. er war derselbe, und so lanae hat sie gehandelt, bis sie ihn für zehn Francs erstanden hat. Es war genau derselbe, sie erkannte ihn wieder. Rasch trat sie den Rückweg an, und wie eine Mutter ihr Kind, so drückte sie den Hanswurst gegen die Brust, als wolle sie ihn vor jeder Gefahr schützen, und sie selber sagte sich: Wie schön ist er doch!" Ich will mich kurz fassen. Das

Schicksal schreibt die schrecklichsten Romane, mit ihm vermag kein Dichter es aufzunehmen. Die Actschlüsse, die das Leben macht, sind immer die wirkungsvollsten. Zwei lange Stunden war die Alte weggeblieben. Als sie nach Hause kam. war das Kind todt. Gestern haben sie den Junqen der Mutter Antoine begraben. In den iarg hat sie aber den schonen Hanswurst mit seinen grellen Farben, seinen melodischen Schellen und seinen wunderbaren Verzierunaen mit hineinaelegt, und der arme Todte hat seinen Wunsch erfüllt gesehen, freilich etwas zu spät Die Zwillingsjchwcstcrn von Luchon. Ueber einen merkwürdigen Proceß, welcher die französischen Behörden beschäftigt, und dessen Fäden nach Frankfurt. Berlin und Wien hinlaufen, wird Folgendes berichtet: Vor drei Jahren wohnte in Wien die Wittwe eines Staatsbeamten, Frau Marie Reschitz. mit ihren beiden 14jährigen Töchtern Adele und Katharina. zarten Kindern, die zur gleichen Stunde das Licht der Welt erblickt hatten. Die Aehnlichkeiten der Zwillingsschwestern war so groß, daß sie von den Nachbarn fortwährend verwechselt wurden. Wenn damals jemand geahnt hätte, daß diese naturgemäße Ähnlichkeit ein wichtiges Moment in einem sensationellen Processe bilden würde, hätte man doch versucht, präcise Erkennungszeichen im Gedächtnisse festzuhalten. Die Wittwe hatte den Rest ihres Vermögens aufgezehrt und war gezwungen, einen Erwerb zu suchen, um sich und ihre Töchter erhalten zu können. Dem Rathe eines in Südfrankreich lebenden Verwandten Folge leistend, reiste sie nach Bagnres de Luchon und errichtete dort, gestützt auf ihre Sprachkenntnisse, eine Pension für Fremde. Dieser Badeort in den Pyrenäen nahm damals einen großen Aufschwung. Er war nicht nur für alle möglichen Kranken, sondern auch für die Gesunden anziehend und ein Lltägiger Aufenthalt dortselbst war für die vornehmen Pariser und Engländer modern geworden. Weit länger als drei Wochen wohnte jedoch bei Frau Reschitz, deren Pen sion florirte, ein junger Franzose, Eduard Rontab, derNeffe eines alleinstehenden mehrfachen Millionärs. Er verliebte sich glühend in die Zwillingsschwestern und begehrte eine von ihnen zur Frau. Gleichgültig welche, denn sie sahen sich ähnlich, wie ein Ei dem andern, Gestalt, Gesicht, Bewegungen, selbst die Farbe des hellblonden Haares variirten nicht um die geringste Nüance. Die Zwillingsschwestern von Luchon waren übrigens eine Sehenswürdigkeit geworden und die Fremden hatten keinen sehnlicheren Wunsch, als mit Adele und Katharina Reschitz bekannt zu werden, die sich zu blendenden Schönheiten entwickelt hatten. Sie erhielten mannigfache Heirathsanträge und nicht leicht entschied sich ihre Mutter, dem 23jährigen Eduard Rontab die Hand ihrer Tochter Adele zu geben. Beide Töchter hatten sich dem Antrage des Franzosen gegenüber reservirt verhalten, sie überließen der Mutter die Entscheidung. Der Onkel des Bräutigams war zuerst gegen die Ehe, denn er kannte en leichtfertigen Sinn und den Wankelmuth des jungen Mannes. Schließlich willigte er jedoch ein, setzte jedoch vorsichtigerweise dem Neffen eine jährliche Apanage von 120.000 Francs unter der Bedingung aus, daß dieser Geldbezug so lange dauere, als die Ehe mit Adele zu Recht bestehe, die beiden Gatten gemeinschaftlichen Haushalt führen und die Ehe nicht geschieden werde. Wahrscheinlich hoffte er, daß diese Bedingungen die Ehe des jungen Haares dauernd binden würden, denn die Klausel fand sich auch in dem Testament des Onkels vor. Die Hochzeit von Eduard Rontab mit Adele Reschitz wurde mit großem Pompe in Bagnöres de Luchon gefeiert. Unter den Gratulanten war auch der treueste Stammgast des Bades, der König der Belgier Leopold. Wider Erwarten gestaltete sich die Ehe nicht glücklich. Es ereignete sich wir erzählen jetzt, wc.s die Proceßgegner des Ehegatten, drei andere Neffen

ves tnzwlscycn vcrstorvenen Onkels, veHäupten folgendes: Gelegentlich einer Rhrinreise kam das junge Ehepaar im vorigen Jahre nach Frankfurt am Main. Dort verschwand die neuvermählte Adele Rontab mit einem ehemaligen Gardeofficier und kehrte nicht mehr zu ihrem Gatten zurück. Sie nahm mit dem Entführer in Berlin Aufenthalt, wo sie zwei Monate verweilte. Eduard Rontab kehrte allein nach Luchon zurück. Da somit das Eheband gerissen war, durfte nach der Testamentsbestimmung dem jungen Ehegatten die Jahresapanage von 120.000 Francs nicht mehr ausbezahlt werden. Diese Summe reklamiren eben die drei anderen Neffen für sich. Eduard Rontab aber erkennt die Ansprüche keineswegs an, da er einen höchst triftigen Grund anführt: Die Entführunasacscbicbte sei oar nickt wahr, er lebe nach wie vor mit seiner Frau in glücklicher Ehe. Und in der That, er lebt dermalen auf einem Schlosse in den Pyrenäen mit seiner Frau. Die Proceßgegncr erklären jedoch, daß diese Frau die Zwillingsschwester Katharina und nicht Adele sei. Adele sei noch immer mit ihrem Entführer beisammen. Das soll nun bewiesen werden. Man hat die angeblich entflohene Frau Rontab aufgesucht, diese erklärte jedoch mit aller Bestimmtheit, man verwechsle sie mit ihrer Schwester Adele, sie sei nicht die Frau Rontab, sondern Katharina Reschitz, die sich demnächst mit dem Gardeofficier verheirathen werde. Die

einzigen Personen, die in dieser geheimnißvollen Affare sicheren Aufschluß geben könnten, sind: die Mutter der Zwillingsschwestern und eine Kammerzose. Die Mutter hat sich jedoch auf die Seite ihres Schwiegersohnes geschlagen und aus der Zofe ist nichts Gescheidtes herauszubringen. Um den ewigen Nachforschungen zu entgehen, hat die Mutter Luchon verlassen und ist nach Paris übergesiedelt. In Wien, Frankfurt und Berlin werken aber von den Proceßgegnern eifrig Erhebungen gepflogen, um Anhaltspunkte zu gewinnen, die eine sichere Agnoscirung von Adele und Katharina ermöglichen. ?ln Kartossel'Jubiläum. Die Menschheit, die nach einem Dichterwort dazu geboren ist, um Feldsrüchte zu essen", steht jetzt im Zeichen der neuen Kartoffeln. Die Kartoffel kann tn diesem Jahre ein Jubiläum das ihrer 350jähriqen Bekanntheit in Europa begehen. 1553 geschah dieser Frucht zuerst Erwahnung in einer in Sevilla gedruckten und von Peter Eieca verfaßten Ehronik von Peru, in welcher gesagt wird, daß die Peruaner eine trüffelartige Erdfrucht anbauten. Aus dem lta lienischen Namen der Trüffel (wrtnsolo) ist unsere Kartoffel" entstan den, und 1853 hat man Fraz Drake, der angeblich die Kartoffeln zuerst nach Europa gebracht hat, zu Offenburg in Baden ein Denkmal gesetzt. 1616 kamen die Tartufoli noch als große Seltenheit auf den Tisch des französischen Königs. Erst in der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts vermoch ten weitersehende Volksfreunde den Widerwillen der Bauern gegen die neue Feldsrucht zu besiegen. Friedrich der Große ließ, als die Körnerfrüchte mißrathen waren, den Kartoffelbau zwangsweise in Pommern und Schlesien einführen. In Frankreich griff man. wie Earus Sterne m seinem Buch Sommerblumen" erzählt, zur List. Der Apotheker Parmenher ver sah große, mit Kartoffeln bestellte Fel der mit Warnungstafeln, aus denen icder mit schwerer Strafe bedroht wurde, der die kostbare Feldfrucht stehlen würde. Was -durch freundliches Anrathen nicht hatte erreicht werden können, wurde durch diesen Kunstgriff erzielt: Die Bauern der Umgegend stahlen die verbotene Frucht und Lud wig XVI. sagte dem klugen Apothe ker: Sie haben das Brod der Armen gefunden." Der König, die Königin und bald der ganze Hof begannen die Kartosselbluthe im Knopfloch zu tra gen. Der Wandsbecker Bote" sang sein Kartossellicd: Pasteten hin, Pasteten her, Was kümmern uns Pasteten? Die Schüssel hier ist auch nicht leer Und schmeckt so gut als aus dem Meer Die Austern und Lampreten. Und Johann Heinrich Voß schilderte, wie angeblich die Kartoffel der Noth der Armen ein Ende gemacht: ... ein Mann ward ausgesandt, Der die neue Welt erfand. Reiche nennen's Land des Goldes, Doch der Arme nennt's fein holdes, Nährendes Kartoffelland. Eine netteGesellschaft. . . . Herr Maier, Sie sind ja nicht mehr Mitglied des Vereins! ... Warum sind Sie denn ausgetreten?" Ach was ausgetreten! Zuerst hat mich vom Verein jed's Mitglied an'pumpt, und wie ich nachher mein Geld hab' hab'n wollen, hab'n s' mich einfach ausg'schloss'n!" Deutlicher Beweis. Bitte, machen Sie mir hundert Visitenkarten hier nach diesem Text!" Aber, Herr Eommercienrath, Ihren Titel schreibt man ja jetzt ohne h"!" Lassen Sie das h" nur d'ran; die Leut' sollen seh'n, daß ich's schon war 's voriae 5)!abr!"

Corea. Rußland opponirt. Vo kohama. 19. Juli. Ter russi-

sche Gesandte in Seoul hatte eine Audienz beim Kaiser von Eorea, in welcher er gegen die Oeffnung von Viju, dem Hafen am Jalu, Einspruch erhob. Großbritannien und Japan fordern die Erschließung dieses Hafens. Nnbland. Die trans. sibirische Bahn. Washington. 19. Juli. Auf der trans . sibirischen Eisenbahn sind durchgreifende Verbesserungen im Betriebe eingeführt worden. Nach den Mittheilungen, die dem Staats - De partement durch den amerikanischen Eonsul in Moskau zugegangen sind, werden von nun an viermal wöchentlich Expreßzuge Moskau verlassen, und zwar Montags. Mittwochs, DonnerStags und Samstags, und die Ankunft der Exprcßzüge in Moskau ist auf Montag, Mittwoch. Freitag und Sonntag festgesetzt. Bisher gab es nur drei Ezpreßzüge die Woche. Die Reise Dr Moskau nach Dalny kann mittelst ExPreßzuges in 13 Tagen zurückgelegt werden, während sie mit einem gewöhn lichen Zuge 17 Tage währt. Directe Verbindung existirt bis jetzt nur zwi schen Moskru und Jrkutsk. Dann wird der Baukal-See gekreuzt und die Bahn geh! über Harbin und Missowa direct nach Dalny respective Port Artbur. Expreßzüe laufen nur von Moskau nach Jrkutsk. Von hier geht es mittelst einfacher Personenzüge nach der Mandschurei-Station und von dort wiederum per Expreß nach Dalny. Die ganze Reise von Moskau nach Wladiwostok kostet $119.46, von Moskau nach Dalny 3132.55 und tzon Moskau nach Port Arthur S134.05. In diesen Raten ist die Dampferfahrt über den Baikal.ee eingeschlossen. Der Jahrpreis in der 2. Klasse ist um 62 Procent niedriger. Die Entfernung von Moskau nach der Mandschurei'Station beträgt 4197 Meilen, nach Harbin 4780 Meilen, nach Halny 5363 Meilen und nach Port Arthur 5388 Meilen. Spanien. Neues Eabinet. Madrid, 19. Juli. Der König hat folgendem, von Villaverde gebildeten Eabinet seine Zustimmung ertheilt: Premier, Marquis Villaverde, Auswärtiger Minister, Graf Sanbernardo; Justizminister, Herr Buganal; Finanzminister, Herr Besada; Kriegsminister, General Martitegui; Morineminister, Herr Estram; Minister des Innern, Herr Alix ; Kultusminister, Herr Osma; Minister der Landwirthschaft, Hcrr Assoti. - Der frühere Ministerpräsident Silvela erklärte in seiner Rücktritts . Rede am Samstag, Spanien's Interessen bei der marokkanischen Frage machen eine starke Armee und Flotte nothwen dig und er befürworte zur Aufrechthaltung des Status quo in Marocco eine Allianz mit Frankreich. Oesterreich'Ungarn. Fall Lerchenfeld. Wien, 19. Juli. Die bereits kurz gemeldete Verhaftung des 43 Jahre alten Freiherrn Franz Joseph von LerchenfeldAham hat Aufsehen erregt, trotzdem er stets als ein Verschwender bekannt war. Er ist der Sohn des im Jahre 1833 verstorbenen bayerischen Kammerherrn von Lerchenfeld. - Nach dem Tode des Vaters erhielt er sein Erbtheil in barem Geld ausbezahlt, während seine Schwestern Gabriele und MariaAnna Freifrau von Cedlnitzky gemeinschaftlich die väterlichen Güter besitzen. Franz Joseph verge-u dete in wenigen Jahren sein viele Millionen betragendes Erbtheil, und zwar den letzten Rest in Wien. Schisssnachrichten. Angekommen. New Bork: Blücher" von Hamburg, Southampton und Eherbourg; Eeltic" von Liverpool und Queenstown; Columbia" von Glasgow und Moville; La Gascogne nach Havre; St. Paul" nach Southampton und Eherbourg. Liverpool: Arabic" von New York via Queenstown. Abgefahren. Rotterdam: Potsdam" nach New York. Bremen; Barbarossa" nach New York. Queenstown: Umbria" nach Neu York.