Indiana Tribüne, Volume 26, Number 281, Indianapolis, Marion County, 20 July 1903 — Page 1
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Erscheint joden Nariztnittag.
Jahrgang 26.
Indianapolis, Ind., Montag, 20. -Juli 1903
No. 281.
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Rom und mit ihr trauert die eidilisirte Welt um ihn. Friedliches Ende nach langem i Ringen mit km Tode. (Bulletin.) Rom, 2(1. Juli 4:10 Nachm. Die italieuische Regierung meldet, daß Papst Leo soeben aus dem Leben geschieden ist.
Die letzte Stunden. Rom, 20. Juli. Zur Zeit als Cardinal Vanntelli die letzte Absolution ertheilte, waren sämmtliche Cardinäle, welche sich zur Zeit in Rom aufhielten, sowie das diplomatische Corps im Sterbezimmer anwesend. Die Nachricht von dem Tode des Papstes hat die Bevölkerung Rom's in tiefe Trauer versetzt. Unaufhörlich zogen Schaaren nach dem Vatikan und viele von ihnen knieeten vor den Thorren nieder und beteten. Während der letzten Stunden des sterbenden Pontifex herrschte im Vati'
kan eine Grabesstille. Rom, 20. Juli. Sämmtliche in Rom anwesende Cardinäle wurden am Montag Rachmittag ausgefordert, sich im Vatikan anzufinden. Dieses war ein bedeutsames Anzeichen, daß das Ende bevorstehend war. Roch einmal flackerte das Lebenslicht des sterbenden Pontifex auf, aber ein jeder Anwesende war' überzeugt, daß das tapfere Ringen des Papstes mit dem Tode noch vor Schluß des Tages vorüber sein würde. Das heute Vormittag ausgegebene Bulletin lautete wie folgt : Während der letzten Nacht schlief der Papst nur in kurzen Zwischenpausen. Sein Allgemeinbefinden verblieb be ständig ein sehr ernstes. Puls 94, Athmung 32; Temperatur 36 210 Celsius. Rom, 20. Juli. Während des Vormittags schien sich der Geist deS Papstes mit Begebenheiten zu beschäf tigen, welche kurz bevor seine K rank heit ausbrach. mächtigen Eindruck auf
ihn hervorriefen. Einmal bewegte er
seine Hände, als ob er seinen Segen ertheilen wollte und er bewegte dabei den Kopf on der einen nach der ande ren Seite, als wolle er grüßen; zu-
gleich murmelte er vor sich hin: Welche Menschenmenge ! Welche Verehrung !
Mein geliebtes Volk!" Während er
diese Aeußerung fallen ließ, hatte er
sich mit großer Anstrengung etwas aufgerichtet, dann aber fiel er in die Kissen
zurück und seufzte: Oh, das Gewicht
dieser Roben. Kann ich es bis zum Ende aushalten?" Dann wieder citirte er lateinische Verse und Gebete und plötzlich rief er aus: Das Consistorium ist vorüber! Sie können mir nicht länger Vorwürfe machen! Wie viele Gesichter aller Arten! Wie viele Fremde ! Die Kirche triumphirt!"
Nachdem der Papst längere Zeit in einer Lethargie dagelegen hatte, als
ob bereits die Hand des Todes ihn be
rübrt hätte, öffnete er plötzlich seine Augen, er wandte sich sodann an den Cardinal Oreglia mit den Worten:
Eurer Eminenz, welche sobald die Zügel der höchsten Macht ergreifen werden, vertraue ich die Kirche in diesen
schwierigen Zeiten an."
In den Vatican Kreisen wird diesen Abschiedsworten an den Cardinal große Bedeutung beigemessen und es wird ge glaubt, daß sie auf die Entscheidung der Cardinäle, welche an dem Conclave theilnehmen, Einfluß haben werden. Die Depeschenvomgestrigen Tage. Rom. 19. Juli. Der Papst hatte einen Deliriums.Anfall. Das Ende scheint unvermeidlich. Paris. 19. Juli. 3 Uhr 55 Nachm. Auf der Nunciatur ging fol gende Depesche ein: Die Kräfte Sr. Heiligkeit sinken; Zustand hochernst. Rampolla."
nacht sagte Dr. Lapponi zu dem Cor respondenten der Assoc. Presse: Im gegenwärtigen Augenblicke ist der Papst in einem Zustande der Bewußtlosigkeit, den man ein Vorspiel des letzten ToöeZkampfes nennen könnte. Dessen Dauer läßt sich nicht vorherbestimmen, obwohl allem nach dieser Zustand nicht sehr lange währen kann. Um mich genauer auszudrücken, jetzt handelt es sich noch um einen Zustand der Betäubung. aus dem der Papst jedoch gelegentlich durch Geräusche erwacht, so wenn er die laute Stimme eines zu ihm sprechenden Vertrauten vernimmt. Allein gelassen.
Sowohl die italienische Regierung als die vatikanischen Behörden haben endgiltige Vorbereitungen für den Tod des Papstes getroffen. Die Regierung übt eine scharfe Telegraphen- und Tele Phon'Censur über alle Mittheilungen zwischen Italien und dem übrigen Con tinent aus. Zu dieser Stunde verweilen nur we nige Personen im Vatican. Dr. Maz zoni, Dr. Rossoni und die Cardinäle sind nach Hause geganzen, des letzten Rufes gewärtig. Seit dem Eintreten der Depression ist der Zustand des Papstes rasch schlimmer geworden. Zum ersten Male er-
an dem beschleunigten Puls, der auf 93 gestiegen war, nachdem er sich in den letzten Tagen zwischen 83 und 90 gehalten. Aus dem Patienten schien all' die bis jetzt gezeigte Lebenskrast ent wichen zu t-in.
Er flehte die Umgebung an, ihn nicht allein zu lassen. Trotzdem sein Denkvermögen stark geschwächt war. verlangte er wieder Messe zu hören. Sie wurde im Nebenzimmer abgehalten; er folgte der Ciremonie und nahm mit äußerster Schwierigkeit das Abendmahl. Fast unmittelbar darauf sank er in einen Zustand völliger Er-schöpsung.
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Sterbezimmer Leo des Dreizehnten.
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i Papst Leo XIII.
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TaS Konsistorium.
R o m, 19. Juli. Groß.Peniten. tiar Cardinal Vannutteli, der die Sterbegebete zu verrichten hat, betrat heute Abend 9 Uhr das Krankenzim mer. Es gilt dies als Zeichen, daß die letzte Stunde für den Papst naht. Rom. 19. Juli, Mitternacht. Der Papst liegt heute Nacht in einem Zustände der -Betäubung und die Aerzte hegen schwere Zweifel, ob er jemals wieder völlig erwachen wird. Die un mittelbare Auflösung scheint durch die Fortdauer der Herzthätigkeit vermieden zu werden. Der.Pnls ist, wenn auch schwach, doch stetig. " Kurz vor Mitter-
fällt er sofort wieder in die Erstarrung zurück. Zeitweilig murmelt er in seinem Schlaf und bildet sich ein, er sei von seinem Kammerdiener Centra und mir verlassen. ES sind dies die Symptome der beginnenden ogemejnen Auflösung. Er kann seine Lage im Bett ohne Hilfe nicht mehr verändern und wird durch künstlich; Reizmittel am Leben erhalten. In den letzten 23 Stunden hatte er 2 Einspritzungen mit Campheröl, drei mit Caffein und 2 mit Salzwasjer, außer dem V.rschlucken von Stimu lanzen."
srvieS sich auch da- Wetter äußerst un-
günstig. Eine glühende Hitze befiel die ?tadt und die brennende Sonne strahlte von dem großen Petersplatze zurück gegen den Vatican. Selbst die leichte Brise kam mit heißen Wellen vom Süden. 'Dies hat das Unbehagen des Patienten beträchtlich gesteigert. Er hatte eine ruhelose Nacht verbracht, nur in kurzen Zwischenräumen und selbst dann unruhig geschlafen. Dr. Lapponi verweilte die ganze Nacht in dem Krankenzimmer. In der .Vormittagsconferenz bemerkten die' Aerzte eine entschiedene Verschlimmerung, besonders
Inzwischen hatte der gefährliche Zu stand des Papstes ungeheuere Erregung in der Stadt verursacht. Als sich die Betäubung zum erstenmale einstellte, machten die Aerzte dem Cardinal Rampolla formelle Mitthei' lung von dem Ernste der Lage und dieser verständigte das heilige Colle gium. Bald war der Eingang zum Vatikan mit Würdenträgern der Kirche und Diplomaten gefüllt, die ängstliche
Nachfragen anstellten. Zweimal war ein falsches Gerücht über den Tod des PavsteS in Umlauf gewesen. ,c Nach Sonnenuntergang, als d.e Erstarrung sich etwas löste, wurden Car-
dinal Tuto und der Beichtvater Pifferi in das Krankenzimmer gerufen. Als die lateinischen Gebete gesprochen wur den, schien Leo XIII. beim Klänge der geliebten Sprache aus seiner Betäu bung zu erwachen und gab Zeichen von Bewußtsein. Er erhob sein Haupt
und ertheilte dem Cardinal Tuto in langen Pausen, mit fast unhörbarer Stimme, den Pontisical-Segen. .Infolge der Anstrengung siel er wieder in die Bewußtlosigkeit zurück. Rom, 20. Juli, 4 Uhr 55 Morgens. Zu dieser Stunde wird angekündigt, daß das Befinden des Papstes augenscheinlich unverändert ist. Roosevelt's SympathieDepesche. R o m, 19. Juli. Die SympathieDepesche des Präsidenten Rooscvelt ist hier eingegangen. Tie vatikanischen Behörden schätzen diese Aeußerung des amerikanischen Präsidenten sehr hoch und sie erinnern an den Verkehr zwischen Präsident und Papst anläßlich des Austauschs von Präsidenten-Botschasten und päpstlichen Encyclicas. Cardinal Rampolla sandte eine Dank-Antwort. Rom. 20. Juli, 4 Uhr 5 Morgens. Wenn der Papst von seinen Wärtern gerufen wird, so macht er noch immer große Anstrengungen, um sich aus der Betäubung zu reißen, in die er gesunken ist, sinkt jedoch bald wieder krastlos zurück. Es besteht die Vermuthung, daß der Wechsel im Befinden von Blutvergiftung, eine Folge der Nierenstörungen, herrührt. Die medicinische Seite der Krankheit wird viel besprochen. Einer zuverlässigen Mittheilung zufolge war be reits eine dritte Operation zur Entfernung der Flüssigkeit in der Brusthöhle
ausgeführt, wurde aber nicht bekannt
gegeben, um das Publikum nicht noch mehr zu beunruhigen. Derselbe Gewährsmann theilt mit, daß Lapponi und Mazzoni in Gegenwart eines No tars einen schriftlichen Bericht aufgesetzt haben, der die genaueren Einzel heilen des Krankheitsverlaufs fchi bett. Abschriften hiervon sind bei Cardinal Rampolla und Mgr. Cagiano de Azevedo, dem Major Domus des Papstes, deponirt. Der Zweck dieser Berichte ist, nachträgliche mögliche Kritiken über die Behandlung beantworten zu können. Wie man hört, drückten sich die Aerzte in ihren Bulletins nicht so offen auS, als sie gewünscht hätten, indem manche Einzelheiten auf dringendes Verlangen der vatikanischen Behörden unterdrückt werden. Pobedonoszesf über den Papst. St. Petersburg. 19. Juli. Herr Pobedonoszeff, Prokurator der heiligen Synode, bemerkte heute zu dem Vertreter der Assoc. Presse: Papst Leo hat viele Bewunderer in Rußland. Er ist die hervorragendste Persönlichkeit in der politischen Welt heutzutage, nicht bloß wegen seiner Stellung,, sondern in gleicher Weise wegen seines Charakters. (Schluß auf der 5. Seite.)
