Indiana Tribüne, Volume 26, Number 280, Indianapolis, Marion County, 18 July 1903 — Page 4
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Jndtana Tribüne, 18. Juli 1903.
Ndiana Tribüne. HtrauZzeacdkN von der utberg S. Indianapolis, Ind.
Harry O. Thudinm Präsident. Geschäfts local: No. 31 Süd Delaware Straße. TELEPHONE 2G9. nierei at the Post Office of Indianapolis as second dass matter. Elliott's Rücktritt. TaZ städtische politische Bild hat durch das Zurückziehen von Chas N. Elliott's Candidatur für rep. Stadt Clerk eine an sich unbedeutende Verän derung erfahren. Aber so unbedeutend sie ist, so interessant ist sie. ES ist ja an sich richtig, daß Herrn Clliott Nachlässigkeit in ' seiner Buch führung nachgewiesen ist, aber Herr Elliott gab diese Nachlässigkeit selbst zu, er versuchte sie während der Unter suchung nicht zu beschönigen. Unreb lichkeiten aber beging er nicht, daZ wurde in der Untersuchung klipp und klar bewiesen, er war e selbst, der zuerst dafür sorgte, daß auS seiner Nachlässigkeit der Stadt kein Schaden erwuchs. Daß nachlässige Buchfüh rung verdammenswerth ist, versteht sich von selbst, wo aber sindet man städtische Beamte, die sich niemals der Nachlässig keit schuldig machen. Wenn in Land und Stadt alle Beamten ihre Pflicht treu erfüllten, dann wäre das goldene Zeitalter da. Nun aber fühlt sich Herr Elliott bewogen, wegen dieser Nachlässigkeiten seine Candidatur für dasselbe Amt zu quittiren. Wir sind der Ansicht, daß dies zum Mindesten unklug ist; denn dadurch öffnet er böswilliger Nachrede die Thür und giebt den gegen ihn erhobenen Beschuldigungen größeres G: wicht, als ihnen vom Publikum beigemessen wurde. Die Oeffentlichkeit war geneigt, sich mit der Aufklärung über Elliott's Amtsführung zufrieden zu geden, und erwartete, daß er, wenn wie. der erwählt, die Irrthümer, die ihm so viel Unannehmlichkeiten verursacht hat ten. besser und sicherer vermeiden könnte, als ein neuer Clerk. Wie Herr Elliott in seinem Rück, tritt-schreiben bekannt giebt, glaubt er, der Partei dadurch Nutzen zu. bringen. Mit spartanischem Heldenmuthe opfert zx sich für da5 republikanische Ticket oder vielmehr für den erhofften Erfolg desselben. Während wir das Gefühl, dem er Ausdruck giebt, achten, glauben wir, daß er unweise gehandelt und die republikanischen Chancen, anstatt sie zu stärken, geschwächt hat. Durch sein Zurücktreten macht er das Verbleiben Logsdons auf dem Ticket höchst unangenehm uv.j giebt den politischen Gegnern eine Bresche, die sie zu benützen werden wissen. Sie werden sagen, Elliott und Logsdon waren beide unter einer Wolke, beide .wurden bei der Untersuchung reinge waschen. Elliott aber scheint seiner Rehäbilitirung durch das Stadtraths Comite keinen Werth beizumessen, denn er erklärt, daß seine Amtssührung immer noch beim Publikum als fragwürdig erachtet werde. Während Logsdon sich völlig befriedigt erklärt und auf den günstigen Auszang der Untersuchung pocht, tritt Elliott zurück, weil er diesen Ausgang nicht für genügend hält. Sie werden Elliott's Handlung Bcifall zollen und Logsdon, weil er nicht ebenso handelte, angreifen. Herr Elliott hat also nicht seiner Partei 'einen Dienst erwiesen und das Ticket durch seinen Rücktritt gestärkt, sondern geschwächt. Erließ sich ganz einfach durch Druckerschwärze zu seinem und der Partei Schaden in's Bockshorn jagen. Seine Partei wird ihm im V:rlaufe der Campagne für fein Opfer wenig Lank wissen, weil er das ihm von der Partei durch seine Wieder Nomination gebrachte Vertrauens-Votum als werthlos desavouirte. George Washington soll nun wirk lich ein Denkmal in London errichtet werden. Diese neueste Schweifwedelei der Briten steht auf der Höhe der Zeit nun sollte auch Bismarck ein Denk mal in Paris haben.' Gompers' Antwort auf Parry's Drohung, daß er sein Geschäft nach einer anderen Stadt verlegen würde, wenn man Unionarbeit erzwingen wolle, klingt so verständig und maßvoll, daß Parry albern dagegen ausschaut. Mit Arbeitern, die Hungerlöhne erhalten, kann Parry der Stadt wenig nützen.
Hay hat also mit Noosevelt in der Man5schurei Frage Blindekuh" ge spZelt,und ohne seinen hohen Chef zu fragen 'den russischen Bären zur Strecke gebracht. Hay scheint mehr Jagdglück auf Bären zu haben wie der Rough rider".
Ob in dem Wettrennen Oberge richt gegen Folk der Bollblut'Staatsanmalt gewinnen wird? es wird wohl hauptsächlich eine Frage des Gewichts sein und auch wie der Draht" gezogen wird. Folk hat bis jetzt 18 Budlern Anwartschaft auf Freiquartier im Zuchthaus gegeben. Ein Urtheil gegen den schwör e mal Lehmann", der aber inzwischen wieder verurtheilt wurde, ist umgestoßen worden. Die anderen Berufungen hat das Obcrgericht noch nicht entschieden. u. . Der dieser Tage zum Mitglied der französischen Akademie gewählte Hiftoriker Frederic Masson, der sich der Erforschung der Persönlichkeit Napolcon's gewidmet, hat unter Anderem einen Band Ein unbekannter Napoleon" veröffentlicht, in dem eine merkwürdige Schrift angeführt ist, die Napoleon damals noch der Lieutenant Buoneparte im Jahre 1791 der Akademie von Lyon eingereicht hat. Es heißt darin: Der Mensch hat durch seine Geburt das Recht auf den zu seiner Existenz nothwendigen Antheil an den Früchten der Erde Sein kräftiger Arm in Uebereinstimmung mit seinen Bedürfnissen, verlangt Arbeit. Er wirft einen Blick um sich und sieht das Land unter wenig Hände ausgetheilt, den Luxus und den Rechtstitel, den diese Leute haben. Warum hat der Nichtsthuer alles, der arbeitende Mensch fast nichts? Die Gesetzgeber haben aus der Gesellschaft Diejcnigen ausgeschlossen, die nichts besaßen, oder die nicht eine gewisse Steuer be zahlten. Warum diese zweite Unge. rechtigkeit ? Politische Erwägung ohne Zweifel! Aber in den Augen der Moral, der Menschlichkeit ! Wenn ich einen dieser Unglücklichen die Gesetze des Staates übertreten und bestraft sehe, sage ich mir: Es ist der Starke, der den Schwachen zu seinem Opfer macht Sagt den Reichen: Du hast zu viel und jene nicht genug. In eurem Loos ist Gleichheit, mit dem Unterschied, daß .du, unterrichteter, es verbessern kannst, während sie nur zu seufzen vermögen. Kalter Mensch, hat dein Herz wirklich niemals mitleidig gepocht? Ich beklage und ich verabscheue dich." Der Dictator Napoleon dachte anders als der Lieutenant. W:r die Niagara-Fäll: noch einmal in ihrer ganzen Pracht und Herrlichkeit sehen will, wird sich beeilen müssen, da der Jndustrialismus in seiner Unersättlichkeit im Begriff steht. dieses schönste aller Naturwunder unseres Planeten auszuschlachten, so daß in wenigen Jahren nicht mehr viel davon übrig sein wird. ' Das heißt in ihrer ganzen Pracht kann man die berühmten Fälle, die alljährlich das Reiseziel von Hunderttau. senden von begeisterten Naturfreunden sind, schon jetzt nicht mehr sehen. Verschiedene industrielle Unternehmungen haben ihnen bereits den sechsten Theil ihres Wassers abgezapft, fo daß man im letzten Winter, als auch noch ein Eisstau oberhalb von Goat Island sich gebildet hatte, zum ersten Mal zu Fuß durch den Amerikanischen Fall" zu gehen vermochte. Die Anzapfung der Niagara-Fälle soll nunmehr in weit rascherem Tempo betrieben werden. Auch von den imposanten Wassermassen des Canadischen Falles" will man in nächster Zeit einen großen Theil durch einen Canal zu industriellen Zwecken ableiten. Außerdem steht man im. Begriff, eine ganze Anzahl von Canälen zu bauen. die aus dem einen oder anderen der großen Seen ungeheure Wassermassen ableiten werden, so daß der Ausfluß aus den Seen in ganz andere Wege geleitet und für die Fälle nicht mehr viel Wasser übrig bleiben wird. So wird allem Anschein nach bereits in wenigen Jahren den Niagara-Fällen ein ähnliches Schicksal beschicken sein, wie dem berühmten, vor wenigen Iah. ren noch malerisch schönen und romantischen Minnehaha-Fall bei MlnneapoliS, dessen herrliche Fluth während des größten Theiles de? Jahres nahezu versiegt ist und in welchem nur noch ein dünnes Bächlein wie im leisen Klageton hernieder plätschert, wo bisher imposante. Wassermassen sich von der überhängenden Klippe schäumend in die felsige Tiefe stürzten.
Ans Stadt- und County-Ber-
valtung. Der neue Bahn-Contract. In informeller Weise besprachen gestern der Mayor, die Mitglieder der Behörde sür öffentliche Werke, Stadt anwal Joß und Quincy A.Myers aus Logansport, der Anwalt der Jndpls.. Logansport & Chicago Railway Co., das Gesuch dieser neuen Bahn um das Einfahrts'Privilcg in Indianapolis. Die Stadtverwaltung beantragte, daß in dem betr. Contracte b.-stimmte Clau sein betreffend Errichtung von Schlag bäumen, Anstellung von Wächtern an Kreuzungen und andere Sicherheit maßregeln enthalten sein müssen, ehe das Privileg ertheilt werden kann. Ebenso müsse die Bahn sich verpflich ten, ihre Linie in einer bestimmten Frist zu erbauen, ihre Geleise hochzulegen, wenn dies verlangt werde etc. Ferner sollte die Bahn genau auseinander setzen, welche Vortheile der Stadt In dplZ. aus dem Baue und Betriebe der neuen Linie erwachsen werden. In der Ofsice des Stadtanwaltes wurden dann nach der Conferenz diesbezügliche Contract - Specisicationen entworfen. Wahrscheinlich wird der Contract im August dem Stadtrath zur Begutachtung, resp. Annahme vorgelegt werden. Angebote für die Jrvington Schule. Die Schulbehörde eröffnete in einer gestern Mittag abgehaltenen SpecialSitzung die für den Bau der neuen Schule inJrvington eingelaufenenCon-tract-Angebote wie folgt: George Weaver & Son ..$35,000.00 I. A. Schumacher Co.... 36.200.00 Wm. P. Jungclaus & Co. 37.300.00 Henry Dalton 37,855.00 R. C. Pierson & Son . . . 30.607.00 Warren Wise 40,466.00 B. Smock 37.355.73 Wolfs 6 Harrison 37,474.00 Für die Einrichtung des He!zAppa rates in der Schule waren 15 versch. Angebote eingelaufen, wovon das niedrigste, $3995, das von Mack & Cook war. Die Behörde nahm die Augeböte einstweilen unter Berathung. Sie hatte erwartet, daß däs Gebäude mindestens 545,000 kosten würde. Gerechte Opposition. Die Bewohner der Nachbarschaft der Standard Oil Co. Waarenlager mn Pine- und Lord Str. agitiren lebhaft für die Passirung der Moriarity'schen Ordinanz, durch welche die Anlage von Lagerhäusern für Oele Gasolin :c. von mehr als 100 Gallonen Fassungskraft innerhalb der Stadt verboten werden soll. Das neuliche Feuer hat den Bürgern heillose und begründete Angst eingejagt und sie werden in der betreffenden Siadtraths-Sitzung. nicht schien, um auch dort für die Passirung der Ordinanz zu arbeiten. L 2. P a r k - Verbesserung n. Die Parkbehörde vergab gestern die folgenden Parkvcrbesserungs-Contracte: Verbesserung des Flower MissionParkZ auf den Stadthofpital-Grünöen an A. Wacker für $5277. Die Ver besserung besteht aus Nivellirung des Terrains, Legen von Drainage-Röhren und Herstellung . von Pfaden aus Eement. Verbesserung des SpadeS' Place durch Legen von Drainage-Röhren und Kiespflasterung der Wege an I. D. Hoß, zu 10c per Quadratfuß der Wege und 47c per Längenfuß der Röhren. Meridian H ei g htS - Krieg. Vor den County-Commissären ist eine hitzige Fehde bezüglich der Meri dian Str., resp, der Verlängerung der Straße durch Meridian HeightS" entbrannt. 34 Grundbesitzer, darunter Charles S. Lewis, Linton A. Cox, C. E. Hollomay, Pertie Herod, S. W. Kahn u. A. haben nämlich um die Verlängerung der Meridian Str. durch die Meridian HeightS" bis zum Canaie petitionirt. Dagegen opponiren nun plötzlich John H. Stem, Dr. I. N. Hurty, Henry W. Piel, JameS H. Alvey, Eoerett Wagner, V. T. McGilliard, F. A. W. DaviS, I. K. Sharpe, Jr., W. H. Schmidt, R. R. Rowntree, A. A. McKain, John B. Cockrum, A. A. Townley, JameS Hooker, John W. Kern, Joseph E. Bell. Chauncey Clark und A. P. Hendrickson. Sie verlangen, daß die Straße bleibe, wie sie ist. Die Verlängerung sei zwecklos und zu kostspielig etc. Und die County-Fommissäre kratzen sich die Köpfe. ' "t Die hi esigenElks reisen heute Abend um 6 Uhr 20 per Special-Zug nach Baltimore zur Groß-Logensitzung. Jos. Fanning, der hiesige Candidat für Grand Exalted Ruler. ist bereits gestern Abend dorthin gereist. " -
Ein Vielgewünschter
Von Capt. Gerber mit Harry Rosenthal's Hülfe eingefangen. Unter der Doppelanklage des Groß diebstahls und der Gesetzesflucht wurde gestern Morgen von Tetectiv Capitän Gerber ein sich Carl E. Spain nen nender und für einen Pferdezüchter aus Cincinnati ausgebender, 24-jähri ger Bursche eingesperrt, und zwar auf Veranlassung des Leihstall . Besitzers Harry Rosenthal von der Ost Washington Str. Zu diesem war Spain alias PowerS gekommen und hatte ihm ein Pferd zum Verkaufe angeboten, und Rosenthal hatte ihm gesagt, er bedürfe selbst keines, kenne aber Jemand, der eins kaufen wolle. Uud so hatte Rosenthal den ihm verdächtigen Burschen zur Station gebracht und Capt. Ger ber vorgestellt. Derselbe erkannte ihn an 4 goldplombirten Vorderzähnen als einen alten Bekannten, resp, einen notorischen Dieb, und Spain's Verhaftung war die Folge. Er verwickelte sich im Kreuzverhör in mehrfache Wi dersprüche und machte auch einen Fluchtversuch auSdem DetectivS Hauptquartiere, der jedoch vereitelt wurde. In seinen Taschen wurden $56 in Baar und mehrere Bank-Checksormu-lare gefunden, und es wurde ferner ermittelt, daß er am Donnerstag dem in No. 216 Ost North Str. wohnhaften D. C. Hitt ein offenbar gestohlenes AerzteBuggy für ein anderes und $40 in Baar verkauft hatte. Spain's Record ist ein schlimmer und sein Bild befindet sich in jeder Ver-brecher-Galleric des Landes. 1898 war er von den Tetectivs Kinney und Splan nach hartem Kampfe wegen Fälschung und Großdiebstahls verhaftet und in's Zuchthaus gesandt morden. Nach 2-jähriger Haft entlassen ging er nach Cuba, wo er neue Frevelthaten beging, und später verübte er in Cincinnati wieder mehrere Verbrechen, wegen derer er jetzt auch verlangt wird. Die hiesige Polizei hält ihn für den Pferd- und Buggy-Dieb, der sich während der letzten Wochen so unangenehm bemerkbar gemacht hat. John Weber's Wirthschaft, No. 764 Weft Nortl, Str. Grundeigenthunls Uebertragungen. Catharine F. Carroll an Nicholas Noe, Lot 42 in McCarty's South Add. $2.000. John R. Kennedy an Wm. R. alpin u. A., Thell von Lot 72 in Brure Place Add. $1,100. : Chas. Mayer u. A. an Christian Spiegel, Theil von Lots 1 und 2 in Sqr. 72, nahe Senate Ave. und Madison Str. $16.000. - Annie M. Egan an Annie T. Egan, Lot 343 in Noble'S Erben Subd. von Out 45. $2.500. Hermoine Speer an Nannie H. Kemp, Lots 1 bis 5 in Copeland's Shelby Str. Add. $1,500. George E. Shannon an Sarah E. Campbell u.'A.. Lot 210 in der nämlichen'Add. $1.700. Harriet Pinney u. A. an Frank E. Bronson, LotS 314 bis 317 und 304 bis 307 in Light's Bellevue Addition. $1,400. Marie Miller an John L. Moore, Lot 34 in Stumph's Subd. Don Theil von Outlot 44. $1.500. David A. Coulter an Eva F. Copeland, Lot 150 in Douglaß Park Add. $1,000. Elizabeth M. Rusk an Helm C. Vail, Lot 12 in Vail's E. Washington Str. Add. $9,000. Heien C. Vail an Elizabeth M. Rink, die nämliche Lot. $9.000. Della M. Rice an Edgar H. William5, Lot 51 in Lewis & Cos. Arsenal Heights Add. $2,500. Ein dt Unter. Der Lehrer stellt seinen Schülern die Aufgabe, einen Satz zu bilden, in dem das Wort immerhin" vorkommt. Situ ner, außer der schlaue Wirths-Xaverl. findet einen solchen Satz: Wenn bei uns g'rauft wird, dann ist einer immer bin." ; Mctztigcr GeMzKNsmann. Sonntagsjäger: De? Wildprethändler Meier ist wirklich eine Perle des Berufes. Wenn er einem auf der Straße begegnet, thut er, als ob er einen nicht kenne." Sei protzcns. Besuch: Wie schnell Ihre Tochter wächst?" P r o tz : Nicht wahr? Sie wächst mit ihrer Mitgift um die Wette!-
verlangt: Ein cichoigcl. jjHs Si .Schwaben" Im Tcutfjcu Reich tnüficn vertilgt uwrdcn. Wenn die Reichsboten aus allen Gauen Deutschlands das nächste Mal in der Weltstadt an der Spree sich wieder zusammenfinden, so werden die Württemberger, die in alten Zeiten das Reichspanier getragen, wohl in ders elben Anzahl einrücken, aber jene schwarzen Käfer, welche, despektirlich Schwaben" genannt, seit einigen Jahren in den Räumen des Prachtgebäudes sich erngenistet, sind hoffentlich dann den Weg alles Irdischen gewandelt. Jene großen rabenschwarzen Käfer nämlich haben sich besonders in den Räumen oberhalb des Lesesaals der Bibliothek heimsch und lästig gemacht. Alle Vemühungen, sie auszurotten,' sind bislang fruchtlos geblieben, und selbst ein königlich preußischer Kammerjäger, der all' seine Künste spielen ließ, hat nur vorübergehenden erfolg erzielt. Diese schwarzen Käfer, die am Tage sich versteckt an warmen Stellen aufhalten. machen im Dunklen sich dadurch bemerkbar, daß sie einen lauten Knall von sich geben, wenn man auf sie tritt. Sie stören somit hin und wieder die ernste Ruhe und den Gedankengang manches Reichsboten, der über die Unsterblichkeit der Mai- und anderer Käfer sich den Kopf zerbricht. Uebriqens sind diese
Käfer .im Reichstage gewissermaßen eine zoologische Merkwürdigkeit, da es durchaus räthselhaft ist, wovon sie dort ergentllä) stch nähren. Endlich hat ein echter Schwabe, der mit der Ruhe eines Naturforschers über dieses schwierige Problem nachgedacht, die erfreuliche Entdeckung gemacht, daß da nur ein Igel helfen kann. Der Igel führt gleichfalls nur ein Nachtleben, er laust sunk und gewandt herum, sangt Mäuse und frißt namentlich gern Schwaben" in möglichst großen Mengen. Der Hausmeister des Gebäudes' trägt sich auch mit der Absicht, einen Reichsigel anzuschaffen und bei der BudgetKommission des nächsten Reichstages um Indemnität nachzusuchen. Glücklicherweise handelt es sicü um eine einmalige Ausgabe, die den Hausetat nicht zu jehr belasten wurde, indem Unterbaltunaskosten nicht entfteben. weil eben der Igel von den greulichen Schwaben sich nähren soll. Mondpkascn und Nezcn. Den Einfluß der Mondphasen auf den Regen hat W. Ellis auf Grund der Beobachtungen zu Greenwich in den Jahren 1862 bis 1901 untersucht. Er berechnete für diese 40 Jahre die mitt lere Höhe des Regenfalls für den Tag des Neumondes und den 'vorhergehenden fowie den nachfolgenden Tag,.ferner die mittlere Regenhöhe für den Vollmond und den vorhergehenden sowie den nachfolgenden Tag. Auf diese Weise mußte sich herausstellen, ob, wie die Volksmeinung glaubt, zur Zeit des Neumondes mehr Regen fällt, als um die Zeit des Vollmondes. Wurde die ganze Beobachtungsperiode in vier Abschnitte von je zehn Jahren zerlegt, so ergab sich, daß 1862 bis 1871 zur Zeit des Neumondes 4 Prozent weniger Regen gefallen ist, als zur Zeit des Vollmondes; in der Periode 1872 bis 1881 etwa 12 Prozent weniger; .in der Zeit von 1882 bis 1891 dagegen 10 Prozent mehr, in den Jahren 1892 bis 1901 sogar 67 Prozent mehr. Wurde man also blos die Jahre 1862 bis 1881 in Betracht ziehen, so müßte man'zu dem Schlüsse kommen, daß der Vollmond den Regcnfall etwas vergrößert, während die Beobachtungen von 1892 bis 1901 ergaben, daß der Neumond erheblich mehr Regen bringt. Der riehtige Schluß aus allen Beobachtungen ist natürlich der, daß gar keine Beziehung zwischen den Mondphasen und der Regenmenge stattfindet, die VolksMeinung also irrig ist. Zu dem gleichen Ergebnisse sind früher andere Meteorologen ebenfalls gelangt. Freiwillige Vcrstümmclnugcn. Vor etlichen Jahren verurtheilte das Militärgericht in Odessa, Rußland, einen gewissen Jchcnholz wegen gewerbsmäßiger Verstümmelung militärpflichtiger Personen durch Einspritzung einer Entzündung erregenden Substanz in die Gelenke zum Verlust aller Rechte und zur Einreihung in die Arrestantenkomvagnie auf 3h Jahre. Sa, verschwand der unberufene Chirurg von der Vlldflache, doch sein G:he:mniß ging als Erbschaft an seine Frau über, die diese Kunst" mit einer ganzen Bande ausübte, bis sie neulich während einer Operation" in einem Eisenbahnabtheil auf der That ertappt und verhaftet wurde. Die Untersuchung der zur Einspritzung benutzten Flüssigkeit erwies sich als eine Lösung verschiedener aromatischer Ingredienzien in Spiritus. Auch fand man bei der Verhaftung der Jchenholz einige Fläschchen mit Kerosin. Die Medizinalbehorde sprach sich dahin aus, daß Einsvrikunaen mit dieser Lösung und Kerosin zweifellos zuGelenkentzündungen führen müßten. Insoweit folgte die Angeklagte den Spuren ihres Gatten, wich aber darin von ihnen ab, als das Ziel, auf das sie hinarbeitete, ein anderes war. Ihr war es nicht um die Befreiung der Patienten" vom Militärdienst zu thun, sondern darum, den operirten Personen, die für den Fall der Invalidität versichert waren, die Versicherungsprämie zuzuwenden. Das aelana auch in vieter Fällen.
Der schaukctnde Pütjatin. Der feierliche Empfang, der kürzlich dem sächsischen König Georg bei seiner Rückkehr in die Residenzstadt Dresden bereitet wurde, erinnert an ein höchst ergötzliches Vorkommniß anläßlich eines ähnlichen Vorgangs vor nun fast hundert Jahren. Damals (1815) kehrte der erste Sachsenkönig, Friedrich August der Gerechte, nach längerer ArWesenheit ebenfalls zurück und passirte dabei das Elbdörfchen Klein-Zschach-roitz. Hier wurde er von der Schul- ' jugend aufgehalten und von allen Seiten gab es einen förmlichen Blüthenregen. Der Veranstalter desselben war der russische Fürst Nikolaus Abramowitsch Putjattn, der damals in KleinZschachwitz wohnte. Auf der Weiterfahrt mußte der König dann unter einet Ehrenpforte hindurch, und in demselben Augenblick traf ihn erst recht eine starke Blumensalve. Sie kam diesmal geradenwegs von oben, denn in der Ehrenpforte pendelte eine mäch tige Blumenkrone, uxib Putjatin leibhaftig, saß in dieser Schaukel. Das Bombardement war so heftig, daß der König, als er es glücklich überstanden hatte, äußerte, Putjatin müsse rneMocapt" sein. Und daö ist dieses russische Original auch in der That fortwährend hinreichend gewesen; es äußerte sich in seinem ganzen Gebahren. Die Klein -Zschachwitzer, namentlich ihre Schuljugend, hatten ihm aller- ? dings viel zu danken. Denn er baute ihnen ein Schulhaus und ließ auch für ordentlichen Unterricht darin soMn. Aber dieses Schulhaus, das noch zu sehen ist, hatte die Eigenthümlichkeit, daß es nur ein sehr spitz verlaufendes, drei Stock hoch aus dem Erdboden heraus wachsendes Dach war. Auch seine Residenz hatte genug Seltsames; wem ger wegen ihrer 16 Balkons, als z. B. deshalb, weil eins der Fenster des Zimmers der Fürstin direkt in den Kuhstall hinein schaute; Fürst und Vieh hausten so, nur durch eine dünne Glaswand abgetrennt, unter gleichem Dache. Die' besondere Leidenschaft des Fürsten ging aber auf's Schaukeln, womit er die meiste Zeit zubrachte. Er baute sogar den Schulkindern ein Tempelchen, zwischen dessen Säulen sich lauter Schaukeln bewegten. Vom Obergeschoß seiner Wohnung nach dem Garten verkehrte er gar nur mittelst russischer Rutschbahn. Aber damit nicht genug; wenn Putjatin, was hin und wieder vorkam, den nahen Sonnenstein bei Pirna jetzt die LandesJrrenanstalt! besuchte, zog er dazu besonders dauerhafte Hosen an, um auf diesen den Berg wieder hinab zu gleiten. Auch sonst hatte der Russe allerlei recht seltsame Gewohnheiten. So pflegte Putjatin Vormittags alle Besuche nur splitternackt zu empfangen. Er hielt sich dazu in einer Art Zwischcndeck auf, von dem aus er zwar sehr lebhaft parliren, aber glücklicher Weise nicht gesehen werden konnte. Er meinte, die Luft müsse täglich einige Zeit freien Zutritt zum Körper haben. Im Jahre 1830 ist der seltsame, in ganz Dresden und weit darüber hinaus bekannte Mann gestorben.
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