Indiana Tribüne, Volume 26, Number 277, Indianapolis, Marion County, 15 July 1903 — Page 6
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o O o O o O o O o O o O o O o O Der weiße Tod Noman ous der Glctschcrwelt. o Von Vubolf5trat. OoocOoOoCoOoOOoOoOoOoOoOOG o (Fortsetzung.) Der Wind pfiff um ihre Ohren, vor ihr ballte sich in Wirbeln der fliegende Schnee, die Eisenspitze des Stockes knirschte, während es in sausender Fahrt bergab ging, rascher, immer rascher, bis sie den Athem zu verlieren glaubte und im hilflosen Weiterrutscheu ein lautes Halt!" schrie. Zum Brunnen hinter ihr faßte sie am Genick wie einen jungen Teckel, dachte sie unwillkürlich in lachender Empörung und schwenkte sie etwas zur Seite. Die Fahrt verlangsamte sich. Sie standen still und sahen erhitzt und rasch athmend die lange weiße Halde empor, an deren oberem Rande sie beinahe in diesem Augenblick noch gestanden hatten. Im Zickzack ging's jetzt weiter hinab, über weichen Schnee, in dem der Fuß tief einsank und der Körper sich seitlich auf die Eisart stützte. Einmal noch ein kurzer Halt. Die Führer prüften, die Pickel vor sich in den Boden stoßend, den Umfang einer Firnspalte, deren Vorhandensein überhaupt zu erkennen, für Elisabeth ein Ding der Unmöglichkeit schien. Dann ging es hinüber immer vorsichtig in die Fußstapfen des Andern und weiter bis zu den Schutthügeln des Gletschers im Grunde. Als sie dort standen, waren der Berg und seine Schrecken überwunden! Das Haupt nach rückwärts gebogen sah Elisabeth zu der finsteren, senkrecht abstürzenden Höhe hinauf, zu diesem Chaos von schroffen Wänden, von jähen Schneehängen und schwindlig absteigenden Felskaminen. Daß ein Mensch da herunterkammen konnte, schien ihr kaum glaublich. Und daß sie selbst eben dies Wunder vollbracht, das erfüllte sie mit einem eignen Gefühl von ruhiger Kraft, mit einer stolzen Daseinsfreude, dergleichen sie noch niemals empfunden. Wahrlich, dieser Tag heute war werth, gelebt zu werden. Zum ersten Mal sah sie hier, im Eis und nebelumzogenen Gestein, was eigne Kraft und eigner Muth bedeuten. Der Wägi neben ihr räusperte sich und machte eine unschlüssige Vewegung. Ihre Leute unten im Hotel werden in Sorge kommen!" sagte er endlich zu Elisabeth. Wieso? Ich habe ja hinterlassen, daß ich diese Nacht in der JungfrauHütte bleibe!" Wohl. Und jetzt sind wir von der Jungfrau umgekehrt und gehen zu einer anderen Hütte. Wenn heute vom Roththal her Partieen über die Jungfrau kommen und erzählen in Grindelwald. sie hätten Niemand in der Verglihütte getroffen, so könnt' man meinen, es wäre uns im Nebel übel gegangen!" Zum Brunnen nickte, und Wägi fuhr fort: Sie kommen mit dem Christen allein gut über den Gletscher. Es ist besser, ich lauf' unterdes hinunter. Zu machen ist morgen doch nichts bei dem Wetter!" So geschah's. Er seilte sich los und verschwand in hurtigem Trab, um längs der Gletscherfelsen hin noch vor völliger Dunkelheit das vier Stunden entfernte Dorf zu erreichen, und mit dem Alten allein stieg Elisabeth die Moräne empor. Das schlüpferige Geröll kollerte ihr unter den Füßen weg. Bei jedem Schritt aufwärts sank sie wieder eine Strecke zurück, bis endlich der Führer ihr beistand. Er reichte ihr den Handgriff seines Pickels. Den umfaßte sie mit beiden Händen, während er den Bergstock nahm, und ließ sich von ihm heraufziehen zum Rande des hier beinahe ebenen und schneefreien Gletschers. Stundenweit stieg der von da noch in die Bergeinsamkeit empor. Dort, wo sein Abfall steiler wurde, erschien er wie zernagt und zu bizarren Gebilden zerfressen. Schwerfällig krochen die Nebelschwaden über die zerrissenen Schlünde und Zacken dahin, ein feuchtes, graues Geriesel erfüllte die, vom eisigen Dunst der Gletscherspalten erkältete Luft, .ein zweckloses Durcheinanderfluthen, ein sich Auflösen und Wiederfinden schleierhafter Gebilde, durch das unermüdlich in der feierlichen Stille das Rauschen der milchig trüben Gletscherwasser drang. Wie ein Zauberland:" dachte Elisaketh, während sie hinter dem Alten her leichtfüßig über das Eis schritt. Der Führer blieb stehen und deutete mit der Hand vor sich hin. Dort laa ein vaar bundert Sckrnie enlsernt vas Ziel ihrer Wanderung, die einsame Klubhütte. Wie eine .Insel erhob sich der kleine Eeröllhügel aus den Eismassen, deren starre Fluthen ihn auf drei. Seiten umbrandeten, während auf der vierten der Berg steil hinanstieg. Auf dem Hügel stand als ein schwärzliches Häufchen die Hütte, dürftig aus Steinen aufgemauert, verwettert und schutzsuchend an ein paar riesige Steinblöcke angeduckt. Bor der Hütte aber sah man einen dunklen Punkt, der sich langsam auf und.niederbewegte.
cöKauch!" sagte Elisabeth. Es sind schon Leute da! . . . Mindestens ein Tourist mit zwei Führern! Wie sollen wir denn alle in dem winzigen Qäuscken Vlok finden!" Der alte Zum Brunnen hatte geschwiegen und nur zuweilen im Vorwärtsschreiten unter der vorgehaltenen Hand spähend ausgelugt. Jetzt schienen seine falkenscharfen Augen den Fremdling erkannt zu haben. Der Herr ist allein!" murmelte er. Elisabeth blickte nach der dunklen Gestalt, die eben im Innern der Hütte verschwand. Kennen Sie ihn denn?" Darauf gab der Alte keine direkte Antwort. Der Herr geht ohne. Führer aus," versetzte er und zog das wider alle Gletscherregeln am Boden schleifende Seil straff. Aber ist denn das nicht sehr gefährlich?" Der greise Bergführer drehte sich zu ihr um und es war, als ob ein Lachen um die Runzeln und Falten seines zahnlosen Mundes spiele. Das ist ein rechtschaffener Herr!" sprach er lauter als sonst und setzte beinahe feierlich hinzu: Dem steht das Großschreckhorn wohl an!" Und fabelhaftes Glück hat er auch!" dachte Elisabeth und stieß in eiligem Vorwärtsschreiten energisch den Bergstock in das körnige Eis . . . . daß ihm in dieser schauerlichen Einsamkeit wider alles Erwarten die Gesellschaft einer nicht gerade häßlichen und leidlich jungen Dame zu Theil wird!" Aber erst wollen wi? seh:n, ob er dies Glück überbauvt verdient!" 2. Kapitel.
s war schon beinahe dunkel, als sie die knarrende Thür der Klubhütte öffneten. Drinnen brannte Llcht. Eine im Luftzug flackernde Kerze warf ihren Zitterschein über die ärmliche Umgebung, das mächtige Strohlager, das unten durch eine Holzdiele abgeschlossen und oben mit einem halben Dutzend zusammengerollter Pferdedecken geschmückt, wohl drei Viertel des Raumes einnahm, den grob gezimmerten Tisch und die Holzstühle, den kleinen, behaglich glühenden Kanonenofen und den Schrank, in dem sich das Reserveseil, eine Laterne, der Medizinkasten und allerhand Küchengeräth befanden. Schönen guten Abend!" sagte Elisabeth mit Heller Stimme im Eintreten . . .da kommen späte Gäste!" Eine breitschultrige, kraftstrotzende Gestalt erhob sich von dem Tische. Guten Abend, mein gnädiges Fräulein," erwiderte der Fremde rauh, in leicht süddeutsch gefärbtem Dialekt, aber mit der Verbeugung eines Weltmannes. Dann reichte er dem alten Zum Brunnen die Hand und fuhr ihn barsch an: Jetzt . . was is das denn wieder für ein Unsinn?" Der Alte sah ihn fragend an. Mit der ungeübten Dame da die Krähenwand hinunter zu klettern! Meint Ihr, ich hab' kein Perspektiv bei mir!" Ein ganz gutes Gewissen schien der alte Christen nicht zu haben. Er nestelle an seinem Sack und brummte vor sich hin: Die Dame geht schon guet über die Berge!" Das hab' ich gesehen . . ." erwiderte der finstere Herr . . . deswegen ist's und bleibt's doch ein Unsinn . . ." Elisabeth sah ihn neugierig an. Ein Mann zwischen fünfunddreißig und vierzig Jahren, trug er das englische Montanistenkostüm, wollenen Gürtelrock, wollene Knieehosen und hohe Gletscherstrümpfe. in denen das Spiel der strotzenden Muskeln sich deutlich abzeichnete. Er mußte eine ungeheure Körperstärke besitzen. Aber schön war er wirklich nicht zu nennen. Ein energisches, rauhbärtiges Gesicht, in dem etwas von finsterem Trotze lag, eine mächtige, gefurchte Stirn und darunter ein paar große graue Augen, die jetzt durch den goldgefaßten Zröicker durchdringend blitzten und dann wieder, als er das Glas abnahm, einen seltsam müden Ausdruck gewannen. Der alte Christen stie? sie an und reichte ihr aus dem Tornister das buntseidene Reservehemd und ein paar Wollstrümpfe nebst Dünnen Hausschuhen. Natürlich genirte sie sich, derlei in Gegenwart des fremden Herrn in Empfang zu nehmen. Aber der war schon an der Thüre. Lassen Sie sich Zeit zur Toilette, meine Gnädigste," sagte er. Dem Christen und mir schadet die Abendluft nichts. Nur um der Form zu genügen " er machte nochmals eine kurze, unwirsche Verbeugung mein Name ist Dr. Freiherr von Gündlingen." Damit ging er mit dem Führer hinaus. Vor der Hütte lehnten sie sich im Dämmerli-bt an einen sZel'en. zündeten sich, der eine eine Zigarre, der andere seine Pfeife an und schauten tiefsinnig hinab in das Neöelbrauen des Gletscher?. Lange sprach keiner ein Wort. Endlich frug der Herr mißmutig mit einem Blick nach rückwärts: Wer ist's denn?" Der alte Christen schwieg darauf längere Zeit und sog eifrig an der Stummelpfeife, die er zwischen den eingefallenen Kiefern hin und her drehte. Und als er sich endlich zum Reden entschloß, sagte er nur stumpfsinnig: .Ja vke ts schon guet!" deiui mehr wunie er auch von seiner Dame nicht. ...
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Vie zog sich inzwischen um. Ihr Herz klopfte, wenn sie durch den rohen, spärlich beleuchteten Raum sah. War das alles denn wirklich kein Traum? Befand sie sich wirklich zur Nachtzeit in der Schnee- und Eiswüste des Hochgebirges, stundenweit von jeder menschlichen Wohnung entfernt? Es war kein Zweifel. Draußen auf den Schneefeldern hoch oben hörte sie das Stöhnen des Windes und vor der Thüre die schweren Tritte der beiden Männer, die, um sich vor der Kälte zu schützen, langsam auf und ab gingen. Sie beeilte sich fertig zu werden. Viel war ja auch nicht zu machen. Sie mußte lachen, wenn sie daran dachte, daß' sie jetzt um diese Zeit unten in Grindelwald hätte mit Hilfe ihrer Kammerjungfer in die Table d'hoteToilette schlüpfen müssen. Während hier ja an der einfachen Wollbluse, dem kurzen Knierock und den darunter sich bauschenden Pantalons, den Hirschledernen Gamaschen und niedrigen Schuhen war beim besten Willen nicht viel zu ändern und zu verschönern. Das Brenneisen, das sie schon an der Kerze warm gemacht hatte, ließ sie unschlüssig wieder sinken. Schließlich lohnte sich das kaum! Ein besonderer Verehrer des weiblichen Geschlechts schien ihr Hüttengenosse ja nicht zu sein. Wenigstens hatte sie alles andere als gerade Vergnügen über ihre Ankunft in seinen Zügen lesen können. Und dann wollte sie die draußen auch nicht zu lange warten lassen. Es war so still, so todtenstill draußen. Wenn die beiden nun davongingen sie allein in dieser schrecklichen Einsamkeit zurückließen! Eine unbestimmte Angst erfaßte sie. Sie rannte zur Thüre und riß sie weit auf. Sind Sie noch da?" rief sie mit schwankender Stimme in das Dunkel. Gleich darauf traten die Männer ein. Der alte Christen hockte am Voden nieder und begann die mitgeführten Eßwaaren und die Blechflaschen mit Wein auszupacken. Der Fremde aber setzte sich neben den Ofen, auf dem ein Topf mit Schneewasser summte, rauchte seine Cigarre, zu welcher er mit schweigender Frage ihre Genehmigung eingeholt, und sah gedankenvoll vor sich hin. Ihre herbe, blonde Schönheit schien für ihn nicht zu ezistiren. Kaum daß zuweilen ein Blick flüchtig und gleichgiltig über sie hinglitt.
Nach einer Viertelstunde stand der Herr plötzlich auf, holte einen grauen, länglichen Gegenstand aus der Tasche und schnitt ihn in Scheiben, die er in das brodelnde Wasser warf. Alsbald verbreitete sich der angenehme Geruch von Erbssuppe im Zimmer. Elisabeth sah sehnsüchtig auf. Sie hatte Hunger und erwog, ob sie nicht trotz allen Aergers den finsteren Hochgebirgswanderer um ein bißchen von seiner Suppe bitten sollte, da trat dieser schon mit zwei gefüllten Tellern an den Tisch und schob ihr, sich setzend, den einen höflich zu. Ist das für mich?- fragte sie kühl. Er nickte. Das ist besser, als was Ihnen der alte Christen zusammenkocht. Und Hunger werden Sie schon haben!" Das wär richtig. Sie nahm dankend von dem Brod, das er ihr reichte, und begann eifrig zu löffeln, ja, sie duldete es, daß er zum Ofen ging und ihren Teller zum zweitenmal füllte. Dann brachte der alte Christen das Poulet, das Hauptstück ihrer MarschProvision. Sie bot ihrem Tischgenossen davon an. Aber der dankte stumm und begnügte sich mit einem Stück Käse, das er aus dem Rucksack holte. Dabei warf er einen Blick auf das Glas, das sie sich eben aus der Blechkapsel mit Wein füllte. Das taugt schon gar nichts!" sprach er. Rothwein in den Bergen! He, Christen, warum hat man Euch denn im Hotel keinen ordentlichen Weißen mitgegeben?" Wir haben schon!" murrte der Alte und zog eine zweite große Vlechflasche hervor. Sie ließ sich eingießen und sah indeß ihr Gegenüber halb ärgerlich an. Sie scheinen recht an das Befehlen gewöhnt?" meinte sie spitz. Der zuckte die breiten Schultern: Wenn man so viel Unerfahrenhei! sieht! aber auf meinen Gütern muckst mir keiner. Das ist schon richtig da, für bin ich der Herr." Wo liegen denn Ihre Güter?" Droben am Main," sagte er kurz, und beide verstummten wieder. Mihrend sie schweigend ihre Mahlzeit verzehrten, warf Elisabeth einen prüfenden Blick auf seine Hand. Da war kein Goldreif zu sehen. Er mußte also ledig sein. Er verstand ihren Blick falsch. Von dem Käs' bekommen Sie nickäs!" sprach er und wickelte das ub'rlggedliebene Stück in Papier. Das ist nichts für so 'nen zarten Magen. Und der Magen ist immer das erste, was im Hochgebirge rebellirt." Der alte Christen hatte indessen abgeräumt und stand jetzt mißmuthig neben seiner Herrin, um etwaige weitere Befehle in Empfang zu nehmen. Das war seine Führerpflicht. Aber sehr behaglich schien dem alten grämlichen Gesellen der Gedanke nicht zu sein, hier den Kammerdiener einer jungen Dame zu spielen. Sie sah ihn an und lachte: Legen Sie sich nur schlafen! Ich brauche nichts mehr." Das. ließ sich Zum Brunnen nicht
zweimal sagen, sondern kroch unverzüglich hinauf in das knisternde Stroh und rollte sich dort in der Ecke zu einem undefinirbaren Knäuel zusammen. Nun saßen sich die beiden allein am Tische gegenüber. Zwischen ihnen flackerte die Kerze in dem Windhauch, der durch di? Mauerritzen drang. Man hörte nichts als draußen das eintönige, jetzt, nach dem Scheiden der Tageswärme, mehr ur mehr versiegende Plätschern der Wasser und aus der Ecke das Schnarchen des Alten. Elisabeth mußte lachen, als sie hinschaute. Er hatte sich ein feuerrothes Wolltuch um den Kopf gewickelt, das sich grell von dem Lederbraun des verschrumpften, bartlosen Gesichtes abhob. Jetzt sieht er doch genau wie ein altes Weib aus!" sagte sie nachdenklich zu ihrem Gefährten. Der bejahte durch eine schweigende Kopfneigung die Thatsache, und wieder saßen sie stumm beisammen. Sie sah auf die Uhr. Es war erst halb acht. Das konnte ein schöner Abend werden. Da plötzlich schaute der Andere auf. Jetzt sagen's mir nur," sprach er, was haben Sie da oben zu suchen?" Sie warf mit rascher Bewegung den Kopf zurück. Es sprühte aus ihren großen blauen Augen. Was ich hier suche?" rief sie. Die Freiheit suche ich! Ich will einmal ich selbst sein!" Er schüttelte den Kopf. Das ist mir zu hoch!" Also passen Sie auf!" sagte sie, sich über den Tisch vorbeugend und ihm in's Gesicht schauend, ich will es Jhnen erklären: Diesen Winter hab' ich einmal ein Stück gesehen von Ibsen da breitet die Heldin plötzlich die Arme aus und schreit: ,Jch möchte nur einmal in meinem Leben Himmeldonnerwetter! sagen dürfen!' Sehen Sie das ist's! Ich will auch einmal Himmeldonnerwetter sagen! Es gibt Stunden, wo einem das alles in den Tod zuwider wird dies ewige Maßhalten und alles nur halb Thun und Genießen, wozu wir armen, wohlerzogenen Frauenzimmer verdammt sind. Auf der Straße dürfen wir nur kleine, trippelnde Schritte machen, bei Tisch nur kleine Schlucke trinken, im Salon nur halblaut schwatzen und lachen. Alles Ganze und Große ist uns verboten das ist unweiblich, heißt es. Herrgott ja! und wir sind doch auch Menschen! Ich wenigstens bin ein kerngesunder, kräftiger Mensch, so gut wie ein Mann! Warum soll ich mich denn nun so geben, als ob mir jedes rauhe Lüftchen und jedes laute Wort den Tod bringen würde? Ich will euch einmal etwas erleben! Und darum bin ich bei günstiger Gelegenheit entwischt und hier in die Berge gegangen." Sie hatte sich in Eifer gesprochen. Eine feine Röthe bedeckte ihre Wangen, und ihre Augen glänzten. Ihr Gegenüber sah sie an. mit einem gutmüthig-spöttischen Lächeln. Und was ist jetzt?" fragte er. Jetzt haben Sie doch nur den einen Wunsch: Ach, wäre die schreckliche Nacht schon vorbei, und ich wieder unten in meinem Hotel!" Sie schüttelte ernst das Haupt. Nein, wirklich nicht! Ich habe Grotzes erlebt an dem heutigen Tag. Er kommt mir wie eine Ewigkeit vor, und mir selbst ist. als wäre ich ein ganz anderer Mensch seit heute Morgen. Ich habe dem Tod in's Gesicht gesehen. Ich habe aus eigener Kraft Dinge vollbracht, die ich für unmöglich gehalten hätte. Ich habe meine Angst und meine Schwachheit überwunden und dadurch sehen Sie so eine Art Selbstachtung bekommen gerade das Gefühl, nach dem ich suchte und das ich nie finden konnte, das Gefühl, daß man eine Persönlichkeit ist und nicht immer von anderen bevormundet und gegängelt wird und sich zum Trost dann einmal vor den Spiegel stellen und sich sagen kann: .Wenn ich auch sonst nichts bin hübsch bin ich doch!' Das mag ja den meisten genügen, aber ich fühle so etwas Oedes in mir etwas Unbefriedigtes, einen Drang, etwas Bedeutendes zu thun nun freilich groß sind ja meine alpinen Heldenthaten nicht" Sie brach ab und starrte gedankenvoll in das Kerzenlicht. Ihr Gefährte rückte seinen Stuhl näher. Jetzt schau' 'mal an!" sagte er lächelnd. Das hätt' ich nicht geglaubt also Ihnen sagen die Berge was?" Sie machte große Augen: Ich komme mir jetzt hier wie verzaubert vor!" Und wenn man Sie so anschaut, dann meint man, Sie leben so recht kühl und flott in den Tag hinein, und kümmerten sich recht wenig um das. was" ' So leben wir ja auch!" unterbrach sie ihn und ein herber Zug spielte um ihre Lippen. Ich glaube, wir sind recht unnütze Menschen. Ich fcb'S schon immer dunkel gefühlt, und hier in der Einsamkeit erkenne ich es klar, wie wenig wir was Rechtes aus uns machen " Er war aufgestanden und ging mit schweren Schritten durch die Hütte. In der Einsamkeit" sagte er langsam, vor ihr stehen bleibend, und sah auf sie nieder. Jawohl, mein Fräulein die Einsamkeit ist eine gewaltige Macht. Glauben Sie das eimm' einsamen, ganz einsamen Menschen, wie mir: die Wüste hier die ist wie ein Spiegel. Darin schauen wir uns selbst, und es ist, als ob Staub und Steine uns zurufen: ,Sieh. das bist Du!' Wohl dem. der sein Spiegelbild ruhig betrachten, kann!"
Sein Gesicht hatte sich rerändert. Düsterkeit und. Grimm spielten darüber hin, und ein Ausdruck mächtiger Empfindung lag in seinen großen, starr in's Weite gerichteten Augen. Sie schlug die Wimpern zu ihm auf. Es thut mir leid, daß ich Sie gestört habe!" svrach sie scheu. (Fortsetzung folgt.)
D i e G e m a h l i n d e s V i c ekönigs von Indien. Lady Curzon, hat sich eine Sammlung von Dokumenten angelegt, die die Fortschritte der Hindus in der englischen Sprache und der europäischen Civilisation veranschaulichen sollen. In dieser Sammlung befindet sich ein Brief, den zwei Brüder in Bombay an ihre Freunde und Kunden nach dem Tode ihres Vaters schickten, der das Oberhaupt der Firma gewesen war. Der Brief lautet: Meine Herren! Wir haben das Vergnügen, Ihnen anzuzeigen, daß unser hochverehrter Vater am 10. d. aus diesem Leben geschieden ist. Das Geschäft wird von seinen geliebten Söhnen, die sich hier unterschrieben haben, in unveränderter Weise weitergeführt. Der Opiummarkt ist still und notirt 1.500 Rup. p. cli. O Tod, wo ist dein Stachel, Hölle, wo ist dein Sieg? Wir empfehlen uns . . ." I m Hotel de Ridder du I a r d i n in Brügge entdeckten Tapezierer, die die Wände neu tapezieren sollten, unter dem alten Papier, das die Mauern bedeckte, zwei alte Bilder. Die Stellen, an welchen sich die Bilder befanden, hoben sich von der übrigen Wandfläche ab, und das war schon früher aufgefallen; man hatte aber nicht weiter nachgeforscht, so daß die Bilder bis heute verborgen bleiben konnten. Die auf Leinwand gemalten Gemälde stellen biblische Stoffe dar: auf dem einen Bilde sieht man Moses, der nach dem Durchzug der Jsraeliten das Rothe Meer schließt; das andere Bild ist nicht so gut erhalten, und' die einzelnenGestalten ließen sich noch nicht so genau bestimmen. Ob die Bilder einen höheren Kunstwerth haben, soll erst festgestellt werden, man nimmt an, daß sie von einem Meister der vlämischen Schule des 17. Jahrhunderts gemalt worden sind. Man hat sie wahrscheinlich während der französischen Revolution versteckt, weil damals die Sansculotten zahlreiche Kunstwerke vernichteten oder nach Frankreich entführten. Eine englische Gesellschaft schließt Versicherungen gegen Appendicitis,Erkrankungen amWurmfortsatze des Blinddarms, ab. Dieses Zipfelchen Darm, das der Mensch wie ein Stückchen Erbsünde mitschleppt, hat bekanntlich nur den Zweck, sehr gefährliche Krankheiten hervorzurufen; die Gesellschaft theilt in einem Prospekt mit, daß in England allein im Jahre 1900 15,000 Fälle von Appendicitis zur Operation geführt hätten und daß zehn Prozent dieser Operativnen tödtlich verlausen seien. Auf welcher Unterlage diese erschreckende Berechnung beruht, wird freilich verschwiegen. Diese Gesellschaft versichert bis zu 500 Pfund Sterling und berechnet 5 Schilling für 100 Pfund. Im Falle der Versicherte an Appendicitis erkrankt, werden ihm die Arztkosten, die Kosten des Krankenlagers und die Versicherungssumme erstattet. Erst einen Monat nach Abschluß des Vertrages tritt die Versicherung in Kraft, auch werden nur solche Leute zugelassen, in deren Familien der Wurmfortsatz sich nicht schon durch besondere Bösartigkeit hervorgethan hat. Da die Furcht vor der Blinddarmentzllndung sehr groß ist, macht die sonderbare Gesellschaft vielleicht gute Geschäfte; das Elend der einen ist das Brot der anderen. Zur Warnung für S teue r m o g l e r wird aus Saarbrücken folgender Fall gemeldet: Dort saß dieser Tage der Kaufmann Hochapfel wegen fortgesetzter Steuerhinterziehung auf der Anklagebank. Als in Betracht kommender Steuerbetrag waren von dem Sachverständigen 8540 Mark festgestellt worden. Die Beweisaufnahme ergab die Schuld des Angeklagten, der selbst in den Jahren wirthschaftlichen Aufschwungs unrichtige Angaben gemacht hatte. Hochapfel wurde zur Zahlung des achtfachen Betrages der hinterzogenen Steuer, und zwar zu einer Gesammtstrase von 67.600 Mark und Tragung der nicht unbedeutenden Kosten verurtheilt. Außerdem hat der Angeklagte noch die hinterzogene Steuer und die darauf entfallenden Gemeinde- und Kirchensteuern zu zahlen. Während dieStadtYa n l ton in Süd-Dakota ursprünglich dicht am Missourifluß lag. .ist derselbe neuerdings eine Strecke weit von ihr abgerückt, so daß zwischen seinen Wasfern und dem früheren Hafen Dankton's jetzt eine meilenbreite Sanddüne liegt. Der dem Handel und Wandel dadurch erwachsende Schaden war so groß, daß die Einwohner von Fankton Alles aufboten, um das Kriegs-Depar tement in Washington zum Eingreifen zu bewegen. Dieses hat auch zugesagt, den Fluß womöglich wieder in sein altes Bett zu leiten. Zu diesem Zwecke wird jetzt unter Aufsicht des Ingenieur - Capitäns Chittenden, von der Nebraskaer Seite aus ein Querdamm gebaut, damit das Wasser sich allmähiich wieder nach der anderen Seite vde.
